Lade Inhalt...

Organisation und Struktur Sozialer Arbeit

Hausarbeit 2009 15 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Verhältnis öffentliche und freie Träger der Wohlfahrpflege
2.1 Öffentliche Träger der Wohlfahrtspflege
2.2 Freie Träger der Wohlfahrtspflege
2.3 Problematik im Verhältnis der öffentlichen und freien Trägern

3. Öffentliche Jugendhilfe und ihre Aufgaben
3.1 Verwaltung des Jugendamtes
3.2 Jugendhilfeausschuss und seine Aufgaben
3.3 Jugendhilfeausschuss und die Fälle „Robert stört“ und „Ralf Dierks“

4. Strukturelle Verantwortungslosigkeit nach Freyberg
4.1 Beispiele aus dem Fall Barat
4.2 Strukturelle Verantwortungslosigkeit im Fall „Ralf Dierks“
4.3 Die Möglichkeiten der aussuchenden Familientherapie

5. Qualitätsdebatte in der sozialen Arbeit

6. Zusammenfassung

Literatur

1. Einleitung

Heutzutage hat jeder Bürger in Deutschland einen gesetzlichen Anspruch auf Hilfe. Schon deswegen ist die professionelle Soziale Arbeit aus der heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Diesem Bereich werden viele Aufgaben zugeordnet, die sehr vielseitig und unterschiedlich sind. Aus diesem Grund sind in der sozialen Arbeit bestimmte Strukturen und Organisationsformen vorfindbar, wodurch die Hilfe geleistet werden kann. Die freien und öffentlichen Träger der Wohlfahrtpflege bilden solche Strukturen und sind im Teil 2 dieser Arbeit beschrieben. Zuerst sind die allgemeinen Merkmale der jeweiligen Träger aufgezeigt. In nächsten Punkt ist das Verhältnis zwischen den Trägern thematisiert und die Problematik dargestellt. Im Teil 3 werden Arbeit und Aufgaben des Jugendamtes vorgestellt, die in die Verwaltung des Jugendamtes und den Jugendhilfeausschuss gegliedert ist. Anschließend ist die Wirkung vor allem des Jugendhilfeausschusses an Beispielen „Robert stört“ und „Der Fall Ralf Dierks“ erläutert. Teil 4 dieser Arbeit beschäftigt sich mit der so genannten strukturellen Verantwortungslosigkeit und geplantem Vandalismus und im Teil 5 wird die Qualitätsentwicklung und Qualitätsmanagement in der Sozialen Arbeit thematisiert.

2. Das Verhältnis öffentliche und freie Träger der Wohlfahrtpflege

2.1 Öffentliche Träger der Wohlfahrtspflege

Öffentliche Träger der Wohlfahrtspflege sind kommunale Körperschaften wie Kommunen, Kreise, kreisfreie Städte, die das Recht haben und gleichzeitig verpflichtet sind für die Angelegenheiten der jeweiligen Gemeinschaft zu sorgen und im Rahmen der bestehenden Gesetze zu handeln (z.B. Jugendamt bietet Leistungen, die im KJHG verfasst sind). Diese Abläufe sind durch die kommunale Sozialverwaltung organisiert.[1] Die Einrichtungen der öffentlichen Träger wie das Jugendamt, Sozialamt oder Gesundheitsamt charakterisieren spezifische Merkmale die unter anderem in der Aufbaustruktur und Arbeitsteilung zu erkennen sind.[2] Alle Ämter haben gleiche Handlungsprinzipien: Rechts- und Amtshilfe (sie sind verpflichtet sich bei den Aufgaben gegenseitig zu helfen), Prinzip der Aktenführung (alle Fälle müssen schriftlich festgehalten werden, damit Entscheidungen nachvollziehbar und prüfbar sind), Schutz der Sozialdaten (die Informationen dürfen nicht an Dritte weitergegeben werden) und Auskunftspflicht (jeder hat das Recht über die Rechte und Pflichten aufgeklärt zu werden). Zur weiteren Pflichtaufgabe der öffentlichen Träger gehört die kommunale Sozialplanung, die die aktuelle soziale Situation auffassen soll, mit besonderer Berücksichtigung der Problematik. Damit sollen die aktuellen Bedürfnisse der Hilfesuchenden aufgezeigt werden und anhand dieser Daten soll der kommende Bedarf ermitteln werde. Der Aufgabe der Sozialplanung ist in vielen Gesetzestexten zu finden: z.B. im Sozialgesetzbuch, oder auch in Landesgesetzten. Im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe ist Sozialplanung sogar zwingend vorgeschrieben.[3]

2.2 Freie Träger der Wohlfahrtspflege

Freie Träger sind Organisationen, die ihre Arbeit freiwillig ausüben. Somit erbringen sie ihre Leistungen nicht aufgrund einer gesetzlichen Verpflichtung (wie es bei öffentlichen Trägern der Fall ist), sondern aus eigener Motivation. Freie Träger können ihre Arbeit jederzeit einstellen und sie tragen die Gefahr, dass die Aufträge wegbleiben. Sie unterscheiden sich aufgrund der Dienstleistungen die sie anbieten z.B. Gesundheitshilfe, Jugendarbeit, Jugendhilfe u.a., haben unterschiedlichen Rechtsformen z.B. ein eingetragener Verein, eine Stiftung u.a. und, was damit direkt verbunden ist, unterschiedliche Finanzierungskonzepte. Sie unterscheiden sich daher auch in ihrer Organisationsstruktur.[4] Sie werden in zwei Kategorien eingeordnet: freigemeinnützige Träger und freigewerbliche Träger.

Freigewerblichen Träger sind Träger, die maximalen Gewinn erzielen möchten und ihre Leistungen gegen Entgelt anbieten.

Freigemeinnützige Träger sind im Gegenzug als gemeinnützig anerkannt. Dafür müssen sie konzeptionelle Ziele, die der Allgemeinheit zu Gute kommen, umsetzen. Mit dem Status der Gemeinnützigkeit nutzen solche Träger Steuervergünstigungen und sind berechtigt Spendenquittungen auszustellen.[5] Sechs Spitzenverbände, die eingetragene Vereine sind, und auf freigemeinnütziger Grundlage arbeiten, haben sich in der Bundesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege organisiert. Somit nehmen sie eine wichtige Rolle als Anbieter Sozialer Dienstleistungen ein.[6] Außerdem haben diese Wohlfahrtsverbände eine intermediäre Position d.h. sie liegen zwischen dem staatlichen und marktwirtschaftlichen Sektor.[7]

2.3 Problematik im Verhältnis der öffentlichen und freien Trägern

Im Gegensatz zum öffentlichen Träger ist der Begriff freier Träger im Gesetz nicht geregelt, obwohl dieser in Gesetztexten benutzt wird. Als freier Träger kann jede juristische Person agieren, was aber auch eingeschränkt werden kann, da in speziellen Bereichen besondere Erlaubnisse vorlegen müssen.[8]

Die Beziehung der öffentlichen und freien Träger kennzeichnet das Subsidiaritätsprinzip, welches „besagt, dass der Staat im Verhältnis zur Gesellschaft nicht mehr, aber auch nicht weniger tun soll als Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten (…) und bedeutet demnach, was einzelne, kleinere Institutionen, Gruppen und Körperschaften aus eigener Kraft tun können soll ihnen nicht von einer jeweils übergeordneten Instanz oder dem Staat entzogen werden.“[9] Dies bedeutet, dass der öffentlicher Träger die übergeordnete Instanz ist und er soll die ihm unterordneten Wohlfahrtverbände in ihrer Arbeit anerkennen und unterstützen, was mit sich bringt, dass die Leistungen in erster Linie durch den freien Träger zu erbringen sind. Diese Zusammenarbeit wird auch in folgenden Gesetzen erläutert: § 5 SGB 12, § 4 SGB 8, §17 SGB 2. Die freien Träger verfügen auch über Mitwirkungsrecht bei öffentlichen Entscheidungen, die z.B. im Jugendhilfebereich sogar gesetzlich vorgeschrieben ist. Hier entsteht eine Ungleichheit, da die freien Träger einen Einfluss auf öffentlichen Träger nehmen können, dies aber umgekehrt nicht möglich ist.[10] Dabei ist nicht zu vergessen, dass die öffentlichen Träger alleine die Verantwortung für die Sozialplanung tragen, aber bei den Entscheidungen diesbezüglich freie Träger beteiligt sind.

Ein weiteres Problem ist, dass die Aufgaben des freien Trägers ständig wachsen aber die öffentlichen Geldleistungen und Zuschüsse eine abnehmende Tendenz zeigen, was sich besonders negativ auf die Wohlfahrtsverbände auswirkt.[11]

Die freien Träger haben im Bezug auf die Arbeit mit dem Leistungsempfänger große Handlungsautonomie (sie dürfen alleine über die Art der Interaktion entscheiden), aber auf der anderen Seite sind sie bei Erbringung der Leistung von ihrem Träger abhängig, der die Leistungen bezahlt und somit seine Erwartungen hineinfließen lassen kann. Somit muss der freie Träger seine Dienstleistungen nicht nur nach der eigenen Wirtschaftlichkeit aber auch nach den Erwartungen des öffentlichen Trägers erbringen. Dies hat zu Folge, dass die Leistungen mehr und mehr differenziert werden, was zur Unübersichtlichkeit für den Leistungsempfänger führt. Das kann dazu führen, dass sich die Nachfrage verringert und das widerspricht sich mit den Zielen der Leistungserbringer. Aber wenn die Nachfrage enorm groß ist, ist das Leistungsniveau gefährdet, was mit den Erwartungen der öffentlichen Träger kollidiert.[12] Die freien Träger entwickeln hier eigene Aufnahmestrategien, die sich an den zu erwartenden Erfolgen orientieren. Damit werden die sozialen Dienstleistungen der freien Träger „schwierigeren Fällen“ nur schwer zugänglich. Diese Hilfesuchenden können sich dann einen anderen Anbieter suchen, der andere Aufnahmekriterien hat. Das führt aber dazu, dass bestimmte Anbieter vorwiegend Klienten mit schwieriger Problematik aufnehmen und dadurch das Leistungsniveau im Vergleich mit anderen Trägern nicht mithalten können, und nur weiniger Erfolge vorweisen können[13]. Hier werden auch die unterschiedlichen Interessen der Hilfesuchenden, der Leistungserbringer und der Kostenträger deutlich, die die eigentliche Aufgabe der sozialen Arbeit in den Hintergrund rücken und die Hilfe als solchen kommt nicht immer rechtzeitig bei den Hilfesuchenden an.

3. Öffentliche Jugendhilfe und ihre Aufgaben

Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe errichten Jugendämter, da nur diese der Befugnis haben die Bestimmungen der Kinder- und Jugendhilfegesetzes umzusetzen und daraus entstehende Aufgaben ausführen.[14] Das Jugendamt wird per Gesetz in den Jugendhilfeausschuss und in die Verwaltung des Jugendamtes aufgeteilt.[15]

3.1 Verwaltung des Jugendamtes

Das Jugendamt hat meistens einen hierarchischen Aufbau und ist nach Aufgaben und Resorts gegliedert (z. B Abteilung für allgemeine soziale Dienste, Abteilung für besondere soziale Dienste) die Parallelen zu den unterschiedlichen Abschnitten im Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) aufzeigen. Somit werden die im KJHG vorgesehenen Maßnahmen durch die Jugendamt-Sachbearbeiter den Fällen zugeordnet. Hier wird die Problemlage der Hilfesuchenden nicht ausreichend in den Entscheidungsprozess miteinbezogen, sondern für den Hilfesuchenden wird in der Regel über die zur Verfügung stehende Hilfe schon vorentschieden z.B. unter Hilfe zur Erziehung nach § 27 KJHG werden ausschließlich Maßnahmen bewilligt, die in §§ 28-35 KJHG beschrieben sind.[16] Dabei orientiert sich der Sachbearbeiter an bisherigen Erfahrungswerten des Amtes (organisationale Erfahrung) und trifft eine angemessene Entscheidung, die in das Amtsschema passt. Diese „angemessene Entscheidung“ erleichtert die Arbeit, da die Sachbearbeiter nicht immer wieder aufs Neue die Fälle prüfen müssen und schützt vor Verantwortungsübernahme.[17] So entsteht ein Standard, der einen negativen Einfluss auf die Interessenwahrnehmung des Hilfesuchendens durch den Sacharbeiter hat.

[...]


[1] Vgl. Thoma, Modultext O1b S. 19

[2] Vgl. Thoma, Modultext O1b, S.20

[3] Vgl. Thoma, O1b, S. 26-27

[4] Vgl. Thoma, Modultext O1b, S. 30-33

[5] Vgl. Thoma, Modultext O1b, S. 28

[6] Vgl. Thoma, Modultext O1b, S. 37

[7] Vgl. Thoma, Modultext O1b, S. 43

[8] Vgl. Arnold, Modultext O1c, S. 25

[9] Fachlexikon der sozialen Arbeit, 6. Auflage 2007

[10] Vgl. Arnold, Modultext O1c S. 27-28

[11] Vgl. Seibel, Funktionaler Dilettantismus, S. 102

[12] Vgl. Arnold, Modultext O1c, S. 30-32

[13] Vgl. Arnold, Modultext O1c, S. 35-3

[14] Vgl. Arnold, Modultext, O1c, S. 4

[15] Vgl. Arnold, Modultext O1c, S. 9

[16] Vgl. Arnold, Modultext O1c S. 9-10

[17] Vgl. Arnold, Modultext, O1c S. 12

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640662913
ISBN (Buch)
9783640663095
DOI
10.3239/9783640662913
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153819
Institution / Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
2,1
Schlagworte
freie Träger Wohlfahrt öffentliche Jugendhilfe Qualitätsdebatte

Autor

Zurück

Titel: Organisation und Struktur Sozialer Arbeit