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Die Bestimmung wahren Friedens für Aurelius Augustinus

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 17 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung - Zielsetzung und Thema der Arbeit

2. Einordnung in das Gesamtwerk

3. Hintergrund der Entwicklung der Friedenskonzeption

4. Buch XIX - Buch der Friedenskonzeption

5. Die Konzeption des wahren Friedens bei Augustinus - XIX, 12/13
5.1 Kapitel 12: Das Streben nach Frieden als allgemeines Naturgesetz
5.2 Kapitel 13: Das Friedenskonzept von pax und ordo
5.2.1 Die große Pax-Tafel
5.2.2 Die einzelnen Glieder der Pax-Tafel

6. Sind alle menschlichen Friedensbemuhungen vergeblich?
6.1 These: Der wahre Friede ist nur in der civitas Dei moglich
6.2 Gegenthese: Der wahre Friede ist auch in der civitas terrena moglich

7. Der augustinische Friede – Bewertung des Konzepts

1. Einleitung - Zielsetzung und Thema der Arbeit

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird Frieden als Abwesenheit von storenden Fakto- ren oder sogar als Abwesenheit von Krieg und Gewalt definiert. Mit Frieden wird außerdem eine Situation bezeichnet, in der ohne gewaltvolle Mittel Konflikte gelost werden konnen. In dieser Arbeit soll erarbeitet werden, was den wahren Frieden fur Augustinus ausmacht.

„Der Begriff des Friedens - daruber herrscht Konsens in der Augustinusforschung - ist von zentraler Bedeutung fur das Denken des Kirchenvaters.‘[1] Frieden ist das Ziel des gesamten christlichen Denkens und Handelns. Im Hintergrund der Entwicklung seiner Friedenskonzeption steht die Einnahme Roms im Jahr 410 n. Chr. Dadurch schließt das Konzept politische Elemente ein, primar geht es dabei jedoch um die „Stadt Gottes“. Mehrfach weist Augustinus darauf hin, dass erst nach dem Tod ewi- ger und vollkommener Friede eintreten kann.

Nach der Einordnung in das Gesamtwerk und einigen wenigen Hintergrundinforma- tionen geht es an die Untersuchung der Entwicklung des Friedensbegriffes in Buch XIX von De civitate Dei, bei der besonders die Pax-Tafel in Kapitel 13 gute Hinwei- se zur Aufschlusselung der augustinischen Konzeption des wahren Friedens liefert. Daher steht dieses Kapitel neben dem zwolften Kapitel des neunzehnten Buches im Mittelpunkt dieser Arbeit. Daraus soll die Bestimmung des wahren Friedens fur Au­gustinus erarbeitet werden.

Was bewegt den Kirchenvater zu seinem Konzept? Welche Elemente spielen eine Rolle? Was macht wahren Frieden fur Augustinus aus? Ziel der Hausarbeit soll es sein, Antworten auf diese Fragen zu finden. Die so erarbeiteten Grundlagen sollen anschließend der Beantwortung der Frage nach dem Sinn des diesseitigen menschli- chen Bemuhens um das Erlangen wahren Friedens dienen. Sind die irdischen Frie- densbemuhungen der Menschen fur das Erreichen eines wahren Friedens uberhaupt relevant, wenn wahrer Friede erst jenseitig moglich ist? Die wissenschaftliche Arbeit schließt mit einer Bewertung dieses Konzeptes.

2. Einordnung in das Gesamtwerk

In De civitate Dei - „Vom Gottesstaat“ - geht es Augustinus um den Kampf der Menschen zwischen Unglaube und Glaube. Das Werk besteht aus 22 Buchern, die sich in zwei Hauptabschnitte teilen lassen. In den ersten zehn Buchern verteidigt Au­gustinus das Christentum gegen die Heiden und erortert, warum es keinen Sinn macht, an heidnische Gotter zu glauben. Der zweite Teil liefert neben einer ausfuhr- lichen Nacherzahlung der Schopfungsgeschichte die Bestimmung der beiden Staaten - Staat Gottes und irdischer Staat - und das Erreichen des ewigen Lebens bei Gott. Der Streit zwischen den beiden Staaten konne auf Erden nicht entschieden werden. Erst mit dem Jungsten Gericht wird Gott endgultig entscheiden wer welcher Burger- schaft angehoren soll.

Im ersten Buch geht es vor allem um die Eroberung Roms durch die Goten unter der Fuhrung Alarichs und um den Schaden, der dabei verursacht worden ist. Die folgen- den Bucher beschreiben die Gotterverehrung und Kultpraxis der Heiden und die Ge- schichte des Romischen Reiches. Besonders wichtig ist es Augustinus zu betonen, dass der christliche Gott dem heidnischen Gotterhimmel uberlegen ist. Weiter setzt sich Augustinus mit Platon und den Stoikern auseinander. Im zweiten Teil beginnt er mit einer Art Nacherzahlung der biblischen Schopfungsgeschichte und befasst sich im zwolften Buch mit der Frage nach bosen Engeln. Die Dreifaltigkeit Gottes, Tod, Sunde und Auferstehung, die verschiedenen Arten der Liebe - amor sui und amor Dei - und die Propheten des Alten Testaments werden ebenfalls vom Kirchenvater abgehandelt, bevor es schließlich in Buch XIX um Gerechtigkeit und die Bestim- mung des wahren Friedens geht. Nach der Entwicklung seines Friedenskonzeptes handeln die letzten drei Bucher vom Jungsten Gericht und dem Erlangen der ewigen Seligkeit bei Gott. Schon bei der Entwicklung seiner Friedenslehre spielt der escha- tologische Aspekt eine große Rolle. Mit den noch naher zu betrachtenden Ausfuh- rungen in Buch XIX bereitet Augustinus auf die Thematik des Endgerichts und die des Endziels menschlichen Lebens vor. Dieses Thema erhalt im letzten Teil dieser Arbeit besondere Berucksichtigung.

3. Hintergrund der Entwicklung der Friedenskonzeption

Um die Entwicklung des augustinischen Friedenskonzeptes besser verstehen zu kon- nen, ist es hilfreich, kurz auf die Situation der fruhen Christen im Romischen Reich einzugehen. In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten war diese hauptsachlich von zwei Merkmalen gepragt. Zum einen waren die Christen eine unbeliebte Bewe- gung, die sich in einem Status der Duldung befand. Zum anderen hielten sie trotzdem an ihrer Uberzeugung und ihrem Glauben fest, gingen keine Kompromisse mit den damaligen Herrschern ein und nahmen damit die soziale Achtung in Kauf.[2] Christen hatten keinen Zugang zu politischer, wirtschaftlicher oder militarischer Macht. Sie lehnten den Gotterhimmel und andere Gottheiten entschieden ab und hielten am ab- soluten Monotheismus fest, wodurch sie grundlegende Ordnungsvorstellungen des Romischen Staates durchkreuzten und als politisch gefahrlich galten. Christen muss- ten sich aus vielen Bereichen des offentlichen Lebens zuruckziehen und sich oft un- auffallig - etwa in der Nacht - treffen. Daruber hinaus wurde ihnen Desinteresse an Belangen von Staat und Gesellschaft und die Spaltung von Familien und Ehen durch ihre Mission vorgeworfen. Da sie den Militardienst verweigerten und sich nicht am Kult beteiligten, galten sie als nutzlose Burger. Dabei beteuerten sie stets den Res- pekt vor dem Kaiser und ihr Interesse am offentlichen Wohl. Oft waren sie Ubergrif- fen aus der Bevolkerung oder sogar gezielten Verfolgungen des Staates ausgesetzt.[3]

Die konstantinische Zeit zu Beginn des vierten Jahrhunderts brachte schrittweise eine totale Umkehr der eben beschriebenen Merkmale. Das Christentum wurde mit dem Heidentum politisch gleichrangig und schließlich zur Staatsreligion. In den Lebens- jahren Augustinus’ (354-430 n.Chr.) hatte die Kirche so bereits an Macht gewonnen. Unter Kaiser Constantius II. (337-361 n.Chr.) geriet das Heidentum unter Druck, die Kirche wurde mehr und mehr in das Staatssystem integriert und verlor so an Selbst- standigkeit und Freiheit.[4]

Im Jahr 410 eroberten die Goten Rom und plunderten die Stadt. Es war das erste Mal seit uber 1000 Jahren, dass Rom besiegt worden war. Die Heiden gaben dem Chris­tentum die Schuld fur diese Notlage, da ihr Gott allein die Stadt nicht schutzen konn- te, wohingegen die alten Gotter Rom geschutzt hatten.

De civitate Dei ist als Antwort auf diesen Vorwurf zu verstehen. In dieser Friedens- konzeption hat selbst Krieg einen bestimmten Platz, solange dieser bestimmte Krite- rien erfullt, um ein „gerechter Krieg“[5] zu werden.

4. Buch XIX - Buch der Friedenskonzeption

Das Ziel von Augustinus im neunzehnten Buch ist es, die Wahrheit des Christentums zu verteidigen und das Endziel christlichen Lebens zu bestimmen.

Zu Beginn stellt er einen Uberblick der Meinung des romischen Gelehrten Varro dar und errechnet, dass es 288 verschiedene Lehrmeinungen daruber geben musse, was man unter dem „hochsten Gut“ zu verstehen habe. „In dieser ironischen Vorfuhrung will Augustin zeigen, daß der Gottesstaat nur ein Konzept von hochstem Gut und Gluckseligkeit hat, wahrend die Vielzahl der Lehrmeinungen unterstreicht, daß die civitas terrena Babylon, namlich Verwirrung heißt.“[6] Er kommt zu dem Ergebnis, dass es im irdischen Leben unmoglich ist, den wahren Frieden zu erreichen und es so etwas wie ein letztes Gutes auf Erden nicht geben kann. Auch die Armseligkeit des Lebens beschreibt Augustinus in Buch XIX. Die menschliche Gemeinschaft sei voll von Ubeln, wobei eines der großten Ubel der Krieg darstelle, welcher Notstand und Unheil nach sich ziehe. Im folgenden Uberblick sollen die einzelnen Entwicklungs- stufen seiner Friedenskonzeption aufgezeigt werden. Dabei werden besonders die Kapitel 12 und 13 im Mittelpunkt stehen.

Das Kernstuck des Friedenskonzeptes in Buch XIX bilden die Kapitel 11 bis 16. Hier findet eine genaue Definition des Begriffes des ewigen Friedens statt.

Wichtig ist, dass der Mensch allein nicht der Garant des Friedens sein kann. So sehr er sich im irdischen Leben auch bemuhen mag, das eigene Gluck zu erreichen, ist es verglichen mit dem wahren Frieden nichts als Elend. Der Mensch bedarf der Hin- wendung zu Gott. Denn diese „[...] allein garantiert eine pax ordinata und concor- dia.““[7]

[...]


[1] Vgl. BROX, Norbert, Kirchengeschichte des Altertums, Dusseldorf: 2004, 42ff., kunftig zitiert: BROX, Kirchengeschichte.

[2] Vgl. BROX, Kirchengeschichte, 48ff.

[3] Vgl. BROX, Kirchengeschichte, 59ff.

[4] Auf die in der Literatur viel diskutierte Thematik des gerechten Krieges soll in dieser Arbeit nicht naher eingegangen werden.

[5] GEERLINGS, Wilhelm, Augustin und der antike Friedensgedanke, in: GRABER, Klaus, Erfahrung und Deutung von Krieg und Frieden, 63-81, Munchen: 2001, hier: 69, kunftig zitiert: GEERLINGS, Antiker Friedensgedanke.

[6] GEERLINGS, Antiker Friedensgedanke, 70.

[7] AURELIUS, Augustinus, De civitate Dei, Buch XIX, Kapitel 12, 547. kunftig zitiert: civ. XIX

Details

Seiten
17
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640642793
ISBN (Buch)
9783640643011
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152372
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Katholisch-Theologische Fakultät
Note
1,3
Schlagworte
Frieden Augustinus Kirchenväter Theologie katholisch

Autor

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