Lade Inhalt...

Spanglish in der (latein)amerikanischen Musik

Magisterarbeit 2009 104 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Spanglish in den USA
1.1 Was ist die Spanglishe Sprache? - Definition
1.2 Funktionen des Sprachwechsels und syntaktische Beschränkungen
1.3 Wortbildung im Spanglishen

2. Die Lateinamerikaner in den USA
2.1 Der Identitätskonflikt der Lateinamerikaner in den USA
2.2 Die Dominikaner in den USA
2.3 Die Puerto Ricaner in den USA

3. Spanglish in der Lateinamerikanischen Musik
3.1 Bachata, Merengue und Reggaeton
3.1.1 Reggaeton
3.1.2 Bachata
3.1.3 Merengue
3.2 Analyse einiger Liedtexte
3.2.1 Dale Don Dale
3.2.2 Atrevete, te,
3.2.3 Woman del Callao
3.2.4 Baila Morena
3.2.5 Verschiedene Textausschnitte aus Reggaetontexten
3.2.6 Verschiedene Textausschnitte aus Bachatatexten

4. Schluss

5. Literaturangaben

6. Anlagen: Diccionario de Reggaeton

Karte der Spanisch sprechenden Gebiete in den USA

0. Einleitung

Diese Magisterarbeit beschäftigt sich mit dem Gebrauch des Phänomens Spanglish in den Liedtexten (latein)amerikanischer Musik. Die meisten der analysierten Lieder werden von puerto-ricanischen Sängern gesungen und so handelt es sich einerseits um amerikanische Musik, da Puerto Rico zu den USA gehört, aber andererseits auch um lateinamerikanische Musik, da Puerto Rico auf Grund der spanischen Sprache und der Kultur zu Lateinamerika zu rechnen ist.

Genauso wie auch beim Code-Switching handelt es sich bei Spanglish um den Sprachkontakt zwischen zwei verschiedenen Sprachen. Wie der Name Spanglish schon sagt, sind die beiden Sprachen, die alternieren, Englisch und Spanisch. Normalerweise tritt Code-Switching hauptsächlich in mündlichen Kommunikationssituationen auf, in denen zwei oder mehr bilinguale Sprecher miteinander kommunizieren. Spanglish tritt eher in meist umgangssprachlichen Kommunikationssituationen auf und beinhaltet oft Code-Switching. Die Texte einiger Lieder weichen jedoch von diesem Muster ab, da sie nicht spontan während einer Unterhaltung entstehen, sondern von den Autoren der Liedtexte geplant und aufgeschrieben werden. In meiner Arbeit werde ich das Phänomen Spanglish an Hand der Beispiele einiger Liedtexte untersuchen. Ich werde zuerst die Besonderheiten des Spanglishen, wie z.B. den Verstoß gegen grammatische Regeln und die vielfältige Wortbildung darstellen. Hierzu erläutere ich als erstes die Bedeutung des Begriffs Spanglish mit Hilfe der Definitionen einiger Linguisten. Danach beschreibe ich die Funktionen des Sprachwechsels und die syntaktischen Beschränkungen, um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Code-Switching und Spanglish deutlich zu machen. Als nächstes gehe ich auf die Wortbildung und das Lexikon des Spanglishen ein, welches einen großen, wenn nicht den wichtigsten Teil des Phänomens ausmacht und sich in diesem Punkt auch deutlich von Code-Switching abhebt. Ich gebe einige Beispiele für die verschiedenen Arten der Wortbildung im Spanglishen, die man teilweise auch in den später analysierten Liedtexten wiederfinden kann. Im Anschluss beschäftige ich mich mit den Lateinamerikanern in den USA, die den größten Teil der Spanglish-Sprecher bilden; und mit ihrem Identitätskonflikt, in den sie oft geraten, da sie nicht nur mit zwei verschiedenen Sprachen, sondern auch mit zwei verschiedenen Kulturen konfrontiert sind. Hierbei gehe ich speziell auf die Dominikaner und die Puerto Ricaner ein, da die analysierten Liedtexte von Sängern bzw. Produzenten diese beiden Nationalitäten stammen.

Als nächstes beschreibe ich die verschiedenen lateinamerikanischen Musikrichtungen, in denen Spanglish vorkommt, um einen Einblick in die Geschichte und Bedeutung der Musik zu bekommen. Danach analysiere ich die Texte von mehreren verschiedenen lateinamerikanischen Liedern und zeige hieran die Besonderheiten des Spanglishen auf, die sich vor allem im Lexikon und durch den Verstoß gegen grammatische Regeln, sowohl des Englischen, als auch des Spanischen zeigen. Zum Schluss fasse ich die wichtigsten Ergebnisse meiner Arbeit noch einmal kurz zusammen.

1. Spanglish in den USA

1.1 Was ist die spanglishe Sprache?- Definition

Da der Begriff Spanglish bisher keine eindeutige Definition in der Literatur hat, ist es wichtig dieses Phänomen zu beschreiben (vgl. Poplack 2004, zitiert nach Pelzer 2006: S.57). Spanglish gibt es schon eine lange Zeit, aber es wurde offiziell nie als Sprache anerkannt. Es wird oft als eine Interimsprache (interlanguage) angesehen, die das Kontinuum einer Mischsprache zwischen Englisch und Spanisch ist. Eine Interimsprache ist eine Sprache, die oft zwischen Sprachgrenzen gesprochen wird (vgl. Franco und Solorio 2007: S.1). Laut Winkelmann (2007: S.27) war Spanglish am Anfang nur ein Slang, also eine nachlässige, grobe, häufig vulgäre Umgangssprache und ein hauptsächlich mündliches Phänomen, das von den unteren, ungebildeten Schichten der Lateinamerikaner gesprochen wurde. Aber es entwickelte sich schnell auch in der geschriebenen Sprache und ist zu einer Erscheinung geworden, die sich immer mehr ausbreitet. Belege dafür gibt es in unterschiedlichen Gebieten des täglichen Lebens, in denen Spanglish inzwischen benutzt wird, wie z.B. im Sport. Einige Beispiele hierfür sind Wörter wie nocaut (=das Knock-out; span.: el knock-out, engl.: knock-out) oder sporsman (=die Sportler; span.: los deportistas, engl.: sportsmen).

Auch in der Geschäftssprache tritt Spanglish häufig auf mit Begriffen wie bisnes (=Geschäft; span.: negocio, engl.: business) oder estraique (=Streik; span.: huelga, engl.: strike). Ebenfalls sehr verbreitet ist Spanglish im Bereich des Computers und des Internets. Dieses sogenannte Cyber-Spanglish breitet sich durch die Millionen von Internetnutzer sehr schnell in den USA, aber auch in Lateinamerika und Spanien aus. Einige Beispiele für Spanglish im Bereich der Computerwelt sind emilio (=E-Mail; span.: correo electrónico, engl.: e-mail), bácop (=Backup; span.: backup, engl.: back-up) oder maus (=Maus; span.: ratón, engl.: mouse). (vgl. Winkelmann 2007: S.27; Beispiele entnommen aus Goridis 2005: S.88, S.89, S.42f)

Laut Winkelmann (2007: S.27) wird die Verbreitung des Spanglishen in den Vereinigten Staaten vor allem durch zweisprachige bzw. spanglishe Zeitschriften, Radio- oder Fernsehsender gefördert.

Die Zeitschrift Latina ist laut García, et al. (2007) eine Zeitschrift, die ausschließlich in Spanglish geschrieben ist und über viele verschiedene Bereiche des täglichen Lebens berichtet.

In dieser Zeitschrift wird, laut Stavans (2003: S.53f), mit dem Slogan “Yo Soy el Army“ geworben, um Lateinamerikaner für den Wehrdienst in den USA zu gewinnen. Laut Nash (1970: S.223) sind Quellen, in denen man Beispiele für Spanglish findet: Zeitungen, Radio, Fernsehen, (Straßen-)Schilder, Unterhaltungen in Bussen, auf Parties und Besprechungen, in Klassenräumen, Postämtern, Geschäften, Banken, und Krankenhäusern - also kurz gesagt, überall, wo Sprache im täglichen Leben benutzt wird. In einigen dieser Bereiche, wie beispielsweise Radio, Fernsehen und Parties, spielt Musik eine wichtige Rolle und so tritt Spanglish nicht nur in Gesprächssituationen auf, sondern auch in Liedern, die im Radio, auf Parties oder im Fernsehen bzw. auf Musiksendern gespielt werden. International bekannte Sänger, die Spanglish in ihren Texten verwenden, sind z.B. Ricky Martin, Marc Anthony, Shakira und Jennifer Lopez.

Laut Stavans (2003: S. 3) wird Spanglish oft als eine Falle beschrieben, in die Lateinamerikaner, auf dem Weg zur Anpassung, geraten. Er erklärt, dass es sich nicht nur um ein Phänomen handelt, das in den Vereinigten Staaten auftritt, sondern überall in der hispanischen Welt: von Buenos Aires bis Bogotá und von Barcelona bis Santo Domingo. Stavans definiert Spanglish als „verbal encounter between Anglo and Hispano civilizations“ (Stavans 2003: S.6). Für ihn ist Spanglish nicht nur eine rein linguistische Erscheinung, da nicht nur zwei verschiedene Sprachen aufeinandertreffen, sondern auch zwei verschiedene Kulturen. (vgl. Stavans 2003: S. 5f)

Aus diesem Grund ist es wichtig, nicht nur die sprachlichen, sondern auch die kulturellen Aspekte des Phänomens Spanglish zu betrachten.

Laut Montes-Alcalá (2005: S.107) repräsentiert die Sprache, die man spricht, die Kultur, mit der man sich identifiziert. Wenn diese Sprachen geachtet werden, so werden auch die Kulturen, die mit diesen Sprachen in Verbindung gebracht werden, geachtet werden. Code- Switching stelle eine Möglichkeit dar, sowohl seine Sprache, als auch seine Kulturen auszudrücken. (vgl. Montes-Alcalá 2005: S.107)

Laut Ghirardini (2006: S.15) ist Spanglish eine Hybridsprache1und es gibt zwei Prozesse, die ihre Basis bilden:

1) Lehnwörter (lexical borrowings)

2) Code-Switching

Man unterscheidet beim Code-Switching zwischen satzinternem und satzexternem Code- Switching. Beim satzinternen Code-Switching wird innerhalb eines Satzes zwischen den beteiligten Sprachen gewechselt (z.B. I visit mi hermanito on the weekends.) und beim satzexternen Code-Switching wird nach einem Satz die Sprache gewechselt (z.B. Estoy bien.

- How are you?). Da Code-Switching auch im Spanglishen eine große Rolle spielt, kommen auch im Spanglishen diese beiden Formen von Code-Switching vor. In spanglishen Sätzen kann es zu einer dritten Form von Code-Switching kommen, dem wortinternen Sprachwechsel. Hierbei wird die Sprache innerhalb eines Wortes gewechselt, wie z.B. pregneada.2

Den Wechsel von Sprachen innerhalb eines Satzes bezeichnet man als Code-Mixing oder auch als satzinternes Code-Switching. Winkelmann beschreibt Codemixing als „[…]eine extreme Form von Codeswitching“ (2007: S.21):

Es entsteht dann, wenn zwei Sprachen über eine längere Zeit hinweg in engem Kontakt miteinander stehen und eine gewisse Stabilität beim wechselseitigen Austausch eingetreten ist. […] Man kann die Sprachen nicht mehr als zwei verschiedene Sprachen oder als ein Übergangsphänomen bezeichnen. Denn die Strukturen beider Sprachen können nicht mehr auseinander gehalten werden und selbst die Sprecher bemerken nicht, dass sie zwei verschiedene Sprachen sprechen. (Winkelmann 2007: S.21)

Ein anderes Modell des Sprachwechsels ist das Borrowing oder die Entlehnung. Unter Borrowing versteht man das Übernehmen von Wörtern oder idiomatischen Ausdrücken einer fremden Sprache, wobei normalerweise das ursprüngliche Wort oder der ursprüngliche Ausdruck abgeändert wird, um in die Grammatik oder Morphologie der Empfängersprache zu passen (vgl. Franco und Solorio 2007: S. 2). Durch Borrowing wird sozusagen das Vokabular der einen Sprache (z.B. Spanisch) mit Hilfe der anderen Sprache (z.B. Englisch) erweitert.

Es gibt zwei verschiedene Arten von Lehnwörtern; die einen haben sich schon in der Gesellschaft etabliert und die anderen sind Ad-hoc-Entlehnungen, die nur von wenigen Sprechern benutzt werden und nicht von der Sprachgemeinschaft akzeptiert sind. Entlehnungen kommen vor allem dann vor, wenn es noch kein eigenes Wort für eine neue Sache gibt, wie z.B. el electroshock (=Elektroschock).

Lehnprägungen sind Wörter oder Ausdrücke, die durch wörtliche Übersetzungen aus der einen in die andere Sprache entstehen. Ein Beispiel hierfür ist llamar para atrás statt „devolver la llamada“, was eine Lehnübersetzung von „(to) call back“ darstellt. Teilweise ist es schwierig zu entscheiden, wann es sich um eine Entlehnung und wann es sich um CodeSwitching handelt. (vgl. Winkelmann 2007: S.21ff)

Transfer und Code-Mixing spielen beim Spanglishen ebenfalls eine Rolle, da man Spanglish als eine Art Code-Mixing bezeichnen könnte und Transfer häufig vorkommt. Laut Winkelmann (2007: S.11) besteht Spanglish aus vielen unterschiedlichen linguistischen Formen, wie Transferenz, Entlehnung und Codemixing, vor allem jedoch Code-Switching. Teilweise wird sogar diskutiert ob Spanglish eine Interimsprache, ein Pidgin, oder eine Kreolsprache ist.

Spanglish passt aber nicht richtig in die Kategorie der Interimsprache, weil es auch in Gebieten gesprochen wird, in denen keine Sprachgrenzen existieren, wie zum Beispiel in New York.

Ein Pidgin ist ein Kommunikationssystem, das Menschen erschaffen, wenn sie trotz ihres Mangels an Kenntnis der anderen Sprache miteinander kommunizieren. Wie bei einem Pidgin handelt es sich nicht um etwas Beständiges, sondern um eine sehr individuelle Sprachform. Diese Tatsache kann zwar den Ursprung des Spanglishen erklären, aber es lässt sich nicht auf seinen Gebrauch anwenden, da die meisten der Spanglish- Sprecher zweisprachig sind. Eine Kreolsprache entsteht, wenn eine Sprachgemeinschaft ein Pidgin als Muttersprache lernt. Dies trifft zwar auf einen Bruchteil der Spanglish-Sprecher zu, da sie auf Grund von mangelnder Sprachkompetenz kein Standardenglisch bzw. -spanisch sprechen können, aber man kann es nicht für alle Sprecher verallgemeinern, da ein Großteil der Sprecher bilingual ist und sich problemlos in beiden Sprachen ausdrücken kann. (vgl. Franco und Solorio 2007: S.1) Damit sich Spanglish zu einer Kreolsprache entwickeln könnte, müssten zweisprachige Gebiete wie Miami oder Teile von New York City isolierte Enklaven sein, ohne Kontakt zu der englischsprachigen Bevölkerung (vgl. Lipski 2004: S.18).

So würden die Kinder irgendwann nur die Mischsprache als Input haben. Erst unter dieser Voraussetzung könnte sich die derzeitige Zweisprachigkeit nach einigen Generationen in eine neue Sprache verwandeln, die sowohl vom Englischen als auch vom Spanischen verschieden ist. Da es aber keine Sprecher gibt, die mit Spanglish als einziger Muttersprache aufwachsen, kann man Spanglish nicht als eine Kreolsprache ansehen.

Manche dieser zweisprachigen Sprecher haben nicht in beiden Sprachen die gleiche Kompetenz und so kann es sein, dass Spanglish eine Interferenz- Erscheinung ist. Das heißt, sie ersetzen Teile des Satzes- oft nur einzelne Wörter- durch Wörter aus der anderen Sprache, die sie besser beherrschen, wenn ihnen das entsprechende Wort nicht direkt einfällt. Dies gilt aber wie gesagt nur für einen Teil der Sprecher und kann nicht für alle SpanglishSprecher verallgemeinert werden, da es auch eine große Anzahl von bilingualen SpanglishSprechern gibt, die sich sowohl in der einen, als auch in der anderen traditionellen Sprache ausdrücken können. (vgl. Franco und Solorio 2007: S.1)

Laut Goridis (2005: S.10) lässt sich Spanglish nicht wie eine Fremdsprache erlernen, da es keine exakten Regeln gibt, sondern nur Sprachgewohnheiten. Auch wenn Spanglish keine eigene Grammatik hat, folgt ein spanglisher Diskurs meist der Grammatik seiner Matrix Sprache3. (vgl. Myers Scotton, 1993, zitiert nach Ghirardini 2006: S. 20) Zwar kann man häufig vorkommende Ausdrücke sammeln, aber je nachdem, wo und wann wer was sammelt, erhält man sehr unterschiedliche Ergebnisse. „Wo“ nimmt Bezug auf das Gebiet, den Bundesstaat oder das Viertel in dem sich die Sprecher befinden; „wann“ bezieht sich auf die Zeit, die die Sprecher bereits in den USA verbracht haben und welcher Generation sie angehören und „wer“ bezieht sich auf die Person, die sammelt und ihre Kriterien und „was“ betrifft das Sprachmaterial, das gesammelt wird. (vgl. Goridis 2005: S.10)

Die Formen des Spanglish können daher sehr unterschiedlich sein, da es eine Kombination aus vielen verschiedenen spanischen Dialekten ist. Dadurch, dass die Sprecher aus vielen verschiedenen spanisch-sprachigen Gebieten kommen und ihren jeweiligen muttersprachlichen Dialekt mitbringen, ergibt sich auch bei der Wortbildung eine große Vielfalt.

Es gibt also nicht nur eine Art Spanglish, sondern viele verschiedene Arten, die von unterschiedlichen Faktoren, wie z.B. Herkunft, Dauer des Aufenthalts in den USA und Bildung abhängen.

Außerdem verfügen die Sprecher über einen unterschiedlichen Grad an Bilingualismus; manche besitzen muttersprachliche Kompetenz in beiden Sprachen; andere besitzen muttersprachliche Kompetenz in Spanisch und geringe Kompetenz in Englisch oder muttersprachliche Kompetenz in Englisch und geringe Kompetenz in Spanisch. Deshalb ist die Relation von dominanter zu nicht-dominanter Sprache von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Nach der Kompetenz der Sprecher richtet sich auch die Basissprache. Die Sprache, in der der Sprecher die größere Kompetenz besitzt, ist meist seine Basissprache. Ein Sprecher mit einer geringen Kompetenz im Englischen wird mit hoher Wahrscheinlichkeit Spanisch als seine Basissprache wählen und umgekehrt. (vgl. Pelzer 2006: S.64ff) Es kann vor allem im lexikalischen Bereich Probleme bei der Verständigung zwischen z.B. Mexikanern und Dominikanern geben, wenn ein und dasselbe Wort in den unterschiedlichen Varianten des Spanischen eine verschiedene Bedeutung hat. Je nach Herkunftsland kann dasselbe Wort in zwei verschiedenen Ländern sogar zwei komplett entgegengesetzte Bedeutungen haben (siehe S. 10).

Dies passiert sowohl bei Wörtern des Standardspanischen, als auch bei Wörtern im Spanglishen. Aber durch die Mischung von Englisch mit verschiedenen spanischen Varianten kann es vorkommen, dass nicht nur die exakte Bedeutung, sondern auch die benutzten Wörter von anderen Lateinamerikanern nicht verstanden werden.

Einige Beispiele hierfür findet man bei Ilan Stavans. In seinem Buch „Spanglish: The making of a new American language“ gibt es ein Spanglish-Wörterbuch, in dem er viele spanglishe Wörter aufführt und teilweise das Ursprungsland des jeweiligen Wortes angibt (vgl. Stavans 2003: S. 65-250).

Mit Hilfe seiner lateinamerikanischen Studenten sammelte Stavans spanglishe Wörter, die seine Studenten zu Hause, in der Schule oder an öffentlichen Plätzen hörten (vgl. Stavans 2003: S. 21).

Viele der aufgeführten Wörter wurden vorher noch nie aufgeschrieben, weshalb die Schreibweise und die Etymologie nicht immer eindeutig sind. Um in das Spanglish- Wörterbuch aufgenommen zu werden, musste ein Wort mindestens drei Mal belegt sein.

Stavans sagt, dass er mit seinem Buch nicht lehren will, wie man Spanglish spricht, sondern zeigen, wie vielfältig die Sprache der Lateinamerikaner ist. Die Wörter in Stavans SpanglishWörterbuch kommen von Lateinamerikanern unterschiedlicher Nationen und sie werden hauptsächlich in den USA verwendet; einige der Ausdrücke werden zwar nur von bestimmten Gruppen verwendet, wie z.B. Mexikanern oder Puerto Ricanern, aber die Mehrheit der Wörter hat sich bereits in ganz Lateinamerika ausgebreitet und ist nicht mehr nur für ein geographisches Gebiet spezifisch. (vgl. Stavans 2003: S. 55ff)

Ein Beispiel dafür, dass spanglishe Begriffe nicht überall verstanden werden, ist das Wort zafacón4, das in Puerto Rico und der Dominikanischen Republik verwendet wird, aber in anderen Ländern, wie z.B. Mexiko, nicht verstanden wird.

Ein anderes Beispiel ist der Ausdruck „La Sagüesera“, der von Amerikanern kubanischer Herkunft benutzt wird, und der für Lateinamerikaner anderer Herkunft nicht verständlich ist. Mit „La Sagüesera5“ meinen sie den südwestlichen Teil von Miami. (vgl. Stavans 2003: S.13) Ein Beispiel aus dem Standardspanisch ist das Wort guagua. Es bedeutet auf den Kanaren und den Antillen „Bus“, in den Anden dagegen bedeutet es „Säugling“ oder „Baby“. Aus diesem Grund hat das Spanglish von New York wenig mit dem Spanglish von Los Angeles oder von Miami zu tun (vgl. Castro, 1996, zitiert nach Lipski, 2004: S. 5). Laut Marcos-Marín (2005: S.334) gibt es nicht ein allgemeines Spanglish, sondern vielfältige Äußerungen der dialektalen Interferenz des Spanischen mit dem Englischen.

1.2 Funktionen des Sprachwechsels und syntaktische Beschränkungen

Ein kleiner Teil der Funktionen des Sprachwechsels ist es, fehlende Sprachkenntnisse in einer der betreffenden Sprachen auszugleichen und Probleme bei der Verständigung zu vermeiden. Viel wichtiger und entscheidender sind aber die sozialen Funktionen und die Diskursfunktionen. Durch die letzteren Funktionen können bilinguale Sprecher den Verlauf einer Unterhaltung wesentlich beeinflussen. (vgl. Winkelmann 2007: S.17) Einer der Haupteffekte, der durch Code-Switching erreicht werden soll, ist das Verringern bzw. Vergrößern von sozialer Distanz zwischen den Teilnehmern. Darunter fallen Funktionen wie das Ausdrücken von Gefühlen von Wut bis Zuneigung, Demonstration von höherer Bildung bis hin zur Geltendmachung von ethnischer Identität. Weiterhin können Gesprächsteilnehmer durch Code-Switching vom Gespräch ausgeschlossen werden, wenn sie die Sprache, in die gewechselt wird, nicht beherrschen. Das kann versehentlich geschehen, wenn nicht klar ist, ob ein Teilnehmer eine bestimmte Sprache spricht, aber auch absichtlich, z.B. um zu demonstrieren, dass man die Möglichkeit hat, jemanden auszuschließen und dadurch an Macht zu gewinnen. Code-Switching wird außerdem benutzt, um einen ästhetischen Effekt (durch Wiederholungen einer Sache in beiden Sprachen oder durch das Wechseln der Sprache bei der Pointe) zu erzielen. Auch Ironie wird oft durch Code-Switching ausgedrückt. (vgl. Myers-Scotton 1993b: S.132ff)

Peter Auer (1988: S. 170) unterscheidet zwischen verschiedenen Arten des Code-Switching. Zum einen nennt er das Sprecher-orientierte Code-Switching (participant-related switching) und zum anderen das Diskurs-orientierte Code-Switching (discourse-related switching). Das Sprecher-orientierte Code-Switching gibt Auskunft über die Eigenschaften des Sprechers, z.B. über seine Kompetenz in der Sprache oder seine Präferenz, die sowohl abhängig von der Sprachkompetenz des Sprechers ist, als auch vom kulturellen, sozialen und politischen Kontext der Unterhaltung.

Diskurs-bezogener Sprachwechsel dagegen signalisiert eine Veränderung im Kontext der Unterhaltung oder es wird eine Kommunikationsabsicht verdeutlicht. Diese Art des Sprachwechsels signalisiert beispielsweise eine Veränderung in der Teilnehmerkonstellation, den Übergang von formellen zu informellen Sachverhalten oder von einem informativen zu einem bewertenden Gespräch. Außerdem kann Diskurs-bezogenes Code-Switching den Wechsel des Themas signalisieren oder den Kontrast zwischen verschiedenen Sequenzen hervorheben, wie z.B. den Einschub einer Seitenbemerkung (vgl. Auer 1988: S.199). Gumperz (1982) gibt sechs verschieden Diskursfunktionen von Code-Switching an:

a) Zitate
b) Spezifizierung des Adressaten
c) Interjektionen
d) Wiederholungen
e) Nähere Bestimmung einer Nachricht
f) Personalisierung versus Objektivierung einer Aussage

Erstens differenziert er zwischen direkten Zitaten und indirekter Rede und er stellt fest, dass ein Zitat nicht immer in der Sprache wiedergegeben wird, in der es ursprünglich formuliert war. Zweitens wird die Sprache gewechselt, um einen bestimmten Adressat (unter mehreren möglichen) als Empfänger der Nachricht festzulegen. Drittens kann Code-Switching als Satzfüller dienen und dazu Interjektionen zu markieren. Viertens kann durch den Sprachwechsel und die Wiederholung eines Wortes bzw. eines Satzteils, in der anderen Sprache, die Nachricht verdeutlicht oder betont werden. Fünftens wird Code-Switching verwendet, um eine Nachricht näher zu bestimmen. In diesem Fall wird die Nachricht in einer Sprache begonnen und in der anderen Sprache kommentiert. Die sechste Funktion des Sprachwechsels ist Personalisierung versus Objektivierung einer Aussage zu markieren. Also um eine Nachricht mit der persönlichen Meinung und Empfindung des Sprechers von einer distanzierten Nachricht des Sprechers (ohne eigene Meinung) zu unterscheiden. In diesem Fall zeigt der Sprachwechsel, inwieweit der Sprecher in eine Nachricht einbezogen ist oder wie weit er von ihr entfernt ist und ob es sich bei der Aussage um allgemeines Wissen (Objektivierung) oder um die persönliche Meinung (Personalisierung) handelt (vgl. Gumperz 1982: S.75ff).

Zusammenfassend kann man also sagen, dass das Code-Switching sehr unterschiedliche Funktionen haben kann.

Es kann Informationen über die soziale Position der Sprecher geben und es kann zur Identifikation der Sprecher einer bestimmten Gruppe dienen. Es kann die Abgrenzung eines Sprechers von einer bestimmten Gruppe zeigen, aber genauso kann es die Zugehörigkeit eines Sprechers zu einer bestimmten Gruppe zeigen.

Durch Sprachwechsel können außerdem Sachaussagen von persönlichen Kommentaren unterschieden werden, Randbemerkungen hervorgehoben werden. Es zeigt sich der Unterschied zwischen informativen und bewertenden Aussagen und die persönliche Wahrnehmung kann von allgemeinen Aussagen distanziert werden.

Laut Winkelmann (2007: S.20) haben schon viele Sprachwissenschaftler darüber nachgedacht, wann und wo in einem Satz Code-Switching auftreten kann und sie haben versucht, universelle Regeln dafür aufzustellen. Dies ist aber relativ schwierig, da die Mehrheit der aufgestellten Regeln und Beschränkungen von anderen Linguisten durch deren empirische Arbeiten, die sie über andere Sprachgemeinschaften erstellten, widerlegt wurden. 12

Die gegenwärtig meist genannten grammatischen Einschränkungen von Code-Switching sind das Free Morpheme Constraint und das Equivalence Constraint von Shana Poplack, die sie für den Sprachwechsel zwischen Englisch und Spanisch aufstellte. Obwohl Poplacks Theorien teilweise widerlegt wurden, bilden sie trotzdem eine Grundlage für die Erforschung des Code-Switchings.

Das Free Morpheme Constraint besagt erstens, dass die Sprache nach jedem freien Morphem gewechselt werden kann. Zweitens besagt es, dass es innerhalb von gebundenen Morphemen sowie innerhalb von idiomatischen Ausdrücken, die eine feste sprachliche Einheite bilden, nicht zu Code-Switching kommt. Eine Ausnahme bilden phonologische Mischungen innerhalb von gebundenen Morphemen, die teilweise nach den Regeln der einen und teilweise nach den Regeln der anderen Sprache ausgesprochen werden (vgl. Poplack 1980: S.586). Das Free Morpheme Constraint besagt außerdem, dass zwischen einem gebundenen und einem lexikalischen Morphem nicht gewechselt werden darf, es sei denn, die lexikalische Form ist phonologisch in die Sprache des Morphems integriert. Also ist flipeando erlaubt (Inf.: flipear), aber *catcheando nicht, da catch nicht in die spanische Phonologie integriert ist und folglich nicht das spanische Gerundiumssuffix -eando tragen darf (vgl. Romaine 1989: S.115).

Ein Beispiel für die Verletzung der Beschränkungen des ungebundenen Morphems ist der Satz: Estamos como marido y woman (=Wir sind wie Mann und Frau) (Beispiel entnommen aus Pelzer (2006: S.92)). In diesem Beispiel ist die Basissprache Spanisch und es wird ins Englische gewechselt. Der Wechsel ist in diesem Fall aber nicht erlaubt, da es sich um einen idiomatischen Ausdruck handelt und Code-Switching innerhalb von festen sprachlichen Einheiten nicht erlaubt ist.

Ein anderes Bespiel für die Verletzung der Beschränkung des ungebundenen Morphems ist das Wort eatiendo. Code-Switching ist in diesem Fall nicht möglich, da der Stamm eat englisch und das gebundene Gerundialmorphem -iendo spanisch ist und eat nicht in die spanische Phonologie integriert ist (Beispiel entnommen aus Poplack (1980: S.586)). Wenn das eine Morphem jedoch in die Phonologie der anderen Sprache integriert ist, verletzt das gebundene Morphem die Beschränkung nicht. Ein Beispiel hierfür ist der Infintiv janguear (vgl. Stavans 2003: S.152), der eine Entlehnung des englischen Verbs (to) hang out (=rumhängen) darstellt. Da janguear der spanischen Morphologie und Phonologie angepaast wurde und sowohl der Stamm als auch das Gerundiumssuffix derselben Sprache angehören, wird die Beschränkung des gebundenen Morphems nicht verletzt (vgl. Pelzer 2006: S.110).

Das Equivalence Constraint besagt, dass Code-Switching vor allem an den Stellen auftritt, an denen das Nebeneinander von Elementen aus beiden Sprachen die syntaktische Oberflächenstruktur der jeweils anderen Sprache nicht stört, d.h. an denen die syntaktische Struktur der beiden Sprachen kompatibel ist. Die Konstituenten, deren grammatische Struktur in beiden Sprachen nicht deckungsgleich sind, bleiben monolingual. Dabei spielt die Länge einer Konstituente eine untergeordnete Rolle. Das bedeutet, dass ein Wechsel zwischen Adjektiv und Substantiv, wie zum Beispiel in his favorite sport/ su deporte favorito (=sein Lieblingssport) nicht möglich ist, da Kombinationen wie su favorito sport oder his favorite deporte in beiden Sprachen ungrammatisch sind. Diese beiden Kombinationen wären ungrammatisch, da das Englische und das Spanische verschiedene Adjektivstellungen haben; während das Adjektiv im Englischen vor dem Substantiv steht, steht es im Spanischen normalerweise hinter dem Substantiv.

Eine Ausnahme bilden Konstruktionen mit Adjektiven, die vor dem Substantiv stehen können, wie z.B. único in mi único pleasure (statt engl.: my only pleasure (=mein einziges Vergnügen)). (vgl. Pelzer 2006: S.108f)

Laut Ghirardini (2006: S.21) ist Code-Switching zwischen Subjekt und Verb nur in manchen Fällen möglich, selbst wenn Englisch und Spanisch die gleiche syntaktische Struktur (bzw. Konstituentenordnung) haben (hier: Subjekt-Verb). Das folgende Beispiel zeigt die morphologischen Unterschiede zwischen Englisch und Spanisch bei einem Satz mit äquivalenter syntaktischer Struktur:

(1) La chica reads the book. (=The girl reads the book)
(2) *Las chicas read the book. (=The girls read the book)

Das -s von “read” in Satz (1) enthält morphosyntaktische Informationen, die im Subjekt la chica realisiert werden, wogegen das Verb in Satz (2) keine morphosyntaktischen Informationen enthält. Aus diesem Grund ist der Sprachwechsel in Beispiel (1) erlaubt, in Beispiel (2) aber nicht. Subjekt-Verb Code-Switching der Sprachen Spanisch/Englisch ist also nur dann erlaubt, wenn das englische Verb die morphosyntaktischen Informationen enthält, die von der spanischen Struktur benötigt werden. (vgl. Ghirardini 2006: S.21f.) 14

Auch beim spanisch/englischen Sprachwechsel zwischen dem bestimmten Artikel und dem Substantiv gibt es bestimmte Beschränkungen, wie das folgende Beispiel zeigt:

(3) * The chica

(4) La girl

Zwar ist die Konstituentenanordnung wieder in beiden Sprachen gleich, aber die grammatischen Morpheme im Spanischen enthalten morphosyntaktische Informationen (in diesem Fall enthält das /a/ Informationen über Geschlecht und Numerus); das Englische dagegen besitzt keine Geschlechts-grammatischen Morpheme, so dass die Übereinstimmung, die eine Voraussetzung für eine spanische DP6ist, nicht möglich ist. In Beispiel (3) mangelt es dem englischen bestimmten Artikel „the“ an morphosyntaktischen Informationen, die vom spanischen Substantiv „chica“ gebraucht werden, um die Phrase grammatisch zu machen. Folglich sind Konstruktionen wie in Beispiel (3) ungrammatisch, während Konstruktionen wie in Beispiel (4) grammatisch sind, da das Substantiv „girl“ die Geschlechtsbezeichnung seines bestimmten Artikels übernimmt. Hieraus folgt, dass es, in Konstruktionen mit identischer Wortstellung in beiden Sprachen, ungrammatisch ist, vom englischen bestimmten Artikel zu einem spanischen Substantiv zu wechseln, da dem Artikel morphosyntaktische Informationen fehlen. Diese Beschränkung wird bei englischen Lehnwörtern, die ins spanische Lexikon aufgenommen wurden, deutlich, denen immer ein spanischer bestimmter Artikel vorangeht, wie z.B. el dream team, el béisbol. Im Gegensatz dazu geht spanischen Lehnwörtern, die ins englische Lexikon aufgenommen wurden, ein englischer unbestimmter Artikel voraus (z.B.: a sombrero), aber niemals der bestimmte Artikel „the“ (*the sombrero). (vgl.: ebd.: S.22f.)

Diese Form des Sprachwechsels, zwischen dem spanischen bestimmten Artikel und dem englischen Substantiv, kommt in spanglishen Ausdrücken sehr häufig vor. Im Spanglishen beschränkt sich diese Form des Code-Switchings allerdings nicht auf Wörter bzw. Ausdrücke für die es kein spanisches Gegenstück gibt (wie z.B. el dream team; span.: --), sondern es tritt auch bei Wörtern auf, die ein entsprechendes Wort im spanischen Lexikon besitzen (wie z.B. el break, el place, el play, el money; span.: pausa/descanso/recreo, lugar/sitio, juego/partido, dinero). Diese Form des Code-Switchings tritt im Spanglishen sehr häufig auf, wie man in den analysierten Liedtexten (in Kapitel 3.2) sehen kann.

Ebenfalls sehr bekannt ist das Matrix Language-Frame (MLF) Modell von Carol Myers- Scotton. Es besagt, dass Code-Switching innerhalb der Beschränkungen eines konzeptuellen Rahmens stattfindet, der hauptsächlich durch semantische und morphosyntaktische Verfahren festgesetzt ist. Diese Verfahren werden von einer der beiden am Code-Switching beteiligten Sprachen bestimmt, der Matrix Sprache (Matrix Language ▬ML). Die andere Sprache wird als eingebettete/untergeordnete Sprache (Embedded Language ▬EL) bezeichnet. Zwar kann es in manchen Fällen mehrere untergeordnete Sprachen geben, aber es gibt immer nur eine Matrix Sprache. (vgl. Myers-Scotton 1993a: S.75)

Dieses Modell wird laut Winkelmann (2007: S.21) benutzt, wenn es sich um den Sprachwechsel zwischen typologisch verschiedener Sprachen handelt, wie beispielsweise Englisch-Spanisch. Das Modell geht von einer dominanten Matrixsprache aus, in die beim Sprachwechsel Elemente der untergeordneten Sprache eingefügt werden. Die Matrixsprache ist die Basissprache im Satz und spielt auch strukturell eine prägende Rolle, da sie den morpho-syntaktischen Rahmen für den Sprachwechsel festlegt, d.h. sie legt z.B. die Anordnung der Morpheme fest. Jedoch ist es nicht immer möglich, eindeutig zu entscheiden, welche der beiden Sprachen die Matrixsprache ist und welche die eingebettete Sprache, wie das folgende Beispiel zeigt: Hay un friendly atmosphere.

1.3 Wortbildung und Lexikon im Spanglishen

Ein Problem bei der Einteilung der spanglishen Wörter in verschiedene Kategorien ist, dass es mehrere verschiedene Schreibweisen für ein Wort geben kann, oder es je nach Schreibweise in verschiedene Kategorien gehört oder in mehrere Kategorien gleichzeitig. Ein Beispiel hierfür sind Wörter, die phonetisch an die andere Sprache angepasst sind und die sich so sehr verändert haben, dass man ihren Ursprung nicht mehr eindeutig erkennen kann. Dies gilt z.B. für das Wort „zafacón“ (vgl. Stavans 2003: S.249); ohne die Herkunft des Wortes (abgeleitet vom englischen „safe a can/safety can“) zu kennen, ist das Wort für spanisch- bzw. englischsprachige Sprecher nicht verständlich und man könnte es deswegen auch den Neologismen zuordnen. Die meisten spanglishen Wörter sind Neologismen, da es sich um neu gebildete Wörter handelt, die vorher nicht in dieser Form existierten. Bei einem Großteil der Wörter handelt es sich um Lehnwörter, die der anderen Sprache angepasst sind. Ein großer Teil der Wörter stammt aus dem Lexikon des Englischen und wird an das Spanische angepasst; es gibt aber auch den umgekehrten Fall.

Um einen besseren Überblick über die verschiedenen neu gebildeten Wörter zu bekommen, kann man sie in unterschiedliche Kategorien einteilen.

Stavans unterteilt spanglishe Wörter in drei Kategorien:

[1]Lehnwörter des Englischen oder des Spanischen;
[2]falsch ins Spanische oder ins Englische übersetzte Ausdrücke und
[3]angepasste Wörter (die oft eine Folge von Rechtschreibfehlern bzw. Aussprachefehlern und von Missverständnissen sind).

Auch Nash (1970: S.225ff) unterteilt die spanglishen Wörter in drei Kategorien:

[Typ 1] Wörter, die unverändert in ihrer Originalform in die andere Sprache übernommen werden

a) Technische und wissenschaftliche Ausdrücke (z.B.: mouse; web)
b) Häufig verwendete englische Wörter, die statt der schon existierenden Wörter im Spanischen verwendet werden (z.B.: el army; el bos)
c) Kulturelle Lehnwörter, von denen einige unübersetzbare (englische) idiomatische Ausdrücke sind (z.B.: homerun; inning; quarterback;hit-and-run; dream team)
d) Firmennamen und Werbeslogan (z.B.: Revolving Charge (de Sears); Lay-Away)

[Typ 2] englische Wörter, die phonologisch/orthographisch oder morphologisch dem Spanischen angepasst werden

a) Anpassung mit Beibehaltung der englischen Bedeutung (z.B.: rufo (=Dach, engl.: roof; parquear (=parken, engl.: to park))
b) Anpassung mit eingeschränkter englischer Bedeutung (z.B.: estofa (=Drogen/Rauschgift, engl.: stuff))

[Typ 3] Lehnübersetzungen, idiomatische Ausdrücke und Originalausdrücke, die unter

englischem Einfluss eine neue spanische Form bekommen haben (z.B.: dar pensamiento (=über etw. nachdenken, engl.: give thought); hace sentido(=Sinn machen, engl.: make sense); Siete Arriba (=Seven-Up, engl.: Seven-Up))

Laut Nash (1970: S.230) ist der Wortschatz des Spanglishen, der Wortschatz des Lebens und Arbeitens in einer zweisprachigen Welt, in der nicht jeder diese beiden Sprachen fließend beherrscht.

Für die Eingliederung englischer Vokabeln ins Spanische gibt es, laut Lopez Morales (1976, zitiert nach Kubarth, 1987: S.104) vier Möglichkeiten (a) - d)), die strukturell verschieden sind:

a) Beibehaltung des Originals: hook, metal clip (In diesen Fällen wird die Phonetik des Englischen übernommen.)
b) Phonetische Angleichung: cloche < clutch; suitche < switch
c) Morphophonetische Angleichung: chequear < to check
d) Hybridisierung: máquina de printing

Eine andere Möglichkeit der Wortbildung im Spanglishen ist, laut Goridis (2005: S. 20):

e) Wörtliche Übersetzung: llamar pa’tras

Bei allen diesen Kategorien, abgesehen von „Beibehaltung des Originals“, handelt es sich um Neologismen. Einige der spanglishen Wörter passen jedoch in keine der oben genannten Kategorien und man könnte sie deshalb in eine weitere Kategorie einordnen:

f) andere Neologismen: washatería

Zu a) Einige Wörter werden unverändert, d.h. so wie sie sind, von der einen Sprache in die andere übernommen. Viele Wörter werden vom Spanischen ins Englische übernommen. Einige Beispiele hierfür sind:

(1) a. amigo (engl.: friend) (=Freund)

b. mañana (engl.: tomorrow) (=morgen)

c. tortilla (engl.: omelet) (=Omelette)

Ebenso werden aber auch Wörter vom Englischen ins Spanische übernommen. Einige Beispiele hierfür sind:

(2) a. money (span.: dinero) (=Geld)

b. playboy (span.: donjuán) (=Playboy)

c. baby (span.: bebé) (=Baby, Schätzchen)

d. party (span.: fiesta) (=Party, Fest)

e. gentleman (span.: caballero) (=Herr, Ehrenmann)

f. gangster/gangtel (span.: criminal) (=Krimineller) (vgl. Vale Music Spain 2004: S.3)

g. show (span.: espectáculo) (=Show) (vgl. Morínigo 1996: S.619)

(Beispiele (1) a. - c. und (2) a. - e. entnommen aus Stavans 2003: S. 41.)

Eine Ausnahme bilden jedoch die Wörter, die zwar ihre ursprüngliche Form und Bedeutung behalten, aber zusätzlich noch eine komplett neue Bedeutung dazu bekommen. Einige Beispiele hierfür sind:

(3) a. gato/-a (=Junge/Mädchen; eigentlich: span.: Kater/Katze) (vgl. Vale Music Spain 2004: S.3; Renaud und Raúl 2006: S.264)
b. mami (=Mädchen, Frau; eigentlich: span.: Mutti/Mama) (Übers. des Verf.)
c. papi (=Junge, Mann; eigentlich: span.: Papi/Papa) (Übers. des Verf.)
d. guasa (=Lüge oder Falschheit/ wer viel redet und dann nicht handelt ; eigentlich: span.: Scherz/Fadheit) (vgl. Vale Music Spain 2004: S.3)
e. liga (no dar liga) (=(keine) Konkurrenz (sein); eigentlich: span.: Liga (z.B. Fußball) (ebd.: S.3)
f. flow (=Stil, fließende Elektriztät im Körper, während des Tanzens; eigentlich: engl.: Fluss, Strom) (ebd.: S.2)
g. (los) anormales (=mehrere Reggaetonsänger, die sich zusammentun; eigentlich: span.: (anormal): (geistig/körperlich) zurückgebliebene Personen) (ebd.: S.1)
h. (la) automática (=Pistole, Waffe; eigentlich: span: Automatik) (ebd.: S.1; Renaud und Raúl 2006: S.59)
i. guillao (=sich für etwas (besseres) halten, was man nicht ist; eigentlich: (guillado) span.: verrückt) (vgl. Vale Music Spain 2004: S.3)
j. guillarse (=sich für etwas (besseres) halten, was man nicht ist; eigentlich: (guillarse) span.: überschnappen) (abgeleitet von „guillao“)
k. dale (=los geht’s/auf geht’s; eigentlich: span.: gib’s ihr/ihm) (Übers. des Verf.)
l. mamey (=leicht/ einfach zu tun; eigentlich: span.: Mammeibaum/-apfel) (vgl. Renaud und Raúl 2006: S.330)
m. pony/poni/ póney (=Weichei; eigentlich: span.: Pony (Tier)) (Übers. des Verf.)
n. maliante (=Person, die Durcheinander versucht oder Probleme macht; eigentlich span.(maleante): Gauner) (vgl. Vale Music Spain 2004: S.3)
o. corillo/ corrillo (=Gruppe von Freunden, die immer zusammen unterwegs sind; eigentlich: span.: Gesprächskreis) (ebd.: S.3)
p. guayando [Inf.: guayar](=sehr eng miteinander tanzen/sich leicht berühren; statt: span.: reiben, raspeln) (ebd.: S.3)
q. socio (=Gegner, Feind; aber auch bester Freund oder Kumpel; eigentlich: span.: Mitglied) (ebd.: S.4)

Zu b) Bei der phonetischen Angleichung werden die Wörter so verändert, dass sie in der jeweils anderen Sprache leichter auszusprechen sind. Die Orthographie dieser Wörter wird der Phonetik des Spanischen angepasst, um die Aussprache zu erleichtern. Man schreibt die Wörter bei der phonetischen Angleichung also so, wie man sie als Muttersprachler des Spanischen aussprechen würde.

Ein Beispiel für diese Art der Anpassung sind englische Substantive, die auf „-er“ enden. Das englische Suffix dieser Substantive wird häufig durch das spanische Suffix „-a“ ersetzt, da die beiden Suffixe eine starke phonologische Ähnlichkeit besitzen (vgl. Bsp. (4) k. (ticha)). (vgl. Pfaff 1979, zitiert nach Romaine, 1995: S.61)

Einige Beispiele für diese Wörter sind:

(4) a. cachú/ketcho/cachup (=Ketchup; statt: engl.: ketchup; span.: salsa de tomate) (vgl. Stavans 2003: S. 87,157; Goridis 2005: S.51)
b. espresgüei/ (=Autobahn; statt: engl.: expressway; span.: autopista) (vgl. Stavans 2003: S.117)
c. japiverdei (=herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag; statt: engl.: happy birthday; span.: feliz cumpleaños) (vgl. Goridis 2005: S.56)
d. bácop/bacup (=Sicherungskopie; statt: engl.: back-up; span.: copia de seguridad) (vgl. Stavans 2003: S.73; Goridis 2005: S.43)
e. bisi (=beschäftigt; statt: engl.: busy; span.: ocupado) (vgl. Stavans 2003: S.77)
f. chacón (=Schrotflinte; statt: engl.: shotgun; span.: escopeta de perdigones) (ebd.: S.93)
g. fasfú (=Fastfood; statt: engl.: fast food; span.: comida rápida) (ebd.: S.121)
h. welfér (=Sozialhilfe; statt: engl.: welfare; span.: ayuda social) (ebd.: S.244)
i. zafacón/safocón (=Mülleimer; statt: engl.: safety can/ safe a can/ garbage container; span.: cubo de basura) (ebd.: S.215/249)
j. nocaut (=Knock-out; statt: engl.: knock-out; span.: k.o.) (vgl. Goridis 2005: S.121)
k. ticha (=Lehrer/in; statt: engl.: teacher; span.: maestro/-a) (ebd.: S.89)
l. yal (=Frau/Mädchen; statt: engl.: girl; span.: mujer) (vgl. Vale Music Spain 2004: S.4)
m. Nuyol (=New York; statt: engl.: New York; span.: Nueva York) (vgl. Goridis 2005: S.22)

Zu c) Bei der morphophonetischen Angleichung werden die Wörter, ähnlich wie bei der phonetischen Angleichung, so geschrieben, dass sie in der anderen Sprache leichter auszusprechen sind. Zusätzlich dazu werden sie aber auch der Morphologie der Empfängersprache angepasst, indem entweder Endungen wegfallen oder aber Buchstaben bzw. Endungen hinzugefügt werden. Dies geschieht sehr häufig bei englischen Wörtern, die in eine spanische Basissprache eingefügt werden.

Substantive aus dem Englischen werden oft dem maskulinen oder femininen Genus der spanischen Sprache angepasst. Dies geschieht oft durch das Anhängen des Suffixes „-o“ bei maskulinen Substantiven oder des Suffixes „-a“ bei femininen Substantiven. Manche Substantive treten in der einen Sprachgemeinschaft maskulin auf und in einer anderen Sprachgemeinschaft feminin oder es existieren beide Varianten des Substantivs (Bsp.: (6) b.). (vgl. Pelzer 2006: S.137f)

Bei englischen Wörtern, die mit „s“ beginnen, wird häufig ein prothetisches „e-“ an den Anfang des Wortes gesetzt, dies gilt vor allem für die Wörter, die mit „s“ + Konsonant beginnen. Diese e-Prothese vereinfacht Muttersprachlern des Spanischen die Aussprache der mit „s-“ beginnenden Wörter.

Einige Beispiele hierfür sind:

(5) a. estraique (=Streik; statt: engl.: strike; span.: huelga) (vgl. Goridis 2005: S.89)
b. estylo/estaile (=Stil; statt: engl.: style; span.: estilo) (vgl. Stavans 2003: S.119; Goridis 2005: S.94)
c. espelear (=buchstabieren; statt: engl.: spell; span.: deletrear) (vgl. Goridis 2005: S.68)

Die Wörter in Beispiel (5) wurden nicht nur durch das prothetische „e-“, sondern auch durch die veränderte Endung der spanischen Sprache angepasst. In Beispiel (5) a. wurde das „i“ aus strike durch „ai“ ersetzt und die Endung „ke“ durch „que“. Bei Beispiel (5) b. + c. wurde ebenfalls die Endung verändert, indem an das Substantiv ein „o“ gehängt wurde und an das Verb die Endung „ear“. Durch diese orthographischen und morphologischen Veränderungen sind die Wörter phonologisch und morphologisch an die spanische Sprache angepasst. Einige Beispiele für die morphophonetische Angleichung von Wörtern, die nicht mit einem prothetischen „e-“ beginnen, sind:

(6) a. carpeta (=Teppich; statt: engl.: carpet; span.: alfombra) (vgl. Stavans 2003: S.91)
b. rufo/ruffo/rufa (=Dach; statt: engl.: roof; span.: techo/tejado) (vgl. Stavans 2003: S.214; Goridis 2005: S.34)
c. troca (=LKW; statt: engl.: truck; span.: camión) (vgl. Goridis 2005: S.96)
d. chainear (=scheinen; statt: engl.: (to) shine; span.: brillar) (vgl. Stavans 2003: S.93)
e. vaquiumear/vacunear (=Staubsaugen; statt: engl.: vacuum; span.: pasar la aspiradora) (ebd.: S.239; 240)
f. parqueo (=Parkplatz; statt: engl.: parking space; span.: aparcamiento) (vgl. Goridis 2005: S.97; Renaud und Raúl 2006: S.402)
g. pregneada (=schwanger; statt: engl.: pregnant; span.: embarazada) (vgl. Stavans 2003: S.198)
h. frontear (=gehen als ob man das Sagen hätte; statt: engl.: (to) front; span.: mandar) (vgl. Vale Music Spain 2004: S.3)
i. girla (=Mädchen; statt: engl.: girl; span.: muchacha) (ebd.: S.3)
j. janguiar/ janguear (=herumhängen; statt: engl.: (to) hang out; span.: estar sin hacer nada) (vgl. Goridis 2005: S.60; Stavans 2003: S.152)
k. cachar (=fangen; statt: engl.: (to) catch; span.: coger) (ebd.: S. 73)
l. doguito (=Hündchen; statt: engl.: doggy; span.: perrito) (vgl. Goridis 2005: S.19)

Bei Beispiel (6) a. wird ein „a“ an das englische Wort carpet angehängt, um es der spanischen Morphologie anzugleichen. Diese Veränderung hat zur Folge, dass das neugebildete Wort „carpeta“ leicht mit dem standardspanischen Wort „carpeta“ verwechselt werden kann. Monolinguale Sprecher des Spanischen würden das Wort also wahrscheinlich als standardspanisch ansehen und es mit „Mappe“ übersetzen, und nicht (spanglish) mit „Teppich“. Durch diesen Bedeutungsunterschied kann es vorkommen, dass der Zuhörer den Satz nicht oder falsch versteht. Wenn man den Ursprung des Wortes nicht kennen würde, könnte man das Wort auch zu der Gruppe der Wörter zählen, die die Form des spanischen oder englischen Originals beibehalten und eine neue Bedeutung hinzubekommen.

[...]


1Eine Hybridsprache (hybrid▬von zweierlei Herkunft, gemischt, aus verschiedenem zusammengesetzt (vgl. Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion: 1997: S.333)) ist eine Mischsprache mit zweierlei Herkunft.

2Das Beispiel ist entnommen aus Stavans 2003: S.198.

3Die Matrixsprache ist die dominierende Sprache im Satz, in welche die untergeordnete Sprache eingefügt wird. (vgl. Myers-Scotton 1993a: S.75)

4Das Wort zafacón bedeutet übersetzt „Mülleimer“ und ist wahrscheinlich vom englischen Ausdruck safety can/safe a can abgeleitet (vgl. Stavans 2003: S.249).

5Wahrscheinlich lautet der englische Ursprungsbegriff von „Sagüesera“ „Southwest Area“. (Anm. des Verf.)

6Eine DP ist eine Determinativphrase, also ein Phrase bestehend aus einem bestimmten/unbestimmten Artikel (oder einem Demonstrativ-, Possessiv-, oder Indefinitpronomen) und einem Substantiv. (Anm. des Verf.)

Details

Seiten
104
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640630387
ISBN (Buch)
9783640630745
Dateigröße
4.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151266
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,7
Schlagworte
Spanglish Musik

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Spanglish in der (latein)amerikanischen Musik