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Schillers früher Kampf um die Vorherrschaft im Literarischen Markt

Die Auseinandersetzung mit Stäudlin und die „Anthologie auf das Jahr 1782“

Seminararbeit 2009 17 Seiten

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis/ Gliederung

1. Einleitende Fragestellung

2. Warum ist Stäudlin, zu dieser Zeit, Schillers schärfster

Konkurrent?

3. Wie versucht Schiller den literarischen Markt in Schwaben zu erobern? (Im Umgang mit Stäudlin)
3.1. Der Auslöser der Fehde
3.2. Die erste Rezension
3.3. Weitere Rezensionen
3.4. „Anthologie auf das Jahr 1782“
- Eine etwas andere Herangehensweise
3.5. Selbstkritik

4. Auswertung

5. Literatur

1. Einleitende Fragestellung

Der am 10. November 1759 in Marbach am Necka geborene Friedrich Schiller (ab 1802 von Schiller) hat sich im Laufe seines Lebens einen Namen gemacht. Er ist auch noch heute, nach über 200 Jahren, einer der berühmtesten Autoren Deutschlands und darüber hinaus. Als unbekannter Dramenautor machte er sich mit Hilfe seiner „Räuber“ bekannt (Uraufführung Januar 1782). Bis zu seinen großen historischen Dramen in der Weimarer Klassik ist es jedoch ein langer Weg gewesen. Er versuchte sich in den 1780er Jahren zunächst durch Zeitschriften auf dem literarischen Markt zu etablieren. Das war jedoch kein Kinderspiel, da der Markt zu dieser Zeit durch viele Zeitschriften ausgestattet war.

Sein größter Konkurrent war zu dieser Zeit der am 15. Oktober in Stuttgart geborene Gotthold Friedrich Stäudlin. Nur ein Jahr älter hatte sich eben dieser schon ein Stück weiter etabliert und galt als die neue, aufsteigende Dichtergröße und verfügte daher über einen kleinen Vorsprung an „Symbolischem Kapital“1.

Es ist also ein literarisches Feld1 gegeben und zwei Konkurrenten (Schiller und Stäudlin), die hinein wollen. Ich werde mich in der folgenden Ausarbeitung der Frage stellen, wie Schiller zu Beginn der 1780er Jahre versuchte den regionalen literarischen Markt bei Schwaben zu erobern. Dabei werde ich drei von Schillers Rezensionen über Stäudlin betrachten und auch Schillers „Anthologie auf das Jahr 1782“ mit einfließen lassen.

2. Warum ist Stäudlin, zu dieser Zeit, Schillers schärfster Konkurrent?

1774 tritt Stäudlin als Dichter hervor und erhält dafür den Lorbeerkranz der Schule im Alter von 16 Jahren. Schon als Schüler veröffentlicht er in Schwans „Schreibtafel“ als auch im „Schwäbischen Magazin“.

1776 erscheint ein Gedicht auf den Tod seines Bruders Gottlieb Friedrich, welches im „Schwäbischen Magazin“ erscheint. Dieses veranlasst Schubart zu der Aussage,

Stäudlin sei das „beste dichterische Genie im Württembergischen“2

Wir sehen also, dass Stäudlin schon geraume Zeit vor Schiller hoch gelobt wurde und daher, zum Zeitpunkt der Auseinandersetzung, schon über mehr symbolisches Kapital verfügte. Mit diesem symbolischen Kapital ist Ansehen gemeint. Es sind zwei junge Dichter mit nur einem Jahr Altersunterschied. Beide wollen den literarischen Markt in Schwaben erobern und sind deshalb Konkurrenten.

Bei anderen Literaturproduzenten und für die Literatur und deren Markt wichtigen Personen war Stäudlin anerkannt.

Es steht natürlich die Frage im Raum, ob er Schiller wirklich nicht zufrieden stellen konnte oder ob er sich nicht zufrieden stellen lassen wollte. Schiller wollte den regionalen Markt erobern und wenn man sich gegen einen Konkurrenten etablieren will läst man besser nichts Gutes am Gegner.

Es ist also fest zu halten, dass Stäudlin Schillers schärfster Konkurrent war, weil Schiller, ihn nicht als guten Schriftsteller sah, Stäudlin über mehr symbolisches Kapital verfügte und somit einen Schritt weiter voraus war. Diese beiden Dichter waren die wichtigsten Literaten im schwäbischen Raum.

3. Wie versucht Schiller den Literarischen Markt in Schwaben zu erobern? (Im Umgang mit Stäudlin)

3.1. Der Auslöser der Fehde

Als Auslöser kann man den „Schwäbischen Musenalmanach auf das Jahr 1782“ betrachten. Er erschien im September 1781, wird allerdings im darauf folgenden Jahr, im März, im Wirtembergischen Repertoriom“, von Schiller rezensiert werden.

Hierauf reagiert Schiller auch mit seiner „Anthologie auf das Jahr 1782“. Wichtig ist an dieser Stelle zunächst fest zu Halten, dass mit diesem Werk die Auseinander-setzung zwischen Stäudlin und Schiller beginnt.

3.2. Die erste Rezension

Die erste Rezension, in der sich Schiller mit Stäudlin befasst, ist eine Übersetzung des Vergil. Schiller hatte zu früheren Zeiten auch schon eine Übersetzung (eine andere) des Vergil erstellt. Die „Proben einer Teutschen Aeneis nebst Lyrischen Gedichten“ erschien 1781. Schiller versucht in der Rezension ein Muster zu erstellen und überprüft dann, ob Stäudlin dem gerecht wird.

Hier hatte Schiller die Gelegenheit sich zu beweisen, da er sich auf dem Gebiet, der Übersetzungen auskannte. Er stellt Stäudlins Text so dar, dass er (Stäudlin) als schlechter Übersetzer auftritt. Schiller wirft ihm Übersetzungsfehler vor und auch den Kraftverlust der Wörter.

Auch zu erwähnen, ist dass Schiller zu diesem Zeitpunkt ein bestimmtes Verfahren hatte Kritik zu äußern, was die Rezension noch schärfer macht.

„In den Beurteilungen werden wir immer mehr die Fehler rügen als die Schönheiten preisen, […]“ 3

So beschreibt Schiller seine Vorgehensweise im Bezug auf Kritik im „Vorbericht zum Wirtembergischen Repertorium“. Dieses lange von Schiller vertretene Kritikmodell kommt auch in der Rezension der Vergilübersetzung zum tragen.

Hier erscheint wieder das oben genannte Modell von Schillers Vorgehensweise gegen Stäudlin: Wenn man seinem Konkurrenten schaden will, darf man an ihm nichts gutes lassen. Schiller scheint hier auch ins besondere bei Stäudlin so vor zu gehen, da er in späteren Rezensionen, wie zum Beispiel bei Goethe, Bürger oder Matthisson, nicht nur das Schlechte der rezensierten Texte nennt, sondern auch das Gute. Er legt es also bei Stäudlin mit Absicht darauf an, nur Schlechtes zu sagen.

Schiller geht hier so vor um sich zu etablieren. Später bei den anderen Rezensionen ist er schon eine Größe auf dem literarischen Markt.

Schiller hat mit der Rezension zwei große Anliegen. Zum einen will er natürlich das literarische Feld in Schwaben erobern und zum anderen interessiert er sich für die Übersetzungen aus dem Lateinischen.

Er ist von der Wichtigkeit der Zielsprache überzeugt und legt Wert auf das Zusammenspiel von Syntax und Semantik, da sonst die Übersetzung zu unangemessen wird. Und diese Aufgabenstellung hat Stäudlin laut Schiller eindeutig nicht bewältigt.

Schiller nimmt eine Lehrerfunktion ein um Stäudlins Werk wie bei einem Schüler zu korrigieren und herausgegriffene Passagen anders zu übersetzten.4

Schiller wirft ihm in seinem Text vor nicht gut genug übersetzt zu haben. Im Bezug auf die Zielsprache mahnt er an, dass die Kraft der Wörter durch seine schlechte Übersetzung verloren geht. Auch normale Übersetzungsfehler und falsch Verstandenes hält er ihm vor. Stäudlin beleidige das Ohr und transportiert die Schönheit/ Ästhetik des Originals nicht in die Übersetzung. Zu den enthaltenen Gedichten, sagt Schiller sie seien einfältig und schmucklos.

Festzuhalten ist, dass Schiller versucht in dieser Rezension den literarischen Markt in Schwaben mit Hilfe seiner Vorstellung von Kritik zu erobern. Er geht gegen Stäudlin vor ohne etwas Gutes über ihn zu sagen. Des Weiteren ist festzusetzen, dass Schiller seinen Vorteil des Textinteresses nutzt um den anderen schwäbischen Dichter auf einem von seinen Spezialgebieten, zu dieser Zeit, zu übertreffen.

3.3. Weitere Rezensionen

Zeitlich gesehen ist die „Anthologie auf das Jahr 1782“ die nächste indirekte Kritik gegen Stäudlin. Dieses Werk ist jedoch hinten an zu stellen, da es eigentlich keine Rezension ist.

Die Rezension des „Schwäbischen Musenalmanachs auf das Jahr 1782“ bekommt zwar einen gesonderten Gegenentwurf in Form von Schillers „Anthologie“, jedoch lässt er sich es nicht nehmen die Schrift von Stäudlin gesondert zu überprüfen.


[...]

1 Vgl. Markus, Joch. Norbert Christian, Wolf: „Feldtheorie als Provokation der Literaturwissenschaft“. In: Markus Joch u. a.. Text und Feld, Bourdieu in der literaturwissenschaftlichen Praxis. Hamburg 2005 S. 1 ff.

2 Peter- Andre Alt: Schiller, Leben- Werk- Zeit.Bd.1. München 2000 S. 215/216

3 Friedrich Schiller: Sämtliche Werke in 5 Bänden. Hrsg. von Peter. Andrè Alt u. a.Bd.5. München u. a. 2004 S. 854.

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