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Effekte des Tanzes zur Stabilisierung des statischen und dynamischen Gleichgewichts bei Senioren

Ein systematischer Review

Bachelorarbeit 2009 46 Seiten

Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Kurzzusammenfassung

2 Einleitung

3 Alter, Altern und Senioren
3.1 Biologie des Alterns
3.2 Motorische Folgen des Alterungsprozesses
3.3 Kompensation motorischer Alterserscheinungen durch
körperliche Aktivität

4 Die Gleichgewichtsfähigkeit
4.1 Analysatoren zur Steuerung und Regelung des Gleichgewichts
4.1.1 Der Vestibularanalysator
4.1.2 Der taktile Analysator
4.1.3 Der optische Analysator
4.1.4 Der kinästhetische Analysator
4.2 Altersbedingte Reduktion der Analysatorenleistungen
4.2.1 Erhöhte Sturzinzidenz als Folge altersspezifischer Degenerationen
4.2.2 Gleichgewichtserhalt und Sturzprävention durch
körperliche Aktivität

5 Musikbegleiteter Tanz als Gleichgewichtstraining
5.1 Analysatoreneinsatz während musikbegleiteter Tänze
5.2 Tanz als relevante Möglichkeit zur Gleichgewichtsverbesserung
bei Senioren

6 Die Dokumentenanalyse
6.1 Der systematische Review
6.2 Forschungsziel und Hypothesenbildung
6.3 Durchführung des Reviews
6.3.1 Kriterien für die Studienauswahl
6.3.2 Literaturrecherche und Suchstrategie
6.3.3 Rechercheergebnisse
6.3.4 Methodische Qualitätsbeurteilung
6.3.5 Ergebnisse
6.3.5.1 Forschungsgegenstände eingeschlossener Studien
6.3.5.2 Charakteristik der Studienteilnehmer
6.3.5.3 Instrumente der Gleichgewichtsmessung
6.3.5.4 Art und Dosierung der Tanzintervention
6.3.5.5 Studienergebnisse
6.3.6 Diskussion

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Literatur

Anhang

1 Kurzzusammenfassung

Das kalendarische Alter ab 60 Jahren gilt in vielerlei Hinsicht als Übergangsschwelle in einen neuen Lebensabschnitt (vgl. CLEMENS, 2001, S. 489). Neben resultierenden sozialen und psychischen Veränderungen ergeben sich im Zuge primärer Alterungsprozesse mannigfaltige Involutionen im Hinblick auf nervale und motorische Prozesse. Die Tatsache, dass die demographischen Berechnungen bezogen auf die Industrieländer einen überproportionierten Anstieg älterer Menschen zu verzeichnen haben (vgl. TEWS, 2002, S. 29), bringt den Gesundheitssektor, aufgrund hoher Morbiditätsraten der Senioren, in eine schwierige Situation.

Ein Primärproblem stellt indes die ansteigende Sturzinzidenz der betreffenden Altersgruppe dar, welche nicht selten durch mangelnde Gleichgewichtskompetenz begründet werden kann. Sowohl die Erhaltung bzw. Wiederherstellung des statischen als auch dynamischen Gleichgewichts bei alltäglichen Handlungen ist für viele Senioren keine Selbstverständlichkeit (vgl. SCHALLER, 2001, S. 49). Eine Kombination aus retardierenden Analysatorenleistungen und mangelnden Trainingsreizen kann häufigen falls als Ursache der hohem Fallneigungszahlen postuliert werden (vgl. RANKIN et al., 2000). Eine adäquate bewegungspraktische Intervention ist jedoch in der Lage jene Trainingsstimuli zu setzen, um die Kooperation zwischen sensorischen, neuronalen und motorischen Einzelkomponenten entweder zu sichern oder aber neu anzubahnen.

Aufgrund der Multifaktorialität des Gleichgewichtsindikatums muss eine diesbezüglich geeignete Maßnahme einerseits konditionelle und andererseits koordinative Ressourcen kumulativ entwickeln können, um vorhandene Sturzinzidenzen wirkungsvoll senken zu können (vgl. BECKER, 2004, S. 193). Jener Forderung gerecht werden tänzerische Bewegungsvollzüge, die sensorisch und motorisch höchste Anforderungen an den Übenden stellen (vgl. BROWN et al., 2005). Tanz als komplexe sensomotorische Aktivität erfreut sich zudem einer großen Beliebtheit bei älteren Menschen, so dass er verhältnismäßig unkompliziert der Zielgruppe nahe gebracht werden kann.

Die praktische Begründung der positiv vermuteten Zusammenhänge zwischen Tanzaktivität und verbesserter Gleichgewichtskompetenz, wurde in der vorliegenden Arbeit anhand eines systematischen Reviews vorgenommen. Es stand die Frage im Mittelpunkt, ob der Tanz in seinen mannigfaltigen Ausformungen tatsächlich in der Lage ist, die statische und dynamische Gleichgewichtsfähigkeit bei gesunden Senioren ab dem 61. Lebensjahr günstig zu beeinflussen. Zur Auffindung aussagefähiger Veröffentlichungen wurden mehrere Suchmethoden angewandt, welche in ihrem Ergebnis sieben internationale Studien hervorbrachten. Nach der durchgeführten Prüfung methodischer Qualitätsparameter mit Hilfe der Jadad-Skala (JADAD, 1996) identifizierten sich fünf Publikationen mit adäquater Qualität und zwei Studien mit auffälligen Qualitätsmängeln. Aufgrund gegenwärtiger Datenknappheit und äußerster Relevanz der defizitären Veröffentlichungen, erhielten alle sieben Studien Einzug in den Review. Insgesamt nahmen 294 Probanden (IG: 149; KG: 145) an den Studienmaßnahmen teil. Die extrahierten Paper dokumentieren eine große Variabilität in der gewählten methodischen Umsetzung. Tanzstilistisch wurde vom regionalen Volkstanz (vgl. SOFIANIDIS et al., 2009) bis zur modernen Dance-Aerobic (HUI et al., 2008) sehr inhomogen interveniert. Auch die Gleichgewichtsmessung zeigte sich uneinheitlich, da sowohl hoch technisierte Instrumente, wie die Balance-Plattform (SOFIANIDIS et al., 2009) als auch einfachste Methoden, wie die Überprüfung des Einbeinstandes (YOUNG et al., 2007) zum Einsatz kamen. Ebenso variierten die Interventionszeiträume von acht Wochen (EYIGOR et al., 2007) bis hin zu zwölf Monaten (YOUNG et al., 2007), was auch unterschiedliche Belastungsdichten nach sich zog.

Trotz der hohen Heterogenität bei der Studiengestaltung konnten sämtliche Veröffentlichungen einen positiven Effekt des Tanzes auf die Gleichgewichtsfähigkeit der betreffenden Altersgruppe feststellen. Dabei entwickelten sich statische und dynamische Parameter ähnlich gut. Eine generelle Verallgemeinerung der Ergebnisse kann aber nur mit entsprechenden Einschränkungen vorgenommen werden. Zum Ersten wurde in keiner der Studien eine direkte Sturzreduktion gemessen. Zweitens entstehen durch die inkonsistenten Vorgehensweisen Fragen hinsichtlich optimaler Dosis-Wirkungs-Beziehung. Weiterhin sorgt die uneinheitliche Messmethodik für eine mangelnde Vergleichbarkeit der Publikationsresultate. Eine praktische Relevanz, die sich auch auf pathologische Zustände bezieht (vgl. HACKNEY et al., 2007), ist trotz allem zu konkludieren.

2 Einleitung

Der Mensch, als denkendes und handelndes Wesen ist in der Lage sich aus seiner Biologie herauszulösen und sieht sich nicht gezwungen nur Anpassungen zu erdulden, sondern er kann auf viele Bedingungen selbsttätig und verändernd einwirken (vgl. MECHLING & LAMES, 2006, S. 110). Unter dem Dach dieser Prämisse ist die Befähigung älterer Menschen, die sich vielen psychophysiosozialen Involutionen stellen müssen, ein lösbare epidemiologische Herausforderung. Zentrale Bedeutung kommt dabei der motorischen Instandhaltung alternder Individuen zu. Diese fokussiert eine weitgehend körperliche Unabhängigkeit betagter Menschen bei der Verrichtung alltäglicher Aktivitäten.

Die größten Schwierigkeiten einer solchen autonomen Lebensweise ergeben sich gehäuft bei Fortbewegungs- und Transportaktivitäten, die aus einer mangelnden Gleichgewichtskompetenz resultieren und als Folge physiologischer Alterung zu verstehen sind. SACCO et al. (2006) zeigen in diesem Kontext eine verminderte Gehgeschwindigkeit älterer Probanden, die nicht selten zu Schwierigkeiten im Straßenverkehr oder im häuslichen Umfeld führt. Stichworte wie Sturzgefahr oder Gangunsicherheit kennzeichnen die korrelativen Zusammenhänge zwischen Gleichgewichtseinschränkungen und folgenden multifaktoriellen Gefahren. Die posturale Instabilität der betreffenden Altersgruppe stellt folglich ein nicht zuletzt kostenintensives Problem des Gesundheitssektors dar. Aus sportwissenschaftlicher Perspektive offenbart sich schließlich die Frage, wie es gelingen kann, gleichgewichtsspezifische Systeme mittels körperlicher Aktivität zu verbessern, um so ein Mosaik zum Gesamtkonzept des „erfolgreichen Alterns“ (JESCHKE & ZEILBERGER, 2004) zu liefern.

Die vorliegende Arbeit nimmt dabei explizit tänzerische Bewegungsinterventionen in Augenschein, da diese eine Integration von räumlichen Mustern, Rhythmen, Synchronisationen von externen Stimuli und die Ganzkörperkoordination fordern (vgl. BROWN et al., 2007) und somit die polykontexturale Gleichgewichtskompetenz entsprechend schulen können.

Der problemzentrierende theoretische Teil soll vorerst die Basis für den nachfolgenden Review schaffen. Unter Zuhilfenahme der Literatur von WERLE et al. (2006) „Gesundheitsförderung - körperliche Leistungsfähigkeit im Alter“ und aktuellen Veröffentlichungen werden eingangs Fragen hinsichtlich degenerativer Vorgänge und ihre Auswirkungen, insbesondere auf die Balancefähigkeit geklärt. Desweiteren steht die Frage nach der Relevanz des Tanzes im Kanon bewegungsbezogener Aktivitäten zur Entwicklung der Gleichgewichtsfähigkeit im Mittelpunkt des Theorieteils.

Im praktisch orientierten Reviewpart soll es nachfolgend anhand qualitativ hochwertiger Studien gelingen eine Aussage zu treffen, welche Wirkungen Tanz auf die Stabilisierung des Gleichgewichts bei Senioren hervorbringen kann. Als Leitfaden zur Umsetzung der systematischen Übersichtsarbeit dient das von HIGGINS & GREEN herausgegebene Cochrane Handbook (2006).

Aus den hervorgehenden Ergebnissen können dann im Nachgang Verallgemeinerungen bzw. Ableitungen hinsichtlich gesundheitssportlicher Praxis entwickelt werden, welche sich explizit und ausschließlich an der untersuchten Population, der Intervention und der motorischen Gleichgewichtsfähigkeit fixieren. Weiters wird eine Basis generiert, die als Ausgangspunkt zukünftiger Forschungsvorhaben dienen kann.

Es sei an dieser Stelle festgehalten, dass lediglich die generellen Effekte des Tanzes eruiert werden, was eine genaue Betrachtung der einzelnen Sensorsysteme ausschließt. Weiterhin werden keine Effekte auf pathologische Zustände untersucht, da diese ein spezialisiertes Fachwissen über Indikationen und Kontraindikationen voraussetzen.

3 Alter, Altern und Senioren

Das Problem der gegenwärtig gesamtgesellschaftlichen Überalterung und die daraus resultierenden Folgen sind aktuelle Themen mannigfaltiger Wissenschaftsdisziplinen. Die Betrachtung seniorenbezogener Merkmale, welche hier aus Sicht der Sportwissenschaft erfolgt, setzt vorerst jedoch eine Begriffsbestimmung des Alters und Alterns voraus. Laut MEUSEL (1996, S. 3) ist es möglich das Alter in folgende Operationalisierungsebenen zu gliedern:

- Kalendarisches oder chronologisches Alter
- Funktionales oder biologisches Alter
- Alter als Kennzeichnung eines spezifischen Lebensabschnittes
- Jene Trias wird durch SCHÄFERS (2000, S. 15) noch erweitert, indem er den genannten Ebenen die psychologische und soziale Betrachtungsweise hinzufügt. In der vorliegenden Arbeit gilt das kalendarische Alter als Orientierung für nachfolgende Ausführungen. Es herrscht in der Literatur weitgehend Konformität über die Definition des zugrunde liegenden chronologischen Alters. So determiniert CLEMENS (2001) „[…]Alter als Zeitspanne im Leben eines Menschen, die seit seiner Geburt vergangen ist“ (S. 489). Folglich beschreibt das kalendarische Alter ausschließlich einen numerischen Wert, welcher eine Ordnung durch die Verwendung von Geburtsdaten festlegt (vgl. MEUSEL, 1996, S. 3). Altern kann somit als zeitliches Vergehen der Lebenserwartung definiert werden.

Wenn das Seniorenalter anhand von Zahlen fixiert wird, kann jedoch keine Aussage hinsichtlich körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit getroffen werden. Da die Gewährung von Objektivität oberstes Gebot seriöser Wissenschaft ist, scheint es im Zuge kommender Ausführungen trotz eben genannter Unvollständigkeit sinnvoll, eine klare Abgrenzung zu schaffen, welche den Beginn des Seniorenalters auf das
61. Lebensjahr festsetzt. Dieser Fixpunkt hat sich historisch manifestiert, da er als Zäsur zwischen Erwerbstätigkeit und Ruhestand seit etwa 100 Jahren kulturell verankert ist (vgl. CLEMENS, 2001, S.490). Übereinstimmend werden in der angloamerikanischen Literatur Personen ab dem 61. Lebensjahr als „older adults“ bezeichnet (vgl. TAYLOR et al., 2004, S. 704).

3.1 Biologie des Alterns

Trotz hoher interindividueller Variabilität von Alterungsprozessen können generelle biologische Degenerationen, die je nach genetischen und lebensstilistischen Parametern der Person zeitlich versetzt auftreten, extrahiert werden. Die gebotene Kürze der Arbeit erlaubt an dieser Stelle einzig die Betrachtung der primären Alterung[1] und lässt sekundäre[2] Einwirkungen unberührt. Für die zugrunde liegende Thematik zeigt Tabelle 1 relevante Folgen des „normalen, physiologischen Prozesses“ (SCHMIDT et al., 2005, S. 934) der Alterung.

Tab. 1: Auszug physiologischer Veränderungen im Alter (WALTER & SCHWARTZ, 2001, S. 166 f.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2 Motorische Folgen des Alterungsprozesses

Die motorische Leistungsfähigkeit, welche BÖS (1987, S. 94) zufolge konditionell-energetische und koordinativ-informationsorientierte Fähigkeiten vereinigt, soll nachfolgend hinsichtlich ihrer Entwicklung im Alter kurz beleuchtet werden. Wichtig sei zu bemerken, dass die konditionelle Schnelligkeitsfähigkeit aufgrund ihrer altersspezifischen Irrelevanz nicht in die Betrachtung einbezogen wird.

Die aerobe Ausdauer[3], als konditioneller Parameter, welche vorrangig auf der Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislaufsystems beruht, erfährt ab dem 30. Lebensjahr einen verstärkt progressiven Rückgang, der ab dem 50. Lebensjahr bis zu zehn Prozent pro Lebensdekade betragen kann (vgl. WERLE et al., 2006, S. 74).

Die Degradation der neuromuskulär geprägten Kraftfähigkeit ist im Alter von etwa
45 Jahren offensichtlich und erreicht bis zum 80. Lebensjahr sein Maximum von bis zu 15 Prozent je Dekade (vgl. WERLE et al., 2006, S. 76). In einem engen Nexus mit der Kraft steht die Beweglichkeit, welche als Schwingungsweite von Gelenken bzw. als Dehnfähigkeit von Muskeln, Sehnen und Bändern determiniert wird (vgl. RHÖTIG, 1992, S. 146). Diese motorische Fähigkeit erfährt ab dem 50. Lebensjahr mit sieben bis acht Prozent eine merkliche Rückentwicklung.

Im Komplex der Bewegungskoordination[4], die zu späterem Zeitpunkt noch eine explizitere Ausdifferenzierung erfährt, ergeben sich erhebliche Leistungseinbußen ab etwa dem 61. Lebensjahr (vgl. BISCHOPS & GERARDS, 2001, S. 23).

WERLE et al. (2006, S. 71) halten resümierend fest, dass das spätere Erwachsenenalter von 40 bis 70 Jahren eine verstärkte motorische und das späte Erwachsenenalter ab der 8. Dekade eine ausgeprägte motorische Involution mit sich bringt.

3.3 Kompensation motorischer Alterserscheinungen durch körperliche Aktivität

Die autarke Ausführung der sogenannten „personal activities of daily living“ und „instrumental activities of dailiy living“, welche „physische und psychische Gesundheit“ voraussetzen, sind Gründe für eine notwendige, multifaktorielle und aktive Gegensteuerung geschilderter Degenerationsprozesse (WERLE et al., 2006, S. 80). Nach BALTES & NESSELROADE (1979) kann Entwicklung zu jedem Lebenszeitpunkt stattfinden, was zu der Konklusion führt, dass auch motorische Kompetenzen im Lebensabend erworben, wie auch ausgebaut werden können.

Im Bereich der Ausdauer konnten PAILLARD et al. (2004) in ihrer kontrollierten Studie zeigen, dass ein Walking-Programm in der Lage ist die aerobe Kapazität zu steigern, das maximal Sauerstoffaufnahmevolumen zu erhöhen und die maximale Herzfrequenz zu senken. TAYLOR et al. (2004) bestätigen in ihrem Review, anhand einer gestiegenen kardiopulmonalen Kapazität, dass altersbedingte Veränderungen mittels zunehmender körperliche Aktivität reduziert werden können. Auf der Ebene muskulärer Kraft konnte innerhalb dieser Arbeit aufgedeckt werden, dass in Abhängigkeit von Alter, Geschlecht, Trainingsform, Intensität und Dauer sowie sportlichem Ausgangsniveau eine Steigerung der Kraftwerte von acht bis 174 Prozent möglich ist.

SYGUSCH et al. (2005) konnten zeigen, dass ein 90minütiges allgemeines Gesundheitssportprogramm, welches einmal pro Woche mit Personen im mittleren und späteren Erwachsenenalter durchgeführt wird signifikante Kraftzuwächse nach sich zieht. In der gleichen Untersuchung waren ähnliche Effekte auch für den Faktor Beweglichkeit zu verzeichnen.

Im Bereich der koordinativen Fähigkeiten, mit dem sich später noch auseinandergesetzt wird, kann vorerst postuliert werden, dass sowohl spezifisches Koordinationstraining, als auch andere Aktivitätsformen das vorhandene Niveau anheben bzw. erhalten können (vgl. WERLE et al., 2006, S. 86).

Es sei abschließend fixiert, dass die physiologischen Rückgänge, sämtlicher motorischer Parameter nicht grundsätzlich aufzuhalten sind, jedoch durch körperliche Aktivität Verlangsamung erfahren. Damit degenerieren sportlich aktive Menschen von einem weitaus höheren Ausgangswert und kompensieren auftretende Involutionen wirkungsvoller (vgl. TITTLBACH, 2002).

4 Die Gleichgewichtsfähigkeit

Die oben beschriebene psychomotorische Fähigkeit der Bewegungskoordination als „[…] verfestigte, überdauernde Leistungsvoraussetzung[…]“ (ROTH & WINTER, 1994, S. 192) stellt den Schwerpunkt vorliegender Arbeit dar. Explizit wird sich dabei der Gleichgewichtsfähigkeit als Bearbeitungsgegenstand gewidmet, welche sich in jenem koordinativen Faktorenspektrum befindet. Der Vollständigkeit halber seien folgend die weiteren koordinativen Fähigkeiten, wie Reaktionsfähigkeit, Rhythmusfähigkeit, Kopplungsfähigkeit, Umstellungsfähigkeit, Orientierungsfähigkeit und Differenzierungsfähigkeit genannt (BLUME, 1979, S. 187 ff.).

Wenn davon ausgegangen wird, dass der „Erhalt des Körpergleichgewichts gegen die Schwerkraft als übergeordnetes Ziel motorischer Aktivität“ (CHWILKOWSKI, 2008,
S. 20) anzusehen ist, sollte klar werden, welche Wichtigkeit jene Gleichgewichtsfähigkeit innerhalb von Haltungs- und Bewegungsvorgängen, sowie im bewegungskoordinativen Kontext besitzt. Auf Grundlage des prinzipiellen neurokinematischen Kontextes sämtlicher koordinativer Fähigkeiten kann die Gleichgewichtsfähigkeit wie folgt definiert werden:

„Gleichgewicht ist eine relativ verfestigte und generalisierte Leistungsvoraussetzung für das Halten bzw. Wiederherstellen des Körpergleichgewichts bei wechselnden Umweltbedingungen, besonders zur zweckmäßigen und schnellen Lösung motorischer Aufgaben auf kleinen Unterstützungsflächen oder bei sehr labilen Gleichgewichtsverhältnissen“ (BLUME & HIRTZ, 1993, S. 345). In Anlehnung an MEUSEL (1996, S. 105) lässt sich das motorische Gleichgewicht in einen statischen, dynamischen und objektbezogenen Aspekt differenzieren (siehe Tab. 2), wobei das Objektgleichgewicht innerhalb vorliegender Arbeit nicht tangiert wird.

Tab. 2: Ebenen der Gleichgewichtsfähigkeit nach MEUSEL (1996, S. 105)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.1 Analysatoren zur Steuerung und Regelung des Gleichgewichts

Um einen adäquaten Gleichgewichtszustand zu erwirken oder zu erhalten, bedarf es spezifischer Analysatoren, welche nötige Informationen zur Regulation bereitstellen. Der vestibulare Sensor steht innerhalb dieses ständigen Prozesses im Mittelpunkt, kann aber nur mit Hilfe taktiler, optischer und kinästhetischer Informationssysteme reliable Auskünfte über aktuelle Lagen und Lageveränderungen des Körpers in Raum und Zeit zur Verfügung stellen (vgl. ROSTOCK, 2003, S. 26).

[...]


[1] Primäres Altern meint den genetisch festgelegten Prozess, welcher die Lebensspanne füllt und mit dem Tod endet.

[2] Sekundäre Alterung schließt Folgen äußerer Einwirkungen, wie z.B. Krankheiten und Unfälle, die die natürliche Lebensspanne verkürzen mit ein (vgl. BÖGER & KANOWSKI, 1982, S. 17).

[3] Von der aeroben Ausdauer, die als gesundheitsrelevant gilt, wird gesprochen, wenn die Energiegewinnung für die Muskelarbeit mit Hilfe von Sauerstoff gewährleistet wird (vgl. BÖS & BANZER, 2006, S. 239).

[4] Bewegungskoordination beschreibt „[…]das geordnete Zusammenwirken von Zentralnervensystem und Skelettmuskulatur bei der Ausführung von Bewegungen“ (MEUSEL, 1996, S. 113).

Details

Seiten
46
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640640911
ISBN (Buch)
9783640640959
Dateigröße
769 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152201
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Institut für Sportwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Tanz Gleichgewicht Senioren

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