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Königinnen der Lüfte in Amerika

Biografien berühmter Fliegerinnnen, Ballonfahrerinnen, Luftschifferinnen, Fallschirmspringerinnen und Astronautinnen

Fachbuch 2010 354 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Königinnen der Lüfte in Amerika

Aida de Acosta Erster Alleinflug mit einem lenkbaren Luftschiff

Pancho Barnes Amerikas erste Stuntpilotin

Jacqueline Cochran Die „schnellste Frau der Welt“

Bessie Coleman Die erste Afro-Amerikanerin mit Pilotenschein

Eileen Collins Die erste Raumfähren-Pilotin

Amelia Earhart Die erste Frau, die zwei Mal den Atlantik überflog

Ruth Elder Die erste Frau, die den Flug über den Atlantik versuchte

Frances Wilson Grayson Tragischer Flug über den Atlantik

Kara Spears Hultgreen Die erste „F-14 Tomcat“- Kampfpilotin

Laura Ingalls Die erste Amerikanerin, die über Südamerika flog

Carol Mae Jemison Die erste afro- amerikanische Astronautin

Ruth Law Erste Luftpost für die Philippinen

Anne Morrow Lindbergh Die erste Amerikanerin mit Segelflugschein

Shannon Lucid Der längste Raumflug einer Frau

Christa McAuliffe Die amerikanische Nationalheldin

Victoria van Meter Die jüngste Fliegerin der Welt

Jerry Mock Im Alleinflug um die Erde

Matilde Moisant Eine frühe Fliegerin in den USA

Harriet Quimby Die erste Amerikanerin mit Flugschein

Bessica Medlar Raiche Eine der ersten Fliegerinnen in den USA

Barbara Allen Rainey Die erste Marinepilotin der USA

Sally Kristen Ride Die erste Amerikanerin im Weltall

Blanche Stuart Scott Die erste Amerikanerin, die ein Flugzeug flog

Katherine Stinson und Marjorie Stinson Die fliegenden Schwestern

Kathryn Dwyer Sullivan Rekordspaziergängerin im Weltall

Kathryn Thornton Berühmte Spaziergängerin im Weltall

Weitere „Königinnen der Lüfte“ in Amerika

Clara Adams

Vernice Armour

Anne Bridge Baddour

Ellen Louise Shulman

Baker

Mary Utterback Barr

Barbara Barrett

Ann G. Baumgartner

Edith Berg

Susanna Ferrari

Billinghurst

Rosella Bjornson

Caro Bayley Bosca

Janet Harmon Bragg

Dee Brasseur

Tiny Broadwick

Laura Bromwell

Janice Lee Brown

Alys McKey

(„Tiny“) Bryant

Beverly Lynn Burns

Ann Shaw Carter

Marie Therese Rossi Cayton

Willa Brown Chappell

Katherine Cheung

Julia Clark

Julie E. Clark

Mary Louise Cleave

Geraldine („Jerrie“) Cobb

Catherine Grace Coleman

Edna Mae Cooper

Rhonda Cornum

Marvel Crosson

Nancy Jan Sherlock Currie

Jan Davis

Sarah Deal

Lorna DeBlicquy

Bonnie Jeanne Dunbar

Betty Skelton Frankman Erde

Joanna Lillie Fay

Claire Fahy

Linda Finch

Anna Lee Fisher

Edith Foltz

Cornelia Clark Fort

Wally Funk

Anna Marie Scott Fuqua

Lillian Gatlin

Margaret („Maggie“) Gee

Viola Gentry

Betty Huyler Gillies

Linda Maxine Godwin

Doris Grove

Mary („Mae“) Haizlip

Marion Rice Hart

Gloria Heath

Susan J. Helms

Joan Elizabeth Miller Higginbotham

Helen Harris Hodge

Jeanne Holm

Leda Richberg Hornsby

Jean Ross Howard-Phelan

Millie Elizabeth Hughes- Fulford

Marsha Sue Ivins

Marion S. Jayne

Tamara Elizabeth Jernigan

Evelyn Brian Johnson

Janet Lynn Kavandi

Leslie F. Kenne

Cecil („Teddy“) Kenyon

Florence Klingensmith

Brooke Knapp

Opal Kunz

Wendy Barrien Lawrence

Hazel Ying Lee

Clara Livingston

Doris E. Lockness

Nancy Harkness Love

Nancy Lynn

Mary von Mach

Anésia Pionheiro Machadontry

Betty Huyler Gillies

Linda Maxine Godwin

Doris Grove

Mary („Mae“) Haizlip

Marion Rice Hart

Gloria Heath

Susan J. Helms

Joan Elizabeth Miller Higginbotham

Helen Harris Hodge

Jeanne Holm

Leda Richberg Hornsby

Jean Ross Howard-Phelan

Millie Elizabeth Hughes- Fulford

Marsha Sue Ivins

Marion S. Jayne

Tamara Elizabeth Jernigan

Evelyn Brian Johnson

Janet Lynn Kavandi

Leslie F. Kenne

Cecil („Teddy“) Kenyon

Florence Klingensmith

Brooke Knapp

Opal Kunz

Wendy Barrien Lawrence

Hazel Ying Lee

Clara Livingston

Doris E. Lockness

Nancy Harkness Love

Nancy Lynn

Mary von Mach

Anésia Pionheiro Machado

Sandra Hall Magnus

Nicole Malachowski

Rosemary Bryant Mariner

Frances Harrell Marsalis

Teresa de Marzo

Angela Masson

Katherine Megan McArthur

Lois McCallin

Helen McCloskey

Martha McSally

Pamela Ann („Pam“) Melroy

Marta Bohn Meyer

Bernetta Adams Miller

Betty Miller

Jessie Maude („Chubby“) Miller

Violet Milstead

Barbara Morgan

Katrina Mumaw

Sully D. Murphy

Jennifer Murray

Mary Myers

Judith Ann Neuffer

Ruth Rowland Nichols

Lisa Nowak

Blanche Noyes

Karen Lujean Nyberg

Ellen Ochoa

Jane Skiles O’Dea

Gladys O’Donnell

Elizabeth A. Okoreeh-Baah

Susan Oliver

Phoebe Fairgrave Omlie

Marion Alice Orr

JoEllen Drag Oslund

Neva Findley Paris

Jacquelyn Susan („Jackie“) Parker

Julie Payette

Dorothy Rice Peirce

Margaret Perry

Elizabeth („Betty“) Pfister

Jeannette Piccard

Judith Resnik

Helen Richey

Margaret Ray Ringenberg

Lynn Rippelmeyer

Louise Sacchi

Margaret Rhea Seddon

Florenz Seidell

Evelyn Sharp

Elinor Smith

Joan Merriam Smith

Neta Snook

Cheryl Stearns

Susan Leigh Still-Kilrain

Antonie Straßmann

Louise Thaden

Bonnie Tiburzi

Nancy Hopkins Tier

E. Lillian Todd

Evelyn („Bobby“) Trout

Janice Elaine Voss

Pat („Patty“) Wagner

Patty Wagstaff

Diana Barnato Walker

Margrit Waltz

Emily Howell Warner

Mary E. Weber

Fay Gillis Wells

Peggy Whitson

Edna Gardner Whyte

Sunita Lyn („Suni“)

Williams

Sandra Hall Magnus

Nicole Malachowski

Rosemary Bryant Mariner

Frances Harrell Marsalis

Teresa de Marzo

Angela Masson

Katherine Megan McArthur

Lois McCallin

Helen McCloskey

Martha McSally

Pamela Ann („Pam“) Melroy

Marta Bohn Meyer

Bernetta Adams Miller

Betty Miller

Jessie Maude („Chubby“) Miller

Violet Milstead

Barbara Morgan

Katrina Mumaw

Sully D. Murphy

Jennifer Murray

Mary Myers

Judith Ann Neuffer

Ruth Rowland Nichols

Lisa Nowak

Blanche Noyes

Karen Lujean Nyberg

Ellen Ochoa

Jane Skiles O’Dea

Gladys O’Donnell

Elizabeth A. Okoreeh-Baah

Susan Oliver

Phoebe Fairgrave Omlie

Marion Alice Orr

JoEllen Drag Oslund

Neva Findley Paris

Jacquelyn Susan („Jackie“) Parker

Julie Payette

Dorothy Rice Peirce

Margaret Perry

Elizabeth („Betty“) Pfister

Jeannette Piccard

Judith Resnik

Helen Richey

Margaret Ray Ringenberg

Lynn Rippelmeyer

Louise Sacchi

Margaret Rhea Seddon

Florenz Seidell

Evelyn Sharp

Elinor Smith

Joan Merriam Smith

Neta Snook

Cheryl Stearns

Susan Leigh Still-Kilrain

Antonie Straßmann

Louise Thaden

Bonnie Tiburzi

Nancy Hopkins Tier

E. Lillian Todd

Evelyn („Bobby“) Trout

Janice Elaine Voss

Pat („Patty“) Wagner

Patty Wagstaff

Diana Barnato Walker

Margrit Waltz

Emily Howell Warner

Mary E. Weber

Fay Gillis Wells

Peggy Whitson

Edna Gardner Whyte

Sunita Lyn („Suni“)

Williams

Stephanie Wilson

Ann Wood-Kelly

Jessie E. Woods

Jeana Yeaeger

Berta Zeron

Daten und Fakten

Literatur

Bildquellen

Der Autor

Königinnen der Lüfte in Amerika

Viele Frauen aus Amerika haben in der Luftfahrt für großes Aufsehen gesorgt. Aida de Acosta beispielsweise unternahm als erste Frau einen Alleinflug mit einem lenkbaren Luftschiff. Pancho Barnes bewunderte man als Amerikas erste Stuntpilotin. Jacqueline Cochran galt zeitweise als „schnellste Frau der Welt“. Die legendäre Amelia Earhart flog als erste Frau zwei Mal über den Atlantik. Laura Ingalls schaffte als erste Frau einen Flug über Südamerika. Shannon Lucid absolvierte den längsten Raumflug einer Frau. Anne Morrow Lindbergh erwarb als erste Amerikanerin den Segelflugschein. Victoria van Meter war die jüngste Fliegerin der Welt. Phoebe Fairgrave Omlie überflog als erste Frau mit einem Leicht- flugzeug die Rocky Mountains. Harriet Quimby überquerte als erste Frau im Alleinflug den Ärmelkanal. Die fliegenden Schwestern Katherine und Marjorie Stinson betrieben die erste von Frauen geleitete Flugschule. Katherine Stinson wagte den ersten nächtlichen Flug als Himmelsschreiberin. Diesen und anderen „Königinnen der Lüfte in Amerika“ ist das gleich- namige Taschenbuch gewidmet. Es berichtet nicht nur von strahlenden Erfolgen, sondern auch von schmerzlichen Ereignissen. Bei Abstürzen verloren nicht wenige Pilotinnen ihr Leben. Ergänzt wird das Taschenbuch durch eine aus- führliche Liste mit Daten weiterer berühmter Fliegerinnen, Ballonfahrerinnen, Flugzeugpassagierinnen, Fallschirmsprin- gerinnen und Astronautinnen.

Ernst Probst

Dank

Für Auskünfte, mancherlei Anregung, Diskussion und andere Arten der Hilfe danke ich herzlich:

Eric G. Ackermann,

Special Collections, University Libraries, Virginia Tech, Blacksburg (Virginia)

Vernice Armour,

Pilotin, USA

Henry M. Holden,

Pilot und Autor, USA

Bette Davidson Kalash,

Jesse Davidson Aviation Archives, Great Neck (New York)

Norman G. Richards,

Archives Reference Team, Smithsonian National Air and Space Museum, Washington

Cris Takacs,

Collections Manager, International Women’s Air and Space Museum, Cleveland (Ohio)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aida de Acosta

Erster Alleinflug mit einem lenkbaren Luftschiff

Die erste Frau, die einen Alleinflug mit einem lenkbaren Luftschiff wagte, war die Amerikanerin Aida de Acosta (1884-1962), die nach zwei Ehen Aida de Acosta Root Breckinridge hieß. Sie erkrankte später an Grauem Star, wurde auf einen Auge blind und ermöglichte als großzügige Spenderin die Gründung der ersten Augenklinik und der ersten Augenbank in den USA.

Aida de Acosta kam am 28. Juli 1884 in Elberon im USBundesstaat New York zur Welt. Ihr Vater Ricardo de Acosta stammte aus Kuba und war Geschäftsführer einer Dampfschiffgesellschaft. Ihre Mutter Micaela Hernandez de Alba y de Alba soll eine Nachfahrin der berühmten Herzogsfamilie Alba in Spanien gewesen sein. Geschwister von Aida waren die späteren Autorinnen Mercedes de Acosta (1893-1968) und Rita de Acosta Lydig (1875-1929).

Im Alter von 18 Jahren reiste Aida de Acosta mit ihrer Mutter nach Paris. In der französischen Hauptstadt lernte sie den brasilianischen Luftfahrtpionier Alberto Santos-Dumont (1873-1932) kennen, der ihr sein Luftschiff zeigte. Santos- Dumont war damals eine Attraktion in Paris. Er flog oft mit seinem Luftschiff in die Innenstadt zu seinem Lieblings- Restaurant und parkte sein Luftschiff auf der Straße, während er sein Abendessen einnahm. Aida war von Santos-Dumont begeistert und wagte am 9. Juli 1903 einen Alleinflug mit dessen Luftschiff. Sie segelte oben durch die Lüfte, er fuhr unten mit dem Fahrrad und dirigierte sie mit seinen Armen und Zurufen. Der erste Flug von Aida de Acosta endete auf einem Polo- Spielfeld am nördlichen Ende des Parks Bois de Boulogne während eines Spiels zwischen einer amerikanischen und einer britischen Mannschaft. Zuschauer des Polo-Spiels helfen Aida aus dem Korb des Luftschiffes. Nach einigen Polo-Spielen von Alberto stieg die junge Frau wieder in den Korb des Luftschiffes und flog zurück nach Neuilly St. James, wo die anderhalb Stunden lange Luftreise endete.

Aida de Acosta erzählte später, Alberto Santos-Dumont habe sie nach ihrer ersten Landung gefragt, wie es ihr während des Fluges ergangen sei. Sie antwortete, es sei sehr schön gewesen. Daraufhin erklärte ihr der brasilianische Luftfahrtpionier, sie sei die erste Frau, die alleine in einem lenkbaren Luftschiff geflogen sei. Und diese Feststellung war vollkommen richtig: Denn die Brüder Orville Wright (1871-1948) und Wilbur Wright (1867-1912) unternahmen 1903 erst einige Monate später den ersten gesteuerten Motorflug mit einem Doppel- decker.

Als die Eltern vom aufsehenerregenden Flug ihrer Tochter Aida erfuhren, waren sie entsetzt. Sie befürchteten, dass kein Mann eine Frau, die so etwas getan habe, sie noch heiraten würde. Aus diesem Grund bewahrte die Familie Stillschweigen über die ungewöhnliche Flugreise in Frankreich.

Aida de Acosta und Alberto Santos-Dumont haben sich aus den Augen verloren. Es heißt aber, Santos-Dumont habe auf seinem Schreibtisch ein Bild von Aida aufbewahrt. Aus diesem Grund spekulierten Biographen des Flugpioniers Santos- Dumont, nach dem die brasilianische Stadt Santos Dumont benannt ist, eine romantische Beziehung zwischen beiden. Aida soll aber nach seinem Tod gesagt haben, dass sie diesen Mann kaum gekannt habe. So etwas sagen aber Frauen nicht selten ...

Alberto Santos Dumont wird im Online-Lexikon „Wikipedia“ als brasilianischer Luftschiffer, Motorflugpionier und Erfinder, der den Beginn der motorisierten Luftfahrt vor allem in seinem Schaffensland Frankreich mit prägte, gewürdigt. Nach meh- reren Fahrten mit verschiedenen selbstgebauten Luftschiffen führte er 1906 auch den ersten öffentlichen Motorflug der Welt mit einem Flugzeug durch. Oft wird er als „Vater der Luftfahrt“ bezeichnet. Ihm zu Ehren hat man den lokalen Flughafen von Rio de Janeiro als „Aeroporto Santos Dumont“ bezeichnet.

1908 heiratete Aida de Acosta den Neffen Oren Root des amerikanischen Staatsmannes Elihu Root (1845-1937), der 1912 den Friedensnobelpreis erhielt. Aus dieser Ehe gingen der Sohn Oren Root jr. (1911-1995) und die Tochter Alva de Acosta Root (geb. 1914) hervor.

1922 war für Aida de Acosta kein gutes Jahr. Damals endete ihre erste Ehe und erkrankte eines ihrer Augen an Grauem Star (Glaukom). Ihr Augenarzt war kein Geringerer als William Holland Wilmer (1863-1936), den das „Time-Magazine“ für den größten Augenchirurgen, den die USA jemals hatten, bezeichnete. Aida verlor auf einem Auge ihr Sehvermögen, aber der berühmte Augenarzt konnte zumindest das andere Auge retten.

Auf Anregung von Dr. Wilmer spendete Aida de Acosta 1925 drei Millionen Dollar für die Errichtung des „Wilmer Eye Instituts“ im „John Hopkins Hospital“ in Baltimore (Mary- land), der ersten Augenklinik in den USA. 1945 gründete sie die erste Augenbank der USA und wurde deren Direktorin. 1947 schloss Aida de Acosta ihre zweite Ehe mit Oberst Henry S. Breckinridge. Ihr Ehemann arbeitete als Anwalt und vertrat zum Beispiel den amerikanischen Luftpionier Charles A. Lindbergh (1902-1974) während der Entführung von dessen Baby.

Erst in den 1930-er Jahren erzählte Aida de Acosta Root Breckinridge ihrem zweiten Ehemann und einem jungen Marine-Offizier namens Lieutenant George Calnan von ihrem Flugabenteuer in Frankreich. Ihre zweite Ehe wurde 1947 geschieden.

Am 26. Mai 1962 ist Aida de Acosta Root Breckinridge in Bedford im Bundesstaat New York im Alter von 77 Jahren gestorben. Ihren Namen findet man heute in den Annalen der Luftfahrt und der Augenmedizin.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Pancho Barnes

Amerikas erste Stuntpilotin

Die erste amerikanische Stuntpilotin war die Fliegerin Florence „Pancho“ Barnes (1901-1975), geborene Florence Leontine Lowe. In der goldenen Zeit der Fliegerei in den USA genoss sie einen glänzenden Ruf als Pilotin. Nicht wenige Amerikaner betrachten sie als eine der wichtigsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts.

Florence Leontine Lowe wurde am 29. Juli 1901 in San Mario (Kalifornien) geboren. Ihr Vater war Thaddeus Lowe II (1870- 1955), ihre Mutter hieß Florence Max (Dobbins) Lowe. Ihr Großvater Thaddeus Sobieski Coulincort Lowe hatte sich während des Amerikanischen Bürgerkrieges (1861-1865) mit der Gründung des „Union Army Balloon Corps“ hervorgetan. Das Corps war die erste militärische Luftwaffeneinheit.

Die Lowes waren eine wohlhabende Familie in Pasadena (Kalifonien). Florence sollte zu einer Dame der Gesellschaft erzogen werden, entwickelte sich aber immer mehr zu einem regelrechten Wildfang. Sie war ein sehr sportliches Mädchen, das gerne jagte, campte, angelte und ritt, was ihr alles vom Vater beigebracht wurde.

1919 heiratete die lebhafte 18-jährige Florence Leontine Lowe den Reverend C. Rankin Barnes aus South Pasadena. Aus der Ehe ging der Sohn William E. Barnes hervor. Das ruhige Leben als Ehefrau eines Geistlichen behagte Florence nicht beson-ders. Nach dem Tod ihrer Mutter 1924, welche die Ehe mit dem Reverend sehr befürwortet hatte, und einer Erbschaft führte Florence ab 1928 wieder ihr extravagantes und eigen- sinniges Leben, was später (1941) zur Scheidung führte.

Florence verließ 1928 Ehemann und Kind und versteckte sich als Mann verkleidet auf einem Frachtschiff, das nach Mexiko fuhr. In San Blas (Mexiko) verließ sie mit einem Besatzungs- mitglied das Frachtschiff. Mit diesem Mann zog sie auf dem Rücken eines Esels durch Mexiko. Ihr damaliger Gefährte nannte sie „Pancho“. Dabei unterlief ihm allerdings ein kleiner Irrtum, denn die entsprechende Person in der Novelle „Don Quichote“, an die er sich erinnert fühlte, hieß „Sancho Pansa“. Trotzdem behielt sie den Spitznamen „Pancho“ ihr Leben lang. Nach einigen Monaten auf den Straßen von Mexiko kehrte Pancho Barnes 1928 nach San Mario zurück.

Im Frühling 1928 lernte Pancho Barnes von ihrem Cousin Dean Banks das Fliegen. Nach sechs Stunden Unterricht hob sie noch am ersten Übungstag in die Luft ab. Als sie Pilotin wurde, gab es in den USA nur etwa zwei Dutzend Fliegerinnen. Bald flog sie so gut, dass sie sich an Wettbewerben beteiligte. Beim legendären „Powder-Puff-Derby“ vom 18. bis 26. August 1929 von Santa Monica (Kalifornien) nach Cleveland (Ohio) hatte Pancho Barnes noch Pech und stürzte ab. Doch bei einem anderen Wettbewerb am 4. August 1930, bei dem die „Union Oil Company“ ihr Sponsor war, hatte sie Glück und gewann. Dabei brach sie mit ihrem Flugzeug „Mystery Ship“ mit 315,7 Stundenkilometern den Geschwindigkeitsrekord der legen- dären amerikanischen Fliegerin Amelia Earhart (1897-1937). Damals bezeichnete man Pancho als „schnellste Frau der Welt“. Diesen respektvollen Titel erkämpften im Laufe der Zeit mit immer höheren Geschwindigkeiten auch andere Pilotinnen.

In der Folgezeit arbeitete Pancho Barnes als erste ameri- kanische Stuntpilotin in großartigen Stumm- und Tonfilmen. Oft erwähnt wird ihre Rolle als Stuntpilotin in dem Film „Hell’s Angels“ („Höllenflieger“) des legendenumwobenen amerika- nischen Industriellen, Filmproduzenten und Erfinders Howard Hughes (1905-1976). Dieser Streifen schildert die Abenteuer von Flugpionieren des „Royal Flying Corps“ im Ersten Weltkrieg (1914-1918) und hatte am 27. Mai 1930 Premiere in Los Angeles.

Für die Flugszenen dieses Films wurden ehemalige Kampfpiloten verpflichtet, die sich nach drei Todesfällen weigerten, die von Hughes geplante Schlussszene zu drehen. Aus diesem Grund übernahm Hughes diese Aufgabe selbst, verunglückte dabei, erlitt aber nur leichte Verletzungen. Der Film „Hell’s Angels“ beeindruckt weniger durch seine Handlung als durch die perfekten Luftaufnahmen.

Pancho Barnes hatte gute Kontakte nach Hollywood. Ihr enger Freund George Hurrell (1904-1992) beispielsweise arbeitete als Leiter für Porträtfotos bei den MGM-Studios. Ihn hatte sie zunächst nur engagiert, damit er ein Foto von ihr für ihre Pilotenlizenz anfertigen sollte. Aber Hurrell machte auch weiterhin gerne Fotos von ihr, besonders jene, die sie glamourös aussehen ließen. Pancho hat Hurrell in seiner Anfangszeit als Fotograf gefördert und bei vielen Freunden in Hollywood empfohlen. Ein weiterer guter Freund von Pancho war der mexikanisch-amerikanische Schauspieler Ramón Novarro (1899-1968), der erste Latino-Superstar des amerikanischen Films. Sie schloss schnell Freundschaften mit berühmten Filmstars.

Von Zeitgenossen wurde Pancho Barnes wegen ihrer Indivi- dualität, ihrer Kreativität, ihrem Unternehmungsgeist und wegen ihres Humors sehr geschätzt. Ihr Lebensmotto hieß sinngemäß: „Wenn Sie die Wahl haben, wählen Sie das Glück“.

Die clevere Pancho Barnes gründete im September 1931 zu- sammen mit anderen Piloten eine der ersten Gewerkschaften in Hollywood. Diese erhielt den Namen „Associated Motion Picture Pilots“ („AMPP“) und existiert heute noch. Während der „Großen Depression“, der schweren Wirt- schaftskrise in den USA, die am 24. Oktober 1929 begann und die 1930-er Jahre dominierte, sowie wegen Streitigkeiten mit ihrer Familie verlor Pancho Barnes viel Geld. Im März 1935 verkaufte sie ihr Apartment in Hollywood und erwarb noch im selben Jahr 32 Hektar Land in der Mojave-Wüste im Antelope Valley in Südkalifornien. Dort gründete sie den „Happy Bottom Riding Club“ - auch bekannt als „Rancho Oro Verde Fly-Inn Dude Ranch“. Außer ihrer 380 Hektar großen Ranch betrieb Pancho auch eine florierende Rinder- und Schweinezucht. Unweit ihres Clubs entstand ein Flugplatz (Air Base), wo bald frühere Testpiloten arbeiteten, die Pancho gut kannte.

Mitglieder dieses noblen Clubs konnten mit dem eigenen Flugzeug auf dessen Landebahn an- und abreisen, im Rodeo- Stadion reiten, in einem großen Pool schwimmen, in der Dance Hall tanzen sowie im Restaurant beste Steaks essen und an der Bar trinken. Dem Club traten mehr als 9.000 Mitglieder bei. Gäste des Clubs waren Politiker, hohe Militärs, Schauspieler und Schauspielerinnen, die gerne das Leben genossen.

1940 gründete Pancho Barnes die Firma „Barnes Aviation of Lancaster“. Dieses Unternehmen wurde später von ihrem erwachsenen Sohn Bill geführt. 1941 wurde die erste Ehe von Pancho mit dem Geistlichen C. Rankin Barnes geschieden. Pancho war danach noch dreimal verheiratet.

Wegen zunehmender Flüge auf der Air Base und der Landebahn des „Happy Bottom Riding Club“ gab es ab 1952 ständig Konflikte. Pancho weigerte sich, ihr Land an die Regierung zu verkaufen, um der Air Base eine Verlängerung der Start- und Landebahn zu ermöglichen. Es wurde sogar behauptet, der Club sei ein Bordell, obwohl die Bestimmungen Panchos für das weibliche Personal streng waren. Schließlich verbot die Air Base den Soldaten den Besuch des Clubs. Am 13. November 1953 brannten Club und Ranch nach einem mysteriösen Feuer nieder. Reste dieses Clubs kann man heute noch nahe der „Edwards Air Force Base“ in Kalifornien sehen. Pancho war so empört über die Zerstörung ihres Clubs bzw. ihrer Ranch, dass sie an einem anderen Standort einen Neuanfang plante. Ein neuer Club bzw. eine neue Ranch sollte in Cantil (Kalifornien) entstehen. Weil sie sich von ihrem Grund und Boden bei der „Edwards Air Force Base“ vertrieben fühlte, reichte sie eine Klage vor Gericht ein und erhielt 375.000 Dollar Entschädigung. Ihre Verteidigung hatte unter anderem darauf hingewiesen, dass Panchos Großvater die „United States Air Force“ gegründet hat. Nach dieser für sie günstigen Entscheidung galt Pancho bald wieder als „Mutter der Edwards Air Force Base“ und bald heilten alle Wunden dieses Streites.

Pancho Barnes war beim alljährlichen „Antelope Valley Aero Museum’s annual Barnstormers Reunion“ am 5. April 1975 als Hauptrednerin vorgesehen. Doch als ein Freund bei ihr am 30. März 1975 anrief, konnte er sie nicht erreichen. Ihr Sohn Bill fand sie tot in ihrem Haus. Der Leichenbeschauer stellte fest, dass Pancho Barnes einige Tage früher einem Herzinfarkt erlegen war.

Panchos vierter Ehemann „Mac“ McKendry lebte nach dem Tod seiner Frau noch viele Jahre in Cantil. Ihr Sohn Bill verlor im Oktober 1980 nahe des „Happy Bottom Riding Club“ bei der Erprobung eines „P51 Mustang“ sein Leben. Seit 1980 gibt es alljährlich einen „Edwards Air Force Base Pancho Barnes Day“, bei dem gegrillt, gegessen, getrunken, musiziert und getanzt wird.

Das „Pancho Barnes Trust Estate Archiv“ bewahrt zahlreiche Fotos, Negative, Filme, Tonaufnahmen, Briefe und Do- kumente auf, die das Leben dieser ungewöhnlichen Frau dokumentieren. Ihr Leben lieferte Stoff für den Film „The Right Stuff“ (1983) von Tom Wolfe. Darin wurde Pancho Barnes von Kim Stanley (1925-2001) sympathisch dargestellt. 2003 ehrte „Women in Aviation International“ sie als eine der 100 wichtigsten Frauen in der Luftfahrt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Jacqueline Cochran

Die „schnellste Frau der Welt“

Zu den bekanntesten und kühnsten Fliegerinnen Amerikas gehörte Jacqueline Cochran (1906-1980), geborene Pittman, verheiratete Odlum. Die aus einfachen Verhältnissen stammende Pilotin stellte insgesamt 58 Flugrekorde auf und galt bis zu ihrem Tod als „schnellste Frau der Welt“. Außerdem wählte man sie als erste Frau zur Präsidentin der „Fédération Aeronautique Internationale“ („FAI“).

Jacqueline Cochran kam am 11. Mai 1906 in Muscogee (Florida) als jüngstes von fünf Kindern einer sehr armen Familie zur Welt. Nach ihrer Geburt hieß sie eigentlich Bes- sie Lee Pittman. Ihr Vater war der Maschinenschlosser Ira Pittman, ihre Mutter dessen Ehefrau Maria Pittman, geborene Grant.

Am 13. November 1920 heiratete die schwangere Jacqueline Cochran in Blakely (Georgia) den jungen Flugzeugmechaniker Robert Cochran, der am Marinestützpunkt Pensacola (Florida) arbeitete. Drei Monate später brachte sie am 21. Februar 1921 den Sohn Robert Cochran jun. zur Welt. Das junge Paar zog nach Miami und lebte dort vier Jahre lang bis zur Scheidung. Danach zog Jacqueline Cochran nach DeFuniak Springs (Florida), wo ihre Eltern damals lebten. Ihr kleiner Sohn Robert starb im Alter von fünf Jahren auf tragische Weise, als seine Kleidung beim Spielen auf einem Hinterhof plötzlich Feuer fing und niemand dabei war, der ihm helfen konnte. In vielen Artikeln und Büchern heißt es fälschlicherweise, Jacqueline Cochran sei zwischen 1906 und 1910 in der Gegend von Pensacola (Florida) zur Welt gekommen. Ihr genaues Ge- burtsdatum sei nicht bekannt. Sie sei als Findelkind in großer Armut bei Pflegeeltern aufgewachsen, die ein Wanderleben führten. Den Namen Jacqueline Cochran habe sie aus dem Telefonbuch gewählt. Ihre angeblichen Stiefeltern und Stief- geschwister hätten sie „Jackie“ gerufen.

Doch die Menschen, die als „Jackie’s“ Stiefeltern und Stief- geschwister bezeichnet werden, waren in Wirklichkeit ihre richtigen Eltern und leiblichen Geschwister. Offenbar wollte „Jackie“ vor der Öffentlichkeit die ersten Kapitel ihres Lebens verheimlichen, was ihr zu Lebzeiten auch gelang. In der Literatur kursieren zahlreiche phantasievolle Ge- schichten über die Kindheit von Jacqueline Cochran. Ihr Zuhause soll zeitweise eine baufällige Hütte ohne Fenster- scheiben gewesen sein. Bis zu ihrem achten Lebensjahr musste „Jackie“ angeblich barfuß laufen, weil sie keine Strümpfe und Schuhe besaß. Ein Strohsack soll ihr als Bett und ein ehemaliger Mehlsack als einziges Kleidungsstück gedient haben. Wenn sie Hunger hatte, suchte sie angeblich oft im Wald etwas Essbares.

Auch über den Start ins Berufsleben von „Jackie“ kursieren unterschiedliche Versionen. Nach einer Lesart soll sie Laufmädchen in einer Baumwollfabrik in Ohio, „Mädchen für alles“ in einem Schönheitssalon, Arbeitskraft zur Bedienung eines Dauerwellenapparates in Montgomery (Alabama), Mitarbeiterin eines Landarztes in Florida, Krankenschwester im Südwesten der USA, Verkäuferin von Schnittmustern und Kurzwaren sowie Mitinhaberin eines Kosmetiksalons und Schönheitssalons gewesen sein.

Irgendwann zog sie nach New York City und nannte sich dort „Miss Jackie Cochran“. In New York Citry arbeitete die selbst- bewusste „Jackie“ im Sommer in einem der führenden Schön- heitssalons, nämlich Antoines „Saks-Fifth Avenue Salon“, und im Winter in Antoines Salon in Miami (Florida). In Miami wurde 1932 der 40-jährige verheiratete amerikani- sche Millionär Floyd Bostwick Odlum (1892-1976) auf die 14 Jahre jüngere Frau aufmerksam. Er war der Gründer der Atlas-Flugzeugwerke („Atlas Corporation“), der Chef der Film-gesellschaft „RKO“ in Hollywood und galt als einer der zehn reichsten Männer der Welt. Er verliebte sich schnell in „Jackie“ und wollte ihr helfen, ihren Berufswunsch als selbstständige reisende Kosmetikverkäuferin zu verwirklichen. Allerdings riet er ihr, sie müsse statt mit einem langsamem Auto mit dem Flugzeug reisen, wenn sie auf Dauer konkurrenzfähig sein wolle.

Bereits nach der ersten Flugstunde auf dem „Roosevelt Field“ in Garden City auf Long Island (New York) war Jacqueline Cochran von der Fliegerei begeistert. Schon am dritten Tag wagte sie einen Alleinflug. Nach dreiwöchigem Unterricht während eines Urlaubs erwarb sie 1932 den Pilotenschein. Damit gewann sie ihre Wette mit dem Millionär Odlum, der die Kursgebühr von 495 Dollar zahlen wollte, wenn „Jackie“ die Fluglizenz in drei Wochen erhalten würde. Hinterher absolvierte sie einen Jahresflugkurs in Kalifornien und trai- nierte bei den amerikanischen Marinefliegern. Dank dieser Ausbildung konnte sie außer Zivil- und Verkehrsflugzeugen auch Bomber und Jagdflugzeuge steuern.

Die erste Notlandung ließ nicht lange auf sich warten. In Kalifornien fuhr Jacqueline Cochran mit dem Flugzeug quer über eine Landstraße, durchbrach einen Zaun und streifte das parkende Auto eines Verkehrsrichters, der ihr kurioserweise eine Geldbuße von 25 Dollar wegen „Parkens an verbotener Stelle“ aufbrummte.

1933 erwarb Jacqueline Cochran ein ausrangiertes Langstrecken-Flugzeug des Typs „Gamma“, das zur Postbeförderung eingesetzt worden war, um damit am Wettrennen von England nach Australien teilzunehmen. Nach einigen Notlandungen und kostspieligen Reparaturen vercharterte sie diese Maschine an den exzentrischen Piloten Howard Hughes (1905-1976), der damit problemlos einen amerikanischen Trans-kontinental-Rekord aufstellte.

1934 beteiligte sich Jacqueline Cochran - neben der Eng- länderin Amy Johnson-Mollison (1903-1941) und der Deut- schen Thea Rasche (1899-1971) - mit einem Flugzeug des Typs „Gee Bee“ als eine von drei Frauen am „MacRobertson- Wettflug“ von London (England) nach Melbourne (Australien). Als „Jackie“ während der ersten Etappe nach Bukarest (Rumänien) über den Karpaten den Treibstoff aus einem Tank in den anderen leitete, setzte der Motor aus. Ihr Kopilot Wesley Smith wollte deswegen mit dem Fallschirm abspringen, doch die Cockpithaube war verklemmt und ging nicht auf. „Jackie“ bewegte die Treibstoffschalter in verschiedenen Richtungen und plötzlich setzte der Motor wieder ein. Die Hersteller hatten die Schalterbeschriftungen für „Offen“ und „Zu“ verwechselt. Bei der Landung in Bukarest ließ sich eine Landeklappe nur wenig und die andere gar nicht bewegen, weshalb die Maschine zeitweise die Balance verlor. „Jackie“ gab wegen des Versagens der „Bee Gee“ das Rennen auf.

In den folgenden Jahren siegte Jacqueline Cochran bei vielen Weltflügen und stellte zahlreiche Rekorde auf. 1935 gründete sie ein eigenes Unternehmen („Jacqueline Cochran Cos- metics“), in dem sie bis 1963 arbeitete. 1936 heiratete sie Floyd Bostwick Odlum nach dessen Scheidung und führte mit ihm eine glückliche Ehe. 1937 machte sie als erste Frau der Welt eine Instrumentenlandung (Blindflug). Im Dezember 1937 flog sie in der Rekordzeit von 4 Stunden 12 Minuten nonstop von New York City nach Miami.

Im Langstreckenjäger-Prototyp „Seversky AP-7“ mit 1.200 PS und Zusatztanks in den Tragflächen gewann Jacqueline Cochran 1938 als erste Frau das „Bendix Transcontinental Air Race“. Für die 3.286 Kilometer von Los Angeles (Kalifornien) nach Cleveland (Ohio) benötigte sie 8 Stunden 10 Minuten 31 Sekunden, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 400 Stundenkilometern entsprach. Und dies, obwohl bald nach dem Start der Zufluss des Treibstoffs aus dem rechten Flügel zum Motor nicht recht funktionierte, weshalb „Jackie“ das Flugzeug immer wieder schief stellen musste. In der Fabrik stellte man später fesst, dass sich dicht am Auslass des rechten Flügels ein Klumpen Packpapier befand.

Ab 1938 wurde Jacqueline Cochran drei Mal hintereinander als „beste Fliegerin der Welt“ mit der „Internationalen Harmon Trophy“ ausgezeichnet. Diese Ehre widerfuhr ihr 1953 und 1961 noch einmal. 1939 stellte sie einen Höhen-Weltrekord für Frauen auf. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges brach sie zahlreiche Rekorde, unternahm Testflüge für viele amerikanische Flugzeugfirmen und kümmerte sich nebenher um ihre Firma „Jacqueline Cochran Cosmetics“, zu der ein Schönheitssalon in Chicago und ein chemisches Laboratorium in New Jersey gehörten. Von 1941 bis 1943 war sie Präsidentin der „Ninety Nines“.

Nach dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg 1941 meldete sich Jacqueline Cochran zum Flugzeugüberführungs- kommando, das schwere Bomber nach England zu schaffen hatte. Doch man wies sie ab, weil ihre männlichen Kollegen keine Frau unter sich haben wollten. Aber sie ließ nicht locker und überführte im Juni 1941 als erste Frau einen Bomber des Typs „Lockheed Hudson V“ von Kanada über den Atlantik nach Großbritannien. Im Juli 1941 kehrte sie in die USA zurück und rekrutierte dort 25 amerikanische Fliegerinnen als Über- führungspilotinnen für die britische „Air Transport Auxiliary“ („ATA“).

Mit Unterstützung von General Henry Harley („Hap“) Arnold (1886-1950), dem Chef der Heeresluftwaffe („Army Air Force“), gründete Jacqueline Cochran 1942 das „Women’s Pilot Training Program“ in Houston (Texas). Dieses zog später nach Sweetwater (Texas) um. Im Herbst 1942 entstand in den USA unter Aufsicht des Lufttransportkommandos der Heeresluft- waffe eine Überführungsabteilung von amerikanischen Pilotinnen, die „Women’s Auxiliary Ferrying Squadron“ („WAFS“), deren Kommandantin Nancy Harkness Love (1914-1976) war. Im Juli 1943 wurde die „WAFS“ der neuen Organisation „Women Airforce Service Pilots“ („WASP“) mit Jacqueline Cochran als Direktorin unterstellt.

Von den 1.830 Frauen, die zu den WASP-Lehrgängen zugelassen wurden, schlossen 1.074 auf dem ehemaligen Flugplatz „Avenger Field“ in Sweetwater (Texas) mit Erfolg ihre Ausbildung ab. Sie überführten 12.650 Flugzeuge von 77 verschiedenen Typen. Insgesamt legten die Pilotinnen mehr als 60 Millionen Kilometer bei diesen und anderen Einsätzen zurück. 38 verloren bei der Ausübung ihres Dienstes ihr Leben. Während des Zweiten Weltkrieges überquerte Jacqueline Cochran für die amerikanischen Streitkräfte insgesamt mehr als hundert Mal den Atlantik.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Jaqueline Cochran von einer Zeitschrift eingestellt, um über wichtige Ereignisse der Nachkriegszeit zu berichten. In dieser Funktion stand sie im Sommer 1945 auf den Philippinen bei der Unterzeichnung der japanischen Kapitulationsurkunde an der Seite von General Douglas MacArthur (1880-1964). Außerdem beobachtete sie die „Nürnberger Prozesse“ gegen ehemalige Nazi-Größen in Deutschland.

In der Nachkriegszeit kümmerte sich Jacqueline Cochran wieder um ihre Kosmetikfirma und um ihre Farm im Coachella Tal. Auf ihrer Farm hätte sie bereits vor dem Krieg gerne Elefanten gehalten, aber ihr Ehemann wollte dies nicht.

Außerdem reiste sie in viele Länder (Guam, Japan, China, Ägypten, Persien, Deutschland) und traf berühmte Persön- lichkeiten wie Madame Tschiang Kai-scheck, Mao Tse Tung (1893-1976) und den jungen Thronfolger Reza Pahlevi (1919- 1980).

1951 galt Jacqueline Cochran als eine der 25 herausragenden Unternehmerinnen in den USA. Von der Nachrichtenagentur „Associated Press“ („AP“) wurde sie 1951 und 1953 zur „Woman of the Year in Business“ erkoren. Zu ihrem Freundeskreis gehörten bedeutende Persönlichkeiten aus Luftfahrt, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Jacqueline Cochran und ihr Ehemann Floyd Bostwick Odlum unterstützten 1952 finanziell die Präsidentschaftskandidatur des ehemaligen Generals Dwight D. Eisenhower (1890-1969) für die Republikaner. Eisenhower war von 1953 bis 1961 der 34. Präsident der USA und ein enger Freund von „Jackie“ und ihrem Mann. Politisch blieb sie konservativ und war keine Feministin.

Am 4. Juni 1953 erreichte Jacqueline Cochran mit einem Düsenjäger des Typs „F-86 Sabre“ eine Durchschnittsge- schwindigkeit von 1042,5 Stundenkilometern und durchbrach dabei in Sturzflügen aus 14.000 Meter Höhe als erste Frau zwei Mal die Schallmauer (Mach 1). Sie übertraf den Geschwindigkeitsrekord für Frauen, den vorher Jacqueline Auriol (1917-2000), die Schwiegertochter des französischen Staatspräsidenten Vincent Auriol (1884-1966), hielt, und zugleich den von einem Mann gehaltenen Geschwin- digkeitsrekord für Düsenflugzeuge auf einer 100-Kilometer- Strecke.

Eine ihrer wenigen Niederlagen erlebte Jacqueline Cochran 1956 bei einem kurzen Ausflug in die Politik, als sie sich um einen Sitz im Kongress der Vereinigten Staaten bewarb. Bei der Nominierung für die Republikaner schlug sie zwar fünf männliche Konkurrenten, unterlag aber bei der Wahl knapp dem ersten asiatisch-amerikanischen Kongressabgeordneten Dalip Singh Saund (1899-1973).

In den 1960-er Jahren sponserte Jaqueline Cochran das von ihr finanzierte private „Mercury 13“-Programm“. Dabei testete man die Fähigkeiten von 13 Pilotinnen für eine Verwendung als Astronautinnen. Einige der Kandidatinnen übertrafen sogar die Ergebnisse männlicher Astronauten. Das Projekt scheiterte am männlichen Widerstand von Militär und Raumfahrt.

Mit 1.356 Stundenkilometern brach Jacqueline Cochran 1961 erneut einen zuvor Jacqueline Auriol aufgestellten Weltrekord. Den miteinander befreundeten Pilotinnen Cochran und Auriol wurde damals abwechselnd der Ehrentitel „Schnellste Frau der Welt“ verliehen. Am 22. Juni 1962 übertrumpfte Auriol mit 1.849 Stundenkilometern wieder Cochran und noch im selben Jahr Cochran mit 1.937,15 Stundenkilometern Auriol. Mit einem Militärjet des Typs „Northrop T-38“ brach Cochran 1962 neun internationale Rekorde für Geschwindigkeit, Höhe und Distanz.

Im Alter von 57 Jahren erreichte Jacqueline Cochran 1963 mit einem „Lockheed F-104 Starfighter“ eine Geschwindigkeit von 1.263,686 Meilen in der Stunde. Das sind umgerechnet rund 2.020 Stundenkilometer bzw. „Mach 2“. 1964 schaffte sie mit rund 2.300 Stundenkilometern einen neuen Weltrekord. Sie blieb bis zu ihrem Tod die „schnellste Frau der Welt“, weswegen man sie „Speed Queen“ nannte.

1956 wurde Jacqueline Cochran zur Vizepräsidentin und 1958 zur Präsidentin der „Fédéral Aeronautique Internationale“ gewählt. 1971 nahm man sie als erste Frau in die „Aviation Hall of Fame“ in Dayton (Ohio) auf. Damals machte sie auf dem „Pariser Luftfahrtsalon“ ihren letzten Flug. Ihre fliegerische Karriere wurde aus gesundheitlichen Gründen durch einen Herzschrittmacher beendet.

Jacqueline Cochran erzählte ihre spannende Lebensgeschichte in ihrem Buch „The Stars at Noon“ (1954, deutsch: „Mein Weg zu den Sternen“). Sie brachte keine eigenen Kinder zur Welt, sondern adoptierte fünf Waisenkinder.

Am 9. August 1980 starb Jacqueline Cochran im Alter von 74 Jahren in ihrem Haus in Indio (Kalifornien), das sie gemeinsam mit Floyd Odlum bewohnt hatte. Man setzte sie im Coachella Valley bei. Nach ihr wurden ein 100 Kilometer großer Krater auf dem Planeten Venus und der Flughafen „Jacqueline Cochran Regional Airport“ bei Palm Springs in Kalifornien benannt. 1996 ehrte die US-Post sie mit einer 50-Cent- Briefmarke und 2003 „Women in Aviation International“ sie als eine der 100 wichtigsten Frauen in der Luftfahrt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bessie Coleman

Die erste Afro-Amerikanerin mit Pilotenschein

Als erste Afro-Amerikanerin mit Pilotenschein und erste Frau mit dem internationalen Pilotenschein sorgte die

Schwarze Bessie Coleman (1892-1926) für Aufsehen in den USA. Die verdienstvolle Pilotin wird auch „Brave Bessie“ oder „Queen Bessie“ genannt. Sie starb jung bei einer Flugschau. 2003 ehrte man sie als eine der 100 wichtigsten Frauen in der Luftfahrt.

Bessie Coleman wurde am 26. Januar 1892 in Atlanta (Texas) geboren. Sie war das zehnte von insgesamt dreizehn Kindern ihrer als Farmpächter arbeitenden Eltern. Ihr Vater George Coleman hatte auch indianische Vorfahren im volkreichen Stamm der Choctaw. Die Choctaw waren Mitglied der „Fünf Zivilisierten Nationen“.

Bessie verbrachte eine unbeschwerte Kindheit auf der kleinen Farm ihrer Eltern. Am Sonntag besuchte die fleißige und gläubige Familie die Kirche. Während ihre älteren Geschwister bei der Feldarbeit halfen, unterstützte Bessie ihre Mutter Susan Coleman im Haus, bei der Gartenarbeit und bei der Betreuung der jüngeren Geschwister.

Ab dem Alter von sechs Jahren besuchte Bessie eine Schule für schwarze Kinder, die nur einen einzigen Raum hatte. Um dorthin zu gelangen, musste sie täglich mehr als sechs Kilometer gehen. Bessie war eine sehr gute Schülerin, wenngleich ihre Eltern ihr oft keine Schulmaterialien wie Kreide oder Bleistifte kaufen konnten. Besonders gerne mochte sie das Lesen und Rechnen. Es heißt, sie habe ein außergewöhnliches Talent für Mathematik gehabt. Zur Zeit der Baumwollernte beteiligten sich alle Familienmitglieder an dieser Feldarbeit. Bessie absolvierte alle acht Klassen.

1901 verließ der Vater von Bessie Colemann seine Familie. Er wollte dem Rassismus in den Südstaaten entgehen und kehrte in seine Heimat Oklahoma zurück, die damals noch als „Indian Territory“ galt und dessen Besiedlung durch Weiße erst begonnen hatte. Dort erhoffte er sich ein besseres Leben, seine Familie folgte ihm aber nicht nach.

Im Alter von zwölf Jahren wurde Bessie in die Schule der „Missionary Baptist Church“ aufgenommen, setzte ihre Ausbildung fort und schrieb sich nach ihrem 18. Geburtstag - unter Einsatz all ihrer Ersparnisse - an der „Colored Agricultural and Normal University“ (heute Langston-Universität) in Oklahoma ein. Bereits nach einem Semester waren ihre finanziellen Mittel aufgebraucht und sie musste das Studium abbrechen und nach Hause zurückkehren.

1915 folgte die 23-jährige Bessie zwei ihrer Brüder nach Chicago und wohnte mit ihnen zusammen. Gemeinsam mit ihren Brüdern arbeitete sie zunächst in einem Supermarkt und war Maniküre in einem Friseursalon. In dem Salon hörte sie Geschichten über Piloten, die aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt waren, und träumte bald davon, selbst Pilotin zu werden. Einer ihrer Brüder neckte sie damit, dass fran- zösische Frauen besser seien als afro-amerikanische, denn Französinnen waren bereits Pilotinnen geworden.

Weil sie eine Frau und eine Farbige war, wurde Bessie in den USA von keiner Flugschule angenommen. Aber einige einflussreiche Mitglieder der schwarzen Gemeinde, die sie bei ihrer Arbeit im Friseursalon kennen gelernt hatte, halfen ihr bei ihrem Vorhaben, Fliegerin zu werden. Robert S. Abbott (1868-1940), Gründer und Herausgeber des „Chicago Defender“, der bedeutendsten Wochenzeitung der Afrikaner in Chicago, und der Immobilienhändler Jesse Bings, unterstützten sie finanziell und sie setzte sich zum Dank mit ihrer einnehmenden und lebhaften Persönlichkeit und Schönzeit als Werbeträger für den „Chicago Defender“ ein. Bessies Berufswunsch und die Ablehnung, auf die sie dabei stieß, wurden von Abbott immer wieder in seiner Zeitung thematisch aufgegriffen.

Bessie Coleman begann damit, in der Berlitz-Sprachschule die französische Sprache zu lernen. Am 20. November 1920 reiste sie mit dem Ozeandampfer „SS Imperator“ nach Frankreich, um dort ihre Pilotenausbildung zu machen. Ihre ersten Lektionen an der Flugschule der Brüder Caudron in Le Crotoy bei Rouen erhielt sie in einem Doppeldecker des Typs „Nieuport“ mit einer Flügelspannweite von 27 Metern. Als einzige nichtweiße Schülerin lernte sie innerhalb eines Jahres das Fliegen. Ihre vom „Aéro-Club de France“ ausgestellte Fluglizenz trägt das Ausstellungsdatum 15. Juni 1921.

Nach ihrer Rückkehr in die USA im September 1921 wurde Bessie Coleman zu einer begehrten Interviewpartnerin für Zeitungen und Zeitschriften. Außerdem lud man sie zu vielen Veranstaltungen ein und sie erntete Anerkennung und Bewunderung von Schwarzen und Weißen.

Ende Februar 1922 startete Bessie Coleman zu einer drei- monatigen Reise nach Europa. Während dieser Zeit besuchte sie Frankreich und Deutschland, flog Flugzeuge und wurde gefilmt.

Am 27. August 1922 gab Bessie Coleman bei einer Flugschau auf dem Flugplatz „Glenn Curtiss Field“ in Garden City, Long Island (New York), erstmals in den USA öffentlich eine kleine Kostprobe ihres Könnens. In der Folgezeit war sie als Pilotin an Vorführungen in den ganzen Vereinigten Staaten beteiligt. Am 3. September 1922 beispielsweise trat sie zusammen mit dem schwarzen Stuntman Hubert Fauntleroy Julian auf, der aus ihrer Maschine mit dem Fallschirm absprang. Am 15. Oktober 1922 sah man sie bei einem Flug in Chicago, wo erwachsene Zuschauer einen Dollar und Kinder 25 Cent zahlen mussten.

Als Unglückstag wurde für Bessie Coleman der Sonntag, 4. Januar 1923. Bei einem Flug nach Santa Monica (Kalifornien) versagte ihr Flugzeug, sie stürzte ab, brach sich ein Bein und drei Rippen. Wegen dieser Verletzungen musste sie bis zum 10. Mai 1923 ins Krankenhaus. Einige Monate später trat sie am 9. September 1923 bei einer Flugschau in Columbus (Ohio) vor rund 10.000 Zuschauern auf.

1924 hatte Bessie Coleman keine öffentlichen Auftritte. An einem denkwürdigen Tag - Sonntag, 19. Juni 1925 - trat die erste schwarze Pilotin der USA in einer Luftschau in Galvestown (Texas) auf. Dort hatten 60 Jahre zuvor die Unionstruppen das Ende des „Amerikanischen Bürgerkrieges“ (1861-1865) verkündet, nach dem man die Sklaverei in den Südstaaten aufhob. Bei einem Auftritt im September 1925 sprang Bessie aus dem Flugzeug eines anderen Piloten mit dem Fallschirm ab.

Die wachsende Bekanntheit von Bessie Coleman führte dazu, dass die Norman-Studios in Arlington (Florida) sie am 3. Februar 1926 einluden, an der Verfilmung ihres Lebens mitzuwirken. Es heißt, Bessie habe zunächst eingewilligt, dann aber die Dreharbeiten später abgebrochen, weil ihr die Darstellung der Schwarzen in dem Drehbuch zu klischeehaft erschienen sei. Nach anderen Angaben kam der Film nicht zustande, weil die finanziellen Mittel hierfür nicht ausreichten. Im Frühjahr 1926 kaufte Bessie Coleman in Dallas (Texas) einen Doppeldecker und flog ihn nach Jacksonville. Statt der in der Beschreibung angegebenen 90 PS hatte dieses Flugzeug nur 60 PS. Besorgte Familienmitglieder und Freunde rieten Bessie ab, mit dieser Maschine zu fliegen, weil sie diese nicht für sicher hielten. Ungeachtet der Warnungen bereitete sich Bessie zusammen mit ihrem weißen Mechaniker und PR- Agenten William Wills auf eine Flugschau am 1. Mai 1926 vor.

Ein Übungsflug auf dem Flugplatz „Paxton Field“ in Jacksonville (Florida) am 30. April 1926 mit William Wills als Pilot und Bessie Coleman als Passagier wurde für beide ein Flug in den Tod. Bessie legte bei diesem Flug ihren Sicher- heitsgurt nicht an, weil sie für den nächsten Tag einen Fall- schirmsprung geplant hatte und sich aus dem Cockpit lehnen wollte, um das Gelände zu erkunden. Wills begann etwa zwölf Minuten nach dem Start aus schätzungsweise 3.000 Meter Höhe einen Sturzflug, konnte das Flugzeug aber nicht wieder in die horizontale Lage bringen. Statt dessen geriet die Ma- schine ins Trudeln und stürzte ab. Bessie wurde während des Sturzfluges aus dem Cockpit geschleudert und starb beim Aufprall auf den Boden. Wills war in den Trümmern des Flugzeuges eingeschlossen. Tragischerweise zündete sich John Betsch, der Werbeleiter der „Negro Welfare League“, an der Absturzstelle eine Zigarette an, um seine Nerven zu beruhigen. Die Folge war, dass ein Funke den Benzindunst entzündete, das Wrack in Flammen aufging und Wills verbrannte.

Bei der Untersuchung des Wracks fand man einen Schrau- benschlüssel im Getriebe des abgestürzten Flugzeuges. Wills hatte dieses Werkzeug offenbar versehentlich liegengelassen. Beim Sturzflug geriet der Schraubenschlüssel in die Gänge und verklemmte sie.

Rund 5.000 Trauergäste nahmen am 2. Mai 1926 an einer Trauerfeier für Bessie Coleman in Jackson teil. Eine weitere Trauerfeier folgte in der „Mount Zion Missionary Baptist Church“ in Orlando. Von dort reiste ihr Leichnam mit dem Zug nach Chicago. Schätzungsweise 10.000 Menschen defilierten die ganze Nacht und am Tag in der „Pilgrim Baptist Church“ in Chicago an ihrem Sarg vorbei und erwiesen ihr die letzte Ehre. An der Beerdigung am 7. Mai 1926 auf dem Lincoln-Friedhof in Chicago nahmen Tausende teil. Der Traum von Bessie Coleman von einer Fliegerschule für Afro-Amerikaner wurde 1929 wahr. In jenem Jahr gründete William J. Powell (1897-1942) den „Bessie Coleman Aero Club“ in Los Angeles.

Die erste afro-amerikanische Pilotin wurde nach ihrem Tod oft ausgezeichnet. 1931 flog eine Gruppe schwarzer Piloten zum ersten Mal zu Ehren von Bessie Coleman über ihr Grab. Damit begann eine Tradition, die man später alljährlich wiederholte. 1977 hob man den „Bessie Coleman Aviators Club“ schwarzer Piloten aus der Taufe. Der internationale Terminal des „O’Hare International Airport“ in Chicago befindet sich seit 1990 am Bessie-Coleman-Drive. 1995 erschien auf einer Briefmarke des „United States Postal Service“ ein Porträt von Bessie. 2004 taufte man einen kleinen Park in Chicago auf den Namen „Bessie Coleman Park“. Auch in der Musikwelt hat man Bessie verewigt: 1940 nahm der Jazz-Saxofonist Johnny Hodges das von ihm geschrieben Stück „Good Queen Bess“ auf.

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Details

Seiten
354
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640671472
ISBN (Buch)
9783640671564
DOI
10.3239/9783640671472
Dateigröße
5.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v154817
Note
Schlagworte
Königinnen Lüfte Amerika Biografien Fliegerinnnen Ballonfahrerinnen Luftschifferinnen Fallschirmspringerinnen Astronautinnen

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Titel: Königinnen der Lüfte in Amerika