Lade Inhalt...

Eine philosophische Untersuchung über die moralische Rechtfertigung von Tierversuchen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 22 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1. Tierexperimente und ihr scheinbarer Nutzen
1.1 Problematik von Tierexperimenten
1.2 Tierexperimente und ihr wissenschaftlicher Nutzen

2. Ansätze einer philosophischen Rechtfertigung von Tierversuchen
2.1 Philosophische Gründe für Tierversuche
2.2 Das Tier, ein seelenloser Automat
2.3 Das Tier und die Anwendung der Moralgesetze

3. Philosophische Ablehnungsversuche gegen Tierexperimente
3.1 Positionen zu Tierversuchen
3.2 Das Grundprinzip der Gleichheit
3.3 Der Rechte-Ansatz

Resümee

Literaturverzeichnis

Internetressourcen

Einführung

Der Medizinhistoriker Ulrich Tröhler schrieb in seinem Aufsatz überDie Geschichte des wissenschaftlichen Tierversuchs, dass die Tierversuche eine der vier Grundlagen der westlichen Medizin darstellen.[1]Die Forscher rechtfertigen ihre Experimente an den Tieren damit, dass sie dadurch zu Wissen über den Menschen gelangen. Der Nutzen der sich für den Menschen durch diese Tierexperimente ergibt könnte dabei nicht größer sein. Aufgrund dieser Tatsache werden in fast allen Länder unserer Welt Versuche an Tieren durchgeführt, die in den meisten Fällen zu dem Tod des fühlenden Tieres führt. Daraus ergeben sich folgende Fragen: Gibt es eine philosophische Rechtfertigung für das Leiden und Töten der Versuchstiere oder handeln wir Menschen moralisch falsch? Wenn es eine Rechtfertigung für diese Tierexperimente gibt, wie lässt sich diese begründen? Welche Moraltheorie lässt sich auf Tiere anwenden, damit Tierexperimente größtenteils verhindert werden können?

Im Folgenden möchte ich mich diesen Fragen stellen und versuchen, eine Antwort auf die gestellten Fragen zu finden. Die Kernfrage soll dabei die Rechtfertigung der Tierversuche sein. Am Anfang der Analyse möchte ich mich mit dem wissenschaftlichen Nutzen, der sich aus den Tierexperimente für den Menschen ergibt, auseinandersetzen. Die Verfechter der Tierexperimente schließen allein durch einen objektiven Nutzen ein moralisch falsches Handeln gegenüber den Tieren von vornherein aus. Nachdem ich mich mit den Tierexperimenten in einer allgemeinen Einführung in die Tierproblematik beschäftigt habe, wende ich mich dann der philosophischen Rechtfertigung der Tierexperimente zu. Die Rechtfertigungspositionen sollen an Hand ausgewählter Beispiele vorgestellt und kritisch betrachtet werden. Im Anschluss daran möchte ich mich dann mit den philosophischen Ablehnungspositionen auseinandersetzen und versuchen eine moralische Position im Bezug zu den Tierversuchen aufzuzeigen.

1. Tierexperimente und ihr scheinbarer Nutzen

Tierversuche finden ihre Anwendung unter anderem in der biomedizinischen Grundlagenforschung, in medizinischen Therapie- und Diagnoseverfahren, in der Pharmakologie, in der biomedizinischen Lehre und in der kriegswissenschaftlichen Forschung.[2]In Deutschland beträgt die Zahl der toten registrierten Tiere in Experimenten 2007 2.609.483. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich diese Zahl, im Jahr 2008, um 91.216 erhöht.[3]Man kann daher davon ausgehen, dass die Anzahl der Tierexperimente, in den nächsten Jahren auch weiterhin zunehmen wird. Die Sterbequote der Versuchstiere gibt dabei Anlass zur Sorge und führt zur Frage, ob wir Menschen das richtige moralische Handeln gegenüber dem tierischen Lebewesen zeigen. Der Mensch hat zwar die Fähigkeit, sich die nicht-menschlichen Lebewesen zum „Untertan“ zu machen, aber ist dieses Vorgehen moralisch richtig? Im Folgenden soll eine allgemeine Einführung in die Problematik der Tierexperimente und ihr daraus resultierender „Nutzen“ für den Menschen gezeigt werden.

1.1 Problematik von Tierexperimenten

Der Mensch oder auchHomo sapiensgenannt, gilt als die Krönung der wissenschaftlichen und auch religiösen Schöpfungslehre. Der Mensch hat sich von allen Lebewesen auf der Erde zum dominantesten Wesen mit unzähligen Fähigkeiten entwickelt. Immanuel Kant bezeichnete den Menschen als ein Wesen, dass neben der Eigenschaft des Triebwesens besonders die Fähigkeit zur Vernunft in sich trägt. Die Vernunft, so Kant weiter, unterscheidet den Menschen vom Tier, da nur der Mensch über Vernunft verfügt. Dem nichtmenschlichen Lebewesen, kommt dabei nur die Eigenschaft des Triebwesens, und damit ein relativer Wert, zu.[4]Aufgrund dieser besonderen Stellung des Menschen und der weiteren mannigfaltigen noch zu untersuchenden Gründe wurden die tierischen Lebewesen zu einer Ware, einer Ressource für den Menschen, gemacht. Die Tiere dienen dem Menschen nicht nur zum Verzehr, sondern besonders in Experimenten für die Herstellung und Weiterentwicklungen von Lebensmitteln, Kosmetika, Arzneimitteln und Ähnlichen. Das Leben der Tiere scheint im Vergleich zur menschlichen Existenz bedeutungslos geworden zu sein. Die Sterbequote von diesen Versuchstieren beträgt auf der ganzen Welt jährliche 100 bis 200 Millionen.[5]

Die Fragen die sich nun zu den Tierexperimenten stellen, sind folgende: Sind die Tiere eine einfache natürliche Ressource für den Menschen, mit denen alles gemacht werden kann was man möchte oder kommen ihnen auch moralische Rechte zu? Gibt es eine moralische Rechtfertigung für die Tierversuche? Wie kann man das grausame Töten von Tieren in den Versuchen entschuldigen? Am Anfang der Analyse über die moralische Rechtfertigung der Tierversuche, möchte ich diese kurz betrachten. Danach folgt anhand ausgewählter Positionen die Rechtfertigung der Tierversuche durch die Abwertung gegenüber demHomo sapiens. Anschließend soll dann die Beantwortung der oben gestellten Fragen mit den Gegenargumenten für Tierversuche folgen. Ferner soll gezeigt werden, dass es keine moralische Rechtfertigung für jegliche Tierexperimente gibt.

1.2 Tierexperimente und ihr wissenschaftlicher Nutzen

Die Versuche an Tieren wurde schon von Aristoteles (384-324 v. Chr.)[6]verlangt, indem er tieranatomische Untersuchungen bei menschen-ähnlichen Tieren forderte. Die gewonnen Erkenntnisse aus den Versuchen sollten dann Aufschlüsse über den Menschen geben. Galen von Pergamon (129-210) forderte ähnliches wie Aristoteles und stellte sogar eine Rangfolge der Tierarten bei den Experimenten auf. Am Besten würden sich nach Pergamon auch hier die menschenverwandten Affen eignen, da sie zu genaueren Aufschlüssen über innere Vorgänge des Menschen führen könnten. Die Tierversuche würde dann eine Alternative und eventuelle Vorstufe zu den Menschenversuchen darstellen.[7]

Seit wann es nun genau Tierexperimente gibt, lässt sich nicht mehr genau feststellen, aber der heutige Tierschutz spielt in den meisten europäischen Ländern eine besondere gesellschaftliche Rolle. In Deutschland existiert das strengste Tierschutzgesetz weltweit. Möchte man hier Versuche an Tieren zu biomedizinischen Forschungszwecken durchführen, tritt zuerst eine Tierschutzkommission zusammen und entscheidet darüber, ob diese Experimente stattfinden dürfen oder nicht. Die Tierschutzkommission besteht dabei aus Vertretern der Fachwissen-schaften und aus Vertretern von Tierschutzverbänden. Das deutsche Tierschutzgesetz stellt darüber hinaus sicher, dass die Experimente in einem gewissen ethisch vertretbaren Rahmen ablaufen, weshalb man sie unter staatliche Aufsicht gestellt hat.[8]Was man genau unter einen Tierexperiment in Deutschland versteht wird in §7 des Tierschutzgesetz, wie folgt, definiert:

Tierversuche im Sinne dieses Gesetzes sind Eingriffe oder Behandlungen zu Versuchszwecken (1) an Tieren, wenn sie mit Schmerzen, Leiden oder Schäden für diese Tiere oder (2) am Erbgut von Tieren, wenn sie mit Schmerzen, Leiden oder Schäden für die erbgutveränderten Tiere oder deren Trägertiere verbunden sein können.“[9]

Aufgrund der Meldepflicht von Tierversuchen hat man in Deutschland einen relativ guten Überblick, wie viele Tiere jährlich in Experimenten sterben müssen. So hat man für das Jahr 1995 1,64 Millionen Versuchstiere registriert[10]. Bereits zehn Jahre später liegt diese Zahl bei 2.412.678 Millionen Tieren und sie steigt weiter stetig an.[11]Die Zahlen schließen aber nur die meldepflichtigen Versuche ein, Experimente, wie zum Beispiel für Impfstoffe oder Versuche an Tieren zum Lehrbetrieb in der Aus-, Fort- und Weiterbildung werden nicht registriert.[12]Schmerzen, Leiden und sogar der Tod der Versuchstiere, werden bei den Experimenten als eine akzeptable Konsequenz angesehen und hingenommen. Aber wie sieht deren moralische Rechtfertigung aus? Ist das Tier nur als eine für Menschen geschaffene Ressource zu betrachten? Joseph Rickaby, ein englischer Jesuit, behaupt sogar, die Tieren seien Sachen, die nicht für sich selbst, sondern nur für uns Menschen, existieren.[13]Was die moralische Rechtfertigung der Nutzung von Tieren in der Forschung angeht, gibt es vielfältige und umfangreiche Begründungsversuche. Die drei geläufigsten Rechtfertigungen der Wissenschaftler für Tierversuche sind dabei folgende

[...]


[1]Vgl. Tröhler, Ulrich: Die Geschichte des wissenschaftlichen Tierversuchs, seiner Begründung und Bekämpfung, In: Gesundheit und Tierschutz, Karl J. Ullrich (Hrsg.), Wien 1985, S. 47-81.

[2]Vgl. Ach, Johann S.: Warum man Lassie nicht quälen darf. Tierversuche und moralischer Individualismus, Erlangen 1999, S. 9.

[3]Vgl. http://albert-schweitzer-stiftung.de/tierschutzinfos/tierschutz-bundestagswahl/tierversuche-menschenaffen, Zugriff: 3.9.2009.

[4]Vgl. Wolf, Ursula (Hrsg.): Texte zur Tierethik, Stuttgart 2008, S. 14.

[5]Vgl. Ryder, Richard D.: Speziezismus in Laboratorien?, In: Verteidigt die Tiere. Überlegungen für eine neue Menschlichkeit, Peter Singer (Hrsg.), Frankfurt am Main 1988, S. 119.

[6]Vgl. Kunzmann, Franz; Burkard, Franz-Peter: dtv-Atlas Philosophie, 12. Auflage, München 2005, S. 47.

[7]Vgl. Ach, Johann S.: Warum man Lassie nicht quälen darf, S. 21.

[8]Vgl. Exner, Cornelia; Bode, Hans-Joachim (Hrsg.): Deutsche Forschungsgemeinschaft. Tierversuche in der Forschung, Bonn 2004, S. 5.

[9]http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/tierschg/gesamt.pdf, Zugriff: 3.9.09.

[10]Vgl. Ach, Johann S.: Warum man Lassie nicht quälen darf, S. 16

[11]Vgl. http://albert-schweitzer-stiftung.de/tierschutzinfos/tierschutz-bundestagswahl/tierversuche-menschenaffen, Zugriff: 3.9.09.

[12]Ab dem Jahr 2000 wurde die Meldepflicht der Versuchstiere in Deutschland geändert. Es werden nun auch Tiere, die zu Ausbildungszwecken und Organentnahmen verwendet werden in der Statistik registriert. Vgl. Ach, Johann S.: Warum man Lassie nicht quälen darf, S. 19.

[13]Vgl. Cavalieri, Paola: Die Frage nach den Tieren. Für eine erweiterte Theorie der Menschenrechte, Erlangen 2002, S. 56.

Details

Seiten
22
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640950553
ISBN (Buch)
9783640950386
Dateigröße
613 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v156405
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut für Philosophie
Note
2,0
Schlagworte
eine untersuchung rechtfertigung tierversuchen

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Eine philosophische Untersuchung über die moralische Rechtfertigung von Tierversuchen