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Die Funktionsweise der Börse am Beispiel Xetra

Seminararbeit 2005 28 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

1. Grundlagen der Börsen
1.1. Funktion der Börse in der Volkswirtschaft
1.2. Börsen und der Finanzmarkt
1.2.1. Einordnung der Börse in den Finanzmarkt
1.2.2. Handelsplatz
1.2.3. Marktsegmente

2. Organisatorische Struktur und rechtlicher Rahmen der Börse
2.1. Marktaufsicht
2.2. Börsenorgane
2.3. Marktteilnehmer

3. Grundlagen des Handels auf der Computerbörse Xetra®
3.1.Der elektronische Börsenplatz
3.2. Orderformen
3.3. Designated Sponsors

4. Abwicklung des Handels auf Xetra®
4.1. Handelsphasen
4.2. Handelsformen
4.3. Preisbildung
4.3.1. Fortlaufender Handel
4.3.2. Auktion
4.3.3. Einflussfaktoren
4.4. Erfüllung der Börsengeschäfte

5. Der Erfolg von Xetra®

Literaturverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Xetra® (Exchange Electronic Trading) ist die im November 1997 eingeführte vollelektronische Handelsplattform für Aktien, Exchange Traded Funds, Zertifikate, Optionsscheine, Bonds und Bezugsrechte.1 Mit der Eröffnung des elektronischen Kassahandels auf Xetra® wurde das bisherige Integrierte Börsenhandels- und Informationssystem (IBIS®) schrittweise abgelöst und mit Erreichen der letzten Ausbaustufe 1998 schließlich vollkommen ersetzt.2

Das Handelssystem wurde von der Deutsche Börse Systems AG, einer Tochtergesellschaft der Deutsche Börse AG mit Sitz in Frankfurt am Main entwickelt und seit seiner Implementierung mehrfach verbessert und ergänzt.

Die Darstellung der Funktionsweise der Börse am Beispiel von Xetra® beschränkt sich in dieser Arbeit auf das Marktmodell für Aktien.

Für ein grundsätzliches Verständnis für die Bedeutung der Börse in der Volkswirtschaft sind zunächst im ersten Kapitel die (Transformations-) Aufgaben des Primär- und Sekundärmarktes, die Stellung der Börsen im Finanzmarkt sowie die Handelsplätze in Deutschland und die für Xetra® bedeutsamen Marktsegmente dargestellt.

In Kapitel zwei folgen die für Parkett- und Computerhandel gleichermaßen gültigen rechtlichen Grundlagen sowie eine kurze Übersicht über Börsenorgane und Handelsteilnehmer.

Danach wird in Kapitel drei auf die Grundbegriffe des Handels auf Xetra® eingegangen, die für das weitere Verständnis für die operative Abwicklung des Handels, die in Kapitel vier beschrieben und anhand verschiedener Praxisbeispiele veranschaulicht wird, notwendig sind. Am Ende von Kapitel vier werden weiterhin die Abläufe Clearing und Settlement kurz dargestellt.

Abschließend folgen in Kapitel fünf einige empirische Werte zum Handel auf Xetra® sowie zusammenfassende Worte zu den Vorteilen und damit zu den Gründen für den Erfolg des Handelssystems.

Weiterführende Informationen finden sich im Anhang sowie in der erwähnten Literatur.

1. Grundlagen der Börsen

1.1. Funktion der Börse in der Volkwirtschaft

Laut Schneck ist die Börse ein „Punktmarkt für Gattungskäufe“.1 Sie vermittelt zwischen An- und Verkäufern von Kapital, bündelt Liquidität, stellt durch die Veröffentlichung von Informationen in Form von Preisen und Umsätzen die größtmögliche Transparenz für die Anleger sicher und verringert so hohe Such- und Informationskosten.2 Dabei kommen den Bereichen Primär- und Sekundärmarkt zusätzlich verschiedene weitere Bedeutungen zu:

Am Primärmarkt findet eine umgekehrte Losgrößen- oder Summentransfor- mation statt, d.h. bei einer Neuemission (IPO) teilt der Emittent den Betrag, den er benötigt, in eine bestimmte Anzahl von Wertpapieren auf. Dadurch wird der Kapitalbedarf der Schuldner mit den Anlagewünschen der Sparer in Einklang gebracht.

Am Sekundärmarkt, d.h. beim weiteren Handel mit den Wertpapieren, erfolgen eine Risiko- sowie eine Fristentransformation, indem der Anleger selbst entscheidet, in welches Wertpapier er in Abhängigkeit seiner Erwartungen an das jeweilige Unternehmen zu welchem Zeitpunkt investiert und wann bzw. zu welchem Kurs er das Wertpapier wieder veräußert.3

1.2. Börsen und der Finanzmarkt

1.2.1. Einordnung der Börse in den Finanzmarkt

Der Finanzmarkt lässt sich durch die Fristigkeit der Finanztitel in Geldmarkt und Kapitalmarkt unterscheiden. Während grundsätzlich Titel bis zu einem Jahr auf den Geldmärkten gehandelt werden, findet der Handel mit Wertpapieren mit einer langfristigen Laufzeit auf dem Kapitalmarkt statt; die Grenzen sind jedoch zum Teil fließend. Unterschieden wird je nach Organisationsgrad zwischen organisierten (Börse) und freien Kapitalmärkten (OTC-Märkte). Der Börsenhandel wiederum gliedert sich in Kassageschäfte, bei denen Leistung und Gegenleistung unmittelbar nach Abschluss der Transaktion bzw. in einem Zeitraum von maximal zwei Tagen eintreten, und Termin- bzw. Derivate Geschäfte, die sich dadurch kennzeichnen, dass eine vertragliche Verpflichtung zwischen Käufer und Verkäufer begründet wird, deren Erfüllung erst zu einem späteren Termin erfolgt.1

1.2.2. Handelsplatz

In Deutschland existieren acht Börsenplätze, die größte Bedeutung kommt dabei der Frankfurter Wertpapierbörse zu. Die sog. Nebenplätze Berlin, Bremen, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, München und Stuttgart haben sich zum Teil auf bestimmte Wertpapierformen spezialisiert (z.B. Hamburg auf Genussscheine, Düsseldorf auf Optionsscheine etc.) und betreuen heute vor allem Regionalwerte.2

Neben diesen Präsenzbörsen werden Termingeschäfte in Deutschland auch über das Computerhandelssystem Eurex® gehandelt3, der elektronische Kassahandel wird in Deutschland über Xetra® betrieben.4

1.2.3. Marktsegmente

Mit der Schließung des Neuen Marktes am 5.Juni 2003 hat die Trägerin der Frankfurter Wertpapierbörse, die Deutsche Börse AG, den Aktienmarkt neu segmentiert. Ziel der Neusegmentierung ist die Schaffung von internationalen Standards, höchstmöglicher Transparenz, Liquidität, Rechtssicherheit sowie Integrität. Unterschieden wird zwischen den beiden Zulassungssegmenten General und Prime Standard, die unterschiedliche Anforderungen an die Transparenz der Aktivitäten der Unternehmen stellen (z.B. Anwendung von IFRS/IAS oder US-GAAP im Prime Standard). Den im Wertpapierhandelsgesetz geforderten rechtlichen Unterbau für diese Segmente stellen dabei der Amtliche und der Geregelte Markt (Bestimmungen siehe Anhang). Die Notierung im fortlaufenden Handel auf Xetra® ist maßgeblich für die Aufnahme in den Prime Standard. Die Zulassung zum Prime Standard wiederum ist eine Voraussetzung für die Aufnahme in die Auswahlindizes DAX®, MDAX®, TecDAX®, und SDAX®.5 Die Zugehörigkeit zu einem dieser Indizes wird von den deutschen Unternehmen angestrebt, weil sie als Qualitätsmerkmal für Transparenz und Liquidität gilt und die Unternehmen so eine erhöhte Aufmerksamkeit der Anleger im In- und Ausland genießen.

2. Organisatorische Struktur und rechtlicher Rahmen der Börse

2.1. Marktaufsicht

Die Aufsicht über die Börsen erfolgt in Deutschland auf drei Ebenen:

Auf Bundesebene durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)1, auf Landesebene durch die Börsenaufsichtsbehörde und auf der Ebene der einzelnen Börsen die Handelsüberwachungsstellen (HÜSt)2. Die wichtigsten Aufgaben der Börsenaufsicht sind die Sicherstellung eines transparenten und fairen Handels durch die Verfolgung und präventive Bekämpfung gegen das Ausnutzen von Informationsvorsprüngen (sog. Insidergeschäfte), die Bekanntgabe von kursrelevanten Meldungen börsennotierter Unternehmen, und die Gewährleistung einer ordnungsgemäßen Preis- und Kursfeststellung3. Zu diesem Zweck erfasst die HÜSt, die ein eigenständiges Börsenorgan darstellt, alle Daten des Börsenhandels, wertet diese auf Auffälligkeiten aus und führt notwendige Ermittlungen durch.4

2.2. Börsenorgane

Oberstes Organ der Wertpapierbörse ist der Börsenrat. Er ist für den Erlass der Börsenordnung und der Gebührenordnung zuständig und bestellt und überwacht die Börsengeschäftsführung. Die Börsenordnung konkretisiert die Bestimmungen des Börsengesetzes: Sie nennt den Geschäftszweig der Börse, regelt ihre Organisation und bestimmt die möglichen Handelsarten.5 Gemäß

§12 BörsG ist die Börsengeschäftsführung für die Leitung der Börse zuständig. Als unmittelbare Marktaufsicht hat die Börse eine Handelsüberwachungsstelle als Börsenorgan einzurichten (vgl. 2.1 Marktaufsicht).6 Bei Verletzungen gegen die Börsenordnung kann der Sanktionsausschuss gegen Börsenteilnehmer Ordnungsgelder erheben und einen Ausschluss von der Börse von bis zu 30 Tagen aussprechen.1

Über die Zulassung von Wertpapieren zum Börsenhandel entscheidet die Zulassungsstelle.2

2.3. Marktteilnehmer

Zum Besuch der Wertpapierbörse mit dauerndem Recht zur Teilnahme am Handel ist zugelassen, wer

- die Anschaffung und Veräußerung börsenmäßig gehandelter Wertpapier für eigene oder fremde Rechnung oder
- die Vermittlung von Verträgen über ihre Anschaffung und Veräußerung übernimmt.3

Unterschieden wird zwischen Händlern, Maklern bzw. Skontroführern und sog. Market Makern, den Designates Sponsors (vgl. 3.4). Die Händler sind in erster Linie Kreditinstitute, die nach der Zulassung durch die Börsengeschäftsleitung Kommissions- und Eigenhandel betreiben können. Ebenfalls zur Gruppe der Händler gehören Broker und Wertpapierhandelshäuser.

Skontroführer und freie Makler spielen nur im Parketthandel eine Rolle. Sie benötigen eine Zulassung von der Börsengeschäftsführung und können dann als Vermittlungsmakler oder auf eigene Rechnung tätig sein. Für ihre Tätigkeit als Vermittler zwischen An- und Verkäufer erhalten sie eine Courtage.4

Die Kauf- und Verkaufsaufträge bzw. Orders der Privatanleger müssen daher immer über Händler gehen, um an der Börse berücksichtigt zu werden.

Auf die Designated Sponsors, die als Betreuer von wenig liquiden Werten nur im Handel auf Xetra® eine Rolle spielen, wird im Kapitel 3.4 dezidiert eingegangen.

[...]


1 Vgl. Xetra Marktmodell Aktien (2004), S. 4

2 Vgl. Hüschgen (1998); Begriff „Xetra“

1 Vgl. Schneck (2003), S. 165

2 Vgl. www.deutsche-boerse.com Æ Privatanleger Æ Grundwissen Æ Zentrale Funktion der Börse in der Volkswirtschaft

3 Vgl. Obst/Hintner (2000), S. 375 ff

1 Vgl. Schneck (2003), S 351 f; Beike/Schlütz (1999), S. 2 ff; Obst/Hintner (2000), S. 830 ff

2 Vgl. Beike/Schlütz (1999), S. 42 ff; Obst/Hintner (2000), S.468

3 Vgl. Schneck(2003), S.167;

4 Vgl. Grill/Perczynski (2000), S.263

5 Vgl. www.deutsche-boerse.com Æ Privatanleger Æ Wissen Æ Börsenlexikon Æ Börsensegmente

1 Vgl. Schneck (2003), S. 178f

2 Vgl. Grill/Perczynski (2000), S.261

3 Vlg. §§1bis 7 BörsG

4 Vgl. Grill/Perczynski (2000), S. 261; § 4 BörsG

Details

Seiten
28
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640637898
ISBN (Buch)
9783640638079
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152026
Institution / Hochschule
Hochschule Reutlingen
Note
1,3
Schlagworte
Xetra Börse Finanzmarkt Computerbörse Designated sponsors Orderformen Market maker Skontro Handelsplatz wertpapiere dax Parketthandel

Autor

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