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Die wirtschaftlichen Folgen von Steuerhinterziehung

Beeinflusst Steuerhinterziehung die Wohlfahrt eines Staates?

Seminararbeit 2009 24 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Steuerhinterziehung
2.1. Definition von Steuerhinterziehung
2.2. Allingham-Sandmo-Grundmodell
2.2.1. Zahlenbeispiel
2.3. Folgen der Steuerhinterziehung
2.3.1. Kosten
2.3.2. Nutzen

3. Wohlfahrt eines Staates
3.1. Definition von Wohlfahrt
3.2. Wohlfahrtskriterien
3.3. Einflussmöglichkeiten der Steuerhinterziehung

4. Darstellung der Effekte von Steuerhinterziehung anhand von Praxisbeispielen
4.1. Russland
4.2. Pakistan

5. Schluss

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

2.1. Innere Lösung im Allingham-Sandmo-Grundmodell

3.1. Pareto-Optimum

3.2. Kaldor-Hicks-Kriterium

4.1. Zusammenhang Steuerhinterziehung und Budget-Defizit in Pakistan

1. Einleitung

Bei der kontinuierlichen Lektüre der in Deutschland herausgegebenen Zeitungen und wirtschaftlich geprägten Zeitschriften stößt der aufmerksame Leser nahezu täglich auf Meldungen bezüglich Steuerhinterziehung, Steuerumgehung oder Steuerflucht und wie man diese bestmöglich und effizient verhindern könne. Exemplarisch lassen sich dafür die einschlägigen Meldungen über die Vergehen des ehemaligen Post-Chefs Klaus Zumwinkel[1] und die darauf bezogenen Kommentare anführen, wie Kurt - Beck: “Asoziales Verhalten von oben“ - . Der damalige SPD-Chef konkretisierte seine Aussagen und geißelt „Steuerflucht als moderne Form des Raubrittertums“.[2] Der SPD-Generalsekretär Hubertus Heil schloss sich seinem Genossen an und „warnte gleich vor einer Gruppe “neuer Asozialer“, die sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichere“[3]. Letztlich ließ sich dem Wortlaut ein sehr ähnlicher Kommentar vom renommierten Schriftsteller und Nobelpreisträger Günter Grass finden, der die Steuerbetrüger als „neue Asoziale“[4] betitelte und offensichtlich einer Meinung mit den Spitzenpolitikern der SPD war.

Diese beleidigenden Kommentare sind zwar populistischer Natur und besonders von der persönlichen Meinung geprägt, sorgten aber dennoch, oder vielleicht genau aus diesem Grund, für zahlreiche Diskussionen und zeigen somit auf, dass das Thema Steuerhinterziehung, egal in welcher Form, Interesse in der Masse der Bevölkerung erzeugt.

Die Wirtschaftszeitschrift Manager Magazin griff dieses Thema ebenfalls auf und widmete die Titelseite der Ausgabe 01/09 der Steuerhinterziehung mit der Überschrift „Ich habe Steuern hinterzogen“ – Protokoll einer Selbstanzeige. In dem dazugehörigen Artikel wird der „Leidensweg“ eines anonymen Steuerhinterziehers, der sich letztlich zur Selbstanklage entscheidet, dargestellt (Theobald, 2009, S. 126-133).

In nahezu allen Debatten und insbesondere den Artikeln der Tageszeitungen wird das Thema „Steuerhinterziehung“ jedoch stets nur kurz umrissen und mehr auf die dahinterstehenden Personen und Institutionen eingegangen als auf den kompletten Themenkomplex. Dieses Thema in einem solchen Umfang zu behandeln obliegt einer Tageszeitung allerdings auch nicht.

Mich persönlich interessierten bei dem Verfolgen der Nachrichten dennoch die genauen Hintergründe, der rechtliche und insbesondere der wirtschaftliche Aspekt der Steuerhinterziehung, sodass ich mich bei der Themenauswahl des finanzwissenschaftlichen Seminars „Ökonomik des Verbrechens“ bei Herrn Univ.-Prof. Dr. Beckmann ohne großes Überlegen für das Thema „Die wirtschaftlichen Folgen von Steuerhinterziehung“ entschied, welches in der vorliegenden Seminararbeit abgehandelt wird.

Insbesondere werde ich in dieser Abhandlung auf die Fragestellung eingehen

„Beeinflusst das Phänomen der Steuerhinterziehung die Wohlfahrt eines Staates?“

Um diese Problemstellung hinreichend beantworten zu können, werden im zweiten und dritten Kapitel die theoretischen Grundlagen hierzu abgehandelt: Zu Beginn wird Steuerhinterziehung definiert; sowohl im rechtlichen Sinne mit Hilfe des Steuerrechts als auch in wirtschaftlicher Betrachtung mit einem Modell. Darauffolgend werden die aus der Hinterziehung resultierenden Folgen in Form von Kosten aber auch Nutzen dargestellt.

Im Kapitel 3. – noch zu den Grundlagen gehörig – wird der Themenbereich „Wohlfahrt“ behandelt, indem dieser kurz definiert, die Kriterien dessen umrissen und die Einflussmöglichkeiten der Steuerhinterziehung auf die Wohlfahrt eines Staates dargestellt werden.

Nach der Abhandlung der theoretischen Lehrmeinung wird im Kapitel 4. überprüft, ob diese auch anhand von Praxisbeispielen in ausgesuchten Staaten wiederzufinden ist, um zu der in der Einleitung formulierten Arbeitshypothese Stellung nehmen zu können.

Abschließend wird im Kapitel 5. im Schlussteil ein Resümee gezogen und letztlich auf die die Arbeit umfassende Fragestellung und die Zielsetzung, welche im Folgenden dargestellt wird, eingegangen.

Das Ziel dieser Seminararbeit besteht darin, herauszufinden, ob Steuerhinterziehung einen Einfluss auf die Wohlfahrt eines Staates hat und wenn ja, in welchem Ausmaß. Des Weiteren gilt es herauszufinden, ob die Realität (oder auch Realwirtschaft) mit der Lehrmeinung bzw. den theoretischen Grundlagen übereinstimmt; im Speziellen, ob die Folgen von Steuerhinterziehung, welche in der Theorie existieren, auch in dieser Form in Realwirtschaften auftreten.

Hierauf lässt sich auch die Gliederung der Arbeit zurückführen, da zu Beginn die Grundlagen über Steuerhinterziehung, Wohlfahrt und die möglichen Einflussfaktoren dargestellt werden und letztlich überprüft wird, ob sich dieses in dem Ausmaße in den Wirtschaften einiger Staaten wiederfinden lässt.

2. Steuerhinterziehung

Im folgenden Kapitel wird der Begriff Steuerhinterziehung sowohl im allgemeinen als auch im rechtlichen Verständnis dargestellt. Daraufhin wird das wirtschaftliche Modell der Steuerhinterziehung behandelt und die Resultate in Form von Kosten aber auch Nutzen hieraus beschrieben.

2.1. Definition von Steuerhinterziehung

Wie oben angekündigt, wird in diesem Unterkapitel zur Abgrenzung zu anderen Begriffen die Definition des Wortes Steuerhinterziehung herausgearbeitet.

In Beckmanns Buch mit dem Titel „Steuerhinterziehung“ wird diese in der Einleitung als illegale Steuervermeidung bezeichnet, jedoch in Unterscheidung von den gesetzlich legitimen Formen der Steuerausweichung (Beckmann, 2003, S. 3).

In einem Wirtschaftslexikon wird dies rechtlich präzisiert: Dieses Vergehen stellt eine Straftat des Steuerrechts dar und besteht darin, „dass gegenüber Finanzbehörden oder gegenüber anderen Behörden über steuerlich erhebliche Tatsachen unrichtige oder unvollständige Angaben gemacht werden, die Finanzbehörden pflichtwidrig über steuerlich erhebliche Tatsachen in Unkenntnis gelassen werden oder pflichtwidrig die Verwendung von Steuerzeichen oder Steuerstemplern unterlassen werden.“ (Woll, 1998, S. 647 f.).

Dies wird im § 370 der Abgabenordnung ebenso dargestellt, allerdings dadurch erweitert, dass wer oben genanntes begeht, „und dadurch Steuern verkürzt oder für sich oder für einen anderen nicht gerechtfertigte Steuervorteile erlangt“ mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe bestraft wird.

Es sei noch definiert, was man unter Steuerverkürzung versteht, da dieses offensichtlich eine Voraussetzung für das Vergehen der Steuerhinterziehung darstellt. Im Absatz 4 des oben genannten Paragraphen steht Folgendes: „Steuern sind namentlich dann verkürzt, wenn sie nicht, nicht in voller Höhe oder nicht rechtzeitig festgesetzt werden [...]“.

Des Weiteren wird im Absatz 2 desselbigen Paragraphen konkretisiert, dass allein der Versuch strafbar sei; im Absatz 3, dass in besonders schweren Fällen Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren verhängt werden können.[5]

Mit der Festsetzung der Bestrafung der Steuerhinterziehung beschäftigt sich außerdem das StGB im Paragraphen 261.[6]

Zur Abgrenzung der Steuerhinterziehung zur leichtfertigen Steuerverkürzung, welche lediglich eine Ordnungswidrigkeit darstellt, wird § 378 Abs. 1 (AO) zitiert: „Ordnungswidrig handelt, wer als Steuerpflichtiger oder bei Wahrnehmung der Angelegenheiten eines Steuerpflichtigen eine der in § 370 Abs. 1 bezeichneten Taten leichtfertig begeht.“

Letztlich sei bzgl. des rechtlichen Aspekts hinzuzufügen, dass die Straftat der Steuerhinterziehung folgende Besonderheit aufweist: Im Absatz 1 des § 371 (AO) ist festgesetzt, dass „Wer in den Fällen des § 370 unrichtige oder unvollständige Angaben bei der Finanzbehörde berichtigt oder ergänzt oder unterlassene Angaben nachholt, wird insoweit straffrei.“[7] Dies hat für einen Steuerhinterzieher, der von der Selbstanzeige Gebrauch macht, die Folge und den Vorteil, dass er, abgesehen von den finanziellen Einbußen, keine Bestrafung zu befürchten hat; trotz der Tatsache, dass er laut deutschem Steuerrecht eine Straftat begangen hat.

Mit diesem Paragraphen und dessen Auswirkungen beschäftigt sich auch der eingangs erwähnte Artikel „Ich habe Steuern hinterzogen“ – Protokoll einer Selbstanklage (Theobald, 2009, S. 126-133).

[...]


[1] Vgl. http://www.faz.net/s/RubA5A53ED802AB47C6AFC5F33A9E1AA71F/Doc~E34D344CBC8824CBEA9EE104DB9DE49E0~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell [19.02.2009]

[2] Vgl. http://www.sueddeutsche.de/finanzen/331/301328/text [19.02.2009]

[3] Vgl. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,535562,00.html [19.02.2009]

[4] Vgl. http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/grass-betitelt-steuerbetrueger-als-neue-asoziale;1392803 [19.02.2009]

[5] Die Voraussetzungen hierzu sind im § 370 (AO) nachzulesen.

[6] Vgl. http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/stgb/gesamt.pdf [25.02.2009]

[7] Vgl. http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/ao_1977/gesamt.pdf [25.02.2009]

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