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„Was hat ein Rabe mit einem Schreibtisch gemeinsam?“

Oder: Was Tim Burton aus Lewis Carrolls Alice-Romanen gemacht hat

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 22 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Lewis Carroll

3. Worum es in den Alice-Romanen geht
3.1 Alice im Wunderland
3.2 Durch den Spiegel und was Alice dort fand

4. Erstes Fazit

5. Was hat Tim Burton inhaltlich aus den Vorlagen gemacht?

6. Zeichnungen und deren Übertragung ins Filmformat

7. Rahmenhandlung

8. Die Figuren in ihrem jeweiligen Kontext
8.1 Das Unterland und seine Bewohner
8.2 Die Königinnen
8.3 Alice selbst

9. Fazit

10. Literatur

11. Eigenständigkeitserklärung

1. Einführung

1865 veröffentlichte Lewis Carroll das Buch „Alice's Adventures in Wonderland“, in Deutschland bekannt unter dem Titel „Alices Abenteuer im Wunderland“. Inspiration zu diesem Werk fand Carroll laut Günther Flemming[1] im Juli 1862 bei einer Bootsfahrt mit einem Freund, Robinson Duckworth, und den drei Töchtern des Oxforder Dekans Liddell. Er erzählte Lorina Charlotte, Alice Pleasance und Edith Mary eine Geschichte, die er später als Manuskript unter dem Titel „Alice's Adventures Under Ground“ zusammenfasste. Später erweiterte er diese und fand zu dem schlussendlichen Titel. Das Manuskript lag im Hause Liddell aus und fand bei deren Besuchern großen Anklang. Vor allem Henry Kingsley, ein Bruder des Kinderbuchautors Charles Kingsley, den Carroll sehr schätzte, drängte Carroll, die Geschichte zu veröffentlichen.

Von dieser ersten Ausgabe gibt es heute noch 22 Exemplare, wenige in privatem Besitz, die meisten aber im Besitz öffentlicher Bibliotheken. 1998 wurde eins der Exemplare für 1 500 000 US-Dollar versteigert und wurde damit zum teuersten Kinderbuch aller Zeiten.[2]

1871 brachte Carroll eine Fortsetzung der Geschichte auf den Markt: „Durch den Spiegel und was Alice dort fand“ bzw. „Alice hinter den Spiegeln“ bzw. „Through the Looking- Glass, and What Alice Found There“.

1890 brachte Carroll selbst noch einmal eine verkürzte Fassung für Kinder bis zu fünf Jahren heraus: „The Nursery Alice“. Das Buch „Alice im Wunderland“ wurde etliche Male als Bühnenstück verarbeitet und als Film adaptiert. In diesem Jahr fand eine neue Filmfassung ihren Weg in die Kinos: die des Regisseurs Tim Burton. In seiner Version bedient sich der kalifornische Filmemacher beider Alice-Romane. In vorherigen Verfilmungen hatten sich die Regisseure meist auf nur einen Roman bezogen.

2. Lewis Carroll

Wer ist überhaupt der Autor dieser Werke, die noch heute Kinder und Erwachsene begeistern?

Laut Martin Gardner[3] führte Charles Lutwidge Dodgson, so Carrolls wahrer Name, sein Leben lang gerne Zauber- und Taschenspielertricks vor. Doch auch andere Spiele gefielen ihm: vor allem Schach, Backgammon, Krocket und Billard.

Ebenso beschäftigte sich der schüchterne und exzentrische Junggeselle gerne mit der Fotografie. Sein Spezialgebiet wurden Porträts von Kindern und berühmten Menschen. „Er erfand in reicher Zahl mathematische Rätsel, Wortspiele und -tüfteleien, Geheimschriften und ein System, nach dem sich Zahlen besser merken ließen [...]“.[4] Auch für das Theater und die Oper begeisterte sich der Mathematiker, der am Christ Church Collge ein Oxford lehrte. Doch besonders in der Unterhaltung kleiner Mädchen fand er seine Erfüllung. „Ich mag Kinder (Jungen ausgenommen)“, zitiert Gardner den Schriftsteller.

Was Alice Liddell angeht, befürchtete deren Mutter, Carroll sei in ihre Tochter verliebt. Gardner beschreibt, dass Mrs. Liddell versuchte, Carroll von ihrer Tochter fernzuhalten und auch seine frühen Briefe an sie verbrannte. Forscher sind sich uneins in der Frage, was von Carrolls Verhältnis zu jungen Mädchen zu halten sei. Platonische Verehrung ihrer jungfräulichen Unschuld, was für die damalige Zeit nicht ungewöhnlich gewesen wäre, oder kranke Liebe zu einer Minderjährigen? Eine sichere Antwort gibt es bis heute nicht.

3. Worum es in den Alice-Romanen geht

3.1 „Alices Abenteuer im Wunderland“:

Alice, die Protagonistin der Geschichte, langweilt sich bei einem Picknick mit ihrer Schwester. Der Erzähler hält sich dabei beobachtend zurück, Aktivität überlässt er jemand bzw. etwas anderem: dem weißen Kaninchen, das als treibende Kraft durch beide Romane hoppelt. Als Alice das Kaninchen mit den rosafarbenen Augen sieht, folgt sie ihm in dessen Bau. Ab da ist der Vierbeiner dafür zuständig, die Handlung voranzutreiben. Durch einen langen Tunnel gelangt sie in eine schräge andere Welt voller paradoxer und absurder Gestalten. Sprechende Tiere, Babys, die zu Ferkeln werden und eine Katze, die sich Stück für Stück unsichtbar machen kann, sind nur ein paar Beispiele für Alices Erlebnisse. Weiterhin trifft sie auf einen Schildkrötensupperich, der ihr zusammen mit einem Greif die Hummerquadrille, einen Tanz, beibringt. Weiter begegnet sie dem Märzhasen und dem Hutmacher. Die halten seit ungeklärt langer Zeit eine Teeparty ab. Der Grund dafür: Ihre Uhren zeigen keine Stunden, sondern Tage an und so ist es für sie immer Teezeit. Am Ende landet Alice bei einem Krocket-Spiel mit der hartherzigen Herz-Königin, die allen rigoros den Kopf abschlagen will. Zum Schluss soll auch Alice geköpft werden, da sie vor Gericht – es geht um den noch nicht geschehenen Diebstahl von Törtchen – nicht die Zeugenaussage liefert, die die Herz-Königin verlangt. Mitten im Streit darüber wacht Alice neben ihrer Schwester auf und scheint alles Erlebte nur geträumt zu haben.

3.2 „Durch den Spiegel und was Alice dort fand“:

Die Handlung dieser weniger bekannten Fortsetzung windet sich um eine Art Schachpartie. Alice ist sieben Jahre alt und spielt mit ihren drei Katzen. Dabei erzählt sie Dinah[5], Kitti und Schneeflöckchen von einer Schachpartie und von einem Haus im Spiegel. Sie träumt davon, es zu erkunden und genau an dieser Stelle beginnt auch ihr Traum. Sie landet durch einen Spiegel im Salon dahinter, wo das schwarze und weiße Königspaar in Spielfigurgröße umherlaufen. Doch besonders der Garten außerhalb des Spiegelhauses interessiert Alice. Dort trifft sie auf lebende Blumen, die sich ihr gegenüber nicht allzu höflich benehmen. Ebenfalls begegnet sie der dann lebensgroßen schwarzen Königin, die ihr erklärt wie sie über die einzelnen Felder des überdimensionalen Schachbrettes, das sich vor ihr auftut, zum achten Feld kommt und dort Königin wird. Daraufhin verschwindet die Königin.

Alice macht sich auf den Weg über das riesige Feld, wo ihr Insekten wie die Schaukelpferdefliege und der Butterbrotling begegnen. Sie durchläuft einen Wald, in dem nichts einen Namen hat. Selbst Alice vergisst im Wald, wie sie heißt. Noch im Wald trifft sie auf Dideldum und Dideldei. Die beiden kuriosen Gestalten tragen ihr das Gedicht vom Walross und vom Zimmermann vor und zeigen ihr den schlafenden schwarzen König. Angeblich sei Alice allein Teil dessen Traumes und verschwinde sobald der König aufwache. Zwischen Dideldum und Dideldei kommt es zum Streit um eine kaputte Klapper, doch der deswegen ausgebrochene Kampf wird durch das Herannahen einer riesigen Krähe beendet. Alice läuft weiter und trifft auf die weiße Königin, die ebenfalls nicht sehr nett zu ihr ist. Die Königin erklärt dem Mädchen, dass sie rückwärts lebe und wie das funktioniert. Alice wird Zeugin, wie die Königin erst ein Pflaster auf ihren Finger klebt, dann einen gellenden Schrei loslässt und sich dann erst verletzt. Auch rät die Königin Alice zu üben, wie man unmögliche Dinge glaubt. Alice ist verwirrt, doch die Königin beharrt darauf und erzählt ihr, dass sie als Kind schon vor dem Frühstück an sechs unmögliche Dinge glaubte. Daraufhin verwandelt sich die Königin in ein strickendes Schaf, das Alice in einem Laden ein Ei verkauft. Beim Versuch das Ei aus dem Regal zu nehmen, findet sich Alice irgendwann vor einer Mauer wieder, auf der das sprechende Ei Humpti Dumpti sitzt. Die Gestalt ist entgegen Alices Höflichkeit sehr unfreundlich. Sie diskutieren Wortbedeutungen, die Humpti Dumpti beliebig wählt, und streiten über die Angemessenheit von Alices Namen. Unvermittelt verabschiedet sich das Ei von Alice und sie geht weiter. Kurz darauf erbebt der Boden und unzählige unfähige Soldaten nahen mit ihren Pferden heran. Alice trifft den weißen König, der, wie in dem Gedicht, an das Alice sich erinnert, alle Soldaten losgeschickt hat, um Humpti Dumpti, der von der Mauer gefallen ist, wieder hinauf zu bekommen. Zusammen mit dem König und einem seiner Kuriere beobachtet Alice den Kampf zwischen einem Einhorn und einem Löwen, die um die Königskrone kämpfen. Das Einhorn ist sehr verwundert beim Anblick von Alice und fragt: „Was – ist – das?“. Alice wird als Fabelmonster hingestellt und alle Anwesenden sind erstaunt, dass sie überhaupt sprechen kann. Doch auch in dieser Szenerie verweilt Alice nicht lange und so setzt sie über den nächsten Bach über, der die Felder von einander trennt und trifft auf den weißen Springer, der sie ebenso wie der nahende schwarze Springer gefangen nehmen will. Alice unterhält sich nach dessen Sieg mit dem alten Mann, der sich unter der Rüstung des weißen Springers verbirgt. Der Reiter bringt sie zum nächsten Feld und verabschiedet sich von ihr. Dort angekommen, trägt Alice plötzlich eine Krone. Die schwarze und die weiße Königin sitzen ebenso plötzlich neben ihr und laden sich gegenseitig zu Alices Festmahl ein. Beim Festmahl angelangt, stellt Alice fest, dass dabei nichts verzehrt wird. Die Königinnen stellen ihr das Essen, das natürlich auch ein Gesicht hat, vor und erklären ihr, dass man nichts bzw niemanden essen dürfe, dem man vorgestellt wurde. Alice wagt es dennoch den Pudding anzuschneiden und kurz darauf bricht am Tisch das Chaos aus. Alice reißt das Tischtuch herunter und schüttelt die schwarze Königin, die erneut auf Spielfigurgröße geschrumpft ist, bis diese sich in eine kleine Katze verwandelt. Alice wacht auf und stellt fest, dass sie tatsächlich ihr schwarzes Kätzchen Kitti schüttelt. Sie überlegt, welche Katze sich in ihrem Traum in welche Figur verwandelt haben könnte. Sie vermutet in Schneeflöckchen die weiße Königin und in Dinah Humpti Dumpti. Außerdem glaubt Alice, dass sie Teil des Traumes des schwarzen Königs war wie auch umgekehrt.

[...]


[1] Carroll, Lewis: „Alices Abenteuer im Wunderland. Stuttgart 2009. S.149-198.

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Alice_im_Wunderland#Literatur_2. [Stand: 12.04.2010].

[3] Carroll, Lewis: „Alles über Alice“. Hamburg 2002. S. xviii-xx.

[4] ebd.

[5] ebenfalls der Name einer der Katzen, die die Familie Liddell besaß

Details

Seiten
22
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640632275
ISBN (Buch)
9783640632633
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151494
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Germanistik
Note
2,0
Schlagworte
Tim Burton Alice im Wunderland Lewis Carroll Rezension Film-Buch-Vergleich

Autor

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Titel: „Was hat ein Rabe mit einem Schreibtisch gemeinsam?“