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Einflussfaktoren der gesundheitsbezogenen Lebensqualität von Mädchen im Alter von 10-15 Jahren

Masterarbeit 2008 111 Seiten

Gesundheit - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Danksagung

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis Abkürzungsverzeichnis

Zusammenfassung Abstract

1 Einleitung

2 Theorie und Forschungshintergrund
2.1 Konzeption der gesundheitsbezogener Lebensqualität
2.2 Historie der Lebensqualitätsforschung
2.3 Gesundheitsbezogene Lebensqualität bei Kindern und Jugendlichen
2.4 Einflussfaktoren der gesundheitsbezogenen Lebensqualität
2.4.1 soziodemografische Einflussfaktoren
2.4.2 weitere Einflussfaktoren
2.5 Forschungsfrage und Hypothesen

3 Methoden
3.1 Studiendesign
3.2 Operationalisierung
3.2.1 Der Kindl-Fragebogen
3.2.2 Operationalisierung der Einflussfaktoren
3.2.2.1 Altersgruppen
3.2.2.2 soziale Lage
3.2.2.3 Migrationshintergrund
3.2.2.4 Familiensituation
3.2.2.5 Gewichtsstatus
3.2.2.6 Ernährungsverhalten
3.2.2.7 Körperliche Aktivität
3.2.2.8 Menstruation
3.3 Datenanalyse

4 Ergebnisse
4.1 Die Untersuchungspopulation
4.2 Deskription der gesundheitsbezogenen Lebensqualität
4.3 Wirkung der Einflussfaktoren auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität

5 Diskussion der Ergebnisse
5.1 Untersuchungspopulation
5.2 Gesundheitliche Lage der 10 - bis 15- jährigen Mädchen in Berlin
5.3 Risiko- und Schutzfaktoren
5.3.1 Alter
5.3.2 soziale Lage
5.3.3 Migrationshintergrund
5.3.4 Familiensituation
5.3.5 Gewichtsstatus
5.3.6 Ernährungsverhalten
5.3.7 Körperliche Aktivität
5.3.8 Menstruation
5.4 Methodenkritik

6 Empfehlungen

Literaturverzeichnis

Anhang:
1: Bewertungsmatrix zur Beurteilung des Ernährungsmusters für die optimale Mischkost
2: Geburtsländer der befragten Mütter 3: KINDLR- Referenzwerte
4: Fragebogen für die Mädchen der BSCOC- Studie
5: Fragebogen für die Eltern der BSCOC- Studie
6: Information für die Mädchen der BSCOC- Studie
7: Information für die Eltern der BSCOC- Studie
8: Einwilligungserklärung der BSCOC- Studie

Dank

Mein Dank gilt zunächst Frau Anne-Madeleine Bau. Sie hat die BSCOC- Studie (Berlin School Children´s Cohort) entwickelt und durchgeführt. Sie hat mir die Daten anvertraut und mich inhaltlich konstruktiv und persönlich maßgeblich unterstützt. Die Arbeit hat sie von der Konzeption bis zur Fertigstellung verlässlich betreut. Bedanken möchte ich mich auch bei allen Mädchen, ihren Eltern und Schulen die an der BSCOC- Studie teilgenommen haben. Ohne sie wäre die Arbeit nicht möglich gewesen.

Bedanken möchte ich mich bei Frau Dr. Birgit Babitsch für ihre Bereitschaft, die Arbeit zu begutachten. Sie hat mich mit ihren wertvollen methodischen und inhaltlichen Tipps unterstützt.

Mein besonderer Dank gilt Frau Prof. Dr. Ulrike Maschewsky-Schneider, sie verhalf mir in den Diskussionen während des Master-Kolloquium zu wichtigen Erkenntnissen für meine Arbeit. Ich danke auch meinen Kommilitonen für ihre kompetente Unterstützung.

Danken möchte ich Frau Ernert vom Institut für Biometrie an der Charité für ihre wertvolle statistische Beratung. Bei Frau bedanke ich mich für die Hilfe bei der Literaturrecherche.

Mein herzlicher Dank gilt Andreas Cornehl für seine Unterstützung und konstruktiven Vorschläge. Bei meiner Familie und meinen Freunden möchte ich mich recht herzlich für ihre Unterstützung und ihre Geduld bedanken.

Tabellenverzeichnis

1 Berechnung sozialer Schichtindex

2 Soziodemografische Merkmale der Untersuchungspopulation unterschieden nach Altersgruppen

3 Gewichtstatus, Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Untersuchungs- population unterschieden nach Altersgruppen

4 Lebensqualitätssubskalen sortiert nach soziodemografischen Merkmalen

5 Lebensqualitätssubskalen sortiert nach weiteren Einflussfaktoren

6 gesundheitsbezogene Lebensqualität (KINDL- Gesamtwert) unterschieden nach Einflussfaktoren

7 Multiple Lineare Regression der Einflussfaktoren auf den KINDL- Gesamtwert

8 Vergleich der Studienpopulationen mit der HBSC- Studie in Berlin bezüglich der Familienkonstellation

9 Vergleich der Studienpopulationen mit KIGGS bezüglich des Gewichtstatus..

10 Vergleich der Studienpopulationen mit der HBSC- Studie bezüglich der körperlichen Aktivität

11 Vergleich der Studienpopulationen mit der HBSC- Studie bezüglich des Ernährungsmusterindexes

Abbildungsverzeichnis

1 Publikationen bei Medline zu Lebensqualität (Quality of Life)

2 Die Anzahl der untersuchten Mädchen die noch keine Menstruation haben und die der menstruierenden Mädchen nach ihrem Alter sortiert

3 Migrationsaspekt: Geburtsland der Mutter

4 KINDL- Subskalen nach Altersgruppen

5 KINDL- Subskalen nach sozialen Schichten

6 KINDL- Subskalen nach Migrationshintergrund

7 KINDL- Subskalen nach Familiensituation

8 KINDL- Subskalen nach Gewichtsstatus

9 KINDL- Subskalen nach Körperlicher Aktivität

10 KINDL- Subskalen nach Ernährungsmuster

11 KINDL- Subskalen nach Menstruation

12 gesundheitsbezogene Lebensqualität (KINDL- Gesamtwert) unterschieden nach dem Alter in Jahren

13 gesundheitsbezogene Lebensqualität (KINDL- Gesamtwert) und soziale Schicht unterschieden nach Altersgruppen

14 gesundheitsbezogene Lebensqualität (KINDL- Gesamtwert) und Migrationshintergrund unterschieden nach Altersgruppen

15 gesundheitsbezogene Lebensqualität (KINDL- Gesamtwert) und Familiensituation unterschieden nach Altersgruppen

16 gesundheitsbezogene Lebensqualität (KINDL- Gesamtwert) und Gewichtsstatus unterschieden nach Altersgruppen

17 gesundheitsbezogene Lebensqualität (KINDL- Gesamtwert) und körperliche Aktivität unterschieden nach Altersgruppen

18 gesundheitsbezogene Lebensqualität (KINDL- Gesamtwert) und Ernährungsverhalten unterschieden nach Altersgruppen

19 gesundheitsbezogene Lebensqualität (KINDL- Gesamtwert) und Menstruation unterschieden nach Altersgruppen

20 Schutz- und Risikofaktoren der gesundheitsbezogenen Lebensqualität der Mädchen im Alter zwischen 10 bis 15 Jahren in Berlin

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zusammenfassung

Hintergrund: Das Forschungsinteresse an der gesundheitsbezogenen Lebensqualität bei Kindern und Jugendlichen nimmt zu. Studien zur generischen Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen sind national nur im Rahmen des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KIGGS) und international im Rahmen der HBSC Studie (Health Behaviour in School-aged Children) und der griechischen Studie “Measuring health-related quality of life in Greek children” zu finden. Die Einflussfaktoren der Gesundheitsbezogenen Lebensqualität sind kaum erforscht, obwohl die Identifikation der Einflussfaktoren die Basis frühzeitiger Intervention bildet.

Ziel der Masterarbeit ist die Darstellung der gesundheitlichen Lage von 10- bis 15- jährigen Mädchen in Berlin (n=1824). Die Daten der Gesundheitsbezogenen Lebensqualität der Mädchen werden ausgewertet und ihre Einflussfaktoren analysiert, um Risiko- und Schutzfaktoren zu identifizieren und Interventionsbedarf aufzuzeigen. Methoden: Die Querschnittsstudie „ Entwicklung von jugendlichen Mädchen in Berlin im Alter von 10-15 Jahren“ wurde von September 2006 bis März 2007 durchgeführt. Es wurden 1842 Mädchen in den 5. -8. Klassen von 69 Grundschulen und weiterführenden Schulen in Berlin untersucht. Die Mädchen und deren Eltern (n = 1683) wurden gebeten einen standardisierten Fragebogen auszufüllen. Darüber hinaus wurde Körpergröße und Gewicht, sowie Taillen- und Hüftumfang von einer Studienschwester gemessen und nach dem Menstruationsbeginn gefragt. Zur Erfassung der generischen gesundheitsbezogenen Lebensqualität der Mädchen wurde der KINDLR-Fragebogen angewandt. Als mögliche Einflussfaktoren wurden das Alter, die Menstruation, die soziale Lage (soziale Schichtindex der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz), der Migrationshintergrund (Geburtsland der Eltern), die Familiensituation, der Gewichtsstatus (BMI-Perzentile nach Kromeyer-Hauschild), das Ernährungsverhalten (Ernährungsmusterindex nach Winkler) und das Bewegungsverhalten (Instrumente des KIGGS) erhoben. Zur Datenauswertung wurde die Studienpopulation beschrieben, deskriptive Auswertungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und ihren möglichen Einflussfaktoren vorgenommen und eine multiple lineare Regression gerechnet. p- R = revidierte Form des Fragebogens zur Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen Werte von kleiner als 0,05 wurden als statistisch signifikant gewertet. Die Datenanalyse wurde mit Hilfe des Statistikprogramms SPSS 15.0 durchgeführt. Ergebnisse: Die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Berliner Mädchen ist im Vergleich mit den Referenzwerten geringer. In der Lebensqualitätsdimension Selbstwert ist sie besonders niedrig. Eine höhere Lebensqualität haben die 10- bis 15- jährigen Berlinerinnen in den Bereichen psychisches Wohlbefinden und Familie. Einige untersuchte Einflussfaktoren wirken sich statistisch signifikant auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Mädchen aus. Die drei wichtigsten Einflussfaktoren sind die körperliche Aktivität, das Ernährungsverhalten und der Gewichtstatus. Zu den Schutzfaktoren zählen ein hohe körperliche Aktivität, optimales Ernährungsverhalten, (extremes) Untergewicht, die Zugehörigkeit zur oberen Sozialschicht, geringes Alter und bei den leiblichen Elternteilen zu wohnen. Risikofaktoren der gesundheitsbezogenen Lebensqualität sind geringe körperliche Aktivität, ungünstiges Ernährungsverhalten, Übergewicht und Adipositas, die Zugehörigkeit zur unteren Sozialschicht, zunehmendes Alter sowie bei nur einem leiblichen Elternteil und bei keinem leiblichen Elternteil zu wohnen. Der Migrationshintergrund (ohne, einseitig, beidseitig) und die Menstruation haben keinen statistisch signifikanten Einfluss auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität.

Schlussfolgerung: Die Hauptrisikofaktoren der gesundheitsbezogenen Lebensqualität sind reparabel. Um ihnen entgegen zu wirken, sind Interventionen notwendig die sich gezielt an sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche richten. Es werden Programme gefordert die Kinder und Jugendliche befähigen sich gesund zu ernähren, sie zu mehr Bewegung anregen sowie die Zahl der übergewichtigen und adipösen Kinder und Jugendlichen senken.

Abstract

Background: Epidemiological data and publications about the general quality of life of children and teenagers are rare: nationally, there is the “Kinder- und Jugendgesundheitssurvey“ (KIGGS), and internationally, there are the HBSC study (Health Behaviour in School-aged Children) and the Greek study “Measuring healthrelated quality of life in Greek children”. The factors affecting health-related quality of life have hardly been researched, despite the fact that the identification of these factors is the basis for early intervention.

The aim of this study was to chart the health status of girls in the age-range of 10 to 15 years in Berlin (n=1824). The data relating to the health-related quality of life of the girls were analysed to identify risk and protective factors and to show the need for intervention.

Methods: The cross-sectional study “Entwicklung von jugendlichen Mädchen in Berlin im Alter von 10-15 Jahren“ (Development of girls in Berlin in the age of 10 to 15 years) was conducted from September 2006 to March 2007. Girls (n= 1842) in grades 5 through 8 were investigated in 69 primary and secondary schools in Berlin. The girls and their parents (n = 1683) were asked to fill in a standardised questionnaire. Their height and weight, as well as their waist and hip circumference were measured by a trained nurse, and they were asked about their menarche. For the survey of the girls’ general health-related quality of life, the KINDLR-questionnaire was used. The following factors were recorded: age, menstruation, social situation (socio-economic group index of the Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz (Administration for Health, Environment and Consumer Protection of the Berlin Senate)), migrational background (birth country of the parents), family situation, weight (BMI-percentile according to Kromeyer-Hauschild), eating behaviour (nutritional behaviour index according to Winkler), and level of physical activity (KIGGS method). The data was evaluated descriptively and by (multiple) linear regression. p-Values smaller than 0.05 were considered to be statistically significant. The statistical program SPSS 15.0 was used for analysis.

R = revised form of the questionnaire to capture the data pertinent to the health-related quality of life of children and teenagers

Results: The girls’ health-related quality of life in this study is lower than the reference values. The value for self esteem is especially low. The 10-to 15-year old girls from Berlin reach higher values in psychological well-being and family. Some of the researched factors influence the health-related quality of life of girls statistically significantly. The three most important influence factors are physical activity, eating behaviour and the weight status. The protective factors include regular physical activity, optimal eating behaviour, being (extremely) underweight, belonging to a higher socio-economic group, young age and living with both biological parents. Risk factors include low physical activity, suboptimal eating behaviour, being overweight, being obese, belonging to a lower socio-economic group, older age, as well as living with either one or neither biological parent. Migrational background (neither, one or both parents) and menstruation have no statistically significant influence on the health- related quality of life.

Conclusions: The main risk factors of health-related quality of life can be addressed. To counteract these risk factors, interventions are necessary that aim directly at socially disadvantaged children and teenagers. Programmes are needed to enable children and teenagers to eat healthily, to encourage more physical activity and to lower the number of overweight and obese children and teenagers.

1 Einleitung

Die gesundheitliche Situation der Kinder und Jugendlichen in den Industrienationen hat sich in den letzten hundert Jahren grundlegend verändert (vgl. Kurth et al. 2002). Die Kindersterblichkeit ist enorm zurückgegangen. Die gravierenden Gesundheitsprobleme haben sich gewandelt. Es ist eine Verschiebung von den Infektionskrankheiten zu den chronisch-degenerativen Erkrankungen zu verzeichnen. Die chronisch-degenerativen Krankheiten sind mit erheblichen Einschränkungen im Alltag und enormen Kosten für das Gesundheitssystem verbunden.

Die gesundheitsbezogene Lebensqualität hat sich als Kriterium zur Darstellung des Gesundheitszustandes etabliert. Es beinhaltet, im Gegensatz zu den bisherigen klassisch medizinischen Kriterien, die eigene Sichtweise über körperliches Befinden, Funktionsfähigkeit, kognitive und emotionale Verfassung sowie soziale Einbindung. (vgl. Bullinger et al. 1994, Ravens-Sieberer et al. 2007)

Gesundheitsbezogene Lebensqualität und ihre Einflussfaktoren können wertvolle Daten zur Identifikation von Risiko- und Schutzfaktoren bei Mädchen liefern und Interventionsbedarf aufzeigen. Gerade bei Kindern und Jugendlichen können Gesundheitsförderung und Intervention erfolgreich zur Reduktion von Risikoverhalten und zur Prävention von chronisch-degenerativen Krankheiten eingesetzt werden. Ziel der Masterarbeit ist die Darstellung der gesundheitlichen Lage von 10-15 jährigen Mädchen in Berlin (n=1824). Die Daten der gesundheitsbezogenen Lebensqualität der Mädchen werden ausgewertet und ihre Einflussfaktoren analysiert, um Risiko- und Schutzfaktoren zu identifizieren und Interventionsbedarf aufzuzeigen. Die Ergebnisse der Masterarbeit sollen so einen Beitrag zur Public Health Forschung leisten. Der Vergleich mit dem Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KIGGS) ist eine weitere Intention.

Mit der Gesundheitsdefinition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird die vorliegende Arbeit in das Thema einsteigen. Daran schließen sich Definitionen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, die Historie und der Überblick über Studien und Literatur zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität bei Kindern und Jugendlichen an. In dem Zusammenhang wird die Frage nach den Einflussfaktoren der gesundheitsbezogenen Lebensqualität formuliert und der Stand der Forschung dargestellt. Abschließend werden Forschungshypothesen formuliert. Im dritten Kapitel werden das Design der Studie sowie die Operationalisierung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und ihren möglichen Einflussfaktoren beschrieben. Die Methoden der Datenanalyse werden im Unterkapitel 3.3 dargestellt. Das 4. Kapitel beschreibt zunächst die Untersuchungspopulation. Eine deskriptive Auswertung zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität unter Berücksichtigung der möglichen Einflussfaktoren schließt sich an. Die Wirkung der Einflussfaktoren auf die gesundheitsbezogenen Lebensqualität der Mädchen wird mit einer multiplen linearen Regression berechnet und dargestellt.

Bezug nehmend auf die Forschungsfrage, die Hypothesen und den Stand der Forschung werden die Ergebnisse im Kapitel 5 diskutiert.

Im abschließenden 6. Kapitel werden Interventionen empfohlen.

2 Theorie und Forschungshintergrund

Das Kapitel Theorie und Forschungshintergrund gliedert sich in fünf Unterkapitel. Im ersten Teil wird die gesundheitsbezogene Lebensqualität definiert. Daran schließen sich das Unterkapitel 2, welches kurz die Historie umreißt, und das Unterkapitel 3, dass die Studien und die Literatur zur generischen gesundheitsbezogenen Lebensqualität bei Kindern und Jugendlichen aufzeigt, an. In dem Zusammenhang wird die Frage nach den Einflussfaktoren der gesundheitsbezogenen Lebensqualität formuliert und der Stand der Forschung dargestellt. Den Abschluss dieses Kapitels bilden die in dem Zusammenhang gebildeten Forschungshypothesen.

2.1 Konzeption der gesundheitsbezogenen Lebensqualität

Die Definition von Gesundheit ist wichtig, um das Konzept der gesundheitsbezogenen Lebensqualität1 einzuordnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definierte bereits 1946: „Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen.“ (WHO 1948) Angelehnt an diese Gesundheitsdefinition, kann die gesundheitsbezogene Lebensqualität als „... ein multidimensionales Konstrukt, das sich auf körperliche, emotionale, mentale, soziale und verhaltensbezogene Komponenten von Wohlbefinden und Funktionsfähigkeit aus der Sicht von Patienten und /oder Beobachtern bezieht“ (Bullinger et al. 1994) definiert werden. Es existiert kein einheitliches theoretisches Modell der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (vgl. Radoschewski 2000). Dennoch besteht international Einigkeit darüber, dass die gesundheitsbezogene Lebensqualität körperliche, seelische und soziale Dimensionen des Befindens und des Handlungsvermögens umfasst.

Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wird in zwei Bereiche, die generische und die krankheitsspezifische Lebensqualität, unterteilt. Die generische Lebensqualität ist krankheitsübergreifend zur Erfassung gesunder Populationen geeignet. Die Krankheitsspezifische erfasst die Lebensqualität bei einer bestimmten Erkrankung.

2.2 Historie der Lebensqualitätsforschung

Die Lebensqualitätsforschung verlief in vier Phasen. Der Begriff „Lebensqualität“ wurde in den 60er Jahren durch Präsident Kennedy einer breiten Öffentlichkeit in den USA bekannt (vgl. Bitzer 2003). In Deutschland kam es erst in den 70er Jahren zu Theoriedebatten über die Lebensqualität (1.Phase). In der zweiten Phase der Lebensqualitätsforschung wurden Methoden entwickelt und publiziert (80er Jahre). Die Datenlage zu diesem noch jungen Wissenschaftsgebiet war zu der Zeit noch sehr gering. Ca. 250 Publikationen zur Lebensqualität bei Erwachsenen und keine Literatur zur Lebensqualität bei Kindern waren 1980 bei Medline zu finden (siehe Abb.3). In den 90er Jahren wurden Messinstrumente zur Erfassung gesundheitsbezogener Lebensqualität erforscht (3.Phase). Es wurden zahlreiche Erhebungsinstrumente entwickelt, zu den bekanntesten zählen SF 36, WHO-QOL und NHP. Die vierte Phase, die sich gegenwärtig abzeichnet, ist von einer Rückbesinnung auf theoretische Grundlagen sowie der Einbeziehung der Lebensqualitätsmessung bei Evaluation, Qualitätssicherung und Planung gekennzeichnet. (vgl. Bullinger, Siegrist, Ravens-Sieberer 2000)

2.3 Gesundheitsbezogene Lebensqualität bei Kindern und Jugendlichen

Es gibt ein zunehmendes Forschungsinteresse an der gesundheitsbezogenen Lebensqualität bei Kindern und Jugendlichen. 2005 sind schon ca. 400 Publikationen zur Lebensqualität bei Kindern in Medline zu finden (siehe Abb.1). Diese Literatur ist überwiegend krankheitsspezifisch.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Publikationen bei Medline zu Lebensqualität (quality of life) (Bullinger, Siegrist, Ravens-Sieberer 2000 )

Die generische Lebensqualität2 von Kindern und Jugendlichen in Deutschland ist nur in im Rahmen des Kinder- und Jugendgesundheitssurvey3 (KIGGS) publiziert worden. Bei dieser Studie wurden ca. 18.000 Heranwachsende (0- bis 17-Jährige) bundesweit untersucht und befragt. Die BELLA- Studie ist ein Modul des KIGGS, bei dem das Seelische Wohlbefinden und Verhalten der Kinder und Jugendlichen untersucht wurde. Selbst international ist relativ wenig zu generischer Lebensqualität und mehr zu krankheitsspezifischer Lebensqualität bei Kindern und Jugendlichen geforscht worden. Zu nennen sind hier die HBSC Studie (Health Behaviour in School-aged Children), an der 160.000 SchülerInnen im Alter zwischen 11-15 Jahren aus 41 Länder in Europa und Nordamerika teilnahmen, und die griechische Studie “Measuring health-related quality of life in Greek children”, bei der 645 Kinder im Alter von 8-12 Jahren untersucht worden sind.

Oft werden Messinstrumente und Verfahren zur Erfassung der generischen Lebensqualität für Erwachsene lediglich auf Kinder übertragen. Kinder können recht früh ihr eigenes Befinden einschätzen und haben ein Verständnis für den Begriff Gesundheit, das nicht dem komplexen Gesundheitskonzept Erwachsener entspricht (Rebok et al. 2001). Ein geeignetes Verfahren orientiert sich an Alters- und Entwicklungsstufen der Heranwachsenden. Der KINDL - Fragebogen (Fragebogen zur Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität bei Kindern und Jugendlichen), KIDSCREEN-27 und das ILK (Inventar zur Erfassung der Lebensqualität bei Kindern und Jugendlichen) sind deutschsprachige Instrumente, die diese verschiedenen Entwicklungsstufen berücksichtigen. Das ILK ist ein Erhebungsinstrument, mit dem Informationen von den Kindern, ihren Eltern und Ärzten bzw. Therapeuten (drei Parteien) erhoben werden (vgl. Mattejat et al.1998).

Der KIDSCREEN-27 wurde für Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 18 Jahren entwickelt. Der KIDSCREEN- Fragebogen umfasst 27 Items zu den fünf Dimensionen: Körperliches Wohlbefinden, Psychisches Wohlbefinden, Beziehung zu den Eltern, Soziale Unterstützung und Gleichaltrige sowie Schulisches Umfeld. Der von Bullinger und Ravens-Sieberer entwickelte KINDL- Fragebogen, erfasst die aktuelle generische Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen. Er kann auch durch ein Zusatzmodul, das die spezifischen Belastungen durch Erkrankungen erfasst, erweitert werden. Dieses Instrument liegt als Papier-Bleistift-Fragebogenform mit 24 Fragen zur Selbstbeurteilung der Lebensqualität für 8- bis 16- Jährige vor. Die sechs Dimensionen der Lebensqualität (Körperliches Wohlbefinden, Psychisches Wohlbefinden, Selbstwert, Familie, Freunde und Funktionsfähigkeit im Alltag z. B. Kita, Schule) werden jeweils durch vier Fragen erhoben. So wird z.B. das Körperliche Wohlbefinden mit dem Item „in der letzten Woche hatte ich Kopf- oder Bauchschmerzen“ abgefragt. (vgl. Ravens-Sieberer / Bullinger 1998) Weitere generische Instrumente zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität sind die Englischsprachigen:

Child Edition Health and Illness Profil (CHIP-CE),

Adolescent Edition Health and Illness Profil (CHIP-AE), Child Health Questionaire (CHQ),

Children´s Health Rating Scale (CHRS),

Child Quality of Life Questionaire (CQOL), Expol,

Generic Child Quality Life Questionaire (GCQ), Health Utilities Index (HUI),

Multidimensional Students Life Satisfaction Scale for Children (MSLSS), Pediatric Quality of Life Questionaire (PedsQL),

Quality of Life Profile - Adolescent Version und Youth Quality of Life (YQOL-S)

die französischen Instrumente:

Autoquestionnaire Qualité de Vie-Enfant-Imagé (AUQEI) und Perceived Health of Adolescents (VSP-A)

die Niederländischen:

How Are You? (HAY) und

TNO-ACL Questionnaires (TACQOL)

sowie das finnische Instrument 16 and 17D - Measure of Healt-Related Quality of Life.

2.4 Einflussfaktoren der gesundheitsbezogenen Lebensqualität

Bei der Betrachtung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen stellt sich die Frage, welche Faktoren sie beeinflussen. Im Zuge der Public Health Forschung wurden die Einflussfaktoren auf die Gesundheit im Sinne des klassisch medizinischen Gesundheitsbegriffes untersucht. Zahlreiche Forschungsergebnisse (u. a. Naidoo, Wills 2003 / Babitsch 2005 / Mielck 2000) zeigen in dem Zusammenhang, dass sich soziale Benachteiligung auf die Morbidität und Mortalität sowie auf das Gesundheitsverhalten auswirkt. Es gibt Hinweise in der Literatur (vgl. Richter 2005), dass besonders sozial benachteiligte Jugendliche von dieser gesundheitlichen Benachteiligung betroffen sind. Der Einfluss von Alter, Geschlecht und Ethnischer Zugehörigkeit auf die Morbidität, Mortalität und das Gesundheitsverhalten eines Menschen wurden mehrfach betont (vgl. Naidoo, Wills 2003 / Babitsch, Ducki, Maschewsky-Schneider 2006 / Spitzer 2005 / Geiger, Razum 2006). Weitere Determinanten für die Abwesenheit von Krankheit sind soziale Einbindung (vgl. Geyer 2001 / Naidoo, Wills 2003) und Gesundheitsförderndes Verhalten (vgl. u. a. von Troschke 2006). Wohn- und Arbeitsverhältnisse (vgl. Naidoo, Wills 2003 / Greifahn, Golka 2006), Umwelt (vgl. Fehr, Kobusch, Wichmann 2006) und Familie (vgl. Kolip, Lademann 2006) haben sich ebenfalls in der Public Health Forschung als Einflussfaktoren der Gesundheit erwiesen.

Die Einflussfaktoren der subjektiven Gesundheit (gesundheitsbezogenen Lebensqualität) sind kaum erforscht. Es werden Studien gefordert, welche die gesundheitsbezogene Lebensqualität und ihre Einflussfaktoren beschreiben und so zu einem neuen Forschungsfeld von Public Health beitragen (vgl. Ravens-Sieberer, Ellert, Erhart 2007). Bei der Literaturrecherche konnten mit den Schlagwörtern Einflussfaktoren / Determinanten / Risiko- bzw. Schutzfaktoren und gesundheitsbezogene Lebensqualität zwar bis zu 900 Publikationen gefunden werden. Allerdings handelt es sich bei diesen Treffern lediglich um Literatur der krankheitsspezifischen Lebensqualität, bei der die Einfluss- bzw. Risikofaktoren einer spezifischen Krankheit und die Lebensqualität untersucht wurden. Nur wenige Publikationen beleuchten einige Einflussfaktoren der gesundheitsbezogenen Lebensqualität bei Kindern und Jugendlichen. Sie werden im Folgenden dargestellt.

2.4.1 soziodemografische Einflussfaktoren

Bullinger et al. (1994) berichten, dass Jungen ihre körperliche Gesundheit insgesamt besser einschätzen als Mädchen. Auch Starfield und Riley (1998) zeigen auf, dass Mädchen ihre körperliche und seelische Gesundheit schlechter einschätzen als Jungen. Bei einer Erhebung, die von Bullinger, Siegrist und Ravens-Sieberer (2000) im Rahmen einer schulärztlichen Untersuchung in Hamburg durchgeführt wurde, konnte gezeigt werden, dass vor allem weibliche Jugendliche angaben, sich in der letzten Woche krank gefühlt zu haben.

Bei der Erhebung konnte darüber hinaus gezeigt werden, dass die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Kinder mit zunehmendem Alter sinkt. (vgl. Bullinger, Siegrist, Ravens-Sieberer 2000) Diesen Einfluss des Alters auf die Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen zeigte auch Bettge et al. (2008), Lang (1985) sowie Knopf, Leipziger und Merkle (2004).

Die griechische Studie (Dimitrakaki et al. 2007) und die BELLA- Studie (RavensSieberer et al 2002) sowie Studien, die den Zusammenhang zwischen sozialer Lage und gesundheitsbezogener Lebensqualität bei Erwachsenen untersuchten (Babitsch, Morfeld et al. 2007 / Morfeld 2002 / Diewald, Lüdecke 2008 / Siegrist et al. 2000), konnten zeigen, dass ein niedriger sozioökonomischer Status die gesundheitsbezogene Lebensqualität senkt. Die Ergebnisse der HBSC- Studie (Currie et al 2004) und einer Jugendstudie in Leipzig (Beckert-Zieglschmid 2004) machen deutlich, dass sich ein niedriger sozioökonomischer Status negativ auf das Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Schüler auswirkt.

Studien zum Migrationshintergrund von Erwachsenen (Eichler 2007 / Kirkcaldy et al. 2006 / Krones 2001) zeigten, dass dieser einen negativen Einfluss auf ihre gesundheitsbezogenen Lebensqualität hat. KIGGS (2008) legte dar, dass zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund sowie innerhalb der Migrantenpopulation deutliche Unterschiede in der Lebensqualität bestehen. Kinder mit Migrationshintergrund schätzen in vielen Dimensionen ihre Lebensqualität schlechter ein. Mädchen aus der Türkei gaben mit Abstand das geringste schulische Wohlbefinden an. In einigen Bereichen haben die Kinder mit Migrationshintergrund eine höhere Lebensqualität. Zum Beispiel ist das Wohlbefinden in der Familie bei Kindern aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion am höchsten. Mit dem Grad der Integration steigt die Lebensqualität. (vgl. RKI 2008)

Die BELLA- Studie konnte verdeutlichen, dass die Familiensituation einen Einfluss auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen hat. Als familiäre Risikofaktoren wurden hier elterliche Erkrankung, Vernachlässigung und Alleinerziehung identifiziert. Zu den familiären Schutzfaktoren zählen stabile elterliche Beziehungen, autoritativer Erziehungsstil und ein positives Familienklima. (vgl. Ravens-Sieberer et al. 2002)

2.4.2 weitere Einflussfaktoren

Die soziodemografischen Einflussfaktoren wirken sich auf das Ernährungs- und Bewegungsverhalten sowie auf den Gewichtsstatus aus. Der KIGGS und die HBSCStudie zeigten, dass Sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche sowie Schüler mit beidseitigem Migrationshintergrund häufiger von Übergewicht betroffen sind. Sie ernähren sich ungesünder und bewegen sich weniger. (vgl. RKI 2008 / Currie et al. 2004 / Rössel, Gerhards 2003)

KIGGS konnte belegen, dass die Lebensqualität der adipösen Kinder gegenüber Normalgewichtigen stark beeinträchtigt ist (vgl. Ravens-Sieberer 2005). Der Einfluss von Untergewicht auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität ist bisher nicht publiziert. Einige Studien zu Essstörungen (Danzl et al. 2001, Karwautz 2006) zeigen, dass Anorexia und Bulimia nervosa eine Reduktion der Lebensqualität zur Folge haben.

Studien (Abu-Omar, Rütten 2006 / Lampert et al. 2007 / Löllgen 2007) weisen auf die positive Wirkung von körperlicher Aktivität auf die Gesundheit und die gesundheitsbezogene Lebensqualität hin. Dagegen reduziert eine eingeschränkte körperliche Aktivität die gesundheitsbezogen Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen erheblich (Hebestreit et al. 1997).

Die Wirkung des Ernährungsverhalten auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurde bisher nicht untersucht. Eine weitere Forschungslücke ist der Einfluss der Menstruation auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Mädchen und jungen Frauen.

2.5 Hypothesen

Aus dem beschriebenen Stand der Forschung, lassen sich für die Forschungsfrage „Welche Faktoren beeinflussen die gesundheitsbezogene Lebensqualität der 10- bis 15 jährigen Mädchen?“ folgende Hypothesen ableiten:

- Gesundheitsbezogene Lebensqualität sinkt mit steigendem Alter der Mädchen.
- Die soziale Lage hat einen großen Einfluss auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität, schon bei Kindern wirkt der soziale Gradient. Die Lebens- qualität der Mädchen aus Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status ist niedriger im Vergleich mit der Lebensqualität der Schülerinnen aus der mittleren Sozialschicht. Die Mädchen mit hohem sozioökonomischen Status haben die höchste Lebensqualität.
- In einigen Bereichen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität haben die Schülerinnen mit beidseitigem Migrationshintergrund eine geringere Lebensqualität gegenüber denen ohne Migrationshintergrund. Der Effekt ist bei einseitigem Migrationshintergrund geringer, da die Lebensqualität mit dem Grad der Integration steigt.
- Die familiäre Situation hat einen großen Einfluss auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität. Die Mädchen, die bei beiden leiblichen Eltern wohnen, haben eine höhere Lebensqualität. Die Lebensqualität der Schülerinnen, die von einem Elternteil allein erzogen werden, ist reduziert.
- Bewegungsmangel wirkt sich negativ und regelmäßige Bewegung wirkt sich positiv auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Mädchen aus.
- Die Lebensqualität der adipösen und extrem untergewichtigen Schülerinnen ist stark beeinträchtigt.

3 Methoden

Das Kapitel der Methoden gliedert sich in drei Blöcke. Im ersten Block wird das Design der Studie erläutert. Anschließend wird im Unterkapitel 3.2 die Operationalisierung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und ihrer möglichen Einflussfaktoren beschrieben. Die Analyse der Daten wird im dritten Block dargestellt.

3.1 Studiendesign

Die vorliegende Arbeit wertet die Daten der BSCOC-Studie (Berlin School Children’s Cohort) des Instituts für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie am Centrum für Frauen, Kinder und Jugendliche mit Perinatalzentrum und Humangenetik (CC17) der Charité am Campus Virchow Klinikum aus. Die Querschnittsstudie wurde von September 2006 bis März 2007 durchgeführt.

Die Stichprobengröße von 2400 Mädchen wurde vom Institut für Biometrie und klinische Epidemiologie der Charité errechnet4. Die Studie wurde vom Datenschutzbeauftragten Berlins und der Ethikkommission der Charité genehmigt. Die Einverständniserklärung über die Teilnahme der Mädchen an der Studie wurde von den Eltern eingeholt. 40,8% (Responserate) der Mädchen durften an der Studie teilnehmen. Insgesamt wurden 1842 Mädchen in den 5.-8. Klassen von 69 Grundschulen und weiterführenden Schulen in Berlin untersucht. Die Mädchen und deren Eltern wurden gebeten, einen am Institut selbst entwickelten standardisierten Fragebogen auszufüllen. Der Fragebogen für die Mädchen (siehe Anhang 4) umfasste 12 Seiten mit 80 Fragen und der Elternfragebogen (siehe Anhang 5) enthielt 13 Fragen auf 2 Seiten. 91,3% der Eltern (n = 1683) beantworteten die Fragen. Darüber hinaus wurden Körpergröße und Gewicht, sowie Taillen- und Hüftumfang von einer Studienschwester gemessen und nach dem Menstruationsbeginn gefragt.

3.2 Operationalisierung

Für die Operationalisierung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und ihren möglichen Einflussfaktoren wurde auf erprobte Messinstrumente zurückgegriffen.

3.2.1 Der KINDL-Fragebogen

Zur Erfassung der Gesundheitsbezogenen Lebensqualität der Mädchen wurde der KINDLR-Fragebogen angewandt. Dieses von Bullinger und Ravens-Sieberer entwickelte Instrument erfasst die aktuelle generische Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen. Der Fragebogen kann auch durch ein Zusatzmodul, welches die spezifischen Belastungen durch Erkrankungen erfasst, erweitert werden. Der KINDLR- Fragebogen besteht aus 24 skalierten Items. Die sechs Dimensionen (Körperliches Wohlbefinden, Psychisches Wohlbefinden, Selbstwert, Familie, Freunde und Funktionsfähigkeit im Alltag z. B. Kita, Schule) werden jeweils durch vier Fragen erhoben. So wird z.B. das Körperliche Wohlbefinden mit dem Item „in der letzten Woche hatte ich Kopf- oder Bauchschmerzen“ abgefragt. „In der letzten Woche mochte ich mich selbst leiden“ ist eine der vier Items zum Selbstwert des befragten Kindes.

Dieses Erfassungsinstrument der gesundheitsbezogenen Lebensqualität orientiert sich an den Alters- und Entwicklungsstufen der Kinder und Jugendlichen und liegt in drei Formen für unterschiedliche Altersgruppen vor. In der Studie wurde der KIDKINDLR- Fragebogen für 8-12jährige Mädchen verwendet.

Die Subskalen der sechs Dimensionen wurden zu einer Total-Score zusammengefasst. Um die einzelnen Skalen anschaulicher und vergleichbarer zu machen, wurden die Skalenrohwerte der sechs Subskalen und die Totalskala anschließend auf einen Wertebereich von 0 bis 100 linear umgewandelt. Für die Datenanalyse wurden diese verhältnisskalierten Variablen (z.B. Total100) verwendet. Höhere Werte geben eine bessere Lebensqualität an. Das Antwortformat ist fünffach gestuft in: nie, selten, manchmal, oft, immer.

R = revidierte Form des Fragebogens zur Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen

3.2.2 Operationalisierung der Einflussfaktoren

Zur Beantwortung der Forschungshypothesen wurde aus den Daten der BSCOCStudie das Alter, die soziale Lage, der Migrationshintergrund, die Familiensituation, der Gewichtsstatus, das Ernährungs- und Bewegungsverhalten sowie die Menstruation als zu untersuchende Einflussfaktoren auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Mädchen ausgewählt und definiert.

3.2.2.1 Altersgruppen

Ausgehend von der Forschungshypothese, dass die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Mädchen vor ihrer Pubertät höher ist als während der Pubertät, wurde die Stichprobe in zwei Altersgruppen unterteilt. Die Pubertät beginnt bei den Mädchen mit der Menarche (vgl. Zimbardo 1995). In Deutschland liegt das Durchschnittsalter für die Menarche bei ca. 13 Jahren (vgl. Kahl et al. 2007). Auch bei der Studienpopulation (Abb.2) haben 76,5% der 12jährigen Mädchen noch keine Menstruation.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Die Anzahl der untersuchten M ä dchen die noch keine Menstruation haben und die der menstruierenden M ä dchen nach ihrem Alter sortiert

[...]


1 Die Begriffe gesundheitsbezogene Lebensqualität, Lebensqualität und subjektive Gesundheit werden in der Literatur synonym verwandt.

2 Aufgrund der besseren Lesbarkeit werden in der vorliegenden Arbeit die Begriffe Lebensqualität und gesundheitsbezogene Lebensqualität synonym für die generische gesundheitsbezogene Lebensqualität verwendet.

3 Finanziert von dem Bundesministerium für Gesundheit sowie dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und durchgeführt von dem Robert-Koch-Institut.

4 auf Grund der folgenden Annahmen:
a) einem relevanten Effekt, standardisierte Differenz (Mittelwert ÷ Standardabweichung) = 0,25
b) Anzahl der primären Tests = 3
c) Ebene von Bedeutung für jeden Test 0,05 ÷ 3 = 0,017, zwei-seitig
d) einer Power von 0,8
e) ungleiche Gruppegrößen, Ratio = 0,176
f) einer angenommen Drop-out-Rate von 5%

Details

Seiten
111
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640711369
ISBN (Buch)
9783640711604
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v155978
Institution / Hochschule
Charité - Universitätsmedizin Berlin – Berlin School of Public Health
Note
2,0
Schlagworte
Gesundheitsbezogene Lebensqualität Soziale Lage Migrationshintergrund Familiensituation Gewichtsstatus Ernährungsverhalten Körperliche Aktivität Querschittsstudie Berlin Mädchen im Alter von 10-15 Jahren Risiko- und Schutzfaktoren

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Titel: Einflussfaktoren der gesundheitsbezogenen Lebensqualität von Mädchen im Alter von 10-15 Jahren