Lade Inhalt...

Zur Insider- Outsider- Thematik: Spaltungstendenzen im Neoliberalismus

Seminararbeit Migrationssoziologie

Seminararbeit 2008 16 Seiten

Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Vorwort/ Begriffsbestimmung

2.) Grundannahmen/ derzeitige Situation

3.) Zum Begriff Globalisierung

4.) Spaltungstendenzen als Konsequenz der neoliberalen Modernisierung

5.) Weitere Dimensionen sozialer Exklusion von MigrantInnen

6.) Schlusswort

7.)Literaturverzeichnis:

1.) Vorwort/ Begriffsbestimmung

Die Zunahme und zunehmende Bedeutung von Migrationsprozessen im Zeitalter der Postmoderne lässt den Prozess der Migration auch in den Fokus der Soziologie rücken. Das relativ neue Bindestrichfeld der Migrationssoziologie behandelt Ursachen, Formen und Verläufe von Wanderungsprozessen. Viele engere und weitere Definitionen von Migration stehen einander in der Literatur gegenüber, wenn ich im Rahmen meiner Arbeit von Migration sprechen werde, meine ich damit den auf Dauer angelegten beziehungsweise dauerhaft werdenden “Wechsel in eine andere Gesellschaft bzw. in eine andere Region von einzelnen oder mehreren Menschen“. (siehe Treibel, Annette (2003): Migration in modernen Gesellschaften, Juventa; Weinheim und München, S. 21) Migration ist kein historisch neues Phänomen, doch mit zunehmender Globalisierung erreichte Migration als Teilphänomen auch ein neues Niveau. Es besteht eine Beziehung zwischen Globalisierung und Migration, Globalisierung bedingt und erfordert Migration in dem Sinne, dass eine globalisierte Ökonomie eine wachsende internationale Migration erfordert; dass zweitens Globalisierung die technischen Möglichkeiten für eine zunehmende Migration schafft und diese wiederum durch die der Globalisierung innewohnenden Tendenzen zur Verstärkung sozialer Ungleichheiten angekurbelt wird. (vgl. Butterwege, Christoph; Hentges, Gudrun (Hrsg.) (2006): Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung, VS; Wiesbaden, S: 55) Die Wirkungszusammenhänge zwischen Globalisierung und Migration liegen darin begründet, dass einerseits aufgrund von neuen Techniken weite Entfernungen in kürzester Zeit überwunden werden können. Aufgrund der durch technologische Innovationen erhöhten Mobilität kann über weitere Distanzen migriert werden. Andererseits werden über die Massenmedien internationale und interregionale Wohlstandsgefälle sichtbar. (vgl. Butterwege, Christoph; Hentges, Gudrun (Hrsg.) (2006): Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung, VS; Wiesbaden, S. 26) “Gleichzeitig werden soziale Zusammenhänge labiler und die Menschen gezwungenermaßen sowohl beruflich flexibler wie auch geografisch mobiler.“ (siehe Butterwege, Christoph; Hentges, Gudrun (Hrsg.) (2006): Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung, VS; Wiesbaden, S. 72) Die Formen der sozialen Dynamik erst ermöglichende Migration differenzieren sich im gegenwärtigen neoliberalen Weltsystem immer mehr zu einer Polarisierung zwischen Elends- und Elitenmigration.

2.) Grundannahmen/ derzeitige Situation

Während einerseits eine Differenzierung der Migrationstypen im Zeitalter der Postmoderne stattfindet, reichen bipolare Migrationstypologisierungsmuster, die ursprünglich zur Unterscheidung von Migrationstypen verwendet wurden, nicht mehr aus, gegenwärtige Prozesse zu klassifizieren. Die anachronistische, niemals ganz treffend gewesene Unterscheidung zwischen freiwillig erfolgender Arbeitsmigration und Fluchtmigration wird aufgrund der Verwobenheit beider Begriffe aufgegeben. (vgl. Butterwege, Christoph; Hentges, Gudrun (Hrsg.) (2006): Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung, VS; Wiesbaden, S. 21)

Entscheidungen zur Migration werden aufgrund von Push- und Pullfaktoren getroffen. Damit Migrationsbewegungen überhaupt stattfinden können, müssen in diesem Sinne der Leidensdruck potentieller MigrantInnen als auch die subjektiv eingeschätzte Attraktivität des Zielortes sehr groß sein. (vgl. Butterwege, Christoph; Hentges, Gudrun (Hrsg.) (2006): Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung, VS; Wiesbaden, S. 11) Je mehr Armut, Elend, Hungersnöte und Umweltzerstörung durch neoliberale Strukturen verschärft werden, umso mehr steigt der internationale Migrationsdruck. MigrantInnen migrieren also in der Hoffnung auf eine Verbesserung des Lebensstandards um dem Elend in ihrer Heimatregion zu entkommen oder sie fliehen vor kultureller und politischer Repression. Diese Kategorien der Wirtschafts-, politischen und Kulturflüchtlingen, welche den Großteil der derzeitigen Wanderungsbewegungen ausmachen, steht die kleine Gruppe der so genannten “globalen MigrantenInnen“ gegenüber. Mit diesem Begriff bezeichnet man die politisch intendierte und tolerierte Migration von (geistigen) Eliten und Hochqualifizierter transnationaler Konzerne. Die quantitativ dominierende Gruppe der Elends-, Arbeits- und FluchtmigrantInnen, die so genannten “transnationalen“ MigrantInnen, wird im Gegensatz zur Gruppe der globalen MigrantInnen durch immer repressivere Zuwanderungs- und Asylgesetze strukturell von dem Recht auf Migration abgehalten, diese Flüchtlinge werden kriminalisiert. (vgl. Butterwege, Christoph; Hentges, Gudrun (Hrsg.) (2006): Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung, VS; Wiesbaden, S. 42) Hierin liegt ein politischer Grundwiderspruch der Globalisierung begründet: Gefördert wird die weltweite Mobilität des Kapitals, aber Menschen werden abgeschoben, wenn sie ebendies versuchen. Der Großteil der Migrationsbewegungen findet innerhalb der südlichen Hemisphäre statt, intraregionale Wanderungen sind wesentlich häufiger als interregionale. Die landläufige mediale und oftmals auch politische Darstellung, dass Europa und insbesondere Mitteleuropa das primäre Ziel von Flüchtlingsströmen aus der Dritten Welt sei, lässt sich bei Analyse der Fakten nur widerlegen. Nur ein sehr geringer Teil der transnationalen MigrantInnen gelangt in die Industrieländer und hier sind es auch nicht die Unterschichten, sondern die städtischen Mittelschichten, die überhaupt über jene finanziellen Ressourcen verfügen, um Schlepperdienste in Anspruch nehmen zu können und so in die Industrieländer gelangen. (vgl. Butterwege, Christoph; Hentges, Gudrun (Hrsg.) (2006): Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung, VS; Wiesbaden, S. 73)

3.) Zum Begriff Globalisierung

Globalisierung ist das Fortschreiten eines Prozesses, der mit der Industrialisierung und der Europäisierung der Welt begonnen hatte. Globalisierung umfasst alle Prozesse der Aufweichung bzw. Überwindung nationalstaatlicher Grenzen und Kompetenzen und bezeichnet “zunehmende internationale wirtschaftliche, politische und kulturelle Verflechtung“. (siehe Butterwege, Christoph; Hentges, Gudrun (Hrsg.) (2006): Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung, VS; Wiesbaden, S. 37) Globalisierung geht gegenwärtig einher mit neoliberaler Umstrukturierung, welche in den 80ern einsetzte und seit dem Zusammenbruch der realsozialistischen Staaten ungebremst hegemonial agiert. Neoliberalismus ist charakterisiert durch einen Hass auf Arme und Schwache, welche als faul und als Sozialschmarotzer dargestellt werden, durch die Prekarisierung der Erwerbsarbeit, und durch Aushöhlung und Deregulierung staatlicher Aufgaben und gesetzlicher Schutzbestimmungen. Sozialsysteme werden aufgelöst, der Staat nimmt Bildungsauftrag, Gesundheitsfürsorge und Daseinshilfe zusehends nicht mehr wahr. (vgl. Butterwege, Christoph; Hentges, Gudrun (Hrsg.) (2006): Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung, VS; Wiesbaden, S. 37) Alle Lebens- und Gesellschaftsbereiche werden ökonomisiert, vermarktet und privatisiert; diese Ökonomisierungen und Privatisierungen machen auch vor sozial sensiblen Gütern wie Bildung oder Gesundheit, anderen sozialen Dienstleistungen oder vor kollektiven Ressourcen wie zum Beispiel Wasser nicht halt. Neoliberalismus bedeutet “schrankenloses Profitstreben auf Kosten von Belegschaften“ und gesellschaftlich, sozial und ökonomisch ausgeschlossenen und benachteiligten Randgruppen. (siehe Butterwege, Christoph; Hentges, Gudrun (Hrsg.) (2006): Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung, VS; Wiesbaden, S. 58) Weiters bedeutet Neoliberalismus die Gegenreform zum keynsianischen Wirtschaftssystem, welche auf Massenkonsum durch Umverteilungsmaßnahmen basiert, und dessen zentrale Errungenschaft der Sozialstaat darstellt. Traditionelle Werte wie soziale Gleichheit oder Solidarität, kennzeichnend für den keynsianischen Nationalstaat, werden heute als kontraproduktiv erachtet. Armut wird und soll auch durch den Neoliberalismus geschaffen werden, da sie allen Mitgliedern einer Gesellschaft droht, sichert sie bei ebendiesen die den Neoliberalismus stabilisierende Verinnerlichung des Konkurrenz- und Wettbewerbsgedanken. Die Verabsolutierung des Konkurrenz- und Wettbewerbsgedanken im Neoliberalismus führt zu einem Klima, das von Argwohn und gegenseitiger Feindseligkeit geprägt sind, wodurch wiederum jegliche Solidarität unterbunden wird. Sozialstaatlichkeit und soziale Marktwirtschaft sind die natürlichen Feinde des Neoliberalismus und so werden sie tagtäglich weiter demontiert, was die krasse Zunahme von sozialen und ökonomischen Ungleichheiten zur Folge hat. (vgl. Butterwege, Christoph; Hentges, Gudrun (Hrsg.) (2006): Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung, VS; Wiesbaden, S. 58) Der ehemals solidarische, auf Inklusion ausgerichtete Charakter des Sozialstaates wird durch eine repressive Sozialversorgung ersetzt. Restriktive Gesetzte wurden geschaffen, welche die Menschen zur Annahme jeglicher Arbeit verpflichten, wenn sie nicht als Sanktion zur Verweigerung den Anspruch auf Geldbezug verlieren wollen. (vgl. Adamy, Willhelm/ Steffen, Johannes (1998): Abseits des Wohlstands- Arbeitslosigkeit und neue Armut. Darmstadt: Primus Verlag, S. 4)

Den sozialdarwinistischen Implikationen des Neoliberalismus entsprechend, sollen sich um jene, welche im entfesselten Konkurrenzkampf unterliegen, nicht mehr staatliche Akteure, sondern private Wohltäter kümmern. Die neoliberale Kritik am Sozialstaat besagt, dieser sei zu teuer, was wiederum der Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität des Wirtschaftsstandortes abträglich sei; bevormunde durch das Postulat der sozialen Gleichheit die Menschen; verführe aufgrund übertriebener Großzügigkeit bei der Leistungsgewährung Wirtschaftsflüchtlinge und Einheimische zum missbräuchlichen Bezug von Sozialleistungen, was demotivierend auf reguläre, im Arbeitsprozess stehende und an die Sozialversicherung Beitrag leistenden ArbeiterInnen wirke und fungiere als Wachstumsbremse für die Wirtschaft, da er aufgrund von hohen Arbeitslosenbezügen die Arbeitslosigkeit künstlich hoch halte. (vgl. Butterwege, Christoph; Hentges, Gudrun (Hrsg.) (2006): Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung, VS; Wiesbaden, S. 60) Diese Hypothesen lassen sich allesamt empirisch widerlegen. Die Wahrscheinlichkeit Sozialhilfe zu beziehen, nimmt mit zunehmender Aufenthaltsdauer ab, aufgrund der demographischen Struktur, dem hohen Anteil von jungen Menschen an den MigrantInnen und der tendenziell höheren Reproduktionsrate der MigrantInnen, werden durch Migration die Überalterung in den Industrieländern gebremst und die Sozialsicherungssysteme entlastet. Des weiteren ist eine MigrantInnen strukturell, durch reglementierende Ausländerbeschäftigungsbestimmungen und bürokratische Hürden fast unmöglich gemachte Integration auf dem Arbeitsmarkt notwendig, um in ein Sozialversicherungssystem inkludiert zu werden und somit Leistungen daraus beziehen zu können. (vgl. Butterwege, Christoph; Hentges, Gudrun (Hrsg.) (2006): Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung, VS; Wiesbaden, S. 62)

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640650965
ISBN (Buch)
9783640651108
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153103
Institution / Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz
Note
1
Schlagworte
Migration Migrationssoziologie Globalisierung soziale Exklusion

Autor

Zurück

Titel: Zur Insider- Outsider- Thematik: Spaltungstendenzen im Neoliberalismus