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Häretische Bewegungen der Spätantike und des Mittelalters und die Inquisition gegen sie

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 29 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Das religios Anliegen

2 Mani und die Manichaer

3 Die Paulikaner
3.1 Entstehung und die fruhen Paulikaner
3.2 Paulikaner des 9. Jahrhunderts nach griechischen Quellen
3.3 Glaube und Leben der Paulikaner
3.4 Das Ende der Paulikaner? oder der Anfang der Pauliner?

4 Die Bogomilen
4.1 Die Bogomilen in Bulgarien und im byzantinischen Reich
4.2 Die Bogomilenmission
4.2.1 Serbien
4.2.2 Bosnien
4.2.3 Westeuropa

5 Die Katharer
5.1 Ursprunge
5.2 Religion und Verbreitung der Katharer in Okzitanien
5.3 Umgang mit Katharern bis 1179 (III. Laterankonzil)
5.4 Der Albigenserkreuzzug
5.4.1 Anlass und Ursachen
5.4.2 Verlauf des Kreuzzuge s
5.4.3 V erfolgung der Katharer nach dem Albigenserkreuzzug

6 Die Albigenser

7 Die Waldenser
7.1 Valdes und die ersten Waldenser
7.1.1 Die Armen von Lyon
7.1.2 Die lombardischen Armen
7.2 Die Waldenser im Zeitalter der Inquisition (ca. 1230-1500)
7.2.1 Frankreich
7.2.2 Deutschland
7.3 Die Waldenser heute

8 Verwendete Literatur

9 Bildnachweis

0 Einleitung

Diese Arbeit soil einen kurzen Uberblick uber einige verschiedene haretische Bewegungen der Spatantike und vor allem des Mittelalters geben. Auber den Waldensern (Kapitel 7) gibt es heute offiziell keine Anhanger dieser Bewegungen mehr.

In meinem ersten Kapitel werde ich mich mit den grundlegenden religiosen Anliegen dieser Gruppierungen/ Bewegungen befassen, welche einen roten Faden durch die Glaubensvorstellungen der prasentierten Gruppen darstellen sollen.

Das zweite Kapitel befasst sich mit eingehender mit dem Manichaismus. Dieser war eine der starksten haretischen Bewegungen der Spatantike bzw. des Fruhmittelalters.

Im dritten Kapitel werde ich kurz auf die Entstehung, das Leben und das Ende der Paulikaner eingehen.

Anschliefiend behandle ich im vierten Kapitel die Bogomilen, wobei ich hierbei einen besonderen Schwerpunkt auf die Bogomilenmission in Westeuropa gelegt habe.

Das funfte Kapitel beschreibt die Katharer, ihr Leben und Wirken, sowie ihre Position zur Katholischen Kirche. Ebenso wird hier auch auf den Albigenserkreuzzug eingegangen, wodurch das sechste Kapitel hier einiges aussparen kann. Uberhaupt habe ich versucht diese beiden Kapitel eher kurz zu halten, da wir ja im Plenum zu dieser Thematik zwei ausfuhrliche Dokumentationen gesehen und diskutiert haben. Trotzdem kommt auch die Darstellung der Katharer/ Albigenser in meiner Arbeit nicht zu kurz.

Im letzten inhaltlichen Kapitel beschaftige ich mich mit den Waldensern im Mittelalter. Einen besonderen Schwerpunkt habe ich hier auf die Lage der Waldenser im deutschsprachigen Gebiet und auf das Verhaltnis der Waldenser zu den Katharern gelegt.

1 Das religiose Anliegen

Eine Arbeit uber haretische Gruppen der Spatantike und des Mittelalters kann kaum umhin die Grande fur die Entstehung eben dieser Haresien zu beleuchten. Hierbei mochte ich mich jedoch vorrangig auf theologische und nicht auf gesellschaftliche oder politische Grande konzentrieren. Weiters muss unterschieden werden zwischen den „Ketzereien niederen Ranges‘.[1] und den grofien dialektischen Auseinandersetzungen der alten Reichskonzilien, wie etwa den Nestorianern, den Arianern, den Monophysiten und anderen. Ich mochte mich hier auf die erste Gruppe, auf die „einfachen Haresien“ beschranken und kurz drei Motive fur die Entstehung von Haresien naher beleuchten:

Der erste Ausloser ist der Wunsch nach Ruckkehr zu den Ursprungen und zur Intensitat der religiosen Erfahrung, des Glaubens und des Lebens. In den urchristlichen Gemeinden vermutete man eben diese Intensitat, ob diese nun realistisch war oder eine getraumte Utopie, soll an dieser Stelle offen bleiben[2]

„Der zweite Ausloser ist ein menschliches Urverlangen, das dort seinen besonderen Platz hat, wo in irgendeiner Form an ein „Jenseits“ geglaubt wird: das Verlangen „sicher zu gehen“. Der Christ insbesondere will des von Christus versprochenen Heils sicher sein, und dies nicht nur in seinem Glauben, in einer theologischen Uberzeugtheit, sondern in einer spurbaren, auch sinnlich spurbaren Gewissheit.

Der dritte Ausloser, der schwierigste von allen, weil er der Hoffnungslosigkeit so nahe steht, ist der Wunsch, mit der existenziellen Unsicherheit irgendwie fertig zu werden, und sei es auch nur theoretisch. Das bedeutet das Streben danach, des Bosen in der Welt und seiner Ubermacht Herr zu werden. Dabei stellt sich die Frage, wie die Macht metaphysischer Art, die hinter dem Bosen zu stehen scheint, in den „Griff ‘ zu bekommen ist.“[3]

2 Mani und die Manichaer

Im 3. Jh. trat im Zweistromland ein Mann auf, der die grofien Weltreligionen Christentum, Zoroastrismus und Buddhismus zusammenfassen wollte, um dadurch dem Sassanidenreich eine Religion zu schenken. Dieses Reich hatte im Westen mit dem Christentum, vornehmlich gnostischer Pragung, im Osten mit dem Buddhismus und im Zweistromland selbst mit verschiedenen iranischen Religionen zu tun. Mani sollte es zwar schlussendlich nicht schaffen, seine Vorstellungen zu einer Staatsreligion zu machen, aber seine Missionskraft und die seiner Schuler verbreiteten sich einerseits bis nach Zentralasien und China, andererseits im gesamten romisch-griechischen Mittelmeerraum. Doch die Anhanger des Manichaismus wurden beinahe in all diesen Gebieten (aufier China) verfolgt, sodass heute kaum noch Spuren dieser haretischen Bewegung zu finden waren.[4]

Von der Jugend Manis jedoch gibt ein in Koln gefundener griechischer Papyruscodex (CMC = Codex Manichaicus Coloniensis) Auskunft, der auf eine syrische Grundlage zuruckgeht und neben seiner Jugend auch seine Verselbstandigung und die Anfange seiner Mission schildert. Mani wurde am 14. April 216 geboren und sein Vater war Anhanger einer iranischen Taufersekte. Mani kam so schon fruh in Kontakt mit judenchristlichen Kreisen. Dies lasst auch eine Erklarung fur seine enge Verbindung zum gnostischen Christentum zu.[5] Sein Lebenslauf liest sich ahnlich den Evangelien, da viele Angleichungen zu Jesu Leben stattgefunden haben. Mani ubte im gesamten persischen Reich und noch uber dessen Grenzen hinaus eine intensive missionarische Tatigkeit aus, bis die persischen Herren ihm 277 (oder 274) ein jahes Ende setzten, doch lebten seine Gedanken und Uberzeugungen durch seine Anhanger und Junger fort.

Mani hatte schon fruh eine Offenbarung erfahren und verstand sich fortan als der Nachfolger aller vorhergegangen Propheten, Christus eingeschlossen. Er wollte die von ihnen getatigten Botschaften vertiefen bzw. korrigieren und garantierte allen Anhangern die Erlosung. Ausgangspunkt fur den Manichaismus ist wohl der von den Uranfangen herruhrende Gegensatz zwischen Gut und Bose. Der „Vater der Grofie“ kampft mit dem Fursten der Finsternis und dadurch kommt es zu einer Vermischung von Gut und Bose, von Licht und Finsternis. Der „Vater der Grofie“ kann jedoch die Finsternis nicht besiegen und nur wenn die Menschheit die Gnosis, die Mani vermittelt annimmt und seine Vorschriften befolgt, wird das Licht endgultig siegen und der Urzustand wiederhergestellt. Die wichtigsten Vorschriften dieser Gnosis waren die Befleckung durch jemand anderen zu vermeiden (er konnte ja der Finstemis entstammen) und alle Geschopfe des Lichts zu achten. Auf diese Weise konnen einige die Vollkommenheit erlangen und werden damit zu einem Electus, zu einem Auserwahlten. Diese bekommen das Siegel der Erwahlung auf Mund, Hande und Brust, ihnen ist Geschlechtsverkehr, Arbeit, Besitz und der Verzehr von Fleisch untersagt. Die Mehrheit der Anhanger sind allerdings Auditores (Horer), die fur die Auserwahlten sorgen mussen. Die Horer erlangen nur stufenweise Lauterung und mussen dabei oft durch mehrere Menschenleben gehen.

Man weiß kaum etwas von den religiosen Riten oder einer kirchlichen Organisation der Manichaer und die Berichte, welche von Augustinus und Papst Leo dem Grofiem auf uns gekommen sind, tragen alle Kennzeichen religioser Verleumdung an sich.

Die Sekte verbreitete sich seit dem 3. Jahrhundert recht schnell im Westen und Osten. Der Verfall beginnt im Westen durch Augustinus und Papst Leo. Im Osten allerdings hat der Manichaismus noch bis weit in das 6. nachchristliche Jahrhundert hinein Bestand. Obwohl es oftmals so zu lesen ist, kann der Dualismus spaterer Jahre (Paulikaner, Katharer,...) nicht als Manichaismus bezeichnet werden, da er kaum auf kosmisch-gnostische Spekulationen ruckfuhrbar ist.

Das religiose Anliegen der Manichaer war der Kampf gegen alles Bose und das Fundament dazu war ein sehr verstrickter Mythos. Die Sexualmoral der Manichaer war eine Absa]ge zur Fortdauer der Menschheit und schon bald erkannten die manichaischen Lehrer, dass die Gruppe der Electi immer klein bleiben wird, da die strengen Vorschriften bei der Bevolkerung auf wenig Gegenliebe stiefi. Aus diesen Uberlegungen heraus wurde eine zweite Gruppe, die Horer, eingefuhrt. Dies hatte jedoch unweigerlich ein Elitedenken zur Folge, welches damit schon von vornherein das Misslingen dieser Sekte mit sich brachte. Religionsgeschichtlich betrachtet ist es fur religiose Bewegungen aller Art immer ungunstig, eine Gruppe in Vollkommene und Unvollkommene aufzugliedern, da die Vollkommenen schliefilich in der Masse der Unvollkommenen untergehen und damit das Zentrum des Glaubens stirbt.

Wenn man die Manichaer und ihre menschenfeindliche Sexualmoral nun naher betrachtet, fallt auf, dass die Vernichtung der Materie (der Menschen) Hauptprogrammpunkt ist, weil nur so das Licht endgultig freigesetzt werden kann und die Finsternis ausstirbt. Dies war das eigentliche Endziel und diesem musste alles untergeordnet werden, am Ende auch die eigene Religion.

Im 7. Jahrhundert kam der Manichaismus in China nochmals zu einer Blute, wo er aber aus denselben Grunden wie schon Jahrhunderte zuvor im 14. Jahrhundert endgultig erlosch.[6]

3 Die Paulikaner

3.1 Entstehung und die fruhen Paulikaner

Wie schon erwahnt, wurden oftmals die Vertreter einer kosmisch-gnostischen Zweiprinzipienlehre als Manichaer abgestempelt. Dies entspricht jedoch ganz und gar nicht der Wahrheit. Eine der wichtigsten Stromungen, welche besonders von den orthodoxen Haresiologen lange Zeit als Manichaer bezeichnet wurde, ist die der Paulikaner.

Die Paulikaner treten zunachst zu Beginn des 8. Jahrhunderts im Nordosten und Osten Kleinasiens auf, in den Grenzregionen des ehemaligen Romischen Reiches, dem heutigen Staatsgebiet von Armenien. In diesen Teilen Kleinasiens siedelten neben Persern und Arabern vor allem Griechen und Armenier, welche sich zu den Monophysiten bekannten. Dies bedeutet, dass sie die griechische Orthodoxie nicht anerkannten und selbststandige Riten praktizierten.

Uber die Entstehung des Namens dieser haretischen Gruppe gibt es viele Meinungen, am wahrscheinlichsten ist eine Benennung im Anschluss an den Namen des Apostels Paulus. Die Lehren und Schriften des Apostels Paulus bildeten das Fundament dieser Sekte, wobei hierbei eine ganzlich andere Auslegung Verwendung fand, als etwa im Westen oder in der Orthodoxie.[7]

Die Paulikaner distanzierten sich von Anfang an von den Manichaern und auch ihr Lehrsystem unterschied sich nicht unwesentlich von der echten manichaischen kosmigonischen Mythenwelt.

Der erste beruhmte Vertreter dieser Bewegung war ein gewisser Konstantinos, der mit einer enormen Kenntnis der Evangelien und der paulinischen Briefe den geistigen Grundstein der Paulikaner legte. Schon fruh werden Ideen fruherer Zeit wieder aufgegriffen, wonach ein grofier Gegensatz zwischen Altem und Neuem Testament bestunde. JHWH, der Gott des Alten Testaments ist Urheber alles Bosen und Schlechten und zeigt dies durch seine rauen Gesetze und der unerbittlichen Gerechtigkeit, JHWH hat mit dem Gott des Neuen Testaments, mit dem Vater Christi nichts zu tun. Die Gesetze des Alten Testaments wurden verworfen und Parallelen zum Neuen Testament geleugnet. Uberhaupt nahmen die Paulikaner es nicht so ernst mit der Bibeluberlieferung, was sich darin manifestiert, dass gewisse Passagen, welche nur schlecht mit dem paulikanischen Lehrsystem zu vereinen gewesen waren einfach umgedeutet oder ganzlich gestrichen worden sind.[8] Sakramente, die Bilder- und die Kreuzesverehrung wurden vehement abgelehnt oder einfach umgedeutet.[9]

3.2 Paulikaner des 9. Jahrhunderts nach griechischen Quellen

Die Paulikaner des 9. Jahrhunderts konnten auf eine durchgehende Reihe von Oberhauptern zuruckgreifen, welche sie Lehrer (Didaskaloi) nannten. Diese Lehrer hatten vor allem in dieser Spatzeit Helfer, die jedoch gleich wie die Didaskalen nicht als Priester auftraten. Ebenso sind uns heute keine Berichte von Initiationsriten bekannt. Diese Helfer fuhrten neutrale Bezeichnungen wie Notare oder Weggefahrten (Synekdemoi). Nur wenige dieser Didaskaloi sind uns heute noch namentlich bekannt, wie etwa Sergios (ca. 800-835), der viele Schriften verfasste, welche sich mit bibelexegetischen Fragen beschaftigten.

Eine der wichtigsten Quellen fur die Geschichte der Paulikaner ist Petros Sikeliotes. Dieser hielt sich langere Zeit im Auftrag Kaiser Basileios I. bei den Paulikanern auf und schrieb seine Erfahrungen nieder. Seine Darstellungen sind jedoch nur mit grofier Zuruckhaltung aufzunehmen, da viele Elemente eine grofie Polemik aufweisen. Sein Bericht beginnt mit der Aufreihung der Didaskalen. Darauf folgt eine luckenhafte Chronik der Geschichte der Paulikaner. Auch die ostromischen kaiserlichen Archive in Byzanz geben Auskunft uber Untersuchungsrichter, welche die Vollmacht besafien, uber Paulikaner und deren haretische Gedanken zu richten und auch Todesurteile vollziehen zu lassen. Andererseits berichtete Sikeliotes auch von Didaskalen, die nach Byzanz zitiert wurden und so geschickt vor dem Kaiser verhandelten, dass dieser sie unbehelligt ziehen ließ.[10]

„Besonders unerfreulich werden die Verhaltnisse erst unter Kaiserin Eirene (780-802). Sie versuchte, den Bilderkult zu restaurieren, und stiefi dabei auf den aufruhrerischen Widerstand einzelner Truppenteile, die sich dem Erbe des siegreichen Kaisers Konstantinos V. (741-775) verpflichtet wussten, der wohl der energischste Gegner der Bilderverehrung war. Teile dieser Truppen, von den Todesdrohungen der Kaiserin verfolgt, setzten sich zu den Paulikanern ab und brachten unversehens in die ansonsten friedliche Sekte eine bald dominant werdende kriegerische Note.[11]

In dieser Zeit wurde der oben genannte Sergios Didaskalos. Er war ein ehemaliger Orthodoxer und wurde von einer Frau zum Paulikanismus bekehrt. Er wollte vom Militarismus der Sekte nichts wissen und predigte gegen diese.

[...]


[1] Vgl. Beck, Hans-Georg: Vom Umgang mit Ketzern. Der Glaube der kleinen Leute und die Macht der Theologie, Munchen: Beck 1993, 35.

[2] Vgl. ebd., 36.

[3] Ebd., 36.

[4] Bohlig, Alexander: Art. Manichaismus, in: TRE 22 (1992) 26.

[5] Vgl. ebd., 28.

[6] Vgl. Beck, Vom Umgang mit Ketzern, 67-69.

[7] Vgl. Runciman, Steven: Haresie und Christentum. Der mittelalterliche Manichaismus. Ubersetzt von Heinz Jatho, Munchen: Wilhelm Fink Verlag 1988, 79-81.

[8] Vgl. Beck, Vom Umgang mit Ketzern, 70-71.

[9] Vgl. Gelmi, Josef: Art. Paulicaner, in: TRE 26 (1996) 128.

[10] Vgl. Runciman, Haresie, 54-56.

[11] Beck, Vom Umgang mit Ketzern, 72.

Details

Seiten
29
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640673858
ISBN (Buch)
9783640674183
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v154432
Institution / Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz – Kirchengeschichte und kirchliche Zeitgeschichte
Note
1
Schlagworte
Häretische Bewegungen Spätantike Mittelalters Inquisition

Autor

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Titel: Häretische Bewegungen der Spätantike und des Mittelalters und die Inquisition gegen sie