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Produktivitätswirkungen von Modellen der materiellen Mitarbeiterbeteiligung

Eine Untersuchung ausgewählter empirischer Studien

Hausarbeit 2010 37 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Hintergrund und Motivation
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

2. Begriffliche Grundlagen
2.1 Mitarbeiterbeteiligung
2.2 Bestimmung der Produktivität

3. Auswahl der empirischen Studien

4. Untersuchung ausgewählter Studien
4.1 Empirische Studien zur materiellen Mitarbeiterbeteiligung
4.1.1 Zur Bedeutung materieller Mitarbeiterbeteiligung in Baden-Württemberg - eine empirische Analyse mit dem IAB-Betriebspanel
4.1.2 Produktivitätswirkung von Mitarbeiterbeteiligung: Der Einfluss von unbeobachteter Heterogenität
4.2 Empirische Studien zur Gewinnbeteiligung
4.2.1 Die Auswirkungen von Gewinnbeteiligungen in den neuen Bundesländern
4.2.2 Hat die Einführung von Gewinnbeteiligungsmodellen kurzfristige positive Produktivitätswirkungen?
4.3 Ausländische Studien zur materiellen Mitarbeiterbeteiligung
4.3.1 The Productivity Effects of Stock Option Schemes: Evidence from Finnish Panel Data
4.3.2 Employee Ownership and Participation Effects on Firm Outcomes

5. Kritische Bewertung der Ergebnisse

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 5-1: Eckdaten der untersuchten empirischen Studien 1/2

Tabelle 5-2: Eckdaten der untersuchten empirischen Studien 2/2

1. Einleitung

1.1 Hintergrund und Motivation

Die Beteiligung von Mitarbeitern an ihrem Arbeit gebenden Unternehmen rückt regel­mäßig ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Häufig sind es Akteure aus der Politik, die mit ihren Vorschlägen die Wirtschaftspolitik zu prägen versuchen. Dabei unterstellen sie der Mitarbeiterbeteiligung (MAB) eine Vielzahl von Problemlösungseigenschaften und betiteln sie förmlich als Allzweckwaffe für den Kampf gegen die Krise.1 Mit Stand 2007 praktizierten jedoch lediglich etwa 3.750 deutsche Unternehmen Modelle einer MAB. Dies betrifft rund 2,1 Mio. Beschäftigte, die ihrem Unternehmen somit schätzungsweise 13 Mrd. € zur Verfügung stellen.2 Im April 2009 wurde durch einen Beschluss der großen Koalition versucht, mithilfe von steuerlichen Anreizen, die Beteiligung von Mitarbeitern an ihrem Arbeit gebenden Unternehmen zu fördern. Diese Maßnahme war ein Flop. Die Zahlen sind nachwievor fast unverändert.3

Es existieren zahlreiche nationale und internationale Studien zu den Produktivitätsef­fekten von Beteiligungsmodellen. Aber so unterschiedlich die Datenbasis, die methodischen Verfahren und die Bewertung der Ergebnisse der einzelnen Studien auch sind, so unterschiedlich sind auch deren Ergebnisse. Dabei sind die Autoren häufig davon überzeugt, dass „ihre“ Studie verlässliche Aussagen zu den Produktivi­tätswirkungen einer MAB liefern kann.4

1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

In dieser Hausarbeit werden auf Grundlage von ausgewählten empirischen Studien, die Auswirkungen von Modellen der materiellen Mitarbeiterbeteiligung (MMAB) auf die Produktivität eines Unternehmens untersucht. Ziel ist es, aus den Ergebnissen mehre­rer nationaler und internationaler Studien, Schlussfolgerungen über mögliche Produktivitätseffekte ableiten zu können.

Die Untersuchung soll insbesondere Antworten zu folgenden Fragestellungen geben:

- Welche Auswirkungen haben Modelle der MMAB auf die Produktivität eines Unternehmens?
- Lassen sich Unterschiede zwischen Unternehmen mit bzw. ohne eine MMAB erkennen?

Dazu erfolgt im Kapitel 2 zunächst eine kurze Erläuterung der begrifflichen Grundla­gen, in der insbesondere die MMAB sowie der Produktivitätsbegriff erläutert werden.

Das Kapitel 3 widmet sich der Auswahl der empirischen Literatur. Dabei werden Kriterien für die Selektion der Studien gebildet und ein kurzer Überblick über die verfügbare empirische Literatur gegeben. Mithilfe der zuvor festgelegten Kriterien erfolgt dann die Auswahl der empirischen Literatur. Im nachfolgenden Kapitel 4 werden die ausgewählten Studien hinsichtlich der Datenbasis und der methodischen Vorge­hensweise untersucht sowie die relevanten Ergebnisse herausgearbeitet. Der Fokus liegt hierbei auf den Produktivitätseffekten von Modellen der MMAB. Allerdings sollen auch weitere Ergebnisse der Studien, die einen Einfluss auf die Produktivität von Unternehmen begründen, berücksichtigt werden. Auf dieser Grundlage werden die Studien sowie deren Ergebnisse im Kapitel 5 bewertet. Abschließend folgt im Kapitel 6 eine Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse.

2. Begriffliche Grundlagen

2.1 Mitarbeiterbeteiligung

Um ein grundlegendes Begriffsverständnis zu bilden, werden zunächst der Begriff der MAB und nachfolgend die Bestimmung der Produktivität erläutert. Diese Begriffe werden dabei nur insofern beschrieben, wie es zum Verständnis der weiteren Ausfüh­rungen erforderlich ist. Ausführliche Erläuterungen können der angegebenen Literatur entnommen werden.5

Die Beteiligung von Mitarbeitern an ihrem Arbeit gebenden Unternehmen wird grund­sätzlich in eine materielle und eine immaterielle MAB unterschieden. Diese können jeweils für sich alleine oder zusammen, in unterschiedlich ausgeprägten Kombinatio­nen in einem Unternehmen bestehen. Unter einer immateriellen MAB versteht man die Partizipation der Mitarbeiter an den Informations- und Entscheidungsprozessen des Arbeit gebenden Unternehmens.6 Die materielle MAB hingegen, beschreibt die Partizipation der Mitarbeiter am Erfolg und/oder dem Kapital des Arbeit gebenden Unternehmens. Vor allem die Praxis der letzten Jahre zeigt eine Verknüpfung der Hauptbestandteile der beiden Modelle miteinander, indem die Gewinne aus einer Erfolgsbeteiligung thesauriert und für die Finanzierung der Kapitalbeteiligung genutzt werden (investive Erfolgsbeteiligung). Das bedeutet, dass durch eine Beteiligung am Erfolg des Arbeit gebenden Unternehmens indirekt eine Kapitalbeteiligung erzeugt wird.7 In dem Beteiligungsmodell Erfolgsbeteiligung erhält der einzelne Mitarbeiter neben seinem vertraglich geregelten Anspruch auf Lohn bzw. Gehalt (Kontraktein­kommen), eine Teilhabe am wirtschaftlichen Ergebnis des Arbeit gebenden Unternehmens (Residualeinkommen).8

Die Motive für die Einführung einer MMAB sind vielfältig. Jedoch stehen häufig Ziele wie die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, das Zusammenführen von Arbeit­nehmer- und Arbeitgeberinteressen sowie die Steigerung der Lohn- und Produktivitätseffekte im Vordergrund.9 Mithilfe MMAB soll die Mitarbeiterproduktivität durch materielle Anreize gesteigert und die Mitarbeiter gleichzeitig zu einem unterneh­merischen Denken bzw. Handeln motiviert werden. Kurz gesagt, die Ertragslage des Unternehmens soll verbessert bzw. stabilisiert werden.10

2.2 Bestimmung der Produktivität

Für die Bestimmung der Unternehmensproduktivität finden sich in der Literatur zahlrei­che Methoden, die jeweils verschiedene Vor- und Nachteile aufweisen. Im Allgemeinen bezeichnet die Produktivität das Verhältnis zwischen dem Produktionsergebnis (Ausbringungsmenge) und des zu seiner Erstellung erforderlichen Faktoreinsatzes.11 Da es sich bei dieser Hausarbeit um eine Untersuchung von Primär-Studien handelt, soll die Auswertung der Untersuchungsergebnisse auf den Produktivitätsfunktionen der Autoren erfolgen. Ein Großteil der empirischen Studien bewertet die Unternehmen nach ihrer Arbeits- bzw. Umsatzproduktivität.12 Das liegt insbesondere darin begründet, dass die verwendeten Datensätze, einschließlich die des IAB-Betriebspanels, nicht alle relevanten Daten zur Berechnung anderer Produktionsfunktionen beinhalten. Die Arbeitsproduktivität bezeichnet das Verhältnis zwischen dem Produktionsergebnis und der für die Erstellung benötigten Anzahl an Beschäftigten.13 Sofern zu den einzelnen Studien nicht anderes erläutert wird, handelt es sich um Arbeits- bzw. Umsatzproduktivitäten.

3. Auswahl der empirischen Studien

Für die Auswahl der empirischen Studien sollen zunächst einige qualitative Kriterien festgelegt werden. Dies erfolgt vor dem Hintergrund, möglichst aussagekräftige und belastbare Ergebnisse ableiten zu können.

Zunächst sollen die empirischen Studien nach Möglichkeit auf einem repräsentativen Datensatz basieren. Für die Untersuchung von deutschen Unternehmen wird dazu i.d.R. auf das IAB-Betriebspanel zurückgegriffen. Hierbei handelt es sich um Panelda­ten aus einer repräsentativen Arbeitgeberbefragung des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Bei der jährli­chen Befragung werden bundesweit etwa 16.000 Betriebe mit mindestens einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, zu einer Vielzahl von betriebswirtschaftli­chen Kennziffern und beschäftigungspolitischen Themen befragt.14 Backes-Gellner verwendet in einer Untersuchung Datensätze aus einer schriftlichen Unternehmensbe­fragung des Instituts für Mittelstandforschung und ergänzt diese mit Informationen von lediglich 26 Telefonbefragungen.15 Diese Datensätze sind weder repräsentativ, noch können sie mit denen des IAB-Betriebspanels verglichen werden. In Folge wurde die Studie von der Untersuchung ausgeschlossen.

Alle auf einer Metaanalyse basierenden Studien wurden aufgrund einer häufig subjek­tiven zweiten Bewertung der Ergebnisse, bereits im Vorfeld von der Untersuchung ausgeschlossen. Ein Beispiel bildet hier die Studie zum Thema Gewinnbeteiligung von Lesch/Stettes, deren Bewertung der Produktivitätseffekte sich nur auf die Ergebnisse einer Metaanalyse von vorhandenen Studien stützt.16 Das gleiche gilt für Untersuchun­gen, die von oder im Auftrag einer bestimmten Interessensvertretung durchgeführt wurden. Zu nennen sind hier vor allem die Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft e.V. (AGP) sowie die Gesellschaft für innerbetriebliche Zusammenarbeit (GIZ).17 Da sowohl die AGP als auch die GIZ starke Befürworter von MAB sind und subjektive Einflüsse nach Möglichkeit nicht in die Untersuchung einfließen sollen, wurden diese Studien von der Untersuchung ausgeschlossen. Ebenso gilt dies für Studien, in denen ausschließlich Unternehmen mit Modellen von MMAB zu den Produktivitätseffekten befragt wurden. Hier liegen zum einen keine Vergleichsmöglich­keiten vor und zum anderen basieren diese Studien auf Angaben, deren Zuverlässigkeit zweifelhaft und häufig subjektiver Natur sind. Zudem ist davon auszu­gehen, dass kein Unternehmen freiwillig zugeben wird, dass die Einführung einer MMAB eine Fehlentscheidung war bzw. keine positiven Effekte bewirkt. Dies erklärt wohl auch die durchweg positiven Ergebnisse von Beteiligungsmodellen in einer Umfrage von A.T. KEARNEY und der AGP.18 In dieser Umfrage wurden 238 Unter­nehmen mit Mitarbeiterbeteiligungsmodellen zu den Auswirkungen bzw. Erfahrungen einer Beteiligung befragt. Hervorzuheben ist hier jedoch, dass in dieser Studie nicht zwischen einer materiellen und einer immateriellen Beteiligung unterschieden wird. Ein weiteres Ausschlusskriterium ist die unzureichende Darstellung der Vorgehensweise, der Daten sowie der Ergebnisse. So wurde auch eine Studie des Deutschen Aktienin­stituts (DAI) und Hewitt Associates nicht in die Untersuchung eingeschlossen.19

Bei einer Betrachtung von mehreren empirischen Studien lassen sich zahlreiche Unterschiede erkennen. Die Studien unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich der verwendeten Datensätze, sondern vor allem in den Operationalisierungen, den Kontrollvariablen sowie der methodischen Vorgehensweise und dem Bewertungsmaß­stab der Ergebnisse. Durch das Zusammenfassen der Ergebnisse von verschiedenen empirischen Studien zur MMAB, soll eine breit angelegte Einschätzung möglicher Produktivitätseffekte erfolgen. Dabei wurden bewusst Studien ausgewählt, die unter­schiedliche Modelle der MMAB untersuchen. Die Untersuchung erfolgt auf Basis vier deutscher und zwei ausländischer Studien. Die Daten für die Studien der deut­schen Unternehmen basieren alle auf Wellen des IAB-Betriebspanels aus den Jahren 1998 - 2003.

Den ersten Bereich bilden die Studien von Strotmann (2002) und Wolf/Zwick. Sie untersuchen die Produktivitätswirkungen von MMAB, wobei nicht zwischen einer Kapital und einer Erfolgsbeteiligung unterschieden wird. Darauf folgen im zweiten Bereich Kraft/Ugarkovic und Strotmann (2006), die in ihrer Studie die Auswirkungen auf die Produktivität bei der Einführung von Gewinnbeteiligungsmodellen untersuchen. So können Rückschlüsse ausschließlich auf die Gewinnbeteiligungsmodelle zurückge­führt werden. In einem dritten Bereich werden zwei ausländische Studien betrachtet. Jones/Kalmi/Mäkinen untersuchen anhand von Paneldaten aus den Jahren 1992 - 2002, ob für börsennotierte finnische Unternehmen ein Zusammenhang zwischen Aktienoptionen und einer höheren Produktivität bestätigt werden kann. Eine sechste Studie von Kramer untersucht ebenfalls die Auswirkungen von Aktienoptionen auf die Produktivität von Unternehmen in den Vereinigten Staaten von Amerika.

4. Untersuchung ausgewählter Studien

4.1 Empirische Studien zur materiellen Mitarbeiterbeteiligung

4.1.1 Zur Bedeutung materieller Mitarbeiterbeteiligung in Baden­Württemberg - eine empirische Analyse mit dem IAB- Betriebspanel

Die Studie vom Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) in Tübingen wurde von Strotmann durchgeführt und beruht auf Daten von zwei Wellen des IAB- Betriebspanels in Baden-Württemberg aus den Jahren 2000 und 2001. Die Daten basieren auf Befragungen von etwa 1.100 baden-württembergischen Unternehmen aller Betriebsgrößen, Rechtsformen und aus allen Branchen, so dass die Ergebnisse repräsentativ für die gesamte Wirtschaft in Baden-Württemberg sind. Strotmann unterscheidet in seiner Studie nicht zwischen Betrieben mit einer Kapital- oder Erfolgs­beteiligung, da sonst die Fallzahlen in Baden-Württemberg für einzelne Branchen und Betriebsgrößen nicht für statistische Hochrechnungen ausreichen würden. Darüber hinaus wird nicht unterschieden, ob die Modelle der MMAB allen oder nur einem selektiven Kreis der Beschäftigten angeboten werden.

Zunächst untersucht Strotmann, in welchen Unternehmen Modelle der MMAB prakti­ziert werden. Dazu analysiert er die Unternehmen in Bezug auf Betriebsgröße, Branche, Rechtsform, Existenz eines Betriebsrates, Eigentumsverhältnisse, Tarifbin­dung, Innovationspotential und IKT-Investitionstätigkeit. Hierbei prüft er jeweils den Anteil an Betrieben mit einer MMAB und stellt fest, dass die Verbreitung von MMAB mit steigender Unternehmensgröße zunimmt, häufiger im verarbeitenden Gewerbe sowie in AGs und GmbHs praktiziert wird und dass sich in innovativen Unternehmen deutlich häufiger Modelle der MMAB finden.20

Die Auswirkungen der MMAB betrachtet Strotmann als Erwerbsproduktivität. Die Bezugsgröße für das Produktionsergebnis bildet entweder der Umsatz des Unterneh­mens oder aber die betriebliche Wertschöpfung, bei der die Kosten für Vorleistungen vom Umsatz abgezogen wurden. Die Angaben für den Umsatz sowie der Anzahl der Beschäftigten stammen aus den Jahren 1999 und 2000, da das IAB-Betriebspanel jeweils die Umsatzangaben des Vorjahres betrachtet. Dabei vergleicht Strotmann den Output zum einen mit der Gesamtzahl der Beschäftigten und zum anderen nur mit der Anzahl der Sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Des Weiteren weist er in seiner Untersuchung auf eine teilweise beträchtliche Anzahl von fehlenden Werten in Bezug auf den Umsatz hin. Da der Grund für die fehlenden Angaben nicht festgestellt werden kann (Zufall oder Absicht), sollte dies bei der Interpretation der Ergebnisse beachtet werden. Die Ergebnisse werden in Quantilen dargestellt.

In den Ergebnissen der Studie kann Strotmann für beide Jahre eine empirische Evidenz dafür aufzeigen, dass die Produktivität in Betrieben mit einer MMAB signifikant höher ist, als in Betrieben ohne eine MMAB. Dabei ist die Medianproduktivität in Unternehmen mit einer MMAB in Bezug auf die Gesamtzahl der Beschäftigten um etwa 40% höher und in Bezug auf die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten um etwa 15% höher, als in Unternehmen ohne eine MMAB. Um die Ergebnisse seiner Untersuchung weiter abzusichern, überprüft Strotmann diese mithilfe verschiedener Tests zusätzlich auf Signifikanz. In einem Mediantest und in einem „Wilcoxon- Rangsummen-Test“, kann er die Signifikanz in den Unterschieden der Ergebnisse weiterhin bestätigen. Nur in den t-Tests zeigt sich eine Signifikanz der Ergebnisse erst beim Vernachlässigen von extremen Werten.

4.1.2 Produktivitätswirkung von Mitarbeiterbeteiligung: Der Einfluss von unbeobachteter Heterogenität

In ihrer Studie untersuchen Wolf/Zwick die Produktivitätswirkung einer MMAB unter dem Einfluss unbeobachteter Heterogenität auf die Produktivität eines Unternehmens. Für ihre Analyse verwenden sie ebenfalls die repräsentativen Daten des IAB- Betriebspanels. Die Datenbasis bilden die Wellen 1999 und 2000, aus denen sie alle relevanten Angaben für das Jahr 1999 erhalten. Aus diesen Daten wurden zunächst alle gewinnorientierten Unternehmen, die im vorangegangen Jahr weder Unterneh­mensteile aus- bzw. eingegliedert oder geschlossen haben, ausgewählt. Zusätzlich wurden alle Unternehmen für die keine Umsatzzahlen vorlagen, von der Analyse ausgeschlossen. Bedingt durch die so entstandenen geringeren Fallzahlen, unter­scheiden sie nicht zwischen einer Kapital- und einer Gewinnbeteiligung. Ebenfalls lässt sich aus den Daten nicht ableiten, ob die Modelle der MMAB für alle Beschäftigten oder nur für einen selektiven Kreis zugänglich sind. Als Maß für die Produktivität wird die Bruttowertschöpfung verwendet.21

Nach Ansicht von Wolf/Zwick ist die in mehreren Studien beobachtete höhere Produk­tivität von Unternehmen, die Modelle der MMAB praktizieren, primär nicht auf die MMAB selbst zurückzuführen. Vielmehr seien es weitere, häufig unbeobachtete Charakteristika, die eine höhere Produktivität begründen.22 Diese nehmen nicht nur systematisch Einfluss auf die Entscheidung eine MMAB einzuführen, sondern auch auf die Produktivität selbst. Zu diesen Einflüssen nennen Wolf/Zwick u.a. ein besonders modernes und innovatives Management, eine aktive Personalabteilung und eine gute Arbeitsbeziehung. Lässt man diese Einflüsse bei der Bewertung der Produktivität von Unternehmen mit bzw. ohne MMAB unbeachtet, führt dies zu einer Überschätzung der Produktivitätseffekte. Damit es nicht zu so einer Überschätzung kommt, nutzen Wolf/Zwick einen zweistufigen Schätzansatz mit einer Selektionskorrektur. Dabei vergleichen sie die Ergebnisse einer gepoolten Schätzung einer „Translog- Produktionsfunktion“ mit denen eines „endogenous switching regression“ Ansatzes. Dieses empirische Modell beachtet sowohl die strukturellen Unterschiede zwischen Unternehmen mit bzw. ohne Modelle der MMAB, wie auch jeweils unterschiedliche Produktionsfunktionen. Die Vorgehensweise, die Modelle sowie die verwendeten Funktionen sind im Kapitel 2 bzw. 3 der Studie hinreichend beschrieben, so dass hier auf eine detaillierte Beschreibung verzichtet wird.

Zunächst analysieren Wolf/Zwick die strukturellen Unterschiede von Beteiligungs- und Nichtbeteiligungsunternehmen. Dabei stellen sie fest, das Unternehmen mit einer MMAB im Durchschnitt über eine deutlich höhere Bruttowertschöpfung verfügen und größer sowie innovativer sind. Des Weiteren haben sie durchschnittlich einen höheren Anteil an qualifizierten Beschäftigten und eine höhere Ausbildungsrate, sind häufiger tariflich gebunden, verfügen meist über einen Betriebsrat und sind vermehrt im Export­geschäft tätig.

Darauf folgt zunächst eine Analyse der Produktivitätseffekte von MMAB ohne eine Selektionskorrektur. Hierbei lassen sich für die Unternehmen mit einer MMAB im Durchschnitt positive Produktivitätseffekte von nahezu 23% nachweisen. Diese signifikanten und positiven Produktivitätseffekte entsprechen auch den Ergebnissen anderer Studien, jedoch nach Auffassung von Wolf/Zwick, aufgrund von bisher unbeo­bachteten weiteren Faktoren nicht der Realität und führen so zu einer Ergebnisverzerrung.23 Um diese Faktoren festzustellen und in die weitere Analyse einfließen lassen zu können, folgen eine Schätzung der Selektionsvariablen sowie eine Produktivitätsschätzung der Unternehmen. Die so generierten Daten werden verwendet, um die zuvor festgestellten positiven Produktivitätseffekte mithilfe einer Selektionskorrektur zu bereinigen.

Nach der Selektionskorrektur werden die in der ersten Analyse festgestellten Produkti­vitätseffekte auf einige wenige Prozent deutlich reduziert. Das bedeutet, dass für die Wellen 1999 und 2000 des IAB-Betriebspanels keine signifikanten Produktivitäts­steigerungen durch das Praktizieren von Modellen der MMAB messbar sind. Sie stellen weiter fest, dass durch die unbeobachteten Faktoren einerseits die Wahrscheinlichkeit steigt, dass ein Unternehmen Modelle der MMAB praktiziert und andererseits, diese auch einen positiven Einfluss auf die Produktivität haben. Die in der empirischen Literatur häufig festgestellten Produktivitätssteigerungen basieren nach Ansicht von Wolf/Zwick somit nicht in den Modellen der MMAB selbst, sondern in den unterschied­lichen Charakteristika der jeweiligen Unternehmen.

[...]


1 Vgl. Wagner, K.-R., Kapitalbeteiligung 2008, S. 174-195. Vgl. zu den Problemlösungseigenschaften auch Fritz, S., Mitarbeiterbeteiligung 2008, S.18-23.

2 Vgl. Wagner, K.-R., Kapitalbeteiligung 2008, S. 36.

3 Vgl. Öchsner, T., Steueranreiz 2010, S. 8.

4 Vgl. Backes-Gellner, U. et al., Mitarbeiterbeteiligung 2002, S. 64-68.

5 Zu der Entwicklung der MAB siehe ausführlich Gaugler, E., Entwicklung 2008, S. 91 -102.

6 Vgl. dazu ausführlich Backes-Gellner, U. et al., Mitarbeiterbeteiligung 2002, S. 5 f.

7 Die Bezeichnung Erfolgsbeteiligung hat sich sowohl in der Literatur, wie auch in der unternehmerischen Praxis als Oberbegriff für alle Formen der MMAB durchgesetzt. Gleichwohl ist eine klare Trennung in der praktischen Anwendung erforderlich, denn die Erfolgsbeteiligung und die Kapitalbeteiligung unterliegen verschiedenen Rechtsvorschriften und folglich einer unterschiedlichen Besteuerung. Vgl. dazu ausführ­lich Schneider, H.-J. et al., Erfolgsbeteiligung 2007, S. 11 ff.

8 Vgl. Schanz, G., Personalwirtschaftslehre 2000, S. 638 ff.

9 Vgl. dazu auch Hübler, O., Produktivitätssteigerungen 1995, S. 214-223 sowie Strotmann, H., Gewinn­beteiligungsmodelle 2006, S. 10 f.

10 Der Anteil am Erfolg wird i.d.R. nach Ablauf eines Kalender- oder Geschäftsjahres, meist auf Grundlage eines individuell festgelegten Schlüssels, auf die einzelnen Mitarbeiter oder Belegschaftsgruppen verteilt. Vgl. dazu ausführlich Schneider, H.-J. et al., Erfolgsbeteiligung 2007, S. 15 f.

11 Vgl. Wöhe, G., Betriebswirtschaftlehre 2005, S. 53-55.

12 Die Begriffe Arbeits- und Umsatzproduktivität werden in dieser Studie synonym verwendet.

13 Vgl. dazu auch Strotmann, H., Mitarbeiterbeteiligung 2002, S. 33 f.

14 Die Befragung erfolgt seit 1993 für Westdeutschland und seit 1996 für Ostdeutschland. Vgl. dazu ausführlich Bellmann, L. et al., IAB-Betriebspanel 2002, S. 13-20.

15 Vgl. dazu Backes-Gellner, U. et al., Mitarbeiterbeteiligung 2002, S. 19 f.

16 Vgl. Lesch, H. et al., Gewinnbeteiligung 2008, S. 43 f.

17 Die AGP ist ein Verband der sich für eine partnerschaftliche Unternehmensführung mit MAB einsetzt. Vgl. dazu ausführlich AGP 2010. Bei der GIZ handelt es sich um eine Unternehmensberatung, die ausschließlich auf eine partnerschaftliche Unternehmensführung durch MAB spezialisiert ist. Vgl. dazu ausführlich GIZ 2010.

18 Die Studie befindet sich im Anhang 7. Am 26.03.2010 erfolgte eine telefonische Anfrage bei A.T.Kearney, um weitere Daten zu der Studie zu erhalten. Jedoch wurde darauf verwiesen, dass alle ermittelten Daten in der Studie abgebildet seien.

19 Die Studie befindet sich im Anhang 8.

20 Zur Bestimmung der innovativen Unternehmen aus dem IAB-Betriebspanel, orientierte sich Strotmann an einer gängigen Definition der OECD, welche er leicht modifiziert hat. Vgl. dazu Strotmann, H., Mitarbeiterbeteiligung 2002, S. 18 f.

21 Vgl. Wolf, E. et al., Produktivitätswirkung 2002, S. 127.

22 Vgl. dazu auch ausführlich Hübler, O., Produktivitätssteigerungen 1995, S. 214-223 und Möller, I., Produktivitätswirkung 2000, S. 565-582.

23 Vgl. dazu ausführlich FitzRoy, F. et al., Incentives 1995, S. 145-165 und Cable, J. et al., Profit Sharing 1989, S. 550-500.

Details

Seiten
37
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640635344
ISBN (Buch)
9783640635627
DOI
10.3239/9783640635344
Dateigröße
673 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151881
Institution / Hochschule
Private Fachhochschule Göttingen
Note
1,0
Schlagworte
Mitarbeiterbeteiligung Gewinnbeteiligung Erfolgsbeteiligung Kapitalbeteiligung Produktivität Produktivitätswirkungen Auswirkungen empirisch Untersuchung Bewertung Modelle Ausprägungen

Autor

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Titel: Produktivitätswirkungen von Modellen der materiellen Mitarbeiterbeteiligung