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Karstlandschaft Südharz

Die Entwicklung des einzigen Biosphärenreservats der Welt im Gipskarst

Wissenschaftlicher Aufsatz 2010 21 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie

Leseprobe

Inhalt

Zusammenfassung

Karst und Biosphärenreservate

Die Südharzer Sulfatkarstlandschaft

Datenzuwachs in der Südharzer Karstforschung

Die Geschichte des Hainholz-Prozesses als regionaler Identitätskonflikt

Der Karstwanderweg Südharz als Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit

Das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz

Die Arbeitsgruppe Südharz und die länderübergreifende Zusammenarbeit

Naturschutz im Südharz - quo vadis ?

Literatur

Friedhart Knolle

Karstlandschaft Südharz –

die Entwicklung des einzigen

Biosphärenreservats der Welt im Gipskarst

Zusammenfassung

Biosphärenreservate sind Modell-Landschaften nachhaltiger Entwicklung und Landschaftsnutzung. Sie werden von der UNESCO anhand einheitlicher, international festgesetzter Kriterien anerkannt. Das im Land Sachsen-Anhalt gelegene Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz ist bisher das einzige Reservat dieser Art im Gipskarst weltweit. Seine Entstehung wird im Rahmen des sich über die drei Bundesländer Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt erstreckenden Gipskarstgebietes Südharz beschrieben.

Karst und Biosphärenreservate

Biosphärenreservate sind Modell-Landschaften nachhaltiger Entwicklung und Landschaftsnutzung. Sie werden von der UNESCO anhand einheitlicher, international festgesetzter Kriterien anerkannt (www.unesco.de). Charakteristisch für Bio-sphärenreservate ist die Untergliederung in Zonen:

- Die Kernzone dient der Erhaltung der natürlichen Ökosysteme und dem Schutz der dort lebenden Tier- und Pflanzenarten. Die menschliche Einflussnahme ist hier so gering wie möglich gehalten, ein Betreten der Kernzone ist in der Regel nur zu Forschungszwecken erlaubt.
- Die Kernzone ist von einer Pufferzone umgeben. Hier sind menschliche Einflüsse und Aktivitäten zugelassen, die mit ökologischen Ansprüchen vereinbar sind, wie zum Beispiel Umweltbildung, Ökotourismus, ökologischer Landbau und angewandte Grundlagenforschung.
- Um die Pufferzone herum liegt eine Entwicklungszone. Hier wird nachhaltige Entwicklung gemeinsam mit der örtlichen Bevölkerung umgesetzt. Alle Nutzungs- und Wirtschaftsformen werden praktiziert, sofern sie umwelt- und sozialverträglich sind. Auch in der Entwicklungszone wird Forschung und Monitoring durchgeführt.

Weltweit sind auch einige Karstlandschaften als Biosphärenreservate ausgewiesen (www.unesco.org/mab/wnbrs.shtml) – bekannt ist z.B. das Mammoth Cave Biosphere Reserve in Kentucky, USA. Im slowenischen Biosphärenreservat Karst befinden sich die berühmten Höhlen von Skocjan, die auch zum Weltnaturerbe der UNESCO gehören (www.park-skocjanske-jame.si). Zu den Aufgaben des Reservates zählt die Erforschung der Tropfsteinbildung und der hydrologischen Prozesse in den Höhlensystemen und Gewässernetzen. Um das Naturerbe zu erhalten, wird die Landwirtschaft im Karst auf umweltschonende Praktiken umgestellt und die Wasserverschmutzung durch Düngemittel und Abwasser streng kontrolliert. Die slowenische Karstlandschaft ist auch als "international bedeutendes Feuchtgebiet" ausgewiesen und durch die Ramsar-Konvention geschützt. Bekannt sind auch das Slowakische Karst-Biosphärenreservat oder der auf diese Weise geschützte Kegelkarst von Vietnam.

Durch Biosphärenreservate geschützte Gipskarstlandschaften gibt es weltweit kaum. Zwar umfasst der österreichische Biosphärenpark Großes Walsertal auch einen kleinen Anteil Gipskarstlandschaft, aber für den Schutzzweck ist er dort kaum relevant. Ein flächenhaftes Gipskarst-Biosphärenreservat gibt es weltweit nur in einem Fall – das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz im sachsen-anhaltischen Teil des Südharzes (www.bioreskarstsuedharz.de). Diese Tatsache ist selbst unter Fachleuten national und international kaum bekannt.

Die Südharzer Sulfatkarstlandschaft

Immer wieder ist die Gipskarstlandschaft des Südharzes Diskussionsthema – aber lange ist kein Übersichtsbeitrag erschienen, der die Fülle neuer Entwicklungen und Literatur knapp erschließt. Das kann auch mit dem vorliegenden Text nicht geschehen und eine Monografie zu diesem Thema wird noch länger auf sich warten lassen. Es soll versucht werden, hier in komprimierter Weise einen Überblick der Schutzbemühungen der letzten Jahrzehnte zu geben, der zum Weiterlesen auffordert – daher ist ein umfangreiches Schriftenverzeichnis beigefügt. Für detailliertere Recherchen steht die immer weiter wachsende Literaturdatenbank in www.karstwanderweg.de zur Verfügung.

Die Südharzer Gipskarstlandschaft ist ein in Europa einmaliger Naturraum, der sich über Teile der Länder Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt erstreckt. Aufgrund seiner besonderen geologischen Situation und dem in dieser Form und Mächtigkeit nur hier großräumig und oberflächennah anstehenden Gipsgestein ist am Südharz im Laufe von mehreren 10.000 Jahren eine Landschaft von extremer Verkarstungsintensität mit morphologischer und biologischer Vielfalt entstanden, die hochgradig schützenswert ist (Vladi 1991).

Stellvertretend für die ästhetische Schönheit dieser Landschaft steht der klassische Stahlstich von L. Richter (Blumenhagen 1838).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Blick auf die Gipssteilwand des Sachsensteins (Stahlstich von L. Richter aus Blumenhagen 1838)

Am Südharz dominieren die im ausgehenden Erdaltertum, d.h. vor 258 - 251 Mio. Jahren, in einem warmen Flachmeer abgelagerten Gipse und z.T. als Riffbildungen vorliegenden Dolomite. Die Korrosion des leicht löslichen Gipses, nachgeordnet auch des schwerer löslichen Dolomits, führte im Verlaufe des Eiszeitalters und der Nacheiszeit zu einer Fülle von Karsterscheinungen wie Flussversinkungen und Bachschwinden, Karstquellen, Poljen und Überflutungsflächen, Erdfällen, Dolinen, Laug- und Gerinnehöhlen, Kegelbildungen, Karrenfeldern u.a.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Buchcover von Flindt et al. (2001)

Am deutlichsten offenbart sich der Karstformenschatz in den zahllosen Erdfällen am Südharz. Allein ca. 10.000 Formen existieren im Landkreis Osterode am Harz; jährlich kommen etwa 10 Einsturzereignisse hinzu. Viele Erdfälle weisen Kleingewässer mit Verlandungszonen, eine reichhaltige Ufervegetation, Amphibien- und Libellenfauna sowie organische Sedimente auf, die in ihren Pollen- und Stoffprofilen die Vegetations- und Landnutzungsgeschichte der weiteren Umgebung seit Jahrtausenden lehrbuchhaft konserviert haben (Deicke 2003).

Ein in der Fläche massiertes Auftreten von Höhlen und nach ihrem Einsturz von Erdfällen führt an Schichtstufen zu deren allmählicher Zurückverlegung und zum Verbleib weiträumiger Subrosionssenken. Höhlen und Höhlenruinen, Quellen und verlandende Seen sind begehrte Fundplätze der ur- und frühgeschichtlichen Forschung, die am Südharz seit jeher einen Schwerpunkt hat. Karstgrundwasser und die großen Karstquellen dienen der Gewinnung von Trinkwasser (Rhumequelle) und zur Abfüllung von Mineral- und Heilwasser (Förste).

Es ist verständlich, dass diese Landschaft, die in ständigen dynamischen Veränderungen steht, für das Siedlungswesen und den Verkehrswegebau voller Probleme steckt. Auch die rohstoffliche Nutzung der Gips- und Dolomitgesteine in fast 30 Steinbrüchen führt zu permanenten Konflikten mit dem Naturschutz und der Trinkwassergewinnung.

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Details

Seiten
21
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640688470
ISBN (Buch)
9783640688395
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v154738
Note
Schlagworte
Karstlandschaft Südharz Entwicklung Biosphärenreservats Welt Gipskarst

Autor

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Titel: Karstlandschaft Südharz