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Der Begriff der Gerechtigkeit in John Rawls „Eine Theorie der Gerechtigkeit“ und seine Problematisierung angesichts aktueller sozialer und wirtschaftlicher Probleme

Facharbeit (Schule) 2010 14 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die zentralen gedanklichen Eckpfeiler in John Rawls „Eine Theorie der Gerechtigkeit“
2.1 Definition des Begriffs Gerechtigkeit bei Rawls
2.2 Abgrenzung von Utilitarismus und Altruismus
2.3 Die Gerechtigkeitsgrundsätze bei John Rawls
2.4 Der Urzustand
2.5 Das Differenzprinzip

3. Aufzeigung der Aktualität des Rawlsschen Denkens anhand von authentischen Beispielen
3.1 Medizinische Versorgung in Deutschland für Menschen ohne Papiere
3.2 Bildungsgerechtigkeit
3.3 Expandierende Kluft zwischen Arm und Reich

4. Zusammenfassung der Ergebnisse und Reflektion bezüglich der Bedeutung des Werks

Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

Die vorliegende Facharbeit hat zum Ziel den im Hauptwerk des amerikanischen Philosophen John Rawls „Eine Theorie der Gerechtigkeit“[1] eingeführten und legitimierten Gerechtigkeitsbegriff zu untersuchen und diesen auf aktuelle soziale und wirtschaftliche Probleme zu beziehen.

Da die als Leistungsgesellschaft bezeichnete heutige menschliche Gemeinschaft viele Fragen nach Gerechtigkeit, Fairness und Chancengleichheit auf Grund der expandierenden Kluft zwischen Arm und Reich, der verminderten Bildungschancen von Migranten, sowie der eingeschränkten medizinischen Versorgung aufwirft, ist es offensichtlich diesen Begriff an Hand der heutigen Verhältnisse zu problematisieren und abschließend ein objektives Urteil über ihre Rechtfertigung zu fällen.

Der Hauptschwerpunkt soll erstmal dabei liegen eine ausführliche Einführung in die Kernthesen und die Lösungsansätze John Rawls zu schaffen und diese im weiteren Verlauf als gedankliche Basis anzuwenden.

Als Ergebnis soll eine begründete Schlussfolgerung auf die heutige Gesellschaft entstehen, die einen Blick auf mögliche zukünftige Entwicklungen nach sich zieht.

Dabei soll im ersten Schritt das Werk John Rawls und seine wichtigsten Gedankengänge präsentiert und illustriert werden und nachfolgend eine kritische Überleitung zu heutigen Beispielen geschaffen werden.

Im Zuge dieser Präsentation wird vom Gerechtigkeitsbegriff John Rawls auf seine Intention und die damit verbundene Konkretisierung seiner Position übergeleitet und abschließend mündet diese in seinen zentralen Ideen und Ansätzen.

Den Abschluss bildet die Anwendung der Rawlsschen Gerechtigkeitsgrundsätze anhand dreier grundverschiedener authentischer Beispiele mit Hilfe derer die Aktualität und die Bedeutung des Rawlsschen Denkens für heutige gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Debatten aufgezeigt wird.

2. Die zentralen gedanklichen Eckpfeiler in John Rawls „Eine Theorie der Gerechtigkeit“

2.1 Definition des Begriffs Gerechtigkeit bei Rawls

Der Begriff Gerechtigkeit findet in John Rawls Ausführungen vorwiegend eine Verankerung in der Gesellschaft und nicht als höchstes moralisches Gut des Menschen.

Das heißt, dass es die Aufgabe des Staates ist, den im Folgenden näher bestimmten Gerechtigkeitsbegriff in den verschiedenen Institutionen, Gesetzen und in der Verfassung zu verankern. Folglich besitzt in John Rawls Werk „Eine Theorie der Gerechtigkeit“ nicht das Individuum als solches eine tragende Rolle, sondern wird nur aus seiner Position in der Gesellschaft heraus betrachtet.

Zwar betont Rawls, dass die Gerechtigkeit auch bei der Reflektion von „Entscheidungen, Urteilen und moralischen Bewertungen“ (T.G. S.23) eine tragende Rolle spiele, aber weist gleichzeitig daraufhin, dass es ihm ausschließlich um die soziale Gerechtigkeit gehe.

Dabei versucht er den Gegenstand seines Werks zu konkretisieren und betrachtet hierfür „die Grundstruktur der Gesellschaft als den ersten Gegenstand der Gerechtigkeit“( T.G. S.23).

Nebenher hebt er die Bedeutung der Verfassung hervor, welche entscheidend für die Einhaltung der Gerechtigkeit und der Chancengleichheit sei.

Als Beispiele für Institutionen fügt Rawls „die gesetzlichen Sicherungen der Gedanken- und Gewissensfreiheit, Märkte mit Konkurrenz, das Privateigentum an den Produktionsmitteln und die monogame Familie“( T.G. S.23).

Gleichzeitig legen die Institutionen die Rechte und Pflichten der Menschen fest und beeinflussen entscheidend ihre Lebenschancen. Daher sind die Institutionen entscheidend, um die Gerechtigkeit innerhalb einer Gesellschaft bzw. eines Staates zu festigen und zu beschützen.

Alles in allem, hebt er die enorme Bedeutung der Gerechtigkeit im Allgemeinen zum Gelingen der Gesellschaft hervor und rechtfertigt diese als den Utilitarismus entgegen gesetzte Position.

2.2 Abgrenzung von Utilitarismus und Altruismus

Nach John Rawls Auffassung steht der Utilitarismus im direkten Widerspruch zur Gerechtigkeit, welche z.B. durch einen Polizei- und Militärstaat verletzt wird[2] (vgl.S.15), aber streng genommen utilitaristisch betrachtet ein moralisches System ist. In diesem Beispiel würde die Gesellschaft einen Gesamtnutzen tragen, wobei aber Grundrechte, wie z.B. die Freiheit, verletzt werden würden. Dies bedeutet, dass der Utilitarismus den Gesamtnutzen höher stellt als die vorgeschriebenen und allseits anerkannten Grundrechte der Menschen.

Darüber hinaus überträgt der Utilitarismus ein individuelles Handlungsmotiv auf die gesamte Gesellschaft, indem dieser die Gesellschaft als die Summe aller Individuen ansieht und nicht jedes Individuum einzeln betrachtet.

Rawls betont im Wesentlichen, dass der Fehler des Utilitarismus darin liege, dass „alle Menschen zu einem zusammengefasst werden“(T.G. S.45).

Damit ist der Utilitarismus ein Lösungsansatz, der zwar auf den ersten Blick rational erscheint, aber in Wirklichkeit die „Verschiedenheit“(T.G. S.45) der Menschen unberührt lässt. Das bedeutet, dass John Rawls in seinen Ausführungen sich stets vom besagten utilitaristisch bzw. teleologischem Gedankengut abgrenzen und einen eigenen Ansatz finden will.

Überdies beabsichtigt John Rawls sich mit seiner Theorie von einer anderen Anschauung, dem Altruismus abzugrenzen, welchen er als unvernünftig ansieht (vgl. T.G. S.30).

Der Altruismus umfasst die Fähigkeit des Menschen seine Handlungs- bzw. Betrachtungsweise nicht nur auf das eigene Subjekt zu beziehen, sondern auch in selbstloser Weise, d.h. zum Vorteil anderer Individuen, einer Gemeinschaft oder auch eines eher abstrakten Ideals, zu handeln[3].

Um einen Kontrast zum Altruismus zu schaffen definiert Rawls den Begriff der Vernünftigkeit, welchen er als die Fähigkeit verstehe, zu gegebenen Zielen die wirksamsten Mittel einzusetzen und stellt dabei die Prämisse auf, dass die Menschen dabei keine aufeinandergerichteten Interessen besitzen.

[...]


[1] Gegenstand dieser Facharbeit ist John Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit. Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, 1975 im Folgenden zitiert als T.G.

[2] Vgl. Eine Theorie der Gerechtigkeit: Otfried Höffe. Akademie Verlag GmbH, Berlin 1998

[3] Vgl. http://www.ib.hu-berlin.de/~wumsta/infopub/semiothes/lexicon/default/do3.html

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Titel: Der Begriff der Gerechtigkeit in John Rawls „Eine Theorie der Gerechtigkeit“ und seine Problematisierung angesichts aktueller sozialer und wirtschaftlicher Probleme