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Die Transformation und konstitutionelle Eingrenzung der englischen Monarchie (1689-1701)

Das Revolution Settlement unter Wilhelm III. von Oranien

Seminararbeit 2010 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Wilhelm III. von Oranien (1650 - 1702) und Maria II. (1662 - 1694)

II. Jakob II. (1633 - 1701)

III.Wilhelm III. und Maria II. in England
1. Die Krönung Wilhelms und Marias

IV.Revolution Settlement
1. Act of Tolerance
2. Declaration/ Bill of Rights
3. Mutiny act und Triennial act

V. Wilhelms Macht

VI. Financial Settlement

VII. Act of Settlement

Resümee und Ausblick

Literaturnachweis

Einleitung

Die Geschichte des englischen 17. Jahrhunderts im europäischen Kontext erweist sich als außerordentlich ereignisreich, wobei verfassungsgeschichtlich besonders die letzten Jahrzehnte hervorzuheben sind. Die konstitutionelle Eingrenzung und Transformation der englischen Monarchie gewinnt besonders in der Phase zwischen 1689 und 1701 an Kontur. Die Abkehr von der Vorstellung eines von Gottes Gnaden eingesetzten Monarchen, die Negation des Absolutismus und schließlich die Etablierung einer konstitutionellen Monarchie findet - wesentlich früher als im kontinentalen Europa - in der Emanzipation des englischen Parlaments ihren Ausdruck. In den hier betrachteten Jahren vollzog sich der Wandel von einer, wenigstens den Ansprüchen nach, absolutistischen Monarchie zu einem, auf verfassungsmäßig festgesetzten Grundsätzen beruhenden, Königtum. Das Wesen des Königtum von Gottes Gnaden selbst, verlor bereits unter Karl I. und später mit Jakob II. an Sakralität, verblasst aber unter der Regentschaft Wilhelms und später Annas, was sich nicht zuletzt auch am Schwinden des Glaubens an die königliche Heilskraft zeigt1. Zwischen 1689 und 1701 wurde die Suprematie der englischen Monarchie beendet.

Zum Verständnis der Geschehnisse ist es unablässig die Politik Jakobs II. zu erschließen, die 1688 in die Glorious Revolution führte. Auf eine ausführliche Analyse der Revolution und ihre Deutung muss allerdings verzichtet werden, da dafür nicht der nötige Rahmen gegeben ist. Hingegen werde ich die Umstände aufzeigen, die Maria und Wilhelm zu den Königen Englands machten, um anschließend die Besonderheiten anlässlich der Krönung beider Monarchen zu veranschaulichen.

Einen wesentlichen Teil der Arbeit wird die Betrachtung der Declaration of Rights als Schlüsseldokument der Glorreichen Revolution einnehmen. Wie progressiv oder konservativ die Declaration of Rights tatsächlich war, kann hier nicht Gegenstand der Untersuchung sein. Viel mehr ist von Interesse wie sehr der Antagonismus und die Ambivalenz von Parlament und Königtum, vor dem Hintergrund der bourbonischen Expansionspolitik, England zu einer konstitutionellen Monarchie transformierte. Durch das Revolution Settlement gelangte das Parlament besonders das House of Commons in das Zentrum der politischen Ordnung Englands. Mehr als jemals zuvor basierte das Königtum in England auf Vertrag und parlamentarischem Konsens.

Abschließend werde ich auf einige Gesetze und die finanziellen Beschränkungen eingehen, mit denen es den Abgeordneten des Parlaments gelang, wesentliche Fragen der Souveränität in die eigenen Hände zu legen.

I. Wilhelm III. von Oranien (1650 - 1702) und Maria ( 1662 - 1694)

Wilhelm III. war seit 1672 der militärische Oberbefehlshaber der vereinigten Niederlande und deren erblicher Statthalter und als solcher der wichtigste Opponent Ludwigs XIV. auf dem europäischen Kontinent2. Die 1677 geschlossene Ehe mit Maria II., der ältesten Tochter Jakobs II., sollte ihn später auf den englischen Thron bringen. Diese Verbindung zwischen dem Hause Stuart und derer von Oranien entsprang einem für diese Zeit keineswegs unüblichen politischen Kalkül. Augenscheinlich versuchte Jakob II. durch die Verbindung seiner Tochter mit dem calvinistischen Wilhelm auch kritische Stimmen in England - und letztlich auch die innenpolitische Opposition - zu beruhigen, die eine Rekatholisierung des Landes und absolutistische Ambitionen Jakobs fürchteten3. Wilhelm, der in Europa als Lichtfigur des Protestantismus galt, musste als vorteilhafteste Verbindung gelten.

Auch Wilhelm, dessen Motivation das Gleichgewicht der Kräfte in Europa und die Sicherung des Protestantismus gegenüber der Hegemonialpolitik Frankreichs gewesen war, versprach die Verbindung mit der Thronprätendentin Maria gute Aussichten auf die englische Krone und somit den nötigen Rückhalt gegen Frankreich4.

II. Jakob II. (1633 - 1701)

Zum Hoffnungsträger für das protestantische England wurde Wilhelm letztendlich durch eine, die tatsächlichen Machtverhältnissen im Land ignorierende, prokatholische und tendenziös absolutistische Politik Jakobs, mit der er besonders seit 1687 die politische Öffentlichkeit gegen sich aufbrachte5.

Unter der Prämisse, dem Katholizismus in England wieder mehr Gewicht zu verleihen, erließ er 1687 und 1688 die neben den Katholiken auch die Dissenters begünstigenden Declarations of Indulgence, die in der Hoffnung die Anglikanische Kirche zu schwächen, verfügt worden waren, allerdings nicht jenen gewünschten Effekt erzielen sollten6. Als überzeugter Katholik war sich Jakob der Wirkmächtigkeit und Ausstrahlung des Katholizismus gewiss und glaubte, dass, wäre den Katholiken eine freie Religionsausübung möglich, diese derart an Zulauf gewinnen würden und der Katholizismus so zur Staatsreligion werden würde7. Wenngleich die Toleranzpolitik Jakobs gemäßigt erscheint, entfremdete er sich dadurch doch von seinen Untertanen. Maßgeblich zur Entfremdung hatte eine Publikationswelle beigetragen, die gegen Jakobs Religionspolitik mobilisierte und bisweilen Partei zugunsten Wilhelms und Marias ergriff8.

Durch das Protegieren von Katholiken am Hof und bei der Vergabe von Staatsämtern brach Jakob die Test acts der Jahre 1673 und 16789. Der Ausbau eines stehenden Heeres, dessen führende Positionen überdies mit Katholiken besetzt wurden, der Eingriff in lokale Machtstrukturen, schließlich die Politik gegenüber den anglikanischen Tories und die Auflösung des Parlaments 1687 ließen absolutistische und prokatholische Ambitionen Jakobs erahnen10.

Obwohl es nicht zu belegen ist, dass Jakob tatsächlich beabsichtigte eine absolutistische Herrschaft nach französischem Vorbild in England zu etablieren, verursachte die Vermutung er beabsichtige dies zu tun eine fear of absolutism and Catholicism within England11. Schlusspunkt dieser Entwicklung war die Geburt eines männlichen katholischen Thronfolgers, James Francis Edward. Die innenpolitische Opposition wurde geeint, da jener nicht der anglikanischen Kirche angehörte und die Öffentlichkeit fürchtete das Ausbrechen neuer Unruhen12.

III. Wilhelm III. in England

Im Juni wandten sich in einem Brief sieben englische Große mit der Bitte um Intervention - und wie Coward13 nahelegt, sehr wahrscheinlich nicht mit der Intention Jakob zu stürzen - an Wilhelm14.

Für Wilhelm kam der Brief wohl keineswegs überraschend, denn Kontakte zur Opposition seit 1687 legen nahe, dass er weitreichendere Pläne als die einer bloßen Reversion der jakobitischen Politik gehabt hatte15. Anzunehmen ist, dass Wilhelm, durch die Landung in England, Jakob in die große europäische Koalition gegen Frankreich und somit in den Krieg drängen wollte16. Es erweist sich als müßig über Wilhelms Motivationen zu spekulieren, historisch greifbar ist hingegen dass sich Wilhelm schon im September bereit zur Intervention erklärte und ein unter freien Wahlen zusammentretendes Parlament garantierte, das die Krise in England beenden sollte17. Noch war nicht die Rede von einem eigenen Thronanspruch, lediglich reklamierte Wilhelm den Thron für seine Frau Maria18. Im November landete Wilhelm in England, trieb Jakob in die Flucht und zog bereits im Dezember in London ein, wie versprochen, die Ausschreibung zu einem neuen Parlament veranlassend19.

Am 22. Januar trat das Konventionsparlament erstmals zusammen und debattierte die dringlichste Frage, nämlich die nach der rechtmäßigen Thronfolge. Parlamentarischer Konsens herrschte darüber, dass der 1688 geborene Sohn Jakobs wegen seiner katholischen Konfession von der Thronfolge ausgeschlossen sein würde20. Manifest und seit dem 13. Februar auch bindend für Wilhelm und Maria - wurde dieser in Europa singuläre Beschluss auch für die Zukunft in der Declaration of Rights, da man herausstellte, dass

& it is inconsistent with the safety and welfare of this Protestant kingdom to be governed by a popish prince or by any king or queen marrying a papist &21 und dass alle Katholiken & shall be excluded and be forever incapable to inherit, possess or enjoy the crown and government of this realm and Ireland and the dominions &22. Stattdessen wurde die Krone Wilhelm und Maria angetragen eine parlamentarische Entscheidung hatte sich gegen das Gottesgnadentum durchgesetzt und verkehrte die traditionelle Sukzessionsfolge.

Die vorrausgegangene Debatte zwischen den Tories und den Whigs über die Natur von Jakobs Flucht wurde mit dem Kompromiss geschlossen, den Thron als vakant zu bezeichnen23. Durch die konzessive Formulierung der Vakanz wurde die Ansicht der Tories, dass Jakob durch seine Flucht lediglich zeitweilig und freiwillig dem Thron entsagt hatte, was eine mögliche Wiederkehr Jakobs aber Rechtmäßigkeit der Sukzession Marias implizierte, und die Deutung der Whigs, dass selbiger den Vertrag zwischen Volk und Monarch gebrochen hatte und somit keinen Anspruch mehr auf den Thron habe, vereinigt24.

[...]


1 Vgl. H.C. KRAUS, Englische Verfassung, S. 48

2 Im Holländischen Krieg befand sich Wilhelm zwischen 1672 1678 in direkter Gegnerschaft zu Ludwig XIV. Ein wesentliches Verdienst Wilhelms in diesem Konflikt war es, dass er mit dem Vertrag von Nimwegen die territoriale Integrität der Niederlande gegen Frankreich sichern konnte. Vgl. E. HELLMUTH, Wilhelm und Maria, S. 162 f.; Vgl. M. MAURER, England, S. 231; Vgl. R. ESSER, Stuarts, S. 184; Grundlegend zu Ludwig und Wilhelm: M.A. THOMSON, Louis XIV and William III, 1689- 1697, S. 37 - 58

3 E. HELLMUTH, Wilhelm und Maria, S. 162:Schließlich sollte die Ehe auch signalisieren, dass es seitens der Krone keine Bestrebungen gäbe, die anglikanische Kirche in ihrer Position zu schwächen oder gar zu beseitigen.

4 Vgl. E. HELLMUTH, Wilhelm und Maria, S. 163; Vgl. G. WILLIAMS/ J. RAMSDEN, Ruling Britannia, S. 8

5 Vgl. K. v. GREYERZ, Revolutionen, S. 220; Vgl.: B. COWARD, Stuart England, S. 251 f.; Vgl. H. C. KRAUS, Verfassung, S. 42

6 Vgl. G. WILLIAMS/ J. RAMSDEN, Ruling Britannia, S. 6; Vgl. M. MAURER, England, S. 222; Vgl. K. v. GREYERZ, Revolutionen, S. 225

7 Vgl. K. v. GREYERZ, Revolutionen, S. 220

8 Vgl. L.G. SCHWOERER, Bill of Rights, S. 227 ff.; Vgl. K. v. GREYERZ, Revolutionen, S. 232 f.: Zu den prominentesten Publikationen zählen unter anderem John Lockes A letter concerning Toleration (1689) und Georg Savilles A letter to Dissenters (1687).

9 Vgl. M. MAURER, England, S. 222 u. 227; Vgl. B. COWARD, Stuart England, S. 251; Vgl. G.E. SEEL/ D.L. SMITH, Crown and parliament, S. 87 f. und 101; Vgl. H. C. KRAUS, Verfassung, S. 42: Jeder öffentliche Amtsträger hatte den Test acts entsprechend Anglikaner zu sein.

10 Vgl. C. STEPHENSON/ F.G. MARCHAM, Sources, S. 600; Vgl. K. v. GREYERZ, Revolutionen, S. 223 f; Vgl. G. WILLIAMS/ J. RAMSDEN, Ruling Britannia, S. 6 f.; Vgl. P. WENDE, Großbritannien, S. 33; Vgl. B. COWARD, Stuart England, S. 248 ff.

11 B. COWARD, Stuart England, S. 251: Unter anderem protegierte Jakob in der irischen Armee Katholiken und setzte die Declaration of Indulgence auch in Schottland mit absolutistischer Argumentation durch. Die seit 1685 aus Frankreich geflohenen Hugenotten schürten ebenfalls die Furcht vor dem Katholizismus und damit verbunden die Sorge um parlamentarische Freiheiten. Vgl.: G. WILLIAMS/ J. RAMSDEN, Ruling Britannia, S. 5; Vgl. G. E. SEEL/ D.L. SMITH, Crown and parliament,S. 100

12 Vgl. K. v. GREYERZ, Revolutionen, S. 228; Vgl. E. HELLMUTH, Wilhelm und Maria, S. 165

13 Vgl. B. COWARD, Stuart England, S. 253

14 Vgl. E. HELLMUTH, Wilhelm und Maria, S. 165; Vgl. K. v. GREYERZ, Revolutionen, S. 231; G. WILLIAMS/ J. RAMSDEN, Ruling Britannia, S. 8; H. C. KRAUS, Verfassung, S. 43

15 Vgl. E. HELLMUTH, Wilhelm und Maria, S. 166

16 Vgl. B. COWARD, Stuart England, S. 253; G. WILLIAMS/ J. RAMSDEN, Ruling Britannia, S. 19

17 Vgl. R. ESSER, Stuarts, S. 183; Vgl. E. HELLMUTH, Wilhelm und Maria, S. 166; Vgl. B. COWARD, Stuart England, S. 254

18 R. ESSER, Stuarts, S. 183: Als sich aber abzuzeichnen begann, dass Wilhelms zum König gewählt würde und es an die Aushandlungen um die Macht in England ging, beharrte Wilhelm darauf, sich nicht auf die Position eines Prinzgemahl reduzieren zu lassen. Vgl. M. MAURER, England, S. 224; Vgl. B. COWARD, Stuart England, S. 253

19 Vgl. R. ESSER, Stuarts, S. 185; Vgl. E. HELLMUTH, Wilhelm und Maria, S. 169; Vgl. G. WILLIAMS/ J. RAMSDEN, Ruling Britannia, S. 17

20 Vgl. E. HELLMUTH, Wilhelm und Maria, S. 169; Vgl. K. v. GREYERZ, Revolutionen, S. 234 f.

21 C. STEPHENSON/ F. G. MARCHAM, Sources, S. 604; Vgl. E. HELLMUTH, Wilhelm und Maria, S.170; Vgl.

L.G. SCHWOERER, The Bill of Rights, S. 225; Vgl. B. COWARD, Stuart England, S.262; Vgl. G. E. SEEL/ D.L. SMITH, Crown and parliament, S. 101; Vgl. R. ESSER; Die Stuarts, S. 185

22 C. STEPHENSON/ G.F. MARCHAM, Sources, S. 604

23 C. STEPHENSON/ G.F. MARCHAM, Sources, S. 600; Vgl. E. HELLMUTH, Wilhelm und Maria, S. 170

24 Wilhelm, dem sehr wohl die Tragweite der Debatte und deren mögliche Konsequenz bekannt war, bestand mit Nachdruck darauf neben Maria als gleichberechtigter König anerkannt zu werden. Vgl. B. COWARD, Stuart England, S. 261; Vgl. G. WILLIAMS/ J. RAMSDEN, Ruling Britannia, S. 10; Vgl. E. HELLMUTH, Wilhelm und Maria, S. 170; Vgl. K. v. GREYERZ, Revolutionen, S. 234; Vgl. C. STEPHENSON/ F.G. MARCHAM, Sources, S. 600; Vgl. R. ESSER, Die Stuarts, S. 185

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640638284
ISBN (Buch)
9783640638314
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152140
Institution / Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,0
Schlagworte
Glorious Revolution Revolution Settlement 1689 Englische Revolution Wilhelm III. von Oranien Stuart Declaration of Rights Bill of Rights Act of Settlement Parlament Konstitutionelle Monarchie

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Titel: Die Transformation und konstitutionelle Eingrenzung der englischen Monarchie (1689-1701)