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Auslandsberichterstattung deutscher Medien über die islamische Welt

Untersuchung der Berichterstattung über die „islamische Welt“ in der regionalen und überregionalen Presse

Hausarbeit 2009 26 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erhebungsmethode

3. Beispiel
3.l „Foreign news abroad“
3.2 „Foreign news at home“
3.3 „Home news abroad“
3.4 Nachrichten aus Deutschland
3.5 Sonderfälle

4. Typische Artikel

5. Untypische Artikel

6. Fazit: Vergleich mit der Fachliteratur

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang:

1. Einleitung

„Das Thema `Islam` und die Darstellung der Muslime in den Medien gewannen in der Bun- desrepublik nach den Anschlägen auf die Zwillingstürme des World Trade Center […] eine besondere Bedeutung […]. Da direkte Kontakte mit den Muslimen immer noch selten sind, werden die Medien […] immer wichtiger“ (Ates 2006: l5l).

Wer sich vor diesem Hintergrund ein Bild der Berichterstattung deutscher Medien machen will, kann dafür bereits vorliegende Studien heranziehen. Hafez (2002) z.B. hat anhand von quantitativen Daten die Konstruktion des Nahost- und Islambildes in vier großen deutschen Medienprodukten untersucht. Interessant ist jedoch auch, eine eigene Medienbeobachtung anzustellen. In einem Zeitraum von vier Wochen wurde untersucht, wie eine regionale und eine überregionale Zeitung über die „islamische Welt“ berichten. Hierfür wurden die West- deutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) als regionale und die Süddeutsche Zeitung (SZ) als überregionale Zeitung ausgewählt.

Der Begriff „islamische Welt“ kann im Rahmen dieser Untersuchung nicht genau abge- grenzt werden. Auslandsnachrichten können nach Hafez (2005: 58) in verschiedene Kategorien eingeteilt werden wie z.B. „Home news abroad“. Diese Kategorie bedeutet, dass ausländisches Geschehen einen Bezug zum Inland hat. Hierbei zeigt sich, dass es oft Interdependenzen zwischen ausländischem und inländischem Geschehen gibt. Die strikte Definition, dass es sich beim Begriff der „islamischen Welt“ um reines Auslandsgeschehen handeln müsse, erscheint also im Rahmen dieser Untersuchung als zu restriktiv und daher ungeeignet, um die Bandbreite der Berichterstattung angemessen zu erfassen.

Zuerst möchte ich einen Überblick über die Erhebungsmethode geben. Anschließend möch- te ich die erfassten Meldungen und Artikel so kategorisieren, dass sie sich in die verschie- denen Arten der Auslandsnachrichten einteilen lassen.

In einem weiteren Schritt will ich anhand von jeweils zwei Meldungen zeigen, was meiner Ansicht nach typisch als auch untypisch für die Islamberichterstattung im Untersuchungs- zeitraum gewesen ist. Abschließend möchte ich die WAZ/SZ-Untersuchung mit ein paar ausgewählten Aussagen der Fachliteratur vergleichen. Im Anhang sind außerdem ausge- wählte Artikel und die Ergebnisse der Untersuchung ausführlich aufgelistet.

Einschränkend muss jedoch angemerkt werden, dass im Rahmen dieser Hausarbeit Aussa- gen getroffen werden, die sich auf die Beobachtung der vierwöchigen Untersuchung bezie- hen. Allgemeinere Aussagen bedürfen weiterer Untersuchungen.

2. Erhebungsmethode

Der vierwöchige Untersuchungszeitraum war von Dienstag, dem 05. Mai bis Dienstag, dem 02. Juni. Als regionale Zeitung wurde die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ), als überregionale Zeitung die Süddeutsche Zeitung (SZ) ausgewählt und analysiert. Der unter- schiedliche Zeitungsumfang erschwerte allerdings den direkten Vergleich zwischen beiden: Die WAZ hat wochentags 32 Seiten (vgl. Schraven/Laurin 2008). Die SZ hat zwar wochentags denselben Umfang, doch sie hat ein größeres Zeitungslayout.

Die SZ wurde ohne ihre Beilagen „NY Times“ und „SZ Magazin“ erfasst. Es wurden außerdem alle Artikel unabhängig von ihrer Länge berücksichtigt. Sie waren dann für die Untersuchung relevant, wenn sie entweder in geographischer Hinsicht oder kulturell mit der „islamischen Welt“ in Verbindung gebracht werden konnten. Unerheblich war auch, ob der Islam im Mittelpunkt des Artikels stand bzw. konkret benannt wurde. Insgesamt erschienen 203 Artikel, die für die Untersuchung relevant waren. Die meisten davon wurden im Ressort „Politik“ veröffentlicht.

3. Beispiel

In einer Liste wurden zuerst alle relevanten Artikel des jeweiligen Tages erfasst und deren Thema notiert. Die Nachrichten, die auf diese Weise erfasst worden sind, lassen sich in verschiedene Kategorien bzw. Nachrichtenarten einteilen. Hier bietet sich folgende Kategorisierung an: „Foreign news abroad“, „Foreign news at home“, „Home news abroad“, Nachrichten aus Deutschland sowie Sonderfälle.

3.l „Foreign news abroad“

In die Kategorie „Foreign news abroad“ fällt laut Hafez „auswärtiges Geschehen“ (2005: 58) , d.h. diese Nachrichten stehen in keiner Verbindung zu Deutschland. Ein Beispiel dafür ist der Artikel „Verfluchte Schweine“ aus der SZ vom l4. Mai. Er dreht sich um einen Ägypter, dessen Lieder sich z.B. gegen George W. Bush richten oder Titel tragen wie „Ich hasse Israel“. Der Anlass für den Artikel über ihn ist, dass er ein Lied gegen die Schweine- grippe komponiert haben soll.

Schlüsselt man die Nachrichten der Kategorie „Foreign news abroad“ nach Ländern auf, dann ergibt sich folgendes Bild:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mehrere bzw. andere Länder mit muslimischer Bevölkerung [Somalia, Ägypten, Syrien, Abu Dhabi, Indien, Kuwait, Dubai, Libanon]:

Während bei der Berichterstattung über den Nahen Osten für gewöhnlich der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern thematisiert wird, lässt sich das große Nachrichten- aufkommen aus dieser Region zwischen dem 8. und dem l6. Mai mit dem Papstbesuch erklären. Der Islam selbst war dabei eher ein nachrangiges Thema.

Über den Iran wurde im Untersuchungszeitraum ebenfalls häufig berichtet, oft im Zusam- menhang mit den Präsidentschaftswahlen. Nur wenige Nachrichten stammten aus Afgha- nistan, während über das Nachbarland Pakistan recht häufig berichtet wurde. Der Grund dafür war, dass der Konflikt zwischen den Taliban und der pakistanischen Regierung zu einem Flüchtlingsstrom durch das sogenannte „Swat-Tal“ führte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik l: Verteilung der „Foreign news abroad“ ohne die letzte Tabellenzeile (selbst erstellt)

Es scheint, als gäbe es rund fünf „Top-Länder“, die im Rahmen der Berichterstattung über die „islamische Welt“ besonders häufig im Mittelpunkt stehen. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass sie besonders von Konflikten geprägt sind und dortige Ereignisse häufig den Nachrichtenfaktor „Negativismus“ oder „Konflikt“ besitzen. Wie sich später in dieser Arbeit noch zeigen wird, spielen diese Nachrichtenfaktoren im Zusammenhang mit der Islamberichterstattung eine große Rolle.

3.2 „Foreign news at home“

Eine weitere Art von Auslandsnachrichten stellt die Kategorie „Foreign news abroad“ dar. Immer dann, wenn inländisches Geschehen einen Bezug zum Ausland hat, handelt es sich um Nachrichten dieser Kategorie (vgl. Hafez 2005: 58). Ein Beispiel der jüngeren Vergangenheit ohne Bezug zur Islamberichterstattung ist die Demonstration von Tamilen am Düsseldorfer Hauptbahnhof. Sie blockierten die Zuggleise und wollten damit auf Ereignisse im Ausland, nämlich die politische Lage in ihrer Heimat Sri Lanka, aufmerksam machen.

Ein Beispiel aus dem Untersuchungszeitraum ist eine Meldung der WAZ vom Mittwoch, den 27. Mai: Ein Duis- burger Wissenschaftler bezweifelt, dass der Bundeswehr- einsatz in Afghanistan sinnvoll ist.

Weitere Beispiele für „Foreign news at home“ sind: WAZ:

– Die Staatsanwaltschaft Lüneburg hat die Ermitt- lungen gegen Marco eingestellt - Sport: „Kurash ist mir zu hart“ (Der Boxer Ruslan Chagaev lebt in Hamburg und äußert sich besorgt über islamistische Tendenzen in seiner Heimat Usbekistan)

SZ:

- „Das politische Buch“: „Wie im Kalten Krieg. Für eine einseitige Entspannungspolitik gegenüber Iran“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 2: Artikel aus der WAZ, 27.05.2009

(Ausschnitt)

3.3 „Home news abroad“

Um „Home news abroad“ handelt es sich, wenn auswärtiges Geschehen einen Inlandsbe- zug aufweist (vgl. Hafez 2005: 58). Es handelt sich also um eine Umkehrung der Beziehungen, wie sie bei „Foreign news at home“ bestehen. Ein denkbares Beispiel für die Kategorie „Home news abroad“ ist ein Staatsbesuch der Bundeskanzlerin im Ausland.

Ein Beispiel aus dem Untersuchungszeitraum ist ein Artikel aus der SZ von Dienstag, dem

5. Mai: Cem Özdemir, der Parteichef der Partei „Die Grünen“, besucht die Türkei. Weitere Beispiele für „Home news abroad“: WA Z:

- Die Bundeswehr liefert sich Gefechte in Afghanistan (kurzer Bericht auf Titel + Kommentar)

SZ:

- Wirtschaft: „Airline für Afghanistan“: Drei Deutsche bauen Fluggesellschaft auf

- Bundeswehr nimmt Taliban-Führer fest

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 3: Artikel aus der SZ, 05.05.2009 (Ausschnitt)

3.4 Nachrichten aus Deutschland

Viele der relevanten Artikel aus dem Untersuchungszeitraum waren Inlandsnachrichten, die sich mit dem Islam im weitesten Sinne befassten. Nachrichten, die in Deutschland lebende Muslime thematisierten, fielen in diese Kategorie. Wie schon in der Einleitung erwähnt, erschien es im Rahmen dieser Medienbeobachtung nicht sinnvoll, diese Nachrichten aus der Untersuchung auszuschließen mit dem Hinweis, hier handle es sich schließlich nicht um Auslandsberichterstattung im eigentlichen Sinne.

Ein Beispiel für Artikel aus dieser Kategorie ist der Artikel mit dem Titel „Muslime – echt deutsch“ aus der WAZ von Freitag, dem 08. Mai. „Muslime stehen der deutschen Gesell- schaft loyaler gegenüber als oftmals angenommen“, lautet der Anfang des Artikels.

Weitere Beispiele aus dieser Kategorie sind folgende Artikel aus der WAZ:

- Inland: Türkischer Verein DITIB wirbt fürs Grundgesetz - Politik: Muslimin muss am Schwimmunterricht teilnehmen - Politik: „Ermittlungen gegen Leipziger Imam“

3.5 Sonderfälle

Einige Meldungen ließen sich nicht eindeutig kategorisieren. In einem WAZ-Portrait des deutschen Skateboard-Unternehmers Titus Dittmann wurde am Rande erwähnt, dass er jugendlichen Afghanen das Skaten näher bringen will (WAZ, l2.Mai: „Lord Skateboard“). In diese Kategorie fielen außerdem Filmrezensionen, die den Islam thematisieren, die sich aber keinem bestimmten Land zuordnen lassen: In der SZ vom 20.05. wurde der Film „Adoration“ besprochen. Es geht u.a. darum, dass ein jordanischer Terrorist seiner irischen Freundin heimlich eine Bombe ins Flugzeuggepäck geschmuggelt haben soll. Weitere Beispiele für Sonderfälle sind folgende Artikel: - SZ, 22.05.: „Der Staat soll nicht religiös sein“ (Sudanesischer Jura-Professor im Gespräch mit Wolfgang Schäuble) - WAZ, 29.05:

„Muslime fühlen sich diskriminiert“ (EU-weite Umfrage).

Im nächsten Abschnitt möchte ich anhand von jeweils zwei Meldungen zeigen, welche Artikel im Untersuchungszeitraum meines Erachtens typisch und untypisch für die Islamberichterstattung waren.

4. Typische Artikel

Eine typische Artikelart bei der Berichter- stattung über die islamische Welt ist, wenn über Terroranschläge berichtet wird. Typisch beim Aufbau ist der Leadsatz, in dem der Ort und die Zahl der Toten genannt werden.

Dann kommt meist die Zahl der Verletzten, die Quelle und am Schluss, wer hinter dem Anschlag steckt bzw. stecken könnte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 4: Artikel aus der SZ, 28.05.2009

Neben Terroranschlägen tauchen auch regelmäßig Gefechte zwischen der Bundeswehr und Aufständischen bzw. Einheimi- schen in den Nachrichten auf

(= Home news abroad).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 5: Artikel aus der WAZ, 09.05.2009 (Ausschnitt)

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Details

Seiten
26
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640629251
ISBN (Buch)
9783640629398
Dateigröße
965 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151467
Institution / Hochschule
Technische Universität Dortmund – Institut für Journalistik
Note
1,0
Schlagworte
Journalistik Medienwissenschaften Islam Auslandsberichterstattung WAZ Süddeutsche Zeitung Medienauswertung Medienbeobachtung

Autor

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Titel: Auslandsberichterstattung deutscher Medien über die islamische Welt