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Hermann Hesses "Narziß und Goldmund" unter besonderer Berücksichtigung des Aspektes der Frau

Hausarbeit 2006 43 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographie des Autors

3. Derlnhalt von „NarzißundGoldmund“

4. Die Entstehungsgeschichte

5. Der Aspekt der Frauen im Roman

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Schon als Kind fasste Hermann Hesse den Gedanken ein Dichter zu werden und sein ganzes Leben lang erfüllte er diese sich selbst gestellte Aufgabe: Einzigartig verwob Hesse seine gesammelten Erfahrungen mit Handlungen in seinen Büchern. Werke wie „Der Steppenwolf“, „Demian - Die Geschichte von Emil Sinclairs Jugend‘ oder „Peter Camenzind‘ erzählen nicht (ausschließlich) fiktive Handlungen, sondern erzählen uns Begebenheiten aus Hermann Hesses Leben.

Ein weiteres Werk Hesses, das einen Teil seiner Geschichte erzählt, ist das 1930 erschienene „Narziß und Goldmund“, das unter dem Einfluss der Psychoanalyse C.G. Jungs entstand und über Polarität von Ausschweifung und Askese, Gefühl und Verstand von Kunst und nach innen gewandtem Geistesleben erzählt, wurde in 30 Sprachen übersetzt und zählt bis zur Gegenwart zu den meistgelesenen deutschen Büchern.

Diesem großartigen Werk widmet sich diese Hausarbeit. Nachdem eine Kurzbiographie Hesses dargeboten wird, wird der Inhalt des Buches dargestellt und die Themen, denen Hesse besondere Aufmerksamkeit in seinem Stück widmet, dargestellt und erläutert. Des Weiteren soll die Entstehungsgeschichte von „Narziß und Goldmund“ erzählt werden: Wie ist das Meisterstück entstanden und wo lassen sich Parallelen zu Hesses Leben ziehen? Inwiefern wird „Narziß und Goldmund“ als Autobiographie des Autors gesehen?

Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf dem Aspekt der verschiedenen Frauenfiguren in der Lektüre. Die Informationen, die wir über die einzelnen Frauen erhalten, werden dargeboten und Interpretationsversuche werden vorgenommen: Welche Bedeutung hat die jeweilige Frau und in welchem Verhältnis stehen die Frauen zueinander? Diese Fragen sollen in der schriftlichen Ausarbeitung beantwortet werden.

2.Biographie des Autors

Hermann Hesse wurde am 2. Juli 1877 in der Stadt Calw an der Nagold in Baden - Württemberg als Sohn von Johannes und Marie Hesse, verwitwete Isenberg, geborene Gundert, geboren. Schon früh musste die Familie Schicksalsschläge ertragen, da die Geschwister Paul und Gertrud bereits im Säuglingsalter starben. Hesse blieben die ältere Schwester Adele, sowie die jüngeren Geschwister Marulla und Johannes (vgl. Freedman).

Im Alter von vier Jahren siedelt die Familie nach Basel in die Schweiz über und verbringt dort die Jahre 1881 bis 1886.Johannes Hesse wurde als Herausgeber des Missionsmagazins in die Stadt gerufen, um dort bei der „Evangelischen Missionsgesellschaft Basel“, auch „Basler Mission“, deutsche Sprache und Literatur zu unterrichten.

Da die Eltern schon sehr früh, bereits in den ersten Lebensjahren Hesses, der Ansicht waren ihren Sohn Hermann nicht selbst erziehen zu können, schickten sie ihn auf die „Kinderschule der Mission“ (Freedman 1991: 43). Der Zustand und das Benehmen ihres Sohnes besserten sich hierdurch teilweise.

1886 kehrte die Familie Hesse aufgrund von familiären Sorgen durch den Tod von Hermann Hesses Großmutter Julie Gundert, sowie aufgrund von üblichen kleineren Eruptionen und Krisen nach Calw zurück (vgl. Freedman).

1890 fasste der damals fast dreizehnjährige Hermann Hesse bereits den Entschluss „Dichter oder gar nichts“ (Freedman 1991: 56) werden zu wollen. Noch im gleichen Jahr wurde er, vier Jahre nach der Rückkehr aus Basel, erneut von den Eltern, bzw. von zu Hause weggeschickt: Er besuchte die Lateinschule in Göppingen um sich auf das so genannte „Landexamen“ im Folgejahr vorzubereiten, damit eine kostenlose Ausbildung garantiert war, die der württembergische Staat damals zur Verfügung stellte. Wollte Hermann dem Werdegang des Großvaters folgen und in das theologische Seminar Maulbronn eintreten, was für die Familie bereits entschieden war, stellte das Bestehen des Examens eine Voraussetzung dar (Freedman 1991: 56, ff.).

Nach bestandenem Examen tritt Hermann Hesse 1891 schließlich in das protestantische Theologieseminar in Maulbronn ein. Doch Hesses Laufbahn verläuft nicht wie von der Familie geplant, bzw. erwartet: Im Alter von 14 Jahren flieht Hesse aus dem Kloster Maulbronn. Gründe für die Flucht hält Hesse in seinen Schriften wie etwa „ Unterm Rad fest (Freedman 1991: 60).

Nachdem Hesse sich bei einem Aufenthalt in Cannstatt unsterblich in Eugenie Kolb verliebt und aufgrund von erfolglosem Werben um ihre Liebe einen Revolver kauft um sich das Leben zu nehmen, verlangt Christoph Blumhardt, ein protestantischer Geistlicher und Sohn eines berühmten „Teufelsaustreibers“ (Freedmann 1991: 64), der sich auf Wunsch von Vater und Großvater Hesses dem jungen Hesse annahm um dessen Depression zu durchbrechen, die Einweisung Hermann Hesses in eine Irrenanstalt. Der Plan missglückte, doch beschloss man Hermann in die „Heil- und Pflegeanstalt Stetten im Remstal“ zu bringen (Freedman 1991: 65). Nach einiger Zeit nimmt Hesse erneut Kontakt zu Eugenie Kolb auf und nimmt ihr Freundschaftsangebot an, was ein Grund dafür ist, dass Hesse beschließt nach seiner Genesung das Gymnasium in Cannstatt zu besuchen (Freedman 1991: 66). Nach der Heimkehr und erneutem kurzen Aufenthalt in der Heil- und Pflegeanstalt absolviert Hermann Hesse im Jahr 1893 das „Einjährig-Freiwilligen-Examen“ im Gymnasium in Cannstatt (www.hermann-hesse.com/html/deutsch/biographie.html).

Hermann Hesse absolviert eine Ausbildung in der Turmuhrenfabrik „Perrot‘ in Calw, auch dies wird im Roman „Unterm Rad eindringlich dargestellt.

Weder Hesses „Versagen“ in mehreren Schulen, noch die Lehrlingszeit konnten den Wunsch lösen Dichter zu werden (Field 1979: 8-9).1895 beginnt Hesse eine dreijährige Lehre in der Buchhandlung „Heckenhauer‘ in Tübingen (Field 1979: 9). Im Jahre 1898 avanciert er zum Buchhandlungsgehilfen, sein Interesse gilt vor allem den Schriftstellern der Romantik, wie „Eichendorff“, „Schleiermacher“ oder „Brentano“. (Field 1979: 9).

1899 erschien Hesses erste Gedichtsammlung, die er auf eigene Kosten herausgab, sie trug den Titel „Romantische Lieder“. Zwar wurden nur wenige Exemplare verkauft, doch veröffentlichte der „Diederichs Verlag“ noch im gleichen Jahr „Eine Stunde hinter Mitternacht“, eine Sammlung von neun kurzen lyrischen Prosastücken, da Helene Voigt-Diederichs sich stark von Hesses Gedichten angezogen fühlte und sich zwischen ihr und Hermann Hesse eine Korrespondenz entwickelte (vgl. Field).

Im Jahr 1900 beginnt Hermann Hesse mit 23 Jahren für die „Allgemeine Schweizer Zeitung“ Artikel und Rezessionen zu verfassen, wodurch er einen gewissen lokalen Ruf erlangte, der ihn im gesellschaftlichen Leben sehr unterstützte (vgl. www.hermann-hesse.com/html/deutsch/biographie.html).

Mit der Erzählung „Camenzind‘ beginnt eine bürgerliche Epoche in Hesses Leben. Hesse selbst sagte, er lebte zu dieser Zeit im Versuch, ein natürliches, fleißiges, der Erde nahes Leben zu führen“ (Ball 1977: 91).Er heiratet im Sommer 1904 die neun Jahre ältere Maria Bernoulli. Anzumerken ist an dieser Stelle, dass Maria Bernoulli in Statur, Temperament und leidenschaftlicher Neigung zur Musik der Mutter Hesses sehr ähnelt, die drei Jahre vor der Heirat verstarb. Gemeinsam mit seiner Frau zieht er in das Dorf namens „Gaienhofen“ am Bodensee (Ball 1977: 91). Im selben Jahr beginnt Hesse die Niederschrift von „Unterm Rad in Calw. Die Erzählung erschien drei Jahre danach. Sein erster Roman ist somit „Peter Camenzind“, der 1904 erscheint und einen „gewaltigen Erfolg“ (Field 1979: 11) erzielt.

In Gaienhofen arbeitet Hesse als Schriftsteller und Mitarbeiter zahlreicher Zeitungen wie beispielsweise der „Münchner Zeitung“.

Im Jahr 1905 wird Hermann Hesses erster Sohn Bruno, im Jahr 1909 sein zweiter Sohn Heiner, geboren. Sein dritter Sohn Martin wird 1911 entbunden (www.hermann-hesse.com/html/deutsch/biographie.html).

Im gleichen Jahr unternimmt Hermann Hesse mit seinem Freund, dem Maler Hans Sturzenegger, eine Indienreise. Hesse selbst ist sich nicht darüber im Klaren, warum er diese Reise antritt (vgl. Ball). Nach der Rückkehr aus Indien verlässt Hermann Hesse Deutschland für immer und zieht mit seiner Familie nach Bern in die Schweiz in das Haus des verstorbenen Malers Albert Welti (vgl. Ball 1977: 108). Zwei Jahre nach dem Umzug, 1914, erscheint sein Roman „Roßhalde“.

Als im Jahre 1914 der erste Weltkrieg ausbricht lebt der Dichter Hermann Hesse „in einer todesseeligen Trunkenheit; in Widerspruchsgefühlen, die nicht mehr zu unterscheiden sind; zerfleischt von einem dunklen Traumleid, dem er nachhängt, und zugleich von den Dissonanzen seines familiären Lebens“ (Ball 1977: 110). Hesse meldet sich freiwillig zu Kriegsbeginn, wird aber als dienstuntauglich zurückgestellt und im Jahre 1915 der deutschen Gesandtschaft in Bern zugeteilt. Im gleichen Jahr erscheinen drei Werke

Hesses: „Knulp“, „Musik des Einsamen“, sowie „Schön ist die Jugend“ (www.hermann-hesse.com/html/deutsch/biographie.html). Das Folgejahr hingegen ist von vielen Schicksalsschlägen geprägt. 1916 stirbt der Vater, Johannes Hesse, Hermann Hesses Frau Maria erkrankt an Schizophrenie. Des Weiteren erkrankt auch sein Sohn Martin. Hesse hält dem Ganzen nicht stand und erleidet einen Nervenzusammenbruch (www.hermann- hesse.com/html/deutsch/biographie.html). Somit bekommt Hesse erstmals psychotherapeutische Betreuung durch J.B. Lang, den Schüler des Tiefenpsychologen Carl Gustav Jung (http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Gustav_Jung).

Sein Werk „Demian“, das im er im Jahre 1917 schreibt und das 1919 erscheint, steht unter dem Einfluss von Lang und Jung. In „Demian“ verarbeitet der Künstler seine Haltung und Gefühle zum Krieg: „Das Werk zeugt für seine leidenschaftliche Sorge um den Frieden“ (Field 1979: 22).

Zwei Jahre später kommt es zur Auflösung des Haushalts in Bern: Hesse trennt sich von seiner Frau Maria, die zurzeit in einer Heilanstalt untergebracht ist. Die Kinder werden bei Freunden untergebracht. Hesse selbst siedelt nach Montagnola/Tessin in die Cassa Camuzzi über (vgl. www.hermann- hesse.com/html/deutsch/biographie.html). Drei Jahre nachdem Hesses Laufbahn als Maler begann, erscheinen „Gedichte des Malers“, sowie die drei Novellen unter dem Titel „Klingsors letzter Sommer‘ (www.hermann- hesse.com/html/deutsch/biographie.html). Das bedeutendste Werk jedoch, das in diesen Jahren entstand war „Siddhartha“ (1921). Jedoch wurde das Buch erst 1922 vollendet und veröffentlicht, da Hesse Schwierigkeiten hatte, „einen passenden Abschluss zu finden“ (Field 1979: 33). Bereits ein Jahr später folgt die Scheidung von seiner Frau Maria Bernoulli. 1924 kehrt er in die Schweiz zurück und wird wieder Schweizer Staatsbürger, er heiratet Ruth Wenger (vgl. www.hermann-hesse.com/html/deutsch/biographie.html). „Kurgast‘ erscheint im Folgejahr.

An seinem 50. Geburtstag erscheinen seine Stücke „Die Nürnberger Reise“, sowie „Der Steppenwolf gleichzeitig. Obwohl gerade dieses Werk Hesses sehr widersprüchlich beurteilt wurde, nämlich auf der einen Seite mit begeisterter Zustimmung, auf der anderen Seite scharfe Ablehnung, war „Der Steppenwolf“ das Stück, dass die neue große „Hesse-Rezeption“ der 1960er und 1970er in Deutschland und Amerika auslöste (www.wikipedia.de/wiki/Der_Steppenwolf). Seine Frau Ruth fordert die Scheidung der erst drei Jahre alten Ehe (vgl. www.hermann-hesse.com/html/deutsch/biographie.html).

Schon kurze Zeit später, im Jahre 1930, erscheint Hesses nächster Roman, „Narziß und Goldmund‘, der als erster Roman in Hesses dritter Lebensphase betrachtet werden kann (Freedman 1991: 429). Ganz anders als bei seinem letzten Werk war die Leserschaft hier nicht gespalten: „Kollegen, die ein Vorausexemplar erhalten hatten, waren beeindruckt und lobten das Buch seiner Vielschichtigkeit und Komposition wegen als ein Beispiel für den neuen experimentellen Stil“ (Freedmann 1991: 395-396).

1931 zieht Hesse in ein ihm auf Lebzeiten zur Verfügung gestelltes Haus. Er geht seine dritte Ehe ein, er heiratet die Kunsthistorikerin Ninon Dolbin (www.hermann-hesse.com/html/deutsch/biographie.html).

In den Jahren 1932 bis 1943 entsteht „Das Glasperlenspiet‘. Auffällig ist, dass der Schaffensprozess ganze elf Jahre umfasst. Gründe dafür sind zum einen das Altern des Autors, zum anderen jedoch die politischen Umstände der Zeit: „Denn die Entstehungsjahre des Glasperlenspiels waren zugleich die Jahre des aufsteigenden Nazi-Regimes in Deutschland bis hin zu dessen Apotheose im Zweiten Weltkrieg“ (Freedman 1991: 431). Während der Entstehung des „Glasperlenspiels“ wird Hesse im Jahr 1934 Mitglied des schweizerischen Schriftstellervereins. Somit wird ihm eine bessere Abschirmung von der nationalsozialistischen Kulturpolitik gewährleistet.

Im Jahre 1935 bekommt der Fischer Verlag den Nationalsozialismus zu spüren: Die Eigentümerfamilie um Gottfried Bermann-Fischer muss fliehen und gründet deshalb Ableger ihres Verlages, wie beispielsweise in Wien. Der in Berlin verbleibende Verlagsteil, der unter gleichem Namen weiterhin bestehen bleibt, wird von Peter Suhrkamp geleitet. Die NS-Behörden erlauben dem Emigrationsverlag jedoch nicht die Verlagsrechte am Werk Hermann Hesses mit ins Ausland zu nehmen (http://www.hermann- hesse.com/html/deutsch/biographie.html). Trotzdem lässt Hesse seine Dichtung „Stunden im Garten“ im Exil-Verlag in Wien erscheinen. Zwei Jahre später erscheinen „Gedenkblätter“ und „Neue Gedichte“ im Fischer-Verlag in Berlin.

Hesses Werke werden in den Jahren zwischen 1939 und 1945 in Deutschland als unerwünscht erklärt: Die Werke „Unterm Rad“, „Der Steppenwolf“, sowie „Narziß und Goldmund“ und „Eine Bibliothek der Weltliteratur“ dürfen nicht mehr nachgedruckt werden (http://www.hermann-

hesse.com/html/deutsch/biographie.html). Im Jahre 1942 wird dem Fischer­Verlag die Druckerlaubnis für das Glasperlenspiel verweigert: „Hesses Hoffnung, als Schweizer Staatsbürger dem Sturm entgehen zu können, seine Leser im stillen Widerstand zu stützen und seinen eigenen Wertvorstellungen treu zu bleiben, solange er sich von allen öffentlichen Deklarationen zurückhielt“ (Freedman 1991: 447-448) starb. Ein Jahr später findet sich jedoch ein Verlag, „Fretz & Wasmuth“ in Zürich, der sein „Glasperlenspiel“ veröffentlicht.

Von weiteren Eingriffen des Nazi-Regimes bleibt Hermann Hesse und sein Umfeld nicht verschont: 1944 wird Peter Suhrkamp, Hesses Verleger, von der Gestapo verhaftet.

1946 nach der Zeit des Nationalsozialismus werden Hesses Werke wieder in Deutschland gedruckt. Noch im gleichen Jahr wird Hesse mit zwei bedeutenden Preisen ausgezeichnet: dem „Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main“, sowie dem „Nobel-Preis“ (vgl. http://www.hermann- hesse.com/html/deutsch/biographie.html).

In den letzten 16 Jahren seines Lebens veröffentlicht Hermann Hesse weitere Werke. Dazu gehören „Piktors Verwandlung“ und „Späte Prosa und Briefe“. Außerdem erhält Hesse 1955 den „Friedenspreis des Deutschen Buchhandels“. Am 9. August 1962 stirbt Hermann Hesse in Montagnola, Tessin (vgl. http://www.hermann-hesse.com/html/deutsch/biographie.html). Noch an seinem letzten Abend schrieb er die dritte Fassung des Gedichts über das „Knarren eines geknickten Astes“, zu Ende. Die Verse enden mit einem „poetischen Hinweis“ und dem Wunsch weiterzuleben, so wie der geknickte Ast „noch einen Sommer, noch einen Winter lang“ hätte halten sollen (Freedman 1991: 504).

3. Der Inhalt von „Narziß und Goldmund“

Den Inhalt von „Narziß und Goldmund“ zu beschreiben ist keine leichte Aufgabe, denn im Gegensatz zu vielen anderen Werken beleuchtet die Erzählung zahlreiche Aspekte, die im Gegensatz zu einander stehen. Daher kann Hesses Werk auch als „Werk der Polarität“ (vgl. Nettersheim) bezeichnet werden. Nach einer Darstellung des Gesamtinhaltes werden im folgenden Teil die Aspekte der Dipolarität im Werk aufgezeigt und beleuchtet.

Im Mittelpunkt des Romans steht der junge Klosterschüler Goldmund, der mutterlos aufwächst und eines Tages von seinem Vater in das Kloster „Mariabronn“ gebracht wird. Dort trifft er auf den nur wenige Jahre älteren Lehrgehilfen Narziß. Zwischen Narziß und Goldmund entwickelt sich eine Art Freundschaft, die aufgrund der äußeren Umstände, die Rolle als Klosterschüler auf der einen, die Rolle als Lehrgehilfe auf der anderen Seite, von vielen Bewohnern des Kloster misstrauisch beobachtet und nicht gerne gesehen wird: „Eine wunderschöne Freundschaft war es, welche zwischen Narziß und Goldmund begann; wenigen nur gefiel sie, und manchmal konnte es so scheinen, als missfiele sie den beiden selbst“(Hesse 2003: 34).

Zu Beginn seines Klosteraufenthalts ist Goldmund noch der festen Überzeugung seine Bestimmung im Kloster gefunden zu haben: „Denn Goldmund war gesonnen, nicht nur die Klosterschule zu absolvieren, sondern womöglich ganz und für immer im Kloster zu bleiben und sein Leben Gott zu weihen; so war es sein Wille, so war es seines Vaters Wunsch und Gebot, und so war es wohl von Gott selbst bestimmt und gefordert“ (vgl. Hesse). Diese Auffassung Goldmunds ändert sich und die Geschichte erfährt einen Wendepunkt, als Goldmund eines Nachts mit anderen Klosterschülern „ins Dorf geht“ (vgl. Hesse), um eine Bauernmagd und ein weiteres Mädchen, deren Name nicht genannt wird, zu besuchen. Obwohl Goldmund weiss, dass nächtliche Ausflüge dieser Art verboten sind und er eigentlich nicht daran teilnehmen möchte, schließt er sich seinen Mitschülern an, um sich nicht schämen zu müssen: „Am liebsten hätte er nein gesagt, wäre zurückgelaufen und zu Bett gegangen. Er war so müde und fühlte sich so elend, den ganzen Nachmittag hatte ihm der Kopf weh getan. Aber er schämte sich ein wenig vor

Adolf“ (Hesse 2003: 27). Es kommt zur ersten Berührung zwischen Goldmund und einer Frau, bzw. einem Mädchen. Durch den „kindlichen Kuß“ (Hesse 2003: 30) den Goldmund beim Abschied aus dem Dorf erhält ändert er sich völlig, weshalb diese Szene als „Wendepunktmoment“ für das Wesen und Verhalten des Klosterschülers verstanden werden kann. Obwohl er sich innerlich gegen Gefühle und Gedanken die in ihm durch den Kuss geweckt werden wehrt („ ,Niemals mehr!’ sagte befehlend sein Wille. ,Morgen wieder!’ flehte sein schluchzendes Herz“). In Goldmund vollzieht sich eine bedeutende Veränderung: Er scheint krank zu sein, Narziß umsorgt ihn. Die beiden kommen einander näher und Narziß erkennt, dass sein Freund nicht für das Klosterleben geschaffen ist und ein Geheimnis birgt: „Er sah Goldmunds Natur, die er trotz des Gegensatzes innigst verstand; denn sie war die andere, verlorene Hälfte seiner eigenen. Er sah diese Natur von einer harten Schale umpanzert, von Einbildungen, Erziehungsfehlern, Vaterworten, und ahnte längst das ganze, nicht komplizierte Geheimnis dieses jungen Lebens. Seine Aufgabe war ihm klar: dies Geheimnis seinem Träger zu enthüllen, ihn von der Schale zu befreien, ihm seine eigentliche Natur zurückzugeben“ (Hesse 2003: 36). Als Goldmund in einem Gespräch mit Narziß den vergangenen nächtlichen Ausflug ins Dorf beichtet und über die Geschehnisse dort berichtet, lüftet dieser sein Geheimnis: Etwas Verdrängtes kommt zum Vorschein: Die Sehnsucht nach der längst vergessenen Mutter Goldmunds: „...und dann die Sage von einer schon vor langer Zeit verschollenen oder umgekommenen Mutter, die nur noch ein blasser Name war“ (Hesse 2003: 46). Narziß möchte Goldmund helfen seine Mutter in seinen Erinnerungen wiederzufinden und führt mit ihm ein Gespräch, indem Goldmund sich wieder seiner Mutter erinnert („Goldmund hatte staunend zugehört, aber bei dem Wort ,Du hast deine Kindheit vergessen’ zuckte er auf wie von einem Pfeil getroffen“, Hesse 2003: 50 f.). Goldmund ist überwältigt von den Erinnerungen, die in ihm geweckt werden und von seinen Gefühlen; er erleidet einen Zusammenbruch und erkrankt erneut.

Goldmund erkennt, dass Narziß recht hatte: Ein Leben im Kloster stellt nicht seine Bestimmung dar, seine Herkunft ist eine „mütterliche“ (Hesse 2003: 51). So kommt es, dass Goldmund beschließt das Kloster zu verlassen und ziellos mit einer Frau, Lise , in die Wälder zu reiten und dort zu leben. Er trifft sie während er einen Auftrag des Paters ausführt (vgl. Hesse 2003: 79 ff.).

[...]

Details

Seiten
43
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640674510
ISBN (Buch)
9783640674664
Dateigröße
786 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v154862
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Insitut für Germanistik
Note
1,0
Schlagworte
Hermann Hesses Narziß Goldmund Berücksichtigung Aspektes Frau

Autor

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Titel: Hermann Hesses "Narziß und Goldmund" unter besonderer Berücksichtigung des Aspektes der Frau