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Das Böse und seine Thematisierung im Religionsunterricht der Primarstufe

Hausarbeit 2003 22 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Das Böse – Eine Einleitung

2 Altes Testament
2.1 Der Ursprung des Bösen in der Sündenfallerzählung
2.2 JHWH der Alleinige
2.3 JHWH der Gerechte
2.4 Der Teufel im Alten Testament

3 Neues Testament
3.1 Der böse und der gute Trieb
3.2 Der Teufel im Neuen Testament

4 Die Positionen der Kirchenväter
4.1 „Bonum per malum“
4.2 Manichäismus
4.3 Das Nicht-Seiende
4.4 Die menschliche Freiheit und Prädestination

5 Der Teufel als Verführer und Verursacher des Bösen

6 Reformation und Neuzeit
6.1 ‚Deus absconditus’ bei Luther
6.2 Der Anfang neuzeitlicher Theologie bei Leibniz
6.3 Der kategorische Imperativ Kants
6.4 Die Position Hegels
6.5 Moderne Theologie - Die Frage der Allmacht

7 Das Böse als Thema im Religionsunterricht der Primarstufe
7.1 Entwicklungspsychologische Voraussetzungen
7.1.1 Religiöse Entwicklung (Fowler / Schweitzer)
7.1.2 Moralische Entwicklung (Kohlberg)
7.1.3 Entwicklung des Gottesbildes (Oser)
7.2 Richtlinien und Lehrpläne

8 Didaktische Schlussüberlegungen

9 Literaturverzeichnis

1 Das Böse – Eine Einleitung

Über das Böse zu sprechen oder es gar definieren zu wollen fällt nicht leicht hinsichtlich der großen Bandbreite in der der Begriff verwendet wird.

Im Hebräischen umfasst das Wort für Böse sowohl die ethische Seite als moralisch Böses (böse Taten, Gedanken, Worte etc.) als auch das Übel als Unheil oder Schlechtes (z.B. Naturkatastrophen, schlechtes Wasser etc.). Die Verwendung ist damit noch ausgedehnter als im deutschen[1].

Zudem ist die Qualifizierung einzelner Taten oder Geschehnisse als böse schwierig, wenn sie nicht bloß subjektiv sondern objektiv und allumfassend sein soll. Denn was gut für eine Person oder Gruppe sein kann, muss noch lange nicht für alle Personen oder Gruppen gelten. Zudem gibt es immer auch „Schattierungen zwischen den Extremen“[2]. Auf eine passende Definition muss daher verzichtet werden.

In meiner Untersuchung möchte ich verschiedene Denkweisen von Gott und dem Verhältnis zum Bösen in der Welt vorstellen. Dabei gehe ich chronologisch vor, auch wenn sich die Positionen teilweise wiederholen, wenn auch natürlich vor dem historischen Kontext mit unterschiedlichen Färbungen.

Das Thema des Bösen und dessen Betrachtung unter theologischen und religionsdidaktischen Gesichtspunkten steht zwangsläufig in einer engen Verbindung zur Frage der Theodizee. Trotzdem ist die Untersuchung von einer umfassenden Beschreiung der Theodizeefrage, vor allen Dingen deren jüngsten Betrachtungen abzugrenzen. Ebenso kommen auch personalisierte und mythische Vorstellungen zum Bösen vor. Insbesondere der Teufel (aus dem Griechischen) bzw. der Satan (aus dem Hebräischen) spielt seit dem 5. Jhd. v.Chr. eine Rolle in vielen gedanklichen Modellen zum Bösen. Deshalb ist mit einer Untersuchung zum Bösen in der Theologiegeschichte immer auch eine Geschichte des Teufelglaubens verbunden. Darin ist seine Macht, sein Wesen und seine Stellung zu Gott höchst unterschiedlich beschrieben worden. Der Teufel als Verursacher oder Verführer zum Bösen spielt aber bis in die heutige Zeit hinein eine wichtige Rolle. Seine Betrachtung ist deshalb auch in religionspädagogischer Sicht äußert sinnvoll.

Auch Begriffe wie Hölle, Dämonen und Gericht hängen eng mit dem Teufelsglauben zusammen. Hier kann aber lediglich eine Beschreibung im Zusammenhang mit dem Thema erfolgen, die sich auf sich auf einzelne Hinweise beschränken muss.

2 Altes Testament

2.1 Der Ursprung des Bösen in der Sündenfallerzählung

Über den Ursprung des Bösen zu reflektieren wirft ein Problem auf, wenn zugleich ein Schöpfergott mit den Attributen der Liebe und Allmacht gedacht wird.

In der alttestamentlichen Erzählung des Sündenfalls kommt das (moralisch) Böse durch „den Ungehorsam des paradiesischen Menschenpaares“[3] in die Welt „und als Strafe das Übel“[4]. Es tauchen aber sofort die Fragen auf, wie ‚gut’ geschaffene Menschen scheitern konnten und wie Gott dies zulassen konnte. Auch wenn der Teufel in Gestalt der Schlange mitgedacht wird (was „sachlich berechtigt erscheint“[5]), verschiebt sich die Sachlage nur. Wie kann Gott dem Teufel das gestatten?

Die Erzählung bietet also keine befriedigenden Antworten, sie hat vielmehr die Funktion „das Irrationale des Bösen und die geradezu kosmische Dimension und unheimliche Gefährlichkeit der Zerrüttung“[6] der Schöpfung zu erklären. Zugleich wird mit der Schöpfung verbundene Sieg über die Chaosmächte die Heilsgeschichte eingeleitet.[7]

2.2 JHWH der Alleinige

Zu Beginn der alttestamentlichen Reflexion, d.h. in vorexilischer Zeit, spielen Überlegungen zum Verhältnis JHWHs zum Bösen nur eine untergeordnete Rolle.[8] JHWH wird als alleiniger Gott angesehen. Damit unterscheidet sich israelischer Glaube von den in der Antike üblichen polytheistischen Vorstellungen,[9] die Unheil leicht auf das Wirken eines bestimmten Gottes zurück führen können.

Wegen der Einzigartigkeit JHWHs kann nach frühem israelischen Glauben nur durch sein Wirken das Böse in der Welt erklärt werden. Er wirkt Unheil (Jes 45,7), verstockt Menschen und Völker (Ex 10,1; Jes 6,10) und reizt sogar zur Sünde (2 Sam 24)[10]. Dabei wird ihm teils das Wirken durch Dämonen zugesprochen (z.B. Ex 4,24ff), was schon auf nachexilische Einflüsse hindeutet, teils wird er mit dämonischen Wesenszügen ausgestattet (z.B. Gen 32,23ff), was auf alte, unbiblische Quellen als Grundlage hindeutet.[11] Dabei ist das Böse ein „von Gott getrennter Bereich“[12]. JHWH hat aber „die Macht über das Böse“[13]. Er ist somit gleichzeitig auch Herrscher über das Totenreich (1 Sam 2,6).[14] Es ist aber wichtig zu betonen, dass JHWH zwar Unheil wirkt, dass er aber nur selten und sehr vorsichtig in Verbindung mit moralisch Bösem gebracht wird. Er ist im Gegenteil auch derjenige der vor Bösem und Unheil bewahrt (Ps 23,4) und Böses zum Guten wendet (Gen 50,20).[15]

2.3 JHWH der Gerechte

Die Bedrängung und schließlich der Fall beider Reiche und das Exil ließen Fragen an die bisher vorherrschende Vorstellung von JHWH aufkommen. Das führte schließlich dazu, die für das israelische Volk existenziellen Ereignisse als „Strafe durch das Gericht“[16] zu deuten. „Nicht Gott ist es, der den Bund bricht, sondern das Volk“[17] (vgl. z.B. 2 Kön 17,7). Der „Vorrang des kollektiven Geschicks Israels vor dem Geschick des einzelnen“[18] machten diese Vorstellung in hohem Grade plausibel. Die Betonung menschlicher Freiheit und Verantwortung taucht hier erstmals auf.[19]

2.4 Der Teufel im Alten Testament

Wie im vorigen Kapitel erläutert, bestand im alten Israel eine direkte und unmittelbare Beziehung zu JHWH und seine Heiligkeit und Einzigartigkeit ließ keine weiteren metaphysischen Wesen zu. Durch die zunehmende Reflexion der Israeliten über sich und JHWH, gewann JHWH aber an Transzendenz. „Die natürliche Folge [...; d.Vf.] ist die Bevölkerung des Himmels mit Zwischenwesen“[20], die ähnlich zu den antiken Königshäusern aufgebaut ist. Als ein solcher Diener Gottes, als Gottessohn, wird der Teufel im Alten Testament verstanden. Während JHWH vorher das Böse selber fügt, so überträgt er dies nun an den Teufel (vgl. hierzu 2 Sam 24,1 mit 1 Chr 21,1[21]). Der Teufel tritt dabei im Alten Testament als Ankläger Israels und der Menschen auf (Hi 1f, Sach 3,1-7[22]). Wichtig ist aber, dass er selber von Gott abhängig ist und nicht selber wirkt. Er bekommt lediglich die „Verfügungsgewalt“[23] ; Gott bleibt „Urheber [des; d.Vf.] Leides“[24].

3 Neues Testament

3.1 Der böse und der gute Trieb

Zum Verständnis neutestamentlicher Teste über das Böse sind vorherrschende Vorstellungen des jüdischen Glaubens dieser Zeit hilfreich. Es dominieren eingeschränkt dualistische Erklärungen, die wieder auf einen Gott zurück geführt werden. Gott habe in jedem Menschen einen bösen und einen guten Trieb geschaffen. Allerdings ist auch der böse Trieb ist nicht „absolut böse“[25], sondern auch er wirkt in Gottes Sinne. Aufgabe der Menschen ist es, für die Herrschaft des guten Triebs über den bösen zu sorgen. Dabei haben sie als Hilfe das mosaische Gesetz und sie dürfen Gott im Gebet um seine Hilfe bitten.[26]

[...]


[1] Vgl. Haag, Herbert, Vor dem Bösen ratlos?, München 1978, 21-23.

[2] Hygen, Johann B., Böse, Das, in: TRE 7 (1981), 11.

[3] Ebd., 12.

[4] Ebd., 12.

[5] Ebd., 12.

[6] Ebd., 12.

[7] Vgl. Haag, Vor dem Bösen ratlos?, 93f.

[8] Vgl. Köhlmoos, Melanie, Theodizee II. Altes Testament, in: TRE 34 (1981), 215.

[9] Vgl. Haag, Vor dem Bösen ratlos?, 43.

[10] Vgl. ebd., 43-49.

[11] Vgl. ebd., 44 und Köhlmoos, Theodizee II, 215.

[12] Ebd., 215.

[13] Ebd., 215.

[14] Vgl. Vorgrimler, Herbert. Geschichte der Hölle, München 1993, 62f.

[15] Vgl. Haag, Vor dem Bösen ratlos?, 23f und 54f.

[16] Köhlmoos, Theodizee II, 216

[17] Ebd., 216.

[18] Maier, Johann, Theodizee III. Judentum, in: TRE 34 (1981), 218.

[19] Haag, Vor dem Bösen ratlos?, 49.

[20] Ebd., 74.

[21] Vgl. ebd., 74.

[22] Vgl. Nielsen, Kirsten, Teufel II. Altes Testament, in TRE 33 (1981), 116

[23] Haag, Vor dem Bösen ratlos?, 75.

[24] Ebd., 75.

[25] Haag, Vor dem Bösen ratlos?, 62.

[26] Vgl. ebd., 62f.

Details

Seiten
22
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638205757
ISBN (Buch)
9783638643993
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v15472
Institution / Hochschule
Universität Siegen – FB 1
Note
2,0
Schlagworte
Böse Thematisierung Religionsunterricht Primarstufe Einführung Didaktik Religionsunterrichts

Autor

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