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Augustinus von Hippo

Synthese von Präsentismus und Eternalismus?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 20 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Index

1 Vorwort

2 Definitionen der Zeit

3 Der Prasentismus-Eternalismus-Streit
3.1 Prasentismus
3.2 Eternalismus
3.3 Zusammenfassung

4 Uberlegungen des Augustinus von Hippo
4.1 Uberblick
4.2 Differenzierung des Zeitbegriffs

5 Schlussfolgerung

6 Ausblick

1 Vorwort

"In der Aufhebung der raumlichen und zeitlichen Distanzen wird der Mensch auf eine seltsame Weise ortlos und zeitlos. " (Weischedel, 1967)

Was ware der Mensch und seine Entwicklung ohne die Zeit? 1st Entwicklung im Sinne von Wandel bzw. Veranderung uberhaupt denkbar und falls ja, wie soil eine zeitlose Welt aus- sehen? Wie kaum ein anderes Phanomen fuhlt sich der Mensch mit der Zeit in innigster Weise verbunden in ihr eingebettet. Dementsprechend zahlreich waren im Laufe der Zeit die Versuche festen Boden unter den Fufien zu bekommen und das Wesen des Phanomens zu ergrunden. In der westlichen Philosophietradition lassen sich diesbezugliche Uberlegun- gen auf bis vor 2500 Jahren zuruckverfolgen, und dennoch ist es bis heute nur schemenhaft gelungen die Zeit zu fassen. Es ist weder geklart um was es sich bei Zeitlichkeit tatsachlich handelt, noch konnte bis dato schlussig dargelegt werden, ob sie als eigenstandiges Phano­men, d.h. unabhangig von Veranderung und Materie uberhaupt gefasst werden kann. Trotz der bescheidenen Ergebnisse erfreut sich die Erforschung der Zeit weiterhin grofier Be- liebtheit. Die jungsten Debatten konzentrieren sich vor allem auf die ontologische Natur der Zeit, sowie auf den Bezug zu anderen philosophischen Problemen, insbesondere zum Leib-Seele-Problem. In diesem Zusammenhang versucht auch die noch junge Chronobio- logie mittels Methoden der Neurowissenschaften das subjektive Zeitgefuhl zu erforschen. Uber die grundlegende, breitere Frage nach dem Ursprung des Gegenwartsbewusstseins wirdjedoch bereits seit dem antiken Griechenland debattiert.

Im Rahmen dieser Arbeit soll der Prasentismus-Eternalismus-Streit naher beleuchtet wer­den, also die Frage, inwiefern vergangene und zukunftige Ereignisse tatsachlich als im on- tologischen Sinne existent betrachtet werden konnen oder mussen. Dabei soll speziell auf die Uberlegungen des spatantiken Philosophen und christlichen Kirchenlehrers Augustinus von Hippo (354 bis 430 AD) eingegangen werden, der sich wie kein anderer mit dieser Materie beschaftigte.

2 Definitionen der Zeit

Bis dato konnte keine allgemein anerkannte, schlussige Definition von Zeit (lat. tempus) dargelegt werden. Es gibt jedoch zahlreiche Vorschlage zur Begriffsbestimmung, die im folgenden zusammengefasst dargestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auffallend an diesen Aussagen ist die von der uberwiegenden Mehrheit geaufierte Ansicht, wonach es sich bei der Zeit um kein tatsachliches Phanomen handle, sondern lediglich um eine, wenn auch fur das tagliche Leben nutzliche subjektive Erscheinung oder Illusion. Viele bezweifeln daruber hinaus, dass es jemals zu einer klaren Definition kommen konne, da sich die Zeit analytisch nicht ausreichend von der Wirklichkeit abgrenzen liefie. Dies wurde zumindest erklaren warum bis dato uber das Wesen der Zeit nur vage Aussagen ge- troffen werden konnten. Die humoristische Definition ,,Zeit ist ungefahr“ (Oskar Ullrich, Wikiquote) ware demnach wohl die Zutreffende, wenn auch wenig geeignet uns in der Sa- che weiterzubringen.

Grundsatzlich folgt die moderne Wissenschaft der pragmatischen Auffassung eines Aristo- teles oder Kant und bezeichnet den Zeitbegriff nuchtern distanziert als „das Phanomen der vom menschlichen Bewusstsein wahrgenommenen Form der Veranderungen oder eine Ab- folge von Ereignissen“ (Wikipedia. Die freie Enzyklopadie). Der Zeit wird damit im Ge- gensatz zu Platos realistischer Auffassung keine eigenstandige Natur zugeschrieben (No- minalismus), sondern gilt lediglich als Illusion, die es einem Subjekt erlaubt, die Welt zu ordnen und wahrzunehmen. Exemplarisch bezeichnet der Psychologe William James (1886) Kant folgend das Bewusstsein von Veranderung als eine unabdingbare Bedingung fur die Wahmehmung der Zeit. John Ellis McTaggart greift auf Aristoteles zuruck, wenn er davon ausgeht, dass ,,ein Universum, in dem sich absolut nichts veranderte (einschliefilich der Gedanken der in ihm existierenden bewussten Wesen), ein zeitloses Universum“ ware. Nach dieser weitgehend positivistischen Auffassung kann Zeit nur in Verbindung mit Be- wegung und als ein auf das Engste mit dem Subjekt verbundenes Phanomen verstanden werden. Dies schliefit die intuitive Vorstellung einer objektiven, von der eigenen Person unabhangigen Instanz, im Sinne einer gottlichen kosmischen Uhr, ein uns alle verbinden- des Jetzt aus.

Ungeachtet der relativ klaren Position der Modernen Zeitphilosophie zugunsten einer nicht-realistischen bzw. nominalistischen Auffassung von Zeit, ist die an den Universalien- streit erinnernde Diskussion uber die Moglichkeit einer ontologischen Eigenstandigkeit des Phanomens keineswegs eindeutig entschieden. Ein Beispiel hierfur ist der bis dato andau- ernde Prasentismus-Eternalismus-Streit.

3 Der Prasentismus-Eternalismus-Streit

Wird die Zeit erst durch eine spezielle Anschauung im menschlichen Bewusstsein erschaf- fen oder existiert sie absolut und damit unabhangig vom (wahrnehmenden) Subjekt? Dies ist die Kernfrage des Prasentismus-Eternalismus-Streits, uber die bereits seit Jahrtausenden lebhaft gestritten wird. Es geht also um den ontologischen Status nicht-gegenwartiger Din- ge und Ereignisse. Ahnlich der Frage, ob ein fallender Baum ein Gerausch verursacht, selbst wenn dieses von niemandem gehort wird, streiten sich Eternalisten und Prasentisten daruber, ob es eine Zeit gibt, ohne dass diese durch ein Subjekt erfasst wird. Im folgenden sollen die Positionen beider Schulen dargestellt und ihre Starken und Schwachen aufge- zeigt werden.

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Details

Seiten
20
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640628513
ISBN (Buch)
9783640628582
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151244
Institution / Hochschule
Universität Wien – Philosophie
Note
Befriedigend
Schlagworte
hippo augustinus präsentisums eternalismus philosophie zeit

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