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Die Entstehung der Bettelorden in Konstanz

Was machte die Bettelorden so attraktiv gegenüber der etablierten Pfarrkirchenlandschaft?

Seminararbeit 2010 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Vorgehensweise
1.2 Quellenlage und Forschungsstand

2. Die Entstehung der Bettelorden - das Armutsgelübde

3. Bettelorden in Konstanz
3.1 Das Aufkommen der Bettelorden
3.1.1 Dominikaner
3.1.2 Franziskaner
3.1.3 Augustiner-Eremiten
3.2 Attraktivität gegenüber Pfarrkirchen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Quellen

1. Einleitung

Nach den heftigen inneren Auseinandersetzungen des Christentums im 12. Jahrhundert, die sich zum Teil in blutigen Kreuzzügen entladen hatten, betraten am Anfang des 13. Jahrhunderts die Verfechter eines neuen seelsorgerischen Konzepts die Bühne, welche die geistliche Landschaft dauerhaft verändern sollten: die Bettelorden. Anfangs nur als Predigerschulen in der Auseinandersetzung mit Ketzern gedacht, entwickelten sie sich sehr rasch zu einer integrativen Alternative zu der aus vieler Sicht in Ungnade gefallenen bisherigen Kirchenlandschaft. Ihre bald nahezu flächendeckende Missionstätigkeit führte sie auch in die Stadt Konstanz, deren Stadtbild sich im Zuge dieser Umgestaltung nachhaltig verändern sollte. Sie erbauten prächtige Gebäude, boten rhetorisch und dogmatisch versierte Prediger an und sollten damit in kürzester Zeit zu einer echten Alternative zu den bestehenden, etablierten Pfarrkirchen heranreifen. Viele gläubige Christen vor Ort nahmen an den liturgischen Feierlichkeiten der Orden teil und vernachlässigten den Besuch der Gottesdienste ihrer eigenen Pfarrkirchen. Die Fragestellung, welcher in dieser Arbeit nachgegangen wird, bezieht sich auf die Gründe dieser „Abstimmung mit den Füßen". Was machte die Bettelorden und ihre Kirchen in Konstanz so erfolgreich, dass die Pfarrkirchen durch sie an Attraktivität verloren? Oder lag es eher an den Pfarrkirchen selbst, dass diese neue, unverbrauchte Bewegung im Trend lag? Wie gelang es den neuen Orden überhaupt, so schnell zu wachsen?

1.1 Vorgehensweise

Um an diese Fragestellungen heranzugehen, werden im zweiten Kapitel erst einmal die allgemeinen Verhältnisse und Zusammenhänge geklärt. Es soll hier deutlich gemacht werden, welche Momente das Wachstum der Bettelorden beschleunigten und warum sie überhaupt nötig waren. Gleichzeitig soll daran auch schon ein erster Aspekt deutlich werden, warum die Orden so attraktiv für den einfachen Gläubigen werden konnten. Dieser allgemeine Teil hält sich aufgrund der spezifischen, regionalgeschichtlichen Thematik dieser Hausarbeit aber in Grenzen. Ferner wird sich die Untersuchung auf den Dominikaner-, den Franziskaner- und den Augustiner-Eremiten-Orden beschränken, da sich die Karmeliter in Konstanz nicht ansiedelten.

Viel zielführender und deshalb ausführlicher wird die regionalgeschichtliche Untersuchung am Beispiel der Stadt Konstanz sein, welche im dritten Kapitel erfolgt. Es wird zuerst kurz in die Entstehungsgeschichte der verschiedenen Bettelorden in Konstanz eingeführt, bevor im zweiten Teil des Kapitels Bezug auf die Fragestellung dieser Hausarbeit genommen wird. Anhand eines Vergleichs der Angebote beider Prinzipien - Pfarrkirchen und Bettelorden - sollen hier die Verhältnisse vor Ort dargestellt werden.

Im vierten Kapitel erfolgt ein Fazit, in welchem die Ergebnisse zusammengefasst werden und die Fragestellung abschließend mit den gewonnenen Erkenntnissen beantwortet wird.

1.2 Quellenlage und Forschungsstand

Aufgrund des regionalgeschichtlichen Rahmens und der spezifischen Fragestellung kann nur auf ein eher dünn gesätes Quellencorpus zurückgegriffen werden. Die wichtigste Quellensammlung stellt die Regesta episcoporum Constantiensium dar. Es handelt sich um eine Edition verschiedenster bischöflicher Urkunden, welche 1895 von Paul Ladewig und Theodor Müller publiziert wurde. Die zweite Sammlung, die Einzug in diese Hausarbeit gefunden hat, ist eine Edition von Konstanzer Grundeigentumsurkunden, herausgegeben von Konrad Beyerle im Jahre 1900. In diesen beiden Corpora finden sich einige Erlässe, Schenkungen etc., die in dieser Hausarbeit untersucht werden. Andere Sammlungen oder unbearbeitete Urkunden finden sich zumindest in Konstanz nicht. Für eine intensivere Recherche, die den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen würde, würde sich mit Sicherheit ein Blick ins Erzbischöfliche Archiv Freiburg oder ins Generallandesarchiv Karlsruhe empfehlen.

Die Forschungslage hat sich auf diesem regionalgeschichtlichen Gebiet in den letzten hundert Jahren nicht grundlegend verändert, weswegen auf zwei sehr ausführliche konsekutive Aufsätze von Ludwig Baur aus den Jahren 1900 und 1901 zurückgegriffen werden kann, die vom Freiburger Diözesanarchiv herausgegeben wurden. Einige Fragen, welche durch die in Konstanz vorhandenen Quellen nicht beantwortet werden, sind dort behandelt. Außerdem spielt natürlich die Stadtgeschichte von Helmut Maurer auch in dieser Thematik eine Rolle.

2. Die Entstehung der Bettelorden - das Armutsgelübde

Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet zu Beginn des 13. Jahrhunderts die Bettelorden ihren äußerst erfolgreichen Siegeszug in die Kirchenlandschaft begannen. Es war eine Zeit kriegerischer Kontroversen um die rechte Meinung in der Kirche. In der Auseinandersetzung mit Waldensern[1] und Albigensern[2] um die besseren Glaubenskonzepte waren die Gründungen der ersten beiden großen Bettelorden, sprich des Dominikaner- sowie des Franziskanerordens, eine logische Folge.[3]

Der Ruf nach einer Umgestaltung der kirchlichen Landschaft wurde laut, da die Kritik an Klerikern wie auch an Mönchen zu dieser Zeit besonders groß war. Die Mönche seien weit von ihrem Ideal abgekommen, hielten es nicht mehr so genau mit den ländlichen Arbeitsverpflichtungen und hätten sich sowieso vom religiösen Leben entfremdet. Die Stifter würden in Saus und Braus leben und die Pfarrer sich nicht mehr um ihre Gläubigen kümmern.[4] So verallgemeinert kann man das mit Sicherheit nicht darstellen, jedoch ist allein der aufkommende Unmut ein Zeichen dafür, dass sich etwas ändern musste.

Es lag im Zeitgeist, sich auf die wesentliche Dinge des christlichen Glaubens zurückzubesinnen. Die dogmatischen Auseinandersetzungen mit Andersgläubigen innerhalb des Christentums, die sich unmittelbar zuvor im Fall der Albigenser in einem Kreuzzug entladen hatten, verdeutlichten die geistlichen Führungsansprüche der römisch­katholischen Kirche in Europa. Die Kurie war zu Ende des Hochmittelalters ebenso an einer weltlichen Machtfülle angelangt, die für viele Gläubigen an der Basis nicht mehr viel mit dem Fundament des christlichen Glaubens zu tun hatte. Um zu den Wurzeln zurückzugelangen, schien eine Rückbesinnung auf das apostolische Armutsgelübde unumgänglich. Der Unterschied zu den bestehenden Orden war dabei, dass nicht nur der einzelne Mönch nichts besitzen durfte, sondern auch die Organisation als ganze durfte keinen Besitz haben. Auch wenn es in der Praxis nicht immer ohne Schwierigkeiten umzusetzen war, so galt dies seit der Gründung der ersten Bettelorden immer als ihre wichtigste Maxime.[5]

Der Grund, warum es keinen großen, einheitlichen Bettelorden gab, liegt in der Gründungsgeschichte der Orden. Der Dominikanerorden entstand aus der Bestrebung bzw. Notwendigkeit heraus, den Albigensern nicht nur eine Alternative gegenüberzustellen, sondern sie wirksam zu bekämpfen. Der Hl. Dominikus gründete aus dieser Motivation heraus eigene Schulen, um die inzwischen verbreiteten Albigenser­Schulen aus der Bildungslandschaft zu vertreiben. So wie er selbst, sollten auch seine Schüler als seine legitimierten Nachfolger dogmatisch und wissenschaftlich den Ketzer­bewegungen etwas entgegenzusetzen haben. Da die Schulen allein nicht den gewünschten Erfolg hatten, fasste er den Entschluss, mit einem eigenen Orden seine Ziele besser erreichen zu können. Dabei berief er sich auf die Ordensregel des Hl. Augustinus. Schon bald nach der Gründung wurden seine Mönche nach ihrer Tätigkeit „Predigerbrüder" genannt. In der Ausbildung der Brüder waren neben den dogmatischen Aspekten auch Sprachen, Rhetorik und andere praktische Fähigkeiten Pflicht und wurden sehr stark gefordert und gefördert.[6] Eine klare Fokussierung auf die praktische Tätigkeit als Prediger und Seelsorger ist hier evident.

Der Ansatz des Hl. Franziskus ging in eine ähnliche, jedoch eher spirituellere Richtung. Das Armutsgelübde war natürlich auch in seiner Ordensregel das wichtigste Fundament, jedoch ging er davon aus, dass man allein durch sein gutes Beispiel die Menschen von der Kirche und vom Glauben überzeugen konnte. „Er legte darum nicht so fast [sic!] Wert auf wissenschaftliche Bildung als auf Verinnerlichung des Glaubenslebens, Bildung des religiösen Gemüts, Pflege des brüderlichen Lebens, Betonung der Liebe."[7]

Die beiden Orden legten untereinander fest, respektvoll mit den anderen umzugehen und das gemeinsame Ziel stets in den Mittelpunkt zu stellen, so wie auch der Hl. Franziskus und der Hl. Dominikus einen freundschaftlichen Umgang miteinander gepflegt hatten. Dieses Ideal funktionierte am Anfang noch sehr gut, mit zunehmenden weltlichen Konflikten konnte es aber auch nicht gänzlich eingehalten werden.

[...]


[1] Bereits die Waldenser hatten die Bestrebung, das Armutsgelübde wieder in die Kirche einzubringen. Der Revolutionsanspruch und die Aufdringlichkeit, die sie an den Tag legten, waren allerdings ihr Untergang. Für die vertiefende Lektüre über die Waldenser wird empfohlen: Biller, Peter: The Waldenses, 1170 - 1530. between a religious order and a church, Aldershot 2001.

[2] Eine dogmatische Heranführung an die Konflikte zwischen Papst und Albigensern würde den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen. Für die vertiefende Lektüre über die Albigenserkriege wird empfohlen: Oberste, Jörg: Der "Kreuzzug" gegen die Albigenser. Ketzerei und Machtpolitik im Mittelalter, Darmstadt 2003.

[3] vgl. Baur 1900, S. 1f.

[4] vgl. Wiesehoff, S. 2.

[5] vgl. ebd., S. 2f.

[6] vgl. Baur 1901, S. 3-6.

[7] ebd., S. 2.

Details

Seiten
15
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640656882
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153481
Institution / Hochschule
Universität Konstanz – Fachbereich Geschichte und Soziologie
Note
1,0
Schlagworte
Konstanz Dominikaner Franziskaner Augustiner-Eremiten Bettelorden

Autor

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