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Der Karikaturenstreit. Kontroverse über die Abbildung des islamischen Propheten Mohammed

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 30 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die politische Karikatur in der aktuellen Diskussion

2. Kontroverse Bedeutung der Karikatur in westlicher und arabischer Gesellschaft
2.1. Die politische Karikatur in der westlichen Gesellschaft
2.1.1. Historische Dimension
2.1.2. kunsthistorische-, politologische- und ethnologische Interpretation von Karikaturen
2.1.3. Die Funktion und Bedeutung der politischen Karikatur in der westlichen Alltagswelt
2.2. Die Karikatur und der Islam
2.2.1. Die Grundpfeiler des Islam
2.2.2. Die Bedeutung von Bildern im Islam
2.2.3. Karikaturen in der gegenwärtigen arabischen Welt
2.3. Konfliktlinien

3. Grenzen der Karikatur

4. Literaturverzeichnis

1. Die politische Karikatur in der aktuellen Diskussion

Wir finden sie täglich in fast allen großen Tageszeitungen. Bekannte Künstler wie Horst Haitzinger, Klaus Stutmann oder Dieter Hanitzsch verdienen ihr tägliches Brot mit ihnen. Sie sind zum Lachen, zum Weinen, zum Schmunzeln, zum Streiten, zum Nachdenken, unverständlich, unter der Gürtellinie, polarisierend. Die Karikatur begleitet uns mehr oder weniger unbewusst durch unser alltägliches Leben. Sie spiegelt das gesellschaftliche Geschehen, Ereignisse aus Sport oder Kultur wider. Sie nimmt Politiker und ihre Marotten auf die Schippe und hinterfragt deren Entscheidungen und Handlungen. Sie zeigt, was viele denken und sich keiner zu sagen traut. Gerade die politische Karikatur gehört in Deutschland zu einem wichtigen Ausdrucksmittel der Meinungsbildung. Sie bezieht Stellung zu Personen und deren Entscheidungen, macht auf Missstände aufmerksam, deckt Skandale auf und ist in dieser Funktion auch gleichzeitig ein politisches Kontrollinstrument. In mehr oder weniger provokativem Tonfall zeigt die Karikatur den Bürgern das politische Geschehen auf. Anders herum sehen sich Politiker in einem überspitzten Spiegel und werden dadurch angeregt, ihr Auftreten und Handeln zu überdenken.

Politische Karikaturen beziehen sich sowohl auf nationale, als auch auf weltpolitische Geschehnisse und ihrer Verbreitung sind in der heutigen globalisierten Welt keine Grenzen gesetzt. So gelangen Karikaturen aus anderen Gebieten der Erde ins eigene Wohnzimmer und hiesige Karikaturen befassen sich mit Themen aus anderen Ländern und Kontinente. Eine Karikatur über den amerikanischen Präsidentschaftsbewerber Barack Obama, der in den US- Medien einiges einstecken musste, hat auch in Europa besondere Diskussionen hervorgerufen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Karikatur über Barack und Michelle Obama im "New Yorker" 2008.1

Sie beruft sich auf Vorwürfe des amerikanischen konservativen Blocks in Bezug auf die Person Obama. Abgebildet sind die brennende US-Flagge im Kamin des Oval Office, Barack in einem islamischen Männergewand und seine Frau Michelle mit Afro-Look und einem Maschinengewehr, zudem ein Osama-bin-Laden-Porträt an der Wand. Die Karikatur bezieht sich auf die Diskussion, ob Barack Obama patriotisch genug für den Posten als Präsident sei. Zudem beinhaltet sie eine Art Verschwörungstheorie, da Obama mit zweitem Namen Hussein heißt. Der Theorie zufolge ist er Islamist, der Amerika unterwandern will. Schließlich wurde auch Obamas Frau Michelle in die Kontroverse mit hinein gezogen, da ihr forsches Auftreten für viele Amerikaner sehr ungewohnt erscheint.

Diese Karikatur hat nicht nur in den USA für reichlich Zündstoff gesorgt und wurde heiß diskutiert. Während in den USA vor allem der Inhalt und damit der Präsidentschaftskandidat Obama im Mittelpunkt stand, wurde in Europa mehr die Frage in das Zentrum gestellt, in wiefern eine Karikatur die Grenzen des guten Anstandes wahren muss. Die Diskussionen liefen aber dennoch in anderen Bahnen und anderen Dimensionen ab, als die Kontroverse, die am 30. September 2005 eine Karikaturenserie in der dänischen Tageszeitung „Jyllands- Posten“ ausgelöst hat. Die Serie mit dem Titel „Die Gesichter Mohammeds“ belief sich auf zwölf satirische Zeichnungen, die den Religionsstifter und Propheten Mohammed zum Thema hatten.2 Eine der Karikaturen zeigte den Propheten Mohammed mit einem Turban in Form einer Bombe mit brennender Zündschnur.3 Auf dieser Bombe war das islamische Glaubensbekenntnis, die schahada zu lesen.

Das Blatt rechtfertigte die Veröffentlichungen mit der Meinungs- und Pressefreiheit. Der Autor Flemming Rose bezeichnete die Karikaturen als Reaktion auf die Selbstzensur in Hinblick auf islamische Themen.4

„Die Karikaturen seien als Antwort auf sich verstärkende Ängste und Gefühle der Einschüchterung im Umgang mit Themen, die mit dem Islam zu tun haben, veröffentlicht worden.“5

Die islamische Welt reagierte allerdings sofort vehement, da viele Muslime in diesen Zeichnungen ihre Gefühle verletzt sahen. Zunächst kam es zu friedlichen Demonstrationen, schon zwei Wochen später mussten die Zeichner der Karikaturen aufgrund von Morddrohungen untertauchen. Als der dänische Regierungschef Rasmussen eine Entschuldigungen und Distanzierung mit Berufung auf die Pressefreiheit ablehnte und die norwegische Zeitung „Magazinet“ die Karikaturen nachdruckte, eskalierte der Streit. Neben öffentlichen Protesten überreichten viele der muslimischen Regierungen Protestnoten, die eigenen Botschafter wurden zurückgerufen und dänische und norwegische Botschafter ausgewiesen. Dänische Waren wie Käse und Butter wurden in den muslimischen Ländern boykottiert und es kam zu Bombendrohungen. Weltweit sah man in den Medien dänische Flaggen brennen. Bei den Auseinandersetzungen kamen mehr als 140 Menschen ums Leben und der internationale Konflikt führte zu anwachsender Gefahr von terroristischen Anschlägen. Als Antwort auf die Aufdeckung von Mordplänen gegen den Zeichner Kurt Westergaard veröffentlichten die führenden dänischen Zeitungen im Februar 2008 erneut eine Karikatur des Propheten Mohammed.6

Die Tiefe und Dauer des Konflikts ist bezeichnend und doch für manche nahezu unverständlich. Wie kann eine Zeichnung solch ein Chaos auslösen? Wie können Karikaturen für die Einen ganz normal sein, geschmacklos vielleicht aber trotzdem als Teil der öffentlichen Meinung akzeptabel, während sie für die Anderen Anlass zu gewalttätigen Maßnahmen sind, Grund für Mordanschläge und absolut indiskutabel? Um diese Frage zu beantworten, werde ich im Folgenden die politische Karikatur in ihrer historischen Dimension erläutern. Mit der Methode der Bildinterpretation möchte ich dann ihre Funktion in der westlichen Gesellschaft beleuchten. In einem zweiten Teil werde ich kurz auf die wesentlichen Grundzüge des Islam sowohl allgemein, als auch in Bezug auf die Bedeutung von Bilder eingehen und auf diese Weise versuchen die Reaktionen und unterschiedlichen Bewertungen der Karikaturen erklären.

2. Kontroverse Bedeutung der Karikatur in westlicher und arabischer Gesellschaft

2.1. Die politische Karikatur in der westlichen Gesellschaft

2.1.1. Historische Dimension

Satirische Bilder, Spott- und Schandbilder lassen sich bereits in antiken Zeichnungen vorfinden. So wird der ägyptische Pharao Ramses III als Löwe dargestellt und so mit animalischen Zügen verfremdet. Auch im Mittelalter werden Personen und Personengruppen wie zum Beispiel Juden gerne in karikierenden Darstellungen festgehalten. Einige Forscher hier sprechen aber noch nicht von Karikatur, sondern verwenden in Abgrenzung etwa die Begriffe „mittelalterliche Bildsatire“ oder „vorklassische Karikaturen“.7

„Einigkeit besteht jedoch darin, dass der Begriff der Karikatur erst später entstand.“8

Das Wort Karikatur basiert auf dem italienischen Ausdruck „caricare“ und bedeutet „beladen“ oder „überladen“. Um die Jahrhundertwende vom 16. zum 17. Jahrhundert taucht der Begriff in einem Vorwort einer „Sammlung von Radierungen und Zeichnungen“9 des Künstlers Annibale Carracci auf, der diesen Ausdruck für „skizzenhafte, satirisch-übertriebene Portraitzeichnungen“10 verwendet. Carracci gilt mit seinen Zeichnungen über die Berufsstände als erster Vertreter dieser Gattung.

„Die Zeichnungen Carraccis unternahmen eine Typisierung der Berufsstände und spitzten deshalb die verwendeten zeichnerischen Formen zu, um eine allgemeine Erkennbarkeit zu gewährleisten.“11

Annibale Carracci geht davon aus, dass in der Natur eine Vollkommenheit nicht zu finden ist. Perfekte Formen kann demnach nur die Kunst schaffen und nur sie ist durch Übertreibung in der Lage, die totale Hässlichkeit oder ideale Schönheit zu formen. Dementsprechend gelangt Carracci auch zu einer der ersten Definitionen der Karikatur, wonach sie „Bildnisse seien, in denen die natürlichen Fehler durch den Künstler hervorgehoben statt gemildert werden“.12 Gianlorenzo Bernini entwickelt die Karikatur des 17. Jahrhunderts weiter, indem er neben der Hässlichkeit das Element des Scherzes hinzufügt. Die Abgebildeten werden also nicht nur von ihrer schlechtesten Seite gezeigt, sondern zudem auch der Lächerlichkeit preisgegeben.13 Durch seine Tätigkeit am Hof Ludwigs XIV hält der Begriff der Karikatur Einzug in den französischen Sprachgebrauch, wo für diese Kunstgattung bisher der Begriff „portrait charge“ verwendet wird. In der Mitte des 18. Jahrhunderts gelangt der Begriff nach England, wo er besonders von dem Künstler William Hogarth geprägt wird. Er betrachtet das verzerrte Abbilden von Personen durch die Karikatur als pures Gekritzel und verwendet für seine detailgetreuen Bilder von Charakterköpfen den Begriff „Characters“. Das hält die Betrachter aber nicht davon ab, seine Zeichnungen trotzdem als Karikaturen zu bezeichnen, was zur Folge hat, dass ein weit gefasster Karikaturbegriff entsteht. Karikatur bezieht sich nun auf alle Kunstformen, „die in irgendeiner Weise mit Deformation arbeiten“14. Im 18. Jahrhundert erlebt die Karikatur durch die Entwicklung der Lithographie und die damit verbundene Möglichkeit der Vervielfältigung eine „üppige Blüte“15. Dies wird durch die revolutionären Strömungen in Frankreich und Deutschland im 19. Jahrhundert weiter verstärkt. Während der Französischen Revolution entfaltet das Medium der Karikatur seine Breitenwirkung, da es auch von den analphabetischen Bürgern verstanden werden kann. In Deutschland entstehen zu dieser Zeit aus ähnlichen Gründen diverse karikaturistische Zeitschriften wie der „Kladderatdatsch“ (1848) oder der “Simplizissimus” (1896). Während dem ersten Weltkrieg entfaltet die Karikatur ihre politische Wirkung, indem sie vor allem den militärischen Feind denunziert. Das NS-Regime bedient sich der Karikatur besonders als Propagandamittel, um innen-, wie außenpolitische Kontrahenten bloßzustellen. Hier ist Karikatur nicht mehr als öffentliches Meinungsbildungsinstrument, sondern als staatliches Werkzeug zu betrachten. Heute gilt die politische Karikatur in Deutschland als meinungsbetonende journalistische Darstellungsform.

2.1.2. kunsthistorische-, politologische- und ethnologische Interpretation von Karikaturen

Um die Bedeutung der politischen Kultur in der westlichen und der islamischen Gesellschaft herauszuarbeiten, bediene ich mich der Methode der Bildanalyse oder auch Bildinterpretation. Diese Vorgehensweise hat ihre Ursprünge in der Kunsthistorik und ist entscheidend durch den Kunstwissenschaftler Erwin Panofsky geprägt, der 1939 einen Ansatz der inhaltlichen Deutung eines Bildes entwickelt hatte.16

„Ikonographie ist der Zweig der Kunstgeschichte, der sich mit dem Sujet oder der Bedeutung von Kunstwerken im Gegensatz zu ihrer Form beschäftigt.“17

Der Vorgang der Ikonographie als Technik verläuft in drei Schritten. In der ersten, vorikonographischen Ebene wird eine primäre Beschreibung des Gesehenen vorgenommen. Hier werden Gestalten, Formen und Figuren erkannt, ohne ihnen eine inhaltliche Bedeutung zuzumessen. Diesen wird im nächsten Schritt, dem ikonographischen Verständnis, Sinn zugeordnet.

„Mit diesem Schritt werden Figuren und Gegenstände in einer personalisierten, singulären Bedeutung erkannt.“18

Die Symbole und Zeichen werden in diesem Schritt entschlüsselt, eine in weißes Tuch gehüllte Person wird zum Beispiel als Jesus erkannt. In der dritten Ebene des ikonologischen Verständnisses werden die einzelnen Bildelemente zusammengefügt und mit dem Hintergrund der Lebenserfahrung des Betrachters gedeutet. Eine kunstgeschichtliche Deutung von Karikaturen wirft allerdings eine dringend zu klärende Frage auf. Kann Karikatur als Kunst gesehen werden und eignet sich ein derartiger Ansatz überhaupt? Schon Platon und Aristoteles haben Kunst und alles Schöne unter einem Gesichtspunkt der Ästhetik betrachtet. Später hat Hegel die Anforderung an die Kunst gestellt, „Äußeres und Ideal in Einklang zu bringen“19. Unter solchen Aspekten ist es gerade die Karikatur, die als genaues Gegenteil von Kunst zu erfassen ist und daher auch als Antikunst bezeichnet wird. Hegel weist der Kunst allerdings auch einen Sinn in der Erkenntnisfindung zu und legt ihr so das Kriterium der Wahrheit zugrunde.

„Das Schöne ist die Darstellung des Wahren.“20

In dieser Hinsicht wird die Nähe der Karikatur zum Journalismus deutlich. Die Karikatur kann also weder mit rein kunsthistorischen, noch mit rein sozialwissenschaftlichen Ansätzen erfasst werden und macht daher einen Methodenmix notwendig. Daher werde ich versuchen, die ikonographische Methode nach Erwin Panofsky durch zunächst politisch­sozialwissenschaftliche und schließlich durch volkskundliche Aspekte zu erweitern, um die Karikatur als gesellschaftliches und alltägliches Ausdruckmittel zu deuten. Ich werde eine stufenweise Interpretation der Zeichnungen vornehmen, in der die Bildelemente erkannt werden. Auf diese Weise kann die Mehrschichtigkeit einer Karikatur erfasst werden. Es ist notwendig, die einzelnen Strukturelemente, die sich gegenseitig bedingen und die Gesamtstruktur bilden, einzeln zu interpretieren. Im Folgenden werde ich eine vollständige Interpretation an einer Beispielkarikatur vornehmen.

Der Volkskundler Wilhelm Brednich beginnt bei einer Bildinterpretation mit einer technischen Beschreibung. Ich werde sie der Vollständigkeit halber kurz anführen. Es handelt sich um eine Fragestellung bezüglich des Stils der Zeichnung, des Materials oder der Fertigungstechnik. In Bezug auf Karikaturen könnte man hier den Vertriebsweg eines Bildes verfolgen oder das Medium, in dem das Bild zu sehen ist, untersuchen. Die Beispielzeichnung stammt von dem Karikaturisten Jürgen Tomicek und wird auf seiner Internetseite veröffentlicht. Nun folgen die vorikonographische und ikonographische Beschreibung, die ich oben bereits erläutert habe. Man sieht auf der Karikatur zwei Figuren, die mit Holzstöcken auf Kugeln zielen. Man erkennt diese Figuren als einen Mann mit Sturmmaske, Maschinengewehr, Sprengstoffgürtel und dem Aufdruck „Terror“ auf seiner Jacke. Er ist also augenscheinlich ein Terrorist. Die andere Figur hat den Kopf eines Geiers und trägt die Aufschrift „Finanzkrise“ auf dem Rücken. Die beiden spielen Billard, allerdings ist die Kugel, die versenkt werden soll, die Weltkugel. Anschließen möchte ich nun eine ikonologische Deutung, die ich zunächst um eine politologische Sichtweise erweitern möchte. Während Panofsky das Gesehene mit seiner persönlichen Erfahrung deutet, möchte ich die Karikatur mit dem Hintergrund der politisch-sozialen Situation interpretieren. Auch hier spielt aber die eigene Erfahrung eine wichtige Rolle, da der Sachverhalt, auf den sich die Karikatur bezieht, bekannt sein muss. Im Beispiel werden demnach zwei Bedrohungen für die Welt aufgezeigt. Neben dem Terrorismus steht die globale Finanzkrise, die weltweit für Angst und Schrecken sorgt. In einem weiteren Schritt soll die Aussage der Karikatur, die aufgezeigten Widersprüche und die Intention des Autors erkannt werden. Typisch für die Karikatur ist hier, dass sie über das Aufdecken einer Situation hinausgeht und das Geschehen bewertet und kommentiert. So verdeutlicht das Bild, inwiefern der Terrorismus nun einen globalen Spielpartner in der Finanzkrise gefunden hat, so dass er nicht mehr alleine Billard spielen muss. Sie wechseln sich brav mit ihren Spielzügen ab und ergänzen sich so prima damit, die Welt nach ihren Wünschen umher zu treiben. Tomicek verdeutlicht mit seiner Karikatur die Ohnmacht und Ausgeliefertheit der Welt vor den beiden globalen Akteuren und kritisiert dies zugleich. Die Welt ist in seinem Bild klein und hilflos, während die Spieler groß und mächtig sind. Es gibt keinen Retter in seiner Karikatur, keinen Präsident Obama und keine Kanzlerin Merkel, die an dem Spiel beteiligt sind. Tomicek scheint zu fragen, warum keiner die beiden davon abhält, mit der Welt Billard zu spielen und wo denn die sonst so Mächtigen dieser Welt sind, wenn es darum geht, sich an diesem Spiel zu beteiligen. Neben der scheinbaren Ohnmacht der Welt kritisiert er hier vermutlich die Passivität von Politik und Wirtschaft. Um eine Karikatur nicht einfach fraglos hinzunehmen, wird in einem dritten Schritt die Qualität der Zeichnung beurteilt. Die ästhetische Qualität einer Karikatur hängt entscheidend davon ab, inwieweit es dem Autor gelungen ist, seine Kritik visuell angemessen umzusetzen. Hier ergibt sich die Schwierigkeit, die eine Intention des Autors herauszufinden, während je nach dem eigenen Kontext sicher für jede Karikatur verschiedene Interpretationsmöglichkeiten existieren. Im Beispielbild wird die Aussage allerdings relativ klar übermittelt, es ergeben sich weder Widersprüche noch offene Fragen und daher könnte man die Karikatur als gelungen bezeichnen.

[...]


1 http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,565827,00.html

2 http://www.tagesschau.de/ausland/meldung130662.html

3 http://www.perlentaucher.de/artikel/2888.html

4 http://www.rp-online.de/public/article/gesellschaft/medien/239383/Karikaturen-als-Reaktion-auf- Selbstzensur.html

5 http://www.rp-online.de/public/article/gesellschaft/medien/239383/Karikaturen-als-Reaktion-auf- Selbstzensur.html

6 http://www.tagesschau.de/ausland/anschlagkarikaturen4.html

7 Knieper 2002, S.14

8 Knieper 2002, S. 14

9 Knieper 2002, S. 15

10 Knieper 2002, S. 15

11 Achterberg 1998, S. 14

12 Knieper 2002, S. 16

13 Knieper 2002, S. 16

14 Knieper 2002, S. 17

15 Schneider 1988, S. 14

16 Achterberg 1998, S. 29

17 Panofsky 1975, S. 36

18 Achterberg 1998, S. 29

19 Achterberg 1998, S. 23

20 Hegel 1820, S. 47 in Achterberg 1998, S. 22

Details

Seiten
30
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640663545
ISBN (Buch)
9783640664139
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153693
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie
Note
1,3
Schlagworte
Karikatur Karikaturenstreit Islam

Autor

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Titel: Der Karikaturenstreit. Kontroverse über die Abbildung des islamischen Propheten Mohammed