Lade Inhalt...

Fabeln verstehen und gestalten - Unterrichtsstunde im Fach Deutsch, Klassenstufe 8

Unterrichtsentwurf 2009 13 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Analyse der Lerngruppe

2 Sachanalyse

3 Bezug zu den RRL und Einordnung der Stunde in die Sequenz

4 Lernziele

5 Didaktische Überlegungen

6 Methodische Überlegungen

7 Verzeichnis der verwendeten Literatur

8 Anhang
8.1 Verlaufsplan
8.2 Arbeitsmaterialien
8.3 Sitzplan

1 Analyse der Lerngruppe

Die Klasse 82 unterrichte ich seit September 2008 im Rahmen des betreuten Unterrichts. Die Klasse gilt in ihrem Disziplinverhalten und Lernverhalten als problematisch. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass neben einer Häufung von leistungsschwachen Schülern auch einige Schüler die Klassenstufe wiederholen und zu Beginn des Schuljahres neu in den Klassenverband aufgenommen worden sind. Hier ergeben sich gruppendynamische Orientierungskonflikte mit den typischen Erscheinungen der Cliquenbildung und des Außenseitertums. Diesen Formen wird zusätzlich durch das Lebensalter der Schüler (14-15 Jahre) Vorschub geleistet, da sie sich im Entwicklungsabschnitt der Pubertät befinden.

Die Klasse setzt sich aus 23 Schülern zusammen, wovon 9 Mädchen sind und 14 Jungen. 6 Schüler haben einen Migrationshintergrund, bilden aber durchaus einen Teil der Leistungsspitze der Klasse ab. Vor allem S1, S2 und S3 zeigen gute bis sehr gute Leistungen im Fach Deutsch, ebenso S4. Die Jungen sind generell leistungsschwächer als die Mädchen und auch bei der Mitarbeit zurückhaltender. Einige wollen die Klasse am Ende des Schuljahres verlassen oder streben die Allgemeine Hochschulreife gar nicht an, so z.B. S5, S6 und S7. Die Schüler S8, S9, S10 und S11 sind dagegen sehr um Mitarbeit und befriedigende Leistungen bemüht, aber in der Entfaltung ihres Leistungspotenzials durch die mangelhafte Unterrichtsdisziplin stark gehemmt.

Es hat sich gezeigt, dass die Schüler bei allen Lernformen, die den Frontalunterricht durchbrechen mit Eifer, Freude und hoher Konzentration mitarbeiten. Aus diesem Grund wird angestrebt, so oft wie möglich eine Phase der Partnerarbeit oder Gruppenarbeit zu realisieren. Positive Erfahrungen bestehen auch durch bereits angewandte produktions- und handlungsorientierte Methoden, bei denen die Schüler ein hohes Maß an Kreativität und Befähigung zeigten. Durch diese Erfahrungen wurde offensichtlich, dass der durch Zensuren ermittelte Leistungsstand der Schüler das individuelle Leistungspotenzial nicht adäquat abbildet.

Das Disziplinverhalten der Klasse hat sich im Fach Deutsch während meiner Unterrichtstätigkeit merklich verbessert. Anfangs waren die Unterrichtsphasen stark von Verhaltensauffälligkeiten und einer verweigernden Arbeitshaltung determiniert. Inzwischen hat die Klasse einen Entwicklungsprozess durchlaufen, der darin zum Ausdruck kommt, dass der Unterricht zunehmend von einer produktiven Arbeitsatmosphäre bestimmt wird. Das Schüler-Lehrer-Verhältnis ist nach anfänglichen Schwierigkeiten sehr gut und es bestehen keine grundlegenden Differenzen. Die positive Entwicklung der Klassensituation wird nicht zuletzt auch durch den erfolgreichen Besuch der Leipziger Buchmesse dokumentiert, den die Schüler mit Interesse verfolgt haben.

Der Unterricht findet in der 4. Stunde statt, die Schüler haben zuvor keine außergewöhnlichen Belastungen und der Unterrichtsraum genügt allen wesentlichen Anforderungen.

2 Sachanalyse

Die Fabel (lat. fabula: Geschichte, Erzählung) blickt in der Literaturgeschichte auf eine lange Tradition zurück, die bis in das klassische Altertum reicht. Wesentliche Merkmale einer Fabel sind die anstelle von Menschen auftretenden Tiere, die sich konträr gegenüberstehen und in diesem Sinne eine dialektische Struktur determinieren. Fabeln sind im Umfang kurz, pointiert, episch und dialogisch zugleich.[1]

Die kurze, lehrhafte Erzählung gliedert sich zumeist in einen einleitenden Erzählteil, in welchem der Konflikt geschildert wird. Daran schließt sich der Dialogteil an, in welchem die Tiere in ihren gegensätzlichen Verhaltensweisen und Interessen vorgestellt werden und miteinander in Kommunikation treten. Im Schlussteil, der Lösung, wird häufig die Moral bzw. Lehre formuliert. Das geschieht jedoch nicht immer explizit und der Lehrsatz kann des Weiteren vorangestellt sein. Fabeln üben Kritik am Einzelnen oder an der Gesellschaft.[2]

In der vom griechischen Fabeldichter Äsop stammenden Fabel „Der Fuchs und der Ziegenbock“ ist der hinterlistige Fuchs in eine ausweglose Situation geraten. Er benutzt den gutgläubigen Ziegenbock, um sich aus seiner misslichen Lage zu befreien. Hierbei werden zwei Menschentypen dargestellt, die zum einen Schlauheit, Falschheit und Gerissenheit und zum anderen Dummheit und Arglosigkeit verkörpern. Der anfangs überlegene Ziegenbock, der dem unterlegenen Fuchs hilfsbereit entgegentritt, muss die bittere Erfahrung machen, dass er bei einer Umkehrung der Ausgangslage vom Fuchs keine Hilfe erhält. Die Lehre der Fabel kann in folgenden Imperativsätzen ausgedrückt werden: „Erst überlegen, dann handeln!“ und „Vertraue niemandem, den du nicht kennst!“[3]

Eine veränderte Fassung der Fabel „Der Fuchs und der Ziegenbock“ kann durchaus auf das Thema Dankbarkeit und Freundschaft abzielen, wobei der Fuchs sich aus Dank für die erhaltene Hilfe beim Ziegenbock revanchiert. Ebenso könnte der Ziegenbock einen egoistischen Charakter offenbaren und sich nach dem Stillen seines Durstes aus eigener Kraft aus dem Brunnen befreien und den hilflosen Fuchs zurücklassen.

In der Fabel „Die Grille und die Ameise“ (Brigitte Noder) sind die kluge, vorsorgende Ameise und die einfältige Grille gegenübergestellt. Während die Ameise mühsam Wintervorräte sammelt, geht die Grille den ganzen Sommer über ihren Neigungen nach. Nach der einleitenden Situationsdarstellung und dem Dialogteil folgt abrupt die Lösung: die Ameise zieht sich ohne der Grille zu helfen in ihren Bau zurück. Die Lehre lautet: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ oder „Ohne Fleiß keinen Preis“.[4]

3 Bezug zu den RRL und Einordnung der Stunde in die Sequenz

Die Unterrichtsstunde ist eine Einführungsstunde in die 8 Stunden umfassende Unterrichtssequenz „Produktions- und handlungsorientierter Umgang mit epischen Texten am Beispiel der Fabel“. In dieser Sequenz soll neben den formalen Merkmalen zur Fabel ein Schwerpunkt auf den produktiven Umgang mit Fabeln gelegt werden, welcher auch in der Einführungsstunde Berücksichtigung findet.

Die Schülerinnen und Schüler festigen und erweitern ihre Kenntnisse und Fähigkeiten im Umgang mit Fabeln, die sie bereits in den Klassenstufen fünf und sechs erworben haben. Den Anforderungen der Rahmenrichtlinien ist bei der Anlage der Unterrichtsstunde sowie der gesamten Unterrichtssequenz unter anderem durch die bereichsübergreifende Berücksichtigung folgender Aufgabenbereiche Rechnung getragen worden: Aufgabenbereich 3 (Umgang mit Texten) sieht die Behandlung von Fabeln unter Beachtung gattungs- und genrespezifischer Merkmale und das Erschließen formaler Strukturen vor. Aufgabenbereich 1 (Mündlicher und schriftlicher Sprachgebrauch) sieht vor, Äußerungen und Texte zusammenhängend formulieren zu können und Aufgabenbereich 2 (Reflexion über Sprache und Sprachgebrauch) das bewusste Einsetzen der Sprachkenntnisse beim Sprechen und Schreiben.[5]

Thema der Unterrichtssequenz – Produktions- und handlungsorientierter Umgang mit epischen Texten am Beispiel der Fabel

Stunde Inhalte

1. Einführung in die Sequenz „Fabel“ – Fabeln verstehen und gestalten
2. Akteure der Fabel – Tiere und ihre Eigenschaften, Arbeit an ausgewählten Fabeln
3. Zu einer Bildergeschichte eine Fabel schreiben
4. Vom Lehrsatz zur Fabel – Aus Lehrsätzen Fabeln schreiben
5. Fabelhafte Variationen – zu einem Lehrsatz verschiedene Fabeln schreiben
6. S6 Luther: „Die Stadtmaus und die Feldmaus“ – kreativer Umgang mit Fabeltexten (Gruppenarbeit)
7. Wilhelm Busch: "Fink und Frosch" – eine Fabel analysieren und aus der Perspektive eines Tieres umschreiben
8. Moderne Fabeln: „75 Fabeln für Zeitgenossen“ (James Thurber) – Arbeit mit ausgewählten Fabeln über die moderne Gesellschaft (Ironie und Satire)

4 Lernziele

Grobziel der Stunde: Die Schülerinnen und Schüler sollen ihre Kenntnisse zur Fabel aus dem Vorwissen aktivieren und ihr grundlegendes Verständnis zu den formalen Merkmalen festigen, indem sie diese textproduktiv anwenden können.

Kognitive Feinziele: Die Schülerinnen und Schüler

1. kennen die formalen Merkmale einer Fabel.
2. wissen, dass durch eine Fabel Kritik an einem Einzelnen oder der Gesellschaft vermittelt wird.

[...]


[1] Vgl. Lutz u. Müller 1999, S. 13.

[2] Vgl. Schurf u. Wagener 2007a, S. 329.

[3] Vgl. Watzke 2003, S. 63.

[4] Vgl. ebd. S. 47f.

[5] Vgl. Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt 2003, S. 54ff.

Details

Seiten
13
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640650163
ISBN (Buch)
9783640650569
Dateigröße
580 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152532
Institution / Hochschule
Staatliches Seminar für Lehrämter Halle
Note
1,5
Schlagworte
Fabel Unterricht Deutschunterricht Schule Unterrichtsentwurf Planung Material

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Fabeln verstehen und gestalten - Unterrichtsstunde im Fach Deutsch, Klassenstufe 8