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König Karl XII. von Schweden

Ein umstrittener Feldherr in der deutschen Historiographie

Seminararbeit 2006 17 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Schweden von 1648 bis

3. Der Große Nordische Krieg

4. Darstellung Karl XII. in der deutschen Historiographie
4.1. Im 18. Jahrhundert
4.2. Im 19. Jahrhundert
4.3. Nach der Reichsgründung
4.4. Im Dritten Reich
4.5. In der BRD
4.6. In der DDR

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Denkt man heute an das friedfertige Land im Norden, erahnt man nicht, dass Schweden einst eine gefürchtete europäische Großmacht war. Diese Periode größter Machtentfaltung dauerte im Vergleich zu anderen Großmächten allerdings nur sehr kurz an: es waren nicht einmal 75 Jahre.

Der Eintritt in den Kreis der Großmächte gelang dem Schwedenkönig Gustav II. Adolf im Dreißigjährigen Krieg. Noch heute wird er daher in Schweden verehrt. Als Garantiemacht des Westfälischen Friedens war man offiziell als Großmacht anerkannt. Das Zurückdrängen Schwedens zum europäischen Mittelstaat gelang dem Zaren Peter I. im Großen Nordischen Krieg. Sein Gegenspieler auf schwedischer Seite war Karl XII. Im Frieden von Nystad 1721 verlor Schweden die Ostsee-herrschaft an Russland. Der Niedergang Schwedens als Großmacht bedeutete den Aufstieg einer neuen.

Der Schwedischenkönig Karl XII. ist eine sehr interessante Figur. Von vielen Historikern bewundert und von vielen verkannt ist er in der Historiographie eine sehr kontrovers diskutierte Figur. Den größten Teil seines Lebens verbrachte er auf dem Schlachtfeld in anderen Ländern. Aber welche Motivationen trieben ihn an? War er nur ein gekrönter Soldat, dessen Halsstarrigkeit, Leichtsinn und Besessenheit Schwedens Untergang einläuteten? Oder war er vielmehr ein genialer Feldherr und glänzender Truppenführer, dessen realistische Pläne scheiterten? Diese Frage werde ich im Hauptteil meiner Hausarbeit behandeln.

Zuvor werde ich aber auf die Ereignisse zwischen dem Westfälischen Frieden 1648 und der Krönung Karls XII. 1697 eingehen, damit die verschiedenen Umstände bei dem Amtsantritt Karls XII. nachvollzogen werden können. Im zweiten Teil des geschichtlichen Rückblicks werde ich auf die Ereignisse im Nordischen Krieg eingehen. Zum Ende meiner Hausarbeit werde ich versuchen die Kontroverse zusammenzufassen und eine eigene Bewertung Karls XII. vorzunehmen.

2. Schweden von 1648 bis 1697

Als Garantiemacht des Westfälischen Frieden war Schweden im Jahre 1648 ganz offiziell zur europäischen Großmacht aufgestiegen. Der Krieg selbst hatte Schweden zu Größe verholfen, in Friedenzeiten musste es sich noch beweisen.

Axel Oxenstierna hatte zur Einstellung der schwedischen Expansion geraten, konnte sich mit seiner Meinung aber nicht durchsetzen. „Nirgendwo sind wir schwächer als innerhalb unserer eigenen Grenzen“[1] hatte schon König Gustav II. Adolf im Jahre 1613 vor der Niederlage gegen Dänemark verlauten lassen. Gemäß dieser Devise sollte die Friedenzeit auch nicht von langer Dauer sein.

Im Jahre 1655 begann der Erste Nordische Krieg, der mit dem Frieden von Oliva 1660 beendet wurde. In diesem Krieg zwang Karl X. Gustav den polnischen König Johann II. Kasimir, der ein Urenkel König Gustavs I. von Schweden und letzter lebender Wasa war, zum Verzicht auf den schwedischen Königsthron.

Den Nachkriegszustand musste besonders Schweden fürchten, denn die Revisionsneigungen der von Schwedens Expansion betroffenen Nachbarn Dänemark, Brandenburg, Polen und Russland waren schon bei den Friedens-verhandlungen kaum verborgen geblieben[2]. Das Erbe der kriegerischen Ära des Großmachtaufstiegs für die friedliche Periode der Großmachtsicherung nach 1660 war ein offenkundiges Dilemma: Für diese außenpolitischen Sicherungsaufgaben, d. h. für die Unterhaltung eines großen Militärpotentials im eigenen Lande, stand Schweden in seinen strukturellen Voraussetzungen noch immer sehr ungünstig da[3]. Nach der Niederlage gegen Brandenburg-Preußen in Fehrbellin 1675 wurde die prekäre Lage Schwedens auch für das Ausland offenkundig. Aus diesem Grund berief König Karl XI. im Jahr 1680 den Reichtag ein.

Wichtige Reformen in Staatswesen und Militär wurden auf den Weg gebracht: Mit Hilfe der Bauern, der Bürger, der Offiziere und des niederen Adels wurde die Rückführung der ehemaligen Kronländereien vom Adel durchgesetzt, der Reichsrat zum beratenden Königlichen Rat degradiert, die Gesetzgebung und Außenpolitik, die bis dahin beim Reichstag gelegen hatten, vom König übernommen. Der König wurde zum absolutistischen Alleinherrscher. Nach den politischen Reformen führte Karl XI. eine umfangreiche und überfällige Reorganisation des Militärs durch[4]. Seinem Sohn und Nachfolger Karl XII. hinterließ Karl XI. 1697 einen reformierten absolutistischen Großmachtstaat und ein reorganisiertes und effektives Heerwesen.

3. Der Große Nordische Krieg

Schon lange war der dänischen Krone unter Friedrich IV. die Allianz zwischen Holstein-Gottorp und Schweden ein Dorn im Auge. Als man vom Ableben Karls XI. erfuhr, zögerte man daher nicht, die neuen Befestigungen Holstein-Gottorps zu zerstören.

Nachdem der Plan einer Ehe Karls XII. mit einer dänischen Prinzessin gescheitert war und ein Teil der deutschen Regimenter Schwedens zum Schutz des Herzogs in Holstein eingerückt war, forcierte Kopenhagen geheime Gespräche mit möglichen Verbündeten gegen Schweden.

Zar Peter I. wollte das rückständige Russland modernisieren. Ein Zugang zur Ostsee bedeutete für ihn das Tor zum Westen, dem nur Schweden entgegenstand.

Kürfürst August I. von Sachsen, der 1697 als August II. zum polnischen König und Großherzog von Litauen gekrönt worden war, hatte sich verpflichten müssen, der Krone Polens einige frühere Besitzungen zurück zu gewinnen. Dem stand ebenfalls nur die schwedische Krone gegenüber.

Im Jahre 1699 schlossen die Monarchen König Friedrich IV. von Dänemark, Zar Peter I. von Russland und der Kurfürst August II. von Sachsen ein Angriffsbündnis gegen den verhassten Nachbarn Schweden.

Nachdem man sich in Schweden der Neutralität Sachsen-Polens und Russlands versichert hatte, sah man den Kriegsvorbereitungen Dänemarks gelassen gegenüber. Umso überraschter war man, als man vom Angriff sächsischer Truppen in Livland erfuhr. Zwei Tage später marschierten dänische Truppen in Holstein ein.

Vier Wochen später landete Karl XII. mit seiner Armee bei Humblebäck auf Seeland. Doch er kam zu spät. Holstein und Dänemark hatten bereits den Traventhaler Frieden geschlossen. Innerhalb von zwei Wochen nach der Landung auf Seeland hätte er auf das ungeschützte Kopenhagen marschieren können. Tage lang weigerte sich der junge schwedische König den raschen Frieden zu akzeptieren. Dennoch musste er die viel versprechende schwedische Offensive abbrechen.

Nur kurze Zeit nach dem Frieden von Traventhal erklärte auch Zar Peter I. den Schweden den Krieg. Eine große russische Armee griff die wichtige Grenzfestung Narva an. In einem entschlossen geführten Frontalangriff gelang es der erfahrenen schwedischen Armee die noch unerfahrene aber vier Mal so große russische Armee zu besiegen. Gewaltige Vorräte und die gesamte russische Kriegskasse gerieten in schwedische Hand.

Nach der russischen Katastrophe bei Narva war August II. zu Verhandlungen bereit. Karl XII. forderte allerdings die Absetzung des polnischen Königs, wozu dieser nicht bereit war. Ab 1701 jagte der Schwede König August quer durch Polen und Sachsen, wo 1706 der Altranstädter Friede geschlossen wurde. Mit dem Verzicht Augusts auf den polnischen Thron hatte Karl zwar sein Ziel erreicht, musste seinen Erfolg allerdings teuer bezahlen. Denn da Zar Peter den sächsischen Kurfürsten mit 15 000 bis 20 000 Mann russischer Hilfstruppen, einer Anleihe von 100 000 Rubeln und sonstigen Hilfsaktionen unterstützte[5] und so den schwedischen Feldzug gegen August in die Länge gezogen hatte, konnte Zar Peter in dieser Zeit ein neues Heer aufstellen und weite Teile Polens und des Baltikums zurückerobern. Zar Peter war friedenswillig. Er bestand nur auf Ingermanland mit Zugang zur Ostsee und bot Kompensationen in Polen an. Doch Karl lehnte ab.

Schwedens Herrscher marschierte nun gegen seinen letzten Gegner. Er konnte die russische Armee zwar zurückdrängen, einer Entscheidungsschlacht ging der Zar aber aus dem Weg. Seit dem Aufbruch in Polen schrumpften Hunger, Krankheiten und Kälte[6] das königliche Heer von 40 000 auf 22 000 Mann zusammen. In Poltava plante Karl 1709 den entscheidenden Sieg über die Russen. Auch der Zar suchte in Poltava die Entscheidung. Das Hauptringen dauerte zwei Stunden, dann erlahmten die schwedischen Kräfte. Rund 1 300 Soldaten flohen mit dem König auf türkisches Territorium. Der schwedische Oberbefehlshaber Lewenhaupt wagte keinen weiteren Waffengang und kapitulierte. 15 000 Mann legten die Waffen nieder und begaben sich in russische Kriegsgefangenschaft.

[...]


[1] Ahnlund, N.: Gustav Adolf, Berlin 1938, S. 58.

[2] Vgl. Zernack, K., Schweden als europäische Großmacht, S. 347.

[3] Vgl. Zernack, K., Schweden als europäische Großmacht, S. 348.

[4] Vgl. Findeisen, J.-P.: Schweden – Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Regensburg 1997, S. 152-157.

[5] Donnert, E.: Peter der Große, Leipzig 1988, S. 60.

[6] Donnert, E.: Peter der Große, Leipzig 1988, S. 70.

Details

Seiten
17
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640665686
ISBN (Buch)
9783640665815
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v154208
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück – Historisches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
Karl der XII. von Schweden Absolutismus Russlandfeldzug

Autor

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Titel: König Karl XII. von Schweden