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Beitrag des Controllings zur Bewältigung der Wirtschaftskrise im Unternehmen

Diplomarbeit 2009 108 Seiten

BWL - Controlling

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Hintergründe und Etappen der Finanz- und Wirtschaftskrise
2.1 Wirtschaftsphilosophie: Das neoliberale Zeitalter
2.2 Einfluss des supranationalen und nationalen Rechtsrahmens
2.2.1 Europäische Union: Das EU-Recht als supranationaler Rahmen
2.2.2 BRD: Der Einfluss der deutschen Legislative
2.2.3 USA: Die Rücknahme des Glass-Steagall Act
2.3 Einflussfaktor: Banken
2.3.1 Gewinnmaximierung durch V erbriefung und Forderungsverkauf
2.3.2 Risikobetrachtungen
2.3.2.1 Strukturbedingter Risikoaspekt
2.3.2.2 Haftungsbedingter Risikoaspekt
2.3.2.3 Verhaltensbedingter Risikoaspekt
2.4 Makroökonomischer Einfluss am Beispiel der US-Verschuldung
2.5 Weitere Einflüsse: Die wirtschaftswissenschaftliche Ideenlehre
2.6 Etappen der Finanzkrise
2.7 Zusammenfassung

3 Beitrag des Controllings zum Erkennen von Wirtschaftskrisen
3.1 Wirkung von Krisenphänomenen auf Unternehmen
3.2 Grundlegung zum Controlling
3.2.1 Ein terminologischer Einstieg in das Controlling
3.2.2 Ein Blick auf die Wurzeln des Controllings
3.3 Untersuchung des Status‘ quo der deutschen Controllerpraxis
3.3.1 Untersuchung des Planungsbereichs
3.3.2 Untersuchung hinsichtlich der Kontrollaspekte und Soll-Ist-Vergleiche
3.3.3 Untersuchung des Berichtswesens (Management Reporting)
3.3.4 Zusammenfassende Betrachtung zur deutschen Controllerpraxis
3.4 Die Erkenntnisfähigkeit deutscher Controllingkonzeptionen in Bezug auf Wirtschaftskrisen
3.4.1 Gewinn- bzw. ergebniszielorientierte Konzeptionen
3.4.2 Koordinationsorientierte Konzeptionen
3.4.3 Rationalitätssicherungsorientierter Ansatz

4 Beitrag des Controllings zur Bewältigung von Wirtschaftskrisen
4.1 Situation der Unternehmen und Reaktion auf die Krisenentwicklung
4.1.1 Kurzfristige Situation und Reaktion der Unternehmen
4.1.2 Langfristige Situation und geplante Reaktion der Unternehmen
4.2 Kurzfristiges Krisenmanagement: Liquiditätssicherung als wichtigstes Ziel
4.2.1 Finanzcontrolling
4.2.2 Planung und Management Reporting auf kurze Sicht
4.2.3 Unterstützung des Working Capital Managements
4.3 Mittelfristiges Krisenmanagement: Konsolidierungsphase
4.3.1 Planung auf mittlere Sicht
4.3.2 Management Reporting auf mittlere Sicht
4.4 Langfristiges Krisenmanagement: Aufschwungphase
4.4.1 Management Reporting auf längere Sicht
4.5 Unterstützung des Krisenmanagements des Controllings
4.5.1 Kostenrechnung:
4.5.2 Investitionscontrolling:
4.6 Modell zur Verbindung strategischer Aspekte mit den operativen Herausforderungen

5 Zusammenfassung und Ausblick

Anhang I: Hypothetischer Zusammenhang zwischen US-Zinsniveau, Hauspreisentwicklung und der Emission von CDOs als forderungsbesicherte Wertpapiere

Anhang II: Ziele und Maßnahmen der US-Geldpolitik

Anhang III: Entwicklung der globalen Emission von Collateralized Debt Obligations (CDO) 2004 - 2007 in Mrd. USD

Anhang IV: Management Information Board

Anhang V: Entwicklung wichtiger deutscher Konjunkturindikatoren I

Anhang VI: Entwicklung wichtiger deutscher Konjunkturindikatoren II

Anhang VII: Verbreitung und Typen des Rolling Forecast

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ursachencluster der Finanz- und Wirtschaftskrise

Abbildung 2: Beschreibung der Finanzkrise ab 2007 vor dem Hintergrund bestehende Strukturen

Abbildung 3: US-Debt Outstanding by Sector, Gross World Product [x=2000; y = 2008] (Quellen: Federal Reserve; OECD Factbook 2009; CIA World Factbook - Version Mai 16, 2008)

Abbildung 4: US-Verschuldung ausgewählter Sektoren und US-BIP-Wachstumsrate (Quelle: Federal Reserve, OECD Factbook 2009; eigene Darstellung)

Abbildung 5: Ursachenbereiche der Finanzkrise mit (möglichen) Wirkungen auf den Realsektor

Abbildung 6: Ein langfristiger Vergleich der Anforderungen an die Controllerarbeit I

Abbildung 7: Widerspiegelung des Regelkreisprinzips in den Anforderungen an die Controllerarbeit

Abbildung 8: Strategische Budgets als Ausgangspunkt für die taktische und operative Planung sowie Beachtung relevanter Einflussfaktoren

Abbildung 9: Kontrollinformationen im monatlichen Berichtswesen 2008 (Quelle: WHUControllerpanel; eigene Darstellung)

Abbildung 10: Einordnung des Management Reporting in den Informationsversorgungsprozess

Abbildung 11: Informationsversorgung in praxi 2008 (Quelle: WHU-Controllerpanel; eigene Darstellung)

Abbildung 12: Wandel der Anforderungen an die Controller (in% der Gesamtaufgaben)

Abbildung 13: Controllingkonzeptionen

Abbildung 14: Die Unternehmung aus Sicht der Systemtheorie

Abbildung 15: Segmentierung der(s) Führung(ssystems) und erforderliche (Sekundär-)

Koordination

Abbildung 16: (Primär- und Sekundär) Koordination des Managers vs. Sekundärkoordination des Controllings

Abbildung 17: Controllingsystem und Unternehmensumwelt nach dem Konzept von Horváth

Abbildung 18: Flexibles, auf die Unternehmensumwelt reagierendes Controllingsystem__

Abbildung 19: Primärwirkung der Finanzkrise

Abbildung 20: Kurzfristige Auswirkungen der Krise

Abbildung 21: Aktuelle Maßnahmen der Unternehmen

Abbildung 22: Sekundärwirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise

Abbildung 23: Zukunftserwartungen der Unternehmen

Abbildung 24: Zukünftig geplante Maßnahmen der Unternehmen

Abbildung 25: Einteilung der Finanzierung

Abbildung 26: Systeme der Kostenrechnung und ihre Verbreitung (Quelle: WHUControllerpanel; genannt von Prozent der Teilnehmenden; eigene Darstellung)

Abbildung 27: Mittelbedarf und –freisetzung im Marktanteil-Marktwachstumsportfolio

Abbildung 28: Kreditsicherheiten-Portfolio

Abbildung 29: Aktuelle und zukünftige Herausforderungen des Controllings

Abbildung 30: Prozentuale Veränderung des realen BIP auf Basis des Vorjahres (Quelle:

Federal Reserve Bank of St. Louis, Monetary Trends, May 2009)

Abbildung 31: USA: Consumer Price Index und 1-Jahres-Inflationserwartung (University of Michigan) (Quelle: Federal Reserve Bank of St. Louis; eigene Anmerkungen)

Abbildung 32: Entwicklung des Umsatzes und der Auftragseingänge (Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland, www.destatis.de; eigene Darstellung; Index, saisonund kalenderbereinigt, konstante Preise, 2005=100)

Abbildung 33: Entwicklung der Auftragseingänge (als Vorlaufindikator) (Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland, www.destatis.de; eigene Darstellung; Index)

Abbildung 34: Entwicklung des Umsatzes im verarb. Gewerbe und Großhandel ggü. jew. Vj.- Monat (Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland, www.destatis.de; eigene Darstellung)

Abbildung 35: Entwicklung der Erzeugerpreise und Großhandelsverkaufspreise (Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland, www.destatis.de; eigene Darstellung; Index)

Abbildung 36: Entwicklung der Insolvenzen auf Basis der Anzahl (Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland, www.destatis.de; eigene Darstellung)

Abbildung 37: Rolling Forecast (Quelle: ZfCM: Colsmann, B., Erfolgsfaktoren, 2007; Basis: Planungsstudie 2006 von BearingPoint; eigene Darstellung)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Rangordnung der Banken A und B

Tabelle 2: Bewertungsmatrix

Tabelle 3: Untersuchung der spieltheoretischen Lösung

Tabelle 4: Dauer des Planungsprozesses im Jahr 2006

1 Einleitung

„Ihren Beitrag zur Bewältigung der Krise schätzen die Controller allerdings mit Bescheidenheit ein.“[1] Dieser Satz war das Ergebnis der WHU-Studie „Was tun die Controller?“[2], die am Ende des Jahres 2008 mit Blick auf die aktuelle Wirtschaftskrise durchgeführt wurde. Dieses ernüchternde Resultat — oder besser Postulat — fordert einen Controlling-Studenten natürlich zu einer tiefgründigen Untersuchung heraus. Und damit ist der Rahmen dieser Diplomarbeit bereits abgesteckt: Es soll darum gehen, ob und welchen Beitrag die Controller leisten können, um die aktuelle Krise zu bewältigen. Dabei zerfällt dieser Beitrag des Controllings in zwei Aspekte: Zum ersten wird auf Basis des Status' quo gefragt, ob das Controlling zum Erkennen von Krisen überhaupt befähigt ist. Und zum anderen wird diskutiert, welche Schritte das Controlling nun gehen muss, ein geartetes Krisenmanagement der Unternehmensführung zu unterstützen. Diese Vorgehensweise ist der evolutorischen Logik entlehnt: Was sich bewährt hat, wird beibehalten bzw. muss angepasst werden, und was zusätzlich nötig ist, muss ergänzt werden. Damit diese Diskussion nicht in einem luftleeren Raum stattfindet, wird in einem ersten Schritt die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise dargestellt. So wird ein spezifischer Rahmen geschaffen, dem das Controlling ausgesetzt ist.

2 Hintergründe und Etappen der Finanz- und Wirtschaftskrise

In den vergangenen Monaten machten sich die verschiedensten Akteure auf, bezüglich der Finanzkrise die ,causa generalis' oder die ,ultima explicatio‘ zu präsentieren: Hier wird auf die unverantwortliche Geldpolitik des ehemaligen US-Notenbankpräsidenten Alan Greenspan oder auf das Platzen der amerikanischen Immobilienmarktblase abgestellt; dort wird die unersättlichen Gier der Bank-Manager[3] angeprangert; an anderer Stelle wird auf den völlig inadäquaten Regulierungsrahmen für (außerbörsliche) Finanzmarktgeschäfte verwiesen. Und auch Kausal-Ketten werden angeboten, die aus diesen und auch anderen Gliedern bestehen. Mit derartigen möglichst präzisen Zuweisungen oder Erklärungen sind aber erhebliche Probleme verbunden:

- Zum einen führen die von Interessen geleiteten Argumentationen der Akteure zu je unabgeschlossenen Begründungszusammenhängen, und zwar aufgrund der selbstgewählten Einengung, die eine Interessenwahl ja bedingt. Eine alternative Argumentation, die auf ein anderes Interesse rekurriert, kann aber genauso plausibel sein!

- Zum anderen verschränken sich in der Geschichte immer wieder „Politik, Ökonomie, ... und internationale Austauschbeziehungen in einem System wechselseitiger Abhängigkeiten, Einflußnahmen und Rivalitäten derart (...), daß die Ursachen in einem Sektor interdependente Folgen in anderen Sektoren zeitigen und diese Folgen wiederum zu neuen Ursachen in dem genannten dynamischen Interaktionszusammenhang werden.“[4] Mit Blick darauf kann eine eindeutige Krisenursache im Sinne eines Grundereignisses nicht zweifelsfrei hergeleitet werden. Dieses vermeintliche Grundereignis könnte ja auch die Folge einer früheren Ursache sein. Wäre somit eine irgend geartete Zuweisung schon prinzipiell angreifbar (bspw. „Die US-Geldpolitik verursachte die Finanzkrise.“), potenzieren sich folglich die Probleme bei dem Versuch, die Finanzkrise über eine eindeutige Ursache- Wirkungsk e 11 e zu erklären!

- Und schließlich ist neben dem Ereignis selbst seine Signifikanz auf den Kontext von erheblicher, nicht ausschließlicher Bedeutung! Hatte demnach die US- Geldpolitik einen hohen Einfluss auf die Finanzkrise?

Im Bewusstsein dieser Ausführungen wird daher Abstand von einer einfachen und eindeutigen, gar monokausalen Erklärung der Finanzkrise genommen und die ,mediale Stigmatisierung' möglicher Ursachen(-komplexe) kritisch gesehen.[5] Dies heißt jedoch nicht, dass zwischen den einzelnen Ereignissen und Entwicklungen keine Zusammenhänge gesehen werden und vor allem, dass keine wesentlichen Verursacher der Finanzkrise auszumachen wären. Die Beteiligung der Bankmanager ist unstrittig; aber hatte ihr Handlungsrahmen — sei es bspw. eine gesetzlicher — keinen Einfluss?

Die Erklärungsvariante des Verfassers stellt vielmehr auf Massings dynamischen Interaktionszusammenhang zwischen den verschiedenen Sektoren ab: Seit den 1980er Jahren reihten sich verschiedene, auf einen sukzessiven Abbau von Autarkie[6] gerichtete Ereignisse in ihrer Interdependenz so aneinander, dass sich dies in einem emergenten Sinne in dieser Weltfinanzkrise entlud. Von emergenten Phänomen kann dabei gesprochen werden, „wenn sie sich auf keine einzelne Intention (Ausgangsziel) zurückführen lassen .. und wenn das Ergebnis nicht vorhersagbar ist, weil sich die das Ergebnis bestimmende Struktur erst im Laufe des Prozesses entwickelt“.[7] Jene Ereignisse, die hier als Krisenursachen bezeichnet werden, sind demnach nur Bestandteil eines ganzen Ursachenkomplexes. Sie bedürfen einer gedanklichen Zuordnung (unter der Nebenbedingung einer knappen Darstellungsweise). Nachstehende Abbildung 1 unternimmt einen solchen Versuch. Die jeweils identifizierten Krisenursachen wurden gebündelt und zu einem von fünf ,Ursachenclustern‘ zugeordnet. Innerhalb derer geht es um eine Beschreibung sowie das Aufzeigen von (hypothetischen) Ursache-Wirkungszusammenhängen. Anhand der Cluster soll der ,Strukturaspekt‘ der Krise gezeigt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Ursachencluster der Finanz- und Wirtschaftskrise

In einem weiteren Schritt wird in gedanklicher Kohärenz der Ursachencluster der Hergang der (Finanz-)Krise nachgezeichnet (vgl. Abbildung 2). Zielsetzung ist ein pfadweises Aufzeigen des angesprochenen dynamischen Interaktionszusammenhangs.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Beschreibung der Finanzkrise ab 2007 vor dem Hintergrund bestehender Strukturen

2.1 Wirtschaftsphilosophie: Das neoliberale Zeitalter

Ökonomische Evolution vollzieht sich immer vor dem Hintergrund einer herrschenden Wirtschaftsphilosophie. In gewisser Hinsicht gibt sie über das Ex- wie auch Implizite eine Richtschnur des ökonomischen Denkens und Handelns vor und findet darin wiederrum ihre Bestätigung. Krisen, welcher Art auch immer, stellen dann die Kristallisationspunkte des Unerwünschten, des Alten dar. Ein Neues, was zunächst im Gewand einer Eventuallösung der unerwünschten Zustände erscheint, entwickelt sich nach gesellschaftlicher Akzeptanz zum neuen Dogma.

So beendete beispielsweise die „Weltwirtschaftskrise zwischen 1929 und 1932 ... den seit der Klassik herrschenden Marktoptimismus in der Ökonomie.“[8] ; das Motto des klassischen Liberalismus galt aufgrund seiner (a) sozialen Wirkungen als überholt. Das Neue kam nun in Gestalt eines Marktinterventionismus‘, die Politik sollte jetzt eine gestaltende, (pro-)aktive Rolle im Wirtschaftsgeschehen übernehmen. Als geistiger Urheber jener Wirtschaftsphilosophie gilt dabei der britische Nationalökonom John Maynard Keynes, der mit seiner 1936 veröffentlichten ,General Theory'[9] den Keynesianismus als eine neue ökonomische Leitidee begründete. Ab Ende der 1940er- bis Mitte der 1970er-Jahre[10] bildete der Keynesianismus dann auch das hegemoniale Konzept der Wirtschaftstheorie und —politik vieler Länder[11] - das ,Goldene Zeitalter' und die Zeit der ,Wirtschaftswunder' waren angebrochen. Die in dieser Ära erzielten Wirtschaftserfolge führten zu einem stetigen Ausbau ,sozialer Wohltaten', die staatlicherseits gewährt wurden. Als dann ab Ende der 1960er-Jahre das

Wirtschaftswachstum immer stärker zurückging und sich die Folgewirkungen immer deutlicher abzeichneten, entfachte sich in den westlichen Industrienationen die Diskussion über eine grundlegende Neuausrichtung der Wirtschafts- und Sozialordnung. Diese Diskussion nahm dann vor dem Hintergrund Kontur an, als in Folge der Intensivierung der internationalen Arbeitsteilung ein starker Kosten- und Standortwettbewerb einsetzte, der u.a. die Arbeitslosigkeit immer weiter ansteigen ließ. Die Finanzierung des Wohlfahrtsstaates in der bestehenden Form wurde in diesem Kontext zunehmend in Frage gestellt. Von einer Legitimitätskrise des Sozialstaats westlicher Prägung war die Rede. Die 1970er-Jahre waren schließlich von „eine[r] tiefe [n] Krise des nationalstaatlich keynesianischen Interventionismus [gekennzeichnet] .“[12]

,Tina‘ versprach die Lösung zu sein. Eine Person war das freilich nicht, sondern ein Leitspruch, der in den 1970er-Jahren ein neues ökonomisches Leitmotiv ankündigte: „‘There is no alternative‘ dröhnte die ,neoliberale Konterrevolution““[13] Milton Friedmans, die den dominierenden Keynesianismus in seinen Grundfesten erschüttern sollte. Mit Margaret Thatcher in Großbritannien und Ronald Reagan in den USA fanden ab Ende der 1970er- bzw. zu Beginn der 1980er-Jahre die Ideen des Neoliberalismus Eingang in die politische Hemisphäre. Die Neoliberalen verorteten im , keynesianischen Klassenkompromiss‘ (Umverteilungspolitik des Wohlfahrtsstaates, auf Vollbeschäftigung ausgerichtete Wirtschaftspolitik sowie diverse Regulierungen und Demokratisierungen u.a. innerhalb der Arbeitsbeziehungen) die Ursache für die krisenhafte Wirtschaftsentwicklung der 1970er-Jahre.[14] Mit dem Sextett ,Deregulierung, Liberalisierung, Flexibilisierung, Freihandel, Privatisierung und vor allem Freiheit‘ sollte der Weg zu einer neuen wirtschaftlichen Prosperität geebnet, das „stagflationäre Dilemma keynesianischer Politik“[15] überwunden werden. Und mit der Verbesserung der „produktiven Verwertungsbedingungen des Kapitals“[16] sei ein adäquates Mittel zur Bekämpfung der (Struktur-) Krise gefunden. So nahm also zu Beginn der 1980er-Jahre die ,passive Revolution‘ des Neoliberalismus‘ ('Antonio Gramsci) ihren Anfang; passiv daher, weil jene Anhänger „über keinen strategischen Schlachtplan“ verfügten, sondern über einen sukzessiven Ausbau des neoliberalen Instrumentariums auf eine „sich selbst dynamisierende Transformation zur Marktgesellschaft“[17] hin setzten. Diese

Transformation setzte an verschiedenen Gesellschaftsbereichen an; nachfolgend sind einmal jene herausgegriffen, die für das Grundverständnis der Krisenursachen wesentlich sind:

1. Seit den 1960er Jahren hatten die US-amerikanischen Banken immer wieder Anstrengungen unternommen, den strengen, seit 1933 geltenden Regulierungsrahmen für Bankgeschäfte aufzuheben (vgl. Abschnitt 2.2). Dieser wurde inhaltlich v.a. durch die Entwicklung neuer Finanzinstrumente sukzessive aufgeweicht, denn neue Instrumente konnten im geltenden Recht nicht abgebildet (bzw. antizipiert) werden.[18]

2. Mit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems 1973 war die

„Voraussetzung für eine größere internationale Mobilität des Kapitals geschaffen.“[19] Die folgende schrittweise Liberalisierung der Finanzmärkte ab den 1970er Jahren nutzen bspw. die US-Banken zur Internationalisierung ihres Geschäfts. Mit der Eröffnung von Filialen am Finanzplatz London war nicht nur ein amerikanisch­europäischer Kapitalkreis begründet sondern auch der o.g. Rechtsrahmen umgangen. Strange sieht in diesen Entwicklungen den Ausgang des sog. ,Kasino- Kapitalismus'[20] bzw. Finanzkapitalismus.

3. Zu Beginn der 1980er Jahre setzte seitens der Investoren eine

Fl exibilisierungsbewegung ein: Ohne große Bindungskraft sollte das

Investorenkapital international investiert und v.a. schnell wieder deinvestiert werden können. Dabei spielte die Höhe der erzielbaren Rendite die entscheidende Rolle, so dass ab dieser Zeit ein stetig steigender Druck auf die Unternehmungen in Richtung Gewinn- und Ausschüttungsmaximierung ausgeübt wurde.[21]

4. Schließlich wurde ab den 1990er Jahren der Freihandel durch die zügige Integration der Wirtschaftsräume Osteuropas und Asiens befördert. Dies führte zu einer rasanten Steigerung der real- und finanzwirtschaftlichen Verflechtung der Nationen untereinander.

Schrittweise hat sich also ein neuer Marktoptimismus entwickelt und weltweit manifestiert. Dieser stellte den gemeinsamen Ankerpunkt des je gesellschaftlichen Denkens und Handelns dar. Die nachfolgenden Ausführungen sind stets vor diesem Hintergrund zu sehen, denn es geht weniger um eine Bewertung des Neoliberalismus an sich, sondern um die Wirkungen des realen Handelns vor dem Hintergrund dieser (so verstandenen) Ideenlehre.

2.2 Einfluss des supranationalen und nationalen Rechtsrahmens

Im Rückgriff auf vorstehende Gedanken fanden nun die eher neoliberal ausgerichteten Denk- und Handlungsmuster Eingang in die Ordnungs-, Struktur- und Prozesspolitik der westlichen Industriestaaten. Auf supranationaler Ebene ging es um einen grundlegenden Abbau von Hemmnissen im Bereich des weltweiten Warenhandels (Freihandel) sowie des weltweiten Kapitalverkehrs (u.a. Freiheit und Liberalisierung), was zu entsprechenden gesetzlichen Änderungen oder der Verabschiedung neuer Gesetze auf supra- wie nationaler Ebene führte. Anhand folgender Beispiele soll der legislative Einfluss einmal dargestellt werden.

2.2.1 Europäische Union: Das EU-Recht als supranationaler Rahmen

Waren die vergangenen Finanzkrisen in ihren Wirkungen eher lokal begrenzt[22], besteht das ,besondere Moment‘ dieser Krise in ihrer zügigen weltweiten Ausbreitung; Anfang 2009 sind im Grunde alle EU-Staaten in mehr oder minder starkem Ausmaß betroffen, insbesondere wegen ihrer Kapital-Verflechtungen untereinander. Förderlich haben sich dabei die europarechtlichen Rahmenbedingungen ausgewirkt. Per Maastrichter Vertrag ist nämlich die Liberalisierung des Kapitalverkehrs für alle EU-Mitgliedsstaaten seit 1993 bindend: Der gemeinsame Binnenmarkt ist durch die „Beseitigung der Hindernisse für den freien ... Kapitalverkehr zwischen den Mitgliedstaaten“[23] zu kennzeichnen! Damit wurden nicht nur grenzüberschreitende Investments wesentlich erleichtert, sondern auch die Möglichkeit national durchführbarer Kapitalverkehrsbeschränkungen aufgehoben, die noch im EWG-Vertrag von 1957[24] verankert war (bspw. Restriktionen des Handels mit Wertpapieren oder des Erwerbs bestimmter Derivate). Seit 2003 sind nun „alle Beschränkungen des

Kapitalverkehrs zwischen den Mitgliedstaaten sowie zwischen den Mitgliedstaaten und dritten Ländern [!] verboten“[25], solange diese nicht ausnahmsweise gerechtfertigt sind. Gerade jetzt sind die Auswirkungen dieses Rechtsrahmens für einige EU-Staaten in Osteuropa spürbar, wenn viele Investoren ihr Kapital nahezu ,über Nacht‘ abziehen. Flexibilität kann eben mit Instabilität einhergehen, und gerade die Sicherung der Stabilität war der ursprüngliche Sinn von Kapitalverkehrsbeschränkungen. Die hohe Bedeutung dieser Thematik zeigt sich im Übrigen daran, dass der ehemalige IWF- Direktor [!] und heutige Bundespräsident der BRD, Hörst Köhler, ein neues ,Bretton Woods‘ anregte.[26]

2.2.2 BRD: Der Einfluss der deutschen Legislative

In der Fernsehsendung „Was nun?“, die das ZDF am 13. Oktober 2008 ausstrahlte, stellte die amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel klar, dass es bezüglich der umfangreichen Maßnahmen der Bundesregierung um eine rasche Stabilisierung der Finanzmärkte, vor allem um den Schutz der Bürger und nicht um die Interessen der Banken ginge. Denn durch die aktuellen Verwerfungen der Finanzmärkte seien nun auch im Kern gesunde Banken betroffen. „Es sind Exzesse in den Märkten gewesen“ so Merkel, denen in Zukunft mit einer stärkeren Regulierung, mit verbesserten Kontrollinstrumenten und mit der Forderung nach höherer Transparenz von Finanzprodukten begegnet würde. Dies sei schon gewöhnungsbedürftig „für eine Branche, die immer Transparenz abgelehnt hat, die immer Regeln abgelehnt hat“.[27] Hinsichtlich dieser Ausführungen Merkels — die hier nur als Stellvertreterin der deutschen Politik fungiert — ist insbesondere auf zwei Aspekte hinzuweisen: Wenn die ,Exzesse‘ einmal als einzelne Handlungen oder als Handlungsbündel gedeutet werden, vollzogen sich diese (legalen) Handlungen stets vor dem Hintergrund einer durch die Legislative gesetzten Wirtschaftsverfassung.[28] Und ist es nicht gerade die Wirtschaftspolitik, die mit ihrer „Gesamtheit aller staatlichen Institutionen, Regeln,

Regulierungen und Maßnahmen ... das Wirtschaftsgeschehen ... zielgerichtet gestalte[n] .. soll“[29] ?!

Nun soll es nicht Aufgabe dieser Arbeit sein, die Einflüsse der parlamentarischen Gesetzgebung auf die Finanzkrise auszuarbeiten; aber Aufgabe kann es sein, anhand einer Beispielsskizze das Ursachenfeld ,deutsche Politik' abzuklopfen — hier anhand des damaligen Ansinnens der CDU-/CSU-Fraktion: Im Jahr 2005 fragten im Rahmen einer Kleinen Anfrage zum Thema „Hemmnisse für die True-Sale- Verbriefung“ Dr. Angela Merkel, Michael Glos und die CDU-/CSU-Fraktion bei der damals amtierenden Bundesregierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder u.a. an, welche „Bedeutung die Bundesregierung der Entwicklung eines breiten Marktes für True-Sale-Verbriefungen ... [zuschreibt]“ oder wie sich „die True-Sale-Verbriefung von Bankforderungen gegliedert nach Kreditarten ... entwickelt [hat]“!?[30] Im Rahmen der Kleinen Anfrage ist überdies interessant zu erfahren, dass das deutsche Insolvenzrecht die Möglichkeit der Verbriefung von etwa 50% aller deutschen Bankforderungen wie auch die Entwicklung innovativer Produkte am deutschen Pfandbriefmarkt behindert. Ergo: Der CDU-/CSU-Fraktion war 2005 „ein funktionierender True-Sale-

Verbriefungsmarkt .. von besonderem finanz- und wirtschaftspolitischem Interesse“[31]. Mit Blick auf die einleitenden Worte ist daher festzuhalten, dass es Merkel selbst vor knapp vier Jahren noch um eine De-Regulierung, denn um einen begrenzenden Rahmen bezüglich innovativer Finanzprodukte ging.

Um das damalige Meinungsbild der deutschen Politik abzurunden, verweist die SPD-geführte Bundesregierung in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage darauf, dass die „Stärkung des deutschen Verbriefungsmarktes ... eines der von der Bundesregierung mit besonderer Priorität verfolgten finanzmarktpolitischen Ziele“[32] ist. Bspw. wurden die Zweckgesellschaften gewerbesteuerrechtlich den Banken gleichgestellt.

2.2.3 USA: Die Rücknahme des Glass-Steagall Act

In Folge der Großen Depression erließ der damaligen US-Präsident Franklin D. Roosevelt 1933 ein US-amerikanisches Bundesgesetz namens Glass-Steagall Act[33], wasinsbesondere die Sicherheit des US-Bankensystems gewährleisten sollte.[34] Dieses Gesetz sah u.a. die institutionelle Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken vor. Denn als Ursache des Aktienmarktcrashs 1929 und der darauf folgenden Depression wurde das Underwriting-Geschäft gesehen, welches von den Geschäftsbanken immer maßloser betriebene wurde.[35] Da im Rahmen dessen Absatzgarantien für Wertpapieremissionen abgegeben wurden, mussten diese Wertpapiere von der Geschäftsbank selbst übernommen werden, wenn keine Käufer gefunden wurden. Der naheliegenden ,Refinanzierung' über Kundeneinlagen bei erfolgter Fehlspekulation sollte (hier und auch) ,ein Riegel vorgeschoben' werden.

Im Rahmen der beginnenden D eregulierungs deb atte der 1980er Jahre wurde seitens der US-Banken ein immer stärkerer Druck zur Rücknahme dieses Gesetzes ausgeübt. 1999 wurde schließlich der Glass-Steagall Act vom damals amtierenden US-Präsidenten Bill Clinton im Rahmen des Gramm-Leach-Bliley Act[36] zurück genommen. So konnte das Emissionsgeschäft auch bzw. wieder von den Geschäftsbanken und bspw. das Kreditgeschäft [!] von den Investmentbanken betrieben werden.[37] Argumentatives Rückgrat bildete u.a. der Verweis auf den freien Wettbewerb zwischen den Banken und anderen Finanzinstitutionen![38]

Conclusio: Die supranationale wie die nationalen Gesetzgebungen zielten auf eine zunehmende Liberalisierung und Deregulierung des Finanzsektors ab. Damit wurde erst der Möglichkeitsraum geschaffen, den die verschiedenen Wirtschaftsakteure (v.a. Finanzintermediäre) auch auszunutzen wussten. Dies zeigt sich bspw. für die USA an der steigenden Bedeutung des Anteil des Finanzsektors an den gesamten Unternehmensprofiten: Dieser stieg zwischen 1980 und 2006 von 10% auf 30% an![39]

Also wurde der sog. ,Finanzkapitalismus1 (mit all seinen Folgen) erst durch die Legislative ermöglicht.[40]

2.3 Einflussfaktor: Banken

Über den Zusammenhang zwischen menschlichem Verhalten und Ökonomie wusste bereits 1776 Adam Smith zu sagen: „Nicht vom Wohlwollen des Metzgers, Brauers oder Bäckers erwarten wir unsere Mahlzeit, sondern von ihrer Verfolgung ihres Eigeninteresses. Wir appellieren nicht an ihre Menschlichkeit, sondern an ihre Eigenliebe“.[41] Somit verdanken wir dem Egoismus des Bäckers die wohlschmeckenden Brötchen, dem Egoismus des ,Bankers‘ die kostenlose Visa-Card oder die hohe Aktienrendite seiner Bank. Smith wird mit jenen Worten die Vaterschaft des Menschenbildes des ,homo oeconomicus‘ zugesprochen, einer idealtypischen Wirtschaftsfigur, die ausschließlich aus Eigennutz heraus handelt.[42] Dieses Menschenbild dient in der Theorie der rationalen Entscheidung als (klassisches) Erklärungsmodell, was das komplexe, reale Handeln von Wirtschaftssubjekten vereinfacht erklären soll.[43] So handelt jemand zweckrational bzw. vernünftig, der „sein Handeln nach Zweck, Mitteln und Nebenfolgen orientiert“[44], wobei „‘Handeln1 ... ein menschliches Verhalten ... [heißt], wenn und insofern als der oder die Handelnden mit ihm einen subjektiven Sinn verbinden.“[45] Für Bankmanager würde zweckrationales Handeln ein Verhalten heißen, wenn sie im Rahmen ihrer vertraglichen Verpflichtungen unter Beachtung von Risikoaspekten alle (legalen) Mittel und Maßnahmen einsetzen, die der Erreichung des obersten Unternehmensziels zweckdienlich sind: dem Erwirtschaften von Gewinnen.[46]

Mit Blick auf unseren Kontext werden nachfolgend die zur Gewinnmaximierung eingesetzten Mittel und Maßnahmen skizziert. Da Strukturen und Haftungsregeln sowie das Verhalten selbst eine handlungsbeeinflussende Wirkung haben, werden diese Aspekte anhand von Beispielen einmal beleuchtet. Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob diese Aspekte ein risikofreudiges Handeln der Bankmanager beförderten oder eher begrenzten. Schließlich geht es auch hier um ein ,Aufbohren' der Ursachencluster.

2.3.1 Gewinnmaximierung durch Verbriefung und Forderungsverkauf

Aufgrund des weltweit niedrigen Zinsniveaus in den letzten Dekaden verschob sich das Geschäft der Banken weg vom margenschwachen Kreditgeschäft hin zum ertragreicheren Geschäft mit innovativen Finanzprodukten.[47] Dies fand seinen Ausdruck im starken Ausbau des Geschäfts mit forderungsbesicherten Wertpapieren, den sogenannten Asset Backed Securities (ABS) als Oberbegriff. Bei klassischen ABS-Transaktionen wurden illiquide „Finanzaktiva ... in Form von Treuhandvermögen gepoolt. Die Ansprüche an diesem Pool [wurden dann] wertpapiermäßig verbrieft (Securitization)“, von Ratingagenturen bewertet „und als handelbare Wertpapiere“[48] vorrangig an institutionelle Anleger[49] weltweit und dabei ,over the counter' veräußert. Als verbriefungsfähige Finanzaktiva sind nahezu alle Forderungsarten denkbar: Forderungen aus Anleihen, Hypotheken, Kreditkarten, usw. Aus Sicht der Banken kommen für die Verbriefung zwei Motive in Frage: das Bilanz­Motiv und das Arbitrage-Motiv:[50]

- Beim Bilanz-Motiv geht es vor allem um die Optimierung der regulatorischen Eigenmittel gemäß den Basel-Vorschriften[51] und (damit) um die Schaffung zusätzlicher Kreditkapazitäten. Nach den Basel-Vorschriften sind Kreditausfallrisiken durch ein Minimum an Eigenkapital abzusichern, was für die Bank grundsätzlich ,teuer' ist. Sofern die Risikoaktiva aber (verbrieft und) bilanzwirksam verkauft werden (Bank als klassischer Forderungsverkäufer[52] ), entfällt die dafür notwendige Eigenkapitalunterlegung, was wiederrum Eigenkapitalkosten spart. Dies wird daran deutlich, dass mit der zugeflossenen Liquidität (zu verzinsende) Verbindlichkeiten zurück gezahlt werden können. Sofern die Risikoaktiva hingegen nicht bilanzwirksam verkauft und nur die Risiken daraus abgesichert werden sollen (Bank als Sicherungsnehmer[53]), erwirbt die Bank direkt oder indirekt Kreditderivate, die ein vorher vereinbartes Kreditereignis absichern (bspw. per Garantie oder per Credit Default Swap (CDS)[54]]. Auch hier werden die regulatorischen Eigenmittel optimiert, aber die Bank erhält keine (von ihrer eigenen Bonität unabhängige) Liquidität.[55] Dies alles zusammengefasst bedeutet für die Bank die Möglichkeit eines aktiven Managements des Risikos und der Rendite, der Bilanzstruktur und der Liquidität.

- Die wichtigste Rolle spielten in diesem Zusammenhang die von den Banken gegründeten Zweckgesellschaften [sog. ,Special Purpose Vehicles' (SPVs)]. Sie stellten die Forderungskäufer oder die Sicherungsgeber dar. Die SPVs, die nicht der Mindesteigenkapitalpflicht unterlagen, mussten sich nun am Kapitalmarkt refinanzieren, um den Ankauf der Risikoaktiva durchführen zu können. Dazu begaben sie in der Regel langlaufende Wertpapiere [Mortgage Backed Securities (MBS) und Collateralized Debt Obligations (CDOs)][56], die entsprechend hoch zu verzinsen waren.[57] Diese Zinsen wurden aus den Zuflüssen des angekauften Forderungspools beglichen, der sich in der Regel aus langlaufenden Forderungen zusammensetzte. Somit war die SPV selbst nahezu fristenkongruent finanziert. Der höchste Ertrag wird jedoch dann erwirtschaftet, wenn die SPV kurzlaufende und damit gering verzinsliche Geldmarktpapiere begibt (bspw. Asset Backed Commercial Paper), um damit die länger laufenden und somit höher verzinslichen Risikoaktiva ,ihrer' Bank zu erwerben.[58] Der Arbitrage-Vorteil wächst also mit dem Grad der betriebenen Fristentransformation.

2.3.2 Risikobetrachtungen

2.3.2.1 Strukturbedingter Risikoaspekt

Rückgrat des Geschäfts mit forderungsbesicherten Wertpapieren im Allgemeinen und der Nutzung der Conduit-Struktur[59] im Besonderen ist die organisationale Schaffung einer Zweckgesellschaft (SPV). Sofern die SPV nun (Top geratete) Geldmarktpapiere im Rahmen der Refinanzierung ihrer Risiko aktiva begeben will, fordern die Investoren eine zusätzliche Sicherheit. Daher gibt die Bank als Eigentümer der Zweckgesellschaft Bonitätsgarantien ab, sog. Fazilitäten. Diese stellen für die Bank Eventualverbindlichkeiten dar, die „aus juristischer Sicht einen Wert von null“[60] haben. Aus ökonomischer Sicht haben diese aber einen positiven Barwert, der sich aus der Summe der diskontierten Erwartungswerte künftiger Auszahlungen errechnet.[61] In einer Bankbilanz tauchen diese Werte aber nicht auf![62] Die Aussagekraft des ausgewiesenen Reinvermögens ist somit eingeschränkt, was in der Folge zu einer zu geringen Eigenkapitalvorhaltung führen kann.

Zwischenergebnis: Erstens ist damit die Gefahr der bankinternen Fehlsteuerung virulent. Eine zweites Problem betrifft die über Fazilitäten erzeugte Anreizwirkung: Obwohl die Zweckgesellschaft gegenüber der Bank eigenständig agiert[63] und dabei über Informationsvorsprünge verfügt, ist ihr Handeln vom Grundsatz her abgesichert. So wird — im gedanklichen Vorgriff auf den folgenden Abschnitt — auch ein risikofreudiges Handeln befördert.

2.3.2.2 Haftungsbedingter Risikoaspekt

Der Mensch erwirbt als natürliche Person nach § 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) mit Vollendung der Geburt die Rechtsfähigkeit, d.h. die Fähigkeit, Träger von Rechten und Pflichten zu sein. Mit dieser Rechtsfähigkeit geht auch die Vermögenszuständigkeit einher. Für entstehende Verbindlichkeiten ergibt sich aus den §§ 420-432 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) der Tatbestand der unbeschränkten und solidarischen Haftung.[64] Natürliche Personen haften also grundsätzlich

unbeschränkt mit ihrem Privatvermögen![65] Auch bei juristischen Personen ergibt sich die Vermögenszuständigkeit aus ihrer Rechtsfähigkeit. Diese ist bspw. für eine Aktiengesellschaft (AG) als juristische Person des Privatrechts im § 1 AktG[66] geregelt: Die AG ist eine Gesellschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit.[67] Dieser Paragraph bestimmt zugleich, dass für die Verbindlichkeiten nur das Gesellschaftsvermögen haftet! Was in unserem Kontext nun relevant ist, verdeutlichen folgende Punkte:

- Die Gesellschafter der AG (sog. Aktionäre), die auch natürliche Personen sein können[!], haften nach herrschender Rechtsprechung nur mit ihrem in die Gesellschaft eingebrachten Vermögen. Ein Durchgriff auf das Privatvermögen der Aktionäre ist nicht möglich.[68]

- Die Aktiengesellschaft als juristische Person haftet für sich selbst unbeschränkt mit ihrem Gesellschaftsvermögen. Die nach den §§ 77 und 78 AktG[69] zur Vertretung und Geschäftsführung bestellten natürlichen Personen (sog. Vorstand) haften grundsätzlich nicht mit ihrem Privatvermögen.

- Ferner ist eine mehrfache Haftungsbeschränkung über eine Konzernierung möglich.[70] Eine AG als juristische Person' kann als Aktionär einer anderen AG auftreten und auf diese Herrschaft ausüben; die herrschende AG haftet aber nur im Umfang ihrer Beteiligung (beschränkt).

Auf Basis dieser Ausführungen stellt sich die Frage, welche Handlungsweisen die rechtliche Struktur der Unternehmenshaftung impliziert. Die Kombination ,beschränkte Haftung' mit ,vollen Eigentümerrechten der Anteilseigner' bzw. mit vollständiger Unternehmensbeherrschung' könnte im Kontext der Finanzkrise nämlich ein Strukturproblem kennzeichnen.[71] Denn dass eine solche (Nicht-)Haftungsstruktur die Beurteilung von Risiken wesentlich differenzierter ausfallen lässt, und darin besteht das wesentliche Moment diese Krise, war schon vor einhundertfünfzig Jahren klar. Zu Zeiten des Wirtschaftsliberalismus des 19. Jh. wurde nämlich die Meinung vertreten, dass eine „unbeschränkte Haftung .. notwendiges Korrelat einer unbeschränkten privaten Wirtschaftsfreiheit [ist]“, da die „Mitglieder der Gesellschaft .. sich immer wieder [bemühen], das mit der Macht verbundene Risiko auf andere abzuwälzen und die Macht über das Risiko auszudehnen.“[72] Als sichtbarster Ausdruck dieser versuchten Risikoüberwälzung wurde das Streben nach Haftungsbeschränkung gesehen.[73] Mit dem Motto ,Herrschaft=Haftung‘ sollten aber aufgrund der (erhofften) korrigierenden Wirkung des Haftungsaspekts Staatseingriffen vorgebeugt werden.[74] Schlussendlich können die Aktionäre wesentlich größere Risiken übernehmen (und auch einen starken Druck auf die Geschäftsführung in Richtung Risikofreude aufbauen), wenn die Verantwortung im Schadensfall restringiert ist.[75]

Das Haftungsproblem kann darüber hinaus bezüglich der organschaftlichen Unternehmensführung ausgedehnt werden. Offenbar ist doch, dass heute die „beschränkte Unternehmenshaftung nur noch [bedeutet], dass sich der

Unternehmensvorstand gegenüber den Anteilseignern als Eigentümern verantworten muss.“[76] Der frühere Eigentümer-Unternehmers haftete demgegenüber noch uneingeschränkt und auch persönlich[77] !

Zwischenergebnis: Sofern im Unternehmensrecht hinsichtlich der Haftungsfrage verankert ist, dass ein Bankenvorstand [ein Aktionär] nicht persönlich haftet, ist auf der Handlungsebene ein Anreiz gesetzt, [höhere] Gewinne über eine Risikoerhöhung zu maximieren [zu fordern].[78] Dabei kann sich eine gewinnabhängige Erfolgsvergütung von Bankenvorständen förderlich auf risikofreudiges Handeln auswirken, insbesondere auch dann, wenn ein entsprechendes Gegengewicht dazu in Form der Verlustbeteiligung nicht vereinbart ist.

2.3.2.3 Verhaltensbedingter Risikoaspekt

Im vergangenen Abschnitt wurde anhand der Haftungsproblematik herausgearbeitet, wie eine Handlung vom (erwarteten) Risiko beeinflusst sein kann. Weil bezüglich der

Krisenursachen diesen Aspekten — Handlung bzw. Verhalten und Risiko — eine elementare Bedeutung zukommt, werden sie einmal via risikotheoretischen Überlegungen in einen analytischen Zusammenhang gebracht.

Die Risikotheorie unterscheidet zwischen Zustandsrisiken (Event Risks) und Verhaltensrisiken (Behavioral Risks). Für Bieta et al. sind Finanzmarktrisiken immer Verhaltensrisiken[79] und daher mit entsprechenden Verhaltensmodellen zu analysieren. Die Spieltheorie ist so ein Rahmen, der die Wechselbeziehungen zwischen verschiedenen Akteuren aufzeigen will.[80] Ausgangspunkt sei nun folgende Frage: Warum nahmen die Banken so viele SPV-Transaktionen vor? Die bisherigen Ausführungen haben gezeigt, dass die Ertragsperspektive die Ausnutzung der SPV- Struktur lukrativ machte! Nicht gezeigt werden konnte, warum viele Banken ,den Bogen überspannten1; also warum sie so umfangreich in Hochrisiko-Aktiva investierten, dass einige nur per staatliche Unterstützung vor der Insolvenz gerettet werden konnten!

- Inhaltliche Grundlegung: Der einzelnen Bank war das hohe Risiko u.a. aus der Fristentransformation bekannt[81], denn neue SPV-Geschäfte waren nur über die Bereitstellung weiterer Fazilitäten möglich. Damit erhöhte sich ja die Wahrscheinlichkeit ihrer Inanspruchnahme. Aus der Sicht des gesamten Bankensektors war somit klar, dass die Conduit-Struktur nicht ausufernd genutzt werden könne. Aufgrund der mangelnden Transparenz und fehlender Bilanzdaten war das Gesamtrisiko für die einzelne [!] Bank jedoch nicht abschätzbar.[82]

- Spieltheoretische Grundlegung: Für die Spieler Bank A und Bank B existieren je die Strategien „SPV-Transaktion ja“ (=J) und „SPV-Transaktion nein“ (=N). Für Bank A erhält man demgemäß JA und NA, für Bank B JB und NB. Daraus folgen vier mögliche Strategiekombinationen: Beide Banken führen die Transaktionen durch (JA/JB), nur eine von beiden (JA/NB) bzw. (NA/JB) oder keine von beiden (NA/NB). Nun stellt sich für jede Bank die Frage nach der für sie vorteilhaftesten Kombination: Für Bank A wäre es am besten, wenn Bank Büberhaupt keine Transaktionen vornimmt, da sich Bank A über die zunehmenden Risiken im Bankensystem voll bewusst ist. Daher steht das NB oben und JB unten. Für Bank A ist die Durchführung einer SPV-Transaktion aus Gewinnmaximierungsgründen die beste Lösung (JA); daher nimmt JA auch den ersten Rang ein. Solange es für die Bank A möglich ist sollen die individuellen Vorteile genutzt werden, daher wird JA stets besser bewertet als vor NA. Für Bank B gelten nun analoge Überlegungen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Rangordnung der Banken A und B

- Spielanalyse: Nun werden die beiden Rangordnungen miteinander in Beziehung gesetzt, woraus sich eine Bewertungsmatrix ergibt. Aufgabe ist jetzt die Strategiekombination zu suchen, bei der kein Spieler abweicht, wenn der andere Spieler an seiner Kombination festhält. Dies ist nur im Fall 3/3 bzw. (JA/JB) der Fall. Die spieltheoretische Lösung zeigt das Ergebnis, dass beide Banken die SPV- Transaktionen durchführen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Bewertungsmatrix

- Untersuchung: Da die Bewertung im Feld 2/2 bzw. [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] besser ist als die des Ergebnisses 3/3, wird dort begonnen. Im Fall [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] würde keine der beiden Banken SPV-Transaktionen durchführen. Offensichtlich kann sich jede der beiden Banken aus individueller Sicht verbessern, wenn die andere Partei an ihrer Strategie festhält. Wenn sich bspw. Bank B zur Transaktion entscheidet [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], verbessert

sie sich von 2 auf 1. Für Bank A heißt das eine Verschlechterung auf 4. Bank A kann sich mit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] auf 3 verbessern, indem sie nun auch die Transaktionen durchführt.[83] Endergebnis ist stets [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], weil sich keine Bank auf 4 verschlechtern will.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Untersuchung der spieltheoretischen Lösung

Zwischenergebnis: Die spieltheoretische Lösung zeigt ein typisches Herdenverhalten und stimmt mit der Realität im Wesentlichen überein: Bis 2007 wählten die meisten Banken die Hochrisikostrategie.[84] Aus kollektiver Sicht ist wegen der intransparenten Gesamtrisiken die beste Lösung 2/2 bzw. (NA/NB)! Wie gesehen wird jede Bank von der Kollektivlösung abweichen, und zwar aus Eigennutz! Aus bankenindividueller Sicht ist das (weitere) Durchführen von SPV- Transaktionen vollkommen rational.

Conclusio: Das hohe Wachstum des Verbriefungsmarktes erklärt sich zum einen aus den , rationalen Handlungszwängen1 der Bankmanager aufgrund der Ertragsperspektiven und zum anderen aus diesen selbst heraus: Beim tatsächlichen Forderungsverkauf erhält die Bank aus den illiquiden Finanzaktiva entsprechend Liquidität, die für weitere Kreditgewährungen eingesetzt wurden. In umgekehrter Richtung steht zu vermuten, dass die hohe Nachfrage nach den ABS einen starken Kreditvergabedruck auslöste.[85] Zudem konnten aus der betriebenen Fristentransformation weitere Renditepotenziale ausgeschöpft werden, insbesondere bei Nutzung des ABCP-Programms.[86] Ferner trugen die skizzierten Struktur- und Haftungsaspekte wie auch das intransparente OTC-Geschäftsgebaren der Banken den Keim der Fehlsteuerung und des eher risikofreudigen Verhaltens in sich. Ein (für die Zukunft) wichtiger Aspekt wird schließlich über das Modell der Verhaltensrisiken aufgezeigt: Obwohl sich die Bankmanager rational verhielten, war dies für das Bankensystem irrational![87]

2.4 Makroökonomischer Einfluss am Beispiel der US-Verschuldung

Ein Grund für die Dynamik des Wirtschaftswachstums in den USA, Europas und Asiens war der starke US-amerikanische Konsum in den letzten Jahrzehnten. Dieser Konsum war aber erst möglich durch eine vergleichsweise exzessiv betriebene Verschuldung u.a. im Sektor der Privathaushalte — sei es nun in Form von Konsumentenkrediten oder von Hypothekardarlehen (vgl. Abbildung 3). Ende 2007 betrugen die Schulden in diesem Sektor immerhin 13,78 Bio. USD oder 100% des US-Bruttoinlandsprodukts für 2007![88]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: US-Debt Outstanding by Sector, Gross World Product [x=2000; y = 2008] (Quellen: Federal Reserve; OECD Factbook 2009; CIA World Factbook - Version Mai 16, 2008)

Conclusio: Hinsichtlich des vorstehenden Abschnittes ist also zu ergänzen, dass der rational handelnde Bankmanager nur auf einer Seite des Bankschalters steht. Sie schließen letztlich nur die Kredite ab, die auch von den Kunden nachgefragt werden. Damit wurde aber erst die (voluminöse) Grundlage geschaffen, das (voluminöse) Verbriefungsgeschäft auf- und international auszubauen.[89]

2.5 Weitere Einflüsse: Die wirtschaftswissenschaftliche Ideenlehre

Im Abschnitt über die Wirtschaftsphilosophie klang bereits an, dass sich das praktische Handeln grundsätzlich vor dem Hintergrund einer gesellschaftlich akzeptierten Ideenlandschaft abspielt und mit ihr wechselwirkt, um es einmal global auszudrücken. Doch wie gestaltet sich bezüglich der Wirtschaft der wesentliche ,Transmissionskanal‘ zwischen Theorie und Praxis? Hier sind es gerade die wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten der Universitäten und Fachhochschulen sowie die Business Schools, die mit ihrer Lehre das künftige Handeln determinier(t)en, da sich der ,handelnde' Management-Nachwuchs vorrangig aus diesen Institutionen rekrutiert(e). Dieses Hineinbringen theoretischer Elemente in die Praxis soll einmal anhand der Wissensvermittlung des Lehrstuhls Finanzierung und Banken' an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam verdeutlicht werden:[90]

Im Zuge der in den 1990er Jahren aufgekommenen Diskussion über den Wertschöpfungsbeitrag einzelner Unternehmensteilbereiche wurde auch das Bilanzstrukturmanagement als Teil des Bankcontrollings einer kritischen Prüfung unterzogen. Ergebnis war, dass die bis dato traditionellen Kostenrechnungsverfahren des Wertbereichs einer Bank[91] keine dedizierte Erfolgszuweisung entweder auf das Aktiv- oder auf das Passiv-Management erlaubten. Dies liegt an der verfahrensimmanenten Konstruktion eines bilanzseitigen Zusammenhangs zwischen Aktiv- und Passivgeschäft: ersteres wird als

Mittelverwendung, letzteres als Mittelherkunft interpretiert. Diese Verfahren bewerten jedes Aktiv- bzw. Passivgeschäft mit dem Zinssatz der jeweiligen Gegenseite. Mit der Marktzinsmethode und dem Barwertkonzept argumentieren dagegen die neuen Verfahren der W e r t l e i s t u n g s r e c h n u n g , dass ja jedes Einzelgeschäft einen Einfluss auf das Bankergebnis hat. Somit ist — gemäß dem Opportunitätsprinzip — jedes Aktiv- bzw. Passiv-Geschäft mit einer fristenidentischen, stets möglichen Aktiv- bzw. Passiv-Alternative am Geld- und Kapitalmarkt (GKM) zu vergleichen.[92] Der Nutzen eines Kundengeschäfts würde also danach bewertet, ob es mehr erwirtschaftet als diese Alternative. Sofern der Nutzen geringer ist, empfiehlt sich das GKM-Geschäft.

In unserem Kontext sind nun zwei Aspekte von Bedeutung: Zum einen begründet die Anwendung dieser neuen Verfahren (auch) den bereits angesprochenen Bedeutungsverlust des traditionellen Kreditgeschäfts für die Banken[93] und folglich die Suche und Hinwendung zu Geschäften mit höherem Ertragspotenzial. Zum anderen erfährt der weltweite Geld- und Kapitalmarkt für die nationalen Banken einen immensen Bedeutungszuwachs, was zu einer steigenden Verflechtung der Kreditinstitute untereinander führte. Dass genau jene Verflechtungen die rasche, weltweite Ausbreitung der Finanzkrise beförderte, ist heute unbestritten.

Das vorstehende Beispiel soll nur ansatzweise auf die Einflussmöglichkeiten bzw. Auswirkungen[94] von Lehrinhalten hinweisen, um so das Bild denkbarer Krisenursachen zu komplettieren. Im Übrigen stehen zur Zeit die Lehrpläne verschiedener Business Schools im Kreuzfeuer der Kritik: Sie würden falsche Inhalt vermitteln, die kurzfristige Gewinnmaximierung fokussieren (insbesondere unter Einsatz einer hohen Verschuldung), Anleitungen geben zur Konstruktion komplizierter Finanzprodukte und das Ziel der Erreichung hoher Aktionärsrenditen überbetonen.[95] Eine kritische Auseinandersetzung bzgl. dieser Vorwürfe kann in dieser Arbeit nicht erfolgen. Zumindest aber scheint eine Tür dahingehend aufgestoßen, dass auch die Lehrinhalte der o.g. Bildungseinrichtungen auf einen kritischen Prüfstand gestellt werden.[96]

2.6 Etappen der Finanzkrise

In den einleitenden Worten war die Rede davon, dass in den 1980er Jahren ein insbesondere ,finanzmarktgetriebener‘ Kapitalismus aufkam. Dies spiegelte sich u.a. in einer starken Ausweitung des Kreditvolumens in den USA wieder. Die nachstehende Abbildung 4 verdeutlicht dies anhand der Entwicklung der Verschuldung im Finanzsektor und im Sektor der privaten Hypothekarkredite. Dabei sind je zwei starke Kreditwachstumsschübe festzustellen — in den 1980er- und 1990er Jahren. Auch ist ersichtlich, dass die jährlichen Kreditwachstumsraten beider Sektoren nahezu ausnahmslos über der jährlichen US-BIP-Wachstumsrate lagen.[97]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

U.a. die mit der starken Kreditgewährung verbundene Geldmengenausdehnung führte ab Anfang der 1990er Jahre zu steigenden Preisen auf verschiedenen Assetmärkten[98], die im Verlaufe der Zeit immer irrationalere Ausmaße annahmen. Anfang 2000 wurde ein solcher Preisexzess auf dem Aktienmarkt mit dem Platzen der sog. ,New- Economy-Blase‘ beendet. Dies veranlasste die US-Notenbank zu massiven Leitzinssenkungen von 6,5% in 2000 auf 1% in 2003[99], um eine größere Finanzkrise sowie drohende Rezession abzuwenden (zur BIP-Abschwächung siehe [Q] in der Abbildung 4).[100] Daran schloss sich eine weitere Ausdehnung des Kreditvolumens insbesondere im Sektor der privaten Hypothekarkredite an, was an der Entwicklung der jährlichen Wachstumsraten [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] in der Abbildung 4 ersichtlich ist. Das Kreditvolumen stieg hier von 4.820 Mrd. USD in 2000 auf 10.494 Mrd. USD in 2007 und verdoppelte sich somit in knapp sieben Jahren.[101] Dieses Hypothekenkreditwachstum, angefacht von den niedrigen lang- und kurzfristigen US-Zinsen, fand seine Entsprechung in der Preisentwicklung auf dem US-amerikanischen Immobilienmarkt.[102] Zwischen 2000 und 2006 verdoppelte sich der Case-Shiller-Hauspreisindex.

[...]


[1] WHU-Studie „Was tun die Controller“, 2008.

[2] Vgl. WHU-Studie „Was tun die Controller“, 2008.

[3] Beispielsweise „US-Investmentbank: Gier der Banker: Goldman-Chef will Reformen“. In: Handelsblatt.com. Stand: 8. April 2009. URL: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/bankenversic herungen/gier-der-banker-goldman-chef-will-reformen;2231027 (Abgerufen am 17. April 2009).

[4] Massing, O., Soziologie, 1974, S. 33.

[5] Denn: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“ Joh.08,07.

[6] Verstanden als die auf einen Staat bezogene Selbstgenügsamkeit in wirtschaftlicher, kultureller oder politischer Hinsicht, d.h. den geographisch bedingten oder den politisch-ideologisch bewusst herbeigeführten Verzicht auf die Teilnahme am internationalen Austausch von Gütern, Dienstleistungen und technischen Entwicklungen sowie von Ideen, Werten und kulturellen Entwicklungen. Bundeszentrale für politische Bildung. URL: http://www.bpb.de/popup/popup lemmata.html?guid=22L774 (Abgerufen am 31. Mai 2009).

[7] Vgl. Schreyögg G., Organisation, 2008, S. 341 (u.a. zit. nach Krohn, W./Küppers, G., Emergenz, 1992).

[8] Butterwegge, C./Lösch, B./Ptak, R., Kritik, 2008, S. 18 [Hervorhebung nicht im Original].

[9] Vgl. Keynes, J. M, Theorie der Beschäftigung, 1994.

[10] Im westlichen Nachkriegsdeutschland entwickelte sich unter dem Ordoliberalen Ludwig Erhard eine Wirtschaftsform des „Dritten Weges“, zwischen Sozialismus und „Paläoliberalismus“: die „Soziale Marktwirtschaft“. Neoliberale Anhänger führen den Erfolg des westdeutschen „Wirtschaftswunders“ auf ihr ordnungspolitisches Konzept zurück (vgl. Hayek, F.A., Freiheit, 1983, S. 21). Dabei muss darauf hingewiesen werden, dass sich bereits unter der Regierung Adenauer/Erhard ein ausgeprägter Staatsinterventionismus entwickelte (vgl. Butterwegge, C./Lösch, B./Ptak, R., Kritik, 2008, S. 81f.).

[11] Vgl. Altvater, E., Neoliberalismus, 2008, S. 51.

[12] Butterwegge, C./Lösch, B./Ptak, R., Kritik, 2008, S. 83.

[13] Röttger, B., Neoliberalisierung, 2008, S. 90.

[14] Vgl. Butterwegge, C./Lösch, B./Ptak, R., Kritik, 2008, S. 83.

[15] Altvater, E./Hübner, K./Stanger, M., Wirtschaftspolitik, 1983, S. 155.

[16] Röttger, B., Neoliberalisierung, 2008, S. 90.

[17] Butterwegge, C./Lösch, B./Ptak, R., Kritik, 2008, S. 83.

[18] Vgl. auch Dymarski, W. et al., Neuordnung des Finanzsektors, 2008, S. 4.

[19] Hansen, H., Globalisierung, 2008, S. 90.

[20] Vgl. Strange, S., Casino capitalism, 1997; der Vergleich der Finanzmärkte mit einem Kasino lässt sich bis auf J. M. Keynes zurückverfolgen (vgl. Keynes, J. M, Theorie der Beschäftigung, 1994).

[21] Stellvertretend für die hohen Renditeforderungen Severin Weiland, John Goety. „HRE-INSIDER ÜBER DIE KRISENBANK: ,Man konnte nur noch beten'“. In: Spiegel Online. Stand: 17. Juli 2009. URL: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0.1518.630744.00.html (Abgerufen am 17. Juli 2009). Der Aspekt der Gewinnmaximierung für die Eigenkapitalgeber erfährt die deutlichste Ausprägung im Aufkommen des Shareholder-Value-Managements in den 1990er Jahren (vgl. Rappaport, A., shareholder value, 1998).

[22] Bspw. die lateinamerikanische Schuldenkrise in den 1980er Jahren, die Asienkrise von 1997 bis 1998 oder die Russlandkrise von 1998 bis 1999.

[23] Vertrag über die Europäische Union, Artikel G, Amtsblatt Nr. C 191 vom 29. Juli 1992. http://eur- lex.europa.eu/de/treaties/dat/11992M/htm/11992M.html (Abgerufen am 6. Juni 2009)

[24] Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), Nicht im Amtsblatt veröffentlicht.

[25] Artikel 56 EGV; Vertrag von Nizza zur Änderung des Vertrages über die Europäische Union, der Verträge zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft sowie einiger damit zusammenhängender Rechtsakte. Amtsblatt Nr. C 80 vom 10. März 2001. Vgl. http: / /ec.europa.eu /internal market /capital/framew ork/treaty de.htm (Abgerufen am 6. Juni 2009).

[26] Vgl. Horst Köhler. „Die Glaubwürdigkeit der Freiheit“ - Berliner Rede des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland am 24. März 2009. URL: http://www.bundespraesident.de/-.2.653300/Die- Glaubwuerdigkeit-der-Freih.htm (Abgerufen am 1. Mai 2009).

[27] URL: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/23/0¦1872¦7390487¦00.html?dr= 1# (Abgerufen am 5. Juni 2009).

[28] Dies ist auch der Grund, warum es mit Verweis auf die Finanzkrise [!] (noch) zu keiner rechtskräftigen Verurteilung von Bank-Managern vor ordentlichen deutschen Gerichten kam, obwohl das Schadensvolumen ein mittlerweile ,astronomisches‘ Ausmaß annimmt.

[29] Welfens, PaulJ.J., Wirtschaftspolitik, 1995, S. 3.

[30] Vgl. Kleine Anfrage der Fraktion CDU/CSU zum Thema „Hemmnisse für die True-Sale-Verbriefung“, Deutscher Bundestag. Drucksache 15/5496. 15. Wahlperiode. 10.05.2005.

[31] Vgl. FN 30.

[32] Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage zum Thema „Hemmnisse für die True-Sale- Verbriefung“ — Drucksache 15/5496. Deutscher Bundestag. Drucksache 15/5559. 15. Wahlperiode. 30.05.2009.

[33] Diese zweite Ausführung des Glass-Steagall Act ist unter dem Namen ,Banking Act of 1933 (48 Stat. 162)‘ bekannt.

[34] Vgl. Büschgen, Hans E., Bankbetriebslehre, 1999, S. 71.

[35] Vgl. „Glass-Steagall Act (1933)“. In: The New York Times. URL: http://topics.nytimes.com/topics/re ference/timestopics/subjects/g/glass steagall act 1933/index.html (Abgerufen am 6. Juni 2009). Text: „The expansion of commercial banks into securities underwriting was substantial until the 1929 stock market crash and the subsequent Depression. (...) The act forced a separation of commercial and investment banks by preventing commercial banks from underwriting securities“.

[36] Gramm-Leach-Bliley Financial Services Modernization Act, Pub.L. 106-102,113 Stat. 1338, enacted November 12, 1999.

[37] Ein Beispiel stellt die Citigroup dar, die unter anderem das Privatkundengeschäft der Citibank und das Geschäft der Investmentbank Salomon Smith Barney unter einem Dach betrieb.

[38] Seite “Gramm-Leach-Bliley Act”. In: Wikipedia, The Free Encyclopedia. Stand: 2. Juni 2009. URL: http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Gramm-Leach-Bliley Act&oldid=293996168 (Abgerufen am 7. Juni 2009).

[39] Vgl. Dymarski, W. et al., Neuordnung des Finanzsektors, 2008, S. 4f.

[40] Diese Liberalisierungen waren dabei kein politischer Selbstzweck: Dem deutschen Mittelstand bspw. erschlossen sich mit der Forderungsverbriefung vollkommen neue Refinanzierungsquellen.

[41] Smith, A., Wealth of Nations, 2007, S. 16: „It is not from the benevolence of the butcher, the brewer, or the baker, that we expect our dinner, but from their regard to their own interest. We address ourselves, not to their humanity but to their self-love”.

[42] Vgl. Tietyel, M., Wirtschaftstheorie, 1985, S. 41.

[43] Die Rational-Choice Theorie (RCT) (bzw. Handlungstheorie oder ,Methodologischer Individualismus^) gilt seit den 1990er Jahren als das dominierende Paradigma der soziologischen Theorie (vgl. Miebach, B., Handlungstheorie, 2006, S. 29).

[44] Weber, M./Winckelmann, J., Wirtschaft und Gesellschaft, 2002, S.13.

[45] Weber, M./Winckelmann, J., Wirtschaft und Gesellschaft, 2002, S. 1 [Hervorhebung im Original].

[46] Institutional: Die Gewinnerzielungsabsicht von Kreditinstituten lässt sich aus dem § 6 Handelsgesetzbuch (HGB) und u.a. dem § 3 Aktiengesetz (AktG) aufgrund der (Form-) Kaufmanns eigens chaft sowie dem § 1 Kreditwesengesetz (KWG) aufgrund des gewerbsmäßigen Betreibens von Bankgeschäften herleiten; vgl. auch Grill, W./Perczynski, H./Grill, H., Wirtschaftslehre des Kreditwesens, 2008, S. 15. Irrationales [!] Handeln wäre demgemäß das Eingehen von nicht mehr handhabbaren Risiken, was die Bank in die Insolvenz führen könnte.

[47] Vgl. Fuhrmann, W., Finanzmarktkrise und deren Ausblick auf 2009 und 2010, 2009, S. 2.

[48] Perridon, E/Steiner, M., Finanzwirtschaft, 1999, S. 435.

[49] Vgl. Emse, C., Verbriefungstransaktionen, 2005, S. 35.

[50] Vgl. Broil, U./Bieta, V./Milde, H., Ursachen, 2008, S. 1352.

[51] Die Termini ,Basel I‘ und ,Basel II‘ bezeichnen einen Katalog von Eigenkapitalvorschriften, die vom ,Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht' vorgeschlagen wurden. Seit dem 1. Januar 2007 gilt Basel II gemäß den EU-Richtlinien 2006/48/EG und 2006/49/EG für alle Kreditinstitute in der EU.

[52] Vgl. Emse, C., Verbriefungstransaktionen, 2005, S. 39.

[53] Vgl. Emse, C., Verbriefungstransaktionen, 2005, S. 39.

[54] Credit Default Swaps sind eine Grundform von Kreditderivaten, mit denen Kreditrisiken auf Sicherungsgeber übertragen werden können, wobei die ursächliche Kreditbeziehung weder verändert noch neu begründet wird (vgl. Becker, H. P., Finanzierung, 2008, S. 291).

[55] http://www.tsi-gmbh.de /abs-im-ueberblick/vergleich /vssyntetische.html (Abgerufen am 19. Juli 2009).

[56] Auf der 1. Verbriefungsstufe wurden Kreditforderungen zu MBS (als eine Unterform der ABS) verbrieft, diese dann von Ratingagenturen bewertet und an Investoren verkauft. Auf einer möglichen 2. Verbriefungsstufe sind zum Zweck der Risikostreuung verschieden geratete MBS zu entsprechenden Tranchen (weiter-)verbrieft und als CDOs (als weitere Unterform der ABS) veräußert worden.

[57] Vgl. Emse, C., Verbriefungstransaktionen, 2005, S. 34.

[58] Sog. Asset-Backed-Commercial-Paper- bzw. ABCP-Programme, auch Conduit-Geschäfte, verbinden (in konsolidierter Sicht) den Kapitalmarkt (Forderungen) mit dem Geldmarkt (Refinanzierung mittels variabel verzinslicher Geldmarktpapiere). ABCP werden somit zum „Arbitrage-Vehicle“, ohne das Eigenkapital zu beanspruchen (vgl. Everting, O., Kapitalmarktrating, 2005, S. 46.); die Aussagen in diesem Absatz gelten bei Vorlage einer normalen Zinsstrukturkurve.

[59] Conduit — Refinanzierung erfolgt über kurzlaufende Geldmarktpapiere (bspw. ABCP).

[60] Broll, U./Bieta, V./Milde, H., Ursachen, 2008, S. 1352.

[61] Vgl. Broll, U. et al. (FN 60).

[62] In der HGB-Bilanz werden Eventualverbindlichkeiten (bspw. Nominalwerte der Kreditzusagen) unter dem Bilanzstrich der Passiva ausgewiesen.

[63] Das SPV wird von der Bank gegründet, damit sie sich vom Management- und (theoretisch, S.K.) vom allgemeinem Unternehmensrisiko befreit (vgl. Emse, C, Verbriefungstransaktionen, 2005, S. 34).

[64] Vgl. Töpfer, A., Betriebswirtschaftslehre, 2005, S. 261.

[65] Unter Beachtung u.a. der Regelungen um die Geschäftsfähigkeit und Willenserklärung nach den §§ 104 ff. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) sowie um die Deliktsfähigkeit nach den §§ 823, 827 und 828 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB).

[66] Aktiengesetz (AktG) in der Fassung vom 6. September 1965.

[67] Die Rechtsfähigkeit wird bei juristischen Personen mit der Eintragung in ein öffentliches, von den Gerichten geführtes Register erlangt [vgl. § 41 Abs. 1 Aktiengesetz(AktG)].

[68] Die Aktiengesellschaft als juristische Person kann aber aufhören zu existieren [vgl. bspw. § 262 Abs. 1 Satz 3 Aktiengesetz (AktG) über die Auflösung der AG bei Eröffnung eines Insolvenzverfahrens].

[69] Aktiengesetz (AktG) in der Fassung vom 6. September 1965. Regelungen zur Vertretung (§ 77 AktG) und Geschäftsführung (§78 AktG).

[70] Großfeld, B., Aktiengesellschaft, 1968, S. 110 (mit einem Zitat von Caflisch, S., Selbständigkeit, 1961, S.212).

[71] Vgl. Dymarski, W. et al., Neuordnung des Finanzsektors, 2008, S. 8.

[72] Großfeld, B., Aktiengesellschaft, 1968, S. 106 (mit einem Zitat von Tielsch, E., Haftung, 1935, S.4).

[73] Vgl. Großfeld, B. (FN 72).

[74] Vgl. für Deutschland insbesondere die ordoliberale Schule: „Wer den Nutzen hat, muss auch den Schaden tragen“. Eucken, W., Wirtschaftspolitik, 1952, S. 279.

[75] Vgl. die Aussagen des derzeitigen Vorstandssprechers J. Ackermann der Deutschen Bank AG, der auf den starken Marktdruck zur Erzeilung einer entsprechenden Eigenkapitalrendite hinweist.

[76] Dymarski, W. et al, Neuordnung des Finanzsektors, 2008, S. 9.

[77] Auch [!] verstanden in einem moralischen Sinne.

[78] Zum Rendite-Risiko-Zusammenhang vgl. Perridon, L./Steiner, M., Finanzwirtschaft, 1999, S. 14f.

[79] Vgl. Bieta, V. et al., Verhaltensrisiken, 2006, S. 16ff.

[80] Vgl. Rieck, C, Spieltheorie, 2006.

[81] Bereits im Rahmen der Berufsausbildung zum Bankkaufmann werden die Risiken der Fristentransformation angesprochen (vgl. Grill, W./Perczynski, H./Grill, H., Wirtschaftslehre des Kreditwesens, 2008, S. 13 und S. 525).

[82] Vgl. Broll, U./Bieta, V./Milde, H., Ursachen, 2008, S. 1351.

[83] Analoges gilt für das Handeln von Bank A.

[84] Vgl. Broll, U./Bieta, V./Milde, H., Ursachen, 2008, S. 1356.

[85] Vgl. Anhang I.

[86] Vgl. „Rhineland Funding Capital: Eine Kreditlinie wurde der IKB zum Verhängnis“. In: Faz.net. Stand: 30. Juli 2007. URL: http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~EA 783A77C46274265AD639EECB7F19034~ATpl~Ecommon~Scontent.html (Abgerufen am 28. Mai 2009).

[87] In der Spieltheorie wird dieser Zustand ,Gefangenen-Dilemma‘ bezeichnet; für das Bankensystem schlagen Broll et al. staatliche Eingriffe vor, da freiwillige Verpflichtungen — wie gesehen — gebrochen würden (vgl. Broll, U./Bieta, V./Milde, H., Ursachen, 2008, S. 1358).

[88] Eigene Berechnung auf Basis folgender Quellen: Federal Reserve und OECD Factbook 2009.

[89] Auch das Handeln der Kreditnachfrager ist — unter restriktiven Annahmen — rational, wenn der Nutzen durch weiteren Konsum (also indirekt durch die Kreditgewährung) gesteigert werden kann. Dies setzt aber eine sehr hohe Zeitpräferenz voraus, denn zukünftig müssen die Schulden beglichen werden. Eine Beurteilung des Handeln der Kreditnehmer (wie auch der Banken) gestaltet sich schwierig: Ist es rational, die 6. Kreditkarte zu nutzen, um die Schulden der 5. zurück zu zahlen?

[90] Vgl. Bankbetriebslehre III, Begleitmaterial zur Vorlesung SBWL Finanzierung und Banken, Universität Potsdam, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Wintersemester 2001/2002, S. 2.

[91] Gemeint sind die Gesamtzinsspannenrechnung sowie die Pool- und Schichtenbilanz-Methode als Teilzinsspannenrechnungen.

[92] Schierenbeck, H., Ertragsorientiertes Bankmanagement, 1999, S. 53ff.; Süchting J./Paul, S, Bankmanagement, 1998, S. 414ff.

[93] Man denke nur an die Möglichkeit der Transaktionskostensenkung, wenn bspw. bei identischem Ergebnis der Mittelverwendung statt dezentraler Kundenberater eine zentrale Treasury-Abteilung tätig ist, die die weltweiten GKM-Geschäfte koordiniert.

[94] Kritisch zur Lehrwirkung der Kapitalmarkttheorie Gerke, W, Kapitalmarkt ohne Moral, 2005, S. 3ff.

[95] Vgl. Beth Gardiner. „MBA: Lehrstätten für Finanzjongleure“. In: Handelsblatt.com. Stand: 17. April 2009. URL: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/karriere/lehrstaetten-fuer-finanzjongleure:2237 863 (Abgerufen am 4. Juni 2009).

[96] Ergänzend zu diesem Abschnitt: Der hohe Einfluss der (amerikanischen) A- und B-Journals auf die akademischen Karrieren im Bereich der Wirtschaftswissenschaften wird gesehen, hier aber nicht vertieft. Dass damit eine Lenkungs- und somit Verdrängungsfunktion möglicher, u.U. sinnvollerer Forschungsschwerpunkte und späterer Lehrinhalte verbunden ist, kann nach Meinung des Verfassers eine Grundlagendiskussion über den Wissenschaftsbetrieb vor dem Hintergrund der Finanzkrise nur verstärken (vgl. auch Martin Beglinger. „Sturmtief über St. Gallen“. In: Das Magazin. Stand: 29. Mai 2009. URL: http://dasmagazin.ch/index.php/sturmtief-uber-st-gallen/ (Abgerufen am 4. Juni 2009).

[97] Zwischen 1977 [1989] und 2007 [1999] betrug das Kreditwachstum im Finanzsektor durchschnittlich 13,8% [11,8%] und im Sektor für private Hypothekarkredite durchschnittlich 10,0% [6,9%]: dagegen lag das US-BIP-Wachstum (nur) bei durchschnittlich 6,6% [5,4%] (vgl. eigene Berechnung auf Basis der jeweiligen jährlichen Wachstumsraten: Quellen: Federal Reserve und OECD Factbook 2009).

[98] Bei vergleichsweise geringerem realwirtschaftlichen Wachstum sowie moderater Inflation, vgl. Aussagen Alan Greenspans in Matthias Naß: „Finance: The great irony of success“. In: Zeit Online. Stand: 30. Januar 2008. URL: http://www.zeit.de/online /2008/05/interview-greenspan-english?page=all (Abgerufen am 17. April 2009).

[99] Vgl. http://www.federalreserve.gov/fomc/fundsrate.htm (Abgerufen am 1. Juni 2009).

[100] Vgl. zum Ziel und den Maßnahmen der US-Notenbankpolitik: Matthias Naß: „Finance: The great irony of success“. In: Zeit Online. Stand: 30. Januar 2008. URL: http://www.zeit.de/online/2008/05/ interview-greenspan-english?page=all (Abgerufen am 17. April 2009) und die Abbildungen im Anhang II.

[101] Vgl. OECD Factbook 2009 und eigene Berechnung.

[102] Vgl. zur Entwicklung der Zinsen und der Hauspreise in den USA die Abbildung im Anhang I.

Details

Seiten
108
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640649808
ISBN (Buch)
9783640649495
Dateigröße
3.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152597
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,3
Schlagworte
Wirtschaftskrise Krise Controlling Steuerung Kontrolle Planung Liquidität Liquiditätssteuerung Rentabilität steigern

Autor

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Titel: Beitrag des Controllings zur Bewältigung der Wirtschaftskrise im Unternehmen