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Chronisch kranke Kinder und ihre Probleme im Schulunterricht

Studienarbeit 2010 31 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinitionen im Kontext der Forschungsarbeit

3. Überlegungen zu Forschungsfrage und Hypothesen
3.1. Die Forschungsfrage
3.2. Die Hypothesen

4. Überlegungen zur Methodenwahl
4.1. Qualitative Forschung
4.2. Vorstellung der Grounded Theory
4.3. Vorstellung des problemzentrierten Interviews nach Witzel

5. Praktische Durchführung des problemzentrierten Interviews

6. Auswertung der Daten und Darstellung der Ergebnisse

7. Fazit und Ausblick

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang
9.1. Kurzfragebogen
9.2. Leitfaden
9.3. Transkript
9.4. Postskript

1. Einleitung

„Was du mir sagst, das vergesse ich. Was du mir zeigst, daran erinnere ich mich. Was du mich tun lässt, das verstehe ich.“ Konfuzius

Diese Arbeit ist im Rahmen meines Bildungswissenschafts-Studiums an der FernUniversität Hagen entstanden. Im Modul 2A werden die Studenten vor die Aufgabe gestellt, ein eigenes kleines Forschungsprojekt zu entwickeln. Dies stellt den Studenten vor unbekannte Herausforderungen: Ein Forschungsfeld muss gesucht und gefunden werden, es soll im entsprechenden Rahmen reali- sierbar sein und doch etwas Neues hervorbringen; eine passende Methode ist zu finden, zu erlesen und praktisch anzuwenden. All dies wurde hier versucht. Die Ergebnisse meiner Er-Forschungen finden sich auf den folgenden Seiten. Um was soll es gehen? Millionen Kinder in Deutschland sind chronisch krank – und schulpflichtig. Wie geht es diesen Kindern im Schulunterricht? Führen ihre Erkrankungen zu Problemen? Bei Kindern mit körperlichen Behinderun- gen ist ihre Andersartigkeit offensichtlich, Rücksichtnahme ergibt sich oft von selbst - doch wie ist es bei Erkrankungen, die nahezu unsichtbar sind, nicht auf den ersten Blick zu erkennen? Was erleben die betroffenen Kinder während der Schulzeit an Beeinträchtigungen? Stellvertretend für all die nicht so offensicht- lichen chronischen Erkrankungen soll es um schulpflichtige Kinder mit Asth- ma, Neurodermitis und Allergien gehen. Laut Asthma MSD (2002) leiden rund 1 Million Kinder in Deutschland unter Asthma, es ist die häufigste chronische Erkrankung und auch der häufigste Grund für Fehltage in der Schule. Es ist schwer, verlässliche Zahlen für Deutschland zu finden – jedoch hat allein in den USA in den Jahren von 1980 bis 1994 die Zahl der Erkrankungen um 75% zugenommen, so Asthma MSD (2002). Allergische Erkrankungen haben sich in den Jahren 1994-97 verdoppelt, die Tendenz ist weiter steigend. Nachgewie- sen ist die Tatsache, dass während eines Krankheitsschubes die Konzentrati- onsfähigkeit deutlich sinkt und die Lebensqualität allgemein erheblich einge- schränkt ist, so die med info GmbH. Im folgenden Kapitel werden zunächst einige medizinische Fachbegriffe definiert, die sich in dieser Arbeit gehäuft wiederfinden. Es folgt die Annäherung an die Forschungsfrage, die Vorstel- lung der Arbeits-Hypothesen sowie der gewählten Methode. Nach all der The- orie folgt dann die Praxis: Die praktische Durchführung des Interviews wird dokumentiert, die gewonnenen Daten ausgewertet. Nach einem Fazit und Aus- blick folgt das Literaturverzeichnis. Im Anhang finden sich der Kurzfragebo- gen, der Leitfaden, sowie das Transkript des Interviews samt Postskript. Wird in dieser Arbeit die männliche Anrede verwendet, so sind Frauen ebenso ge- meint.

2. Begriffsdefinitionen im Kontext der Forschungsarbeit

In dieser Forschungsarbeit geht es um die Probleme von Kindern mit chroni- schen Erkrankungen . Unter einer Vielzahl von Erkrankungen soll es hierbei um Asthma, Allergien und Neurodermitis gehen. Zum besseren Verständnis werden die Begriffe vorab kurz definiert. Wenn in dieser Arbeit von „Proble- men“ gesprochen wird, so handelt es sich um all die Störungen des schulischen Ablaufes, die durch die Krankheiten der Kinder bedingt sind – und somit ande- re Mitschüler nicht in dem Ausmaß treffen. Als chronisch bezeichnet man nach Hoffmann-La Roche (vgl.1993, S. 293) eine Erkrankung mit langsamen, schleichenden Verlauf, die von langer Dauer ist. Diese Art von Erkrankungen ist nicht heilbar (vgl. Etschenberg, 2009, S. 10) und begleitet die Betroffenen ein Leben lang. Es sind symptomfreie Phasen möglich, jedoch wird die Krankheit nicht ganz verschwinden. Laut Hoffmann-La Roche (vgl.1993, S. 123) ist Asthma (griechisch = erschwertes Atmen) die Bezeichnung einer chronischen Erkrankung, die sich durch Anfälle von Atemnot äußert. Durch unterschiedliche Auslöser wie Stress, Allergene, körperliche bzw. psychische Belastung kommt es zu Atemnotanfällen, bei denen die Ausatmung extrem erschwert ist. Die Grundlage der Erkrankung ist eine chronische Entzündung der Atemwege, siehe Schauerte/Petermann (2009, S. 55). Ein Asthmaanfall kann Stunden oder auch Tage dauern und im schlimmsten Fall zum Tode füh- ren. Asthma bronchiale ist die häufigste chronische Krankheit in Deutschland. Rund 2 Millionen unter 18-Jährige sind davon betroffen (Etschenberg 2009, S. 17). Bei Neurodermitis handelt es sich nach Etschenberg (2009, S. 23) um eine „allergische Hauterkrankung“. Auch Neurodermitis zählt zu den chroni- schen Erkrankungen. Diese kehrt schubweise wieder und belastet die Betroffe- nen mit Entzündungen der Haut, mit Ekzemen und starkem Juckreiz. Die Haut ist oft rissig, trocken und gerötet. Rund 12% der Schulkinder sind davon be- troffen; die Zahl der Erkrankungen ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen (vgl. Etschenberg 2009, S. 24). Auslöser sind neben psychischen Faktoren (Stress…) auch der Kontakt mit Allergenen der unterschiedlichsten Art – Waschpulver, Duftstoffe, Pollen, um nur einige zu nennen. Allergien sind Überempfindlichkeiten des Körpers auf bestimmte Stoffe. Das können Nah- rungsmittel sein, Blütenpollen, aber auch chemische Stoffe wie Lacke oder Lösungsmittel. Laut Etschenberg (2009, S.12) ist derzeit „nahezu jedes dritte Kind als allergiekrank“ zu bezeichnen. Die Anlage zu Allergien wird vererbt. Die Symptomatik kann höchst variabel sein: Sie reicht von juckenden Augen, Quaddelbildung am Körper bis hin zu akuter Atemnot und dem Zusammen- bruch des Kreislaufsystems (= anaphylaktischer Schock). Allergien sind in der Regel nicht heilbar, allerdings kann sich die Art der Reaktion und damit die Hochgradigkeit der Allergie sich verändern.

3. Überlegungen zu Forschungsfrage und Hypothesen

3.1 Die Forschungsfrage

In Deutschland leben Millionen Kinder mit chronischen Erkrankungen wie Asthma, Neurodermitis und/oder Allergien. Es ist nicht einfach, verlässliche Zahlen zu diesem Thema zu finden – Einigkeit besteht jedoch, dass die Anzahl der Erkrankungen in den vergangenen Jahren zugenommen hat und weiter steigt. Die Zahl der Neurodermitisfälle nimmt rapide zu, so Hevert (2003, S. 1). Diese Ansicht teilt auch der Deutsche Allergie- und Asthmabund1, gleiches gilt ebenso für asthmatische Erkrankungen und Allergien im Kindesalter2. Wie Ohlbrecht (2006, S. 8) beschreibt, ist die Phase der Adoleszenz per se eine identitätskritische Lebensphase – doch was geschieht, wenn zusätzlich noch eine chronische Krankheit auftritt? Die Wendepunkte im Leben eines Men- schen lassen sich unterscheiden in normative und non-normative Lebensereig- nisse. Normative Ereignisse treffen jeden Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt im Leben (die Einschulung, der Schulabschluss, Beginn einer Aus- bildung o.ä.). Das Leben bzw. das Auftreten von Krankheitssymptomen wird jedoch den non-normativen Ereignissen im Leben zuordnet (ebd.) – sie treffen nicht jeden Menschen und führen für die Betroffenen zu Entscheidungszwän- gen und zusätzlichen Stressoren im Alltag. Ist dieser Alltag schon im familiä- ren Rahmen schwierig zu gestalten, so bedeuten die Erkrankungen für den Be- such von Kindergarten und Schule oft eine Herausforderung – sowohl für die Kinder, als auch für die Lehrer, Erzieher und Betreuer. Im Jahr 2007 waren 12825 Kinder unter 15 Jahren aufgrund von chronischen Infektionen der unte- ren Atemwege stationär im Krankenhaus – und fehlten während dieser Zeit in der Schule (Statistisches Bundesamt, 2009). Da die Zahlen der erkrankten Kin- der stetig steigen, wird auch die Relevanz dieses Themas weiter zunehmen. An Abwarten und Nichts-Tun ist also nicht zu denken. Hier habe ich meine For- schungslücke gefunden. Die erkrankten Kinder müssen Medikamente einneh- men – kommt es zu Nebenwirkungen? Sind die Kinder durch ihre Erkrankung im Schulalltag belastet? Wirken sich die Symptome dieser oft auf den ersten Blick nicht zu erkennenden Krankheiten auf die Schule aus? Wie gehen die Lehrer mit diesen Kindern – die auf den ersten Blick nicht krank erscheinen - um? Mit diesen Fragen wird sich diese Hausarbeit beschäftigen. Meine For- schungsfrage lautet daher:

Mit welchen Problemen haben chronisch kranke Kinder 3 im Schul-Unterricht aufgrund ihrer Erkrankung zu kämpfen?

3.2 Die Hypothesen

In der qualitativen Forschung soll der Forscher offen sein für Neues, dennoch sind Anfangsüberlegungen gestattet: Für mich bestanden diese darin, zu ver- muten, dass es für Kinder mit Asthma, Allergien und Neurodermitis Probleme in Einrichtungen wie Kindergarten und Schule gibt, die ursächlich mit der Er- krankung zusammenhängen. Ob dies wirklich so ist, soll sich in dem Interview mit einem betroffenen Jugendlichen zeigen. Aus einer Vielzahl von möglichen Fragestellungen habe ich für diese Forschungsarbeit drei Aspekte ausgewählt und als Hypothesen formuliert. Diese beleuchten lediglich einen kleinen Aus- schnitt dieser komplexen Problemstellung. Meine Hypothesen – die als Ar- beitshypothesen zu verstehen sind – lauten:

I Die Tatsache, dass ein Kind chronisch krank ist, beeinflusst die Mitarbeit im Unterricht.
II Ob ein chronisch krankes Kind Probleme im Unterricht hat, hängt ab vom Klassenverband.
III Ob ein chronisch krankes Kind Probleme im Unterricht hat, hängt ab von der Einstellung des Klassenlehrers.

4. Überlegungen zur Methodenwahl

Welche Methode soll nun verwendet werden, um die Forschungsfrage zu bear- beiten? Der Forscher ist stets im Zwang, sich entscheiden zu müssen: Welche Methode ist am besten geeignet, welche Ressourcen sind vorhanden, in wel- chem Rahmen soll das Er-Forschen erfolgen? Um einen möglichst tiefen Ein- druck des Erlebens der kranken Kinder zu bekommen, fiel die Wahl auf eine Interviewmethode und hier auf das problemzentrierte Interview. In einem prob- lemzentrierten Interview wird eine Fragestellung von den unterschiedlichsten Seiten beleuchtet – zentriert auf die Problemsicht des Subjekts (vgl. Witzel, 2008, S. 2). Diese Methode passte zu meiner Fragestellung und meinen for- scherischen Ressourcen: Aufgrund meiner Tätigkeit als Kinderkrankenschwes- ter verfüge ich über das nötige Vorwissen im medizinischen Bereich. An mei- nem Arbeitsplatz fand ich „typische Fälle“ von Kindern und Jugendlichen mit den von mir zu untersuchenden Erkrankungen. Zuerst war geplant, eine Mutter zu den Problemen ihrer Kinder mit den genannten Erkrankungen zu befragen, doch da auch Jugendliche als direkte Gesprächspartner vorhanden waren, wurde mein Plan modifiziert. Wichtig war es mir, möglichst direkte Aussagen zu erhalten und einen typischen „Fall“ zu interviewen (= theoretical Sampling).

4.1 Qualitative Forschung

Was zeichnet die qualitative Forschung aus? In der qualitativen Forschung ist das Ziel nicht vorrangig die Hypothesenprüfung – auch wenn es Arbeitshypo- thesen gibt – sondern die Generierung von Theorien, die während der Arbeit am Projekt entstehen. Wichtig ist die Gegenstandsangemessenheit: Kann mit- tels dieser Methode das zu untersuchende Phänomen so erklärt werden, dass der Forscher neue Erkenntnisse erlangt? Der Forscher muss sich ganz auf den zu untersuchenden Gegenstand (das Forschungsthema) einlassen. Diese Ge- genstandsangemessenheit sollte im gesamten Verlauf der Untersuchung vor- herrschen (vgl. Brüsemeister, 2006, S. 35). Als theoretische Grundlage der qualitativen Forschung dient nach Reinders (2005, S. 21) „der symbolische Interaktionismus“. Dem Prinzip der Offenheit folgend werden die Aussagen in den Interviews werden nicht danach eingruppiert, ob sie wahr oder eventuell unwahr sind. Sie werden als das angenommen, was sie sind: Subjektive Aussa- gen des Subjekts zu einem bestimmten Thema. Bis einschließlich der Auswer- tung stehen diese subjektiven Aussagen im Mittelpunkt (vgl. Reinders, 2005, S. 21). Das zu untersuchende Phänomen soll aus der Sicht des Subjekts verstan- den werden. Das Prinzip der Offenheit fordert auch, dass der Forscher seine Theorien nicht als starres Korsett betrachtet und sie gegebenenfalls im For- schungsprozess modifiziert und angleicht. Es gibt es wenig Standards für das Interview - so soll sichergestellt werden, dass die interviewte Person die für sich relevanten Aspekte anführen kann. Als Hilfe für das Interview dient ein Leitfaden, der nicht offengelegt wird. In ihm sind z.B. die Einstiegsfrage for- muliert, sowie Leitworte zu den Themenbereichen, die sich aus den Hypothe- sen ergeben. Die Kommunikation sollte im natürlichen Umfeld erfolgen und der Ton im Interview dem jeweiligen Interviewpartner angepasst sein (= Naturaliszität). Wichtig zu erwähnen ist noch die Prozesshaftigkeit als weiteres Kennzeichen der qualitativen Forschung. Dem Prinzip der Prozesshaftigkeit sollten auch die Fragestellungen im Interview angepasst sein. Bedeutungszu- sammenhänge können sich im Laufe des Lebens ändern – im Nachhinein wer- den Handlungen oder getroffene Entscheidungen möglicherweise anders beur- teilt. Fragestellungen sollten daher möglichst so formuliert werden, dass sie sich nicht nur auf die Gegenwart, sondern auch auf die Vergangenheit beziehen und retrospektive Informationen erbringen (vgl. Reinders, 2005, S. 93).

4.2 Vorstellung der Grounded Theory

Die Grounded Theory wurde 1967 von Glaser und Strauss entwickelt. Sie gilt als das „am weitesten verbreitete Verfahren der qualitativ-interpretativen Sozi- alforschung“ (Strübing, 2008, S. 7). Die Grundlage dieses Forschungsstils liegt in empirischen Daten. Zentral ist nach Brüsemeister (2006, S. 129) das zeitgleiche Erheben und Auswerten von Daten innerhalb eines theoretical Samplings. Hierbei können die Ergebnisse aus bereits ausgewerteten Daten dazu genutzt werden, sich (noch) zielgerichteter den nächsten Datenerhe- bungsverfahren zuzuwenden. Die jeweiligen Prozesse werden als nicht völlig abschließbar aufgefasst – es gibt keinen fixen Endpunkt (vgl. Strübing, 2008, S. 14-15). Die Prozesssteuerung erfolgt aus dem laufenden Forschungsprozess heraus, so die Vorstellung. Hierbei gibt es keinen starren Automatismus, son- dern es findet ein Wechselspiel von Handlungen und Reflexionen statt (vgl. Strübing, 2008, S. 15). Das Forschungsergebnis ist immer auch ein subjektiv geprägtes Produkt, was aber nach Ansicht der GT dennoch zu brauchbaren Forschungsergebnissen führt (vgl. Strübing, 2008, S. 16). Für den Forschungs- ablauf gibt es kein starres Regelwerk, die Vorgaben sind als Vorschläge zu verstehen, aus denen der Forscher ein individuelles Handlungsmuster für sein Vorhaben entwickeln kann. Aber: Die Grounded Theory bietet keinen Freibrief für willkürliche Forschungsweisen – die Angemessenheit der verwendeten Mit- tel ist stets und ständig zu überprüfen und nachzuweisen, so Strübing (2008, S. 17). Zu den Besonderheiten der Grounded Theory gehören die Entwicklung von theoretisch verdichteten Konzepten, das systematische Kodieren und das Erstellung einer Bedingungsmatrix – durch diese Punkte wird die Theorieent- wicklung stärker betont, als sonst in der qualitativen Forschung üblich. In der Methode der Grounded Theory können viele verschiedene Datenarten verwen- det werden – Interviews mit unterschiedlichen Beteiligten eines „Falles“, Daten aus Akten, Fachbüchern etc. Wie wird mit Vorwissen umgegangen? Ein gewis- ses Maß an Vorwissen ist nötig, um überhaupt agieren zu können, dies darf jedoch nicht den Blick auf noch unerkannte Zusammenhänge verstellen und dann deduktiv wirken. Ein gewisses Maß an Vorwissen wird laut Brüsemeister (2006, S. 130) benötigt, um erst einmal Kategorien erstellen und auswählen zu können - während der Datenauswertung wird es sozusagen „mental einge- klammert“. Dieses Vorgehen dominiert die erste Phase der Untersuchung – das offene Kodieren. Der Forscher nimmt zu diesem Zeitpunkt vollständig den Standpunkt der Daten ein. Alle möglichen Ideen zum zu behandelnden Thema werden festgehalten, die gefundenen Daten der Fälle werden konstant mitei- nander verglichen (constant comparisons) – dieses Vergleichen zählt zu den zentralen Techniken dieser Methode (vgl. Brüsemeister, 2006, S. 130). Strü- bing (2008, S. 20) unterscheidet drei Arten des Kodierens: Das offene Kodieren dient dem Aufbrechen der Daten, das axiale Kodieren hat den Zweck der Ent- wicklung eines phänomenbezogenen Zusammenhangmodells (die Phase des Vergleichens) und das selektive Kodieren bettet die bisher gefundenen theoreti- schen Konzepte in die Kernkategorien ein. Findet der Forscher keine neuen Eigenschaften der jeweiligen Kategorien mehr, spricht man von theoretischer Sättigung – das Sampling kann beendet werden (vgl. Strübing, 2008, S. 33). Nach diesen Prozessen bleiben nur noch die Schlüsselkategorien übrig. Ein ebenso bedeutsamer Faktor wie das Kodieren, ist das Festhalten von For- schungsschritten in Form von Memos – dies geschieht nicht erst am Ende, son- dern fortlaufend im Forschungsprozess.

4.3 Vorstellung des problemzentrierten Interviews nach Witzel

Die Methode des problemzentrierten Interviews wurde von A. Witzel in Deutschland eingeführt. Diese Art von Interview zeichnet sich durch Offenheit aus, ist teilstrukturiert und leitfadengestützt. Laut Witzel (2000) sind die Grundpositionen des PZI die Problemzentrierung, die Gegenstandsorientie- rung sowie die Prozessorientierung. Problemzentrierung heißt, ein für die Ge- sellschaft relevantes Problem wird aus der Sicht des Subjekts behandelt. Dies soll möglichst unbeeinflusst von den Konzepten des Forschers geschehen. Auch wenn der Forscher stets zu jedem Thema ein gewisses Maß an Vorwissen hat, so darf dies seine Beurteilung nicht beeinflussen. Die Gegenstandorientie- rung wird gewahrt, indem die Methode dem Forschungsgegenstand angepasst wird.

[...]


1 http://www.daab.de/neuro_kind.php

2 http://www.daab.de/all_im_kind.php

3 Asthma, Neurodermitis, Allergien

Details

Seiten
31
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640672684
ISBN (Buch)
9783640672776
Dateigröße
651 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v154134
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Fakultät für Kulturwissenschaften
Note
2,7
Schlagworte
Bildungswissenschaft Hausarbeit Modul 2A Problemzentriertes Interview Witzel

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