Lade Inhalt...

Wie entsteht Konformität?

Der Einfluß von Minoritäten und Majoritäten

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 12 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Konformitat?

3. Der Einflufi von Majoritaten
3.1. Informationseinflufi und normativer Einflufi
3.2. Die Wirkung von normativem Einflufi und Informationseinflufi
3.3. Zusammenfassung

4. Der Einflufi von Minoritaten
4.1. Konsistenz
4.2. Attributionserklarung
4.3. Zusammenfassung

5. Wie wirkt der Einflufi von Minoritaten und Majoritaten?
5.1. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In manchen sozialen Gruppen tritt eine Gleichgestaltung des auBeren Erscheinungsbildes auf. So kann zum Beispiel das Aussehen der Kleidung von verschiedenen Mitgliedern in einer Freizeitclique ahnlich sein. Neben der „Gleichschaltung“ von AuBerlichkeiten besteht jedoch auch die Moglichkeit, daB sich die einzelnen Mitglieder der in der Gruppe herrschenden Meinung anpassen, obwohl ihre eigene Meinung eine ganz andere ist.[1]

Warum laBt sich in sozialen Gruppen konformes Verhalten beobachten? Was ist Konformitat und wie entsteht sie eigentlich? Welche Bedeutung spielt der EinfluB von Minoritaten und Majoritaten bei diesem ProzeB? Die aufgeworfenen Fragen sollen im Rahmen dieser Hausarbeit naher untersucht werden.

2. Was ist Konformitat?

Nahezu alle Menschen ordnen sich selbst einer sozialen Gruppe zu, sei es der Freundeskreis oder der Sportverein. Diese soziale Gruppe ist die Bezugsgruppe fur ihre Mitglieder und beeinfluBt diese in ihrem jeweiligen Denken und Handeln. Die Bezugsgruppe wird also zum MaBstab fur den einzelnen Menschen.[2]

Neben der schon erwahnten Anpassung an die auBere Erscheinung der Gruppe, also im Falle der Clique durch das Tragen eines gleichfarbigen Basecaps oder im Falle der Sportgruppe durch das Tragen gleichartiger Trainingssachen, kommt es zu der Erscheinung, daB sich einzelne Gruppenmitglieder auch an die herrschende Gruppenmeinung anpassen.[3] Weicht die Meinung eines Mitgliedes von der Gruppenmeinung ab, so entsteht ein gewisser sozialer Druck fur dieses Mitglied. Es ist nun bestrebt, diesem Druck nachzugeben.[4] Dieses „sich beugen“ aufgrund eines bestehenden sozialen Druckes bzw. die „Annaherung an die Mehrheitsmeinung wird als Konformitat bezeichnet.[5]

Die Ubereinstimmung mit der Bezugsgruppe kann auch dann auftreten, wenn deren Hand- lungsstrategie nicht rational nachvollziehbar ist und sogar ethisch-moralisch als problematisch gilt, wie die Experimente zum Autoritatengehorsam von Stanley Milgram 1974 zeigten.[6]

3. Der EinfluR von Maioritaten

Muzar Sherif zeigte 1935 in seinem Experiment uber die Distanzschatzung, wobei er sich den autokinetischen Effekt zunutze machte, daB sich die Einzelbeurteilungen der Versuchsteilneh- mer ohne GruppeneinfluB relativ stabil verhielten.[7]

Sollten spater die Beurteilungen in der Gruppe abgegeben werden, glichen sich diese immer mehr aneinander an. In der umgekehrten Reihenfolge, die Schatzungen sollten also nun zuerst in der Gruppe abgegeben werden, pegelte sich anfangs eine Gruppenmeinung ein, von der dann spater in den einzeln abzugebenden Beurteilungen nicht mehr oder nur unwesentlich abgewichen wurde.[8]

Das Experiment zeigt also, daB bei der BeurteilungsauBerung eine starke Orientierung der einzelnen Teilnehmer an der Bezugsgruppe erfolgt ist.

Die Bezugsgruppe, die den EinfluB auf die Einzelbeurteilung ausubte, stellt in diesem Fall die Mehrheitsmeinung, die Majoritat, dar.

Einen weiteren Beitrag zur Konformitatsforschung lieferte Solomon Asch (1951,1956). In einem Experiment sollten die Langen von verschiedenen Linien verglichen werden. Die Fehlerquote in der Kontrollgruppe lag erwartungsgemaB niedrig, bei 0,7%. In der Experimentsituation sollten Mitglieder einer Gruppe, von der nur ein einziges eine echte Versuchsperson war, ihre Schatzungen abgeben. Nach anfanglichen realistischen Beurteilungen wurden dann zunehmend falsche AuBerungen gemacht. Die echte Versuchs- person verhielt sich haufig konform und die Fehlerquote lag unter dem EinfluB der Mehrheitsmeinung bei 37%.[9]

Die Frage die sich aus diesem Experiment ergibt ist: unter welchen Bedingungen geben Personen eine scheinbar falsche Beurteilung ab? Was verfuhrt sie dazu, einer offensichtlich erkannten Unrichtigkeit nachzugeben und sich konform zu verhalten?

3.1. Informationseinflufi und normativer Einflufi

Sollen Personen in Anwesenheit anderer eine Beurteilungsleistung abgeben, stehen sie unter einem besonderen Zugzwang. Auf der einen Seite sind sie bestrebt, eine realistische Beur- teilung abzugeben, auf der anderen Seite wollen sie einen „guten Eindruck“ machen. Fur die Beurteilung einer bestimmten Situation stehen ihnen somit zwei verschiedene „Informationsquellen“ zur Verfugung. Erstens, das, was ihnen ihre eigene Wahrnehmung vermittelt und zweitens, das, was andere Personen ihnen vermitteln.[10]

Wird nun die Meinung der anderen, also der Mehrheit akzeptiert und eingesehen, spricht man vom Informationseinflufi. Dabei andert sich nicht nur die Beurteilungsmeinung nach aufien, sondern meist auch die personliche Meinung uber die Beurteilungssituation. Erfolgt die Anpassung an die Mehrheitsmeinung aber aus normativen Grunden, so bezeichnet man dies als normativen Einflufi. Dabei will die Person vor der Gruppe in einem positiven Licht stehen, entweder um beliebt zu sein oder um nicht ausgeschlossen zu werden. Im Rahmen des normativen Einflusses bleibt die eigene Beurteilungsmeinung aber intern bestehen und die Meinung pafit sich nur scheinbar nach aufien an.[11]

3.2. Die Wirkung von Informationseinflufi und normativem Einflufi

Welche Auswirkungen haben Informationseinflufi und normativer Einflufi konkret? Unter welchen Umstanden ist der normative Einflufi sehr hoch und welche Bedingungen sind fur den Informationseinflufi von Bedeutung?

Dittes und Kelley (1956) untersuchten die Wirkung von normativem Einflufi unter Mitgliedern einer Gruppe, die nicht den gleichen Status innehatten. Dabei stellten sie fest, dafi die Konformitat bei Personen mit mittlerem Status hoher war, als bei Personen mit niedrigem oder sehr hohem Status. Es wurde vermutet, dafi Personen mit hoherem Status es sich leisten konnten, von der Gruppenmeinung abzuweichen und daher verhaltnismafiig wenig Konformitat zeigten. Personen mit geringem Status zeigten ebenfalls wenig Konformitat, da sie der Gruppenmeinung gegenuber gleichgultig waren. Lediglich Personen mit mittlerem Status zeigten eine hohe Konformitat, da sie, so wurde vermutet, durch konformes Verhalten relativ viel hinzugewinnen konnen, andererseits durch nicht konformes Verhalten auch viel verlieren konnen. Die Wirkung von normativem Einflufi hangt also stark davon ab, welchen Status die betroffenen Mitglieder haben.[12]

Die Wirkung des Informationseinflusses und die daraus resultierende Konformitat ist nach Mausner (1954) dann sehr hoch, wenn den Mitgliedern der Mehrheit innerhalb einer Gruppe eine hohe Kompetenz zugesprochen wird.[13]

Asch (1951) erkannte, dafi fur den Informationseinflufi auch entscheidend ist, wieviele Personen die Mehrheitsmeinung unterstutzen. So stieg der Konformitatswert mit zunehmender Mitgliederzahl der Majoritat. Wilder (1977) bewies, das auch die „wahrgenommene Unabhangigkeit“ der Majoritatsmitglieder einen Einflufi auf die Konformitatsbildung hatte. Demnach haben mehrere kleinere unabhangige Gruppen mit einer Mehrheitsmeinung einen grofieren Einflufi auf konformes Verhalten, als eine grofie Gruppe mit vielen als „meinungsabhangig“ wahrgenommenen Mitgliedern.[14]

Eine Verringerung der Konformitat wird durch das „Aufbrechen der Einstimmigkeit“ erreicht. So untersuchte Asch, wie sich konformes Verhalten entwickelt, wenn einer Versuchsperson, die einer Mehrheitsmeinung gegenubersteht, eine weitere Person zur Seite gestellt wurde, die von der Majoritatsmeinung abweicht. Das Konformitatsverhalten verringerte sich erheblich auf 5,5%, denn durch den Helfer erhielt die Versuchsperson „soziale Unterstutzung“.[15] Welchen Einflufi echte soziale Unterstutzung auf konformes Verhalten haben kann, zeigen Allen und Levine (1971).

[...]


[1] Bierhoff, H.W. (2002): Einfuhrung in die Sozialpsychologie. (S.119). Weinheim und Basel: Beltz Verlag.

[2] ebd. (S.119)

[3] ebd. (S.119)

[4] ebd. (S.119)

[5] ebd. (S.119)

[6] ebd. (S.119)

[7] Stroebe et al. (1996). Sozialpsychologie. Eine Einfuhrung. 3. Aufl. (S.505). Berlin: Springer

[8] ebd. (S.506)

[9] ebd. (S.507-508)

[10] ebd. (S.509)

[11] ebd. (S.509)

[12] ebd. (S.510)

[13] ]ebd. (S.511)

[14] ebd. (S.511)

[15] ebd. (S.511)

Details

Seiten
12
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783640643448
ISBN (Buch)
9783640643172
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152544
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Pädagogik
Note
1,5
Schlagworte
Gruppendynamik Sozialpsychologie Konformität Minorität Majorität Gruppe sozial Mehrheit

Autor

Zurück

Titel: Wie entsteht Konformität?