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Unterrichtsstörungen

Seminararbeit 2009 15 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

1. Begriffsdefinition von Unterrichts- und Verhaltensstörungen

Laut Rainer Winkel liegt eine Unterrichtsstörung vor, „wenn der Unterricht gestört ist, das heißt wenn das Lehren und Lernen stockt, aufhört, pervertiert, unerträglich und inhuman wird.“ 1 Leider trifft diese Definition nicht vollkommen zufriedenstellend zu, denn damit wären die Schulhofpausen zwischen den Unterrichtsstunden auch eine Störung. Grundlegend ist eine Störung immer eine Abweichung der Norm, die entweder bewusst oder unbewusst eintritt und eigentlich oftmals im Auge des Betrachters liegt, was heißt, sie ist oft subjektiv eingestuft worden.2 Um den Begriff der Unterrichts- und Verhaltensstörung ansatzweise zu klären, bedarf es einer Integration verschiedener Wissenschaftszweige. Das bedeutet, dass die Bereiche der Sonder- und Heilpädagogik mit der Schulpädagogik und der allgemeinen Didaktik zusammengeführt werden müssen, um sowohl für die Theorie als auch für die Praxis, eine Erweiterung des Horizontes schaffen zu können. Eine Verzahnung und Zusammenarbeit ist bei der Behandlung der Thematik „Unterrichts- und Verhaltensstörung“ unumgänglich, weshalb überhaupt eine Zusammenführung und Nennung beider Begriffe stattfindet.3

Die „ Verhaltensstörung ist das Ergebnis einer kommunikativen Konstruktion und fasst unterschiedlichste Verhaltensweisen zusammen. Sie signalisiert Probleme im erzieherischen und unterrichtlichem Feld. [...] Verhaltensstörungen in didaktischer Perspektive sind Unterrichtsstörungen.“ 4 Von Unterrichts- und Verhaltensstörungen sind sämtliche Schulformen und Personen mit einem Erziehung- und Bildungsauftrag betroffen, was bedeutet, dass diese Störungen des Unterrichts alltäglich sind. Sie entstehen in einem Beziehungsgeflecht und können die unterschiedlichsten Ursachen haben.5

2. Die potentiellen Störfaktoren und ihre graduellen Unterschiede

Wo Beziehungen zwischen Menschen herrschen, seien sie freiwillig oder unfreiwillig, besteht immer ein gewisses Risiko für eine Störung dieser Beziehungen. Folgende Störfaktoren, die sich graduell untereinander entscheiden bei der Entstehung von Unterrichtsstörungen, können verantwortlich sein.6

1. „Anlage und Entwicklung“

Die anlagebedingten Störfaktoren sind „niedrige Intelligenz, geringe Kontaktfähigkeit, starke Impulsivität, motorische Hyperaktivität, Begabungsmangel, Konstitution von Lehrer und Schüler und Erbfaktoren.“ 7 Anlage- und entwicklungsbedingte Störfaktoren sind zwar informativ und gegeben ein Hintergrundwissen, da der Schüler besser verstanden werden kann in seinem Verhalten, jedoch kann keine gezielte Behebung der Ursachen erfolgen. Der Lehrer8 kann demzufolge nur versuchen die Symptome der Störung zu mildern.9

2. Die Umwelt

Die Umwelt, insbesondere die Familie als soziokultureller Aspekt, bietet weitere Faktoren, die zu Lasten des Kindes als Störfaktoren anzusehen sind. „Die zunehmende Zahl alleinerziehender Eltern, eheliche Disharmonien, Verwahrlosung, die Art und Weise der Bindungen in der Familie sowie lange oder häufige kurze Trennungen der Kinder von den Eltern.“ 10 Auch dieses Hintergrundwissen über einen Schüler11 ist für den Lehrer von Vorteil, jedoch muss er in einer Störsituation damit äußert taktvoll und sensibel umgehen, damit das Lehrer- Schüler- Verhältnis nicht unnötig belastet wird. Unangemessene Kommentare über das Störverhalten des Schülers in Verbindung zu der derzeitigen Familiensituation, sollte der Lehrer unbedingt vermeiden, um keine falschen Diagnosen und Schlüsse zu ziehen. Die Umwelteinflüsse müssen als gegebene Bedingungen akzeptiert werden und dürfen nicht pädagogisch missbraucht werden.12

3. Die soziale Umgebung

Mit der sozialen Umgebung ist die „Mitwelt“ gemeint, die die Einflüsse im mitmenschlichem Bereich umfasst. Zurückzuführen ist die „Mitwelt“ auf die Mitwirkungen von Menschen, wie z.B. „dem Erziehungsstil der Eltern, Fehlerziehung, Verhaltensstörungen der Eltern und Einstellungen alter sowie junger Menschen zu Schule und Gesellschaft. Sie können dazu führen, daß die Schule als feindliche Macht aufgefaßt wird.“ 13 Eine weitere soziale Ursache als Störfaktor ist der Verlust des Erziehungswillens- und der Sicherheit seitens der Eltern und der Lehrkraft, wodurch Erziehungsfehler und eine gewisse pädagogische Gleichgültigkeit entsteht. Dieser Störfaktor wird lediglich von Mitmenschen verursacht und kann vom Lehrer erfolgreich beeinflusst werden, z.B. durch das Beobachten des Erziehungsstils der Eltern und das Hinterfragen seines eigenen Erziehungsstils. Daraufhin kann der Lehrer das Gespräch mit den Eltern oder mit dem Kollegium suchen.14

4. Die „Schule und die Lehrer“

Leider steuert die Schule einen wesentlichen Anteil zur Verursachung der Störungen bei, durch die eigene Struktur, die Eigentümlichkeit, die Anonymität großer Schulen und durch „das Fehlen des pädagogischen Bezuges und einer selbstverständlichen Arbeits- und Umgangsordnung.“ 15

[...]


1 Hilbert Meyer S. 226.

2 Vgl. Hilbert Meyer S. 226-227.

3 Vgl. Clemes Hillenbrand S. 24-25.

4 Clemes Hillenbrand S. 25.

5 Vgl. Clemes Hillenbrand S. 28.

6 Vgl. Karlheinz Biller S. 30.

7 Karlheinz Biller S. 30.

8 Fortlaufend verwendet für Lehrerinnen und Lehrer.

9 Vgl. Karlheinz Biller S. 30.

10 Karlheinz Biller S. 30-31.

11 Fortlaufend verwendet für Schülerinnen und Schüler.

12 Vgl. Karlheinz Biller S. 31.

13 Karlheinz Biller S. 31.

14 Vgl. Karlheinz Biller S. 31-32.

15 Vgl. Karlheinz Biller S. 32.

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640633685
ISBN (Buch)
9783640633975
Dateigröße
805 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151630
Institution / Hochschule
Studienseminar Helmstedt für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen
Note
Schlagworte
Pädagogik Unterrichtsstörungen Störfaktoren Präventionsmaßnahmen

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Titel: Unterrichtsstörungen