Lade Inhalt...

Die verschiedenen Feedbackmöglichkeiten für das motorische Lernen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 26 Seiten

Sport - Bewegungs- und Trainingslehre

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung
1.1. Die Zielsetzung meiner Seminararbeit
1.2. Die Relevanz des Themas
1.3. Die methodische Vorgehensweise

2. Begriffserklärungen und Definitionen
2.1. Die Definition des Begriffs „Feedback“
2.2. Die Definition des Begriffs „Motorisches Lernen“

3. Die Feedbackmöglichkeiten und ihre sportpraktische Bedeutung

4. Das intrinsische Feedback
4.1. Das visuelle Feedback
4.2. Das auditive Feedback
4.3. Das vestibulare Feedback
4.4. Das propriozeptive Feedback
4.4.1. Die Rückmeldung der Gelenkrezeptoren
4.4.2. Die Rückmeldung der Muskelspindeln
4.4.3. Die Rückmeldung des Golgi-Sehnen-Apparates
4.5. Die Rückmeldung über den taktilen Analysator

5. Das Extrinsische Feedback
5.1. Knowledge of performance (KP)
5.2. Knowledge of results (KR)
5.2.1. Die KR-Variablen
5.2.2. Ansätze zur Erklärung der negativen Auswirkung häufiger Rückmeldungen

6. Zusammenfassung

7. Fazit

8. Quellenverzeichnis:

1.Einleitung

Rückmeldungen (Feedback) spielen im Leben und im Sport eine entscheidende Rolle. Jeder Sportler freut sich über ein Lob oder Zuspruch von seinem Trainer und umso größer ist die Enttäuschung bei übertriebenen und unsachlichen Rückmeldungen.

1.1. Die Zielsetzung meiner Seminararbeit

Diese Arbeit versucht aufzuzeigen, welche Möglichkeiten Trainern, Sportlehrern und Betreuern zur Verfügung stehen, um ihren Spielern, Schülern oder Athleten ein sinnvolles Feedback zu geben. Sinnvoll in dem Sinne, dass es dem Feedbackempfänger in Bezug auf das motorische Lernen Fortschritte bringt. Ich werde vor allem auf das extrinsische Feedback und das intrinsische Feedback näher eingehen. Den Schluss dieser Ausführungen bildet eine Zusammenfassung und ein Fazit über das Thema.

1.2. Die Relevanz des Themas

Peter (Name geändert), ein zehnjähriger Fußballspieler, dribbelt seinen Gegenspieler in einem Meisterschaftsspiel im Juni 2007 meiner U10 – Fußballmannschaft aus. Er steht nur noch alleine vor dem gegnerischen Torwart. Peter holt schwungvoll zu einem straffen Schuss aus. Er schießt, doch er trifft den Ball nicht richtig. Der Ball kullert langsam drei Meter am Tor vorbei. Die Zuschauer und Eltern schimpfen über ihn, wie man so eine Chance nur vergeben kann.

Ich als Trainer rief lautstark hinein: „Gut gemacht Peter, beim nächsten Mal klappt es bestimmt!“

In diesem Moment habe ich mir das erste Mal ernsthaft gedacht, ob es richtig war, etwas zu dem Spieler zu rufen. Folgende Gedankengänge beschäftigten mich einige Tage: Wirkt diese Aussage nicht eher als Beleidigung für Peter, wenn er aus zwei Metern Entfernung den Ball drei Meter am Tor vorbeischießt? Ist es nicht besser, in dieser Situation nichts zu sagen? Bekommt der Spieler nicht schon genug Rückmeldung vom Ball, der weit am Tor vorbeirollt? Ist die vergeben Großchance nicht schon genug Feedback oder vielleicht sogar Strafe für Peter? Im Laufe der nächsten Wochen unterhielt ich mich mit zahlreichen Trainer- und Studienkollegen über die Feedbackmöglichkeiten und deren Auswirkungen, doch hatte eigentlich niemand eine zufrieden stellende Lösung oder Information, was ein sinnvolles Feedback ist, und keiner hatte sich bisher Gedanken gemacht über die Auswirkungen (und Ursachen) seiner Rückinformation an seine Spieler, Schüler oder Athleten. Aus diesem Grund wuchs in mir das Interesse, mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Situationen, in denen Lernende über die Qualität ihrer Bewegungsausführung informiert werden, findet man im Alltag und im Sport, wenn es um das Erwerben, Variieren und Automatisieren von Bewegungen geht. Der Lernende führt Bewegungen aus, erhält von einem Außenstehenden Informationen über die Qualität seiner Bewegungsausführung und bekommt in der Regel Korrekturanweisungen für den nächsten Bewegungsvollzug. Der dabei ablaufende Kommunikationsprozess zwischen Lehrendem und Lernendem wird durch verschiedene Variablen

beeinflusst. Ich, als bereits tätiger Fußballtrainer und angehender Sportlehrer, stelle mir immer wieder die Frage: Wie korrigiere ich richtig? Was bewirkt meine Korrektur? Wie lobe ich richtig?

Ich hoffe im Zuge meiner Seminararbeit einen besseren Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten des Feedbacks zu bekommen, um diese Fähigkeit der Feedbackkompetenz dann in meinem späteren Berufsalltag gezielter einsetzen zu können.

1.3. Die methodische Vorgehensweise

Durch gezielte Literaturrecherche habe ich versucht, die verschiedenen Feedbackvariationen zu gliedern und zu ordnen, um so die Zielstellung zu erfüllen.

2. Begriffserklärungen und Definitionen

Für das bessere Verständnis meiner Ausführungen gehe ich in den nächsten zwei Unterkapiteln auf die Definitionen der Begriffe „Feedback“ und „Motorisches Lernen“ näher ein.

2.1. Die Definition des Begriffs „Feedback“

Bei der Durchsicht der relevanten Literatur kann festgestellt werden, dass der Begriff „Feedback“ nicht einheitlich definiert wird. Aus diesem Grund ist zunächst eine Klärung des Begriffes notwendig. Der Begriff „Feedback“ stammt aus der Kybernetik*. Das kybernetische Modell beschreibt ein geschlossenes Regelkreissystem, welches vier Phasen enthält: Input, kognitive Verarbeitung, Output und den Ist-Sollwert-Vergleich.

Feedback wird hier definiert als die Information bezüglich der Differenz zwischen dem erwünschten Soll- und dem tatsächlichen Istwert (www.wissen.de[Stand 30.11.2007]).

Das Wort Feedback lässt sich ins Deutsche als „Rückmeldung“ übersetzen, das heißt, es ist eine Rückinformation, die der Ausführende über seine Bewegungshandlung (Istzustand) erhält (vgl. Grosser/ Neumaier, 1982). Nach Schmidt (1988) bezieht sich Feedback auf jegliche Information über den vorangegangenen Bewegungsablauf. Schmidt räumt ein, dass der Begriff sehr weit gefasst ist und sämtliche Rückmeldung verschiedenster Herkünfte umfasst. Die Ergebnisrückmeldung wird laut Schmidt auch als „Knowledge of results“ (Kenntnis des Resultates/ Ergebnisses) bezeichnet, darf aber nicht mit dem reinen Begriff „Feedback“ gleichgesetzt werden, wie von amerikanischen Autoren oft praktiziert. Im deutschen Sprachraum hat sich die Schmidtsche Definition durchgesetzt (vgl.Hanke/ Woermann, 1993). In Bezug auf den Ursprung kann Feedback in zwei Kategorien differenziert werden. Das intrinsische Feedback, das heißt jene Rückmeldung, die über die eigenen Sinnesorgane eines Menschen als Ergebnis der Bewegungsausführung aufgenommen wird, und das extrinsische Feedback, das heißt jene Rückmeldung, die über externe Quellen aufgenommen wird (vgl.Hanke/ Woermann, 1993).

*Die Kybernetik ist die Wissenschaft von der Struktur komplexer Systeme, insbesondere der Kommunikation und Steuerung einer Rückkopplung bzw. eines Regelkreises. Ein typisches und zugleich einfaches kybernetisches System ist eine durch einen Thermostat gesteuerte Heizung. Der Thermostat misst die Raumtemperatur mit einem Sensor und vergleicht diesen Wert (Istwert) mit einem vorgegebenen Sollwert. Eine Diskrepanz zwischen diesen beiden Werten veranlasst den Thermostat dazu, über den Effektor die Heizung so zu regulieren, dass der Ist-Wert den Soll-Wert erreicht. Die Steuerungsakte werden wiederum über den Sensor rückgekoppelt und der Thermostat erhält ein Feedback über die Wirkung seiner Steuerungsakte. (http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/technik/index,page=1173676.html [Stand 30.11.2007])

2.2. Die Definition des Begriffs „Motorisches Lernen“

Nach Hartmann/ Senf (1997) ist motorisches Lernen eine umweltbedingte, erfahrungsabhängige und relativ überdauernde Initiierung bzw. Modifikation sportmotorischer Bewegungsabläufe auf der Grundlage von Informationsaufnahme und Informationsverarbeitungsprozessen. Das motorische Lernen ist ausgerichtet auf den Erwerb motorischer Handlungskompetenz. Dies führt laut Hartmann/ Senf (1997) zu einem Lernfortschritt bzw. zu einer Hebung des Lernniveaus mit dem Hauptziel der Verbesserung der Bewegungskoordination.

3. Die Feedbackmöglichkeiten und ihre sportpraktische Bedeutung

Der Begriff Feedback kann, wie bereits in Kapitel 1.1. erwähnt, in zwei Kategorien unterschieden werden. Das intrinsische und das extrinsische Feedback. Die folgende Grafik zeigt die verschiedenen Feedbackmöglichkeiten, die in den folgenden Kapiteln genauer erläutert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach Hartmann/Minov (1999) nimmt der Anteil der Eigeninformation (intrinsisches Feedback) in den drei Phasen des motorischen Lernens ständig zu. Der Umfang der Fremdinformation (extrinsisches Feedback) wird reduziert mit der Erhöhung des Könnens des Lernenden. Dies wird in der Abbildung 2 veranschaulicht. Beträgt der Anteil der Eigeninformation in der Lernphase der Grobform lediglich 30%, so wird in der Lernphase der Feinform die Hälfte der Informationen intrinsisch bezogen und in der Phase der variablen Verfügbarkeit 70% der Informationen aus der eigenen Körper- und Bewegungswahrnehmung bezogen. Die Fremdinformation spielt eine wichtige Rolle in der Lernphase der Grobform (70%), der Einfluss dieser Informationsquelle verringert sich von 50% in der Lernphase der Feinform bis auf 30% in der Lernphase der variablen Verfügbarkeit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 eigene Darstellung, Anteil der Eigen- und Fremdinformation in den drei motorischen Lernphasen (nach Hartmann/Minov 1999)

4. Das intrinsische Feedback

Intrinsisches Feedback, oder auch sensorisches Feedback genannt, bezeichnet Rückinformationen, die während oder nach einer Bewegungsausführung den Rezeptoren (visuell, auditiv, propriozeptiv, taktil) des menschlichen Körpers zur Verfügung stehen. Das sensorische Feedback ist jedoch in seiner Wahrnehmung von Bewegungen abhängig. Verantwortlich dafür sind die Kapazitätsgrenzen der einzelnen Rezeptoren. Beim intrinsischen Feedback kann die Information während der Bewegungsausführung aufgenommen oder am Ende einer Bewegung erkannt werden (vgl. Marschall und Daugs 2003).

Die Relevanz des intrinsischen Feedbacks erhoben Frester und Wörz (1997, nach Hartmann/Minov 1999) bei einer Befragung von 72 Nachwuchssportlern aus drei technisch-akrobatischen und vier Kraft-Schnellkraftdisziplinen. Bei dieser Untersuchung waren Mehrfachnennungen möglich und es zeigte sich, dass die Sportler unterschiedliche Informationsquellen nutzen, um ihre Bewegungsregulation und somit ihre Lernleistung zu verbessern. Am meisten genannt wurde die Nutzung der Eigeninformationen (Bewegungswahrnehmung), gefolgt von extrinsischen Informationen (Erläuterungen durch den Trainer, Informationen durch Bewegungsimitationen, Bildanalysen, Bewegungserfahrungsaustausch zwischen Sportlern), um eine Bewegungsregulation durchzuführen. In koordinativ höchst anspruchsvollen Sportarten, wie zum Beispiel dem Wasserspringen, werden zum Teil bis zu 89% der Informationsquellen für die Sprungausführung aus körpereigenen und somit intrinsischen Informationsquellen bevorzugt (Hartmann/Minov 1999).

Neben den vier oben genannten intrinsischen Feedbackmöglichkeiten gibt es nach Marees (2003) weitere Rückmeldungsquellen, die für das motorische Lernen allerdings nur eine untergeordnete Rolle spielen und deshalb hier nur kurz erwähnt werden. Das gustatorische System (Geschmackssinn), das olfaktorische System (Geruchssinn), die Thermorezeption (Temperatursinn) und die viszerale Sensibilität. Hierzu gehören die Sensoren in der Lunge, der Nieren und im Magen-Darm-Trakt.

[...]

Details

Seiten
26
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640671281
ISBN (Buch)
9783640671199
Dateigröße
635 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v154243
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – Institut für Sportwissenschaften
Note
2
Schlagworte
motorisches Lernen intrinsisches Feedback extrinsische Feedback Golgi-Sehnenapparat Muskelspindeln vestibulär Spezifitätshypothese Guidancehypothese visuell verbal auditiv taktil

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die verschiedenen Feedbackmöglichkeiten für das motorische Lernen