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Globale Abschätzung von Oberflächen mit klimatischen, bodenkundlichen und reliefbedingten Beschränkungen für die Landwirtschaft

Bachelorarbeit 2009 65 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Phys. Geogr., Geomorphologie, Umweltforschung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis:

Tabellenverzeichnis:

1. Einleitung
1.1 Motivation der Arbeit
1.2 Stand der Forschung
1.3 Vorgehensweise und eigener Ansatz

2. Hauptteil
2.1 Theorieteil
2.1.1 Der Weg zu einer globalen Anti-Armuts-Agenda
2.1.2 Die Notwendigkeit von genaueren Daten
2.1.3 Die FGGD und die grundlegenden Eigenschaften eines GIS
2.1.4 Die Methodik der agro-ökologischen Zonen
2.1.5 Beschränkungen in der Landwirtschaft unter Bedingungen des Regenfeldbaus
2.1.6 Der Umgang mit Beschränkungen
2.2 Methodenteil
2.2.1 Die Wahl der richtigen Projektion
2.2.2 Die Goodes Homolosine Projektion
2.2.3 Weitere Anmerkungen zum Datenmaterial
2.3 Ergebnisteil
2.3.1 Der Aufbau der Ergebnisse
2.3.2 Auszüge aus den Ergebnissen
2.4 Diskussion der Ergebnisse

3. Schluss

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Millennium-Entwicklungsziele und 2015 Ziele, mit beobachteten Indikatoren (nach FAO, 2006, Seite 13)

Abbildung 2: Das Konzept der agro-ökologischen Zonen Methodik (FAO & IIASA, 2007, Seite 1)

Abbildung 3: Klassifikation der thermalen Klimazonen im Ansatz der agro-ökologischen Zonen Methodik (FAO & IIASA, 2007, Seite 6)

Abbildung 4: Parametrisierung von Winterweizen im Ansatz der agro-ökologischen Zonen Methodik (nach FAO & IIASA, 2002, Seite 11)

Abbildung 5: Parametrisierung von Winterweizen im Ansatz der agro-ökologischen Zonen Methodik (FAO & IIASA, 2002, Seite 40)

Abbildung 6: Intensitätsstufen der menschlichen Bewirtschaftung im Ansatz der agro- ökologischen Zonen Methodik (nach FAO & IIASA, 2007, Seite 23)

Abbildung 7: Eignung von Feldfrüchten für eine landwirtschaftliche Nutzung im Ansatz der agro-ökologischen Zonen Methodik (nach FAO & IIASA, 2007, Seite 27)

Abbildung 8: Maßgebende Beeinträchtigungen für die Landwirtschaft an jedem Punkt der Erde (nach FAO & IIASA, 2007, Seite 16)

Abbildung 9: Die verfügbare landwirtschaftliche Nutzfläche, die sich aufgrund verschiedener Input Level ergibt (nach FAO & IIASA, 2007, Seite 28)

Abbildung 10: Breitengrade zu je 15° in der Goodes Homolosine Projektion. In der Abbildung werden Verzerrungen anschaulich sichtbar. Unverzerrte Gebiete sollten quadratisch aussehen. Nahe dem Äquator und den zentralen Meridianen sind die Kästchen ebenso beinahe quadratisch. Auffallend sind die relativ geraden Meridiane für den Großteil der Welt und die Abweichung im asiatischen Bereich, in dem die meisten Meridiane stärker gebogen sind. Alle Breitengrade sind horizontale Linien ohne Krümmung. Die Farben stehen für die zwölf Regionen der sechs Loben mit jeweils zwei Projektionszonen (ESRI – Online – Bibliothek)

Abbildung 11: Länder der Erde in der Goodes Homolosine Projektion. Enthalten sind die Projektionen, die den Ländern zugrunde liegen, sowie die Nummern der Regionen und die Verläufe der Breitenkreisgrenzen. Die Farben stehen für die einzelnen Regionen der Goodes Homolosine Projektion (ESRI – Online – Bibliothek)

Tabellenverzeichnis:

Tabelle 1: Fruchtgruppen und ausgewählte Feldfrüchte im Ansatz der agro-ökologischen Zonen Methodik (nach FAO & IIASA, 2007, Seite 22)

Tabelle 2: Länder, für die Berechnungen durchgeführt werden konnten (Eigene Darstellung)

Tabelle 3: Länder, für die keine Berechnungen durchgeführt werden konnten (Eigene Darstellung)

Anhang:

Anlage 1: Tabelle zur Flächenberechnung (Eigene Darstellung)

1. Einleitung

1.1 Motivation der Arbeit

Bis zum Jahr 2050 wird ein Anstieg der Weltbevölkerung auf etwa 9,5 Milliarden Menschen prognostiziert. Dabei nimmt die Zahl allein im Zeitraum von 2000 – 2050 um etwa drei Milliarden Menschen zu. Im Jahr 2002 gab es bereits 800 Millionen Menschen, die an Hunger litten und über eine Milliarde Menschen mussten von weniger als 1 US-$ am Tag leben. Wächst die Bevölkerung der Erde so rasant, wie oben beschrieben, könnte in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts ein Drittel der Menschheit in Armut leben. Bereits heute lebt etwa ein Fünftel der Menschen unter Bedingungen fehlender Nahrungsmittelsicherheit und Armut. Um die nötigen Nahrungsmittel für die schnell wachsende Bevölkerung sicher zu stellen, werden natürliche Ressourcen oftmals sehr stark übernutzt. Dadurch geht viel fruchtbares Ackerland aufgrund von Erosion, Versalzung und Desertifikation verloren. Es kommt zu Wasserknappheit, Abholzung von Wäldern und die Biodiversität nimmt ab. Schnell expandierende urbane Siedlungen nehmen zudem fruchtbare Flächen ein, die damit nicht mehr der Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung stehen. Diese Phänomene lassen sich vor allem in den ärmeren Ländern der Erde beobachten, wo oftmals das Verständnis von effektiven und nachhaltigen Bewirtschaftungsmethoden fehlt. Die Herausforderungen werden besonders für die Landwirtschaft in diesen Ländern steigen, da der Großteil des Bevölkerungsanstiegs auf der Erde dort stattfinden wird (FAO & IIASA, 2002).

1.2 Stand der Forschung

Die in Abschnitt 1.1 aufgeführten Fakten, waren der Auslöser für eine Reihe von ambitionierten Projekten von verschiedensten Organisationen, die sich mit dem Thema der Armutsbekämpfung und der Gewährleistung von Nahrungsmittelsicherheit befassen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organisation FAO) betreibt zusammen mit dem Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (International Institute for Applied Systems Analysis IIASA) seit einigen Jahren ein Projekt, dass Informationen zu Nahrungsmittelunsicherheiten und Armut in einem Gebiet mit den jeweiligen Umweltbedingungen und landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsmethoden vor Ort verknüpft und diese in einer speziellen Datenbank eines Geoinformationssystems (GIS) abspeichert (Nahrungsmittelunsicherheit, Armut und Umwelt GIS Datenbank - Food Insecurity, Poverty and Environment GIS Database FGGD). In diesem Projekt wurde das Konzept der agro-ökologischen Zonen (agro- ecological zones AEZ) Methodik entworfen, das in Fachkreisen höchste Anerkennung und Wiederverwendung fand. Dieses Verfahren ermöglichte unter anderem die Erstellung von Karten, die Aussagen über bestimmte Ungunsträume für eine landwirtschaftliche Nutzung möglich machten. Zusätzlich konnten damit Szenarien durchgespielt werden, wie hoch die Erträge von verschiedensten Feldfrüchten auf ein und derselben Fläche sein würden. Die Feldfrucht, die am besten an die natürlichen Gegebenheiten, wie Klima, Boden und Relief, angepasst ist, wird auch in der Simulation am besten gedeihen und Aufschluss darüber geben, was am ehesten angebaut werden sollte und was eher nicht. Der Anbau dieser Feldfrüchte kann in diesen Szenarien zudem in drei Intensitätsstufen erfolgen. Es variieren dabei bestimmte Techniken der Bewirtschaftung und des Managements, von traditionell bis hoch technisiert, was sich etwa darauf auswirkt, ob Agrochemikalien zur Ertragssteigerung oder zur Vermeidung von Pflanzenkrankheiten und Schädlingsbefall eingesetzt werden und ob etwa Maschinen zum Einsatz kommen. All diese Parameter führen dann zu jeweils anderen Erträgen auf ein und derselben Fläche. Wichtig ist bei diesem Ansatz generell, dass die Felder nachhaltig genutzt werden (FAO & IIASA, 2002).

1.3 Vorgehensweise und eigener Ansatz

Diese Arbeit befasst sich zunächst mit dem geschichtlichen Hintergrund, wie es zu einer globalen Anti-Armuts-Agenda kam. Danach wird auf die zunehmende Bedeutung der GIS-Technologie eingegangen, die die Einführung der FGGD ermöglicht hat. Als Nächstes beschreibt ein Abschnitt das zentrale Konzept der agro-ökologischen Zonen Methodik innerhalb der FGGD. Dieses wird verwendet, um die Eignung verschiedener Feldfrüchte auf einer gegebenen landwirtschaftlichen Fläche zu prüfen. Ein wichtiger Punkt innerhalb dieses Konzeptes beschäftigt sich mit der Frage, wie groß die Fläche ist, die von Natur aus Beschränkungen für die Landwirtschaft aufweist. Dabei werden vor allem klimatische, bodenkundliche und reliefbedingte Eigenschaften betrachtet, da diese die Hauptfaktoren für eine landwirtschaftliche Nutzung und somit für die Nahrungsmittelproduktion darstellen. Die FAO liefert in ihren Berichten quantitative Daten zu diesen Beschränkungen. Jedoch sind diese Werte nur auf globalem Maßstab, beziehungsweise für geographische Großräume, vorhanden.

Als eigener Ansatz werden in dieser Arbeit Informationen aus Karten der FGGD so aufbereitet, dass man für jedes Land der Erde, sofern dafür Daten vorhanden sind, quantitative Aussagen zu Flächenanteilen heraus bekommt, die bestimmten Beschränkungen für die Landwirtschaft unterliegen. Damit kann man feststellen, wie viele Quadratkilometer an Fläche in einem Land klimatischen, bodenkundlichen und reliefbedingten Beschränkungen, sogenannten Constraints, unterliegen. Darüber hinaus lassen sich Aussagen darüber treffen, wie viel Fläche ohne größere Einschränkungen landwirtschaftlich genutzt werden kann.

Diese Bachelorarbeit leistet damit einen Beitrag. Anhand der Flächenanteile, die Beschränkungen unterliegen, kann man individuelle Strategien für einzelne Länder entwickeln, wie man möglichst gut an die Situation vor Ort angepasst, die Nahrungsmittelsicherheit in einem Land gewährleisten und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen nachhaltiger nutzen kann.

2. Hauptteil

2.1 Theorieteil

2.1.1 Der Weg zu einer globalen Anti-Armuts-Agenda

In der letzten Dekade des 20. Jahrhunderts fanden zahlreiche Weltgipfel und Konferenzen statt, die auf Zustände aufmerksam machten, die die Lebensbedingungen und eine nachhaltige Entwicklung der Menschheit bedrohten. Ein wichtiger Initiator stellte der 1992 in Rio de Janeiro abgehaltene Weltklimagipfel für diese Bewegung dar. Dort befassten sich viele Staaten der Erde mit einem integrierten Umwelt- und Entwicklungshilfeansatz, der Umweltfragen auf einem globalen Maßstab diskutierte. Weitere Konferenzen zwischen 1993 – 1996 beschäftigten sich mit Menschenrechten, der Bevölkerungsentwicklung, der Rolle der Frau und auch mit Nahrungsmittelsicherheit. Jedes dieser Gremien brachte eigene Gutachten und Aktionspläne hervor, in welchen Bereichen welche Missstände wie am besten bekämpft werden sollten (FAO, 2006).

Die 50. Generalversammlung der Vereinten Nationen forderte als Erste im Dezember 1995 die Auslöschung der Armut, da diese oftmals eine nachhaltige Entwicklung in einem Land stark erschwerte. In der Folgezeit wurde ein Rahmenprogramm von den Vereinten Nationen (United Nations UN) initialisiert, welches im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Armut stand und sich für soziale, sowie menschliche Entwicklung weltweit stark machte (FAO, 2006).

In diesen Prozess floss viel Erfahrung aus 50 Jahren Entwicklungshilfe mit ein. Eine wichtige Feststellung war dabei, dass die Bereitschaft der Länder, ihre Situation zu verbessern, das Kernelement darstellt, jedoch die Entwicklungshilfe häufig eine entscheidende Rolle übernimmt, diese Ziele auch umzusetzen. Das Entwicklungshilfekomitee (Development Assistance Committee DAC) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Co- operation and Development OECD) formulierte eine begrenzte Anzahl an Zielen, die durch genau definierte Indikatoren überprüft werden konnten. Dies hatte zwei Vorteile. Zum einen ermöglichte es den örtlichen Behörden, ihr Geld effektiv auf gewisse Schwerpunkte zu setzen, und die DAC/OECD konnte anhand der aufgestellten Indikatoren den Fortschritt in den einzelnen Bereichen besser beurteilen. Die Ziele standen später auch in den zusammenfassenden Aufgabenkatalogen der Weltgipfel, sowie in den Millennium-Entwicklungszielen (FAO, 2006).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Millennium-Entwicklungsziele und 2015 Ziele, mit beobachteten Indikatoren (nach FAO, 2006, Seite 13).

Abbildung 1 stellt einen Auszug aus den Millennium-Entwicklungszielen (Millennium- Development Goals MDGs) und den 2015 Zielen der Weltgipfel dar, die jeweils bis zum Jahr 2015 in Bezug auf Armutsbekämpfung und die nachhaltige Entwicklung erreicht werden sollen.

Unter MDG 1 wird die Halbierung des Anteils der Menschen angestrebt, die von weniger als einem Dollar pro Tag leben. Zum anderen möchte man den Anteil der Menschen halbieren, der an Hunger leidet. Indikatoren der Armut sind etwa der Anteil der Menschen in einem Land, der von weniger als einem Dollar pro Tag lebt. Hunger wird mit dem Vorkommen untergewichtiger Kinder unter fünf Jahren und dem Prozentsatz der Bevölkerung gemessen, die mit ihrem täglichen Essen nicht über einen bestimmten Kalorienwert hinaus kommen (siehe Abbildung 1, Seite 5).

Unter MDG 7 wird auch ein ganzer Bereich der nachhaltigen Entwicklung gewidmet. Dabei geht es darum, die Gedanken einer nachhaltigen Entwicklung in der Politik des jeweiligen Landes zu verankern und negativen Entwicklungstrends entgegenzuwirken. Als Indikator wird dabei etwa der Anteil von Wäldern und Schutzzonen in einem Land verwendet. Der Ausstoß von CO2 oder auch die Effizienz der Energienutzung spielen ebenfalls eine Rolle. Ein weiteres Ziel ist, bis 2015 den Anteil der Menschen zu halbieren, der keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser oder Sanitäranlagen hat. Ebenso versucht man bis zum Jahr 2020 das Leben von mindestens 100 Millionen Slumbewohnern zu verbessern, indem man ihnen sichere Unterkünfte besorgt (siehe Abbildung 1, Seite 5).

2.1.2 Die Notwendigkeit von genaueren Daten

Zählen schätzen, dass es gegen Ende des 20. Jahrhunderts etwa 800 Millionen Menschen gab, die an Hunger litten. Die Verantwortlichen in den Staaten und Regierungen der Erde wollten genau wissen, wo die hungernden Menschen lebten, um die Politik vor Ort, sowie die Entwicklungshilfe von außen möglichst effektiv einsetzen zu können. Es gab zu dieser Zeit bereits Kartenmaterial zum Thema Armut. Diese Karten waren zumeist eine graphische Aufbereitung statistischer Daten, die auf die Gesamtfläche eines Landes generalisiert wurden. Hierfür griff man vor allem auf den Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index HDI) oder das Pro-kopf-Einkommen in einem Land zurück. Der HDI besteht aus mehreren Indikatoren. Zum einen enthält er die Lebenserwartung, den Alphabetisierungs- und Bildungsgrad der erwachsenen Bevölkerung, sowie die Kaufkraft, die das jeweilige Einkommen in einem Land erzielt. Der HDI gilt damit als ein guter Indikator für die Abschätzung von Lebensqualität in einem Land. Nichtsdestotrotz waren diese Informationen nur auf der nationalen Ebene verfügbar. Ein neuer Ansatz konzentrierte sich mehr darauf, Daten auf der subnationalen Skala zu erfassen, um kleinräumliche Unterschiede oder die räumliche Verteilung der gemessenen Indikatoren besser beurteilen zu können. Man erkannte in dieser Zeit auch immer mehr den Wert von georeferenzierten Informationen. Damit konnten Faktoren, die mit der Analyse von Armut und Nahrungsmittelunsicherheit in Verbindung standen, mit ortsspezifischen sozio-ökonomischen und anderen Variablen, die die Eigenschaften der Umwelt an diesem Punkt beschrieben, wie etwa agro-ökologische Zonen, Anbausysteme oder der Zugang zu Straßen, räumlich verknüpft werden (FAO, 2006).

Ein erster Ansatz in diese Richtung war die Gründung des FIVIMS (Food Insecurity and Vulnerability Information and Mapping Systems FIVIMS). Die Idee hinter dem FIVIMS war, qualitativ hochwertige Daten zu den Indikatoren zu erhalten, die im Zuge der Aktionspläne der einzelnen Weltgipfel und Konferenzen aufgestellt worden waren. Anhand dieser Informationen erhoffte man sich, dass die Politik und Entwicklungshilfe nun dort effektiver wirken konnten, wo die Probleme am größten waren, um das Ziel, die Zahl der an Hunger leidenden Menschen bis zum Jahr 2015 zu halbieren, zu erreichen (FAO, 2006).

Das FIVIMS sammelt und analysiert Daten. Darüber hinaus stellt es seine Informationen in einer Datenbank zur Verfügung. Dabei können sämtliche Daten eingehen, die Aufschluss darüber geben, wer unter Nahrungsmittelunsicherheit leidet, wo sich diese Menschen befinden und was die Gründe für ihre Situation sein können (FAO, 2006).

Die Daten des FIVIMS verwendet man dazu, thematische Karten auf nationalem und subnationalem Maßstab anzufertigen. Auf diese Weise entstand bereits eine große Sammlung von Karten, die Aspekte von Nahrungsmittelunsicherheit und Armut in verschiedensten Regionen und Ländern darstellen. Obwohl diese Karten bereits Informationen auf subnationalem Maßstab enthalten, geben sie dennoch keinen Aufschluss über die räumliche Verteilung der Daten innerhalb einer Region (FAO, 2006).

2.1.3 Die FGGD und die grundlegenden Eigenschaften eines GIS

Frühere Karten im Bereich der Nahrungsmittelunsicherheit- und Armutsdarstellung waren meist grobe visuelle Zusammenfassungen statistischer Daten. Sie waren nicht raumbezogen, nicht hochauflösend genug und sie ließen wenig Aussagen zu, wie die Nahrungsmittelunsicherheit und die Armut mit den jeweiligen Umweltbedingungen oder sozioökonomischen Faktoren vor Ort in Verbindung standen. Um diese Lücke zu schließen, wurde die FGGD entwickelt (FAO, 2006).

Bei der FGGD handelt es sich um ein Geoinformationssystem (GIS). Diese Systeme verbreiteten sich ab Mitte der 1990er Jahre immer mehr. Die Entwicklung der Computertechnologie ermöglichte eine schnelle Verarbeitung großer Datenmengen und die Erstellung von hochauflösenden digitalen Karten mit unterschiedlichsten Maßstäben. Ein GIS kann man sich dabei wie folgt vorstellen. Es handelt sich dabei zunächst einmal um ein computergestütztes Datenbankmanagementsystem, welches speziell dafür geschaffen wurde, zweierlei Komponenten zu lagern und zu verrechnen (FAO, 2006).

Die eine Komponente speichert präzise geographische Koordinaten und setzt sie mit Punkten, Linien und Polygonen in Vektorkarten, oder auch Pixeln in Rasterkarten in Verbindung. Vektoren sind meist raumgliedernde Elemente, wie etwa die Grenzen von Ländern und beinhalten an sich keine Informationen. Raster dagegen enthalten in jedem ihrer Pixel Werte, die auch in weiteren Schritten miteinander verrechnet werden können. Die zweite Komponente ist eine tabellarische Datenstruktur, in der konkrete Attribute gespeichert und mit den raumbezogenen Daten verknüpft werden. Jede daraus resultierende Variable wird in einem GIS in einer eigenen Schicht, dem sogenannten Layer, repräsentiert. Ein GIS besteht aus vielen dieser Layern, je nach Anzahl der Variablen. Diese können dann beliebig übereinander gelegt, bearbeitet oder miteinander verrechnet werden, um etwa wieder neue, komplexere Variablen zu erzeugen. Da die Informationen immer exakt räumlich verortet sind, kann man viele verschiedene Variablen für ein und denselben Punkt übereinander legen (FAO, 2006).

Die Datenbank der FGGD enthält etwa 2,2 Millionen Rasterzellen. Eines dieser Pixel ist in einer Auflösung von 5 Winkel-Minuten je nach geographischer Lage auf der Erde unterschiedlich groß. Die Länge einer Pixelkante liegt am Äquator bei etwa 10 km, bei 60 Grad nördlicher beziehungsweise südlicher Breite beträgt die Kantenlänge noch etwa 5 km, somit die Hälfte dieses Wertes. Zu den Polen hin wird dieser Wert immer geringer. Da die Pixel quadratisch sind, ergeben sich Flächenstücke, die bis zu 100 km² groß sind. Dieses Verfahren betrachtet nur Pixel. Dadurch werden Ländergrenzen leicht überwunden und die hohe Auflösung der Variablen liefert detaillierte Informationen für relativ kleine Räume (FAO & IIASA, 2002).

Ein weiterer Vorteil von GIS ist die Darstellung der Informationen in Karten. Dabei werden die zum Teil sehr komplexen Verknüpfungen vieler Layer, die in einem GIS erfolgen, ansprechend für das menschliche Auge in einer kleinen Anzahl von Klassen kategorisiert und auf eine zweidimensionale Ansicht auf einem Computerbildschirm dargestellt. Dieses Bild kann dann auch sehr leicht ausgedruckt werden (FAO, 2006).

Man kann also sagen, dass ein GIS raumbezogene Daten mit Attributen zu Variablen verknüpft und diese miteinander verrechnen kann. Diese Eigenschaft ist gerade für Entscheidungsträger sehr wichtig, um ausgewählte Informationen verschiedener Karten so miteinander zu verbinden, sodass man eine Antwort auf eine spezielle Fragestellung erhält (FAO, 2006).

Ein weiterer Vorteil ist in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit, mit einem GIS Modellierungen durchzuführen. Man kann Modelle für Prozesse der realen Welt aus den digitalen Datenbanken entwickeln, um damit den Einfluss bestimmter Effekte über die Zeit für einen gegebenen Raum zu simulieren. Die Modellierung ist besonders nützlich, wenn man Trends untersucht und die Faktoren dazu identifizieren möchte, die diese verursacht haben könnten. Durch dieses Verfahren lassen sich auch mögliche Folgen von Planungsentscheidungen simulieren, etwa die Darstellung einer Eignung von Land für den Anbau verschiedenster Feldfrüchte unter bestimmten Intensitäten der Bewirtschaftung durch den Menschen auf einer gegebenen Fläche. Veränderungen des Klimas und damit verbundene Auswirkungen auf die Produktivität von Landflächen, können damit ebenfalls simuliert werden (FAO, 2006).

Die FGGD enthält eine große Anzahl an Layern, die einen Bezug zu den Themen von Nahrungsmittelunsicherheit und Armut haben. Diese Informationen können auf vielfältige Weise miteinander verknüpft werden, um relevante Fragen in diesem Bereich zu beantworten oder den Fortschritt bei den Millennium-Entwicklungszielen und 2015 Zielen der Weltgipfel zu überwachen. Der Zweck der FGGD ist, standardisierte, globale GIS Datenbanken in solchen Auflösungen verfügbar zu machen, um damit räumliche Analysen zu ermöglichen, mit denen Faktoren der Nahrungsmittelunsicherheit und Armut mit den jeweiligen Umweltfaktoren vor Ort verknüpft werden können (FAO, 2006).

Alle Layer der FGGD sind in einem einheitlichen Format aufbereitet, um Fehler bei der Verknüpfung mehrerer Layer zu minimieren. Es können auch Layer zu bestimmten Oberthemen zusammengefasst werden, um etwa Karten mit geo-, biophysikalischen, demographischen oder sozio-ökonomischen Inhalten zu erstellen (FAO, 2006).

2.1.4 Die Methodik der agro-ökologischen Zonen

Der vorhergehende Abschnitt 2.1.3 gab einen kurzen Einblick auf die grundlegende Funktionsweise eines GIS und deren Anwendung in der FGGD. Die nächsten Schritte zeigen nun den Weg auf, wie verschiedene Komponenten zusammen eingesetzt werden, um die Eignung von Flächen für eine landwirtschaftliche Nutzung abzuschätzen (FAO & IIASA, 2007).

Die Eignung eines Landstückes für eine landwirtschaftliche Nutzung wird von drei Faktoren bestimmt. Die Umweltgegebenheiten in einem Pixel sind ein Teil, genauso wie die biophysikalischen Bedingungen, die Pflanzen benötigen, um zu wachsen. Zudem spielt noch der Grad der menschlichen Bewirtschaftung eine Rolle. Das Klima bestimmt etwa mit Temperatur und Niederschlag, inwiefern Wachstumsbedingungen für verschiedenste Pflanzen vorliegen und in welcher Zeit, wieviel Biomasse aufgebaut werden kann. Der Mensch kann durch den Einsatz von Agrochemikalien, Bewässerung, Terrassierung und mithilfe von Gewächshäusern, viele klimatische, bodenkundliche sowie reliefbedingte Ungunstfaktoren kompensieren und dadurch den Ertrag zum Teil erheblich steigern (FAO & IIASA, 2002).

Diese Abschätzung wird mithilfe der Methodik der agro-ökologischen Zonen umgesetzt, welche nun im Folgenden genauer beschrieben wird. Eine agro-ökologische Zone setzt sich per Definition aus allen Rasterzellen in einer georeferenzierten Karte zusammen, die dieselben Boden- und Klimaeigenschaften aufweisen (FAO & IIASA, 2007).

[...]

Details

Seiten
65
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640636815
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152044
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,0
Schlagworte
Nahrungsmittelsicherheit Armut Beschränkungen Landwirtschaft Landnutzung Nachhaltigkeit Abschätzung Global Klima Boden Relief

Autor

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Titel: Globale Abschätzung von Oberflächen mit klimatischen, bodenkundlichen und reliefbedingten Beschränkungen für die Landwirtschaft