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Thesen des Kriminalromans nach Bertolt Brecht

Hausarbeit 2010 14 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

Hauptteil
Erste These
Zweite These
Dritte These
Vierte These
Die Technik des Kriminalromanschreibers
Fünfte These
Sechste These

Schlussteil

Literaturverzeichnis

Einleitung

Was zum Teufel ist ein Kriminalroman? werden sich die Menschen fragen, die sich mit dieser Art von Roman noch nicht beschäftigt haben. Aber nicht nur für den normalen Leser, sondern auch für die Literaturwissenschaftler war diese Frage zu Beginn dieser Gattung sehr wichtig. Auf den ersten Blick ist klar, dass es um etwas Kriminelles geht, aber das allein reicht nicht, um zu sagen was genau ein Kriminalroman ist. Wie so oft haben sich verschiedene Forscher daran versucht, eine Definition für diese Art Roman zu finden und stießen dabei auf die unterschiedlichsten Merkmale. So ist Gero Wilpert z.B. der Ansicht, dass das Verbrechen, im Hinblick auf psychologischen Anstoß, Ausführung, Entdeckung und Aburteilung des Verbrechers behandelt werden muss, wenn das literarische Produkt den Anspruch auf die Gattungsbezeichnung ‚Kriminalroman‘ haben soll[1].

Für die vorliegende Arbeit ist in erster Linie allerdings nicht die Frage, was ein Kriminalroman ist, von Bedeutung, sondern welche Merkmale er aufweist, wodurch er, seitdem es diese Gattung gibt, so beliebt wurde. Mit dieser Thematik hat sich Bertolt Brecht in seinem Aufsatz Über die Popularität des Kriminalromans aus dem Jahr 1938 auseinander gesetzt. Er versucht darin, Ursachen für die Popularität zu ergründen, die er für sich selbst beim Lesen als typisch empfand. Anzumerken ist, dass Brecht ein bekennender Kriminalromanleser gewesen ist, sich also auf dem Gebiet auskannte.

Eine Definition sollte hier allerdings noch angeführt werden, welche den Unterschied zwischen Kriminalroman und Detektivroman klar macht und zwar die von Richard Alewyns in seinem Aufsatz Die Anatomie des Kriminalromans aufgestellte. Dort erklärt er, dass der Unterschied nicht im Inhalt - beide behandeln einen Mord -, sondern an der Form liegt: „Der Kriminalroman erzählt die Geschichte eines Verbrechens, der Detektivroman die Geschichte seiner Aufklärung.“[2] Warum ist diese Unterscheidung wichtig für das Folgende? Weil der Verfasserin dieser Arbeit beim Lesen des Essays aufgefallen ist, dass Brecht zwar von Kriminalroman im Allgemeinen schreibt, sich allerdings im engeren Sinn auf den Detektivroman bezieht. Der Form, der Richtigkeit und der guten Ordnung halber sei hier noch gesagt, dass das Lexem Kriminalroman in dieser Arbeit, und zwar wegen der Verwendung im Brechtschen Aufsatz, beibehalten wird.

Ziel dieser Arbeit ist, anhand des Aufsatzes und der herangezogenen Sekundärliteratur, die zur Begründung der einzelnen Thesen unterstützend wirken sollen, die Merkmale des Kriminalromans zu erörtern und grundlegende Charakteristika zu inaugurieren warum es sich bei diesem Genre um einen ‚blühenden Literaturzweig‘ handelt. Denn:

Hauptteil

Erste These

„Ohne Zweifel trägt der Kriminalroman alle Merkmale eines blühenden Literaturzweiges zur Schau.“[3]

Diese These stellt Brecht gleich zu Beginn seines Essays auf. Heute stimmt dies vollumfänglich, denn unter anderem erscheinen laut „KrimiWelt“ (das ist die ‚Bestenliste‘ von WELT, ARTE und NordwestRadio) pro Jahr circa 800[4] neue Kriminalromane in Deutschland – nur allein in Deutschland. Dr. Richard Donnenberg, ein Experte auf dem Gebiet der Kriminalliteratur sagt in einem Interview vom 05.03.2008, dass der deutsche Kriminalroman „blüht und gedeiht!“[5]. Das wird an den Zahlen der Neuerscheinungen, den Verkäufen und an den Bestsellerlisten deutlich[6].

Aber warum ist das so? Und: welches sind Merkmale des Kriminalromans, die ihn als einzelne Literaturgattung auszeichnen? Brecht schildert in seinem Essay, dass der Kriminalroman in den Bestsellerlisten seiner Zeit nicht aufgezählt wird und überhaupt nicht als eigenständiges Genre in der Literatur anerkannt ist. Der Wirklichkeit näher steht nach Ansicht Brechts für die „breite Masse“[7] immer noch der psychologische Roman. Er unterscheidet die beiden Formen – Kriminalroman und psychologischer Roman – hinsichtlich der Intention beim Lesen. Das Lesen eines Kriminalromans wird eher als „intellektuelle Beschäftigung“ bezeichnet und das Lesen des psychologischen Romans dechiffriert sich mittels anderer Operationen[8].

Der logische Denkprozess ist, unter weiteren Merkmalen, eine Grundlage des Kriminalromans. Er handelt davon und setzt dieses logische Denken auch beim Rezipienten voraus. Brecht zieht die Analogie zum Kreuzworträtsel und baut darauf auf, dass dem Kriminalroman ein Schema zugrunde liegt. In diesem Schema sind zum Beispiel nach Heißenbüttel erst einmal drei Faktoren wichtig: die Leiche, der Detektiv und die Verdächtigen. Er geht noch näher darauf ein und schreibt: „Der Ermordete, der entweder vor Beginn der Erzählung oder auf den ersten Seiten sein Ende findet, bringt alles in Gang. Die Leiche ist gleichsam der Hebel, der der Story den Anstoß liefert. Ihr gegenüber steht der Entdecker, der sich bemüht, die Verwicklung des Mordfalls aufzulösen. Alle anderen Figuren, die vorgeführt werden, sind entweder Gehilfen des Detektivs (oder auch bösartige Verzögerer seines Tuns [sic!]) oder Verdächtige. Keine Person wird um ihrer selbst willen geschildert. Die ganze Statisterie ist fest ins Schema eingebunden.“[9].

Die Variation, das mehr oder minder festgelegte Elemente im Kriminalroman erscheinen, ist ein weiteres Charakteristikum desselben. Eine Alternierung der Charaktere, sowie eine begrenzte Anzahl an Mordmotiven kommen laut Brecht kaum vor. „Es verleiht dem ganzen Genre sogar das ästhetische Niveau“[10] fügt er noch hinzu, welches nach ihm eines der Merkmale eines distinguierten Literaturzweigs ausmacht.

Beispielgebend für die Anfänge des Detektivromans ist das Muster in den meisten Erzählungen des Mitbegründers desselben, Sir Arthur Conan Doyle, zu nennen. Er löst mit dem gleichen erzählerischen Strickmuster – „[...] Eintreffen eines Klienten[...], ausführliche Schilderung des Falls (dessen Untersuchung und finale Lösung fortan im Zentrum der Handlung stehen) und Lösungsweg“[11] – sogar eine Art Gewohnheitseffekt beim Rezipienten aus.

Zweite These

„Es ist erstaunlich, wie sehr das Grundschema des guten Kriminalromans an die Arbeitsweise unserer Physiker erinnert. Die ganze Konzeptionsweise der Kriminalromanschreiber ist von der Wissenschaft beeinflusst.“[12]

Diese These wird an der weiteren Argumentation Brechts, dass zuerst Tatsachen gesammelt und fixiert und dann Arbeitshypothesen aufgestellt werden müssen, festgemacht. Diese Arbeitshypothesen können dann die Tatsachen „decken“[13]. Wenn im Verlauf der Beobachtungen weitere relevante Fakten auftauchen oder es zur Verminderung derselben kommt, erfolgt daraus zwangsweise eine Suche nach einer erneuten Arbeitsmethode. Am Schluss steht dann die Prüfung der Methode – das Experiment. Wenn die These fehlerlos ist, dann ist der Mörder ‚zur bestimmten Zeit am bestimmten Ort’ gewesen und man hat den Fall somit gelöst.

[...]


[1] vgl. Schmidt, S. 19.

[2] Vogt, S. 53.

[3] Jeske, S. 575.

[4] www.arte.tv - Die zehn besten Krimis des Jahres 2008 [Zugriff: 03.12.2009].

[5] http://krimis-thriller.suite101.de/article.cfm/quo_vadis_kriminalliteratur [Zugriff: 03.12.2009].

[6] vgl. Ebenda.

[7] Jeske, S. 575.

[8] Ebenda.

[9] Vogt, S. 113.

[10] Jeske, S. 576.

[11] Krieg, S. 32.

[12] Jeske, S. 576.

[13] Ebenda.

Details

Seiten
14
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640657131
ISBN (Buch)
9783640657025
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153536
Institution / Hochschule
Universität Erfurt – Neue Deutsche Literaturwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Thesen Kriminalromans Bertolt Brecht

Autor

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Titel: Thesen des Kriminalromans nach Bertolt Brecht