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Dynamik in Gruppen

Hausarbeit 2006 18 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Gruppe
2.1 Gruppendynamik
2.2 Lernen in der Gruppe

3. Phasen des Gruppenprozesses nach Tuckman
3.1 Forming
3.2 Storming
3.3 Norming
3.4 Performing
3.5 Re-Forming
3.6 Phasenabfolge

4. Die Streitphase (Storming)

5. TZI
5.1 Die Axiome
5.2 Die Postulate
5.3 Hilfsregeln

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Wir brauchen andere Menschen, um uns sicher zu fühlen, um produktiv arbeiten zu können und um zu wissen, wer wir selbst sind. Und so hängt unser Wohlbefinden auf dieser Welt nicht zuletzt davon ab, ob und wie es uns gelingt, in den Gruppenkonstellationen, in die wir eingebunden sind, ein Zuhause zu finden.“ (Stahl 2002, XIX)

So gut wie jeder Mensch befindet sich, ob gewollt oder nicht, in Gruppen. Oft verstehen wir dabei jedoch nicht, wie sich bestimmte Konstellationen ergeben oder warum wir uns geborgen oder unwohl fühlen.

In dieser Hausarbeit sollen die Begriffe der „Gruppe“ und der „Gruppendynamik“ erläutert und definiert werden.

Später wird die Gruppenentwicklung mit all ihren wichtigen Bestandteilen anhand des Modells von Tuckman dargestellt, welches erklären soll, wie Prozesse in Gruppen ablaufen können.

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit soll der Schwerpunkt bei der Streitphase von Gruppen liegen, in der es zu Konflikten zwischen den einzelnen Teilnehmern oder Zieldefinitionen kommen kann. Es soll gezeigt werden, dass diese Phase neben der Unangenehmlichkeiten auch Chancen mit sich bringen kann und ein wichtiger Bestandteil ist.

Als letztes wird ein Modell beschrieben, welches auf ein ganzheitliches Lernen zielt und gerade in den Streitphasen zur Hilfe gezogen werden kann. Ziel dieser Arbeit soll es sein Gruppenentwicklungen besser zu verstehen und Streitphasen als eine Möglichkeit der Bereicherung zu sehen.

2. Die Gruppe

Im Folgenden soll der alltägliche Begriff der „Gruppe“ definiert und beschrieben werden.

Gruppen findet man fast überall im menschlichen Miteinander, jede mit eigenen Zielen, Hintergründen, Regeln und Zusammensetzungen. In der Alltagssprache ist der Gruppenbegriff unscharf definiert und bezeichnet allgemein eine Mehrzahl von Menschen, Tieren, Pflanzen oder Dingen mit gemeinsamen Merkmalen. Etymologisch betrachtet bedeutet „Gruppe“ soviel wie „verknotet“, abgeleitet von dem italienischen Wort „groppo“. Ab zwei Personen (Dyade) spricht man von einer Gruppe, umfasst die Gruppe bis zu zwanzig Personen ist von Kleingruppen die Rede. Georg Simmel (1858 - 1918) geht davon aus, dass die Zahl der Mitglieder einer Gruppe etwas mit der Bedeutung und Durchsetzung von Inhalten zu tun hat.

Charles H. Cooley (1864 - 1929) unterschied zwischen Primär- und Sekundärgruppen. Erstere ist gekennzeichnet durch eine sehr vertrauensvolle Beziehung unter den Personen. Die Sekundärgruppe ist eher unpersönlich und vorwiegend interessengeleitet. (Korte 2004)

In der Soziologie wird ein soziales Gebilde mit folgenden Merkmalen als Gruppe bezeichnet:

1. eine Mehrzahl von Personen, die eine für Gruppenmitglieder und für Außenstehende überschaubare soziale Einheit ergeben
2. gemeinsame Sprache, die gruppenspezifische Züge annehmen kann (Gruppenjargon)
3. gemeinsame Werteorientierungen, Ziele, Interessen und Auffassungen
4. gemeinsame, gruppenspezifisch ausgeprägte soziale Normen, die mit sozialer Kontrolle und Sanktionen verbunden sind
5. dauerhafte soziale Beziehungen und Interaktion zwischen den Gruppenmitgliedern sowie ein räumlich, zeitlich, kooperativ gemeinsames Handeln zur Erreichung der Gruppenziele und zur Bewältigung von Aufgaben und Problemen. Auch in der Psychologie ist eines der wichtigsten Kriterien für eine Gruppe, dass ein unmittelbarer Kontakt jedes Mitgliedes mit jedem anderen möglich sein/oder realisiert sein muss. (Sader 2000)
6. ein vorhandenes Wir-Bewusstsein (Wir-Gefühl) aufgrund der gegenseitigen Orientierung, Verbundenheit und Verantwortungsbereitschaft
7. ein hinreichender Grad der gruppeninternen Festigkeit infolge des Zusammenhalts der Gruppenmitglieder und dadurch erreichte Widerstandskraft gegenüber desintegrativ wirkenden Binnenstörungen (Hillmann 1994)

Eine Gruppe bietet dem einzelnen Individuum eine Reihe von Vorteilen, wie Schutz nach außen, Interessenvertretung, Orientierung und Sicherheit durch Anerkennung oder Freiraum für Lernerfahrungen.

In den meisten Fällen stehen bei Gruppen jedoch die individuellen oder gemeinsamen Ziele im Vordergrund. Aus diesem Grund und mit Blick auf die Ziele schließen sich Menschen Gruppen an oder bilden eine neue. „In jedem Fall sind es persönliche Ziele, die uns den Schritt vom Ich zum Wir tun lassen - und wenn es nur darum geht, nicht allein zu sein.“ (Stahl 2002, 3) Hier liegt auch der Unterschied zu einer losen Ansammlung, wie z.B. im Wartezimmer, bei der keine Interaktionen, gemeinsame Handlungen und Ziele zwischen den Anwesenden auftreten.

Wer einer Gruppe beitritt, bringt demnach auch immer seine eigenen Zielvorstellungen mit und gibt „den Inhalt seines persönlichen Zielpools in den großen gemeinsamen Topf, in den Zielpool der Gruppe.“ (Stahl 2002, 8)

Zielpool der Gruppe:

Die einzelnen persönlichen Ziele können sehr unterschiedlich sein und sich widersprechen. Sie können sich aber auch gegenseitig unterstützen oder Gemeinsamkeiten aufzeigen. Alle Ziele der Gruppenmitglieder bilden zusammen ein System, „d.h. sie sind miteinander verbunden, wirken aufeinander ein und lassen so im Verlauf des Miteinandertuns ein einzigartiges, unverwechselbares Beziehungsgeflecht entstehen.“ (Stahl 2002, 9)

Zur Erreichung der Ziele und für ein erfolgreiches Miteinander bedarf es Absprachen und Regeln. Diese können unausgesprochen entstehen oder explizit ausgehandelt werden. Nur mit einem dem Ziel entsprechendem Gruppenvertrag, kann ein gemeinsames Arbeiten und Lernen in einer Gruppe gelingen.

2.1 Gruppendynamik

Titel dieser Arbeit ist „Dynamik in Gruppen“- was darunter verstanden wird, soll in dem folgenden Abschnitt erklärt werden.

Der Begriff „Gruppendynamik“ kommt aus der Sozialpsychologie und bezeichnet die in einer Gruppe ablaufenden Prozesse oder Verfahren, mit deren Hilfe Gruppenprozesse beeinflusst werden sollen. Weiter beschreibt dieser Begriff Kräfte, durch die alle Arten psychologisch beschreibbarer Veränderungen hervorgerufen werden. Solche Kräfte können darin bestehen, „daß Individuen einander näher durch Kommunikation kommen, durch Angleichungen von Haltungen und Meinungen oder daß Gruppen sich ihren Zielen nähern, soziale Hindernisse beseitigt werden oder dergleichen.“ (Lewin 1936, 49 in Rechtien 1999, 14)

Nach dieser Begriffsbedeutung gehören dazu Prozesse wie Gruppenbildung, Rollenentwicklung, Führung oder Macht.

Gruppendynamik kann auch als ein Methodeninventar zur Steuerung von Gruppenprozessen verstanden werden.

Um das Geschehen in Gruppen zu beeinflussen, können z.B. Techniken, wie Prozessanalyse, Brainstorming, Rollenspiele oder Kommunikationsübungen herangezogen werden.

Gruppendynamik untersucht Gruppenprozesse dahingehend, ob sie dem einzelnen bei der Suche nach seiner personalen Identität helfen, ihn zu stärkerer sozialer Integrität und zu einem besseren Verständnis seiner sozialen Situation anregen. (Hillmann 1994)

2.2 Lernen in der Gruppe

Oft und fast überall werden Gruppen gebildet und zusammengesetzt, um etwas zu erarbeiten und zu lernen. Dies können z.B. kleine Lerngruppen, Projektarbeiten oder Kurse an Volkshochschulen oder anderen Weiterbildungseinrichtungen sein. „ (…) immer wenn Menschen in Gruppen zusammen sind, ’geschieht’ auch Lernen, oft ohne daß man sich dessen recht bewusst ist (…).“ (Langmaack 1989, 1)

Zum einen lernt man etwas über das Behandeln und Bewältigen bestimmter Inhalte, aber auch über den Austausch mit Anderen, die Wahrnehmung eigener und fremder Gedanken, sowie das Erleben eines Miteinandergefühls und das Entstehen und Lösen von Konflikten.

Auch wenn Vieles nur im Alleingang und im Stillen erlernt werden kann, bietet die Gruppe ihre eigenen Vorteile, die für ein leistungsfähiges Lernen genutzt werden können. Um diese Vorteile nutzen zu können, müssen die individuellen Stärken der einzelnen Gruppenmitglieder erkannt, akzeptiert und eingebracht werden. Hierbei kann es hilfreich sein einen Gruppenleiter zu bestimmen, der die Vorgehensweise und Einbringung der Einzelnen definiert. Das Vorhandensein eines Leiters heißt aber nicht, dass sich die anderen Mitglieder ihrer Verantwortung und Steuerung entziehen sollten. „Arbeit in Gruppen ist immer auch ein Arbeiten an den Fragen, wie die Gruppe und der einzelne sich selbst leiten können.“ (Langmaack 1989, 4)

Entsteht in einer Gruppe Vertrauen und ein unterstützendes Arbeiten, dient das dem Lernfortschritt jedes einzelnen Teilnehmers.

3. Phasen des Gruppenprozesses nach Tuckman

Wie schon erwähnt benötigt eine Gruppe einen gemeinsamen Zielpool und einen „Gruppenvertrag“, der alle grundliegenden Abmachungen beinhaltet, um sich arbeitsfähig, zielorientiert und organisiert entwickeln zu können. Um den Entwicklungsprozess beschreiben und Gruppendynamiken erklären zu können, soll hier das Modell von Tuckman herangezogen werden.

„Das linear-progressive Modell war erstmals von Tuckman propagiert worden, nachdem er über 50 Studien bezüglich Gruppenentwicklung in der Literatur durchgesehen hatte. (…) Man kann mit Sicherheit behaupten, dass Tuckman das Essentielle aller wesentlichen linear-progressiven Modelle zur Gruppenentwicklung in seinem resultierenden 4-Stufen-Modell erfasst und formuliert hat.“ (Tschuschke 1997, 183ff in Stahl 2002, 380) In seinem Modell hat Tuckman vier (fünf) aufeinander folgende Schritte für Gruppenentwicklungen formuliert:

1. Forming
2. Storming
3. Norming
4. Performing
5. Re-forming (erweitertes Modell)

Caple unterteilt den idealtypischen Gruppenprozess auch in fünf verschiedene Phasen, die er allerdings anders bezeichnet:

1. Phase der Orientierung
2. Phase des Konflikts
3. Phase der Integration
4. Phase der Leistung
5. Phase der Stabilisierung

Im Folgenden sollen nun jedoch die Phasen nach Tuckman kurz dargestellt und erläutert werden, um im späteren Verlauf die Streitphase und deren Einordnung genauer beschreiben zu können.

3.1 Forming

Die Phase des Formings kann auch als Einstiegs- und Findungsphase bezeichnet werden. Im Mittelpunkt steht hier vor allem der Kontakt zu anderen Gruppenmitgliedern und neuen Anforderungen. Es ist die Zeit der ersten Schritte und der Anfänge von Gruppenbildungen und -entwicklungen. Man lernt die Gruppenmitglieder kennen, versucht diese einzuschätzen und sich in die Struktur einzuordnen. In erster Linie geht es in dieser Phase darum, Kontakte herzustellen und eine Zugehörigkeit zu der Gruppe abzusichern. Meist ist dieses Kennenlernen durch Distanz und Unsicherheit gekennzeichnet. Die Gruppenstruktur, die sich während des Formings bildet, wird als Konventionsstruktur bezeichnet. „Die geltenden Regeln stehen im Dienste der Vorsicht und sind im Sinne eines kleinsten gemeinsamen Nenners vor allem von vermeintlichen ’Benimm-Regeln’ geprägt.“ (Stahl 2002, 51)

Aber auch durch diese ersten Regeln und ein gemeinsames Auftreten grenzt sich die Gruppe bereits in der Kennenlernphase ab und es entsteht ein umgrenztes System. (Stahl 2002)

3.2 Storming

Nach dem Kennenlernen und dem Entwickeln einer Konventionsstruktur folgt für Tuckman die Phase des Stormings. Hier geht es vor allem um Unterschiede, die zwischen den Beteiligten bestehen. So werden z.B. die einzelnen Interessen und Ziele genauer betrachtet und angesprochen. Da verschiedene Ziele miteinander konkurrieren können, kommt es in dieser Phase oft zu Konflikten und Auseinandersetzungen. Jedes Gruppenmitglied versucht, sich und seine Absichten darzustellen und auch die eigenen Ziele zu vertreten. Anfängliche Unsicherheiten und Zurückhaltung verlieren beim Storming an Bedeutung und Unterschiede werden immer deutlicher. Diese zweite Phase wird auch Streitphase und die daraus entstehende Struktur als Konfliktstruktur bezeichnet. (Stahl 2002)

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Details

Seiten
18
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640648399
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152996
Institution / Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig – Allgemeine Pädagogig
Note
1,3
Schlagworte
Gruppendynamiken Gruppenprozesse

Autor

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