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Übersicht über eine mögliche Unterrichtssequenz zum Thema „Kriegsende, Befreiung, Besetzung? Zum 8. Mai 1945. Ereignis und Rezeption.“

Unterrichtsentwurf 2006 12 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorüberlegungen

2. Didaktische Analyse
2.1 Sachanalyse
2.2 Zielsetzung

3. Durchführung

4. Auswertung

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang
6.1 Tafelbild

1. Vorüberlegungen

Geschichtsvermittlung in der Schule sollte nicht ausschließlich bedeuten, Schülern die Ergebnisse der historischen Forschung zu präsentieren, sondern sollte vor allem versuchen, Einblicke in den Erkenntnisprozess zu ermöglichen. Geschichte darf nicht als absolut und statisch verstanden werden, denn auch historische Wahrheit ist subjektiv und mitunter einem Wandel unterworfen. Geschichte erfährt ihre Interpretation häufig in Einklang mit politischen Interessen und Erwägungen. Ein Thema wie das Kriegsende 1945 in Deutschland und die sich anschließende Besatzungsherrschaft der alliierten Mächte sowie die daraus resultierenden Konflikte, eignet sich hervorragend, die dabei entstehenden Konfliktfelder augenscheinlich zu machen.

Die Anfangszeit der Besetzung des vom Nazi-Regime befreiten Deutschlands war geprägt von Umbruchserfahrungen und die Menschen verbanden verschiedene Erwartungshorizonte, die sich aus differenzierenden Feinbildern und Perspektiven zusammensetzten, mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen von Befreiung oder dem Untergang Deutschlands. Das bedeutet, dass der Geschichtsunterricht mit kontroversen Perspektiven, die in den verschiedenen Erinnerungskulturen und –milieus in Ost und West entstanden sind, operieren muss. Daraus ergibt sich die geschichtspolitische Kontroverse, ob es sich bei Kriegsende um eine Befreiung oder eine Katastrophe für das deutsche Volk handelte und wie diese Gedenkkulturen durch Propaganda und Feindbilder, Presse oder durch politische oder kulturelle Teilmilieus geprägt wurden.

Es bieten sich für den Unterricht verschiedene Inhalte an: neben dem Einblick in den Alltag und die Lebenssituation der Bevölkerung sind ebenso politische Aspekte sowie gesellschaftliche Auseinanderentwicklung der westlichen Zone von der Sowjetischen Besatzungszone und die wirtschaftliche Weichenstellungen in beiden Teilen Deutschlands zu betrachten. Innerhalb der hier vorliegenden Konzeption soll primär die Lage der Bevölkerung vorzugsweise im Osten Deutschlands während der letzten Tage des Kriegsgeschehens bzw. der Besatzungszeit in der Sowjetischen Zone in den Blick genommen werden. Die außenpolitischen Interessengegensätze und wachsende Konfrontation der alliierten Militärregierungen sind in diesem Unterrichtsentwurf nicht berücksichtigt. Anhand repräsentativer Quellen und mittels Zeitzeugenberichten, die geprägt sind von den Erfahrungen des Kriegsendes und der Besatzungszeit können Schüler sich des Problems der Subjektivität von Geschichte bewusst werden und außerdem eine gesunde Skepsis gegenüber des geschriebenen und gesprochenen Wortes zueigen machen.

Aus didaktischen Überlegungen heraus sollten Konflikte und Widersprüche, die sich aus den Quellen und Aussagen der Zeitzeugen ablesen lassen nicht vom Lehrer, sondern von den Schülern selbst herausgelöst werden. Ein besonderes Augenmerk wird auf das Problem des Aussterbens einer Erlebnisgeneration gelenkt und den Schülern soll deutlich werden, dass dadurch ein Wandel in der Erinnerungskultur der Gegenwart stattfindet. Zum Begreifen der jeweiligen Lebenswelten zu Kriegsende und in der Besatzungszeit ist ein multiperspektivischer Zugriff von großem Nutzen, denn das Unterrichtsthema kann so aus verschiedenen, z.T. auch in Widerspruch zueinander stehenden Perspektiven aufgearbeitet werden.

Unsere Konzeption sieht deshalb sechzig Jahre nach den Ereignissen eine fiktive Zusammenkunft mit historischen Aussagen und Zeitzeugen vor, in Form ausgewählter zeitgenössischer und rezeptionsgeschichtlicher Dokumente, mit der Absicht zu einem neuen Verständnis der historischen Wahrheit zu gelangen. Die Schüler werden durch die Auswahl der Quellen zunächst indirekt auf eine bestimmte Deutungsvariante der Fremd- und Selbstwahrnehmung hin orientiert, nur um diese später durch kritische Auseinandersetzung wieder in Frage zu stellen. Hierbei soll nicht die Frage nach den umstrittenen Fakten beantwortet werden, sondern vielmehr soll induktiv ein kritischeres Geschichtsbewusstsein erzeugt werden.

Die Bearbeitung eines solch komplexen Themas sollte erst in der Sekundarstufe II erfolgen. Zwar wäre es denkbar, die Problematik auch in der zehnten Klassenstufe mit in den Unterricht einfließen zu lassen, dann allerdings in etwas vereinfachter Art und Weise. In der zwölften Klassenstufe sind die interpretativen Kompetenzen durch den Deutschunterricht stärker geschult. Als zeitlichen Rahmen für die Bearbeitung schlagen wir zwei Doppelstunden á 90 Minuten vor.

2. Didaktische Analyse

2.1 Sachanalyse

Der Zweite Weltkrieg erreichte Deutschland im Jahr 1944 mit den strategischen Bombenangriffen der Westalliierten, welche die Zerstörung der deutschen militärischen, industriellen und wirtschaftlichen Kapazitäten und somit einer Schwächung der Fähigkeit zum bewaffneten Widerstand hatten. Die Folge war, dass die Bevölkerung in Deutschland von nun an unmittelbar in den „totalen Krieg“ einbezogen war und die Grenzen zwischen „Front“ und „Heimat“ fließend geworden waren. Die Angriffe auf Flugzeug-, Motorenfabriken, Ölraffinerien und Verkehrswege führte innerhalb weniger Monate bis zum Herbst 1944 zum vollständigen Erliegen der deutschen Kriegswirtschaft. Der Einsturz der deutschen Fronten in Ost und West, der vor allem durch die zahlreichen Offensiven der Roten Armee zwischen Sommer 1943 und dem Frühjahr 1944 bewirkt wurde, bedeutete für Hunderttausende deutscher Soldaten eine jahrelange Kriegsgefangenschaft.

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Details

Seiten
12
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640747177
ISBN (Buch)
9783640747320
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v156436
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Historisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Unterrichtssequenz Thema Befreiung Besetzung Ereignis Rezeption

Autor

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Titel: Übersicht über eine mögliche Unterrichtssequenz zum Thema  „Kriegsende, Befreiung, Besetzung? Zum 8. Mai 1945.  Ereignis und Rezeption.“