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Wird in persönlichen Blogs generell eine mündliche (Umgangs-) Sprache verwendet? Analyse eines exemplarischen Weblogs

Hausarbeit 2009 18 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Weblog: Definition, Merkmale und Arten

3 Blogs als literarische Textform

4 Theoretischer Ansatz zur Analyse eines Blogs
4.1 Konzeptionelle Mündlichkeit und Schriftlichkeit nach Koch und Oesterreicher

5 Analyse eines exemplarischen Blogs von blog.de
5.1 Vorstellung des ausgewählten Blogs der Benutzerin Taste
5.2 Sprachliche Analyse des Blogs
5.3 Analyse des Blogs nach dem Modell der Mündlichkeit und Schriftlichkeit nach Koch und Oesterreicher

6 Fazit

7 Literaturangaben

1 Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Mündlichkeit- Schriftlichkeit- Medien: Neue Medien“ haben wir uns intensiver mit dem unterschiedlichen Medien im Internet wie der E- Mail, dem Chat und dem Blog beschäftigt.

In jeder Seminarsitzung wurde ein theoretischer Aufsatz zu einem neuen Medium diskutiert und die Möglichkeiten und Grenzen des jeweiligen Mediums erläutert.

Fast alle Teilnehmer sprachen sich gegen einen Einsatz von Blogs in der Schule aus, doch interessanterweise stellte sich heraus, dass bisher nur eine Kommilitonin einen Blog selbst geführt hatte. Sie hatte während ihres Auslandsaufenthaltes einen Blog eingerichtet, um Freunde und Familie auf schnelle und unkomplizierte Weise mit Neuigkeiten zu versorgen. Wie kann der Kurs ohne eigene Erfahrungswerte den Einsatz von Blogs in der Schule ablehnen oder Blogs als selbstdarstellerisch verurteilen?

Da fast alle Kommilitonen, einschließlich mir, wenig über Blogs wussten, finde ich es reizvoll mich im Rahmen dieser Hausarbeit näher mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.

Mich interessiert vor allem die Frage, was Blogger dazu verleitet persönliche Ansichten öffentlich im Internet darzustellen. Des Weiteren sind gerade die persönlichen Blogs im Stil von Tagebüchern interessant, da es von ihnen so viele facettenreiche und unterschiedliche gibt. Generell ist aufgefallen, dass viele Autoren von persönlichen Blogs eine Sprache verwenden, die der Chatsprache ähnelt. Somit möchte ich in der Ausarbeitung folgende Fragestellung untersuchen:

Wird in persönlichen Blogs generell eine mündliche (Umgangs-)Sprache verwendet?

Um dieser Frage nachzugehen, habe ich einen Eintrag von Taste, einem Mitglied von blog.de, ausgewählt und auf seine sprachlichen Besonderheiten untersucht. Des Weiteren bildet das Modell von Koch und Oesterreicher den theoretischen Hintergrund, um den ausgewählten hypermedialen Text auf seine Mündlichkeit und Schriftlichkeit zu überprüfen.

2 Weblog: Definition, Merkmale und Arten

Das Weblog, Kurzform Blog, stellt ein im Internet geführtes Tagebuch dar, in dem aktuelle, dem World Wide Web (WWW) entnommene Informationen chronologisch aufgelistet und regelmäßig aktualisiert werden.[1] Der Name Weblog greift zum einem mit ,web’ auf das World Wide Web zurück und zum anderem nimmt das Wort ,log’ Bezug zu einem Protokoll, Fahrtenbuch oder Logbuch.

Bei Blogs handelt es sich um autobiographische Dokumentationen, die dem Leser auf einer Website in chronologischer Form dargeboten werden. Die neusten Einträge erscheinen stets oben auf der Website, während die älteren Beiträge automatisch in den Hintergrund treten.

Ein Blog ähnelt in bestimmter Art und Weise einem Tagebuch, mit dem Unterschied, dass es weltweit im Internet veröffentlicht wird. Der Vergleich zwischen dem Tagebuch und dem Weblog wird oft hergestellt, da bei einem Blog meist die Erzählsituation eines Ich- Erzählers gewählt wird. Somit ist die Parallele vom Blog zum Tagebuch geschaffen, da bei beiden eine bewusst subjektive und kommentierende Form vorliegt. Im Gegensatz zu dem Tagebuch liegt dem Blog aber eine tagesaktueller und vorläufiger Bezug vor und es werden gerne verschiedene multimediale Elemente wie Videos, Tonaufnahmen oder Bilder mit eingebunden.

Die Autoren der Blogs verarbeiten dennoch nicht nur persönliche Themen in ihren Texten, sondern bis heute haben sich die unterschiedlichen Arten von Blogs im Internet etabliert. Neben den Blogs in Form von Tagebüchern, auch Private Blogs genannt, gibt es unter anderem

- Zeitungsblocks, die von Printmedien betrieben werden.
- Watchblogs, die (Medien und Firmen) kritisch hinterfragen.
- Warblogs, die aus Krisengebieten berichten.
- Eventblogs, die ein bestimmtes Ereignis verfolgen.
- Hobbyblogs, die sich mit einem Hobby beschäftigen.
- Infoblogs, die thematisch informieren.[2]
- Corporate Blogs, die innerhalb von Unternehmen genutzt werden.
- Litblogs, die sich mit Literatur beschäftigen.
- Blawgs, die sich mit juristischen Themen auseinandersetzen.[3]

Des Weiteren publizieren Textblogs die neusten Nachrichten über ein spezielles Thema für Newsportale und Foto- Video- und Audioblogs stellen die neuen multimedialen Blogs dar, in denen das jeweilige Medium eingesetzt, dargestellt und in verschiedenen Abständen aktualisiert wird.[4]

Zusammenfassend lässt sich ein Blog durch einige wesentliche Merkmale charakterisieren. Es ist eine chronologisch umgekehrte Reihenfolge gegeben, da die neusten Beiträge zuerst erscheinen und somit eine hohe Aktualität gewährleistet ist. Der Blog wird meistens von einem Autor oder wenigen Autoren geschrieben und es besteht für viele Rezipienten die Möglichkeit Kommentare zu hinterlassen. Des Weiteren ist die Produktion und Verwendung von kurzen Texten typisch, genauso wie sich der Blog durch die leichte Bedienbarkeit und eine schnelle Verbreitung im Internet kennzeichnet. Die Authentizität eines Blogs entsteht durch die Subjektivität des Autors, dem so genannten Blogger, und stellt eines der wichtigsten Merkmale des Weblogs dar. Die Gesamtheit aller Weblogs wird mit dem Begriff ,Blogosphäre’ beschrieben. Die ,Blogoshäre’ bezeichnet die Masse und Verbindungen zwischen allen Weblogs auf der ganzen Welt. Diese einzigartige Struktur der ,Blogoshäre’ macht es möglich, dass sich die jeweiligen Informationen so schnell verbreiten können, da viele Communitys locker miteinander verknüpft sind. So genannte Trackbacks[5] beziehen sich auf weitere Blogs, die sich mit der gleichen Thematik befassen.

Die ,Blogosphäre’ bildet keinen in sich geschlossenen Raum und ein kompletter Überblick über alle Blogs ist nicht möglich. Nach Technorati, einer bekannten Suchmaschine im Internet, entstehen weltweit täglich 75.000 neue Blogs.[6] Jeder Blog hat unterschiedlich viele Besucher und findet somit eine mehr oder weniger große Beachtung im Internet. Manche Blogs haben wenige treue Besucher und andere Blogs werden täglich von Hunderttausenden gelesen. Die Popularität eines Blogs hängt von der Persönlichkeit des Bloggers, den Themen und der Art und Weise der Berichterstattung des Blogs ab.[7]

3 Blogs als literarische Textform

Da der Schreibprozess grundlegend für das Bloggen ist, stellt das Weblog fü viele Blogger ein eigenes Genre dar.[8] Da es aber sehr unterschiedliche Blogs gibt, kann man nicht direkt eine Gattung oder Textsorte für den Blog festlegen. Es gibt klassische Weblogs die sich an der Gattung des Tagebuchs orientieren und als öffentliche Tagbücher gelten können. Zum anderen werden bei dem Weblog immer wieder unterschiedliche Textsortenmuster als Vorbild gewählt wie die Gattung des Sachtexts oder der Rezension. Somit kann man dem Weblog nicht einheitlich in die Tagebuchform eingrenzen, sondern muss immer gesondert auf die Textsorte des jeweiligen Blogs achten.

Dennoch wird das Bloggen heutzutage oft in die eher wenig verbreitete Form des Tagebuchschreibens, des Briefwechsels mit Gleichgesinnten oder intellektuellen Herausfordererns eingeordnet.

Die Funktion dieser Textarten wird sogar oft überschritten, indem durch diese moderne Form der Text ständig überholt werden kann.

Durch die Kommentarfunktion kann ein Autor befragt und auf andere Blogs und Links aufmerksam gemacht werden. Es können durch die Kommentarfunktion ebenfalls andere Meinungen zu dem ursprünglichen Text dazu kommen. In den Blogs entstehen dadurch oft Diskussionen, sodass dieser öffentliche und ,angreifbare’ Text an andere Bedingungen geknüpft ist als ,fest niedergeschriebene’ Texte. Im weiteren Verlauf dieser Ausarbeitung wird noch genauer auf die mündliche und schriftliche Form des Blogs eingegangen. An dieser Stelle kann aber schon angemerkt werden, dass ein Blog oft ein Stück Oralität darstellt, da in Blogs oft ein nicht explizit zu Ende gedachter Gedanke veröffentlicht wird.

Des Weiteren zeichnen sich die Weblogs vor allem durch kurze Texte aus. Der Grad der Elaboration hängt stets von dem Autor und der gewählten Textsorte ab. Somit kann es in einem Weblog sein, dass weniger auf sprachliche und stilistische Merkmale eines Textes Wert gelegt wird oder aber der Autor sich angemessen und sprachlich gut ausdrückt.

4 Theoretischer Ansatz zur Analyse eines Blogs

Im Folgenden führe ich ein theoretisches Konzept an und erläutere dieses genauer, da dieses Modele im weiteren Verlauf dieser Ausarbeitung bei der Analyse eines exemplarischen Blogs angewendet wird.

Bei dem Modell handelt es sich um die Darstellung der Mündlichkeit und Schriftlichkeit nach Koch und Oesterreicher. Mein Schwerpunkt liegt darin, dass der ausgewählte Blog untersucht wird, inwiefern er konzeptionell mündlich oder schriftlich ist.

4.1 Konzeptionelle Mündlichkeit und Schriftlichkeit nach Koch und Oesterreicher

Koch und Oesterreicher haben ein Modell entwickelt, dass sich dem Phänomen annimmt, dass die Sprache stets in zwei verschiedenen Ausprägungen, in der gesprochenen und der geschriebenen Sprache, verwendet wird.

Beide Ausprägungen lassen sich durch typische Merkmale charakterisieren, da die geschriebene Sprache oft zur Vermittlung von wissenschaftlichen Ergebnissen genutzt wird und die gesprochene Sprache eher zum Ausdrücken von Gefühlen dient.[9]

In ihrem Modell stellen Koch und Oesterreicher dar, dass sie die Mündlichkeit und Schriftlichkeit in die mediale und konzeptionelle Mündlichkeit und Schriftlichkeit unterscheiden.

Bei dem Medium handelt es sich um die Realisierung von Sprachzeichen, inwiefern die sprachlichen Äußerungen phonisch oder grafisch dargeboten werden.

Die Konzeption stellt den Aspekt der ursprünglichen Formulierung und der sprachlichen Variation dar, welche die mündlichen oder schriftlichen Äußerungen beeinflusst. Die sprachliche Variation umfasst verschiedene Merkmale wie beispielsweise den Unterschied zwischen dem informellen und formellen Text.[10]

Die Termini mündlich und schriftlich sind in Bezug auf das Medium als dichotomisch zu verstehen, es ist aber dennoch möglich, dass das Medium gewechselt wird. Beispielsweise kann ein mündlicher Vortrag als Text ins Internet gestellt werden, sodass sich das Medium ändert.

Bei der Konzeption bilden die Mündlichkeit und Schriftlichkeit keine Dichotomie, sondern die Begriffe mündlich und schriftlich sind als ein Kontinuum mit vielen möglichen graduellen Abstufungen aufzufassen. Diese Abstufungen unterscheiden sich zum Beispiel in Äußerungsformen wie familiäres Gespräch’, Telefongespräch’, ,Predigt’ oder ,Gesetzestext’.

Um diesen theoretischen Aspekt zu konkretisieren, verdeutliche ich das erläuterte Prinzip an dem Beispiel des wissenschaftlichen Vortrags. Der wissenschaftliche Vortrag wird mündlich vorgetragen und gehört somit zum phonischen Medium. Da dieser Vortrag in der Regel vorher als Text verfasst und niedergeschrieben wird, gilt der wissenschaftliche Vortag als konzeptionell schriftlich.

Dieses Beispiel zeigt ebenfalls auf, dass sowohl die konzeptionelle Mündlichkeit und Schriftlichkeit nicht an ein Medium gebunden sind.

Es existieren meistens die typischen Kombinationen konzeptionell mündlich und medial phonisch genauso wie konzeptionell schriftlich und medial graphisch, dennoch sind gegenläufige Kombinationen (wie beim Beispiel des wissenschaftlichen Vortags) möglich.[11]

Zum besseren Verständnis wird im Folgenden das Schema zur Anordnung der verschiedenen Äußerungsmöglichkeiten von medialer und konzeptioneller Mündlichkeit und Schriftlichkeit nach Koch und Oesterreicher dargestellt.

[...]


[1] Vgl. Der Brockhaus in einem Band. Leipzig: F.A. Brockhaus 2006.

[2] Vgl. Ebersbach, Anja/ Glaser, Markus/ Heigl, Richard: Social Web. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2006. S.60.

[3] Vgl. Alby, Tom: Web 2.0. Konzepte, Anwendungen, Technologien. 3., überarbeitete Auflage. München: Carl Hanser Verlag 2008. S. 21.

[4] Vgl. Ebersbach, A./ Glaser, M./ Heigl, R.: Social Web. Konstanz 2006. S.60.

[5] Trackback: Eine Funktion, die anzeigt, dass der Blog zum Beispiel in einem anderen Blog verwendet und aufgegriffen wird, indem ein Link hergestellt wird.

[6] Vgl. Alby, T.: Web 2.0. Konzepte, Anwendungen, Technologien. München 2008. S.28.

[7] Vgl. Ebersbach, A./ Glaser, M./ Heigl, R.: Social Web. Konstanz 2006. S.69.

[8] Vgl. Alby, T.: Web 2.0. Konzepte, Anwendungen, Technologien. München 2008. S.27.

[9] Vgl. Steinmann, Cornelia: http://www.cornelia.siteware.ch/linauistik/muendlschriftl.html [27.07.2009]

[10] 0 Vgl. Koch, Peter/ Oesterreicher, Wulf: Schriftlichkeit und Sprache, S. 587 in: Günther, Hartmut/ Ludwig, Otto (Hrsg.): Schrift und Schriftlichkeit. Ein interdisziplinäres Handbuch internationaler Forschung, 1. Hbbd., Berlin, New York 1994, S. 587- 604.

[11] Vgl. Vgl. Koch, P./ Oesterreicher, W.: Schriftlichkeit und Sprache, S. 587.

Details

Seiten
18
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640657681
ISBN (Buch)
9783640658053
Dateigröße
699 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153577
Institution / Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Note
2,3
Schlagworte
Wird Blogs Sprache Analyse Weblogs

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