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Biosprit auf Kosten des Regenwaldes. Der Palmölanbau in Südostasien

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 19 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Phys. Geogr., Geomorphologie, Umweltforschung

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Die Ölpalme und ihre Nutzung
2.1 Herkunft
2.2 Gewonnene Produkte
2.3 Der internationale Palmölhandel
2.4 Vor- und Nachteile der Ölpalme und des Palmöls
2.4.1 Arbeitskräfte
2.4.2 Produktivität und Ertrag
2.4.3 Anpassung der Pflanze

3. Palmöl als Biodiesel

4. Der Anbau der Ölpalme und dessen Konsequenzen
4.1 Flächenexpansion
4.2 Ökologische Folgen der Regenwaldzerstörung im Zuge des Ölpalmbooms
4.3 Soziale Folgen des Ölpalmbooms

5. Die CO2-Bilanz

6. Fazit

7. Literatur

1. Einleitung

Die erste Assoziation, die man für gewöhnlich mit dem Wort „Bio-“ wie in „Bio- Lebensmittel“, „Bio-Siegel“ oder „Biosprit“ hat, umfasst Attributionen wie „umweltfreundlich“, „naturbewusst“ und „gut für die Gesundheit“. Der Umweltgedanke versteckt sich unter anderem auch hinter der Einführung der Beimischung von Biotreibstoffen, wie es die EU von ihren Mitgliedsstaaten verlangt. Doch wie „bio“ ist der „Biosprit“ wirklich? Die folgende Arbeit wirft einen kritischen Blick auf das Palmöl, von dem sich viele erhoffen, dass es den Ansprüchen an einem nachhaltigproduzierten Biodiesel gerecht wird.

2. Die Ölpalme und ihre Nutzung

2.1 Herkunft

Die Ölpalme ist eine Pflanze, die an die klimatischen Bedingungen des tropischen Regenwaldgürtels angepasst und deshalb nur dort anzufinden ist. Ursprünglich stammt sie von der Guinea-Küste Westafrikas, wo sie seit jeher als Speiseölquelle für den heimischen Markt dient (vgl. Scholz, 2004:10). Durch die Kolonialmächte kam die Pflanze um 1917 nach Malaysia, wo sie seit 1960 extensiv angebaut wird. Seit 1980 wird der Anbau auch in Indonesien im großen Stil betrieben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Anteile der Herkunftsländer der Ölpalme in Prozent (United States Department of Agriculture, 2007)

Wie aus der Abbildung 1 ersichtlich wird, findet mit knapp 90% der Großteil des Palmölanbaus in Malaysia und Indonesien statt, wobei der Anteil Indonesiens stetig wächst und Malaysia als Hauptherkunftsland bereits abgelöst wurde.

2.2 Gewonnene Produkte

Drei Rohprodukte werden aus der Ölpalme gewonnen: Palmöl, Palmkernöl sowie Palmkernschrot. Laut Scholz (2004:11) ist die Ölpalme damit „die einzige Nutzpflanze, die zwei verschiedene Öle liefert.“ Das Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der Palmenfrucht gewonnen und macht 88% des Ölanteils aus. Aufgrund des hohen Anteils (gesunder) ungesättigter Fettsäuren findet dieses Öl hauptsächlich in der Nahrungsmittelindustrie Einsatz (siehe Kapitel 2.3). Für die Verwendung als Biodiesel ist dieses Öl ebenfalls verwendbar (siehe Kapitel 2.4).

Das Palmkernöl, das einen Anteil von 12% des gewonnenen Öls der Pflanze hat, wird hauptsächlich von der oleochemischen Industrie für Kosmetika und Waschmittel verwendet, da es sich wegen der überwiegend gesättigten Fettsäuren weniger für den Verzehr eignet (vgl. Reinhardt et al., 2007:8).

Das Palmkernschrot stellt ein Abfallprodukt der Palmkerne dar und ist deshalb ein günstiges Erzeugnis. Es ist sehr eiweißreich und wird vor allem als Tierfutter in der europäischen Massentierhaltung verwendet (vgl. Reinhardt et al., 2007:28).

2.3 Der internationale Palmölhandel

In Deutschland ist laut Glastra et al. (2002:27) Palmöl zusammen mit Palmkernöl mit 22% das am zweithäufigsten verwendete Pflanzenöl nach Raps mit 39%. Weltweit gesehen ist Palmöl bereits marktführend in der Produktion und im Handel und liegt mit 33,24 Mio. t vor Sojaöl mit 32,43 Mio t (vgl. Reinhardt et al., 2007:10). Neben Europa sind vor allem Indien und China die Hauptabnehmer für Palmöl. Aufgrund der starken Lobby für Soja, konnte sich Palmöl derzeit noch nicht auf dem amerikanischen Markt durchsetzen.

Betrachtet man den Anteil des verwendeten Palmöls in Deutschland, der knapp ein Viertel des gesamten Pflanzenöls beträgt, so ist davon auszugehen, dass jeder Deutsche fast täglich mit einem Produkt, das Palmöl enthält, in Berührung kommt. Laut Scholz (2004:11) versteckt sich Palmöl bei Inhaltsangaben von Lebensmitteln oder anderen Produkten, häufig hinter der allgemein gehaltenen Bezeichnung „pflanzliche Öle“, wodurch sich die meisten Deutschen nicht bewusst sind, dass sie Palmöl überhaupt in derartigen Mengen konsumieren.

2.4 Vor- und Nachteile der Ölpalme und des Palmöls

2.4.1 Arbeitskräfte

Da das Lohnniveau besonders in Indonesien, das sich mittlerweile als Schwellenland bezeichnet (vgl. Strube-Edelmann, 2006:7), generell sehr niedrig ist, wird Palmöl sehr günstig produziert und ist deshalb gegen seine Hauptkonkurrenten Soja-, Raps- und Sonnenblumenöl sehr gut positioniert, „obwohl diese in ihren Erzeugerländern, vor allem in den USA und in der EU, massiv subventioniert werden“ (Scholz, 2004:12).

Die Produktion von Palmöl in Indonesien hat zwar die in Malaysia überstiegen; der Sitz der meisten Industriekonglomerate, die im Palmölhandel mitwirken, ist jedoch weiterhin das wirtschaftlich besser aufgestellte Malaysia. Da die Löhne dort jedoch wesentlich höher liegen, sind vor allem zwei Maßnahmen ergriffen worden, um eine günstige Produktion durch günstige Arbeitskräfte sicherzustellen: Erstens wurden indonesische Gastarbeiter nach Malaysia geholt, die nur knapp über dem indonesischen Lohnniveau bezahlt werden und zweitens haben malaysische Firmen nach Indonesien expandiert (vgl. Pye, 2008:432f). Dort verdient ein Arbeiter laut Scholz (2004:13) umgerechnet ca. 40 € im Monat und lebt damit trotz Arbeit an der Grenze zur Armut. Die Löhne machen ca. 50% der Produktionskosten des Palmöls aus. Schließlich handelt es sich bei der Ölpalme um eine Pflanze, die, anders als zum Beispiel Raps oder Soja, aufgrund ihrer Höhe nur arbeitsaufwändig von Hand geerntet werden kann. Scholz (2004:13) schließt daraus, dass „schon bei mäßiger Lohnerhöhung […] Palmöl seinen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Konkurrenzölen einbüßen“ könnte, da die Produktionskosten stark steigen würden.

2.4.2 Produktivität und Ertrag

Ein wesentlicher Nachteil von Baumkulturen wie der Ölpflanze ist die lange Vorertragsphase in der die Pflanzen nicht produktiv sind. „Erst nach drei Jahren beginnt die Palme zu fruchten und erst mit sieben bis zehn Jahren erreicht sie ihre volle Produktivität“ (Scholz, 2004:13). Dadurch ist es ebenfalls nicht möglich kurzfristig auf andere Kulturen, wie es beim Soja oder Raps möglich ist, umzustellen, um möglicherweise auf den Markt zu reagieren.

Andererseits hat die Pflanze eine extrem hohe Flächenproduktivität verglichen mit den Konkurrenzpflanzen. So liegt der jährliche Ertrag der Palme bei durchschnittlich 3,57 t Öl pro ha. Raps als zweitertragreichste Pflanze kommt auf gerade einmal 0,57 t Öl im Jahr pro ha und wird dabei von der Ölpalme um das sechsfache übertroffen (vgl. Reinhardt et al., 2007:9).

2.4.3 Anpassung der Pflanze

Da die Ölpalme in den dauerfeuchten Tropen beheimatet ist, unterliegt sie keinem periodischen Vegetationszyklus. Das bedeutet, dass sie ganzjährig wachsen und Ertrag bringen kann und das Problem von Saisonarbeit ebenfalls nicht gegeben ist (vgl. Scholz, 2004:13). Desweiteren ist die Pflanze gut an die nährstoffarmen Ferralsolböden der dauerfeuchten Tropen angepasst. Für den Dünger sorgt die Pflanze selbst, indem sie sich von ihrer eigenen organischen Substanz ernährt. Dabei handelt es sich um abgeschlagene Palmwedeln und geleerte Fruchtstände (vgl. Scholz, 2004:14). Auch der Einsatz von Pestiziden hält sich laut Scholz (2004:14) in Grenzen, da sich die Pflanze bis jetzt sehr resistent gegen jegliche Art von Schädlingen gezeigt hat.

Als Nachteil ist die schnelle Verrottung der Früchte zu sehen. Innerhalb von 24 Stunden müssen die Früchte weiterverarbeitet werden, da sie ansonsten verrotten und keinen Ertrag mehr bringen. Das führt dazu, dass kleine Vertragsbauern von Großbetrieben abhängig bleiben, da sie die schnelle Weiterverarbeitung allein nicht leisten könnten (vgl. Pye, 2008:442).

3. Palmöl als Biodiesel

Die meisten Pflanzenöle ähneln in ihren Eigenschaften herkömmlichem Diesel stark; jedoch unterscheiden sie sich in einigen Werten wie zum Beispiel in ihrer Viskosität (vgl. Reinhardt et al., 2007:11). Um Pflanzenöl als Biodiesel einsetzen zu können, gibt es zwei Möglichkeiten: entweder werden die Motoren für Pflanzenöl umgerüstet oder die Pflanzenöle werden chemisch so umgewandelt, dass sie die gleichen Eigenschaften wie Diesel besitzen. Dieser Prozess der Umwandlung wird als Umesterung bezeichnet (vgl. Reinhardt et al., 2007:12).

Durch Umesterung von Pflanzenöl mit Methanol entsteht als Reaktionsprodukt (Pflanzenöl-) Fettsäuremethylester (FAME), der dem Dieselkraftstoff in wesentlichen Eigenschaften ähnlich ist und allgemein als Biodiesel bezeichnet wird (Reinhardt et al., 2007:12).

Die Ziele des Einsatzes von Biokraftstoffen sind einmal die Reduzierung von CO2- Emissionen gegenüber den herkömmlichen fossilen Treibstoffen sowie der Aspekt der Nachhaltigkeit, da es sich um nachwachsende Rohstoffe handelt, von denen man hofft, dass man durch sie eine langfristige Energieversorgung sicherstellen kann (vgl Pye, 2008:431f). Es ist schließlich zu erwarten, dass die Förderung fossiler Energieträger aufgrund ihres begrenzten Vorkommens eines Tages zu Ende geht. Außerdem erhofft man sich in der EU die Unabhängigkeit vom Öl und vom Ölpreis und sieht die „Förderung von Biokraftstoffen als verlässliche Alternative zum Öl im Verkehrssektor“ (Europäische Union, 2007).

Die Europäische Union gibt vor, den Anteil von Biokraftstoffen im Diesel sowie im Benzin (wo Bioethanol beigemischt wird, das zum Beispiel aus Zuckerrohr gewonnen werden kann) schrittweise zu erhöhen. Die Vorgabe für das Jahr 2005 sah einen Beimischungsanteil von 2% vor. Die meisten EU-Staaten blieben jedoch noch deutlich unter dieser Vorgabe (vgl. Reinhardt et al., 2007:16). Für das Jahr 2010 ist eine Quote von 5,75% geplant, wobei die tatsächliche Umsetzung in allen EU- Staaten fraglich erscheint. Schließlich ist für das Jahr 2020 eine Beimischung von 10% vorgesehen. Diese Vorgaben sind jedoch weiterhin freiwillig und damit nicht bindend, was bedeutet, dass keine Sanktionen bei Nichterreichen auferlegt werden (vgl. Pye, 2008:429).

Laut Breuer et al. (2008:60) lag im Jahr 2006 der Anteil von Raps der aus den EU- Ländern stammt in der Gesamtproduktion von Biodiesel mit 73,2% deutlich vor den Konkurrenzpflanzen. Da der Bedarf aufgrund der Nachfrage für Biodiesel groß ist, stieg auch der Preis für Rapsöl deutlich an. An zweiter Stelle lag Soja mit 13,8% vor Palmöl mit abgeschlagenen 2,2% Anteil des europäischen Biodiesels. Eine zehn prozentige Agrodieselbeimischung würde laut Pye (2008:440) einen jährlichen Bedarf von 15,7 Millionen Tonnen Pflanzenöl erzeugen, „wovon der europäische Rapsanbau nur 6 Mio. befriedigen könne“ (Pye, 2008:440).

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Details

Seiten
19
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640629213
ISBN (Buch)
9783640629527
Dateigröße
634 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151371
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Geographie
Note
1,0
Schlagworte
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