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Solvenzberichterstattung nach den neuen Vorschriften von Solvency II

Wissenschaftlicher Aufsatz 2010 60 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II. Abkürzungsverzeichnis

III. Glossar

IV. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Solvency II-Richtlinie
2.1 Paradigmenwechsel durch Solvency
2.2 Rechtssetzung von Solvency
2.3 Das 3-Säulen-Konzept von Solvency

3. Transparenz- und Offenlegungsvorschriften nach Solvency
3.1 Grundprinzipien
3.2 Berichterstattung gegenüber der Öffentlichkeit (SFCR)
3.3 Berichterstattung gegenüber der Aufsichtsbehörde (RTS)

4. Schlussbemerkung

Anhang

Literaturverzeichnis

II. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

III. Glossar

Ablauforganisation

Die Ablauforganisation ist „der räumlich-zeitliche Aspekt einer Organisation (…), (d)essen Ziel ist eine strukturierte Gestaltung der Arbeitsprozesse“[1].

Asset-Liability-Mismatch-Risiko

„Unter dem Risiko aus Asset Liability Mismatch versteht man die fehlende betragsmäßige oder zeitliche Übereinstimmung der versicherungstechnischen Verpflichtungen mit den zu deren Deckung dienenden Aktivposten“[2].

Aufbauorganisation

Unter der Aufbauorganisation versteht man „(d)as statistische System der organisatorischen Einheit eines Unternehmens (…). Die Elemente einer Organisation inkl. deren Beziehungen sollten so strukturiert werden, indem die Aufgaben auf verschiedene Organisationseinheiten verteilt werden“[3].

International Association of Insurance Supervisors (IAIS)

„Die 1994 gegründete internationale Vereinigung der Versicherungsaufsichtsbehörden (International Association of Insurance Supervisors -IAIS) repräsentiert ca. 190 Versicherungsaufsichtsbehörden (Members) aus mehr als 140 Ländern und ca. 120 Organisationen mit Beobachterstatus (Observers). Dies entspricht ca. 97% des internationalen Versicherungsmarktes bezogen auf das Prämienvolumen. (…) Die IAIS versteht sich in erster Linie als weltweiter Standardsetter im Bereich der Versicherungsaufsicht und kommt dieser Aufgabe durch die Entwicklung und Verabschiedung von fachspezifischen Principles, Standards und Guidance Papers nach. Deren Umsetzung und Einhaltung in nationales Recht können den IAIS Mitgliedern nur empfohlen werden, da IAIS Papiere keinen rechtsverbindlichen Charakter haben. Jedoch sind insbesondere Principles und Standards von erheblicher politischer Bedeutung: sie werden von internationalen Organisationen wie beispielsweise dem (I)nternationalen (W)ährungsfonds IWF als Prüfungsmaßstab zur Beurteilung der Stabilität nationaler und internationaler Finanzmärkte herangezogen.

Weitere Ziele der IAIS sind die Förderung der weltweiten Kooperation zwischen den Versicherungsaufsichtsbehörden und die Durchführung von Schulungsmaßnahmen für Mitglieder im Bereich der Aufsichtstheorie und -praxis. Von den Weiterbildungsmaßnahmen profitieren insbesondere Schwellenländer. Sie werden vorrangig in den Bereichen Kapitalanlageprüfung, Solvabilitätskontrolle, Anwendung von Stresstests und Nutzung von aktuariellen Verfahren zur Beaufsichtigung von Versicherungsunternehmen ausgebildet. Daneben umfassen die Schulungen u.a. die Bereiche Zulassung von Versicherungsunternehmen und Eingriffsbefugnisse im Krisenfall“[4].

International Accounting Standards Board (IASB)

„Das International Accounting Standards Board (IASB) ist ein unabhängiges Standardisierungs-Gremium und hat die Aufgabe, im öffentlichen Interesse einen einzigen Satz von qualitativen und verständlichen Rechnungslegungs-Standards für die Finanzberichterstattung zu entwickeln - die „International Financial Reporting Standards“ (IFRS)“[5].

Konzentrationsrisiko

„Das Konzentrationsrisiko entsteht, wenn Finanzinvestitionen mit einer geringen Anzahl an verschiedenen Vertragspartien abgeschlossen werden. Der Ausfall ei-ner dieser wenigen Parteien verursacht dann einen hohen Verlust. Durch Streuung der Finanzanlagen über eine große Zahl voneinander unabhängigen Geschäfts-partnern kann dieses Risiko minimiert werden“[6].

Kreditrisiko

„Das Risiko des finanziellen Verlustes (..), wenn ein Darlehensnehmer seinen Zahlungspflichten (Zins- und Tilgungsleistungen) gegenüber dem Kreditgeber nicht mehr nachkommen kann. (…) Zum Kreditrisiko gehören sowohl das Abwicklungsrisiko als auch das Vorleistungswagnis“[7].

Liquiditätsrisiko

„Grundsätzlich umfasst das Liquiditätsrisiko die Gefahr der Zahlungsunfähigkeit. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bzw. die einzelnen Institute differenzieren dabei die folgenden Ausgestaltungen dieses Risikos:

(D)as Liquiditätsrisiko im engeren Sinn (e)ntspricht (d)em Zahlungsunfähigkeitsrisiko, (a)lso (d)er Gefahr, dass den gegenwärtigen und zukünftigen Zahlungsverpflichtungen und -ansprüchen nicht mehr entsprochen werden kann. (D)as Liquiditätsrisiko im weiteren Sinn (e)ntspricht (z)um (e)inen (d)em (..) Refinanzierungsrisiko, (a)lso (d)er Gefahr, dass zusätzliche Refinanzierungsmittel nur zu erhöhten Marktzinsen beschafft werden können. (Z)um (a)nderen (e)ntspricht (e)s (d)em (..) Marktliquiditätsrisiko, (s)prich (d)er Gefahr, Liquidation von Vermögenswerten auf Grund unvorhersehbarer Marktgegebenheiten (n)ur zu ungünstigen Konditionen realisieren zu können“[8].

Marktrisiko

„Risiken, die sich daraus ergeben, dass sich die Zinsen und/oder Devisenkurse nicht so entwickeln, wie erwartet“[9].

Operationelles Risiko

„Gefahr von Verlusten (..), die in Folge der Unangemessenheit oder des Versagens von internen Verfahren, Menschen und Systemen oder in Folge externer Ereignisse eintreten. Diese Definition schließt Rechtsrisiken ein, beinhaltet aber nicht strategische Risiken oder Reputationsrisiken“[10].

Proportionalitätsprinzip

„Dies besagt, dass künftige Solvabilitätsanforderungen der Wesensart, dem Umfang und der Komplexität der Risiken entsprechen, die mit der Tätigkeit des Unternehmens einhergehen“[11].

Sharma Report

„Der Bericht einer Arbeitsgruppe der Konferenz europäischer Versicherungsaufsichtsbehörden (..), wurde unter dem Namen seines Vorsitzenden und Präsidenten der britischen Finanzaufsicht (FSA), Paul Sharma, als „Sharma-Report“ in einer vorläufigen Version im Oktober 2002 (Endversion vom Januar 2003) vorgelegt. Wesentliches Ziel der Arbeitsgruppe war es, die konkrete Aufsichtserfahrung der Gruppenmitglieder zu berücksichtigen. Auf diese Weise wurde sehr umfangreiches empirisches Material über aufsichtspraktisch relevante Probleme der europäischen Versicherer zusammengetragen („best practice“). Ausgangspunkt für die Risikoanalyse waren daher konkrete Fälle von in Schwierigkeiten geratenen Versicherungsunternehmen. Anschließend wurde das aufsichtsrechtlich verfügbare Instrumentarium systematisch dargestellt und kritisch analysiert. Die bedeutendste Schlussfolgerung des Berichts ist wohl, dass ein angemessenes Aufsichtssystem eine Vielzahl von Instrumenten benötigt, die eine stärkere Differenzierung der Interventionsschwellen der Aufsicht in Abhängigkeit von den finanziellen Merk-malen des Versicherers ermöglichen (z.B. frühzeitiges ursachenbezogenes Ein-greifen, umfassende Eingriffsrechte zur Krisenbewältigung bei manifestierten Schwierigkeiten)“[12].

Versicherungstechnisches Risiko

„Neben dem allgemeinen unternehmerischen Risiko besteht für ein Versicherungsunternehmen die Gefahr, dass in einem bestimmten Zeitraum der Gesamtschaden (des Gesamtbestandes / Teilbestandes) die Summe der zur Verfügung stehenden Gesamtprämien (inkl. Sicherheitsmittel) übersteigt. Das versicherungstechnische Risiko wird weiter unterteilt in das Zufalls-, Änderungs- und das Irrtumsrisiko“[13].

Wesentlichkeitsgrundsatz

„Im International Accounting Standards Board’s (IASB) ist die Wesentlichkeit von Informationen so definiert, als dass das Weglassen bzw. die fehlerhafte Darstellung einer Information bei wirtschaftlichen Entscheidungen von Nutzern, die diese Informationen als Basis ihrer Entscheidungen nehmen, beeinflussen kann. Die Wesentlichkeit hängt dabei von der Größe der Information bzw. der fehlerhaften Beurteilung ab. Demnach ist die Wesentlichkeit die Schwelle, an der entschieden wird, ob eine Information wichtig ist oder auch unbedenklich weggelassen werden kann“[14].

IV. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das 3-Säulen-Konzept von Solvency II

Abbildung 2: Informationen an die Aufsichtsbehörde

Abbildung 3: Wesentliche Änderungen im RTS

Abbildung 4: Struktur des RTS

Abbildung 5: Struktur des SFCR

Abbildung 6: Anzeigepflichten gegenüber der BaFin und Änderungserwartungen nach Solvency II

1. Einleitung

Versicherungsgesellschaften nehmen durch ihre Rolle als „Kapitalsammelbecken der Gesellschaft“ eine Schlüsselfunktion im gesamtwirtschaftlichen Prozess ein. Im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit sind sie einer Reihe von Risiken ausgesetzt. Daher ist eine Regulierung durch den Staat sinnvoll und auch erforderlich, um ihre Funktion als Risikoträger und Finanzier der Gesellschaft aufrechtzuerhalten. Der Staat greift durch Regelungen ein, um Insolvenzen der Finanzdienstleister zu vereiteln und den Verbraucher vor Verlusten zu schützen und um sein Vertrauen in das Finanzsystem aufrechtzuerhalten.

Die in diesem Zusammenhang entwickelte Solvency II-Richtlinie soll zu einheitlichen Regelungen innerhalb der EU beitragen und Versicherungsunternehmen zu einer risikobewussten Unternehmensführung veranlassen. Der Schutz der Versicherungsnehmer steht hierbei im Vordergrund, sekundär gilt das Ziel der Stabilität der Finanzmärkte.

Im zweiten Kapitel wird zunächst allgemein auf die Solvency II-Richtlinie eingegangen. Nach einer Erläuterung des durchzogenen Paradigmenwechsels folgen eine Darstellung des Rechtssetzungsverfahrens, welches die Richtlinie durchlaufen hat, bzw. noch durchlaufen wird, und schließlich die Veranschaulichung der 3-Säulen-Struktur, auf der Solvency II basiert. Schwerpunkt dieser Arbeit ist es, einen Überblick über die Solvenzberichtspflichten zu verschaffen und aufzuzeigen wie diese in die Solvency II-Richtlinie integriert sind. Daher befasst sich das gesamte dritte Kapitel mit der Berichterstattung. Nach Klärung der Grundprinzipien folgt eine schwerpunktmäßige Darstellung der Berichtspflichten gegenüber der Aufsichtsbehörde und denen gegenüber der Allgemeinheit.

Intention der Informations- und Publikationspflichten ist es, zu einer Harmonisierung auf EU-Ebene beizutragen und Konvergenz zwischen Banken und der Assekuranz zu schaffen. Durch angemessene Berichtspflichten soll die nötige Transparenz gewährleistet und eine Vergleichbarkeit zwischen den Versicherungsunternehmen ermöglicht werden.

2. Die Solvency II-Richtlinie

2.1 Paradigmenwechsel durch Solvency II

Im Zuge der Globalisierung und den damit verbundenen Veränderungen nationaler und internationaler Finanzmärkte haben sich neue und veränderte Risiken für die Finanzdienstleistungsbranche ergeben. Zunehmende Konkurrenzen zwischen Banken und Versicherungen auf denselben Märkten mit identischen oder zumindest ähnlichen Produkten verschärfen die Lage zusehends.

Die Veränderungen des Finanzsystems haben dazu geführt, dass die gegenwärtigen Vorschriften von Solvency I nicht mehr zeitgemäß sind. Mangelnde Risikosensitivität der rein quantitativen Ansätze der Eigenmittelunterlegung führen dazu, dass die individuelle Risikosituation des jeweiligen Unternehmens nicht angemessen berücksichtigt wird. Zudem mangelt es an Anreizen für die Implementierung eines angemessenen Risikomanagements (RMs).[15] Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Grundlage einer nationalen Rechnungslegung im Zusammenhang mit der zunehmenden Globalisierung nicht mehr als angemessen gelten kann und andere Aufsichtssysteme vergleichsweise fortschrittlicher sind.[16]

Die Modernisierung durch Solvency II führt zu einer adäquaten Berücksichtigung der individuellen Risikosituation eines Unternehmens sowohl hinsichtlich der regulatorischer Anforderungen als auch im Hinblick auf die aufsichtsrechtliche Prüfung. „Wesensart (nature), Umfang (scale) und Komplexität (complexity) der Risiken“[17] sind hierbei maßgeblich.[18]

Die Forderungen nach einheitlichen Solvabilitätsvorschriften zwischen den Ländern, einem risikoadäquaten Aufsichtssystem, einer risikobewussten Unternehmensführung und weitestgehend einheitlichen Regularien zwischen Banken und Versicherungen (nach dem Grundsatz „level the playing field“[19] ) werden durch Solvency II berücksichtigt und tragen zu größerer Sicherheit des Weltfinanzsystems bei.[20]

2.2 Rechtssetzung von Solvency II

Mit Solvency II wird erstmals eine Richtlinie entwickelt, die sowohl Nicht-Leben-, Leben- und Rückversicherungsunternehmen als auch Versicherungsgruppen adressiert. Die aufsichtsrechtlichen Anforderungen beinhalten die Neufassung von 13 bereits bestehender Richtlinien.[21] Die inhaltlich neugefassten Abschnitte müssen bis zum Jahr 2013 umgesetzt werden, die zusammengefügten Richtlinien werden dann aufgehoben. Für unveränderte Passagen bleiben die ursprünglichen Umsetzungsfristen jedoch bestehen.[22]

Die Rechtssetzung der Solvency II-Richtlinie erfolgt nach dem sogenannten Lamfalussy-Verfahren. Ziel des, ursprünglich für den Wertpapier-Sektor entwickelten, Verfahrens ist die beschleunigte Gesetzgebung einhergehend mit einer erhöhten Flexibilität und Möglichkeit der Adaption an Veränderungen.[23]

Der Rechtssetzungsprozess lässt sich in vier Ebenen (sogenannte „levels“) untergliedern. Auf der ersten Ebene wird das Rahmenrecht erlassen, d.h. „(g)enerelle, (p)rinzipielle und (f)undamentale“[24] Sachverhalte werden entschieden.[25] In der nächsten Ebene wird auf Grundlage des Rahmenrechts das technische Recht erlassen – i.d.R. in Form von Durchführungsverordnungen. In Ebene drei sind sogenannte „Expertenausschüsse“[26] tätig.[27] Ziel ihrer Arbeit ist die einheitliche Anwendung der gesetzten Normen, indem sie Auslegungsfragen klären und entsprechende Empfehlungen aussprechen. Im Rahmen der Ebene vier beschäftigt sich die Kommission mit der laufenden Überwachung der Einhaltung der getroffenen Rechtsvorschriften.[28]

Somit erfolgt die Festlegung bindender Normen nur auf den ersten beiden Ebenen, Ebene drei und vier beschäftigen sich mit der Umsetzung und einheitlichen Anwendung der Rechtsnormen.[29]

Der Vorteil des Verfahrens liegt darin, dass künftig auf Grund der Prinzipienbasiertheit von Solvency II eine Änderung der Rahmenrechtsakte i.d.R. nicht erforderlich sein wird. Kleine Anpassungen der Richtlinie an neue Entwicklungen in der Finanzdienstleistungsbranche könnten jedoch notwendig sein und lassen sich dadurch, dass Rat und Parlament im Rahmen der Regelungsverfahren nur mit einem Vetorecht ausgestattet sind, schnell umsetzen.[30] Somit wird die laufende Angemessenheit der geltenden aufsichtsrechtlichen Regelungen für die Versicherungswirtschaft gewährleistet.

2.3 Das 3-Säulen-Konzept von Solvency II

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das 3-Säulen-Konzept von Solvency II

Quelle: Eigene Darstellung

Wie die obere Darstellung zeigt, basiert Solvency II auf drei Säulen, diese werden im Folgenden nun kurz dargestellt.

Säule 1 regelt die quantitativen Eigenmittelanforderungen an Versicherungsunternehmen (VU) unter Berücksichtigung der versicherungstechnischen Risiken, Markt- und Kreditrisiken, Konzentrations- & Liquiditätsrisiken, operationellen Risiken sowie dem Asset Liability Mismatch Risiko.[31]

Ziel ist eine „marktnahe Bewertung, die gleichzeitig der internationalen Entwicklung der Rechnungslegungsstandards entspricht“[32] und eine „ausreichend genau Abbildung der Risikosituation des (U)nternehmens“[33] liefert.

Die Solvabilitätsvorschriften sehen vor, dass sowohl ein Mindestkapital (Mini-mum Capital Requirement (MCR)), als auch ein Zielkapital (Solvency Capital Requirement (SCR)) zu ermitteln sind.[34] Das SCR entspricht dem „Kapitalniveau, das ein Versicherungsunternehmen in die Lage versetzt, unvorhergesehene beträchtliche Verluste aufzufangen“[35]. Es lässt sich mit Hilfe eines risikobasierten EU-weiten Standardansatzes oder einem unternehmensintern entwickelten Modell berechnen. Das Standardmodell adressiert vor allem kleine und mittlere VU und soll eine Überforderung auf Grund der Berechnungskomplexität verhindern.[36] Die Verwendung von internen Modellen führt i.d.R. zu geringeren Eigenmittelforderungen – allerdings bedarf es vorab einer Genehmigung durch die zuständige Aufsichtsbehörde.[37] Positiv ist, dass bei eigenständiger Modellentwicklung ein aktives RM notwendig ist und somit neben einer risikoadäquaten Eigenmittelunterlegung auch ein wirksamer Unternehmensschutz erfolgt.[38] Das MCR „spiegelt ein Kapitalniveau wieder, das bei seiner Unterschreitung notwendiges Aufsichtshandeln auslösen würde“[39]. Die Berechnung erfolgt mit Hilfe von bilanziellen Kerngrößen.[40]

Die Säule 2 beinhaltet, in Anlehnung an den Sharma Report, die qualitativen Anforderungen des aufsichtsrechtlichen Überprüfungsverfahrens (supervisory review process (SRP)).[41] Im Bedarfsfall sieht die Richtlinie an dieser Stelle vor, dass die Aufsichtsbehörde, ergänzend zu Säule 1, zusätzliches Mindestkapital fordern kann.

„Die Ermittlung des Kapitalbedarfs soll um interne Bewertung der Risikolage und der Solvabilität (Own Risk and Solvency Assessment – ORSA) ergänzt werden“[42]. Jedes VU sollte über ein geeignetes RM-System verfügen, welches ORSA als einen wesentlichen Bestandteil beinhaltet.[43]

Die VU sind ggü. der Aufsichtsbehörde u.a. zum Nachweis eines internen Steuerungs- und Kontrollsystems (ISKS), einer adäquaten Aufbau- und Ablauforganisation, einer angemessenen Risikostrategie sowie einer internen Revision verpflichtet.[44]

Säule 3 befasst sich mit den Transparenz- und Offenlegungsvorschriften der VUs ggü. den zuständigen Aufsichtsbehörden und ggü. der Öffentlichkeit.[45] Um auf europäischer Ebene gleiche Voraussetzungen zu schaffen, ist eine enge Abstimmung mit dem International Accounting Standards Board (IASB), der International Association of Insurance Supervisors (IAIS) und dem Bankensektor erforderlich.[46] Ziel der Regelungen von Säule drei ist es, die Markttransparenz und Marktdisziplin der VU zu erhöhen.[47] Auf Einzelheiten der Berichtspflichten wird in dem nun folgenden Kapitel 3 näher eingegangen.

3. Transparenz- und Offenlegungsvorschriften nach Solvency II

3.1 Grundprinzipien

Im Rahmen der dritten Säule der Solvency II-Richtlinie werden die für VU geltenden Transparenz- und Offenlegungsgrundsätze geregelt. Der Fokus liegt auf Informationen, die für die Beaufsichtigung wichtig sind – somit sollen Transparenz und Marktdisziplin gefördert und gleichzeitig unnötige administrative Kosten reduziert werden, was vor allem dem Schutz kleinerer VU dient. Weiterhin dienen die Anforderungen der Harmonisierung der Berichterstattung ggü. den Aufsichtsbehörden, indem sie eine Vergleichbarkeit zu den geltenden Regeln des IASB herstellen. Es wird eine effiziente Beaufsichtigung von Versicherungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen gewährleistet.[48]

Grundsätzlich sollten VUs im Rahmen einer Berichtspolitik zuständige Personen und Funktionen festlegen und durch geeignete Governance-Verfahren und -Praktiken eine vollständige, konsistente und präzise Informationsübermittlung sicherstellen.[49]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Informationen an die Aufsichtsbehörde

Quelle: In Anlehnung an CEIOPS (2009), S. 16.

Wie die obere Darstellung zeigt, gibt es drei Zeitpunkte, zu denen die VU zur Berichterstattung ggü. den zuständigen Aufsichtsbehörden verpflichtet sind.

In regelmäßigen Abständen erstellen sie einen RTS und einen SFCR. Diese bestehen sowohl aus quantitativen als auch aus qualitativen Berichtsinhalten.[50]

Die quantitativen Berichtsvorlagen werden zunächst separat erfasst und sind durch die Geschäftsleitung des VU zu genehmigen. „Kerndaten“ werden im 1/4jährlichen Rhythmus innerhalb von drei bis vier Wochen nach Quartalsende zusammengetragen. Die vollständigen quantitativen Finanz- und Solvabilitätsinformationen werden im jährlichen Turnus innerhalb von drei bis vier Monaten nach Ende des Geschäftsjahres, unter Einhaltung der von CEIOPS (Committee of European Insurance and Occupational Pensions Supervisors) vorgeschlagenen Strukturvorgaben, erstellt.[51] Sie sollen ein Verständnis über die Solvabilitätslage des VUs vermittel und dienen als Grundlage für die Durchführung des SRP. Die Harmonisierung der Berichtspflichten ermöglicht einen grenzüberschreitenden Unternehmensvergleich.[52] Alle gegenwärtigen Vorgaben werden durch die Richtlinie ersetzt, spezielle Rechnungslegungsvorschriften bleiben jedoch weiterhin bestehen. Die im Rahmen der quantitativen Berichtvorlagen aufgeführten Erläuterungen bzgl. der Differenzen aus Werten der regulatorischen Bilanz und Werten der Buchführung sind wichtig für die Öffentlichkeit und die Aufsichtsbehörden. Den VU steht es frei, zusätzlich zu den Pflichtangaben, weitere Informationen und Details in den Bericht aufzunehmen.[53] Im Rahmen des RTS werden Informationen an die zuständige Aufsichtsbehörde übermittelt, die diese zur laufenden Überwachung benötigen.[54] Mit Inkrafttreten der Solvency II-Richtlinie werden die VU zunächst dazu verpflichtet, einen vollständigen qualitativen RTS zu erstellen. In den nachfolgenden Jahren sind dann lediglich noch Ergänzungen über wesentlicher Änderungen[55] aufzunehmen, als Mindestinhalt gelten allerdings die Informationen des SFCR.[56] Die Änderungen müssen jährlich innerhalb von drei bis vier Monaten nach Ende des Geschäftsjahres vorgenommen werden, die einheitlichen Strukturvorgaben[57] von CEIOPS sind hierbei einzuhalten, außerdem ist eine Genehmigung durch die Geschäftsleitung vorab erforderlich. Wie oft ein vollständig qualitativer RTS erstellt werden muss liegt im Ermessen der zuständigen Aufsichtsbehörde, CEIOPS vertritt allerdings die Ansicht, dass ein Zeitraum von maximal fünf Jahren nicht überschritten werden sollte. Der gesamte RTS besteht dann aus dem erstellten, bzw. modifizierten qualitativen RTS und dem quantitativen Bericht, der vollständig integriert wird.[58] Der SFCR adressiert die Öffentlichkeit und soll für Transparenz der Solvenz- und Finanzlage der VU sorgen. Die Aufsichtsbehörde stellt allerdings sicher, dass eine angemessene Präsentation der Informationen gewährleistet wird. Außerdem entscheidet sie welche quantitativen Berichtsvorlagen neben den qualitativen Elementen in den SFCR aufgenommen werden.[59] Der qualitative Bericht ist jährlich, innerhalb von drei bis vier Monaten nach dem Ende des Geschäftsjahres unter Einhaltung der Strukturvorgaben[60] und nach vorheriger Genehmigung durch die Geschäftsleitung, zu erstellen.[61]

Bei Nichteinhaltung der gesetzten Abgabefristen für die qualitativen und quantitativen Inhalte des SFCR und des RTS ergreift die zuständige Aufsichtsbehörde sanktionierende Maßnahmen.[62]

Neben der periodischen Berichterstattung sind VU bei Eintreten vorab festgelegter Ereignisse, welche zu Veränderungen des Risikoprofils, der Solvenzposition oder zu Neubewertung des SRP führen können, zur Meldung verpflichtet.

Außerdem können Aufsichtsbehörden bei Untersuchungen hinsichtlich der Lage des VUs zusätzliche Informationen, die zur Beurteilung erforderlich sind, sowohl von dem Unternehmen selbst als auch von externen Personen (wie bspw. Aktuare, Wirtschaftsprüfer, etc.) verlangen.[63]

Alle Regelungen bzgl. der Berichterstattung gelten sowohl für Einzel- als auch für Konzernunternehmen und unter der Berücksichtigung der Grundsätze der Proportionalität und der Wesentlichkeit (gem. Definition des IASB).[64]

3.2 Berichterstattung gegenüber der Öffentlichkeit (SFCR)

Intention des SFCR ist es, Informationsasymmetrien abzubauen und zu einer Steigerung der Markttransparenz beizutragen.[65] Er adressiert die Öffentlichkeit, d.h. u.a. Versicherungsnehmer, (Rück)VU, Investoren, Aktionäre und Intermediäre.[66] Neben den Pflichtinhalten, aus denen der SFCR gem. Art. 50 Solvency II bestehen muss, können VU freiwillig weitere Informationen aufnehmen (Art. 54 Solvency II). Die Nichtveröffentlichung von Pflichtangaben ist nur unter den Voraussetzungen des Art. 52 Solvency II möglich, d.h. insofern die Wettbewerber einen ungerechtfertigten Vorteil durch die Bekanntgabe erhalten würden oder Beziehungen zu Versicherungsnehmern oder Kontrahenten das VU zur Geheimhaltung verpflichten. In diesen Fällen ist jedoch eine entsprechende Begründung in den SFCR aufzunehmen.

Die Berichtserstattung im Rahmen des qualitativen SFCR beinhaltet, neben einen kurzen Zusammenfassung der wesentlichen Änderungen zu der vorangegangenen Berichtsperiode, Informationen bzgl. der Geschäftstätigkeit und Leistung, dem Governance-System, dem unternehmerischen RM, der regulatorischen Bilanz, dem Kapitalmanagement sowie Informationen bzgl. genehmigter interner Modelle, soweit diese verwendet werden.[67] Grundsätzlich sind hierbei Vergleiche zur vorangegangen Berichtsperiode zu ziehen und Prognosen zukünftige Entwicklungen zu erstellen.[68]

Im Hinblick auf die Geschäftstätigkeit und Leistung eines VUs werden Informationen bzgl. der Art des Geschäfts und signifikanter externer Ereignisse bereitgestellt. Dies umfasst bspw. die Rechtsform und den Sitz des Unternehmens, Name und Adresse externer Wirtschaftsprüfer aber auch wichtige Trends und Faktoren, die positive oder negative Auswirkungen auf die Entwicklung, Leistung und Position des VU haben. Weiterhin wird in diesem Zusammenhang über Leistungen aus Zeichnungs- und Investitionstätigkeit informiert.[69] Aussagen betreffend der Zeichnungstätigkeit werden nach Sparten und geographischen Gebiet untergliedert und sollten mindestens eine Geschäftsleitungsanalyse der Gesamtperformance (Schäden und Prämien), unter Berücksichtigung des Einflusses des Rückversicherungsgeschäft und der in diesem Zusammenhang erforderlichen Aufwendungen, umfassen. Auch hinsichtlich der Investitionstätigkeit ist eine Analyse der Geschäftsleitung aufzuführen sowie die in diesem Zusammenhang stehenden Aufwendungen zu nennen. Weiterhin sind Gewinne und Verluste, die direkt im Eigenkapital erfasst werden und solche aus Kapitalanlage sowie Abschreibungen und Wertminderungen (im)materieller Vermögenswerte und Finanzinstrumente hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Kapitalanlageperformance aufzuführen. Operative und sonstige Aufwendungen sowie weitere wesentlich Angaben im Zusammenhang mit der Geschäftstätigkeit und der Leistung des VUs sind ebenfalls zu nennen.[70]

Die Berichtsinhalte betreffend des Governance-Systems geben zunächst allgemein einen Überblick über die Struktur des Systems. Der Leser soll dadurch in die Lage versetzt werden, die Angemessenheit des Risikoprofils und wesentliche Struktur-Veränderungen zu analysieren. Außerdem wird er über Struktur, Aufgaben und Verantwortlichkeiten der Geschäftsleitung, deren Vergütungspolitik und Kontrolle informiert. Der nächste Punkt betrifft die „fit and proper“ Kriterien.[71] Alle Personen, die das VU leiten oder Schlüsselqualifikationen haben, müssen den Anforderungen an die Berufsqualifikation (fit) und Ansehen und Integrität (proper) genügen.[72] Hier werden die Verfahren zu deren Beurteilung sowie die festgelegten Mindestanforderungen beschrieben. Weiterhin verschafft das VU einen Überblick über Art und Umfang des implementierten RM-Systems inklusive der RM-Strategien, -Funktionen, -Politik und –Berichtsprozesse. Einen festen Bestandteil des RM-Systems stellt der ORSA-Prozess dar.[73] Der Bericht umfasst Angaben darüber, wie dieser in den Management-Prozess und die Entscheidungsfindung integriert wird. Außerdem wird offengelegt, wie die regelmäßige Überprüfung und Genehmigung durch die Geschäftsleitung, die Beurteilung der Ergebnisqualität und der Unabhängigkeit und die Dokumentation intern erfolgen. Informationen hinsichtlich der internen Kontrollen sollen aufzeigen inwieweit diese für Art, Umfang und Komplexität des Geschäfts angemessen sind.[74] Hierbei ist insbesondere auf die Implementierung einer Compliance-Funktion, Berichtspflichten, Zuständigkeiten und Aufgabenverteilung im Kontrollsystem sowie Verwaltungs- und Rechnungslegungsprozesse einzugehen. Auch die Wirksamkeit, Unabhängigkeit und Angemessenheit der Arbeit der internen Revision ist zu belegen. Zudem sollte erläutert werden wie die interne Revision und die Aktuare arbeiten, was zu ihren wichtigsten Aufgabenbereichen gehört und wie ihre Unabhängigkeit von anderen Funktionen sichergestellt wird. Insofern kritische oder wesentliche betriebliche Aktivitäten outgesourct werden, ist dem Leser hierüber ein Überblick zu verschaffen.[75]

Im Hinblick auf das unternehmerische RM wird getrennt nach den Risikokategorien (versicherungstechnisches-, Markt-, Kredit-, Liquiditäts-, operationelles und weiterer wesentliche Risiken) über deren Gefährdungspotential (inkl. Angaben zu durchgeführten Sensitivitätsanalyse, Risikolimits und Risikotragfähigkeit), Konzentration, Sensitivität, Bewertungs-, Reduzierungs- und Überwachungsmaßnahmen informiert.[76]

Berichtspflichten über die regulatorische Bilanz sollen einen Überblick über die Solvenzbilanzbewertung inkl. der verwendeten Methoden, Bezugsgrößen und getroffenen Annahmen, getrennt nach Vermögensgegenständen, versicherungstechnischen Rückstellungen und anderen Verbindlichkeiten verschaffen und Vergleiche zu den Angaben im Jahresabschluss ziehen.[77]

Weiterhin wird über das Kapitalmanagement des VUs, den hierbei genutzten Planungshorizont und die Kapitalanlagemethoden sowie über die Interaktionen mit der RM-Funktion informiert. In Bezug auf die Eigenmittel werden Ziele, Politik, Management-Prozesse und -Methoden, Höhe, Struktur und Qualität aufgezeigt und auf die Unterschiede zum Eigenkapital gem. der Rechnungslegungsgrundlagen eingegangen. Außerdem wird besonders auf die von der Aufsichtsbehörde genehmigten Eigenmittel eingegangen. Die Angabe der Genehmigungsfrist ist hierbei wesentlich.[78] Neben der Höhe von MCR und SCR und deren Auswirkung auf das Geschäft und spezielle Unternehmensparameter, ist zunächst anzugeben, ob für die Kalkulation ein internes oder partiell internes Modell oder die Standardformel ggf. mit spezifischen Parametern verwendet wurde. Wenn nicht ausschließlich mit der Standardformel gearbeitet wurde, sind die Gründe für diese Vorgehensweise aufzuzeigen und Hauptunterschiede und ggf. unterschiedliche Grundannahmen zu erläutern. Wurden von der zuständigen Aufsichtsbehörde Kapitalerweiterungen in Bezug auf das SCR gefordert, ist die Begründung der Aufsichtsbehörde in den Bericht aufzunehmen.[79] Hat das VU die Option gem. Art. 305b Solvency II gewählt, d.h. es nutzt für die Eigenmittelunterlegung des Aktienrisikos statt einem Einjahreshorizont einen Mehrjahreshorizont, muss es gesondert auf die SCR-Berechnung des Risikomoduls eingehen. Sollte es während der Berichtsperiode zu einer Unterschreitung des MCR, bzw. einer wesentlichen Unterschreitung des SCR gekommen sein, so muss das VU diesen Sachverhalt, auch wenn bereits behoben, im Bericht publizieren. Diesbezüglich sind Ursprung, Konsequenzen, Abhilfemaßnahmen, (erwartete) Dauer und maximale Höhe während der Berichtsperiode bzw. am Stichtag anzugeben.[80]

Im Falle der Verwendung eines genehmigten internen Modells kommen zusätzliche Publizitätspflichten auf das VU zu, die darauf basieren einem sachverständigen Leser ein gutes Verständnis über die Konstruktion und operativen Details des Modells sowie seine Zuverlässigkeit zu vermitteln. Es sollte u.a. auf die Nutzung innerhalb des Governance- und RM-Systems, auf die Solvenzkapitalbestimmung und Allokationsprozesse, die Nutzung innerhalb des ORSA-Prozesses und in anderen Bereichen und Prozessen eingehen. Weiterhin sind Informationen betreffend Methoden und Annahmen der Bewertungsaktivitäten, Risikominderungsmaßnahmen, Datenqualität, Dokumentation und operationelle Performance darzustellen.[81]

Unter Zuhilfenahme der Informationen des qualitativen SFCR, wie sie hier schwerpunktartig aufgezeigt wurden, erweitert um die quantitativen Berichtselemente, sollten sachverständige Leser fähig sein, die Lage des jeweiligen VUs ausreichend zu analysieren und einschätzen zu können.

3.3 Berichterstattung gegenüber der Aufsichtsbehörde (RTS)

Der qualitative RTS enthält, neben den Berichtsinhalten des SFCR, Informationen, die speziell an die zuständige Aufsichtsbehörde gerichtet sind.[82] Dadurch soll sichergestellt werden, dass diese ihren Prüfungserfordernissen gem. der zweiten Säule der Solvency II-Richtlinie nachkommen kann, um das Hauptziel des Schutzes der Versicherungsnehmer hinsichtlich der dauernden Erfüllbarkeit der versicherungsvertraglichen Verpflichtungen zu gewährleisten (Grundlage: Art. 27 Solvency II). Außerdem sollen die Nebenziele der Finanzmarktstabilität und der Beständigkeit des Finanzsystems sichergestellt werden.[83]

Im VAG[84] gibt es auf Deutschlandebene, nicht zuletzt durch die Änderungen der 9. VAG-Novelle und die MaRisk (VA) als Vorgriff auf Solvency II, bereits jetzt eine Vielzahl von Offenlegungspflichten.[85]

Die Berichtserstattung im Rahmen des RTS beinhaltet Informationen bzgl. der Geschäftstätigkeit und Leistung, dem Governance-System, dem unternehmerischen RM, der regulatorischen Bilanz, dem Kapitalmanagement sowie Informationen bzgl. genehmigter interner Modelle, soweit diese verwendet werden. Auch an dieser Stelle sind grds. Vergleiche zur vorangegangen Berichtsperiode zu ziehen und Prognosen bzgl. zukünftiger Entwicklungen zu erstellen.[86]

Hinsichtlich der Geschäftstätigkeit und Leistung eines VU wird, neben den finanziellen und nichtfinanziellen Zielen und den Strategien und Planungshorizont zu deren Erreichung, über die Art der unternehmerischen Tätigkeit informiert und darüber, wie sich künftige Trends positiv oder negativ auf die Geschäftsentwicklung auswirken können. Außerdem sollen die Quellen für Gewinne und/ oder Verluste aufgezeigt werden. Sowohl die wahrgenommene Wettbewerbsposition und das Geschäftsmodell des VUs als auch wesentliche regulatorische oder rechtliche Themen und Marktentwicklungen, die das Geschäft beeinflussen können, sind Gegenstand der Berichterstattung.[87] Weiterhin sieht die Richtlinie vor, dass VU über Leistungen aus Zeichnungs- und Investitionstätigkeiten informieren. Angaben zu den Zeichnungstätigkeiten sollen, getrennt nach Sparten und geographischen Gebieten, mindestens die Tätigkeitsplanung, eine Erläuterung warum es zu Abweichungen kam, das eingegangene Rückversicherungsgeschäft, erforderliche Aufwendungen sowie eine Geschäftsleitungsanalyse der Gesamtzeichnungsperformance umfassen. Verlautbarungen zur Investitionstätigkeit sollten ein angemessenes Bild der Finanzperformance ermöglichen.[88] Mindestinhalte sind eine Geschäftsleitungsanalyse der Investitionsleistung getrennt nach Segmenten, Ausgaben der Investitionstätigkeit sowie getroffene Hautpannahmen hinsichtlich Zinssätze, Wechselkurse und Marktindizes. Ansonsten sind Informationen bzgl. weiterer Aufwendungen, bspw. für Umstrukturierungen sowie sonstige relevante Angaben zu übermitteln.[89]

Angaben zum Governance-System umfassen zunächst allgemeine Informationen bzgl. der Governance- und RM-Politik, der internen Revision und Kontrolle, Outsourcing im Einklang mit der Geschäftsstrategie sowie Transaktionen mit Aktionären und der Geschäftsleitung. Politik und Prozesse zur Sicherstellung der „fit and proper“ Kriterien sowie eine Liste der betreffenden Personen und ihrer Funktionen sollten ebenfalls in den RTS aufgenommen werden. Bzgl. des RM-Systems, der –Prozesse und der –Politik sollten personelle und organisatorische Strukturen und Verantwortlichkeiten dargestellt werden. Außerdem sind die Ergebnisse des ORSA-Prozesses, welcher Bestandteil des RMs ist, und deren Berücksichtigung in der Unternehmensstrategie zu erläutern. Falls das VU operationelle Funktionen ausgegliedert hat, sind in diesem Zusammenhang geschaffene Sicherungsmaßnahmen ebenfalls im RTS darzustellen.[90]

[...]


[1] Romeike, Frank (2004): Lexikon Risikomanagement – 1000 Begriffe rund ums Risiko-Management nachschlagen, verstehen, anwenden; 1. Auflage, Wiley VCH GmbH & Co.KGaA, S. 7.

[2] RiskNET, Asset Liability Mismatch, http://www.risknet.de/Glossar.93.0.html?&tx_simpleglossar_pi1[headerList]=A&tx_simpleglossar_pi1[showUid]=270.

[3] Romeike, Frank (2004), S. 11.

[4] BaFin, IAIS, http://www.bafin.de/DE/BaFin/Internationales/InternationaleZusammenarbeit/IAIS/iais__node.htht?__nnn=true.

[5] Finanz-lexikon.de, International Accounting Standards Board (IASB), http://www.finanz-lexikon.de/international%20accounting%20standards%20board%20(iasb)%20_2316.html.

[6] Kändler, Thorsten (2008): IT-gestützte Umsetzung von Risikorichtlinien; in: Keuper, Frank/ Neumann, Fritz (Hrsg.): Finance Transformation – Strategien, Konzepte und Instrumente; 1. Auflage, Gabler, S. 159 – 174, S. 161.

[7] Finanz-Lexikon, Kreditrisiko, http://www.finanz-lexikon.de/kreditrisiko_3316.html.

[8] Finanz-Lexikon, Liquiditätsrisiko, http://www.finanz-lexikon.de/liquiditaetsrisiko_3432.html.

[9] RiskNET, Marktrisiko, http://www.risknet.de/Glossar.93.0.html?&tx_simpleglossar_pi1[headerList]=M&tx_simpleglossas_pi1[showUid]=183.

[10] RiskNET, Operationelles Risiko, http://www.risknet.de/Glossar.93.0.html?&tx_simpleglossar_pi1[headerList]=O&tx_simpleglossar_pi1[showUid]=271.

[11] MünchenerRück (2008), Beratung über die Rahmenrichtlinie zu Solvency II und globale Entwicklungen, http://www.munichre.com/publications/302-05831_de.pdf.

[12] Schradin, Heinrich R./ Pohl, Barbara/ Koch, Oliver, Herausforderungen für die Lebensversicherung in Deutschland, http://www.ivk.uni-koeln.de/download/mitteilungen/m2_2006.pdf, S. 62 f..

[13] RiskNET, Versicherungstechnisches Risiko, http://www.risknet.de/Glossar.93.0.html?&tx_simpleglossar_pi1[headerList]=V&tx_simpleglossar_pi1[showUid]=20.

[14] Finanzlexikon, Wesentlichkeit, http://www.finanz-lexikon.de/wesentlichkeit_3979.html.

[15] Vgl. Schubert, Dr. Thomas (2009): Solvency II im Überblick – Kernpunkte und Herausforderungen für die deutsche Versicherungswirtschaft, http://www.versicherungswissenschaft-berlin.de/downloads/Schubert_v4.pdf, S. 3.

[16] Vgl. Schubert, Dr. Thomas (2009), S. 3.

[17]. Steria Mummert Consulting (o.J.), Neue Herausforderungen für Versicherungsunternehmen durch Solvency II, http://www.steria-mummert-consulting.de/documents/5000/A3_111_1002_INS_d_Herausford_Solvency_II_screen.pdf ,S. 1.

[18] Vgl. Steria Mummert Consulting (o.J.) , S. 1.

[19] Romeike, Frank/ Müller-Reichart, Matthias (2008): Risikomanagement in Versicherungsunternehmen: Grundlagen, Methoden, Checklisten und Implementierung; 2. Auflage, Wiley-VCH GmbH & Co. KGaA, S. 126.

[20] Vgl. Romeike, Frank/ Müller-Reichart, Matthias (2008), S. 126 f.

[21] Vgl. Wandt, Prof. Dr. Manfred/ Sehrbrock, David (2009): Solvency II – Rechtsrahmen und Rechtssetzung; in: Dreher, Meinrad/ Wandt, Manfred: Solvency II in der Rechtsanwendung; Verlag Versicherungswirtschaft, S. 1 – 26; S. 2.

[22] Vgl. Wandt, Prof. Dr. Manfred/ Sehrbrock, David (2009), S. 3.

[23] Vgl. Wandt, Prof. Dr. Manfred/ Sehrbrock, David (2009), S. 5.

[24] Wandt, Prof. Dr. Manfred/ Sehrbrock, David (2009), S. 6.

[25] Vgl. Wandt, Prof. Dr. Manfred/ Sehrbrock, David (2009), S. 6.

[26] Wandt, Prof. Dr. Manfred/ Sehrbrock, David (2009), S. 7.

[27] Vgl. Wandt, Prof. Dr. Manfred/ Sehrbrock, David (2009), S. 6f.

[28] Vgl. Farny, Dieter (Hrsg.)/ Schradin, Heinrich R. (Hrsg.)/ Ehrlich, Kathleen (2009): Wertorientierte Steuerung von Versicherungsunternehmen mit Solvency II; Band 57, 1. Auflage, Josef EUL Verlag, S. 22.

[29] Vgl. Wandt, Prof. Dr. Manfred/ Sehrbrock, David (2009), S. 6.

[30] Vgl. Wandt, Prof. Dr. Manfred/ Sehrbrock, David (2009), S. 8.

[31] Vgl. University of Applied Sciences Wiesbaden, V. Wiesbadener Versicherungskongress, http://www.bwl.fh-wiesbaden.de/go-risk/kongress-2008/1-reichart.pdf, S. 9.

[32] Farny, Dieter (Hrsg.)/ Schradin, Heinrich R. (Hrsg.)/ Ehrlich, Kathleen (2009), S. 27.

[33] Farny, Dieter (Hrsg.)/ Schradin, Heinrich R. (Hrsg.)/ Ehrlich, Kathleen (2009), S. 26.

[34] Vgl. Meister, Daniel G. (2007): Corporate Governance und Compliance-Management für Versicherungsunternehmen vor dem Hintergrund der Umsetzung von Solvency II; VDM Verlag Dr. Müller, S. 85.

[35] Schwintowski, Dr. Hans-Peter (2008): Rechtliche Grundlagen des Risikomanagements in Versicherungsunternehmen; in: Romeike, Frank (Hrsg.): Rechtliche Grundlagen des Risiko-managements - Haftungs- und Strafvermeidung für Corporate Compliance; Erich Schmidt Verlag, S. 177 – 206, S. 189.

[36] Vgl. Meister, Daniel G. (2007), S. 86.

[37] Vgl. Altenähr, Volker/ Nguyen, Tristan/ Romeike, Frank (2009): Risikomanagement kompakt; Verlag Versicherungswirtschaft, S. 25.

[38] Vgl. Meister, Daniel G. (2007), S. 86.

[39] Schwintowski, Dr. Hans-Peter (2008), S. 189.

[40] Vgl. Altenähr, Volker/ Nguyen, Tristan/ Romeike, Frank (2009), S. 24.

[41] Vgl. Romeike, Frank/ Müller-Reichart, Matthias (2008), S. 142.

[42] Farny, Dieter (Hrsg.)/ Schradin, Heinrich R. (Hrsg.)/ Ehrlich, Kathleen (2009), S. 38.

[43] Vgl. Farny, Dieter (Hrsg.)/ Schradin, Heinrich R. (Hrsg.)/ Ehrlich, Kathleen (2009), S. 38.

[44] Vgl. BaFin, Solvency II, http://www.bafin.de/cln_116/nn_724054/DE/Unternehmen/VersichererPensionsfonds/Solvency2/ssolvenc2__node.html?__nnn=true.

[45] Vgl. Farny, Dieter (Hrsg.)/ Schradin, Heinrich R. (Hrsg.)/ Ehrlich, Kathleen (2009), S. 25.

[46] Vgl. Farny, Dieter (Hrsg.)/ Schradin, Heinrich R. (Hrsg.)/ Ehrlich, Kathleen (2009), S. 40.

[47] Vgl. Vgl. Meister, Daniel G. (2007), S. 88 f.

[48] CEIOPS (2009): Supervisory Reporting and Public Disclosure Requirements, Konsultationspapier Nr. 58; http://www.ceiops.eu/media/files/consultations/consultationpapers/CP58/CEIOPS-CP-58-09-L2-Advice-Supervisory-Reporting-and-Disclosure.pdf, S. 14f.

[49] Vgl. CEIOPS (2009), S. 78.

[50] Vgl. CEIOPS (2009), S. 16.

[51] Vgl. CEIOPS (2009), S. 18, 121.

[52] Vgl. CEIOPS (2009), S. 108f.

[53] Vgl. CEIOPS (2009), S. 108f.

[54] Vgl. CEIOPS (2009), S. 16.

[55] Siehe Anlage 1 „Wesentliche Änderungen im RTS“.

[56] Vgl. CEIOPS (2009), S. 116.

[57] Siehe Anlage 2: „Struktur des RTS“.

[58] Vgl. CEIOPS (2009), S. 18, 116, 121.

[59] Vgl. CEIOPS (2009), S. 17f.

[60] Siehe Anlage 3: „Struktur des SFCR“.

[61] Vgl. CEIOPS (2009), S. 121.

[62] Vgl. CEIOPS (2009), S. 21f.

[63] Vgl. CEIOPS (2009), S. 18.

[64] Vgl. CEIOPS (2009), S. 19, 21, 119.

[65] Dreher, Meinrad/ Schaaf, Martin (2009): Veröffentlichungspflichten von Versicherungsunternehmen gegenüber der Allgemeinheit nach Solvency II, in: Dreher, Meinrad/ Wandt, Manfred: Solvency II in der Rechtsanwendung; Verlag Versicherungswirtschaft, S. 129 – 186, S. 135.

[66] Vgl. CEIOPS (2009), S. 24.

[67] Vgl. CEIOPS (2009), S. 28 - 30.

[68] Vgl. CEIOPS (2009), S. 80 – 82.

[69] Vgl. CEIOPS (2009), S. 31 f.

[70] Vgl. CEIOPS (2009), S. 32 f.

[71] Vgl. CEIOPS (2009), S. 35 f.

[72] Vgl. Vgl. Hasse, Dr. Andreas (2009): Informations- und Offenlegungspflichten der Versicherungsunternehmen nach Solvency II; in: Dreher, Meinrad/ Wandt, Manfred: Solvency II in der Rechtsanwendung; Verlag Versicherungswirtschaft, S. 61-96, S. 781.

[73] Vgl. CEIOPS (2009), S. 36f.

[74] Vgl. CEIOPS (20069), S. 36-38.

[75] Vgl. CEIOPS (2009), S. 38.

[76] Vgl. CEIOPS (2009), S. 41, 42, 44.

[77] Vgl. CEIOPS (2009), S. 50.

[78] Vgl. CEIOPS (2009), S. 54f.

[79] Vgl. CEIOPS (2009), S. 56f.

[80] Vgl. CEIOPS (2009), S. 57f.

[81] Vgl. CEIOPS (2009), S. 62 – 66.

[82] Vgl. CEIOPS (2009), S. 78.

[83] Vgl. Hasse, Dr. Andreas (2009), S. 70.

[84] Siehe Anlage 4: „Anzeigepflichten gegenüber der BaFin und Änderungserwartungen nach Solvency II“.

[85] Vgl. Hasse, Dr. Andreas (2009), S. 65.

[86] Vgl. CEIOPS (2009), S. 80 – 82.

[87] Vgl. CEIOPS (2009), S. 82 f.

[88] Vgl. CEIOPS (2009), S. 83 f.

[89] Vgl. CEIOPS (2009), s. 84.

[90] Vgl. CEIOPS (2009), S. 86-89.

Details

Seiten
60
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640686148
ISBN (Buch)
9783640685905
Dateigröße
22.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v156044
Note
Schlagworte
Solvenzberichterstattung Vorschriften Solvency

Autor

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Titel: Solvenzberichterstattung nach den neuen Vorschriften von Solvency II