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Das Reverse-Charge-Verfahren als Verbesserung des gegenwärtigen Umsatzsteuersystems

Seminararbeit 2009 30 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Zielsetzung
1.2 Aufbau

2. Kurzportrait des aktuellen Umsatzsteuersystems in der BRD
2.1 Charakter der Umsatzsteuer
2.2 Bedeutung & Aufkommen

3. Ursachen der Neuorientierung des gegenwärtigen Systems
3.1 Kosten einer Steuer
3.2 Umsatzsteuerhinterziehung
3.3 Karussellbetrug

4. Umsatzsteuerreform
4.1 Beschreibung des Reverse-Charge-Verfahren
4.2 Analyse des Reverse-Charge-Modells
4.3 Vorteile des Reverse-Charge-Modells
4.4 Widerlegung einiger Kritikpunkte am Reverse-Charge-Modells

5. Schlussbemerkung
5.1 Zusammenfassung
5.2 Ausblick/ Perspektiven

6. Summary

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Mehrwertsteuerausfall-Quote im Zeitablauf für Deutschland [in %]

Abbildung 2: Beispiel eines Umsatzsteuerkarussells

Abbildung 3: Reverse-Charge-Modell

Abbildung 4: Steuerzahlungen im Reverse-Charge-Verfahren (Produkt über 5.000 €)

Abbildung 5: Bagatellgrenzenbetrachtung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Kosten/Nutzen-Analyse des Reverse-Charge-Verfahrens

1. Einleitung

1.1 Zielsetzung

Der aktuelle Regierungswechsel von einer schwarz-roten Koalition zu einer schwarz­gelben Regierung aus CDU/ CSU und FDP wirft erneut die Frage eines Reformwechsels in der Steuerpolitik auf.[1] Gerade die FDP spricht sich für eine radikale Steuersenkung und Neuordnung des deutschen Steuersystems aus.[2] Dezidierte Stabilisierungsmaß­nahmen, beispielsweise durch Steuerreformen, lassen die durch die Finanzkrise gebeu­telte Wirtschaft auf ein Ende der Konjunkturschwäche bzw. der intransparenten Wirt­schaftslage hoffen.

Steuerreformen dienen aber nicht nur der Gesundung der Wirtschaft. Steuersysteme sollen vor allem gerecht und effizient sein sowie für eine Gleichmäßigkeit der Besteue­rung sorgen. Dabei müssen die Steuersubjekte ihrer wirtschaftlichen Leistung entspre­chend behandelt bzw. gefördert werden. Ein effizientes Steuersystem darf grundsätz­lich keinen Anlass zu betrügerischen Aktivitäten der einzelnen Akteure bieten. Bezogen auf alle Steuerarten beträgt das Hinterziehungsvolumen derzeit etwa 2 bis 2,5% des Bruttoinlandprodukts innerhalb der Europäischen Union (EU).[3] Gemessen am prognos­tizierten BIP 2009 aller 27 Mitgliedsstaaten entspricht das einem Betrugsvolumen von 250 Mrd. € bis 313 Mrd. €.[4]

Im Jahr 2001 wurde beispielsweise ein Steuerschaden in Höhe von 365 Mio. € durch eine kleine Personen-Gruppe angerichtet. Im Zuge der Steuerfahndung und im Ergeb­nis des entsprechenden Ermittlungsverfahrens waren von dem Schaden lediglich ca. 30% wieder einziehbar (monetärbezogen). Von der Tätergruppe konnten nur vier Per­sonen strafrechtlich verfolgt werden.[5] Daraus lässt sich schließen, dass Steuerbekämp­fung ex post wenig effizient ist. Die Bekämpfung sollte bereits am und im System selbst erfolgen.

Im Fokus dieser Arbeit soll ein Reformvorschlag aus dem Jahr 2005[6] zur Eindämmung des Mehrwertsteuerbetrugs erneut aufgegriffen, analysiert sowie die Vor- und Nach­teile herausgestellt werden. Das Reverse-Charge-Verfahren (RC-Verfahren) gilt hierbei im Ergebnis praktischer Untersuchungen als das Verfahren mit der schnellsten Amorti­sationsdauer.[7] Bereits im Einführungsjahr könnten wesentliche Volumina des Mehr­wertsteuerbetrugs eingedämmt sowie ein positiver Effekt in Deutschland von mehr als 2 Mrd. € und in den Folgejahren von jeweils 3,5 Mrd. € erzielt werden.[8] Auf EU-Ebene entspricht dies einer positiven Aufkommenswirkung von knapp 67 Mrd. €.[9]

Als Resultat des RC-Verfahrens entsteht aus einer indirekten Umsatzsteuer, eine zu­mindest teilweise direkte Steuer.[10]

Es sei darauf hingewiesen, dass auf eine Unterscheidung der Begrifflichkeiten Mehr­wertsteuer und Umsatzsteuer verzichtet wird und beide Bezeichnungen in den folgen­den Ausführungen synonym verwendet werden.[11]

Ausgehend von den vorliegenden Studien ist die Aufkommenswirkung auf den deut­schen Raum zu beschränken. Eine Hochrechnung der Ergebnisse auf den europäischen Markt lässt sich bestenfalls schätzen bzw. ableiten.

1.2 Aufbau

Zunächst wird die Umsatzsteuer innerhalb dieser Arbeit kurz skizziert sowie deren Auf­kommensbedeutung für die Bundesrepublik Deutschland und die Europäischen Union verdeutlicht. Anschließend folgt eine kurze Zusammenfassung zu de]n Kosten einer Steuer sowie den Gründen und Möglichkeiten der Umsatzsteuerhinterziehung in der Europäischen Union. Vor allem wird der Begriff des Karusselbetrugs in den Mittelpunkt gestellt, der insbesondere zur Neuorientierung in der Besteuerung von Unterneh­mensgütern anregte.

Kapitel 4 beschäftigt sich eingehend mit dem Thema Reverse-Charge-Verfahren. Es wird hinsichtlich der Kosten- und Nutzensegmente. Gleichzeitig werden die wesentli­chen Vorteile herausgearbeitet. Zudem sind die wichtigsten Kritikpunkte am Verfahren zu entkräften. Abschließend folgen eine kurze Zusammenfassung der recherchierten Ergebnisse sowie ein Ausblick.

2. Kurzportrait des aktuellen Umsatzsteuersystems in der BRD

2.1 Charakter der Umsatzsteuer

Die Umsatzsteuer zählt zu den indirekten Steuern, da Steuerschuldner und Steuer­pflichtiger zwei unterschiedliche Personen/ Rechtsträger sind. Während der Endab­nehmer die Steuer schuldet, muss der Unternehmer[12] die Steuerzahlung an das Fi­nanzamt entrichten.[13]

Die gegenwärtige Umsatzsteuer wird auch als Nettoallphasenumsatzsteuer bezeichnet, da die Besteuerung auf allen Wertschöpfungsketten erfolgt. Diese Technik impliziert den sogenannten Vorsteuerabzug, wodurch nur die Leistung (Mehrwert) besteuert wird.[14]

Bei Geschäften zwischen Unternehmern kann der Leistungsempfänger seine zu leis­tende Umsatzsteuer gegenüber dem Finanzamt mit seiner Umsatzsteuerschuld ver­rechnen (Vorsteuerabzug).[15]

Dabei wird das vom Unternehmen erwirtschaftete Kapitaleinkommen steuerfrei ge­stellt und die Mehrwertsteuer betrifft nur die sonstigen Einkommen. Dieses Prinzip wird dem Konsumtyp der Mehrwertsteuer zugeordnet. Vorteilhaft an dieser Methode ist die Erhebungstechnik. Der Unternehmer muss somit keine Unterscheidung bezüg­lich der zugekauften Kapitelgüter und sonstigen Gütern vornehmen. Sämtliche Mehr­wertsteuerzahlungen, die unternehmerisch genutzte Güter betreffen, können im Rah­men des Vorsteuerabzugs geltend gemacht werden. Weitere Arten der MwSt. sind der Wertschöpfungstyp und der Einkommenstyp, auf die in Folge der Schwerpunktsetzung dieser Arbeit nicht weiter eingegangen wird.[16]

Der Regelsatz (voller Steuersatz) für alle steuerbaren und steuerpflichtigen Umsätze beträgt in Deutschland derzeit 19%. Außerdem existiert ein ermäßigter Satz von 7% z.B. für Lebensmittel.[17]

2.2 Bedeutung & Aufkommen

Die Umsatzsteuer, gemessen am Aufkommen, ist eine der wichtigsten deutschen Steuern. Das deutsche Steueraufkommen betrug 2008 rund 130.789 Mio. € (ohne Ein­fuhrumsatzsteuer), etwa ein Drittel der gesamten Steuereinnahmen der BRD.[18]

Grundsätzlich ist die Umsatzsteuer im zwischenbetrieblichen Bereich (Business-to- Business) ein durchlaufender Posten, da sie innerhalb des Unternehmenssektors voll­ständig mittels Vorsteuerabzug überwälzt wird. Einkaufskosten werden anhand des Nettopreises in den Produktkalkulationen berücksichtigt. Im Business-to-Customer- Bereich hingegen ist der Bruttopreis entscheidend. Scheinbar kann die gesamte Steuer auf den Kunden übergewälzt werden.[19]

Der Unternehmer der letzten Handelsstufe (z.B. Einzelhandel) kann bei Erhöhung der Umsatzsteuer Gewinneinbußen erleiden, die gegebenenfalls aus reduzierten Absatz­mengen und/ oder schmälernden Deckungsbeiträgen resultieren können. Um den Ge­winnrückgang zu kompensieren, wird der Unternehmer versuchen neben der Realisa­tion von Optimierungsprozessen innerhalb der Wertschöpfungskette, eventuell eine Reduktion der Einkaufskonditionen bei seinen Lieferanten zu erzielen. In diesem Fall würde die komplette Überwälzung auf den Endverbraucher nicht statt finden. Viel­mehr entsteht eine Rückwälzung auf vorherige Handelsstufen.[20]

[...]


[1] Vgl. Kruschwitz (2009), S. 112.

[2] Vgl. Koch (2009), Internetartikel.

[3] Vgl. Europäische Kommission: Mitteilung der Kommission vom 31. Mai 2006 an den Rat, an das Europäische Parlament und an den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (2006).

[4] Laut Hochrechnung von Eurostat wird das Bruttoinlandsprodukt für 2009 auf 12.503 Mrd. € geschätzt, Vgl. Eurostat (2009a).

[5] Vgl. Dathe (2006), S. 23.

[6] Der Reformvorschlag beruht im Wesentlichen auf den Planspielergebnissen der Beratungsgesellschaft PSP Peters Schönberg GmbH (2005).

[7] Amortisationsvergleich der Verfahren Reverse-Charge, Mittler-Modell, BMF-Modell und ifo-Modell.

[8] Vgl. Probst (2008), S. 221.

[9] Vgl. Dathe (2006), S. 12: Umsatzsteuerverluste in Europa: 70 Mrd. €. Bei einer zugrundegelegten Effek­tivität des Reverse-Charge-Verfahrens von 95%, entspricht dies einem Volumen von 66,5 Mrd. € an Minderverlusten/ Mehreinnahmen auf EU-Ebene. Vgl. PSP Peters Schönberg GmbH (2005), S. 18.

[10] (In)Direkte Steuer: Steuerschuldner und Steuerträger sind (nicht)identische Personen/ Unternehmen. Teilweise direkte Steuer soll heißen, dass im B2B-Bereich im Rahmen des RC-Steuerschuldner und Steu­erträger übereinstimmen, während im B2C-Bereich der Endverbraucher die Steuer schuldet, aber das vorgeschaltete Unternehmen die Steuer an das Finanzamt entrichtet.

[11] Vgl. Schreiber (2008), S. 137 f.: Im Rahmen des Nettoallphasenprinzips wird grundsätzlich nur die Wertschöpfung mit Nettoumsatzsteuer belastet. Die Bezeichnung Mehrwertsteuer (Value-Added-Tax) findet deshalb häufig Verwendung.

[12] Unternehmer gemäß § 14 Abs. 1 BGB ist eine natürliche oder juristische Person oder eine rechtsfähige Personengesellschaft.

[13] Vgl. Homburg (2007), S. 11.

[14] Vgl. Probst (2008), S. 10 f.

[15] Vgl. Probst (2008), S. 10.

[16] Vgl. Homburg (2007), S. 125.

[17] Siehe §12 UStG.

[18] Vgl. BMF (2009a), Kassenmäßige Steuereinnahmen nach Steuerarten.

[19] Vgl. Probst (2008), S. 14.

[20] Vgl. Probst (2008), S. 15 ; Homburg (2007), S. 126.

Details

Seiten
30
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640679256
ISBN (Buch)
9783640680689
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v155061
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Betriebswirtschaftliche Prüfungs- und Steuerlehre
Note
1,7
Schlagworte
Reverse-Charge-Verfahren Verbesserung Umsatzsteuersystems

Autor

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