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Was ist eine gute Dokumentation in Hinsicht auf den schulischen Einsatz?

von Ilker Gülcin (Autor) Peter Menniger (Autor) Christian Gluitz (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 16 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Gemeinschaftliche schriftliche Ausarbeitung Projektarbeit

2. Individuelle Reflexionen der gruppendynamischen Prozesse
2.1 Reflexion Peter Menniger
2.2 Reflexion Ilker Gülcin
2.3 Reflexion Christian Gluitz

3 Literaturverzeichnis

1. Der Dokumentarfilm

In dem Seminar Visual History entschieden wir uns für den Themenbereich Dokumentation und die damit einhergehende Fragestellung „was ist eine gute Dokumentation“. Dies setzt erstmals eine Klärung des Begriffs Dokumentarfilm voraus. Laut Brockhaus ist ein Dokumentarfilm eine „Gattungsbezeichnung für nicht fiktionale Filme, die sich tatsächlichem Geschehen widmen und die dabei Sachinformationen liefern.“[1]. Der Dokumentarfilm, verfolgt demnach die Absicht reale Ereignisse darzustellen und audiovisuell zu präsentieren. Dafür werden oftmals verschiedenste Filmdokumente zusammengestellt, welche wiederum mit Musik und Kommentaren unterlegt werden. Immer häufiger werden auch unterstützende Elemente wie zum Beispiel Karten, Grafiken, Zeitzeugen und Spielszenen verwendet. Ein Filmdokument ist eine im Originalzustand erhaltene Aufzeichnung der Realität.[2]

Die ersten Filmdokumente entstanden im Jahr 1895 aufgrund der damaligen neuen technischen Errungenschaften. Als ein Wegbereiter, beziehungsweise Medienpionier, kann der Österreichische Enthnograph „Rudolf Pöch“ angeführt werden. Ihm gelangen die ersten dokumentarischen Aufnahmen im heutigen Sinne. Vor allem im Bereich der frühen Ton- und Filmaufzeichnung wie auch in der Fotografie “im Feld” wirkte er unbestritten als innovativer Medienpionier.[3]Die ersten Kulturfilme entstanden gegen Ende des Kaiserreichs. Zu dieser Zeit waren diese noch als Kurzfilme definiert und wurden hauptsächlich im Beiprogramm der Filmtheater gezeigt. Die Kurzfilme wurden in zwei Gruppen kategorisiert. Zum einen standen Menschendarstellung in verschiedensten Lebenssituationen im Fokus der Filme, zum anderen war der Gegenstandsbereich der Kulturfilme geografischer und biologischer Natur. Schon damals wurden vereinzelt Spielszenen verwendet, die jedoch der Zielsetzung der Dokumentation untergeordnet war.[4]Zu Beginn der Weimarer Republik, mit der Gründung einer Kulturabteilung durch die Ufa im Jahr 1918, entwickelten sich diese Kurzfilme zum eigentlichen Kulturfilm in Spielfilmlänge. Er sollte auch in Friedenszeiten eine Lehr- bzw. Erziehungsfunktion darstellen. „1920 wies das Kulturfilmverzeichnis der Ufa 404 Filme mit einer Gesamtlänge von 96919 Metern aus.“[5]Die 1930 neu etablierten Wochenschauen wurden als bald von den Nationalsozialisten als Propagandamittel genutzt. Die Konzeptionierung war dahin gehend ausgelegt, dass die Filmberichterstatter Bilder produzierten, die in einer filmischen Nachbereitung „… aus den Bildern realistisch wirkende, propagandistische Meisterwerke zu schaffen, die selbst im Ausland anerkannt und als Vorbild genommen wurden“[6]. Auf Grund der ideologischen Wikungsabsicht wurde viel Wert auf eine professionelle und qualitative hochwertige Produktion der Deutschen Wochenschauen gelegt, dass selbst die britische Zeitung „Manchester Guardian“ schrieb: „Die englischen Wochenschauen verhalten sich zu den Deutschen wie laues Wasser zu starkem Whisky. Die deutschen Filme sind wundervoll photographiert und glänzend geschnitten, und es ist unwahrscheinlich, daß auch nur ein einziger Zuschauer den Raum verließ, der nicht davon überzeugt gewesen wäre, daß Großbritannien noch sehr viel von den Deutschen zu lernen habe.“[7]

Ab 1933 wurden antisemitische und propagandistische Filme produziert. In ihnen wurden hauptsächlich die Ideologie und Weltanschauung des Nationalsozialismus verarbeitet. „Maßgeblich waren das Führerprinzip und die Ideologie einer arischen Rasse, bei der das Deutsche Vol als Blut- und- Boden- Gemeinschaft mit dem Anrecht auf neuen Lebensraum beschworen wurde.“[8]

Als Paradebeispiel für solche inszenierten Propagandafilme, sind die zwei Parteitagsfilme „Sieg des Glaubens“ und „Triumph des Willens“ von Berta Helene Amalie Riefenstahl anzuführen. In diesen historischen Dokumentarfilmen, wurde das nationalistische Regime und ihre Ideologie unter anderem mit Hilfe einer idealisierten Darstellung makelloser Körper, großer Menschenmassen und den mitreißenden Reden Adolf Hitlers in Szene gesetzt.[9]

Erst ab etwa 1960, begünstigt durch den technischen Fortschritt bei Ton- und Filmaufnahmen, kann man von nicht inszenierten Dokumentarfilmen sprechen.

Im Hinblick auf den sinnvollen schulischen Einsatz eines Dokumentarfilms haben wir zwei konträre wissenschaftliche Perspektiven analysiert, welche sich explizit mit dem Einsatz in der Schule des genannten Mediums auseinandersetzen. Die zwei oppositionellen Thesen werden zum einen von Bodo von Borries vertreten, dessen Hauptthese lautet, dass schlechte Dokumentationen schädlich sind und zum anderen von Gerhart Schneider, dessen These besagt, dass schlechte Dokumentarfilme besser sind als keine.

Das erste grundsätzliche Problem, dass Bodo von Borries mit der Filmgattung Dokumentarfilme hat, ist der Dokumentarcharakter des Urmaterials. Viele Dokumentarfilme, welche Authentizität für sich beanspruchen, zeigen aus technischen oder propagandistischen Gründen oft nur nachgestellte Szenen, da sie zum Zeitpunkt des Geschehens eben nicht vor Ort waren. Dies wirft die Frage auf, wie dokumentarisch solche Filme dann sind. Auch die Tonspur wurde oft nachvertont, da die zur Aufnahme verwendeten Mikrofone damals nicht die erforderliche Qualität hatten. Da der Kommentar häufig nicht kenntlich gemacht wird und sich dadurch mit den Tonquellen vermischt, suggeriert er dem Zuschauer den Schein eine Quelle zu sein.

Durch solche komponierten Präsentationen entsteht somit eine fremd interpretierte suggestive Wahrheit.[10]

So wurden zum Beispiel Aufnahmen in Konzentrationslagern, während des zweiten Weltkrieges nur geschönt zugelassen. Sie bilden nicht die tatsächliche Realität ab. Somit ergeben sich für Bodo von Borries einige Grundlegende unterrichtsorganisatorische Probleme. Aufgrund der genannten Kriterien, wie der nachvertonten Tonspur und gestellten Szenen in den Dokumentarfilmen, sind diese Filme keine zuverlässigen Dokumente einer vergangenen sozialen Wirklichkeit, sondern nur Zeugnisse vergangener Aussagen, die aus bestimmten Blickwinkeln entstanden sind.

Deshalb müssten bei der schulischen Vorführung, dieser Kompilationsfilme die einzelnen Bestandteile in einer zeitaufwendigen Untersuchungen der einzelnen Filmsequenzen dekonstruiert und mit anderen Quellen verglichen werden. Zudem müssen die Aussagen des Sprecherkommentars auf ihren inhaltlichen Gehalt geprüft werden, da die Möglichkeit besteht, dass der Kommentar eine gedeutete implizierte Wahrheit suggeriert. Ein weiteres Problem ist das Phänomen des Fotorealismus. Die Aufnahmen werden als Wahrheit interpretiert, diese könnten jedoch aus dem Zusammenhang gerissen sein und die Wirklichkeit verzerrt darstellen. Daraus resultiert das laut von Borries, die mediale Darstellungsform stets bewusst gehalten und in ihrer Eigenart reflektiert werden muss. Somit kann die Verwechslung von Wirklichkeit und inszenierten Darstellung auseinandergehalten werden.[11]Da hinter jedem Dokumentarfilm eine Intension steht, können die Quellen häufig monoperspektivisch ausgewählt sein, um der Darstellungsabsicht zu entsprechen. Daraus folgt, dass eine multiperspektivische Quellenauswahl getroffen werden muss und kontrovers diskutiert werden sollte, um ein reflektierteres Geschichtsbewusstsein bei den SuS zu erzielen.

[...]


[1]Vgl. Brockhaus 2007

[2]Sauer, Michael. 2007. Eine Einführung in die Didaktik und Methodik. Seelze: Klett/Kallmeyer, S. 218

[3]www.poech.fox.co.at/biografie/ Stand 31.03.2010

[4]Vgl. Leonard, Joachim-Felix; Ludwig, Hans-Werner, Hg. 2001. Medienwissenschaft: Ein Handbuch zur Entwicklung der Medien und Kommunikationsformen. In: Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft; Band 15. Berlin: de Gruyter

[5]Ebd. S.1128

[6]Ebd.

[7]Segeberg, Harro, Hg. 2004. Mediale Mobilmachung 1. Das Dritte Reich und der Film. Mediengeschichte Band 4. München: Wilhelm Fink Verlag, S. 160

[8]Faulstich, Werner. 2007. Filmgeschichte. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag, S. 95

[9]Kunze, Antje. 2008. Was macht den Parteitagsfilm „Sieg des Glaubens“ zu einem Propagandafilm. Norderstedt: Grin Verlag

[10]Vgl. Von Borries, Bodo. 2001. Was ist dokumentarisch am Dokumentarfilm? Eine Anfrage aus geschichtsdidaktischer Sicht. In: GWU 04/2001

[11]Ebd. S. 222.

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640637850
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152005
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
2,5
Schlagworte
Was ist eine gute Fernsehdokumentation und welche Kriterien gibt es für die Auswahl

Autoren

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