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Der limes Arabicus

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 43 Seiten

Archäologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Abriss
2.1. Jordanien vor der Regierungszeit Diokletians
2.2. Der limes Arabicus ab der Zeit Diokletians

3. Ausgewählte militärische Anlagen des limes Arabicus
3.1. Betthorus / el-Lejjūn
3.1.1. Topographie, Grundriss und Fortifikation
3.1.2. Innenbebauung
a) Die principia
b) Die Baracken
c) Sonstige Gebäude
3.1.3. Datierung und Interpretation
3.2. Qasr Bshir
3.2.1. Topographie, Grundriss und Fortifikation
3.2.2. Innenbebauung
3.2.3. Datierung und Interpretation
3.3. Khirbet el-Fityān
3.4. Da’ajāniya
3.5. Qasr el-Azraq
3.6. Deir el-Kahf
3.7. Qasr el-Uweinid

4. Zusammenfassung

5. Anhang
5.1. Literaturverzeichnis
5.2. Abbildungsverzeichnis
5.3. Abbildungen

1. Einleitung

Im Jahr 106 n. Chr. annektierte Kaiser Trajan (98–117 n. Chr.) das nabatäische Königreich und etablierte hier die neue Provinz Arabia. Territorial bestand sie aus dem heutigen Jordanien, der Sinaihalbinsel und dem südlichsten Teil des heutigen Syrien. Zur Grenzsicherung wurde auf das bewährte System eines limes, also einer befestigten Grenzregion, zurückgegriffen, d.h. es wurden zahlreiche Kastelle und Wachtürme errichtet, die durch ein Straßensystem miteinander vernetzt waren (Abb. 1).[1] Vorrangig diente dieser limes zur Überwachung der Nomadenbewegungen und zur Abwehr von Überfällen durch diverse Araberstämme.[2] Arabia war bezüglich der wirtschaftlichen Ausbeute keine primär wichtige Provinz. Zwar gab es einige Bodenschätze wie Kupfer, Pech und Salz, aber der hauptsächliche Nutzen lag für Rom im reichsübergreifenden Handelsverkehr, der durch diese Region abgewickelt wurde.[3] Bostra (Bosrâ, Syrien) diente als Provinzhauptstadt, von welcher sich der limes Arabicus über 360 km südwärts am Rand der Wüste bis ans Rote Meer nach Aila (Akaba, Jordanien) erstreckte[4], das als wichtiger Transitpunkt zwischen Handelsschiffen und Kamelkarawanen galt.[5] Schon im Alten Testament ist die Straßenverbindung zwischen diesen beiden Orten, als sog. Königsweg, erwähnt. Der limes beschrieb hier keine lineare Grenze, sondern ein in die Tiefe gehendes Grenzsystem, bei dem die Truppen auch im Vorfeld der Grenzstraße positioniert waren[6] und dauerhafte Kontrolle darüber ausübten.[7] Das Herzstück des limes war die via nova Traiana, die von Bostra bis ans Rote Meer verlief. Die meisten Kastelle lagen an oder in der Nähe dieser Strasse[8], die als Rückgrat einer 20 bis 30 km in die Wüste reichenden limes -Zone galt.[9]

Es handelt sich bei der betrachteten Region größtenteils um ein Plateau, ca. 1.000 Meter über dem Meeresspiegel, das von zahlreichen Wadis durchzogen ist.[10] Es stellt die Übergangszone zwischen der Wüste und der agrarisch nutzbaren Fläche dar. Westlich der Limeszone war Ackerbaubevölkerung auf dem fruchtbaren und gut bewässerten Moabiteplateau ansässig. Diese fruchtbare Gegend war seit jeher Auswanderungsziel aus der arabischen Wüstenhalbinsel bei Überbevölkerung gewesen. Östlich davon befindet sich hingegen die steinige Steppe der großen syrischen Wüste, die von nomadisierenden Hirten bewohnt war.[11]

In dieser Arbeit sollen die archäologischen Befunde diverser römischer Kastelle des limes Arabicus exemplarisch aufgezeigt werden. Des Weiteren werden die in diesem Zusammenhang denkbaren Interpretationen hinsichtlich der individuellen Bauweisen und der Truppenbelegungen erörtert.

2. Historischer Abriss

2.1. Jordanien vor der Regierungszeit Diokletians

Zur Blütezeit der Nabatäer, in den beiden Jahrhunderten um die Zeitenwende, herrschte nachweislich eine weit verstreute Besiedlung in Jordanien vor. Die Nabatäer schützten die wichtigen Handelswege, die durch die Region verliefen, mittels Grenzanlagen und Wachtürmen.[12] Ab 63/62 v. Chr. bestand ein Schutzbündnis mit Rom[13], aus dessen Sicht die Sicherheit der Handelswege durch die Nabatäer gewährleistet wurde.[14] Im Jahr 106 n. Chr. annektierte Trajan das nabatäische Klientelkönigreich und es wurde Teil der neuen Provinz Arabia (Abb. 2).[15] Als Gründe für die Annexion werden die Kontrolle, die Sicherheitsgewährleistung und die Verteidigung der Handelsrouten angeführt[16], da es zuvor des Öfteren zur Störung des Handels durch räuberische Nomaden gekommen war. Darüber hinaus gab es im Nabatäerreich in diesem Jahr eine politische Instabilität.[17] Als Garnison wurde die legio III Cyrenaica in Bostra stationiert und zusätzlich zehn bis zwölf Auxiliareinheiten.[18] Teilweise wurden vorhandene nabatäische Wachtürme und Verteidigungsanlagen übernommen und in den limes integriert.[19] Die via nova Traiana wurde von 111 bis 114 n. Chr. für militärische Zwecke, aber auch als Handelsweg, errichtet. Weitere Maßnahmen bleiben aufgrund der schlechten Quellenlage im Dunkeln.[20] Der Großteil der Truppen war in den Kastellen und Wachtürmen entlang des limes stationiert, da man im Hinterland kaum militärische Bauten fand.[21]

Um die Mitte des 3. Jhs. kam es zu einer zunehmenden Bedrohung durch die Perser. Wiederholt verwüsteten diese große Teile Syriens und des römischen Mesopotamiens. Auch lassen sich zu dieser Zeit aufgrund von klimatischen Veränderungen verstärkte Wanderbewegungen der arabischen Stämme feststellen. Der Rückgang des Karawanenverkehrs führte zur Zunahme von Überfällen, da nun mehr Menschen erwerbslos waren. Ebenso gibt es Hinweise auf Bündnisse einzelner Stämme gegen Rom. All diese Faktoren trafen das Römische Reich, als es aufgrund der innen- und außenpolitischen Lage am verwundbarsten war.[22]

2.2. Der limes Arabicus ab der Zeit Diokletians

Um 300 n. Chr. kam es zu enormen Ausbaumaßnahmen der Grenzbefestigungen und der via nova Traiana[23], die durch zahlreiche Bauinschriften belegt sind.[24] Die Provinz wurde in Arabia im Norden mit Bostra als Verwaltungssitz und in Palaestina salutaris (bzw. Palaestina tertia) mit der Hauptstadt Petra (Jordanien) geteilt (Abb. 3).[25] Die militärische Befehlsgewalt übte ab dato ein dux je Provinz aus.[26] Der dux Arabiae befehligte die beiden legiones III Cyrenaica in Bostra und IV Martia in el-Lejjūn sowie 19 Auxiliareinheiten.[27] Der dux Palaestinae stand der legio X Fretensis in Aila und höchstwahrscheinlich der legio VI Ferrata in Adrou (Udruh, Jordanien)[28] sowie 29 Auxiliareinheiten vor. Insgesamt befanden sich also ca. 35.500 Mann unter dem Befehl der beiden duces.[29] Weiterhin wurden ehemalige nabatäische Wachtürme übernommen und neue erbaut.[30] Besonders in der Wadi Mujib Region, östlich des Toten Meeres, lässt sich ein starker Ausbau der Verteidigungsanlagen feststellen.[31] Eine Kette von neuen Kastellen, zumeist quadriburgia[32], wurde 20 bis 30 km östlich der via nova Traiana errichtet.[33]

Laut literarischen Quellen bestand die Bedrohung durch nomadische Überfälle auch nach Diokletians Ausbaumaßnahmen, welche laut archäologischen Quellen erfolgreich waren, da die Städte einen ökonomischen Aufschwung erfuhren[34] und die Besiedlung im 4. und 5. Jh. zunahm, fort. Araber wurden zum Teil in römische Einheiten integriert (Not. Dig.) und haben somit die in dieser Region bevorzugten Kampftechniken der Nomaden sowie „Insiderwissen“ mit in die römische Armee gebracht[35], wobei sie aber auch nicht immer loyal waren (z.B. Mavia-Aufstand (372 n. Chr.)).[36] Um 400 n. Chr. kam es zu vermehrten Zusammenstößen mit den Sarazenen, was auf einen Qualitätsverfall des limes -Systems hindeutet.[37] Für das späte 4. Jh. lassen sich Truppenreduktionen nachweisen (z.B. el-Lejjūn), aber ebenso der Bau von neuen bzw. der Ausbau von alten Anlagen.[38]

Die meisten Kastelle des limes Arabicus wurden Anfang des 6. Jhs. aufgegeben. Bei denjenigen, die weiter in Gebrauch waren, lässt sich eine zivile Nutzung im 6. Jh. nicht ausschließen. Die letzte militärische Inschrift in Arabien datiert in das Jahr 529 n. Chr. und steht im Zusammenhang mit der Renovierung des Kastells Hallābāt. Um 532 n. Chr. reduzierte Justinian (527–565 n. Chr.) aufgrund seines „ewigen Friedens“ mit den Persern die limitanei (Grenzsoldaten) an der Ostgrenze enorm[39] und stellte die Zahlungen an diese ein, was durch numismatische und literarische Befunde belegt ist.[40] Eventuell war der Kostenfaktor für die weit gezogene Kette von einzelnen Kastellen und Außenposten zu hoch. Auch wird angeführt, dass nun mehrere Stammesverbände verbündet gegen Rom kämpften.[41]

3. Ausgewählte militärische Anlagen des limes Arabicus

Das römische Verteidigungssystem baute auf bereits existierende nabatäische Anlagen auf.[42] Vier Legionslager (Bostra, Aila, Betthorus und Adrou) und um die 23 Auxiliarlager sowie hunderte Wachtürme sind bezeugt.[43] Letztere befanden sich zumeist auf Erhebungen in der Landschaft und beschrieben mit den Kastellen eine zusammenhängende Kette.[44] In severischer Zeit fand ein Ausbau der Anlagen statt[45], die Hälfte der Bauinschriften datiert jedoch ins 4. Jh. Von 284 bis 392 n. Chr. besaß der limes Arabicus seine größte Stärke und Komplexität. Bis 450 n. Chr. reduzierte sich die Zahl der genutzten Anlagen von 27 auf 19[46] und die meisten wurden Anfang des 6. Jhs. aufgegeben.[47]

3.1. Betthorus / el-Lejjūn

3.1.1. Topographie, Grundriss und Fortifikation

Das Legionslager Betthorus / el-Lejjūn[48] wurde zweckgebunden erbaut und die Überreste gewährleisten gute Befunde[49], da es in keiner urbanisierten Gegend errichtet wurde, wie oft bei Lagern gleichen Typs im Osten üblich, und von späterer Besiedelung verschont blieb.[50] Das Kastell liegt in einem flachen, von Hügeln umgebenen, sich nach Osten öffnenden Wadi, an der Peripherie des Hochlandes von Moab[51] in einer semiariden Region[52], ca. 15 km östlich der via nova Traiana und ca. 100 km nördlich des Legionslagers Udruh.[53] Als mögliche Gründe für die Errichtung eines solch großen Militärlagers an dieser Stelle werden der große Wasserreichtum durch die nahe Quelle (300 m entfernt) sowie der Schutz der landwirtschaftlich nutzbaren Zone angeführt.[54] Es ist eine befestigte bronzezeitliche Vorgängersiedlung nachgewiesen. Das Lager hat eine Fläche von 4,7 ha (247 x 190 m), und die Mauer- und Turmfundamente sind im kompletten Umfang erhalten.[55] Die porta praetoria war, wie in römischen Militäranlagen üblich (De munitionibus castorum 56), zur Feindseite, in diesem Fall nach Osten, orientiert. Das Verhältnis der Längs- zu den Breitseiten beträgt 5:4, im Gegensatz zu einem klassisch langrechteckigen Kastell mit abgerundeten Ecken, dessen Seitenverhältnis 3:2 betrug.[56] Neben Udruh ist es die größte bekannte römische Militäranlage in Jordanien.[57] Beide sind mit den Kastellen in Luxor oder Dionysias / Qasr Qarûn kongruent in der Bauweise (Abb. 4).[58]

Das Kastell hatte vier dreiviertelrunde Ecktürme, bei denen jeweils eine spiralförmige Treppe auf der Hofseite um einen Mittelpfeiler lief.[59] Die Stockwerkshöhe der Türme betrug 5,60 m[60], sie waren zwei- oder dreistöckig, der Durchmesser betrug ca. 21,3 m[61] und sie sprangen 11 m nach außen vor. Der Nordwest-Eckturm, der intensiv erforscht wurde, hat im Erdgeschoss drei zur Eingangspassage geöffnete Räume (Abb. 5).[62] Des Weiteren gab es 20 u-förmige und 10,86 m vorspringende Zwischentürme, die ca. 11 m hoch waren.[63] Das Intervall zwischen den Türmen betrug 31 bis 35 m.[64] Der Eingang war unter einem Bogen, über welchem der Wehrgang verlief, zurückversetzt (Abb. 6). Es gibt keine Anzeichen für mehr als zwei Stockwerke bei den Türmen, da zu wenig eingestürzter Bauschutt um die Turmruinen vorhanden ist.[65] Auf den Türmen befanden sich vermutlich Plattformen für Artillerie, da eine Menge Wurfgeschosse[66] im Bereich des Lagers und außerhalb gefunden wurden.[67] Für eine Dreistöckigkeit würde laut de Vries eine Verjüngung der Mauerdicke nach oben sprechen, die bei drei oder mehr Stockwerken wohl notwendig wäre, nicht hingegen bei zwei Stockwerken. Für eine Zweistöckigkeit spricht die Tatsache, dass sich in der näheren Umgebung zwei Anlagen befanden, die als Frühwarnsysteme besser fungieren konnten: 100 m höher auf einer Erhebung das castellum Khirbet el-Fityān sowie 1,5 km östlich von el-Lejjūn der Wachturm Rujm Beni Yasser. Die Türme des Legionslagers bedurften deshalb dieser Funktion eigentlich nicht, weswegen hier die Verteidigung an erster Stelle gestanden haben dürfte und somit zwei Stockwerke mit darauf befindlicher Plattform für ballistae ausgereicht hätten.[68] Außerdem gibt es im Lagerbereich keine Funde von Stoßwaffen und Rüstungsteilen, was eine andere Priorität der Kampftechnik in der Spätantike impliziert. Auch Ammianus Marcellinus beschreibt das Vorherrschen von Wurfgeschossen entlang der östlichen Grenze des Reiches.[69]

Die Mauer war 2,5 m dick und ursprünglich 5 bis 6 m hoch. Als Baumaterial wurde hauptsächlich Kalkstein verwendet.[70] Alle vier Tore hatten eine unterschiedliche Ausführung: die porta praetoria war aufgrund der Feindlage dreiteilig und ihr mittlerer Zugang hatte eine Breite von 3,85 m. Die porta principalis sinistra, deren mittlerer Zugang 3,45 m betrug, war ebenfalls dreiteilig, was mit der nahen Quelle begründet wird. Sie weist neben den beiden kleinen seitlichen Durchgängen Treppen auf, die um 90 Grad verdreht zum Tordurchgang angebracht wurden und auf den Wehrgang führten (Abb. 7).[71] Die porta principalis dextra (3,32 m) und die porta decumana (2,55 m) hatten jeweils nur einen Durchgang.[72] De Vries betont, dass die Toranlagen für einen Außenstehenden einen sehr starken und mächtigen Eindruck machen mussten, wobei das Innere des Kastells – v.a. ab 363 n. Chr. – ein eher dürftiges Erscheinungsbild vermittelte. Nach außen sollte so die imperiale Macht und Stärke demonstriert werden.[73]

3.1.2. Innenbebauung

Die Innenbebauung lässt sich in zwei Bauphasen einteilen: Phase 1 datiert um 300 n. Chr. (Abb. 8) und Phase 2 nach dem Erdbeben von 363 n. Chr. (Abb. 9).[74] In Phase 1 wurde besseres Baumaterial (Kalksteinquader) verwendet, wohingegen in Phase 2 größtenteils Quarzgestein zur Geltung kam.[75]

a) Die principia

Die principia (63 x 52,5 m) befindet sich in der Mitte des Kastells[76], und ihr Grundriss erweckt einen mittelkaiserzeitlichen Anschein. Durch den Haupteingang kommend betrat man einen großen, von Säulen gesäumten Innenhof (38 x 38 m). Dahinter befand sich die basilica, die mit aller Wahrscheinlichkeit ein Dach aufwies.[77] Beidseitig am Kopfende war je ein erhöhtes tribunal angebracht.[78] An der Rückwand der principia waren eine Reihe von officia und mittig das aedes (11 x 10 m) situiert.[79] Man fand Befestigungsmerkmale für Türgitter[80] am Eingang des aedes[81] sowie eine erhöhte Plattform an drei Seiten.[82] Beides datiert in Phase 2.[83] Südlich davon befindet sich ein korridorartiger Raum (3 x 11,5 m), der eine Tür zum rückwärtigen Lagerbereich aufwies.[84] Die vier Räume entlang der Nordseite wurden vermutlich als armamentaria oder anderweitige Lagerräume genutzt, wovon der östlichste aufgrund der archäologischen Evidenz zeitweise als Küche zur Geltung kam.[85] Die dort gefundenen Essens- und Holzreste sowie Keramikfragmente (African Red Slip)[86] implizieren eine Nutzung der Küche für Bewohner von höherem Rang.[87] Ab 363 n. Chr. könnte sich die Funktion der Nordräume generell geändert haben.[88] Die typischen Nebenräume an der Südseite fehlen.[89]

Die groma (15,4 x 13,3 m), also die Vorhalle der principia[90], bildete den Schnittpunkt der beiden Hauptstrassen. Sie ist das exakte Zentrum des Kastells und befand sich nicht näher an der porta praetoria wie in älteren Kastellen üblich.[91] Eventuell war sie ursprünglich von Tetrapylen eingerahmt[92], aber offenbar nicht überdacht. Die vier Seiten bestanden aus je einem dreifachen Tor. An den Ecken und den Durchlässen befanden sich Säulen, deren Basen nabatäischen Ursprungs sind.[93] Der südwestliche Seitendurchlass führte in einen kleinen Raum, der an der Ostseite der principia angebaut ist[94] und als Wachstube angesprochen wird.[95] Eine Parallele zu dieser groma bildet diejenige in Lambaesis.[96]

Im Bereich der principia wurde frühbyzantinische Keramik, Kochzubehör und eine Menge an Tierknochen aus eben dieser Zeit gefunden, was auf eine zivile Nutzung des Stabsgebäudes im 6. Jh. hindeuten könnte.[97] Es ist aus Quaderbruchsteinen errichtet worden, die äußere Mauer des Hofes jedoch aus Quarzgestein. Ziegeldächer sind zumindest auf der Süd- und der Westseite ab Phase 2 nachgewiesen.[98]

b) Die Baracken

In Phase 1 gab es in der praetentura 16 Barackenblöcke mit je zwei Reihen an acht Einzelräumen (5,1 x 5 m; 25 m²). Das bekannte klassische Zweiraumsystem (contubernium bestehend aus papilio und arma) der Prinzipatszeit wurde hier nicht angewandt.[99] Insgesamt lassen sich 256 Zimmer in der praetentura zählen, zuzüglich etwaiger Barackenblöcke in der retentura. In Phase 1 erschließt sich somit eine ungefähre Belegung des Kastells mit 2.000 Mann, wobei hier ein einziges Zimmer als Schlaf- und Stauraum für die Ausrüstung gedient hat.[100] Nach nachgewiesenen schweren Beschädigungen durch das heftige Erdbeben im Jahr 363 n. Chr.[101] wurden in der praetentura in Phase 2 nur noch acht Barackenböcke mit je 16 Räumen (5,2 x 3,95 m) wiederaufgebaut[102], wodurch sich eine Mannschaftsstärke von ca. 1.000 Mann errechnet.[103] Die Position dieser im Vergleich zu den vorhergehenden Baracken ist leicht versetzt, und bei den beiden südlichen Blöcken fand man im Zwischendurchgang jeweils einen spiralförmigen Treppenansatz, der einen Zugang zum Dach oder zu einem zweiten Stockwerk ermöglichte. In der retentura kamen Fundamente von drei weiteren Baracken, mit je zwei Reihen à sechs Räumen zu Tage.[104]

[...]


[1] Parker 1976, 19.

[2] Parker 1982, 1.

[3] Parker 2000b, 369.

[4] Parker 1976, 19.

[5] Parker 2005, 415.

[6] Bechert 1999, 199f.

[7] Bowersock 1976, 227.

[8] Parker 1982, 1.

[9] Parker 2005, 415.

[10] Parker 1982, 1.

[11] Parker 1987, 793f.

[12] Ebd., 797f.

[13] Greif 2000, 401.

[14] Bechert 1999, 199.

[15] Parker 1987, 798.

[16] Graf 1978, 7.

[17] Ebd., 19.

[18] Parker 1987, 800.

[19] Parker 1976, 26.

[20] Parker 1987, 799f.

[21] Parker 2000b, 370.

[22] Parker 1987, 801ff.

[23] Ebd., 801 und 805.

[24] Parker 2000b, 373.

[25] Bechert 1999, 201.

[26] Parker 2000b, 372.

[27] Parker 1976, 27.

[28] Parker 1982, 20.

[29] Parker 1976, 27.

[30] Parker 1987, 806.

[31] Parker 2000b, 372.

[32] Quadriburgium: Kleinkastell (40 x 40 bis 60 x 60 m) mit vorstehenden Türmen. Die Räume waren um den zentralen Hof an der Außenmauer entlang gruppiert.

[33] Parker 1987, 806.

[34] Parker 2000b, 379.

[35] Parker 1987, 810.

[36] Parker 2000b, 380.

[37] Parker 1987, 817f.

[38] Parker 2000b, 380f.

[39] Parker 1987, 819ff.

[40] Parker 2000b, 382.

[41] Parker 1987, 822f.

[42] Parker 1982, 2.

[43] Parker 1976, 20.

[44] Parker 2000b, 374.

[45] Parker 1982, 2.

[46] Parker 1976, 27f.

[47] Parker 1982, 3.

[48] Der antike Name Betthorus ist nicht eindeutig mit el-Lejjūn gleichzusetzen. Er ist aus der Not. Dig. Or. XXXVII, 22 und der hier erwähnten legio IV Martia hergeleitet. Zusätzlich könnte das arabische „el-Lejjūn“ etymologisch auf den lateinischen Begriff legio zurückzuführen sein. Seit Brünnow und von Domaszewski ist die Verknüpfung der Örtlichkeit mit dem in der Not. Dig. erwähnten Betthorus allgemein anerkannt (Lander 1982, 186).

[49] Gregory 1996, 357.

[50] Parker 2006, 111.

[51] Brünnow 2004, 24.

[52] Lander 1982, 187.

[53] Gregory 1996, 349.

[54] Parker 2006, 114.

[55] Kennedy 2004, 154f.

[56] Parker 2006, 115f.

[57] Kennedy 2004, 154.

[58] Gregory 1996, 357f.

[59] Brünnow 2004, 27.

[60] Ebd., 30.

[61] Parker 2006, 116.

[62] Gregory 1996, 352f.

[63] Kennedy 2004, 155f.

[64] Gregory 1996, 350.

[65] Ebd., 353.

[66] Bolzen für ballistae, Pfeilspitzen, kleine Wurfspieße und Schleudersteine.

[67] Parker 2000a, 134f.

[68] de Vries 2006a, 193f.

[69] Parker 2000a, 135.

[70] Gregory 1996, 350.

[71] Parker 2000a, 128.

[72] Brünnow 2004, 34.

[73] de Vries 2006a, 199.

[74] Kennedy 2004, 159.

[75] Parker 2000a, 130.

[76] Lain 2006, 124.

[77] Gregory 1996, 354.

[78] Parker 2000a, 129.

[79] Parker 2006, 117.

[80] Parallelen hierzu in Vindolanda und South Shields.

[81] Parker 1982, 6.

[82] Gregory 1996, 354.

[83] Parker 2000a, 130.

[84] Lain 2006, 128.

[85] Parker 2006, 117.

[86] Im Gegensatz zum im übrigen Lagerbereich verwendeten getrockneten Tierdung als Brennmaterial.

[87] Lain 2006, 138.

[88] Ebd., 140ff.

[89] Parker 1982, 5.

[90] Lain 2006, 126.

[91] Parker 2006, 116.

[92] Parker 1982, 5.

[93] Gregory 1996, 354.

[94] Lain 2006, 126.

[95] Ebd., 134.

[96] Ebd., 157.

[97] Parker 1982, 7.

[98] Gregory 1996, 354.

[99] Parker 2000a, 129.

[100] Groot 2006, 183f.

[101] Kennedy 2004, 159.

[102] Parker 2000a, 130.

[103] Groot 2006, 184.

[104] Kennedy 2004, 157ff.

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