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Diagnostik und Förderung sozialer Kompetenzen

Seminararbeit 2010 17 Seiten

Soziologie - Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. das Konstrukt soziale Kompetenz - eine Begriffsbestimmung
2.1 Dimensionen sozialer Kompetenz- als Anpassung und als Durchsetzung
2.2 Persönlichkeit und sozial kompetentes Verhalten
2.3 berufliche Handlungskompetenz

3. Diagnose und Messung sozialer Kompetenz
3.1 direkte diagnostische Verfahren
3.2 indirekte diagnostische Verfahren

4. Training sozialer Kompetenzen

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Sozialen Kompetenzen wird im beruflichen Alltag eine immer größer werdende Bedeutung zugemessen. Solche oder ähnliche Stellenanzeigen spiegeln aktuell wieder, dass nicht nur die fachliche Qualifikation benötigt wird, sondern gezielt Mitarbeiter mit bestimmten Per- sönlichkeitseigenschaften gesucht werden. Die sog. „Soft Skills“. Nicht nur bei der Perso- nalauswahl, sondern auch im Alltag spielen Persönlichkeit und soziale Kompetenz eine herausragende Rolle. Doch was verbirgt sich tatsächlich hinter den Konzepten Persönlich- keit und soziale Kompetenz? Was meint soziale Kompetenz im Alltagsverständnis und im Beruf oder Studium? Die vorliegende Arbeit geht diesen Fragen im beruflichen und kli- nisch psychologischen Kontext nach und erörtert warum soziale Kompetenzen nicht iso- liert von Fachkompetenzen zu betrachten sind und wie konkret der Begriff der sozialen Kompetenz in die berufliche Handlungskompetenz integriert ist. Dabei werden zunächst die sozialen Kompetenzen theoretisch eingeordnet und im weiteren Verlauf als ein Be- standteil beruflicher Handlungskompetenz beschrieben. Zudem werden die grundlegenden diagnostischen Erfassungsmöglichkeiten von Kompetenzen dargestellt. Der Abschluss dieser Arbeit zeigt Möglichkeiten und Vorgehensweisen von Trainings sozialer Kompe- tenzen auf.

2. das Konstrukt soziale Kompetenz - eine Begriffsbestimmung

Seit einigen Jahren findet das Konzept der sozialen Kompetenz zunehmend Beachtung sowohl in der personalpsychologischen Forschung (z.B.: Borman, Penner, Allen & Moto- widlo) als auch in der praktischen Personalarbeit (z.B.: Kanning). Personalpsychologie betrachet das Individuum in seinen Verhaltens-, Befindens-, Leistungs- und Entwicklungs- zusammenhängen als MitarbeiterIn einer Organisation und ist somit ein Teilgebiet der Ar- beits- und Organisationspsychologie (vgl. Schuler 2001, S.4 zit.n. Graf 2003, S.68). In der praktischen Personalarbeit werden häufig teilsynonyme Begriffe wie „soft skills“(Schlüsselqualifikationen; weiche Fähigkeiten) oder „ emotionale Intelligenz“( Op- timismus, Gewissenhaftigkeit, Motivation, Empathie) verwendet. Leicht lässt sich erken- nen, dass es keine einheitliche oder allgemeingültige Verortung der sozialen Kompetenz als Begrifflichkeit gibt. Weinert (vgl. 2001b, S.45) behauptet sogar, dass der Begriff sozia- le Kompetenz inflationär verwendet wird. Annähernd jeder Begriff wird durch den Zusatz „…Kompetenz“ aufgewertet. Es gibt beispielsweise Medienkompetenz, Führungskompe- tenz oder berufliche Kompetenz (vgl. Bergmann 2003, S.229). Unabhängig von einer spe- zifischen Verwendung kann man die Bedeutung des Begriffs soziale Kompetenz anhand ihrer zwei Bestandteile betrachten. Sozial lässt sich hierbei durch „gemeinschaftlich“, „zwischenmenschlich“ ersetzen. Kompetenz hingegen beinhaltet Schlagworte wie „Befug- nis“, „Fähigkeit“, „Fertigkeit“. Goldfried und D´ Zurilla (vgl. 1969, S. 151-169), bekannt durch Ihr entworfenes Problemlösetraining, welches häufig Anwendung in der Familien- therapie findet, halten ein Verhalten für kompetent, wenn es für das Individuum zur Ma- ximierung der positiven Konsequenzen und zur Minimierung der negativen Konsequenzen führt. Faix und Laier (vgl. 1991, S. 36) erkannten, dass ein spezialisiertes Fachwissen al- leine nicht ausreicht, um im Berufsalltag Leistung zu erbringen und gesellschaftliche Ent- wicklung voranzutreiben. Entsprechend macht Faix deutlich, dass persönlicher Erfolg im Beruf und Alltag einer Handlungskompetenz (vgl. ebd.) bedingt, die durch einen Synergie- Effekt (ein Zusammenwirken von mehreren Kräften) aus fachlichen, methodischen und sozialen Kompetenzen entsteht. In der vorliegenden Arbeit wird unter dem Kompetenzbe- griff das Potential verstanden, über die Fähigkeiten zu verfügen, die den Menschen sowohl in vertrauten als auch fremdartigen Situationen handlungsfähig machen (vgl. Weinberg 1996, S.3). Somit in der Lage sind zwischenmenschliche Interaktionen zu analysieren und zielorientiert zu agieren, während Sie gleichzeitig die Interessen Ihrer Interaktionspartner berücksichtigen. Diese Fähigkeiten sind nach Goleman in seinem Ansatz der emotionalen Intelligenz (vgl. Goleman 1996, S. 63 zit.n. Giessen 2009, S.25) erlernbar und nicht gene- tisch bedingt.

Sowohl die Entwicklungs- als auch die Klinische Psychologie setzen in der Definition von sozialer Kompetenz spezifische Akzente (vgl. Kanning 2005, S.2). Anpassung beinhaltet das Erlernen von Normen und Werten bzw. Verhaltensregeln, die möglichst jedes Indivi- duum im Laufe der Sozialisation näher an die Gemeinschaft bringt. Wichtig ist dabei im Resultat ein friedfertiger Umgang und reibungsloser Ablauf zwischenmenschlicher Kon- takte. Im beruflichen Alltag bedeutet Anpassung, dass man gerade als neuer Mitarbeiter gewisse, bestehende Regeln im Arbeitsteam verinnerlicht, damit die Organisation als Gan- zes ihre Ziele verwirklichen kann, ein Team überhaupt erst entsteht und effektiv agieren kann (ebd.).

Aus Sichtweise der Klinischen Psychologie wird demgegenüber der Begriff der Durchset- zung akzentuiert. Hinsch und Pfingsten (vgl. 2002, S.11) beschrieben im Rahmen der Be- handlung von sozialen Phobien („Ängsten“), dass diesen häufig eine mangelnde Verwirk- lichung von eigenen Interessen zugrunde lag. Wer sich ständig unterordnet, Angst hat seine Meinung zu äußern, lebt in ständiger Anspannung (vgl. Kanning 2005, S.3). Das Erlernen dieser Durchsetzungsfähigkeit durch therapeutische Interventionen steigert nach Hinsch und Pfingsten (vgl. 2002, S.11) die Lebensqualität. Im Beruf ist Durchsetzungsfähigkeit nicht nur bei Führungskräften gefragt, sondern in der Teamarbeit generell. Potentiale, Kreativität und Erwartungen können nur dann entfaltet und erfüllt werden, wenn man in der Lage ist, einen Standpunkt einzunehmen und diesen auch mit Nachdruck zu vertreten (ebd.).

2.2 Persönlichkeit und sozial kompetentes Verhalten

Die eingangs gestellte Frage: Was sich hinter einer Persönlichkeit und dem Begriff soziale Kompetenz im Zusammenhang verbirgt, soll im Folgenden näher dargestellt werden.

Persönlichkeit ist definiert als „ Inbegriff der individuellen Merkmalsausprägungen eines Menschen“ (vgl. Mummendey 2003, S.28). Diese Ausprägungen, sogenannte Traits, sind nach McCrae und Costa (vgl. 1990, S. 23-24):

„ dimensions of individual differences in tendencies to show consistent patterns of thoughts, feelings and actions … over time as well as across situations”.

Zusammengefasst meinen McCrae und Costa damit deskriptive Dimensionen, die Muster von beobachtbarem Verhalten beschreibend zusammenfassen und dabei die Persönlichkeit ausmachen. Beständige Denkschemata, Gefühlsmuster und Handlungen sowohl im Laufe der Zeit als auch konkret in den jeweiligen Situationen.

McCrae und Costa haben in Ihrer Fünf Faktoren Theorie die Hauptdimensionen der Per- sönlichkeit zusammengefasst. Bereits in den 1930er Jahren durch Allport und Odbert ent- wickelt, geht das Modell davon aus, dass fünf weitestgehend unabhängige Dimensionen von Persönlichkeitseigenschaften existieren. Den folgenden Dimensionen liegen Eigen- schaftsbegriffe zugrunde, mit denen die Menschen sich und andere beschreiben. Eine Art Klassifikationssystem und heute international gebräuchlicher Persönlichkeitstest für ge- sunde Jugendliche und Erwachsene.

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Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640692842
ISBN (Buch)
9783640692941
Dateigröße
611 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v156472
Institution / Hochschule
Fachhochschule Kiel
Note
1,7
Schlagworte
diagnostik förderung sozial sozialer kompetenzen wahnehmung kommunikation beratung psychologie leistung leistungstest kompetenz

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Titel: Diagnostik und Förderung sozialer Kompetenzen