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Menschenrechte als Basis eines Weltethos?

Vorbehalte aus Afrika gegenüber dem Universalitätsanspruch der Menschenrechte

Examensarbeit 2009 32 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Problematik des interkulturellen Nord-Süd-Dialogs
2.1. Folgen des Kolonialismus
2.2. Ausprägungen von Inkulturation

3. Grundfragen an universale Menschenrechte
3.1. Rolle der Vereinten Nationen
3.2. Staatsrechtliche Problematik der Implementierung
3.3. Weltethos und interreligiöser Dialog

4. Theoretische Konzeptionen für universale Menschenrechte
4.1. Entwicklungsstufen und Ausprägungen westlicher Ethik
4.1.1. Naturrechtslehre
4.1.2. Vernunftrecht nach Kant
4.1.3. Die christliche Mission
4.1.4. Das Zweite Vatikanische Konzil
4.2 Grundpfeiler einer afrikanischen Ethik
4.2.1. Diskursethik nach Apel
4.2.2. Palaver als Teil kultureller Kommunikation
4.2.3. Formen der Transzendenz und des Ahnenkults

5. Realität des westlich-afrikanischen Menschenrechtsdiskurses

6. Schlussbetrachtung

Anhang

I. Quellenverzeichnis

II. Literaturverzeichnis

1. Einführung

„Immer deutlicher wurde mir in den letzten Jahren, daß die eine Welt, in der wir leben, nur dann eine Chance zum Überleben hat, wenn in ihr nicht länger Räume unterschiedlicher, widersprüchlicher und gar sich bekämpfender Ethiken existieren. Die eine Welt brauch dies eine Grundethos; diese eine Weltgesellschaft braucht gewiß keine Einheitsreligion und Einheitsideologie, wohl aber einige verbindende und verbindliche Normen, Werte, Ideale und Ziele.“1

Die Ausführungen des schweizerischen Theologen Hans Küng symbolisieren, wenn auch nicht eine Notwendigkeit, so doch den Bedarf einer Beseitigung von religiösem Konfliktpotential, welches sich in europäischer und globaler Perspektive nicht selten in Form von bewaffneten Konflikten entlud. Der Wille zur Vereinheitlichung bestimmter einzelstaatlicher Vorgänge lässt sich nicht nur in religiösen und theologischen Fragen beobachten, er tauchte historisch bereits in Handelsverflechtungen von einzelnen Staaten oder des größten Teils der am Weltmarkt beteiligten Staaten auf. Ebenso findet ein politisch bestimmtes Zusammenwirken auf Basis gemeinsamer Werte und Interessen statt, wie regional in der Europäischen Union oder global in den Vereinten Nationen. Jedoch handelt es sich bei den verschiedenen Formen des Zusammenwirkens oftmals nicht um Verhandlungen, die auf Augenhöhe geführt werden.

Es gibt in großen Teilen der Kontinente Südamerika, Asien und vor allem Afrika aus der Wahrnehmung der dortigen Bevölkerungen heraus Vorbehalte gegenüber Einheitsbestrebungen, die einer westlichen Dominanz entsprangen und diese Dominanz auch behalten. Im Bereich der Menschenrechte gibt es grob gesagt zwei Strömungen, die sich der Universalisierung der Verbreitung und ihrer Bewahrung widmen. Es handelt sich zum einen auf geopolitische Ebene um die Vereinten Nationen und zum anderen auf religiöser Ebene um die Bestrebungen eines interreligiösen Austausches mit dem Ziel eines Weltethos. Jedoch tragen die Initiativen auf beiden Ebenen nicht zum gewünschten Ergebnis bei, weshalb der Bogen wieder zur Rezeption der am Prozess der Vereinheitlichung nur marginal beteiligten Gesellschaften der so genannten Dritten Welt zu spannen ist.

Aus diesem Grund soll in dieser Arbeit der Frage nachgegangen werden, welche Vorbehalte aus der Dritten Welt aus welchen Gründen an die westlich dominierte Vereinheitlichung von Ethos und Menschenrechtsgedanken herangetragen werden und wie sie ethisch-theologisch zu lokalisieren und Lösungsansätze zu erarbeiten sind. Als These liegt dieser Arbeit die Annahme zu Grunde, dass theologische und kulturelle Differenzen das Ergebnis einer fehlerhaften Kommunikation sind, bestehend aus dem historischen Verhältnis zwischen Westen und Afrika mit dementsprechend gering ausgeprägter Empathie, und eine Lösungsmöglichkeit über die Form eines flexiblen Konsenses auf Basis der gegenseitigen Anerkennung von Differenzen und Gemeinsamkeiten zu erreichen ist. Um die These zu begründen wurde in dieser Arbeit ein vergleichender Ansatz gewählt, der mit der Betrachtung des historisch belasteten Verhältnisses zwischen Westen und Afrika beginnt.

Danach werden die bereits erwähnten Konzepte auf politischer und theologischer Ebene ausführlicher betrachtet, um neben den historischen Voraussetzungen noch die universalistischen Bestrebungen einordnen zu können. Den Hauptteil bildet die Analyse von Differenzen und Gemeinsamkeiten in der Konzeption von Menschrechten und Ethik (Westen, Afrika) anhand ausgewählter theoretischer Grundlagen, die versucht werden, auf Ansatzpunkte für die Begründung der These zu untersuchen. Im letzten Teil erfolgt eine Gegenüberstellung der Arbeitsergebnisse aus der vergleichenden Analyse zum Zwecke der Erfassung und Konkretisierung von Möglichkeiten zur Problemlösung. Es wird während der Arbeit versucht werden den westlichen und afrikanischen Auffassungen ein argumentatives Gleichgewicht zu verschaffen, jedoch ohne das Ziel, soviel sei bereits vorweggenommen, ein Lösungsheft für das belastete Verhältnis der beiden kulturellen Sphären in den Händen zu halten.

Auf die Einbeziehung der islamisch geprägten nordafrikanischen Sicht wurde, obgleich einer aktuellen Relevanz, weitestgehend verzichtet, da die angesprochenen Probleme einer westlichen Bevormundung hauptsächlich im subsaharischen Afrika auftreten, und die Berücksichtigung gerade der islamischen Theologie Inhalt einer eigenen Arbeit sein muss. Für diese Arbeit war eine Fülle an Material vorhanden, die in einem entsprechenden Anteil an dieser Arbeit Berücksichtigung fand und im jeweiligen Kapitel nachvollzogen werden kann. Besonders auffällig und für den Wissenschaftler begrüßenswert ist die hohe Anzahl von afrikanisch initiierten Arbeiten über kulturelle und theologische Problemfelder, abseits von der ebenfalls relevanten Kolonial- und Entwicklungsliteratur. Hier sind vor allem die Arbeiten von Bénézet Bujo hervorzuheben, die dementsprechend Berücksichtigung fanden.

2. Problematik des interkulturellen Nord-Süd-Dialogs

2.1. Folgen des Kolonialismus

Die eigentliche Welle der Erschließung des afrikanischen Kontinents begann mit dem Ende des 15. Jahrhunderts durch die Ausbreitung europäischer Mächte außerhalb Europas. Auch wenn sich bereits in klassischer Zeit die römische Macht über den nordafrikanischen Kontinent erstreckte, waren es die Portugiesen und nachfolgend die Engländer, welche am Anfang einer Kolonisierung in Afrika standen. Hier kam im Gegensatz zu den Siedlungskolonien auf dem amerikanischen Kontinent zunächst für die portugiesischen Seefahrer nur ein Netz von küstennahen Stützpunkten (beispielsweise Mozambique) in Betracht, das der Umschiffung des afrikanischen Kontinents dienen sollte.2 Ähnlich verfuhren die Engländer mit ihrem Einfluss auf den atlantischen Dreieckshandel, der amerikanische Kolonien mit schwarzen Sklaven aus west- und südafrikanischen Stützpunkten versorgte.3 Das Verbot von 1807 beendete zwar den Sklavenhandel, jedoch nicht deren Verbreitung, so dass das Interesse am afrikanischen Kontinent eine andere Dimension erhielt.

Die koloniale Ausbreitung bekam mit dem aufkommenden Imperialismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen vom missionarischen Sendungsbewusstsein getragenen Charakter.4 Darin war die „Bürde des Weißen Mannes“ (nach einem Gedicht von Rudyard Kipling) enthalten, die es in Augen der christlich geprägten europäischen Staaten notwendig machte, den „schwarzen Wilden“ die Grundzüge der christlichen Zivilisation näher zu bringen.5 Da diese christliche Leitidee zur Missionierung nicht der einziger Grund kolonialer Ausbreitung in Afrika war, erscheint die Bezeichnung der Entdeckung von Diamanten- und Goldvorkommen (1867 und 1886) als Initialzündung für eine weitere Expansion als durchaus legitim.6 Zu der eurozentrischen Perspektive kamen Berichte von Afrikareisenden wie David Livingstone7 über seine Reisen nach Zentralafrika und dem Roman „Heart of the Darkness“ von Joseph Conrad8, der gerade die rassische Komponente kolonialer Herrschaft betonte.

Auf der anderen Seite, das heißt der Rezeption der Kolonisation durch die afrikanischen Völker, fand die vertragliche Einigung der Europäer vor allem in der Aufspaltung und Trennung vorkolonialer ethnischer und sozialer Strukturen ihren Ausdruck. Damit wurde eine Zerstörung teils vorhandener vornationalstaatlicher Gegebenheiten (wie in Nordafrika) vollzogen, deren Legitimität aus Gründen rassischer Unterlegenheit hochgradig auf Seiten der Afrikaner angezweifelt wurde und sich nicht selten in regionalen Aufständen gegen die Herrschaft äußerte.9 Doch auch die teilweise mit hohen Verlusten auf Seiten der Kolonialmächte gekennzeichneten Kämpfe konnten den Dekolonisationsprozess in Afrika nicht in dem Maße beschleunigen, wie es sich vermutlich viele Afrikaner wünschten. Vielmehr begann das Ende der meisten afrikanischen Kolonien erst nach dem Zweiten Weltkrieg in der so genannten dritten Phase der Dekolonisierung, die durch das Ende der italienischen Herrschaft in Libyen ausgelöst worden war. In den britischen Kolonien weitete sich die Tätigkeit des Kolonialherrn trotz Auflösungstendenzen nochmals aus, um den Afrikanern in angeblicher Starthilfe für die Unabhängigkeit Strukturvorgaben zu machen.10

Hier liegt paradoxerweise ein Gegensatz zwischen Einflussgrad der Kolonialmacht und Entwicklung des unabhängigen Staatsgebildes vor, der nicht eindeutig in einem Wissenschaftsfeld aufklärbar scheint.11 Neben den im folgenden noch auszuführenden soziokulturellen Folgen für das postkoloniale Afrika sind vor allem die wirtschaftliche Abkoppelung zu nennen, die sich in der wirtschaftlich fehlenden Mitsprache am Welthandel äußert, obwohl eine Mehrheit afrikanischer Staaten mit enormen Rohstoffvorkommen ausgestattet ist.12

In dieser Misere sind als Ursachen vor allem die Tätigkeiten der Kolonialmächte in der Vergangenheit, bezogen auf die strukturelle Ausgrenzung der schwarzen Mehrheiten, und die auf Entwicklungshilfe und persönliche Bereicherung ausgerichtete Handlungen eines Großteils der afrikanischen Eliten zu nennen, die als Erklärungsansatz dennoch weiterhin Fragen offenlassen.13 Jedoch polarisierten im Bereich rassisch motivierter Ausgrenzung die Siedlungskolonien in Nord- und Südafrika am stärksten, was sich aus den Differenzen von Untertanen verschiedener Kulturkreise unter derselben Herrschaft ergab und deshalb im Westen und Osten des Kontinents in ihrer Ausprägung schwächer ausfiel, aber nach wie vor durch Abgrenzung gekennzeichnet war.14

2.2. Ausprägungen von Inkulturation

Neben den erwähnten rassischen und wirtschaftlichen Diskriminierungen der afrikanischen Staaten durch ihre ehemaligen Kolonialmächte ist vor allem die kulturelle Beeinflussung auf ihre Folgen für das westlich-afrikanische Verhältnis zu untersuchen. Interessanterweise gibt bereits die Bezeichnung Afrikas als „schwarzer Kontinent“ einen Eindruck von der Meinung westlicher Eliten. Hier ist besonders auf den Kontext des kulturellen Austausches einzugehen, der aus Sicht der Afrikaner oftmals die Merkmale einer Einbahnstraße besitzt. Dazu gehört vor allem die im Rahmen des Imperialismus aufkommende Ansicht, dass dem afrikanischen Kontinent die abendländische Zivilisation näher zu bringen sei, was sich aus der irrigen Annahme ergab, dass vor der Präsenz der Europäer keine nennenswerte Kultur in Afrika vorhanden gewesen war.15 Diese Ansicht widerspricht der Tatsache, dass bereits vor der Ankunft der Europäer größere ethnische Gemeinschaften existierten, wie die der Zulu im Süden und die der Hehe im Osten Afrikas.16

Doch auch in diesen Gemeinschaften waren keine demokratischen Grundsätze durchgesetzt, dafür aber einer der jeweiligen regionalen Tradition angepasste hierarchische Struktur.17 Diese Strukturen wurden während der imperialistischen Expansion weitestgehend durchtrennt und damit eine der kolonialen Interessenlage entsprechende territoriale Gliederung aufgezwungen, die zu heterogenen Zusammensetzungen führte.18 Damit einher ging die in Europa und Nordamerika verbreitete Annahme einer ethnischen und kulturellen Homogenität der schwarzafrikanischen Bevölkerung, welche ebenfalls als Ursprung von mangelnder Rücksichtnahme gegenüber regionalen Gegebenheiten zu sehen ist.19 Obwohl besonders der extreme Fall der Apartheid in Südafrika ein entsprechendes Beispiel sein könnte, zeigte sich in den anderen afrikanischen Staaten, dass das koloniale Modell von oligarchischen Staaten einer meist weißen Minderheit sich nicht über die Kolonialherrschaft hinaus etablieren konnte.

Vielmehr ist dieses den damaligen westlichen Staaten entsprechende Gesellschaftsmodell eher als eine Ursache des Staatsversagens in Afrika zu sehen. Gerade in afrikanischen Herrschaftskolonien wurde so die ethnische Dekolonisation und der Machtverlust der weißen Elite relativ schnell vollzogen, auch wenn die Problematik in den meisten Fällen erhalten blieb.20 Als weitere Durchdringung vorkolonialen Lebens im Zentrum Afrikas ist die Ausbreitung des Christentums zu sehen, zu dem sich heutzutage etwa 45% der Zentralafrikaner bekennen, womit sowohl Anteile am Staatsvolk als auch die Christianisierung ganzer ethnischer Gruppen gemeint sind.21 Dennoch waren die Unterschiede bei den christlichen Konfessionen deutlich, was sich vor allem in der Praxis der Mission zeigte. Die katholische Mission war in Afrika nicht in gleichem Maße erfolgreich wie in Mittel- und Südamerika, was zum Teil auch mit der unterschiedlichen Dominanz der Kolonialmächte zu erklären ist, da sich im Süden und Osten Afrikas hauptsächlich das anglikanische Großbritannien und im Westen und Norden das katholische Frankreich ausbreiteten.22

In dieselbe Richtung geht der Grad der Fokussierung der Mission durch den Herrschenden, was in Südamerika stärker durch Portugiesen und Spanier durchgesetzt worden war als es in Afrika durch Selbstchristianisierungen und die Etablierung regionaler Kirchenformen geschah.23 Insgesamt ging im Verhältnis von christlichen Herrschenden und Angehörigen afrikanischer Religionen der Trend eher zur Assimilation, welche sich im Wirken von Erziehungsanstalten24 und den vor Ort befindlichen Missionen äußerte, auch wenn beide aus ihrer europäischen Tradition der Säkularisierung nicht als koordinierte Partner auftreten wollten.25

3. Grundfragen an universale Menschenrechte

3.1. Rolle der Vereinten Nationen

Im ersten Kapitel der Charta der Vereinten Nationen war als ein Ziel festgelegt worden, „eine internationale Zusammenarbeit herbeizuführen, um internationale Probleme wirtschaftlicher, sozialer, kultureller und humanitärer Art zu lösen und die Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten für alle ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder der Religion zu fördern und zu festigen“.26 Damit wurde als eine Art Grundkonsens bei der Gründung der Vereinten Nationen ein gemeinsamer Weg in dem Bereich der Menschenrechte vorgegeben. Jedoch sind auch im weiteren Text der Charta nur Empfehlungen und keine Weisungen enthalten, mit einem breiten Spielraum für Organisationen der Vereinten Nationen.

Ebenfalls völkerrechtlich nicht bindend ist die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ von 1948, die die Verwirklichung der Menschenrechte, in Anlehnung an die Charta, „als das von allen Völkern und Nationen zu erreichende gemeinsame Ideal“27 anstrebt. In Verbindung zu dieser Erklärung stehen der „Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte“ (UN-Zivilpakt) und der „Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte“ (UN-Sozialpakt), welche beide aus dem Jahr 1966 stammten und eine Konkretisierung der bereits formulierten Menschenrechte vornahmen.28 Aus diesen nicht konkreten Vorstellungen gingen Initiativen sowohl in Form von Konferenzen als auch von institutionellen Reformen hervor, welche die Beschäftigung mit dem Thema Menschenrechte nicht nur auf globaler, sondern auch auf regionaler Ebene ermöglichten. Problemstellungen ergeben sich für den Verantwortungsbereich der Vereinten Nationen aus der Durchsetzung, Überwachung und regionalen Konkretisierung von Menschenrechten. Damit ist gemeint, dass die verschiedenen Verträge nicht nur eine bindende Ratifizierung durch die Staaten erfordern, sondern auch eine institutionelle Stütze der Vereinten Nationen in Form eines internationalen Kontrollgremiums. Der „UN- Menschenrechtsausschuss“ und der im Rahmen des Reformprozesses von Kofi Annan konstituierte „UN-Menschenrechtsrat“ haben als zwei dieser Gremien die Möglichkeit durch Urteilenach Beschwerdenoder Beobachtermissionen indirekte Autorität auszuüben, da die Veröffentlichung von Mängeln bei der Absicherung oder Verletzungen von Menschenrechten bestimmte Gruppen oder Staaten in Bedrängnis bringen könnte.

Neben den institutionellen Möglichkeiten sind vor allem die Freiräume regionaler Abmachungen und innerstaatlicher Lösungen zu betonen. Hier soll für den Bereich der afrikanischen Staaten das Modell anhand der „Charta der Menschenrechte und Rechte der Völker“ (Banjul-Charta) vom 27.06.1982 herausgestellt werden, da hier anders als in westlichen Pendants die Verbindung von individuellen mit traditionellen Gemeinschaftsrechten im Vordergrund stand.29 Dadurch fand eine Orientierung an Menschenrechten zweiter Generation statt, welche im Detail auf die Sicherstellung einer sozialen Basis ausgerichtet sind, wie es vor 1989 ebenfalls von den Ostblockstaaten favorisiert worden war.30 Der Fokussierung auf diese Generation von Menschenrechten folgte fast im Gleichklang die positive Annahme der Stärkung der staatlichen Souveränität und der Rechte des Einzelnen auf die Solidarität der Gemeinschaft.31

[...]


1 KÜNG, Hans: Projekt Weltethos. 3. Aufl. München 1990, 14.

2 OSTERHAMMEL, Jürgen: Kolonialismus. Geschichte - Formen - Folgen. 6. Aufl. München 2009, 15.

3 Ebd., 78.

4 GRÜNDER, Horst: Christianisierung und Kolonialismus. Bemerkungen zur Rolle der Religion im

westlichen Expansionismus der Neuzeit, in: Zeitschrift für Kulturaustausch 34 (1984), H. 3, 257-383, hier: 257f.

5 CAPLAN, Gerald L.: Verschwörung gegen Afrika. Hildesheim 2008, 15f.

6 OSTERHAMMEL, Kolonialismus, 40.

7 Vgl. LIVINGSTONE, David: Die Erschliessung des dunklen Erdteils. Reisetagebücher aus Zentralafrika 1866-1873. Neuaufl. der deutschen Ausgabe von 1929. Norderstedt 2006.

8 Vgl. CONRAD, Joseph: Herz der Finsternis. Eine Erzählung. Frankfurt am Main 2007.

9 OSTERHAMMEL, Kolonialismus, 41.

10 Ebd., 46f.

11 ELSENHANS, Hartmut: Staatsversagen in Schwarzafrika. Krise des Entwicklungsstaat oder spezifische Probleme in Afrika, in: TETZLAFF, Rainer (Hrsg.): Afrika zwischen Dekolonisation, Staatsversagen und Demokratisierung. Hamburg 1995, 131-148, hier: 133f.

12 TETZLAFF, Rainer: Das Dekolonisationsparadox: Nationaler Souveränitätsgewinn bei zunehmender internationaler Interdependenz, in: DERS. (Hrsg.): Afrika zwischen Dekolonisation, Staatsversagen und Demokratisierung. Hamburg 1995, 47-88, hier: 49.

13 Ebd., hier: 52f.

14 OSTERHAMMEL, Kolonialismus, 95.

15 CAPLAN, Verschwörung, 15.

16 MWAKIKAGILE, Godfrey: Africa and the West. Huntington, NY 2000, 31.

17 MWAKIKAGILE, Africa and the West, 33.

18 OSTERHAMMEL, Kolonialismus, 89.

19 CAPLAN, Verschwörung, 21.

20 OSTERHAMMEL, Kolonialismus, 92.

21 HARDING, Leonhard: Das Christentum als Einfallstor säkularen und rationalen Denkens in Afrka, in: TETZLAFF, Rainer (Hrsg.): Afrika zwischen Dekolonisation, Staatsversagen und Demokratisierung. Hamburg 1995, 33-46, hier: 35.

22 OSTERHAMMEL, Kolonialismus, 103.

23 OSTERHAMMEL, Kolonialismus, 104.

24 Vor allem in der sprachlichen Erziehung für Angehörige der Mittel- und Oberschicht, welche auch die Kommunikation über ethnische Grenzen ermöglichen konnte.

25 HARDING, Christentum, hier: 37: Doch gerade aus afrikanischer Sicht waren diese beiden Faktoren zusammen als Ausprägung westlicher Herrschaft wahrgenommen worden.

26 Art. 1 Satz 3, Kap. I, Charta der VN, in: WATZAL, Ludwig: Menschenrechte. Dokumente und Deklarationen. 4. Aufl. Bonn 2004, 42-51, hier: 43.

27 Präambel, Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vom 10.12.1948, in: WATZAL, Ludwig: Menschenrechte. Dokumente und Deklarationen. 4. Aufl. Bonn 2004, 54-58, hier: 54.

28 Eine in der Politikwissenschaft übliche Einteilung spricht von Menschenrechten der weitestgehend unstrittigen ersten Generation (auch Freiheitsrechte) und der mehr in der Diskussion stehenden zweiten (bürgerliche Rechte) und dritten (Entwicklungsrechte) Generation.

29 RIEDEL, Elbe: Der internationale Menschenrechtsschutz. Eine Einführung, in: Watzal, Ludwig: Menschenrechte. Dokumente und Deklarationen. 4. Aufl. Bonn 2004, S. 11-40, hier: S. 37.

30 HOPPE, Thomas: Menschenrechte im Spannungsfeld von Freiheit, Gleichheit und Solidarität. Grundlagen eines internationalen Ethos zwischen universalem Geltungsanspruch und Partikularitätsverdacht. Stuttgart 2002, 112.

31 RIEDEL, Menschenrechtsschutz, hier: 37.

Details

Seiten
32
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640640485
ISBN (Buch)
9783640640614
Dateigröße
682 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152217
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,7
Schlagworte
Weltethos Menschenrechte Afrika

Autor

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Titel: Menschenrechte als Basis eines Weltethos?