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Der Anarchismus in Ursula K. Le Guins "Planet der Habenichtse"

Form, Funktionsweise, Probleme.

Seminararbeit 2009 17 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau

2. Der „Planet der Habenichtse“ im Hainish-Universum

3. Geschichte der politischen Idee des Anarchismus

4. Der Anarchismus in Planet der Habenichtse
4.1 Form
4.2 Funktionsweise
4.3 Probleme

5. Fazit

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Zwei Welten, zwei Planeten: Urras und Anarres. Ursula K. Le Guins „Planet der Habenichtse“ ist die Geschichte zweier Zivilisationen die, von einander abstammend, unterschiedlichste Werte und Gesellschaftseinstellungen entwickelten. Kapitalismus und Anarchismus. Sich akzeptierend, leben die beiden Kulturen lediglich durch Handel und ihre ursprünglich gemeinsame Geschichte verbunden, nebeneinander. Shevek, der geniale junge Physiker von Anarres, ist kurz vor der Fertigstellung einer allgemeinen Feldtheorie für Temporalphysik, die das interstellare Reisen ohne Zeitverzögerung ermöglichen würde.[1]

Seit der Ankunft der letzten Siedler vor 170 Jahren, findet zwischen den Völkern beider Planeten kein Austausch von Informationen und Wissen statt. Ebendies benötigt Shevek jedoch, um seine Arbeit abschließen und die Physik ein weiteres Mal revolutionieren zu können. Während seiner ersten temporalphysikalischen Entwicklungen stößt er an die Grundmauern seiner Gesellschaftsordnung und beginnt, von seinem revolutionären Ziel getrieben, die Realität seiner Welt zu erkennen. Trotz aller Widerstände seiner Mitmenschen reist Shevek nach Urras und bricht dabei eine Revolution unter Anarchisten los.

1.1 Problemstellung

Ursula K. Le Guins Werk war zurzeit der Veröffentlichung 1974 eine wichtige und starke feministische Utopie. Heute sind viele Ihrer Ideen zur Gleichberechtigung der Frauen und Mütter, zumindest rechtlich gesehen, weitgehend umgesetzt. Dadurch fällt die feministische Komponente ihres Buches weit weniger ins Gewicht und der Vergleich zwischen Kapitalismus und Anarchismus tritt deutlich zu Tage. Die entwickelte Idee des Anarchismus ist utopistisch, aber nah an der Realität gehalten. Le Guin versucht keineswegs eine perfekt funktionierende Welt zu erschaffen, vielmehr beschreibt sie zwei sich gegenüberstehende, praktisch unvereinbare Welten mit all ihren Vor- und Nachteilen. Der dargestellte Anarchismus ist von maßgeblichem Interesse, wobei die Frage der Umsetzbarkeit bzw. der Realitätsnähe dieser Utopie nicht im Raum steht.

Die Rezeption von Le Guins Werken im Deutschen ist noch immer recht dürftig. Es existieren neben einigen kürzeren Literaturkritiken[2], lediglich zwei Monografien: Hendrik Schulthe’s Hainish – Die fremdvertrauten Welten der Ursula K. Le Guin[3] und das hier als Sekundärliteratur verwendete Utopie, Anarchismus und Science Fiction: Ursula K. Le Guins Werke von 1962 bis 2002 von Peter Seyferth.[4] Im Englischen ist Le Guin weitaus stärker rezipiert[5], u.a. ist ein „Study Guide“[6] zum Buch veröffentlicht worden. Als einem Klassiker der feministischen Science-Fiction Literatur wurde der inhaltlichen Betrachtung des Vergleichs zwischen Anarchismus/Kapitalismus lange Zeit wenig Beachtung geschenkt. Diesem Missverhältnis soll in dieser Arbeit mit der eingehenden Betrachtung des Anarchismus auf Anarres‘ entgegengewirkt werden.

1.2 Aufbau

Nach der Vorstellung des im Buch beschriebenen Hainish-Universums, folgt eine kurze Einführung in die ideenpolitische Geschichte des Anarchismus. Da Planet der Habenichtse bereits 1974 veröffentlicht wurde, ist eine Betrachtung der aktuellen Entwicklungen des Anarchismus uninteressant.

Ziel der Arbeit ist die Untersuchung des von Le Guin porträtierten Anarchismus hinsichtlich Form, Funktion und der sich ergebenden Problematiken. Abschließend wird der Anarchismus in der herrschenden Gesellschaftsform auf Anarres reflektiert.

2. Der „Planet der Habenichtse“ im Hainish-Universum

Üblicherweise werden in der Science Fiction Texte mit gleichem Raum-Zeit und thematischem Bezug in ein „Universum“ zusammengefasst.[7] Das zum Planet der Habenichtse zugehörige Universum ist nach einer, auch im Buch auftauchenden Spezies, den Hainish, benannt. Diese sind die älteste Kultur im Universum und besiedelten vor tausenden Jahren viele Planeten. Die Verwandtschaft aller gennannten Zivilisationen (Terraner und Cetier) mit den Hainish, ist vermutlich auf deren unethische genetischen Experimente in der Vergangenheit zurückzuführen. Der Kontakt zu den besiedelten Planeten brach ab.[8] Nach langer Zeit, in der sich die gegründeten Siedlungen eigenständig entwickelten, nahmen die Hainish, getrieben von einem tiefen Schuldgefühlen, erstmals wieder Kontakt auf.[9]

Der Planet der Habenichtse steht am Anfang dieser Buchreihe, welche die Geschichte des Hainish-Universums zusammentragen. Eine Chronologisierung der Bücher und Geschehen ist oft versucht worden, jedoch nicht mit zufriedenstellendem Ergebnis. Die am häufigsten aufgenommene Chronologie geht davon aus, dass als zweites Buch der Kurzroman Das Wort für Welt ist Wald (1976) anschließt. Dann folgen Rocannons Welt (1966), Das Zehnte Jahr (1966), Stadt der Illusionen (1967) und Winterplanet / Die linke Hand der Dunkelheit (1969).[10]

[...]


[1] Vgl. Le Guin, Ursula K.: Planet der Habenichtse, 2. Auflage, München 1976, S. 312/313.

[2] Vgl. Löchel, Rolf: Die beste aller Utopien. Ursula K. Le Guins Science Fiction im Spiegel von Politologie und Ethnologie, unter: http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=12846&ausgabe=200904.

[3] Schulthe, Hendrik: Hainish - Die fremdvertrauten Welten der Ursula K. Le Guin. Ethnologie trifft Science-Fiction. 2008.

[4] Seyferth, Peter: Utopie, Anarchismus und Science Fiction. Ursula K. Le Guins Werke von 1962 bis 2002, 1. Aufl., Berlin 2008.

[5] Vgl. http://www.feministische-sf.de/einzelne_autorinnen/fsf_ursula-leguin.html.

[6] Brians, Paul: Study Guide for Ursula Le Guin: The Dispossessed (1974), Pullman 2003, unter: http://www.wsu.edu:8080/~brians/science_fiction/dispossessed.html.

[7] Vgl. Seyferth, Peter: Utopie, Anarchismus und Science Fiction: Ursula K. Le Guins Werke von 1962 bis 2002, 1. Auflage, Berlin 2008, S. 55/56.

[8] Vgl. ebd, S. 60.

[9] Vgl. Le Guin, S. 317.

[10] Alle Bücher von Le Guin sind durch ihre starke Rezeption im Englischen auch am leichtesten unter ihren Originalnamen zu finden. Auch Seyferth nutzt nur die Originaltitel. Diese sind: The Dispossessed, The Word for World is Forrest, Rocannon’s World, Planet of Exile, City of Illusions und The Left Hand of Darkness.
Für weitergehende Informationen Vgl. Seyferth, S. 58 - 64.
Eine Auflistung aller Werke von Le Guin findet sich auf: http://www.phantastik-couch.de/ursula-k-le-guin.html.

Details

Seiten
17
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640657643
ISBN (Buch)
9783640658114
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153560
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz – Institut für Politikwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
Le Guin Utopie Anarchismus Planet der Habenichtse

Autor

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Titel: Der Anarchismus in Ursula K. Le Guins "Planet der Habenichtse"