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Ludwig Büchner "Über Sinneswahrnehmung und sinnliche Erkenntnis" - Eine Analyse

Seminararbeit 2006 14 Seiten

Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts

Leseprobe

Gliederung

I.Der Ursprung der
1.1 Wissenschaft
1.2Darstellung und Aufbereitung Problemanalyse

II. Kausalzusammenhang Wahrnehmung ↔ Erkenntnis
2.1 Darstellung und Aufbereitung
2.2 Problemanalyse

III.Bedeutung der Sinnesorgane
3.1 Darstellung und Aufbereitung
3.2 Problemanalyse

IV. Die Weltordnung und ihre Gesetzmäßigkeiten
4.1 Darstellung und Aufbereitung
4.2 Problemanalyse

V.Das Ding an sich
5.1 Darstellung und Aufbereitung
5.2 Problemanalyse

VI. Resumé

I.Der Ursprung der Wissenschaft

1.1 Darstellung und Aufbereitung

In seinem Traktat „Über Sinneswahrnehmung und sinnliche Erkenntnis“1 formuliert Büchner, dass die Voraussetzung für Anfang und Existenz von Naturwissenschaft Erfahrung sei. Erfahrung generiere sich fürderhin via Sinneswahrnehmung, die den Erkenntnisgewinn per se überhaupt erst ermögliche.

Erfordernis für Bewusstsein und Erkenntnis sei die Trias aus Hirnapparat, Sinnesorgan und dem Gegenstand der sinnlichen Wahrnehmung, die reziprok einander bedingen. Dächte man sich ein Wesen ohne jegliche Sinnesstruktur, käme dies laut Büchner dem Dasein einer Pflanze gleich; bewusstseinskohärente Vorstellungen seien unter Ausschluss der fünf Sinnesorgane - und unter Einschluss vorbezeichneter Dreiheit fernerhin unmöglich.

Umgekehrt könne aber auch ein Mensch von schadhafter Hirnsubstanz trotz funktionierender Sinneswahrnehmung „nur ein halber oder ganzer Idiot“ sein (ebd. S. 328). Ebensolches gelte für einen Menschen von intakter Hirn- und Sinnesleistung bei Wegfall entsprechender Außeneindrücke, was am Exempel Kaspar Hausers illustriert wird.

Am Beispiel zweier blinder Taubstummer führt Büchner weiterhin aus, dass der Verlust bereits eines einzigen Sinnes die Konzeption von Welt immens beeinträchtige. Zwar sei der Erwerb natürlicher Fähigkeiten über den Umweg der verbleibenden Sinne möglich - jedoch seien mit entsprechend reduzierten Perzeptionsgraden keine den gewöhnlichen Dispositionen gleichbedeutende Erkenntnisstufen denkbar. Dies anhand der Beobachtung, dass über beide Patientinnen kein nennenswertes Abstraktionsvermögen aktenkundig sei.

1.2 Problemanalyse

Aufgrund des Büchnerschen Postulats der Reziprozität muss der Satz „ Ohneäußere Reize oder Eindrücke keine Empfindung, ohne Empfindung kein Weltbild, ohne WeltbildLudwig Büchner - Thatsachen und Theorien

kein Denken oder keine Verstandestätigkeit. “ auch umgekehrt gelten; vorgenannte These wäre dann, und nur dann zulässig, sofern betreffende Prämissen entsprechend kommutabel wären; in die Sprache der Aussagenlogikübersetzt, lautet der Satz: E ↔ R ^ W ↔ E ^ W ↔ V bzw. ⌐ (E ↔ R ^ W ↔ E ^ W ↔ V) 2 . Aufgrund der Transitivität erhält man ferner E ↔ V. Womit die Büchnersche These formal-logisch widerlegt wäre, denn: E ↔ V setzt voraus, dass Empfindungsvermögen kompulsiv auch mit Verstandestätigkeit einhergeht, was aber am Beispiel der Pflanzenwelt geradezu ausgeschlossen ist.

Büchners Eingangsthese gem äß ist Letzteres im Gegenteil gar nicht strittig; festzuhalten bleibt hiernach allerdings, dass seine Theorie eher konstatierend als argumentierend erscheint.

Aus anthropologischer Sicht stellt sich Büchners Aufsatz in der Tat höchst problematisch dar; teleologisch mag seine Theorie zunächst plausibel erscheinen - ethisch vertretbar ist sie hingegen nicht. Mangelnde Außenreize - wie im Falle Kaspar Hausers - schließen die Möglichkeit funktionierender Sinneswahrnehmung fernerhin nicht aus. Seine Sicht der Dinge mag wohl eine andere gewesen sein, was aber kognitive Beeinträchtigungen nicht zwingend einschließt.

Wenn man im Rahmen eines zentralthematisch-epistemologischen Aufsatzes mit seinesgleichen argumentieren möchte, wäre eineäquilibristische Handhabe bezüglich des gesamten Menschengeschlechts sicherlich angezeigt - dies umso mehr, wenn man Protagoras bemüht und den Mensch zum Maßaller Dinge erklärt.

R: Reiz; E: Empfindung; W: Weltbild; V: Verstandestätigkeit

II. Kausalzusammenhang Wahrnehmung ↔ Erkenntnis

2.1 Darstellung und Aufbereitung

Kognition rekurriere laut Büchner grundsätzlich auf die Verarbeitung des perzipierten Erfahrungsstoffes als ihren Urgrund. Jegliche Denkprozesse, einschließlich aller höherrangigen Ideen und Assoziationen, stehen kausal in unmittelbarer Relation zur ursächlichen Sinneswahrnehmung.

Die philosophische Konzeption der angeborenen Ideen steht nach der Büchnerschen Erkenntnistheorie folglich in striktem Widerspruch zu den im Menschen evolutiv disponierten Denkanlagen, deren Ausgangspunkt die Sinneswahrnehmung ist. Dies ist deshalb von besonderer Signifikanz, da sich hierin epistemologische Thesen eröffnen, die - weg vom apriorischen Wissen - empirisch belegbare Sinneserfahrungen a posteriori für gesetzt erklären.

2.2 Problemanalyse

Die dem Empirismus zugrunde liegende Annahme, dass sich alle Erkenntnis wesentlich aus Sinneserfahrung herleiten lasse, kann der Beantwortung der Fragen nach dem, was außerhalb der sichtbaren Welt begriffen ist, nicht genügen. Welche Beobachtungen lassen sich denn beispielsweise bei der Feststellung, dass es keine gr öß te natürliche Zahl gibt, machen? Hier lässt sich nichts beobachten und Experimente nützen auch nichts. Dagegen hilft das Peano ’ sche Axiomensystem 3 , das der sinnlichen Wahrnehmung de facto nicht bedarf.ähnliches gilt u.a. auch für dem Menschen innewohnende Moralvorstellungen, die sich aus der reinen Vernunft ergeben.

Microsoft Encarta Enzyklopädie 1999

III. Bedeutung der Sinnesorgane

3.1 Darstellung und Aufbereitung

Die Menge an vorhandenen Sinneseindrücken und die Funktionsweise des Gehirns verhalten sich zueinander analog, i.e. je größer die Anzahl an Wahrnehmungselementen, desto besser die Qualität bzw. auch Quantität der Erkenntnis. In einer mathematischen Formel ausgedrückt, ergeben die beiden abhängigen Variablen M (Menge) und F (Funktionsweise) die Konstante E (Erkenntnisqualität) - vorausgesetzt, es handle sich um ein gesundes Hirn (ebd. S. 333).

Ferner sei aber am Zustandekommen menschlicher Erkenntnis nicht maßgeblich die Qualität der Sinne entscheidend. Laut Büchner seien die Sinne gegenüber vorgenannter zwei Faktoren nachrangig zu behandeln. In diesem Zusammenhang unternimmt er einen Vogelflug in Richtung Fauna und intoniert erneut die Relevanz der menschlichen Hirnstrukturen. Denn: Gemessen am Geruchssinn, an Art und Ausprägung von Gehör und Sehorganen sei das Tier dem Menschen unstrittig vorgeordnet; dennoch sei es aufgrund seines minder organisierten Gehirns eben nicht vernunftbegabt.

Konklusiv habe der Mensch alles zureichende Potential, die Naturdinge erschließen und zu größtmöglicher Erkenntnis emporwachsen zu können. Mit der Addition weiterer Sinnesorgane können sich ihm keine wesentlich anderen Perspektiven der Welt offenbaren. Vielmehr - und das ist fernerhin konzentrisch - vermittele die Sinneswahrnehmung zumeist nur Trugbilder, die sich allein im rationalen Durchgang und in der Anwendung bekannter Naturgesetze ins Offene entfalten. Jedweder Erkenntnisgewinn ist demnach zirkulär, da wiederum auf zuvor erworbene Sinneseindrücke deduzierbar.

Mit der Assertion, der Gegenstand der Erkenntnis sei gleichwohl Gegenstand der Wahrnehmung, räumt Büchner außerdem ein, dass es Erkenntnisse außerhalb der erfahrbaren sinnlichen Welt gebe, die einzig infolge wissenschaftlicher Forschung konstatierbar seien.

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Details

Seiten
14
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640685677
ISBN (Buch)
9783640685707
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v156268
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
2,0
Schlagworte
Erkenntnis Erkenntnistheorie Epistemologie Ludwig Büchner Sinneswahrnehmung Materialismus Wissenschaftsphilosophie Philosophie Christina Peters ungott

Autor

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Titel: Ludwig Büchner "Über Sinneswahrnehmung und sinnliche Erkenntnis" - Eine Analyse