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New Public Management in Brandenburg

Essay 2010 8 Seiten

Führung und Personal - Sonstiges

Leseprobe

Die Bedürfnisse und Erwartungen von Bürgern und Wirtschaft an „ihre“ Verwaltung haben sich verändert. Sie wollen direkten und einfachen Zugang zu serviceorientierten und flexiblen Behörden. Das Volumen des Landeshaushaltes Brandenburgs wird jedoch in den nächsten zehn Jahren um etwa 25 Prozent zurückgehen.[1] Vor dem Hintergrund dieses finanzpolitischen Dilemmas und den wachsenden Anforderungen – gerade in einem Flächenland mit alternder und schrumpfender Bevölkerung – sieht man durchaus Herausforderungen auf die Verwaltung zukommen. Sie muss zukünftig insbesondere schneller, unbürokratischer sowie bürgernäher werden und zugleich deutlich kostengünstiger arbeiten. Folgerichtig werden Verwaltungsmodernisierung und Haushaltskonsolidierung Hand in Hand gehen (müssen).

Aufgrund des beschriebenen Spannungsfeldes hat die Landesregierung bereits im Jahre 2001 verschiedene Ziele für den Modernisierungsprozess im Land entwickelt. Neben der Verwirklichung des Dienstleistungsgedankens und einer verbesserten Mitarbeitermotivation sind dort beispielsweise auch Forderungen nach einer Reduzierung beziehungsweise Umverteilung der Verwaltungsaufgaben und einer Steigerung des Kostenbewusstseins zu lesen.[2]

Interessant ist nunmehr die Frage, inwieweit diese Absichten zu verwirklichen sind und in welchem Umfang beispielsweise Elemente des so genannten New Public Management (NPM) einen Beitrag zur Umsetzung leisten können. Oder anderes ausgedrückt: Sollte das Land Brandenburg Schlüsselelemente des NPM einführen? Wenn ja, welche und warum?

Unter dem Eindruck durchaus erfolgreicher Reformen im Ausland, werden nun auch in der Bundesrepublik vermehrt NPM-Konzepte erprobt. Im Mittelpunkt der Modernisierung stehen eine stärkere Kundenorientierung, die Erhöhung der Effizienz und Effektivität der staatlichen Aufgabenerfüllung sowie eine verbesserte Steuerung bei insgesamt sinkenden Kosten.[3]

Auch die im brandenburgischen Haushaltssicherungsgesetz formulierten Punkte verbindet vor allem die Zielsetzung, einen Beitrag zur Entlastung des Haushaltes zu leisten.

Zunächst ist jedoch festzustellen, dass die aktuellen Reformbemühungen in Brandenburg längst nicht alle Elemente des New Public Managements systematisch mit einbeziehen. Freilich sollen die Aufgaben der öffentlichen Verwaltung neu definiert und organisiert, also beispielsweise kommunalisiert, privatisiert beziehungsweise restrukturiert werden. Wie die dafür notwendige umfassende Aufgabenkritik jedoch gegen die natürlichen Widerstände in den jeweils betroffenen Verwaltungen umgesetzt werden kann bleibt vorerst offen. Die dramatische Haushaltslage vor Augen sah die Landesregierung besonders in dem mit circa
2,5 Mrd. Euro größten Kostenblock, den Personalausgaben, Erfolg versprechendes Einsparpotential. Mithin wurde die Anzahl der Beschäftigten von gut 66.000 (im Jahr 2000) auf derzeit knapp 49.500 reduziert. Die verbindliche Personalbedarfsplanung sieht einen weiteren Abbau auf etwa 45.500 Mitarbeiter bis 2014 vor. Eventuell kann dieses Vorgehen als Versuch gewertet werden, die Behörden und Ämter zu einer wirkungsvolleren Aufgabenkritik zu bewegen.

Zweifelsohne ist der bisher quantitativ sehr erfolgreiche Personalabbau ein essentieller Baustein zur Sanierung des Haushaltes, nichtsdestotrotz gilt es auch, die weniger erwünschten Folgen im Auge zu behalten. So dürfte die überwiegende Anzahl der verbliebenen Mitarbeiter die Reformbemühungen des Landes vor allem mit einer ausgedehnten Stellenkürzung verbinden. Eine wirkliche Unterstützung und notwendige Institutionalisierung der Maßnahmen kann daher kaum erwartet werden. Vielmehr ist eine adäquate Reaktion auf die Folgen des Abbaus – etwa die Erhöhung des Altersdurchschnitts der Mitarbeiter sowie tendenziell zunehmende Arbeitsbelastung – notwendig. Dafür bedarf es jedoch einer entsprechend aktiven Personalpolitik.[4] Der Personalbestand darf nicht auf einen Kostenfaktor reduziert werden, sondern ist als Ressource zu verstehen. Hier besteht die Chance, die Angestellten als Partner der Modernisierung zu gewinnen und nicht in die Rolle eines Veto-Players zu drängen. Folglich ist ein nachhaltiges Personalmanagement, wie es beispielsweise im NPM als so genanntes Human Ressource Management beschrieben wird, wesentliche Voraussetzung für erfolgreiche Reformen.

Um der Forderung nach wirtschaftlicherer und wirkungsorientierterer Leistungserbringung gerecht zu werden, könnte sich die brandenburgische Landesregierung eines weiteren Kernelementes des NPM, der so genannten Dezentralisation von Verantwortung bedienen.[5] Das heißt, den Fachabteilungen wird neben den definierten Aufgaben auch die Verantwortung für die Ressourcen zur Aufgabenerfüllung übertragen. Ein solches Vorgehen kann das Kostenbewusstsein der Beteiligten stärken, effizienteres Arbeiten fördern und wird infolgedessen auch den von der Landesregierung formulierten Zielen gerecht. Gerade Phänomene wie das „Dezemberfieber“ belegen, dass es bisher grundsätzlich an nennenswerten Anreizen in diese Richtung fehlte. Mit der Schaffung von eigenverantwortlichen Einheiten mit entsprechenden Kompetenzen (zum Beispiel Globalbudgets) wird nicht nur eine Zuordnung von Leistungen und Kosten ermöglicht, sondern kann auch – beispielsweise im Rahmen des
Jobenrichments – ein Beitrag zur Motivation der Beschäftigten geleistet werden.

[...]


[1] Vgl. Fischer (2007), S. 14 sowie Ministerium der Finanzen Brandenburg (2009), S. 1.

[2] Vgl. Landesregierung Brandenburg (2010).

[3] Vgl. Ritz (2002), S. 15.

[4] Vgl. Jann (2007), S. 15.

[5] Vgl. Eidgenössische Finanzverwaltung (2008).

Details

Seiten
8
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640647224
ISBN (Buch)
9783640647361
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152340
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,3
Schlagworte
Brandenburg New Public Management Verwaltungsreform Dezentralisation von Verantwortung Kontraktmanagement Kosten- und Leistungsrechnung Benchmarking Human Resource Management

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Titel: New Public Management in Brandenburg