Lade Inhalt...

Der Einsatz von Fotografien im Fremdsprachenunterricht

Hausarbeit 2006 23 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Rolle von Medien im Fremdsprachenunterricht

3. Fotos – was macht sie für den Unterricht interessant?
3.1. Funktionen von Bildern im Fremdsprachenunterricht
3.2. Das Foto als Sprechanlass
3.3. Kriterien der Fotoauswahl
3.4. Fotobeispiele

4. Fotos im Italienischunterricht
4.1. Wie können Schüler zum beteiligten Sprechen animiert werden?
4.2. Entwurf eines eigenen Unterrichtsvorschlags

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

7. Internet-Quellen

Anhang

1. Einleitung

Visuelle Medien wurden bereits im 17. Jahrhundert im Fremdsprachenunterricht[1] eingesetzt. Bildertafeln und Anschauungsbilder wurden zur Schulung der Perzeption verwendet, aber auch zur Einführung in verschiedene Wissensgebiete oder zur Bezeichnung und Begriffsbildung.

Comenius[2] - ein Philosoph, Theologe und Pädagoge des 17. Jahrhunderts - setzte visuelle Medien zur Veranschaulichung im FSU ein. Sein „Orbus sensualium pictus“, das die Welt von Gott bis zu den Insekten beschreibt und Illustrationen in Form von Holzschnitten beinhaltet, kann „(.) zugleich als die Erfindung des Schulbuchs, als Vorläufer des Comics und als erstes tatsächlich "multimediales" Unterrichtsmaterial gesehen werden.“[3].

Ende des 19. Jahrhundert wurde der Gebrauch von visuellen Medien für den Unterricht wieder neu entdeckt. Der Realschullehrer Carl Griep veröffentlichte 1858 ein französisch-deutsches Vokabelverzeichnis zu den 16 Bildertafeln Wilkes, die die ältesten unter den im FSU benutzten Bilderserien wurden. 1839 wurden sie vom Berliner Taubstummenlehrer Carl Wilke lithographiert. Diese Bilderserien zeigen eine Vielzahl städtischer und ländlicher Szenen. Sie zeigen unter anderem Orte wie ein bürgerliches Wohnzimmer oder eine Dorfstraße. Mit dem Einsatz dieser Bildtafeln wollte Griep den FSU für jüngere Schüler nicht nur attraktiver machen, sondern es den Schülern auch ermöglichen, sich konkrete Wortbedeutungen genauer und dauerhafter einzuprägen.[4]

Doch dauerte es noch weitere vierzig Jahre bis sich die Lernmittel und theoretischen Schriften zur Anschauungsmethode häuften.

Bilder in Lehrwerken gewannen zunehmend an Bedeutung und trotz Zeiten der Stagnation und des Rückschritts in den letzten hundert Jahren hat sich der Bildeinsatz im FSU gesteigert.

Heutzutage sind visuelle Medien nicht mehr aus dem FSU wegzudenken. Dass dieses Medium, welches ein recht altes und einfach einzusetzendes Medium ist, so lange einen geringen Wert im FSU hatte, mag damit zusammenhängen, dass lange Zeit die Grammatik-Übersetzungs-Methode vorherrschend war.

Dieser kurze geschichtliche Exkurs soll verdeutlichen wie lange Bilder im FSU schon präsent sind. Im Folgenden soll nun veranschaulicht werden, welchen Stellenwert der Gebrauch von Medien im Allgemeinen im FSU heute hat und warum heutzutage Medien aus dem FSU nicht mehr wegzudenken sind.

Das Hauptaugenmerk ist jedoch auf das visuelle Medium Foto gerichtet.

Welche methodischen Funktionen haben Bilder im Allgemeinen und fotografische Abbildungen im Besonderen? Was macht Fotografien für den Unterricht interessant? Wie kann man Fotos im Unterricht einsetzen?

Diese Fragen sollen in dieser Hausarbeit beantwortet werden. Darüber hinaus wird ein konkreter Unterrichtsvorschlag zum Einsatz von Fotografien im Italienischunterricht gegeben.

2. Die Rolle von Medien im Fremdsprachenunterricht

Schon seit längerer Zeit wird ein stärkerer Einsatz von Medien nicht nur im Deutschunterricht sondern auch im FSU von der Mediendidaktik gefordert, denn Medienvielfalt bietet nicht nur methodische und inhaltliche Abwechslung, sondern bringt auch den Wirklichkeitshintergrund der Zielsprachenkultur in den Unterricht. Interkulturelle Erfahrungen werden dadurch angeregt. Authentische Medien sollten Vorrang vor didaktisierten haben.[5]

Doch was ist eigentlich unter dem Begriff „Medium“ zu verstehen?

Ganz allgemein definiert, speichern und/ oder transportieren Medien über unterschiedliche Kanäle Mitteilungen und Informationen.[6]

Im Zusammenhang mit Schule und Unterricht, steht das Wort „Medium“ seit geraumer Zeit für alles, was eine vermittelnde Funktion im Unterricht ausübt. Dazu gehören angefangen beim Lehrer, der ein personales Medium darstellt, die nicht technischen Medien wie Lehrbuch, Tafel, Landkarten, die traditionellen Medien (auditive, visuelle, audio-visuelle Medien) bis hin zu den technischen, neuen Medien wie Computer.[7]

Medien bestimmen den Alltag von Kindern und Jugendlichen, sodass die Schüler mit Medien im Unterricht ein Stück ihrer selbst begegnen. Das Spannungsfeld zwischen Lerner und Lerngegenstand wird durch medienbezogenes Lernen aktualisiert. Somit werden Formen und Inhalte der eigenen Lebenswelt Teil des Unterrichts. Einerseits werden Medien dadurch zu Werkzeugen und Hilfsmittel, andererseits werden sie selbst zum Gegenstand von Lernprozessen. Sie dienen der Optimierung des Unterrichtsprozesses, denn sie tragen dazu bei, die Unterrichtsführung zu erleichtern und zu vervollkommnen. Ebenfalls sind sie sehr hilfreich, wenn es um Anschaulichkeit einer Darbietung geht:

„Gerade in dieser Hinsicht bietet der Fremdsprachenunterricht ein reich

gefächertes Anwendungsfeld, da viele landeskundliche Einsichten nur über bebilderte Ansichten gewonnen werden können. (.) Medien machen es in sehr vielen Fällen möglich, die Verwendung der Muttersprache im Unterricht zu vermeiden. Im Anfangsunterricht können auf diese Weise neue Wörter über Realien und Bilder erklärt werden; beim Erarbeiten und Testen der Fremdsprache lassen sich vielerlei Übungen und Aufgaben über visuelle Elemente inhaltlich steuern.“

(zitiert nach: Freudenstein 1995, S. 289)

Neben weiteren Aufgabengebieten wie Gliederung und Auflockerung des Unterrichts ist der Einsatz von Medien ganz entscheidend und bedeutend für die Aufrecherhaltung und Stärkung der Motivation des Schülers:

„Das Zeigen eines Films, das Vorspielen eines Songs, die gemeinsame

Erarbeitung eines Posters oder die Gruppenarbeit am Computer bieten Lernanreize, die auf andere Weise entweder überhaupt nicht oder nur weniger wirkungsvoll geboten werden könnten. Das Konzept vom `handelnden Lernen`, für dessen praktische Umsetzung hohe Schülermotivation und vielfältige Schüleraktivitäten eine unerläßliche Voraussetzung darstellen, ist ohne den gezielten Einsatz von Medien überhaupt nicht denkbar.“

( zitiert nach: Freudenstein 1995, S. 289)

Diese Aufgaben werden den Medien im Allgemeinen zugeschrieben.

Welche Funktionen jedoch visuelle Medien im Speziellen haben und was den Einsatz von Fotos im FSU so interessant macht, wird nun im Punkt 3. bearbeitet.

3. Fotos – was macht sie für den Unterricht interessant?

3.1. Funktionen von Bildern im Fremdsprachenunterricht

„Bilder bieten eine überraschende Fülle an sinnvollen Nutzungsmöglichkeiten im Fremdsprachenunterricht. Dies gilt sowohl für konventionelle Unterrichtsformen als auch für Frei- oder Projektarbeit, sowohl für das gesteuerte als auch für das autonome Lernen. Das Bild ist das einzige Medium, das für nahezu alle fremdsprachigen Fertigkeiten eine inhaltliche Stütze bietet, ohne mutter- oder fremdsprachliche Ausdrücke vorzugeben. Es kann in allen Teilbereichen des Sprachlehrens und –lernens eingesetzt werden: Bei der Textrezeption, bei Unterrichtsgesprächen und beim Schreiben, bei der Wortschatz- und Grammatikarbeit sowie im Landeskundeunterricht.“

(zitiert nach: Reinfried, Marcus: Die Funktion von Bildern in Lehr- und Lernmaterialien. In: Jung, Udo (Hg.). Praktische Handreichung für Fremdsprachenlehrer. 2. Aufl. Frankfurt/ Main: Lang 1998. S. 141)

Der Einsatz von Bildern - ob es sich nun um Zeichnungen, Comics, Kunstbilder oder um Fotos handelt – haben eine motivationale Funktion[8] und dienen als Motivation der Sprachproduktion. Damit sie auch wirklich motivierend wirken und die im Folgenden noch genannten Funktion erfüllen können, muss bei der Auswahl der Bilder auf bestimmte Kriterien geachtet werden. Auf diese Kriterien der Bildauswahl wird jedoch erst im Punkt 3.3. eingegangen.

Weiterhin kann der Einsatz von Zeichnungen oder Abbildungen die z ur Verbalisierung stimulierende Bildfunktion erfüllen, d.h. Abbildungen werden als Schreib- und Sprechanlass eingesetzt, um Schüler zum Äußern eigener Gedanken zu ermuntern. Zeichnungen oder Fotografien werden dabei zur mündlichen und schriftlichen Textproduktion, zum Bilden von Handlungsschilderungen oder zum Geben von Bildbeschreibungen eingesetzt.

Statische Bilder können auf der lexikalischen Ebene zur Wortschatzerklärung, auf der propositionalen Ebene zur „Übersetzung“ von Aussagen, auf der pragmatischen Ebene zur Darstellung eines Kommunikationskontexts und auf der textuell-narrativen Ebene zur Darstellung eines Augenblicks in einem Geschehen oder Handlungsverlauf vor allem in direkter Methode eingesetzt werden.[9] Die sogenannte Semantisierende Bildfunktion hat vor allem im Kontext der Bild-Wort-Assoziation somit auch mnemotechnischen Charakter.

Mnemotechnische Hilfen sind auch Abbildungen oder Zeichnungen, wenn sie in der Grammatischen Bildfunktion zum Einprägen grammatischer Strukturen und Regeln eingesetzt werden.

Vor allem Fotografien können in der sogenannten Landeskundlich-interkulturellen Bildfunktion sehr gut angewendet werden. Durch landeskundliche Fotos kann man Informationen über Besonderheiten der Zielkultur vermitteln. Ebenfalls können Bilder- oder Fotografieeinsätze im Unterricht dazu dienen, Interpretationsanstöße und Diskussionsanreize zu geben, um zum Sprechen zu animieren. Eine weitere Möglichkeit des landeskundlichen Bildeinsatzes ist, die durch Bilder gegebenen Anregungen zum Abfassen von Texten zu verwenden. Sie können zur „Dialogisierung und zum Rollenspiel genutzt werden (.). Interaktive sowie handlungs- und projektorientierte Formen des landeskundlichen Bildeinsatzes fügen sich besonders gut in Konzeptionen des interkulturellen Lernens ein, die auf einer Verschränkung von Eigen- und Fremdperspektive basieren.“.[10]

[...]


[1] Im Folgenden durch FSU abgekürzt

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Mediendidaktik

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Orbis_sensualium_pictus

[4] Reinfield, Marcus: Das Bild im Fremdsprachenunterricht. Eine Geschichte der visuellen Medien am Beispiel des Französischunterrichts. Tübingen: Gunter Narr Verlag 1992. S. 87f., 103f.

[5] Gienow Wilfried, Hellwig Karlheinz: Medien prozessorientierter Sprachbegegnung. In: Johannes P. Timm (Hg.). Englisch lehren und lernen. Didaktik des Englischunterrichts. Berlin: Cornelsen 1998. S. 137f.

[6] Ludes, Peter: Einführung in die Medienwissenschaft. Entwicklungen und Theorien. Berlin: E. Schmidt 1998.

S. 28f.

[7] Freudenstein, Reinhold: Funktionen von Unterrichtsmitteln und Medien: Überblick. In: Bausch, Karl-Richard et. al. (Hg.). Handbuch Fremdsprachenunterricht. 3. Aufl. Tübingen: Francke 1995. S. 288f.

[8] die im Folgenden genannten Bildfunktionen sind entnommen aus: Reinfried, Marcus: Die Funktion von Bildern in Lehr- und Lernmaterialien. In: Jung, Udo (Hg.). Praktische Handreichung für Fremdsprachenlehrer. 2. Aufl. Frankfurt/ Main: Lang 1998. S. 137-141

[9] Ebd., S. 137

[10] Reinfried 1997, S. 141

Details

Seiten
23
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640627974
ISBN (Buch)
9783640628308
DOI
10.3239/9783640627974
Dateigröße
695 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Romanistik
Erscheinungsdatum
2010 (Mai)
Note
2
Schlagworte
Stundenentwurf Das Foto als Sprechanlass Kriterien der Fotoauswahl Funktionen von Bildern Fremdsprachendidaktik

Autor

Zurück

Titel: Der Einsatz von Fotografien im Fremdsprachenunterricht