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Gemeinschaft lehren

Didaktische Methoden zur Förderung des Gemeinschaftsgefühls

Hausarbeit 2009 15 Seiten

Didaktik - Politik, politische Bildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ziele des politischen Unterrichts
2.1 Die Bedeutung von Gemeinschaft im poli- tischen Unterricht

3. Methoden zur Förderung des Gemeinschaftsgefühls
3.1 Gesprächsformen
3.2 Arbeit mit Medien
3.3 Spielerische Formen
3.4 Sonstige Formen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis / Quellenangaben

1. Einleitung

„Gemeinsam sind wir stark!“ - ein viel zitierter Spruch, der mit regelmäßigen Abstän- den immer wieder Verwendung findet. Das gerade dieser Gemeinschaftsbegriff einen starken Pfeiler des Konstrukts einer funktionierenden demokratischen Gesellschaft dar- stellt, gerät gerade vor dem Hintergrund der Begriffe wie dem Individualismus und ei- ner stärker werdenden Ellenbogen-Mentalität schnell in Vergessenheit. Insbesondere die Schule als bildende Institution, die sich immer mehr dem zeitlichen Druck des Arbeits- marktes und der reinen fachlichen Wissensvermittlung unterwirft, muss sich den Vor- wurf gefallen lassen, durch das Schaffen von Konkurrenzdenken eben jenem Gemein- schaftsgefühl entgegen zu wirken, obgleich es sich doch als derart wichtig herausstellt. Die vorliegende Arbeit soll nun der Fragestellung nachgehen, welche didaktischen Me- thoden insbesondere der Rahmen des politischen Unterrichts bietet, um entweder das nicht mehr vorhandene Gefühl eines gemeinschaftlichen Seins innerhalb einer Lern- gruppe zurück zu holen, oder das bereits Existierende weiter auszubauen. Dabei werden zunächst die allgemeinen Lehrziele des politischen Unterrichts illustriert, um im An- schluss daran den Wert eines Gemeinschaftsgefühls für das Leistungsvermögen einer Lerngruppe zu hinterfragen und abschließend alle didaktischen Zugänge hinsichtlich ih- rer Effektivität zu untersuchen und abzuwägen.

2. Ziele des politischen Unterrichts

Um innerhalb eines demokratischen Systems, welches „[...] sich vor anderen politischen System durch die Gleichachtung und Gleichberechtigung seiner Bürger [...]“ (Rein- hardt, 2005, S. 17) auszeichnet, gewisse Kompetenzen seiner Bürger sicherzustellen, bedarf es einer spezifischen politischen Bildung. Diese hat zunächst immer auch die Funktion, „[...] eine Orientierung auf das politische System zu vermitteln [...]“ (Mas- sing, 2005, S. 20). „In den vergangenen Jahrzehnten ist als Ziel demokratisch-politi- scher Bildung häufig der mündige Bürger genannt worden [..]“ (Reinhardt, 2005, S. 18). Mündig meint vor diesem Hintergrund das Idealbild eines demokratischen Bürgers, der für sich und andere verantwortlich ist, „[...] sich informiert und selbstständig seine Stimme in die Auseinandersetzung um die politische Regelung gemeinsamer Angele- genheiten einbringt“ (Reinhardt, 2005, S. 18). Anhand gewisser Richtlinien werden von den Bundesländern überdies gewisse Leitvorstellungen und Ziele des Lernens im politi- schen Unterrichts formuliert (vgl. Reinhardt, 2005, S. 18). Diese können wie folgt zu- sammengefasst werden:

1. Perspektivenübernahme

Dem demokratisch-mündigen Bürger soll es möglich sein, sich in die Standpunkte an- derer hinein versetzen zu können, sowohl auf der emotionalen wie auch der kognitiven Ebene (vgl. Reinhardt, 2005, S. 23). Gerade innerhalb eines politischen Entscheidungs- prozesses wird dies verlangt, sodass bereits in der soziologischen Tradition die Rollen- übernahme als Voraussetzung für gesellschaftliche Interaktion betrachtet wird (vgl. Reinhardt, 2005, S. 23).

2. Konfliktfähigkeit

Ein demokratisches System lebt von seiner Fähigkeit zum politischen Diskurs, sodass unter Konfliktfähigkeit die Fähigkeiten der Bürger zu verstehen ist, „[...] Andersartiges anzuerkennen und Konflikte zu akzeptieren“ (Reinhardt, 2005, S. 23). Dabei sollen dif- ferente Auffassungen, Werdegänge und gesellschaftliche Werte als interessante Vielfalt denn als störend wahrgenommen werden und Konflikte immer innerhalb eines zivili- sierten Rahmens ablaufen (vgl. Reinhardt, 2005, S. 23). Dem liegt die Idee zu Grunde, dass eine pluralistische Gesellschaft in aller Regel über den Streit zu einem Konsens kommt (vgl. Reinhardt, 2005, S. 24).

3. Sozialwissenschaftliches Denken

Reinhardt sieht in der Tatsache, dass jede der drei Teildisziplinen Soziologie, Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft eigene Denk- und Handlungslogiken entwickelt hat, den Grund dafür, dass keine einheitliche Sozialwissenschaft möglich ist (vgl. Reinhardt, 2005, S. 24). Umso wichtiger erscheint es daher, dass Bürger in der Lage sind, das Denken jener Wissenschaften nachvollziehen zu können und darüber hinaus Einsichten und Überzeugungen erwerben (vgl. Reinhardt, 2005, S. 24).

4. Politisch-moralische Urteilsfähigkeit

„Die Fähigkeit zur politischen Urteilsbildung stellt eine zentrale Kompetenz für die angemessene Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger an der politischen Öffentlichkeit in der Demokratie dar und gilt mithin als oberste Zweckbestimmung des Politikunterrichts“ (Juchler, 2005, S. 71). Um allerdings zu einem angemessenen Urteil über politische Zusammenhänge kommen zu können, bedarf es sowohl den Lehrpersonen, als auch den Schülern, des Wissens, dass Urteile immer aus den individuellen Lebenserfahrungen des Einzelnen hervorgehen (vgl. Juchler, 2005, S. 71). Kriterien, die im Rahmen einer Urteilsbildung herangezogen werden, können vom Eigeninteresse bis hin zum Allgemeinwohl reichen (vgl. Reinhardt, 2005, S. 25).

5. Partizipation

Wenngleich niemand zu politischer Partizipation gezwungen werden kann, wird doch immer wieder auf ihre Wichtigkeit für des demokratische Zusammenleben hingewiesen (vgl. Reinhardt, 2005, S. 25). Hierunter ist allerdings nicht nur das konkrete Mitwirken innerhalb einer politischen Institution zu verstehen, sondern kann auch in Vereinen, so- zialen Einrichtungen oder auf sonstigen Wegen geschehen, wo immer das gemein- schaftliche Zusammenleben der Menschen von inhaltlicher Bedeutung ist (vgl. Rein- hardt, 2005, S. 25).

2.1 Die Bedeutung von Gemeinschaft im politischen Unterricht

Meyer formuliert die Stärke von Unterricht darin, Lernen in der Gemeinschaft möglich zu machen (vgl. Meyer, 2004, S. 48). Man ist in seinen Augen auf Gemeinschaft ange- wiesen, was sich vor allem in der Verantwortungsübernahme für den eigenen Lernpro- zess und jenen der Mitschüler ausdrückt (vgl. Meyer, 2004, S. 48). In der Schule soll es neben dem reinen Erwerb von fachlichem Wissen nämlich konkret auch darum gehen, „[...] beispielhaft zu erleben, wie eine humane und demokratische Gesellschaft funktio- nieren könnte (Meyer, 2004, S. 53). Ein kooperatives Gemeinschaftsgefühl fällt dabei unter die Rubrik der „positiven Lernumwelt“, die wiederum zahlreiche positive Effekte auf das Schulleben, sowohl auf Seiten der Schüler, als auch auf Seiten der Lehrperso- nen, hat (vgl. Meyer, 2004, S. 51). Vor diesem Hintergrund formuliert er 5 Faktoren, die für ein lernförderliches Klima unabdingbar sind (vgl. Meyer, 2004, S. 52):

1. gegenseitiger Respekt
2. verlässlich eingehaltene Regeln
3. gemeinsam geteilte Verantwortung
4. Gerechtigkeit
5. Fürsorge

Gerade durch die Punkte eins, drei und fünf wird deutlich, wie sehr also ein lernförderliches Klima von dem Gemeinschaftsbegriff geprägt ist. Folglich sollte es auch immer wieder Aufgabe der politischen Bildung sein, ein entweder abhanden gekommenes Gemeinschaftsgefühl wieder zurückzubringen, oder ein Existierendes in regelmäßigen Abständen zu fördern. Didaktische Methoden, die der Verwirklichung dieser Zielsetzung obliegen, sollen im folgenden Kapitel vorgestellt werden.

[...]

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640639977
ISBN (Buch)
9783640859771
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152257
Institution / Hochschule
Universität Kassel – Fachbereich Gesellschaftswissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Politikunterricht Gemeinschaft Politikdidaktik

Autor

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