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Praktikumsbericht über ein Schulpraktikum an einer Berufsschule

Praktikumsbericht / -arbeit 2010 39 Seiten

Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Rahmenbedingungen
2.1 Die Schule
2.2 Das Fachgymnasium Wirtschaft

3. Die Unterrichtsplanung für die Deutsch-Stunde am 02.03.2010 von 9.50 – 11.20 Uhr
3.1 Bedingungsfeldfaktoren
3.1.1 Schülerbezogene Faktoren
3.1.1 Lehrerbezogene Faktoren
3.2 Entscheidungsfeldfaktoren
3.2.1 Stellung der Lektion im Unterricht
3.3 Inhalts- und Zielentscheidungen
3.3.1 Sachanalyse
3.3.2 Inhaltsentscheidungen
3.3.3 Groblernziel
3.4 Methodische Entscheidungen
3.4.1 Stoffanordnung
3.4.2 Methodik
3.4.3 Aktions- und Sozialformen
3.4.4 Medien
3.4.5 Lehr- und Lernzielkontrolle
3.5 Tabellarische Verlaufsplanung
3.6 Anlagen
3.6.1 Arbeitsbogen
3.6.2 Lösung Arbeitsbogen
3.7 Kritische Stellungnahme zur Durchführung des Unterrichtsversuchs

4. Erkundungsabsicht
4.1 Zielsetzung
4.2 Analyse
4.2.1 Kurzvorstellung des Beobachtungsbogens
4.2.1 Auswertung der Beobachtungsbögen
4.3 Erörterung der Ergebnisse
4.4 Persönliche Reflexion des Forschungsergebnisses

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

7. Eidesstattliche Erklärung

8. Anlagen

1. Einleitung

„Praktika sind ein unerlässlicher Bestandteil aller Lehramtsstudiengänge.“ (Topsch 2004: 12)

Dieses Zitat von Wilhelm Topsch, Professor für Theorie und Praxis der Primarstufe an der Universität Oldenburg, macht deutlich, wie wichtig die Schulpraktika in allen Lehramtsstudiengängen sind. Aus diesem Grunde sind sie in allen Ländern der Bundesrepublik fest in den Rahmenlehrplänen der Lehramtsstudiengänge verankert (vgl. ebd.). Die Aufgabe dieser Schulpraktischen Studien ist es, die PraktikantenInnen in ihr späteres Berufsfeld einzuführen. Während des Schulalltags können die PraktikantenInnen lernen die Berufsrealität einzuschätzen und somit Kompetenzen für die zukünftigen Anforderungen und spezifischen Situationen des Berufsfeldes erwerben. Ziel des Praktikums ist es daher, einen Überblick über den Beruf zu erlangen, der über den Bereich „Unterricht“ hinausgeht. Weiterhin sollte das Schulpraktikum dafür genutzt werden, sich selbst in seiner Rolle als Lehrer wahrzunehmen und sich der richtigen Berufswahl zu vergewissern. (vgl. ebd.: 15 f.)

Im Rahmen des Moduls „Schulpraktische Studien“ habe daher auch ich ein erstes Schulpraktikum absolviert. Das allgemeine Praktikum habe ich vom 15. Februar bis zum 18. März 2010 an der BBS 1 (Wirtschaft und Verwaltung) in XY, während der vorlesungsfreien Zeit, durchgeführt. Eines meiner persönlichen Ziele war es dabei, meine Erfahrungen mit der Institution Schule zu erweitern. Aufgrund der Tatsache, dass ich selbst dreizehn Jahre zur Schule gegangen bin, habe ich natürlich bereits ein Bild von Schule. Ich gehe jedoch davon aus, dass dieses nicht mit dem einer Lehrkraft übereinstimmt, weshalb ich versuchen will, dieses auszubauen und zu lernen, die Schule aus der Sicht eines Lehrers zu sehen. Ich möchte einen Einblick in die alltäglichen Probleme und Arbeitsabläufe einer Lehrkraft gewinnen. Ich erhoffe mir dadurch in die Rolle eines Lehrers zu schlüpfen und durch diesen Rollentausch mich meines Berufswunsches zu vergewissern, um neue Motivation für mein Studium zu sammeln.

In der folgenden Arbeit soll zunächst eine Beschreibung der Schule und der verschiedenen Schultypen erfolgen, wobei der Fokus auf der Schulform Fachgymnasium liegen wird, da ich dort meine Unterrichtsversuche hatte. Anschließend wird einer meiner Unterrichtsversuche dargestellt, theoretisch erläutert und schließlich kritisch betrachtet. Weiterhin werde ich meine Erkundungsabsicht vorstellen, auswerten und mich mit den Ergebnissen kritisch auseinandersetzen. Am Ende erfolgt in einer Schlussbetrachtung eine persönliche Reflexion des Schulpraktikums.

2. Rahmenbedingungen

2.1 Die Schule

Die BBS I (Wirtschaft und Verwaltung) in XY wurde 1846 von Kaufleuten X, Y und Z gegründet. Die Schule bildet mit einem Team von ca. 120 Lehrkräften und 2500 Schülerinnen und Schülern einen zentralen Standort für die Ausbildung im Raum XY (vgl. Hagemann et al. 2010: 4). Die Schule ist aufgeteilt in ein Haupt- und ein Nebengebäude und bietet den Schülerinnen und Schülern eine Vielzahl von Schulformen und Fachbereichen. Das Bildungsangebot umfasst die Fachoberschule, das Fachgymnasium, die ein- und zweijährigen Berufsfachschulen sowie die schulische Berufsausbildung in 19 staatlich anerkannten Ausbildungsberufen. Die Berufsausbildung in der Schule ist sowohl in Teil- als auch in Vollzeit möglich. In Teilzeit-Klassen kommen die SchülerInnen an ein bis zwei Tagen in der Woche zur Berufsschule, während die SchülerInnen in Vollzeit-Klassen fünf Tage in der Woche die Schule besuchen (vgl. BBS I XY).

Die Schule zeichnet sich dadurch aus, dass die Inhalte der einzelnen Unterrichtsfächer in Lernfelder zusammengefasst werden, die eine unmittelbare Anknüpfung an die berufliche Tätigkeit gewährleisten. Die Schule legt besonderen Wert darauf, neben fachlichen auch die sozialen, methodischen und personalen Kompetenzen zu fördern. Daher ist die Gestaltung eines handlungsorientierten Unterrichts mit Fallstudien, Planspielen, Projekten, Rollenspielen usw. im Rahmen ihres Bildungsauftrages von großer Bedeutung. Den SchülerInnen wird daher die Möglichkeit geboten, in Lernbüros und PC-Räumen mit Internetanschluss kaufmännische Handlungsabläufe zu erleben (vgl. Hagemann et al. 2010: 4).

Die Schule ermöglicht es den SchülerInnen außerdem, über das Comenius Austausch- und Kooperationsprogramm an einem Austausch nach Spanien, Schweden oder in die Slowakei teilzunehmen (vgl. ebd.).

Nachdem ich nun ausführlich meine Praktikumsschule im Allgemeinen vorgestellt habe, soll nun der Fachbereich Fachgymnasium näher beschrieben werden, da ich dort alle meine Unterrichtsversuche absolviert habe.

2.2 Das Fachgymnasium Wirtschaft

Waren es früher nur die klassischen Gymnasien, die mit dem Abitur die Hochschulberechtigung boten, so haben sich mittlerweile auch die Fachgymnasien mit dem Abitur als Abschluss etabliert. Das Fachgymnasium hat die Aufgabe, auf die bereits in der Sekundarstufe I erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten aufzubauen, sie zu vertiefen und zu erweitern. Durch den Unterricht in berufsbezogenen Unterrichtsfächern wird sowohl eine allgemein bildende als auch eine wirtschaftliche Handlungskompetenz aufgebaut, sodass die Absolventen für eine anschließende kaufmännische Berufsausbildung oder einen Studiengang, der wirtschaftliche Kenntnisse erfordert, gut vorbereitet sind. Die drei Ausbildungsjahre umfassen die Jahrgangsstufe 11 als Einführungsphase und die Jahrgangsstufen 12 und 13 als Qualifikationsphase (vgl. Hagemann et al. 2010: 3 f.).

In XY ist derzeit jede Jahrgangsstufe vierzügig, sodass es insgesamt zwölf Klassen in dem Fachgymnasium Wirtschaft gibt. Die sogenannten Hauptfächer werden i. d. R. sowohl als Grund- als auch als Leistungskurs angeboten. Die Wahl der SchülerInnen entscheidet automatisch auch in welche Klasse sie nach der 11. Jahrgangsstufe kommen.

Ich habe alle meine Unterrichtsversuche in einem Grundkurs Deutsch der 12. Jahrgangsstufe absolviert. Im Folgenden werde ich einen meiner Unterrichtsversuche in diesem Kurs näher beschreiben und kritisch reflektieren.

3. Die Unterrichtsplanung für die Deutsch-Stunde am 02.03.2010 von 9.50 – 11.20 Uhr

3.1 Bedingungsfeldfaktoren

3.1.1 Schülerbezogene Faktoren

Die Klasse FG08A ist eine von vier Klassen in der 12. Jahrgangsstufe des Fachgymnasiums an der BBS I in XY. In der Klasse befinden sich insgesamt 7 Schülerinnen und 8 Schüler. Die meisten Schüler haben eine Versetzung in die gymnasiale Oberstufe erhalten, allerdings gibt es auch einige, die über einen Erweiterten Sekundarabschluss I verfügen. Insgesamt kann ich festhalten, dass die Schülerinnen und Schüler von der Altersstruktur und vom Leistungsniveau recht homogen sind. Dennoch fällt auf, dass sich in Lehrer-Schüler-Gesprächen die Schülerinnen bis auf Janin sehr zurückhalten. Im Gegensatz dazu steigen Schüler 1, Schüler 2 und Schüler 3 in fast jede Diskussion ein.

In der Klasse haben 3 SchülerInnen einen Migrationshintergrund, der jedoch in keiner Weise das Verhalten der SchülerInnen untereinander, noch den Unterricht, in irgendeiner Art und Weise beeinflusst. Insgesamt kann festgestellt werden, dass es sich mit der Klasse sehr gut arbeiten lässt, was sicherlich auch mit der geringen Klassengröße zusammenhängt.

3.1.2 Lehrerbezogene Faktoren

Die Klasse wird im Fach Deutsch von einem engagierten, sehr erfahrenen Lehrer unterrichtet, der zugleich auch deren Klassenlehrer ist. Ich habe in dieser Klasse vor meinen Unterrichtsversuchen dreimal, während des Unterrichts im Fach Deutsch, hospitiert. Die Schülerinnen und Schüler kenne ich daher noch nicht sehr gut. Andersherum kennen die SchülerInnen mich ebenfalls nur durch eine kurze Vorstellung zu Beginn der Hospitation in der Klasse. Während der Hospitation konnte ich feststellen, dass ihr Deutschlehrer vor allem auf ältere didaktische Methoden zurückgreift, wie etwa den Frontalunterricht.

Ich selbst habe an einem allgemein bildenden Gymnasium mein Abitur gemacht, weshalb für mich die Arbeitsweisen in einem Fachgymnasium neu sind. Im Anschluss an das Abitur habe ich eine Berufsausbildung zum Versicherungskaufmann abgeschlossen und anschließend ein Freiwilliges Soziales Jahr als Pfleger eines behinderten Studenten in Wales absolviert. Während meines Studiums konnte ich bereits erste Erfahrungen im Unterrichten sammeln, denn ich habe bereits ein Tutorium im Fachbereich Deutsch gegeben sowie ehrenamtlich im Rahmen des Projektes „Fit für die Bewerbung“ Hauptschüler auf ihre bevorstehende Bewerbung vorbereitet.

3.2 Entscheidungsfeldfaktoren

3.2.1 Stellung der Lektion im Unterricht

Die Schülerinnen und Schüler der FG08A sind in dieser Klassenzusammenstellung seit Ende der Sommerferien zusammen, zum Zeitpunkt meines Unterrichtsversuchs also etwa sieben Monate. Die Klasse hat ihren Deutschunterricht zweimal wöchentlich, jeweils eine Doppelstunde. Die SchülerInnen befinden sich derzeit im 2. Semester, in welchem sich im Fach Deutsch laut Kerncurriculum mit dem Rahmenthema „Reflexion über Sprache und Sprachgebrauch“ auseinandergesetzt wird (vgl. Niedersächsisches Kultusministerium 2009: 10). Unter diesem Oberthema sollen die SchülerInnen lernen, unterschiedliche Textarten zu analysieren.

Zum Zeitpunkt meines Unterrichtsversuchs haben sich die SchülerInnen bereits anhand mehrerer Texte mit dem Thema „Sprachwandel“ beschäftigt und dieses intensiv diskutiert. In dieser Makrosequenz werde ich den Themenbereich „Textgebundene Erörterung“ behandeln. Zur Bearbeitung dieses Themengebietes stellt mir der Lehrer vier Doppelstunden zur Verfügung. Die hier vorgestellte Unterrichtsstunde ist die erste dieser Unterrichtseinheit und bildet daher den Einstieg in die Thematik und beschäftigt sich inhaltlich mit der Analyse des Argumentationsansatzes. In den Folgestunden werde ich alle weiteren Arbeitsschritte zur Anfertigung einer textgebundenen Erörterung behandeln. Vor meiner Unterrichtsreihe wurde das Thema „Dialoganalyse“ behandelt, bei dem bereits auf die Phänomene der Gegenwartssprache eingegangen wurde. Zum Abschluss dieser Thematik sahen die SchülerInnen in der vorangegangenen Unterrichtsstunde den Film „Oberösterreich“ von Franz Xaver Kroetz aus dem Jahre 1972 und analysierten den Dialog zwischen Anni und Heinz unter zwei Fragestellungen in einem Lehrer-Schüler-Gespräch.

3.3 Inhalts- und Zielentscheidungen

3.3.1 Sachanalyse

Der Schwerpunkt der Unterrichtsstunde liegt auf der Einführung in die Analyse des Argumentationsansatzes. Bei der Anfertigung einer textgebundenen Erörterung dient dieser Arbeitsschritt der Vorbereitung des Verfassens der Einleitung (vgl. Biermann / Schurf 2006: 501).

„Das textgebundene Erörtern befasst sich mit Texten, die nicht in erster Linie der Informationsvermittlung dienen, sondern mit denen der Autor oder die Autorin durch die Darlegung eigener Ansichten in einen Meinungsstreit eingreifen will.“ (ebd.: 490)

Dieses Zitat beschreibt sehr gut, mit welcher Art von Texten sich bei einer textgebundenen Erörterung auseinandergesetzt wird. Die im Text dargestellten Positionen werden dabei einer kritischen Bewertung unterzogen. Diese ergibt sich durch den Vergleich der im Text vertretenen Auffassung mit abweichenden Positionen anderer Autoren sowie mit eigenen Ansichten (vgl. ebd.).

Bei der Analyse des Argumentationsansatzes geht es darum, die zentrale Problemstellung zu bestimmen, mit der sich der Autor / die Autorin in einem Text beschäftigt. Darüber hinaus wird gefragt, mit welchen Leitfragen sich der Autor dem von ihm behandelten Gegenstand nähert, um so die Themenerschließung in ihrer Begrenztheit zu erkennen. Mit diesen Informationen kann die Einleitung einer textgebundenen Erörterung verfasst werden (vgl. ebd.: 492)

Die Analyse des Argumentationsansatzes erfolgt in der Unterrichtsstunde anhand des Textes „Unsere Landessprache und ihre Leibwächter“ von Hans Magnus Enzensberger aus dem Jahre 1979 (siehe Anhang). In diesem Text setzt sich Enzensberger mit dem Problem auseinander, wie die Gesellschaft mit Jugendsprachen umgehen soll.

3.3.2 Inhaltsentscheidungen

Die textgebundene Erörterung ist ein sehr komplexes Thema, welches von großer Bedeutung für die Schülerinnen und Schüler ist. Es wird in dem Kerncurriculum vom Niedersächsischen Kultusministerium für das Unterrichtsfach Deutsch im Fachgymnasium explizit erwähnt (vgl. Niedersächsisches Kultusministerium 2009: 11). Der Einzelne wird dazu befähigt, die Kommentare von AutorenInnen in den Printmedien kritisch zu reflektieren und zu bewerten. Dieser Reflexionsprozess ist für das selbstverantwortliche Partizipieren in einer Demokratie sehr wichtig.

Aufgrund der Komplexität beim Verfassen einer textgebundenen Erörterung ist es sinnvoll, zunächst die einzelnen Arbeitsschritte schrittweise einzuführen, bevor die erste vollständige Erörterung von den Schülerinnen und Schülern verfasst wird. Die Analyse der Argumentationsstruktur bietet dabei einen sehr guten Einstieg. Die SchülerInnen erhalten bei dieser Herangehensweise einen ersten Einblick in die Thematik des Textes, ohne dabei durch weiterführende Analyseschritte überfordert zu werden. Durch das Erkennen der zentralen Problemstellung des Textes sind sie bereits in der Einführungsstunde in der Lage, die Einleitung zu formulieren und somit den ersten Teil beim Verfassen einer textgebundenen Erörterung abzuschließen.

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Details

Seiten
39
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640639434
ISBN (Buch)
9783640639328
Dateigröße
932 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151815
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Schlagworte
Evalution Schulpraktische Studien Deutsch Germanistik Wirtschaft Berufsschule Fachgymnasium Ausbildungsklasse Reflexion Evaluation Unterrichtsvorbereitung Stundenverlauf Forschungsfrage Lehr-Lern-Arrangement

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Titel: Praktikumsbericht über ein Schulpraktikum an einer Berufsschule