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Die Humanvermögensrechnung als Grundlage eines modernen Human Ressource Accounting zur Unterstützung der Unternehmensführung

Seminararbeit 2005 26 Seiten

BWL - Controlling

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG
1.1. Problemstellung
1.2. Zielsetzung
1.3. Vorgehensweise

2. CHARAKTERISIERUNG DER HUMANVERMÖGENSRECHNUNG UND DEM HUMAN RESSOURCE ACCOUNTING
2.1. Definition der Humanvermögensrechnung
2.2. Definition des Human Ressource Accounting
2.3. Organisatorische Eingliederung in die Unternehmensführung

3. MÖGLICHKEITEN DER ERFASSUNG UND BEWERTUNG VON HUMANVERMÖGENSWERTEN
3.1. Inputorientierter Ansatz
3.2. Outputorientierter Ansatz

4. GRENZEN DER ERFASSUNG UND BEWERTUNG VON HUMANVERMÖGENSWERTEN

5. BEITRAG DER HUMANVERMÖGENSRECHNUNG UND DEM HUMAN RESSOURCE ACCOUNTING ZUR UNTERNEHMENSFÜHRUNG

6. BEGUTACHTUNG DES HRA ANSATZES

7. SCHLUSS

LITERATURVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abb.1: Klassifizierung der Ansätze zur HC-Ermittlung Quelle: Scholz (2004), Human Capital Management Seite: 51

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

„Und jetzt steh ich vor der Qual der Wahl,
was meint das Wort Humankapital,
es ist banal und gilt global,
der eine findet's phänomenal;

Bist du liberal ist es epochal,
für andere ist es echt fatal;
ich sag dazu ganz unsentimental,

Wer's nutzt, dem ist der Mensch egal
er sieht in ihm nur das Material,
pfeift ganz brutal auf die Moral
und macht den Sprachskandal total.

[...] Ja immer mehr stelle ich jetzt fest,
dass das soziale Gewissen uns verlässt,
die Ökonomisierung der Gesellschaft schreitet voran,
ich frag' mich wer ist als nächstes dran.

Ein jeder Unternehmer nach längerer Arbeitszeit schreit,
so verlängert sich die Realarbeitszeit
und die Rechnung sie ist echt banal
man erhält mehr Profit aus dem Humankapital
und das letzte Jahr hat es gezeigt,
dass die Arbeitslosigkeit immer weiter steigt.“[1]

Humankapital, das Unwort des Jahres 2004, so argumentierten die Linguisten, meine eigentlich: Ob Maschine oder Mensch, alles egal, alles nur Material. Michael Litschka, Experte beim Kompetenzzentrum für Humanvermögen in Klosterneuburg formuliert seine Kritik so: "Die Unwort-Entscheidung ist weder wirtschaftlich noch ethisch gerechtfertigt und von einer völlig falschen Vorstellung des Konzepts getragen."[2] Es ist völlig unsinnig, wenn Unternehmen in ihrem Anspruch und Bekenntnis "Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital" ernst genommen werden sollen - aber niemand kennt dieses Kapital. Humankapital sieht die Menschen im Unternehmen nicht menschenverachtend als ökonomisierbare Masse, sondern als Wert und Erfolgsfaktoren des Unternehmens - und gerade nicht mehr nur als Verursacher von Kosten.[3] Noch bis vor kurzem ging man davon aus, dass der in den herkömmlichen Bilanzen erfasste "Wert" eines Unternehmens - z.B. Gebäude, Produktionsanlagen usw. - die Gesamtheit seiner Vermögenswerte ausreichend widerspiegelt. Mit der Herausbildung der "Wissensökonomie" wurde diese traditionelle Bewertung der Aktiva jedoch in Frage gestellt, denn man erkannte, dass das Humankapital zu einem immer bedeutenderen Bestandteil des Gesamtwertes eines Unternehmens wird.[4] Diese steigende Bedeutung des Faktors Mensch bringt die Notwendigkeit mit sich, diesen wichtigen Faktor, seine Bedeutung und den durch ihn zu erwartenden Erfolg, zu messen und zu bewerten. Aus dieser Ausgangssituation ergibt sich die eigentliche Problemstellung der vorliegenden Arbeit. Die Problemstellung befasst sich mit der Messbarkeit des Humanvermögens, hier speziell durch das Human Ressource Accounting. Es stellt sich also die Frage, ob das Human Ressource Accounting, als Instrument des Personalcontrollings überhaupt für den Zweck der Humanvermögensrechnung beziehungsweise der Bewertung von Humanvermögen geeignet ist.

1.2. Zielsetzung

Basis dieser Arbeit ist es, deutlich zu machen, dass die Bestimmung von Humanvermögen insbesondere in Zeiten des Wandels sowie durch die zunehmende komplexere und dynamischere werdende Umwelt notwendig und in Ansätzen auch bereits möglich ist. Die Zeit des Wandels macht deutlich, wie wichtig und notwendig immaterielle Güter, insbesondere das dazu zählende Humankapital, für den Erfolg von Unternehmen in der Informations- und Dienstleistungsgesellschaft sind. Die starken Kursschwankungen der letzten Jahre an den weltweiten Finanzmärkten haben deutlich gezeigt, dass reine Umsatzzahlen heute nicht mehr ausreichen, um ein Unternehmen marktgerecht zu bewerten. Im Rahmen dieser Arbeit, soll dem Leser das HRA zur Berechnung und Ermittlung von Humanvermögenswerten erläutert werden. Als Schwerpunkt dieser Ausarbeitung wird sowohl der inputorientierte als auch der outputorientierte HRA-Ansatz dargestellt. Vor dem soeben beschriebenen Hintergrund ist das Ziel dieser Arbeit zu bestimmen, inwieweit das HRA für die Humanvermögensrechung, im Bereich Personalcontrolling für die Unternehmensführung möglich ist und sinnvoll erscheint.

1.3. Vorgehensweise

Zuerst werden die hier verwendeten Begriffe definiert, in dem Zusammenhang werden Abgrenzungen bzw. Parallelen des HRA und der HVR erläutert. Hierbei wird auch auf den Begriff, die Entwicklung und die Bedeutung des Humanvermögens eingegangen. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit erfolgt eine Darstellung über verschiedene Eingliederungsmöglichkeiten des HRA als Instrument des Personalcontrollings in die Unternehmensführung. In dem dann folgenden Teilabschnitt werden Möglichkeiten der Erfassung und Bewertung der Humanvermögenswerte durch das HRA abgebildet. Im Anschluss daran werden die Grenzen der Humanvermögensrechnung, hier speziell des HRA in der betrieblichen Praxis aufgezeigt. Anschließend wird der Beitrag des Personalcontrollings, hier der Humanvermögensrechung durch das HRA zur Unternehmensführung dargestellt. Zuletzt finden eine kritische Betrachtung der Humanvermögensrechnung sowie eine Beurteilung des HRA statt. Am Ende steht eine Zusammenfassung mit einem Fazit, welches einen Ausblick über die zukünftige Bedeutung der Humanvermögensrechnung gibt.

2. Charakterisierung der Humanvermögensrechnung und dem Human Ressource Accounting

Um die Begriffe Humanvermögensrechnung und Human Ressource Accounting zu verstehen, bedarf es zuerst einer Definition der menschlichen Ressource bzw. dem „Produktionsfaktor Mensch“. Jedes Unternehmen verfügt über menschlichen Ressourcen, welche ein unverzichtbares Element der betrieblichen Faktorkombination darstellen.[5] Es gilt nun zu untersuchen, inwieweit der „Produktionsfaktor Mensch“ bzw. das von ihm verkörperte Leistungspotential als „Vermögen“ einer Unternehmung angesehen werden kann. Als menschliche Ressourcen können z.B. menschliche Kenntnisse, Fähigkeiten, Einstellungen, Bedürfnisse oder Erwartungen bezeichnet werden.[6] Diese Ressourcen, auch "Humankapital" genannt lassen sich - wie andere materielle und immaterielle Vermögensbestandteile von Unternehmen auch - in Geldbeträgen ausdrücken.[7] Synonyme Begiffe für das Humankapital, sind das Humanvermögen, die Humanressourcen und das Humanpotenzial, wobei auch oftmals die englischen Begriffe human capital, human resources bzw. human assets verwendet werden. In der neueren Managementliteratur wird das Humankapital dem Intellektuellen Kapital (intellectual capital) zugeordnet. Als betriebliches Humankapital werden neben den Mitarbeitern (=individuelles Humankapital, d.h. die in den Mitarbeitern verkörperten Fertigkeiten, Fähigkeiten, Wissen, Erfahrung, Motivation, Innovationsfähigkeit, etc.) die Personalprozesse (=dynamisches Humankapital, d.h. alle Prozesse zur Beschaffung, Entwicklung, Einsatz und Freisetzung der Mitarbeiter. Im Wesentlichen ist damit das betriebliche Personalmanagement gemeint.) und Personalstrukturen (=strukturelles Humankapital, d.h. sowohl die Aufbauorganisation des Personalbereichs als auch die aus dem Personalmanagement resultierende Mitarbeiterstruktur (nach Qualifikationen, Alter, Geschlecht, etc.)) gezählt.[8]

2.1. Definition der Humanvermögensrechnung

Bei der Humanvermögensrechung handelt es sich um die Berechnung von Humanvermögen. Um das Konzept des Human Ressource Accounting zu verstehen, ist eine tiefergehende Definition unabdingbar. Humanvermögen ist das von Menschen durch Aus- und Weiterbildung und durch Berufserfahrung erworbene und erweiterte Potential an wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. Es repräsentiert das Wissen und Können der Mitarbeiter eines Unternehmens und bildet somit die Summe des so genannten immateriellen Vermögens. Weitere Aspekte, die den Wert des Humanvermögens und somit den Unternehmenswert beeinflussen können, sind vor allem: Wissen, Ausbildung, Berufserfahrung, Alter, Sozialkompetenz, Gesundheit, Arbeitsmoral, Motivation, Einsatzbereitschaft und Identifikation mit dem Unternehmen. Dieses Humanvermögen ist die Grundlage für die Humanvermögensrechung. Die aus dem Amerikanischen stammende Humanvermögensrechnung (dort als Human Resource Accounting bezeichnet) wird mittlerweile auch in Deutschland intensiv diskutiert.[9] Das Konzept der Humanvermögensrechnung wurde ursprünglich als Verfahren zur Erfassung, Bewertung und Verbreitung von Informationen über das Humanvermögen definiert, das zu einem effektiveren Unternehmensmanagement beitragen soll.[10]

Die wesentlichen Aufgaben einer solchen Rechnung bestehen in

- der Bereitstellung von Systemen mit Angaben über Kosten und Wert von Mitarbeitern einer Organisation,
- dem Aufbau einer Datenbank mit quantitativen und qualitativen Daten und
- der Entwicklung von Prognose- und Planungsmodellen.

Antizipativ lässt sich bemerken, dass Kritiker dieses Ansatzes hingegen die Aussagekraft der Humanvermögensrechnung bezweifeln und verweisen auf die teilweise Willkür der zugrunde liegenden Annahmen.[11] Zur Bewertung des Humanvermögens gibt es eine Vielzahl von Ansätzen, folgend wird der HRA-Ansatz als ein Accounting- orientierter Ansatz näher betrachtet.

2.2. Definition des Human Ressource Accounting

Das Human Resource Accounting (bzw. Human Asset Accounting oder Human Resource Measurement) dient der Erfassung der menschlichen Ressourcen bzw. der Humanvermögenswerte für das Rechnungswesen.[12] Im deutschen Sprachbereich werden für HRA die Ausdrücke Humanvermögensrechnung, Humankapitalrechnung, Humanpotenzialrechnung, Personalaufwandsrechnung, personalbezogenes

Rechnungswesen und andere mehr verwendet.[13] Der Ansatz zählt zu den Accounting - orientierten Ansätzen und ist Anfang der 60er Jahre entstanden.[14] Das HRA dient mit der Betrachtung der menschlichen Ressourcen einer managementorientierten Verbesserung der internen Datenbasis zwecks Verbesserung der Entscheidungsgrundlage (Management Accounting). Bei der Messbarkeit der Humanvermögenswerte kann man grundsätzlich zwischen den Bewertungsmodellen für den einzelnen Mitarbeiter sowie für Mitarbeitergruppen unterscheiden.[15] Die Bewertung des Humanvermögens kann aber momentan nur für Unternehmenszwecke herangezogen werden, da derzeit weder nach US-GAAP, IAS noch HGB ein entsprechender Bilanzausweis für externe Adressaten vorgesehen ist.[16] Dies ist wohl im Wesentlichen auf den berechtigten Einwand, dass das betriebliche Personal nicht als Eigentum des Unternehmens anzusehen ist, zurückzuführen. Trotzdem bietet der HRA-Ansatz die Möglichkeit, nicht nur den börsenbezogenen Unternehmenswert zu diskutieren, sondern auch den mitarbeiterbezogenen Wert des Human Kapitals.[17] Allgemeine Zielsetzung des HRA ist es, eine Wertgröße für das in einer Organisation tätige Personal als eine ihrer wichtigsten erfolgswirksamen Ressourcen zu ermitteln. Der Grundgedanke des HRA ist, dass personalbezogene Aufwendungen, zum Beispiel für Personalentwicklung, eindeutigen Investitionscharakter haben. Im Unterschied zu Investitionen in Sachanlagen wird der durch sie geschaffene Wert aber nicht im Rechnungswesen erfasst und ihr Nutzen in späteren Perioden auch nicht verursachungsgemäß zugerechnet.

[...]


[1] www.spd-dinkelsbuehl.de/Inhalte/Aschermittwoch.htm; Stand: 04.04.05

[2] Miriam Koch (Die Presse) 07.03.2005; Wie man den Wert von Arbeitskräften bemisst; Diepresse.com.

[3] Scholz & Stein, Humankapital: Jetzt erst recht!; www.org-portal.org/portal/artikel.php?did=594; Stand: 06.04.05.

[4] Humanvermögensrechnung - Interessen und Konflikte; www2.trainingvillage.gr/download/Cinfo/Cinfo398/C38A2DE.html; Stand: 05.04.05.

[5] Vgl. Aschoff (1978), S. 38.

[6] Vgl. Wächter (1974), S. 38.

[7] Scholz & Stein; Human Capital-Bewertung mit "Accounting For The Future"; www.org-portal.org; Stand: 05.04.05

[8] Humankapital aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

[9] Die Humanvermögensrechnung; www.mkonetzny.de/aufsatz/perc.htm; Stand: 06.04.05.

[10] Definition der Humanvermögensrechnung; www2.trainingvillage.gr/download/Cinfo/Cinfo398/C38A2DE.html; Stand: 05.04.05.

[11] Die Humanvermögensrechnung; www.mkonetzny.de/aufsatz/perc.htm; Stand: 06.04.05.

[12] Vgl. Likert (1961), S. 61 ff.

[13] Scholz, Stein, Bechtel (2004), S. 80.

[14] Scholz & Stein; Human Capital-Bewertung mit dem Human Ressource Accounting; www.org- portal.org; Stand: 04.05.05.

[15] Scholz, Stein, Bechtel (2004), S. 80.

[16] Vgl. Wall / Gebauer (2002), S. 311ff.

[17] Scholz, Stein, Bechtel (2004), S. 5.

Details

Seiten
26
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640645374
ISBN (Buch)
9783640645442
Dateigröße
613 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152455
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule – FOM
Note
2,3
Schlagworte
Humanvermögensrechnung HCM Humankapital Human Capital Humanressourcen HRA HVR Humanvermögenswerte Human Ressource Accounting Humanpotenzial Controlling Personalmanagement HR Personalwesen Personalcontrolling Personalaufwand Human Cost Accounting Opportunitätskosten Datenerhebungsproblem Akzeptanzproblem Methodenproblem Unternehmensführung Management FOM Stefan Wiegand

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