Lade Inhalt...

Die Salbung in Betanien (Mk 14,3-9)

Seminararbeit 1996 15 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhalt

1. Übersetzung

2. Textkritik

3. Literarkritik
3.1. Einzelvergleich
3.2. Kontextstellung
3.3. Quellenkritik

4. Formgeschichte
4.1. Gattungskritik
4.2. Überlieferungsgeschichte
4.3. Traditionsgeschichte

5. Redaktionsgeschichte
5.1. Redaktionskritische Analyse von Mk 14,3-9
5.2. Empfänger
5.3. Theologische Grundgedanken
5.4. Die Darstellung der Frau im Markusevangelium

Literaturverzeichnis

1. Übersetzung

3Und als er in Betanien war, im Haus Simons des Aussätzigen, und er zu Tisch lag, kam eine Frau, die ein Alabastergefäß mit echtem, kostbarem Nardensalböl hatte, und sie zerbrach das Alabastergefäß und goss es hinab über seinen Kopf. 4Einige aber sprachen ihren Unwillen einander gegenüber aus: Wozu diese Verschwendung des Salböls? 5Man hätte diese Öl nämlich für über dreihundert Denare verkaufen und [das Geld] den Armen geben können. Und sie fuhren sie zornig an. 6Jesus aber sagte: Lasst sie! Was verursacht ihr ihr Mühe? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7Denn ihr habt jederzeit die Armen mit euch, mich aber habt ihr nicht jederzeit. 8Sie hat getan, was sie konnte. Sie hat meinen Körper im voraus für die Bestattung gesalbt. 9Amen, ich sage euch aber: Wo auch immer das Evangelium verkündet wird auf der ganzen Welt, wird auch das gesagt werden, was diese getan hat, zu ihrem Gedächtnis.

2. Textkritik

Definition: Textkritik ist die Feststellung von Wortlaut und Schreibweise eines Textes, wie diese für den ursprünglichen Autor anzunehmen sind. Die Textkritik hat somit die Aufgabe, auf der Grundlage der Textzeugen den ältesten erreichbaren Text des Neuen Testaments zu rekonstruieren.[1]

Als Grundlage für die Textkritik dient hier das Novum Testamentum Graece von Nestle-Aland in der 27. Auflage. Zur Bearbeitung habe ich zwei Varianten aus Mk 14,3.7 herausgesucht, die exemplarisch untersucht werden.[2]

1. Variante (Mk 14,3)

Äußere Bezeugung:

I autou ths kefalhs lesen die Codizes אּ 01 (Sinaiticus), B 03 (Vaticanus), C 04 (Ephraemi), L 019, W 032, D 037 und, mit geringfügigen Abweichungen, Y 044; außerdem die Minuskelfamilie 1, die Minuskeln 28, 892, 2427 und 2542 sowie wenige andere Handschriften.

II Dagegen lesen die Codizes A 02 (Alexandrinus) und X 038, die Minuskelfamilie 13, der Mehrheitstext (=die Codizes K 017, N 022, P 024, Q 026, G 036, die Minuskeln 33, 565, 700, 1010, 1241 und 1424) und die altlateinische Handschrift k autou kata ths kefalhs.

Die dritte Lesart ist zwar quantitativ gering, qualitativ jedoch durch einen Zeugen erster Kategorie bezeugt. Die Lesarten I und II sind von der äußeren Bezeugung her etwa gleichwertig; besonders bedeutend aufgrund ihres Alters sind jedoch die Codizes Sinaitucus und Vaticanus.

Da die äußere Bezeugung noch kein sicheres textkritisches Urteil zulässt, müssen innere Kriterien hinzugezogen werden.

Innere Bezeugung:

Da die erste Lesart durch das Fehlen einer Präposition sowohl die schwierigere als auch die kürzere darstellt, ist zu vermuten, dass die Präposition bei den anderen beiden Lesarten hinzugefügt wurden.

Textkritisches Urteil:

autou ths kefalhs ist sowohl die ‚lectio difficilor’ als auch die ‚lectio brevior’. Da diese Lesart auch äußerlich gut bezeugt ist, schließe ich mich hier dem Urteil von Nestle-Aland an.

2. Variante (Mk 14,7)

Äußere Bezeugung:

I Die Codizes C 04 (Ephraemi), D 05 (Bezae Cantabrigiensis), W 032, G 036, D 037 und Y 044, die Minuskelfamilien 1 und 13, die Minuskeln 565, 579 und 700 sowie andere Handschriften lesen autois.
II autous wird gelesen von den Codizes A 02 (Alexandrinus) und X 038 sowie dem Mehrheitstext (=den Codizes K 017, N 022, P 024, Q 026, den Minuskeln 28, 33, 1010, 1424).
III Die Codizes B 03 (Vaticanus) und L 019, die Minuskeln 892 und, mit kleinen Abweichungen, 1241, sowie wenige andere Handschriften lesen autous pantote.
IV Bei dem Codex אּ 01 (Sinaiticus) des ursprünglichen Schreibers ist an dieser Stelle eine Auslassung.

Obwohl alle Lesarten von Zeugen erster bzw. zweiter Kategorie bezeugt werden, spricht die äußere Bezeugung für die erste Lesart als die ursprüngliche. Für ein sicheres textkritisches Urteil ist jedoch zu untersuchen, wie die Textgeschichte ausgesehen haben kann.

Innere Bezeugung:

Da die dritte Lesart mit ihrem Zusatz pantote länger als die anderen Lesarten ist und auch keine bessere äußere Bezeugung aufweist, kommt diese nicht in Frage. Auch die vierte Lesart scheidet aus, da sie quantitativ gering bezeugt ist und die Auslassung als unbeabsichtigte Änderung gedeutet werden kann. Die Lesart II mit ihrem Akkusativ autous ist grammatikalisch falsch, und aufgrund ihrer geringen äußeren Bezeugung ist dem Dativ der ersten Lesart der Vorzug zu geben.

Textkritisches Urteil:

Nach äußeren und inneren Kriterien halte ich autois für die ursprüngliche Lesart und schließe mich hiermit der Entscheidung von Nestle-Aland an.

Schlussfolgerung

Da ich bei der Textkritik exemplarisch gearbeitet habe und das Ergebnis beider untersuchten Varianten mit dem von Nestle-Aland übereinstimmt, verallgemeinere ich dieses Ergebnis und gehe im Folgenden von Nestle-Aland als Textgrundlage aus.

[...]


[1] Strecker/Schnelle, S. 27

[2] Bei der Form der Textkritik stütze ich mich auf Strecker/Schnelle, S. 41-44.

Details

Seiten
15
Jahr
1996
ISBN (eBook)
9783638204774
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v15341
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Evangelische Theologie
Note
1
Schlagworte
Salbung Betanien Neutestamentliches Proseminar

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Salbung in Betanien (Mk 14,3-9)